Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1930-04-25 · Heft 31-32 (25.4.1930) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 31-32 (25.4.1930)
Date
1930-04-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2651273-2653156-2653187--21528-2679635
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 31/32, 25. IV. 1930 JUEDISCH E RUNDSCHAU Seite 221 Die Notlage der deutschen Juden und der Preußische Landesverband Von A. W. Rom. II*). Wir haben in unserem früheren Artikel festgestellt, daß die ökonomische Lage der Juden in Deutschland beweist, daß das deutsche Judentum unter den gleichen Erscheinungen wirtschaftlicher Art zu leiden hat, wie das Ostjudentum. Wir haben darauf hingewiesen, daß der jüdische Angestellte in Deutschland allmählich genau so aus seinen Arbeitsstellen verdrängt wird, wie es im Osten geschieht und wir haben darauf hingewiesen, daß die Lösung, die es früher für den deutschen Juden gab, die schnelle Selbständigkeit, jetzt nur in beschränktem Umfang möglich ist. Die letztere Feststellung bedeutet also, daß die Zahl der jüdischen Unselbständigen, der jüdisehen Arbeitnehmer, von Jahr zu Jahr wächst, die erste besagt, daß der jüdische Arbeitnehmer im Westen genau so wie der im Osten, nicht nur gleich dem nichtjüdisehen Arbeitnehmer um den Arbeitslohn, sondern vor allem um den Arbeitsplatz kämpfen muß. Daraus resultiert die Erkenntnis, daß fast alle Hilfsmaßnahmen naturnotwendig nur Palliativmaßnahmen sein können, die aber trotzdem mit aller Energie in Angriff genommen werden müssen. Wir sind ein lebendiger Organismus und können uns nicht bei der Tatsache beruhigen, daß eine endgültige Hilfe nicht möglich ist. Es muß vielmehr jede Möglichkeit benützt werden, um auch durch kleine und kleinste Maßnahmen der Wirtschaftsnot der Juden zu steuern. Zunächst noch eine Zwischenbemerkung. Die Herausdrängung der Juden aus bestimmten Arbeitnehmerkategorien ist natürlich sehr stark beeinflußt durch antisemitische Vorstellungen und Oedankengänge. Aber gerade der Vergleich mit Osteuropa zeigt uns, wie gefährlieh es wäre, sich damit zu bescheiden, daß hier eben Auswüchse der antisemitischen Bewegung vorliegen, die bei einer Bekämpfung dieser Bewegung verschwinden werden. Das Problem ist leider viel gefährlicher. Keine noch so geschickte Bekämpfung des Antisemitismus in Deutschland (wir dürfen bei dieser Gelegenheit wieder einmal feststellen, daß die bisherigen Methoden zur Bekämpfung des Antisemitismus das deutsche Judentum zwar reichlich viel Geld kosten, aber außerordentlich wenig erfolgreich sind) wird die Folgen verhindern, die durch die Konzentration des Kapitals usw. für die jüdische Bevölkerung entstehen. Die Tatsache, daß die Arbeitsplätze, die die Juden bisher bevorzugt inne hatten, jetzt von Nichtjuden mit aller Kraft bestürmt und erobert werden, läßt sich nicht durch Bekämpfung antisemitischer Gedankengänge aus der Welt schaffen. Die wirklichen Abwehrmöglichkeiten sind bei uns selbst zu suchen. Nur durch Selbstbesinnung und Selbsthilfe kann etwas, wenn auch nicht allzuviel, erreicht werden. Die wichtigste Forderung, die wir als aktuellste Maßnahme durchzuführen haben, ist der Ausbau eines jüdischen Arbeitsnachweises. Hier liegt eine Aufgabe des Preußischen Landesverbandes und der Jüdischen Gemeinden. Es ist erfreulich und begrüßenswert, daß unsere Freunde in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin diese Tatsache erkannt haben, so daß der jüdische Arbeitsnachweis, der bisher mehr privater Art war, durch die Gemeinde offiziell übernommen wurde. Hoffentlich wird er nun tatkräftig ausgebaut. Es genügt aber darauf hinzuweisen, daß die Jüdische Gemeinde zu Berlin die einzige ist, die bisher einen jüdischen Arbeitsnachweis übernommen hat, um festzustellen, welch außerordentliche Aufgaben den Jüdischen Gemeinden auf diesem Gebiet erwachsen. Damit muß Hand in Hand gehen eine Aufklärung der jüdischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Dem Arbeitgeber muß immer vor Augen gehalten werden, daß es in seinem eigenen Interesse liegt, jüdische Angestellte zu nehmen und daß der größte Teil der lächerlichen Vorurteile gerade der jüdischen Arbeitgeber gegen die jüdischen Arbeitnehmer nicht zutreffen. Wir wissen, daß hier eine ungemein schwierige und undankbare Aufgabe liegt, aber auch hier beweist das Beispiel Berlins, daß bei intensiver und geschickter Tätigkeit in dieser Riehtung viel erreicht werden kann. Aber auch die jüdischen Arbeitnehmer müssen informiert werden, sie müssen erkennen, daß sich die Zeiten geändert haben, daß der Traum der Selbständigkeit für die weitaus größte Zahl endgültig ausgeträumt ist und daß es gilt, sich innerlich umzustellen und sich darüber klar zu werden, daß man Angestellter sein und bleiben muß und in diesem Beruf nun seine Erfüllung finden soll. Dies bedeutet, daß das Berufsberatungswesen ausgebaut werden muß, durch welches der heranwachsenden Jugend und deren Eltern die Erkenntnis vermittelt wird, die vorstehend skizziert wurde. Diese innere Umstellung ist die wichtigste Forderung, die an die jüdische Jugend gestellt werden muß, damit sie dem Daseinskampf gerecht werden kann. Von besonderer Bedeutung ist das Problem der Produktivierung. Leider sind wir nicht in der Lage, gerade in Deutschland einfach zu sagen, daß die Probleme wesentlich erleichtert wären, wenn sich die jüdische Jugend anstatt in kaufmännischen und intellektuellen Berufen zu Handwerkern und gelernten Arbeitern ausbildwi würde. Zunächst steht keineswegs fest, daß sich der Ausstoßungsprozeß nicht bald auch auf den jüdischen Arbeiter ausdehnen wird. Es ist eigentlich mit Sicherheit anzunehmen, daß dies der Fall sein wird. Andererseits müssen wir feststellen, daß jüdische Menschen in Deutschland dem Judentum vorzugsweise dort verloren gehen, wo sie vereinzelt sind. Der einzelne jüdische Arbeiter *) Siehe vorige Nummer״ inmitten einer Masse nichtjüdischer Kollegen ging bis- 1er fast immer dem Judentum und der jüdischen Ge» meinschaft verloren, genau so wie der Großkapitalist in seiner Vereinzelung in besonderem Maße zur Abwendung vom Judentum neigt Ferner sind die Aussichten in diesen Berufen zurzeit nicht so besonders günstig. Trotzdem glauben wir, daß auf diesem Wege mit Geschick, unter genauer Beobachtung des Arbeitsmarktes und der Berücksichtigung der spezifisch jüdischen Eigenschaften auch auf diesem Gebiete, viel geleistet werden kann. Es ist trotz aller Bedenken wesentlich zweckmäßiger, daß der heranwachsende jüdische Mensch einen Beruf als Handwerkei^ oder gelernter Arbeiter ergreift, sich in diesen Berufen erstklassig und tüchtig ausbildet, als daß er Händler wird oder die Schar des jüdischen intellektuellen Proletariates vergrößert. Vor allem unter dem Gesichtspunkt einer etwaigen Auswanderung — eine Frage, die behandelt werden muß und auf die wir noch zurückkommen werden — ist diese Berufswahl besonders zu begrüßen. Daß Landwirtschaft in Deutschland für Juden kein erstrebenswertes Ziel darstellt, soll hier nur festgestellt werden, die Gründe sind allmählich so bekannt, daß es nicht lohnt, sie noch einmal zu wiederholen. Daß jüdische Mensehen, die auswandern wollen, sich der Landwirtschaft mit Recht zuwenden, hat natürlich mit dieser Feststellung nichts zu tun. Aber auch für alle diejenigen, die nicht mehr umgeschult werden können, für diejenigen, die als Angestellte keinen Platz mehr finden, muß natürlich gesorgt werden. Hier haben jüdische Darlehenskassen und Leihkassen, verbunden mit einem Lombardinstitut, außerordentliche Wirkungsmöglichkeiten. Es ist wesentlich besser, man leiht dem verarmten Menschen ein kleines Kapital, um ihm eine noch so bescheidene Existenz durch Selbständigkeit zu ermöglichen, als daß man zuläßt, daß er langsam zum Wohltätigkeitsempfänger, zum Bettler wird und seine Kraft darin verzettelt, von Schalter zu Schalter der jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen zu gehen und zu warten, bis man sich seiner erbarmt. Auch hier ist eine Forderung an die Jüdischen Gemeinden, der sie nachkomtnen müssen und auch hier ist eine Forderung an den Preußischen Landesverband, die örtlichen Darlehenskassen durch Provinz- und Zentralinstitutionen zu unterstützen. An dieser Stelle wollen wir nicht die Maßnahmen behandeln, die sich mit denen beschäftigen, die bereits aus der Gemeinschaft der Arbeitenden ausgestoßen wurden, vor allem mit den jüdischen Wanderern, deren Zahl auch in Deutschland beängstigend anwächst, weil diese Fälle schon mehr in das Kapitel der sozialpflegerischen Arbeit fallen. — Es bleibt nur zu hoffen, daß die Wanderarbeitsstätte bald errichtet wird. All dies wird nicht verhüten, daß der tüchtige jüdische Mensch fa Zukunft Äh mehr als hiSfer afit dem Gedanken der Auswanderung wird vertraut machen müssen. Dem deutschen Juden stehen erfreulicherweise jetzt noch Tore offen, die dem Ostjuden bereits nahezu verschlossen sind. Mit aller Unsentimentalität, die dieses Thema nun einmal erfordert, muß auch die Frage der Auswanderung geprüft und erörtert werden. Bei all den genannten Mitteln, allen Wegen, handelt es sich, wie gesagt, nur um Palliativmittel, die Not kann gelindert, aber nicht behoben werden. Das Wichtigste, das Entscheidende, das geschehen muß, ist daher die innere Sicherheit des deutschen Judentums zu stärken, es aus der unerträglichen Haltlosigkeit zu befreien, die es ein schwankendes Schicksal nicht mehr ertragen läßt. Die Tatsache, daß der Ostjude sich leichter umstellt, beruht unter anderem auch darauf, daß er von äußeren Gütern nicht in dem Maß abhängig ist, wie der deutsche Jude, daß er noch Wertmaßstäbe anderer Art in sich trägt, die ihm Haltung und Sicherheit auch unter schwierigen Wirtschaftsverhältnissen geben. Ein starkes jüdisches Selbstgefühl, ein ruhiges Wissen um das Judesein und um das jüdische Schicksal — wenn dies erreicht wird, ist das deutsche Judentum in der Lage, den schweren Zeiten gerecht zu werden, denen es unweigerlich entgegengeht. Auch hier deckt sich unsere Erkenntnis mit unserer Forderung. Die so stark umstrittene jüdische Schule in Deutschland — sie könnte der heranwachsenden Generation diese Erkenntnis vermitteln, ihr die Sicherheit geben, die das notwendigste ist, das erzielt werden muß. Und hierzu kommt ein Zweites: die Verbundenheit mit dem allgemeinen Schicksal aller Juden bringt es mit sich, daß Palästina auch für das deutsche Judentum eine konkrete, reale Hilfsmöglichkeit bedeutet. Das deutsche Judentum, das heute dazu beiträgt, Palästina zu bauen, es für weitere Einwanderer aufnahmefähig zu machen, hilft nicht nur einer jüdischen Idee, einem Judentum außerhalb seiner Grenzen, es errichtet sich damit selbst Möglichkeiten für die Zukunft, Möglichkeiten auch wirtschaftlicher Art, für die ihm seine Kinder einmal danken werden. Politische Umschan Der ״Völkische Beobachter“ veröffentlicht, wahrscheinlich auf Grund der Indiskretion eines nationalsozialistischen Beamten, einen Briefwechsel zwischen dem deutschen Außenamt, dem Reichsinnenministerium und den Länderregierungen. Das Außenamt teilt dem Reichsinnenministerium mit, daß in Amerika die Zunehmende Schändung jüdischer Friedhöfe in Deutschland und das Antischächtgesetz in Bayern unter der dortigen jüdischen Bevölkerung Erregung gegen Deutschland geschaffen haben. Die deutschen Interessen in den Vereinigten Staaten erfordern eine Berücksichtigung dieser Stimmungen. Reichs- Innenminister Dr. Wirth brachte das Schreiben des deutschen Außenamtes in einem Runderlaß den Länderregierungen zur Kenntnis. Selbstverständlich knüpft der ״Völkische Beobach־ *er“ an die Wiedergabe dieses Briefwechsels Schmähungen gegen die Reichsregierung und gegen die amerikanischen und deutschen Juden. Die Nationalsozialisten werden nämlich gewahr, daß sie nicht allein auf der Welt sind und daß es so etwas wie eine Weltmeinung gibt, die unter Umständen gern bereit ist, sich der Juden im Auslande anzunehmen. Erfreulich ist, daß das jüdische Solidaritätsgefühl in der ganzen Welt rege wird, wenn man in irgendeinem Lande den Juden Unrecht zufügt. Dieses Mitgefühl ist das stärkste Aktivum jüdischer Politik, und es müßte so organisiert w'erden, daß es sich nicht nur in der Abwehr, sondern auch bei produktiven Leistungen offenbart. Auf die Anfrage eines jüdischen Juristen über die Aussichten im Staatsdienste antwortete die Auskunftsstelle der Kölner Universität: ״Bei Ihrer Konfession kommt ein Fortkommen in der Staatsverwaltung meistens praktisch nicht in Frage.“ Die republikanische Beschwerdestelle Berlin wandte sich wegen dieser Auskunft an den Kurator der Universität Köln. Der Kurator teilte mit, daß der akademische Berufsberater der Kölner Universität Dr. Cramer die beanstandete Antwort auf Grund seiner lang- ׳ ihrigen Erfahrungen im Umgang mit jüdischen Abiturienten, Studenten und Jungakademikem erteilt habe. Diese hätten ihm offen erklärt, daß für sie als konservative oder orthodoxe Juden die Staatsverwaltung meistens praktisch nicht in Frage komme. Dr. Cramer ist vom Kurator wegen der Form der erteilten Auskunft verwarnt worden. Die an der Wiener Universität getroffene Neuordnung von ״Studentennationen“ wird in der gesamten jüdischen und nichtjüdischen Presse diskutiert und heftig kritisiert Wir haben bereits zu dieser Frage Stellung genommen und haben nicht verhehlt, daß wir in dem animus dieser Neu- Ordnung einen Gewissenszwang erblicken. Am heftigsten protestieren gegen diesen Zwang, der hauptsächlich die Assimilationsjuden trifft und ihnen den Eintritt in die deutsche Studentennation unmöglich macht, die assimilatorischen sozialistisehen Juden, welche sich um die Wiener ״Arbeiterzeitung“ gruppieren. In Eisenach (Thüringen) wurde die Berufsberaterin im Arbeitsamt, Frl. Dr. Lewin, nur datum gekündigt, weil sie jüdischer Abstammung ist. Die Entlassung, hieß es bei,der Kündigung, müsse mit Rücksi cht auf die Ein Stellung der Bevölkerung ausgesprochen werden. Ludwig Hatvany-Deutsch, der seinerzeit wegen Schmähung seines ungarischen Vaterlandes zu mehrjähriger Zuchthausstrafe verurteilt wurde, ist jetzt anläßlich des 10jährigen Amtsjubiläums des Reichsverwesers Horthy amnestiert worden. Wir haben nach der Verurteilung Hatyanys die Persönlichkeit dieses ungarischen Assimilationsjuden reinsten Wassers charakterisiert. In der Gefangenschaft vollendete Hatvanv einen Entwicklungsroman einer jüdischen Kaufmannsfamilie unter dem Titel ״Bondy jr.", der an anderer Stelle unseres ־Blattes besprochen wird. Protest der indischen Moslems Die ״Vossische Zeitung“ meldet unter dem 23. April aus London: Die allindische mohammedanische Liga beendete am 21. April in Bombay eine stark besuchte Konferenz, die sich bemüht, einen Druck auf die englische Palästinapolitik auszuüben. Der zurzeit in London befindlichen arabispheq , Palästina-Delegation wurde folgende Resolution übermittelt: ״Da das heilige Land Palästina der gesamten mohammedamsehen Welt als Pfand übergeben wurde, verlangen die Mohara* medaner Indiens die Zurückziehung der Balfour-Deklaration, die Beendigung des Mandates und die Einsetzung einer freien und unabhängigen Regierung, ausschließlich aus den Ursprungliehen Bewohnern Palästinas bestehend, in Uebereinstimmung mit dem Prinzip der Selbstbestimmung.“ Es wurde ferner beschlossen, eine Deputation indischer Mohammedaner nach England zu entsenden, um zugunsten der Araber in Palästina zu intervenieren. In den ״Times“ vom 23. April ist die Resolution vollinhaltlich wiedergegeben. Es heißt in ihr am Schluß: Obgleich die Shaw-Kommission das Vertrauen der Moslems in der ganzen Welt nicht besitzt, hat diese doch festgestellt, daß die Hauptursache der Friedensstörung in der mutwilligen jüdischen Provokation der Araber durch Beleidigung von deren Glauben gelegen hat. Die Konferenz ersucht daher alle im Zusammenhang mit den Unruhen verurteilten Araber zu begnädigen. Schon die Berufung auf diese von der Shaw-Kommission an keiner einzigen Stelle ihres Berichtes auch nur andeutungsweise aufgestellte Behauptung beweist, wie unsachlich die indischen Mohammedaner von palästinensisch - arabischen Emissären informiert wurden. Im übrigen tragen dieser Kongreß und seine Beschlüsse deutlich die Züge einer künstlichen Mache an sich. Immerhin erwächst für uns die Aufgabe, in der gesamten mohammedanischen Welt einen Aufkiärungsdienst einzurichten. ״Unerwünschte Personen“ Jerusalem, 21. April. (J. T. A.) Das palästinensische Oberste Gericht befaßte sich mit der von der früheren Palästina- Einwohnerin Frau Bernstein gegen den Chef des Einwanderungsamtes A. M. Hyamson eingereichten Klage wegen ungerechtfertigt ausgesprochener Landesverweisung. Frau Bernstein wohnte neun Jahre in Palästina, ihr Gatte ist im Besitze des Zertifikates provisorischer Bürgerschaft. Vor kurzem begab sie sich ins Ausland und kehrte vor etwa 14 Tagen mit einem vom britischen Konsulat in Wien gegebenen Visum nach Palästina zurück. Hyamson aber ließ sie verhaften und sprach ihre Landesverweisung aus. Vor Gericht erklärte Hyamson, er habe die Landesverweisung auf Anordnung des Oberkommissars ausgesprochen, da der Name der Frau Bernstein auf der von der Polizei dem Oberkommissar überreichten Liste unerwünschter Personen steht. Das Oberste Gericht schloß sich diesem Argument der Palästinaregierung an und bestätigte die Landesver- Weisung mit dem Bemerken, daß der High Commissioner oder sein Vertreter berechtigt sind, unerwünschten Personen den Eintritt in das Land zu verweigern. Jerusalem, 22. April. (J. T. A.) Während des heftigen Seesturmes am vergangenen Sonnabend gerieten vor Jaffa zwei mit Arabern besetzte Leichter, von denen der eine mit Bauholz, der andere mit Kaufwaren beladen war, in Seenot. Die arabisehen Besatzungen verloren die Macht über die Steuerung und gerieten in Lebensgefahr. Rosengarten, der einzige Jude in Jaffa, der eine FischerjoUe besitzt, eilte mit seinem Motorboot den Bedrohten zu Hilfe und rettete sowohl Mannschaften wie Boote. Es ist zu bemerken, daß Rosengarten kürzlich von Arabern des Waffenschmuggels verdächtigt, aber vom Gericht freigesprochen wurde.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.