Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 31-32 (25.4.1930)
- Date
- 1930-04-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 220 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 31/32, 25. IV. 1930 nicht um rein technische Maßnahmen. Wenn eine rege Wechselbeziehung zwischen der Bibliothek und dem ganzen Lande bestehen, wenn sie zum geistigen Mittelpunkt aller ohne An* sehen der Rasse und des Glaubens heranwachsen soll, so muß sich eine geistige enge Verbindung zwischen ihr — sowie der Universität int allgemeinen י- und den verschiedenen Kreisen der Bevölkerung an bahnen. Bergmann hat dieses Ziel richtig ins Auge gefaßt, als er bei der Eröffnung erklärte: ״Aber unser Institut ist nicht nur die National- und Univer* sitätsbibliothek, sondern die Landesbibliothek Palästinas, die allen Einwohnern ohne Unterschied der Nationalität, des Glau* bens und der Partei dienen soll, dem Lehrer, dem Schriftsteiler, dem Arzt, dem Bauern, dem Schüler, dem Rabbiner, dem Mönch, dem Arbeiter, allen denen, die zu uns kommen müssen und kommen, um zu finden, was sie brauchen“. Diese beiden Ziele, der geistige Mittelpunkt des Landes Palästina und zugleich ein Mittelpunkt der Wcltjudenheit zu werden, muß bei der Weiterentwicklung aller Werke auf dem Skopus fest im Auge behalten werden. Es ist ein Ziel, das des Schweißes der Edlen wert ist. * Unter den Festteilnehmern waren die Beamten der Regierung mit dein High Commissioner an der Spitze, die Konsuln der auswärtigen Staaten und die Führer der palästinensisclwn Judenheit zu sehen. Arabische Gäste fehlten vollständig, 00wohl an führende Araber Einladungen ergangen waren. Das Amphitheater am Skopus, das der Feier als Schauplatz diente, bot einen prächtigen Anblick. Aeroplane, die über dem Amphitheater während der Feier kreisten, erhöhten den festlichen Eindruck. Die Festrede hielt der Kanzler der Hebräischen Universität, Dr. J. L. Magnes. Er gedachte — während sich die ganze Festversammlung von den Plätzen erhob — zuerst voller Ergriffenheit des verstorbenen Lord Balfour, sprach dann all denen seinen Dank aus, die zu dem Bau der Bibliothek beigetragen haben und feierte das Andenken David Wolffsohns. Er teilte mit, daß die Kosten des Baues in seiner jetzigen Gestalt und Einriclrfung 48.668 Pfund Sterling betragen haben. Der Bau sei aber nicht als abgeschlossen zu betrachten. Die Bibliothek hat jetzt für nur 300 000 Bände Raum, es ist aber eine Erweiterung des Gebäudes vorgesehen, durch die für weitere 225000 Bände Raum geschaffen werden soll. Von den Baukosten ist der größte Teil durch die Wolffsohn-Stiftung und einzelne Zuwendungen, wie die von Felix Warburg (5134 Pfd.), Morris Symonds aus Sidney (5000 Pfund), David Simon aus Detroit (1000 Pfund) gedeckt worden. Die Deutsche Bank hat ein Darlehen von 4816 Pfund und Judge Julian Mack ein solches von 2053 Pfund gewährt. Insgesamt ist das Gebäude noch mit 12.000 Pfund Schulden belastet. Das Berliner Komitee der Freunde der Universität hat es übernommen, 5000 Pfund aufzubringen. Magnes feierte die Bibliothek als Forsehungsstätte und Mittelpunkt geistiger Arbeit und gab dem Wunsche Ausdruck, sie möge die Heilige Stadt und alle Einwohner dieses ״altneuen“ Landes wohltätig beeinflussen. ,Die eigentliche Eröffnungsrede hielt Sir John Robert Chanccllor, dem eine Ovation bereitet wurde. Im ersten Teil seiner Rede gedachte er Balfours und führte aus, die Ehrungen des Andenkens dieses großen Briten durch die jüdischen Gemeinschäften aller Länder der Welt habe Balfours Landsleute und Freunde tief berührt. Ihm, Chancellor, gehe Balfours Tod auch persönliaf *ehr «alle,! denn vor 26 Jahren habe er däs Glück gehabt, in persönliche Berührung mit diesem großen Staatsmann zu kommen, und zwar als einer seiner Sekretäre im Committee for Imperial Defence, das Balfour als Premierminister eingerichtet hatte. Meine Anschauungen über Führung öffentlicher Angelegenheiten, sagte Chancellor, sind durch meine Berührung mit ihm dauernd beeinflußt worden. Die Begründer der Hebräischen Universität haben das Ziel vor Augen, der jüdischen Forschung und den jüdischen Idealen ein Heim zu bereiten, ein Heim, in dem die jüdische Kultur, eins mit den Kulturen der östlichen und westlichen Welten, sich frei entwickeln kann. Es besteht ferner der Wunsch, die Universität zu einem Mittelpunkt gelehrter Forschung zu machen, der allen Studenten ohne Unterschied der Nationalität, des Glaubens und der Rasse offen sein soll. Diese Ziele sind jeder Anstrengung wert. Die Eröffnung der Bibliothek bezeichnet eine wichtige Station in der Entwicklung der Wirksamkeit der Hebräischen Universität. Der Ort, auf dem das Gebäude steht, ist eine der schönsten und bedeutendsten historischen Stätten, die die Welt aufzuweisen hat. Diese vornehme Stätte muß würdig ausgestaltet werden, und hier besteht eine Aufgabe für die hervorragendsten Architekten. Der High Commissioner 110b billigend den Plan der für die Universität verantwortliehen Kreise hervor, ein Wohnviertel für Studenten und Professoren auf dem Skopus zu schaffen, und gab dem Wunsche Ausdruck, daß die hohen Pläne der Begründer der Universität alle ihre Verwirklichung erfahren mögen. Zum Schluß erklärte der High Commissioner das Bibliotheksgebäude für eröffnet. Nach ihm sprach der Direktor der NationaI-Bibliothek, Dr. Hugo Bergmann. Er skizzierte die Geschichte der Biblioihek seit ihren Anfängen 1. J. 1892, die der Bialystoker Arzt Dr. Joseph Cliasanowitscli allein ins Leben rief, und die Schwierigkeiten ihres Werdens. Er erinnerte daran, wie eine Spende von Sir Moses Montefiore im Betrage von 5 Pfund damals in den Anfangsjahren Aufsehen erregte und stellte dem die erste große Bücherspende der amerikanischen Zionisten i..J. 1920 entgegen. Die Bibliothek hat mehrere Aufgaben zu erfüllen. Sie ist in erster Reihe die Nationaibibliothek des jüdischen Volkes, die alle auf Juden und Judentum bezugliehen Druckschriften und Manuskripte sammelt. Sic ist ferner die Bibliothek der,^Hebräischen Universität und sammelt als solche Bücher aus allen Gebieten der Wissenschaft und der Kunst. Sie hat aber auch noch — und dies ist ihre dritte Mission — alspalästinensischeLandcsbibliothck allen Schichten und Klassen der Bevölkerung ohne Unterschied der Volkszugehörigkeit und des Glaubens zu dienen. Nachdem Dr. Magnes zahlreiche Glückwunschbotschaften, ti. a. von Dr. W e i z m a n n , vom ägyptischen Kultus- und Erziehungsminister, von den führender! jüdischen Wissenschaftliehen Institutionen und Persönlichkeiten, von der New Yorker jüdischen Aerztevereinigung und vielen Freunden der Universitat in Europa und Amerika verlas, besichtigten der High Commissioner und die Ehrengäste das Bibliotheksgebäude und seine Einrichtungen. Die Eröffnungsfeierlichkeiten waren durch gesangliche Darbietungen des mit anderen Chören vereinigten IJnivcrsitäts-Chors umrahmt. B ei gr a d , 21. April. (J. T. A.) Das jugoslawische Komitee für die Hebräische Universität hat der Leitung der jüdischen National- und Universitätsbibliothek den Vorschlag unterbreitet, eine Abteilung für Slawistik zu gründen. Dieser Vorschlag ist akzeptiert worden. Die Vorarbeiten für die Errichtung der sfa» wistischen Abteilung übernahm ein Komitee in Zagreb, das bereits eine Geld- und Büchersammlung für die Jerusalemer Bibliothek in Jugoslawien erfolgreich durchführt. Die Serbische Akademie für Wissenschaften in Belgrad und die Jugoslawische Akademie für Wissenschaften in Zagreb haben sich bereit erklärt, ihre Publikationen nach dem Austauschprinzip der jüdisehen NationaJ-BiWjothek zu übersenden. Palästina - Chronik Nebf Mum. — Beilegung des Konflikts In Kfar Saba. — Heuschreckenbeklmpfting. — Palästina und der Konimissionsbericht. Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AG., Tel-Awiw, den 15. April 1930. Der letzte Sonntag, für den die Regierung umfangreiche Vorbereitungen getroffen hatte, ist völlig ruhig verlaufen. In Jerusalem zogen zur festgesetzten Zeit die Hebroner durch das Jaffa-Tor in die alte Stadt zum Tempelplatz.' Der Nebi Musa-Umzug war wie jedes Jahr charakterisiert durch religiöse Tänze und Spiele. Eine große Zahl von Zuschauern hatte sich eingefunden, die sich auf dem Platz vor dem Tor, den umliegenden Dächern und der Stadtmauer am Davidsturm drängten. Die militärische Bewachung war außergewöhnlich stark. Große Abteilungen von Militär auf den Straßen, Maschinengewehre und Panzerautos in Bereitschaft. Es wurden einzelne Verhaftungen vorgenommen, weil Ver• suche zu politischen Reden gemacht wurden, was die Regierung nicht gestatten wollte. Ein starker Aeroplandienst stand für Beobachtungszwecke zur Verfügung. Die Aeroplane wurden einzeln und in Gruppen an verschiedenen Stellen des Laudes, vor allem über den großen Städten gesichtet. An der Klagemauer war die Besucherzahl recht groß und der Gottesdienst verlief ohne jeden Zwischenfall. * Der Konflikt zwischen Pflanzern und Arbeitern in Kfar Saba, der wegen Einstellung u n o r g a - nisierter Arbeiter des ״Brith Trumpeldor“ entstanden war und einen ernsten Charakter anzunehmen drohte, ist nach eifrigen Bemühungen beider Seiten am Vorabend von Peßach beigelegt worden. Die Arbeiterorganisation und die Pflanzer schlossen ein Kompromiß, nach dem ein Unternehmer bei Kfar Saba eine feste Anzahl des ״Brith Trumpeldor“ in seinen Betrieb nahm, jede andere Einstellung unorganisierter Arbeiter jedoch verhindert wurde. Das Abkommen trägt provisorisehen Charakter. Es ermöglicht den Pflanzern, die dringlichen Arbeiten ohne weitere Reibungen zu beendigen und bewahrt die Arbeiter vor der Durchbrechung ihrer Organisation, die Unordnung in der Arbeitsvermittlung und -Verteilung und Ungleichheit der Lohnquoten mit sich bringen würde. Während also die Arbeit in den Plantagen weiter fortgesetzt wird, beginnen neue Verhandlungen, die die Gesamtfrage der organisierten jüdischen Arbeit auf eine feste Basis stellen sollen. Man darf diesen Verhandlungen eine gewisse Wichtigkeit beilegen, weil hier der Versuch gemacht wird, zu einem Kollektivabkommen zwischen Pflanzern und Arbeitern zu gelangen, das weitere Konflikte, die sowohl wirtschaftlich als auch politisch schwere Komplikationen nach sich ziehen könnten, verhindern soll. Da die Plantagen für die nächsten Jahre eine der wichtigsten Arbeitsquellen darstellen und ihrer* Rentabilität nach einigermaßen angemessene Löhne gestatten, kommt der Erledigung der Arbeitsdispute eine große Bedeutung zu. Durch den Eintritt der ״lkarim Leumiim“, einer Pflanzergruppe, die sich vorwiegend atis Mitgliedern der vierten Altjah zusammensetzt urtd die durchweg mit ־Juden ar* beitet, in die allgemeine Pfianzervereinigung ist in den Kreisen der Arbeitgeber das Element verstärkt worden, das für die Forderungen und die Organisation der Arbeiter mehr Verstandnis hat. Es könnten sich also aus den Verhandlungen von Kfar Saba, wenn ihr Rahmen weit genug gespannt wird, eventuell allgemeine Abmachungen über die Regelung der Arbeitsverhäitnisse ergeben. Der Fall Kfar Saba hat das Interesse weiter Kreise erregt, vor allem wegen des Eingreifens der Revisionisten auf wirtschaftlichem Gebiet. Die große Arbeiterversammlung, die nach Erledigung der Komplikation in Tcl-Awiw stattfand, hat sich vor allem gegen die Versuche der Revisionisten, die Organisierung der Arbeiter zu hindern, gewandt und erst in zweiter Reihe gegen die Arbeitgeber. Abgesehen aber von allen politischen Gegensätzen scheint sich die Erkenntnis von der Notwendigkeit einer einheitlichen Regelung der Arbeitsbedingungen mehr und mehr durchsetzen. * Die Bekämpfung der Heuschrecken, die von der Regierung mit äußerster Energie geführt wird, tritt jetzt in ihr zweites Stadium ein. Bisher hat cs sich darum gehandelt, die Eier, die von fliegenden Schwärmen abgelegt wurden, zu vernichten, indem man sie unterpflügte oder ablas. Es wurden auf diese Weise riesige Mengen von Eiern gesammelt. Jetzt beginnen an verschiedenen Stellen des Landes, die jungen kriechenden Heuschrecken auszuschlüpfen imd es beginnt die noch schwerere Aufgabe, diesen wandernden Schwärmen zu begegnen. Die Regierung hat bereits seit Wochen sich auf diese Arbeit eingerichtet, die nötigen Geräte bereitgestellt und einen genauen Beobachtungsdienst cingerichtet. Zur Arbeit werden alle verfügbaren Kräfte herangezogen. Eine große Anzahl von Fellachen und Beduinen sind unter Aufsicht der Regierungsbeamten bei der Bekämpfung beschäftigt. Wo es nötig ist, stellen die Behörden die Bevölkerung zwangsweise zur Arbeit an. v In Transjordanien sind die Aktionen der Regierung ebenfalls in vollem Gange. Von dort werden in den letzten Tagen große kriechende Schwärme gemeldet. Die Regierung gibt von Zeit zu Zeit kurze Bulletins heraus, die skizzenhafte Informationen über die Bewegungen der Heuschrecken enthalten. Die Tageszeitungen veröffentlichen ebenfalls die jeweiligen Beobachtungen über das Erscheinen der Tiere an den verschiedenen Stellen. Es ist noch nicht sicher, welchen Umfang die Plage in diesem Jahre annehmen wird. Sachverständige sind der Meinung, daß wir es dieses Jahr nicht mit einem großen Einfall zu tun haben werden. In jedem Falle werden die größten Anstrengungen gemacht, das Unglück abzuwenden und die Bekämpfung hat auch bisher gute Resultate gezeitigt. Das eigentliche Kulturland ist vorläufig kaum In Mitleidenschaft gezogen; wo auf kleineren Flächen Eier abgelegt wurden, gelang es, sie zu vernichten. * Der Berlchtder Untersuchungskommisslon beschäftigt seit seinem Erscheinen unausgesetzt die Presse des Landes. Die hebräischen Tageszeitungen bringen fortlaufend den Gesamtbericht in Uebcrsetzungen; der ״Dawar״ bat zu diesem Zwecke seinen Umfang zeitweilig vergrößert Zu gleicher Zeit erscheinen kritische Artikel, die meist in sehr scharfablehnender Form zu dem Bericht und den Restitaiea (kr Kommission Stellung nehmen, Bisher ist die Kritik eine prinzipielle und wendet sich gegen die Gesamteinstellung der Kommissionsmitglieder zur Frage des Zionismus und gegen die Ueberschrcitung der ihnen gesetzten Kompetenz. Mit dem genaueren Studium des Reports werden Einzelheiten seiner Anschauungen und Vorschläge unter die kritische Lupe genommen werden. Der Waad Leumi hat in seiner letzten Versammlung gegen den Bericht protestiert und ihm gegenüber die Erklärung MacDonalds itn Unterhause als den zionistischen Ideen entsprechend hervorgehoben. Auch in dieser Resolution behält sich der Waad Leumi eine ausführliehe Kritik der Shaw-Vorschläge vor. ln einem besonderen Absatz der Resolution׳ wird die abweichende Stellung Snells, die den jüdischen Auffassungen der Situation entspreche, hesonders unterstrichen. Die arabische Presse begnügt sich mit kürzeren Aeußerungcn, die fast ausnahmslos die Zufriedenheit mit der Arbeit der Kommission zum Ausdruck bringen. Im allgemeinen fühlt man in den arabischen Zeitungen jetzt eine ab wartende Haltung, die auf die Verhandlungen der Delegation in London zurückzuführen ist. Es werden zahlreiche Telegramme veröffentlicht, die über die Entwicklung der Beratungen mit der englischen Regierung berichten. Die Nachrichten sind vage und anscheinend mit dem Zweck abgefaßt, die Stimmung im Lande zu beruhigen. Auf den Bericht der Shaw-Kommission hat man in Palästina monatelang gewartet. Jetzt wo er erschienen ist und unter den Juden große Enttäuschung hervorgerufen hat, beginnt man von neuem auf die Entwicklung der Dinge in London zu warten. Die Verlegung des politischen Schwei־׳ punkts nach dem Ausland macht sich in einer ungewöhnlichen Stille auf politischem Gebiete in Palästina selbst bemerkbar. Palästina -Fragen in Unterhaus Die Vollstreckung der Todesstrafe. ־— Dr. Shiels gegen antiarabische und antijüdischc Propaganda im Unterhaus. London, 21. April. (J.T. A.) Der Araberfreund Howard Bury richtete im Unterhaus an den Unterstaats- Sekretär für die Kolonien die Frage, ob er zwecks Schaffung einer besseren Atmosphäre in Palästina Anordnung treffen wolle, daß die gegen Juden oder Araber in Verbindung mit den August-Unruhen in Palästina ausgesprochenen Todesstrat'frnnichtvollstrecktwerden. Dr. Drummond Shiels erwiderte, das Vorrecht, Todesstrafen vollstrecken oder nicht vollstrecken zu lassen, iiege in den Händen des High Commissioner; man könne sich darauf verlassen, daß dieser sich in seinen Handlungen durch angemessene Erwägungen werde leiten lassen. Sir George Jones fragte, ob im Hinblick auf die im Bericht der Palästina-Kommission enthaltenen Aussagen des Mufti geplant sei, gegen den Muffi gerichtlich cinzuschreifen. Dr. Shiels erwiderte: Ich habe alles auf den Mufti Bezughabende in dem Bericht der Kommission gelesen; mir ist nichts über einen Vorschlag zur Einleitung einer Aktion bekannt. Im allgemeinen möchte ich Klarheit darüber schaffen, daß ich nicht wünsche, zu einem Resonanzboden für antlarabischc oder antijüdische Propaganda gemacht zu werden. Wir bemühen uns, einen Weg zum Frieden in Palästina zu finden, solche Fragen aber bringen «ms hierbei nicht vorwärts. Frccmait (Arbeiterpartei) ־fragt Dr. Shiels, ob er wisse, daß in den Hungerstreik getretene Gefangene in palästincnsischen Gefängnissen gepeitscht worden sind und ob er Anweisung geben wolle, daß das Gesetz über Prügelstrafe in Palästina dem Gesetz in England angeglichen werde; so daß Prügelstrafe nur wegen tätlicher Angriffe auf Gefängnisautoritäten angewendet wird. Dr. Shiels erwiderte, er sei dahin informiert worden, daß Gefangene in Palästina wegen Hungerstreiks nicht gepeitscht worden sind. Die Bestimmungen über Prügelstrafe in Palästina-Gefängnissen wurden am 29.März der Bibliothek des Unterhauses einverleibt. Diesen Bestimmungen gemäß ist die Zahl jener Vergehen, auf die Prügelstrafe steht, eingeschränkt worden. Es wurde für tunlich erachtet, das Gesetz in Palästina dem in England geltenden Gcsetze anzugleichen. Auf die Frage Frccmans, oh politischen G e f a n g e - n e n in Palästina die gleichen Privilegien gewährt werden wie in anderen zivilisierten Ländern, erwiderte Dr. Shiels, es gäbe in Palästina kein eigenes Gesetz für politische Gefangene. Es werde jede Anstrengung gemacht, um die Verhältnisse in Palästina zu bessern, aber ohne beträchtliche Ausgaben für Bauten und andere Arrangements werden wir in Palästina nicht das System haben, das wir haben möchten, immerhin aber werden Fortschritte erzielt. Die Regferuogs ״EnlscMdigungeii“ Jerusalem, 22. April. (J.T.A.) Nachdem die Palästina-Regiörung vor einigen Tagen mit der Zahlung von En - Schädigung an Araber in Safed für während der Unruhen im August erlittene Sachschäden begonnen hatte, wurden soeben auch Verfügungen über die Zahlung von Entschädigungen an jüdische Opfer der Unruhen getroffen. Die Art, wie diese Entschädigungsaktion geführt wird, und die lächerlich geringe Höhe der Entschädigung haben unter den jüdischen Interessenten schwere Enttäuschung hervorgerufen, die sich in Aeußerungen der Erbitterung Luft macht. In der Regel werden etwa 8 «,0 des erlittenen Schadens ersetzt, in vielen Fällen aber ist die Höhe der Entschädigung noch weit geringer als dieses Ausmaß. So z. B. erhielt die Familie von Rabbi Hassun in Hebron, deren Haus vollkommen zerstört und ausgeplündert wurde, wobei der Schaden, gering geschätzt, die Höhe voh 3000 Pfund erreicht, im ganzen 11 Pfund 8 Sh. als Entschädigung ausbezahlt. Die jüdische Gemeinde von Hebron, die durch die Zerstörung ihrer Synagoge, ihres Greisen- und Waisenasyls, sowie anderer Wohlfahrtsinstitutionen einen Schadenersatz von 2000 Pfund beanspruchte, erhielt 54_Pfund. Ascher Karlinsky aus Hebron, der durch die Aus- Plünderung seines Hauses einen Schaden von 103 Pfund erlitten hat, erhielt 14 Shitlinge ausbezahlt. Die gleiche Empörung wie unter den Juden Hebrons herrscht über die Entschädigungspraxis der Regierung auch unter den Juden von Sa fco. Am 21. April abends fand in Safed eine jüdische Versammlung statt, in der sich die Entrüstung gegen die Regierungspraxis sehr stürmisch äußerte. Es wurde eine Resolution angenommen, in der gegen die ״«chtnachvolle und beleidigende Haltung der Regierung gegenüber den Opfern der Unruhen“ protestiert wird. Es wuden Daten zur Sprache gebracht, aus denen hervorgeht, daß die Regierung, obwohl sie die Schäden sehr niedrig einschätzt, dennoch nur ein Drittel der Höhe ihrer eigenen Schätzungen als Entschädigung zahlt. Im Verlauf der Versammlung wurden auch Klagen gegen die Verwaltung des jüdischen Hiffs- Fonds (Emergency Fund) erhoben. Es wurde erklärt, daß der Fonds seine Versprechungen, den Juden von Safed beim Wiederaufbau ihres zerstörten Wohn- und Geschäftsviertels zu helfet^ nicht in der wünschenswerten Weise erfüllt•