Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1930-04-25 · Heft 31-32 (25.4.1930) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 31-32 (25.4.1930)
Date
1930-04-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653156-2653187--21530-2679637
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Nr. 31/32, 25. TV. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 223 Martin Buber und seine Zeit Eine geistesgcschiehtliche Darstellung des modernen Judentums. (,,Martin Buber. Sein Werk und seine Zeit. Ein Versuch über Religion und Politik“. Von Hans Kohn. Verlag von Jacob Hegner in Helierau, 1930.) f. Das Phänomen der Jüdischen Renaissance der letzten 50 Jahre läßt sich historisch in zweifacher Weise einreihen: einmal gewissermaßen vertikal, im Zusammenhang der jüdischen Geschichte, und das andere Mal horizontal, innerhalb der Zeitgeschichte, als deren vielfach verflochtener Bestandteil sie erscheint. Aber erst eine Kombination beider Bctrachtungsweisen wird uns das wahre Wesen dieser Bewegung, in der wir stehen, enthüllen und begreifen lehren. Und entsprechend der Zerstreuung des jüdischen Volkes und seiner Anteilnahme an vielen Kulturkreisen wird eine künftige umfassende Dar- Stellung des modernen Judentums neben der jüdisch-geistigen Kontinuität die Einwirkung außerjüdischer, allgemeiner Strömungen und Kämpfe auf den innerjüdischen Bezirk zu untersuchen haben, z. B. innerhalb des russischen Kulturkreises, der — von Tolstoj bis zur Revolution — auf das jüdische Parteiwesen, auf den Zionismus bis in die verschiedenen Siedlungsformen Palästinas und Denkformen des modernen Hebraismus von stärkstem Einfluß war; zugleich wird die allgemeine Wirt- Schaftsentwicklung und ihre Wirkung auf die jüdische Gesellschafts-Struktur zu berücksichtigen sein, und so erst wird der Gestaltwandel des Judentums in dieser seiner revolutionären Epoche sich uns erschließen. Bisher haben wir freilich kaum das dürftigste Material einer solchen Geschichte. Um so freudiger und dankbarer müssen wir ein Buch begrüßen, das wenigstens für ein Teilgebiet die hier angedeutete Aufgabe zum erstenmal löst, und zwar für den mitteleuropäischen, deutschsprachigen Kulturkreis, also für die den Lesern dieser Zeitung am nächsten stehende Sphäre. In glücklicher Weise wird dieses Untemehmen durchgeführt in der Form einer Biographie der geistig repräsentativen jüdischen Figur Mitteleuropas, deren Leben unmittelbar an der jüdischen Bewegung und am Geistesleben der Zeit in einer seltenen Intensität Anteil hat: in dem Buche über Martin Buber von Hans Kohn. Hans Kohn, den Lesern dieses Blattes aus gelegentlicher Mitarbeit bekannt, liaf schon früher wertvolle Beiträge zur Darstellung der jüdischen Bewegung und der jüdischen Problematik geliefert. Seine leider nur in Hebräischer, nicht auch in deutscher Sprache erschienene Monographie führender zionistischer Denker ist die einzige mir bekannte Ideengeschiehte des jüdischen Nationalismus des 19. Jahrhunderts. Nun schrieb Kohn, selbst zum engen Kreis der Freunde Bubers gehörig, in dieser Buber-Biograplde die Geschichte einer jüdisch und zionistisch höchst bedeutsamen Epoche, die Geistesgeschichte des mitteleuropäischen ״westjüdischen“ Zionismus (einen west europäisch-westjüdischen Zionismus gibt es geistig bisher so gut wie gar nicht), der ebenso wie der osteuropäischrussische aus einer Synthese entstand, die bisher niemals so gründlich analysiert wurde, wie bei Kohn, dem seine frappante Belesenheit es ermöglicht, den geistigen Elementen Ws zu ihren Ursprüngen nachzugehen und alle Faktoren, die im Zuge des bewegten Lebens dieser drei Jahrzehnte die Generation mitbildeten, aufzudecken. So wird diese Biographie Bubers-in einem gewissen Sinne zugleich eine Art geistige Autobiographie des Autors, die Rechenschaft einer Generation, das Denkmal einer denkwürdigen Jugend, und da der Schreiber dieser Zeiicu hinzufügen darf: einer gemeinsamen Jugend, so wird auch ein Wort besonderen Dankes wohl berechtigt sein. Für die jüdische und zionistische Nachkriegs-Generation, die aus anderen Quellen genährt wurde und vielleicht einen Schritt weiter finden wird, ist dieses Buch die erste zusammenfassende liebermittlung des Erbes ihrer Vorgängerin, natürlich nicht im Sinne einer Parteidogmatik, die immer geistig steril bleibt, sondern im lebendigen Strom einer nach ihrem wahrhaften Ausdruck noch ringenden Entwicklung. 11 Martin Buber war der Lehrer dieser jüdischen Generation des ersten Viertels unseres Jahrhunderts, und er war zugleich die repräsentative jüdische Gestalt gegenüber der deutschen Umwelt. Sein Leben und seine Lehre werden von Kohn in■ allen ihren Wendungen verfolgt und dem Leser verständlich gemacht. Aus dem gewaltigen Reichtum dieses Werkes können an dieser Stelle nur einige wenige Hinweise ausgelöst werden. Der jüdische Nationalismus entstand, wie Buber als erster gezeigt hat, aus der Synthese der beiden Bewegungen, die die Erstarrung ■des traditionellen Judentums — die eine von der Vernunft 11er, die andere vom Gefühl her — durchbrachen: Haskaia und Chassidismus. Die auslaufenden Wellen beider Bewegungen umspülen Bubers Jugend; in Wien kommt der Jüngling dann in den Bannkreis ״jener eigenartigen, aus siiddeutschen, jüdischen und slawischen Einflüssen gemischten Kultur, die sich von der allgemeinen deutschen Kultur scharf abhob und eine eigene, dabei dem übrigen Europa nähere Stellung einnahm“. Von ihrer spielerischen Neuromantik befreit er sich bald, Nietzsche wirkt auf ihn, später Simmel und Dilthey, Das entscheidende Eriebnis des Berliner Sommersemesters von 1898 aber wird der Zionismus. ״Der Zionismus war damals die Bewegung der Jugend, voll der Begeisterung und Entdeckerfreude junger Männer, denen er nicht nur ein Ziel setzte, das die Phantasie und den Willen anspornte und dem Stolz und Geltungswillen des einzelnen Tätigkeit wies, die sieh in dauernden Zusammenhang einordnete, sondern denen er den Weg zu einer neuen, unbekannten oder vergessenen Welt, dein Judentum, wies. Jenen ersten jungen Bekennern des Zionismus brachte ihr neues Bewußtseiu schwellende Freude, sie waren erfüllt von der Weihe und Bedeutung des Werkes, dessen konkrete Gestaltung noch in der Zukunft lag. Für Buber bedeutete der Zionismus mehr noch: er wurde dem suchenden und schweifenden Jüngling der Halt, der ihn zugleich zu seinem Ursprung zurückführte. Er ließ ihn mit der aufiösenden Assimilation brechen, die ihn in Wien bedroht und aus ihm einen der mit aller Welt verbundenen und doch in keiner Heimat verwurzelten, vieigestaltigen und doch einsam-tragischen Literaten zu machen gedroht hatte. Der Zionismus stellte für ihn wieder den Zusammenhang her mit seiner Kindheit, mit Vater und Großvater, mit den Generationen vor ihnen und der Art, die sie in der natürlichen Folge des Geistes und Blutes ihm überkommen hatten. So verwurzelte er erneut in der Gemeinschaft, der er entstammte.“ Aber schon am Anfang wußte Buber, daß das bloße nationale Be kenntnts nicht genügte; eine völlige Verwandlung des Menschen tut not. Für ihn war Zionismus niemals eine billige Parteisache, sondern die höchste menschliche und jüdische Forderung. Daher gilt sein Interesse nicht der damals üblichen Agitation, sondern der Vertiefung und Erziehung. Diese Grundlinie hat er in der Bewegung auch Im späteren Leben eingehalten und so den Zionismus inhaltlich erweitert und bereichert. In derselben Zeit knüpft Buber Beziehungen zum Kreise der ״Neuen Gemeinschaft“, aus der für ihn die Freundschaft mit Gustav Landauer von größter bleibender Bedeutung wird. Aber zunächst führt ihn sein Schicksal wieder nach Wien, er wird Redakteur der ״Welt“ und zusammen mit Berthold Feiwcl der geistige Führer der ״Demokratischen Fraktion“ des V. Kongresses, auf dem sich sein Bruch mit HcrzI vollzog. Trotz der Fülle der Mißverständnisse zwischen den beiden Männern war es Buber, der nach Hcrzls Tode die schönsten Worte zur Würdigung der Persönlichkeit Herzls fand. Bald darauf (1903) zog sich Buber aus dem aktiven Parteilebcn zurück. Die nächste Periode seines Lebens ist gekennzeichnet durch die Entdeckung des Chassidismus. Was wir Buber hier verdanken, ist allgemein bekannt. Kohn stellt diese Wendung Bubers in den Zusammenhang der geistigen Situation der Zeit, die nach dem Triumph des wissenschaftlich-technischen Zeitalters wieder die tieferen Llbensgründe zu suchen begann. ״Aus den Schriften seines ersten entscheidenden Jahrzehnts, von 1905 bis 1915, tritt uns das allgemeine Wesen jener Zeit entgegen, der Durchbruch, den sie zu einer neuen Frömmigkeit bedeutet. Von hier ist Buber wiederum seiner Zeit weiter vorangegangen, zu dem verpflichtenden Ernst einer tatfrommen Wirklichkeit. Der Ruf zu Einheit und zur Tat waren die Grundfesten seiner Lehre in diesen beiden Abschnitten seines Weges; aber in dem ersten lag der Akzent mehr auf der Einheit, in dem zweiten mehr auf der Tat. Seine Lehre fand Buber vorgezeichnet in den Elementen des Judentums, und so wurde sie eine Deutung des Judentums. War Buber der Sprecher eines Augenblickes der Geschichte des menschlichen Geistes und ein Führer auf seinem Wege, so fiel sein Wort, aus urjüdischen Quellen gespeist, in eine entscheidende Epoche des Judentums, da cs vor sich und der Menschheit zu neuem Bewußtsein erwachte. Diese in ihm zusammenströmenden Elemente des Judentums, des philosophischen Zeitgeistes, der neuen Religiosität und der menschlichen Tatfrömmigkeit hob er vereint in seiner Entdeckung des Chassidismus in die Sphäre des lehrenden und aufrufenden Wortes.“ 111. Erst im Jahre 1909 trat Buber wieder in die Ocffentlichkeit. Damals hielt er im Kreise des Präger Studentenvereins ״Bar Kochba“, der ihm seitdem Gefolgschaft bewahrt hat, seine erste Rede über das Judentum. Auf dieser zweiten Stufe seiner zionistischen Betätigung gewinnt der Zionismus einen neuen Sinn. ״Er wird in den geistigen Prozeß des jüdischen Volkes eingestellt, der zugleich das Sinnbild des geistigen Prozesses der Menschheit ist. Die jüdische Renaissance, an der Buber zehn Jahre vorher mitgewirkt hat, genügt nicht mehr. Es handelt sich um eine Erneuerung des Judentums in seinen tiefsten Schichten, um eine Erneuerung der jüdischen Religiosität. Aus dieser Erneuerung und durch diese Erneuerung muß das jüdisefee Zentrum in.,Palästina ,entstehen. Ein Zentrum, da? nicht aus dieser Erneuerung entstünde»'könnte die Erneuerung auch nicht bedeuten. Die Gewalt des stürmenden Geistes, die die Erneuerung bringen kann, hatte ihre Heimat gerade in der Zerrissenheit und Verzweiflung des Exils. Hier sind die Keime zu jener alles Alte von sich abschüttelndcii, eine neue Ha!- tung zum Leben erzeugenden Erschütterung. Aber die innere Sicherheit der aus dieser religiösen Erneuerung eine Kultur aufbauenden Seele kann das Judentum nur in Palästina finden. Jüdische Religiosität hat den Juden immer zur Einwurzelung in den heimatlichen Boden getrieben, zur vorbildlichen Gestaltung einer Menschengemeinschaft auf der schmalen kanaanäisehen Erde. Dort wird der jüdische Geistesprozeß in seiner Reinheit wieder anheben: Die Gestaltenden werden wieder das absolute Leben des Volkes schaffen, werden auch in ihrer ge- Schichthöhen Wirkung sein Geistesleben umgestalten und je und je erneuern.“ Bubers Wirkung ist in dieser Periode seines Lebens im Zionismus stark. Als ein Dokument dieser Wirkung erscheint das Buch ״Vom Judentum“, 1913, unmittelbar vor dem Weltkrieg. Zugleich werden verschiedene Projekte erwogen, um dem als ״Persönlichkeits - Problem“ erkannten westjüdischen Zionismus durch eine die jüdischen Werte einschließendc Er- Ziehung eine konkretere Basis zu geben. Seine Philosophie, die sich um den Begriff der ״Realisierung“ aufbaut, hat Buber damals in den Dialogen ״D a n i e 1“ in einer dichterisch vollendeten Form und doch in strengster gedanklicher Konzentration ausgesprochen. ״Die Erlebnisse und Begriffe, die ihn bei seiner Darstellung des Chassidismus, bei seinen Reden über das Judentum, bei seiner Erforschung der Mystik und der Lehre des Orients bestimmt haben, kehren alle Im Daniel wieder. Sie gewinnen hier eine reifere, bestimmterc, eindeutige Fassung.“ IV. Es folgt die Periode des Weltkriegs mit ihren entsetzlichen Wirren. Am Vorabend des Krieges, 15. Juli 1914, veröffentlicht Gustav Landauers ״Sozialist“ einen ״Protest“, der jeder nationalen Bewegung bekannt zu werden verdient als Eiement der Läuterung und Selbstkritik des Nationalismus. Es heißt darin: ״Wer jegliche t i< wall verwirft, wie wir es tun sollen, der wendet sich von denen ab, die wohl die Gewalttaten ihrer eigenen Nation und ihres Staates verherrlichen, dio der Unterdrückte« und der wilden Freiheitskämpfer feindlicher Nationen aber beschimpfen. Darum werden wir nicht, wie jetzt alle Zeitungen, die beiden jungen Serben (dio Mörder des Erzherzogs Franz Ferdinand) Mordbuben, Elende, Rucbloso und dergleichen nennen, sondern werden uns er- Innern, wie anders eine - solche Tal . von jeher beurteilt worden ist, wenn der Patriotismus des eigenen Volkes sie unter seine Fittiche genommen hat. . . . Die Menschheit verlumpt, wenn nicht über denen, deren Urteile von ihrer Partei bedingt sind, über denen, die Teil (und griechische Tfrannenmörder) preisen, dio serbischen Attentäter aber verfluchen, wenn nicht, über all diesem vernichten und mörderischen Subjektivismus solche stehen, die all dio Standpunkte der Streitenden und Mordenden ernst oder gar lächelnd überschauen und der Objektivität fähig sind, Objektivität, dio anderes als Fischblut ist, — Objektivität iui Moment der Erlebnisse. — .wenn wir die nicht aus der Geschichte Immen, dann hat es keinen .Wert, daß dio Menschheit Geschichte und Gedächtnis hat.“ ln den Jahren des Krieges vollzieht sich in Buber ein Durchbruch zu einem neuen Verhältnis zu Welt und Mensch, das Kohn als religiösen Sozialismus charakterisiert. Und zugleich gewinnt er eine neue Auffassung der Religion, die nicht mehr mystische Vereinigung mit Gott ist, sondern Konfrontkrung: die Bereitschaft, der Berührung des Unbedingten standzuhalten, Buber greift aufs neue, zum drittenmal in die öffentliche Diskussion des Zionismus, der inzwischen ein ״politischer Faktor“ geworden ist, ein. Er gründet die Zeitschrift ״Der Jude“, veröffentlicht dort seine bedeutungsvollen, weithin gehörten Warnungen und Weckrufe. Er nimmt 1918 am Jugendtag in Wien Anteil, steht eine Zcitlang führend in der Jugendbewegung, die ihn freilich nie ganz verstand, tritt dann auf der Prager Konferenz der Hitacliduth 1920 aktiv auf und hält 1921 als Sprecher der Hitachduth seine große Kongreßrede über die Araber-Politik, die in der bekannten Resolution miindete. Diese Resolution, die heute so vielfach zitiert wird, mußten Buber und seine Freunde dem Kongreß abzwingen. Schon 1922 erfaßt Buber die Notwendigkeit eines neuen Weges des Zionismus, den er ״La nd es po li t i k“ nennt. Das Wort ist vielleicht nicht ganz glücklich gewählt, bei späterem Anlaß findet er ein besseres: ״Wirklichkeits- Zionismus“. 1111 Jahre 1927 sagte Buber in Palästina: ״Der Zionismus hat in seiner modernen Form drei Stufen durchlaufen. Zuerst war er politischer, Staatszionismus. Dann wandelte er sich zum Kulturzionismus. Beide aber waren von der Wirklichkeit abschend Zwecksetzungen, die schaffen wollten, was geschichtlich oder organisch entsteht. Nun müsse der Zionismus zu Wirklichkeits-Zionismus werden, zu demütiger Hingabe an dieses Land mit seinen Problemen und in der Fülle seiner Wirklichkeit. Es gilt den Dienst am Aufbau des Landes, ohne danach zu fragen, was daraus werden soll. . . . Palästina soll kein Judenstaat werden, wie der politische Zionismus glaubt, auch kein kulturelles, ausstralilendes Zentrum, wie der Kulturzionismus erhofft hat, sondern eine Lebens- Wirklichkeit des Judentums, das in seiner Gänze an Palästina teilnimmt; durch das Leben im Lande und durch die Werk- Verbundenheit von der Diaspora aus. ... So wird das einzigartige Aufcinanderangewiesensein von Volk und Land aus innerer Lebenssehnsucht zu innerlich durchglühtem Lebenswerk für die gesamte jüdische Gemeinschaft werden: eine neue gemeinsame Wirklichkeit Israels-, ein gemeinsames Werk aller Juden, ein Werk von Geeschledit zu Geschlecht, das die historische Kontinuität der dreitausend Jahre fortführt.“ V. Bubers Leben führt in steiler Kurve zur Höhe empor. Mit ״Ich und Du“ beginnt eine neue Epoche seines Schaffens, und in seinem Leben bildet die Begegnung mit Franz Rosenzweig einen entscheidenden Einschnitt. Jetzt ist für Bubers Theologie jede Psychologisierung und jeder Subjektivismus überwunden, Gott ist objektive Wirklichkeit und Religion ist Dialog, Begegnung von Gott und Mensch, die Geschichte ist das Produkt dieses dialogischen Verhältnisses, das neue Denken ist ein Denken der Beziehung, des Ich und Du. Das Instrument dieses Denkens ist die Sprache. Und das Wort, die Anrede, tönt Buber vor allem aus einem Buch entgegen, das nunmehr in das Zentrum seines Daseins tritt: Die Schrift, Ueber das gigantische Werk der Buber-Rosenzweigschen Ueber- Setzung, deren X. Band, das Buch Jeschajahu, soeben {bei Lambert1 Schneider, Verlag, Berlin-Dahlem) erschienen ist, kann an dieser Stelle nicht ausführlich gesprochen werden. Das Werk ist begonnen, es wird, wenn erst der —■ bisher nur darin immanente — Kommentar vorliegt, eine wahre Umwälzung zur Folge haben, die in das Judentum tiefer hineinwirken wird als es heute scheint. Kohn zeichnet Bubers Weg in seiner Kontinuität, er grenzt seine Gedankenwelt ab gegenüber den Strömungen der modernen (insbes. protestantischen) Reiigions- Philosophie, und gibt schließlich eine eingehende Darstellung von Bubers Lehre. In ihr ist ״aus den Quellen des Jude!!• fums“ ״nicht wie im krönenden Alterswerk Hermann Cohens, dessen reite und doch hinreißende Weisheit wohl einen Anfang in sich birgt, aber doch und vor allein ein Ende, die ,Religion der Vernunft׳ gegründet, sondern die Religion des heutigen Menschen, die Religion einer neuen anhebenden Zeit, die Religion der Wirklichkeit, da es die Ganzheit des Weltlebens Gott zuzuwenden und in jedem Augen- Wirk in der Welt und ihrer konkreten Aufgabe am Werk der Erlösung mitzuarbeiten gilt.“ VI. Es ist schwer, in einer Zeitungs-Besprechung die Gedankenfülle des Buches von Kohn auch nur andeutungsweise wiederzugeben. Das liegt schon an dem Gegenstand; denn um über Buber zulänglich zu sprechen, muß man eben ein Buch schreiben. Kohn gibt eine Fülle von Exkursen, Streiflichter zur Literatur und Philosophie, und besonders verdienstlieh ist es, daß er in Anmerkungen, die nicht weniger als 90 Seiten (ein Viertel des Buches) umfassen, eine Menge Details zu allen möglichen im Buche, berührten Gegenständen festgehalten hat. Dort finden sich auch genaue Quellen-Nachweise, so daß dieses Buch für Leser, die ernsthaft den Weg naehgehen wollen, ein wirklicher Helfer ist. Das Buch hat vier Kapitel, die betitelt sind: Ursprünge (1878-1904), Der Durchbruch (1905-1912), Die Sammlung (1913—1920), Die Reife. Beigegeben ist — außer Personenregister und den schon erwähnten Anmerkungen — eine vollständige Bibliographie der Schriften Bubers sowie der wichtigsten Aufsätze über Buber. Unsere Zeit ist wahrhaftig nicht reich an aulklärenden und darstellenden Werken der Ideenwelt der jüdischen Bewegung. Oft empfinden wir schmerzlich die geistige Stagnation. Hier ist ein Buch, das historisch ist und doch lebendige Kenntnisse vermittelt, ein hilfsreiches, ״dienendes“ Buch; möge es die Aufmerksamkeit finden, die es verdient. Robert Weltsch. Alle in Deutschland lebenden Juden, welche aus Böhmen stammen, werden zum Zwecke einer familiengeschichtlichen Darstellung in dem in Vorbereitung befindlichen Werke ״Die Juden und Judengemeinden Böhmens in Vergangenheit und Gegenwart“ ersucht, allfällige Daten, Bilder, Stammbäume, Abschriften und Photos von historischen Dokumenten, leihweise dem Redaktionskomitee zu überlassen. Alle Zuschriften sind zu richten an: Jüdischer Buch- und Kunstverlag, für das Redaktionskomitee des Werkes: Die Juden Böhmens usw. Brünn, Rennerg. 20. TschechosL Republik.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.