Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 31-32 (25.4.1930)
- Date
- 1930-04-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Mariin Buber und seine Zeit Doppchmnuncr 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag, Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Ausland,« b״nn<»1n*m» werden in dm Währung der ein reinen Länder berechnet Anreisenpreia: S gmp- Nonpereflleeefl» 0,50 G.-M, SteUantaenche 0,25 G.-M. Nummer 31/32 | Berlin, 25. IV. 1930 Redaktion Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.FL, BerlinW15, Meinekestr.10 Telephon: J1 Bismarck 7165 -70. Anzelceeedilnt( Dienetag und Freitag nechmittage 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Post! check Kernen! Berlin 17392, Basel V 9355s Belgrad 660 32 Brüssel 394 33. Budapest 596 93, D3n?ig 1973. Haag 140 470, Frag 59410» Strassburg 164 30, Warschau 190708» Wien 156 030. Bank «Konten: Darmstädter und National bank, Depositen Kasse Berlin. Kurfürstendamra 52; Banca de Est* Cemauti (Rumänien)־ Anglo Palettine Co• m Haifa, terusalem, lei Aviv כ״ז ניסן' תר«צ j xxxv. Jahrg~ aer Zionismus erstrebt IQr das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.״ Zur Eröffnung «er NaflonäUffilfoflick ln aller Kürze Die vom Ullsteindienst verbreitete Nachricht über den Rücktritt Sir John Chancellors vom Posten des High Commissioners in Palästina ist bisher amtlich nicht bestätigt worden. Solange diese Bestätigung fehlt, wäre jede definitive Schlußfolgerung verfrüht. Der Begründer der mohammedanisch-christlichen Vereinigungen in Palästina und erster Vorsitzender der palästinensischarabischen Exekutive Aref Pascha el Dajani ist am 14. April im Alter von 67 Jahren in Jerusalem verstorben. Eine Fläche von 300 Dunam der Kolonie Rischon Le Zion wurde von Heuschrecken heimgesucht. Die Heuschreckengefahr ist in Palästina wie in Aegypten sehr ernst. ״Felestin“ veröffentlicht eine Erklärung arabischer Streikender in Haifa, daß die arabischen Arbeiter entschlossen seien, niemals die Unterstützung jüdischer Arbeiter anzunehmen, weil diese eine Vorhut der jüdischen Bourgeoisie und des zionistischen Imperialismus seien. Jerusalem, 21. April. (J.T. A.) Dem Oberkommissar Sir John Chancellor ging abermals ein Memorandum aus arabischen Kreisen zu, das die Forderung enthält, alle gegen Araber im Zusammenhang mit den Unruhen im August 1929 ausgesprochenen Todesurteile zu anullieren und die Verurteilten aus der Haft zu entlassen. Jerusalem, 21. April. (J.T.A.) Mehrere jüdische Einwohner Jerusalems, die nach Amman, der Hauptstadt Transjordaniens, gekommen waren, und die sich zum Vadi Musa begeben wollten, wurden durch die. Behörden von diesem Besuche zurückgehalten mit der Begründung, daß man für die Sicherheit der jüdischen Besucher nicht garantieren könne. Jerusalem, 22. April. (J. T. A.) In Naaneh. etwa 3 Kilometer von Rechobotn entfernt, wurde auf einer Fläche von 1200 Dunam eine neue jüdische Arbeiter-Kolonie eingeweiht, die von amerikanischen Juden gegründet wurde. Mit dem Häuserbau und den Anbauarbeiten wird sofort begonnen werden. Jerusalem, 22. April, (J. T. A.) In Jerusalem verstarb Frau C z i s i k , die Mutter von Ephraim Czisik, der bei der Verteidigung der jüdischen Kolonie Hulda gegen eine Uebermacht von angreifenden Arabern im August 1929 den Tod erlitt, und der Sarah Czisik, die 1920 bei der Verteidigung von Tel Chai an der Seite von Joseph Tnujipeldor getötet wurde. Eine zweite einiger Zeit an. den Folgen der Ficberkrankhrit, die sie sFch bei Urbarmadnmgsarbeiten am See Kinereth zugezogen hatte. Der neue jüdische Friedensrichter Zuckermann, früher Chef-Dolmetsch bei den Gerichten, verurteilte den Studenten des Haifaer Technikums, Samuel Zilbaski, zu sieben Schilling Geldstrafe, weil er einen Araber daran hinderte, während des Gebetes den Platz vor der KTagemauer zu passieren. Zilbalski erklärte dem Richter, er würde wieder so handeln, wenn er Zeuge sein würde, wie ein Araber die jüdische Andacht stört. Jerusalem, 22. April. (J. T. A) Die Samaritaner reichten bei der Behörde Klage gegen Araber aus Nablus ein, die die traditionelle Peßach-Zeremonie und die Gebete der Samaritaner auf dem Berge Gerizim gestört haben, ln der Klage wird auch ausgeführt, daß der Hohepriester der Samaritaner bei der Ausübung seines Amtes durch Araber verhöhnt worden ist. Jerusalem ,22. April. (Jj. T. A.) In diesen Tagen wird eine weitere Hundertschaft berittener britischer Polizisten in Palästina eintreffen. 80 von ihnen «׳erden in Jerusale m, 20 in anderen Orten Station nehmen. Aus Jerusalem wird gemeldet, daß die Vertreter Englands und des Irak über ihre Verhandlungen nachstehende Erklärung abgegeben haben: Der neue Vertrag tritt mit der Zulassung des Irak in den Völkerbund in Kraft. Die Stellung des Irak wird als die eines freien und unabhängigen Staates im Vertrage festgelegt. Mit dem Inkrafttreten des neuen Vertrages erlöschen von selbst alle früheren Verträge und Uebereinkommen zwischen Großbritannien und dem Irak, ebenso das englische Mandat, Die Peßachfeiertage boten wiederum in verschiedenen Ländern Europas den Anlaß für neue Ritualmordmärchen. In Polen und in Griechenland kam es sogar zu Untersuchungen in jüdischen Häusern, weil fanatische Judenhetzer behaupteten, daß christliche Kinder von den Juden zu rituellen Zwecken geschlachtet worden seien. In allen Fällen fanden sich die vermißten Kinder bald. Immerhin ist es bezeichnend, daß sich noch heute Behörden finden, die auf Grund derartiger sinnloser Verdächtigungen Amtshandlungen vornehmen lassen und dadurch erst die Möglichkeit zu antijüdischen Exzessen auslösen. Leider kam es auch in Köln zu einem Zwischenfall auf Grund der Ritualmordlegende. Ein jüdischer Kaufmann wurde von einigen Fanatikern verdächtigt, einen katholischen Jungen zu Ritualmordzwecken getötet zu haben. Eine aufgeregte Menge^ stürzte in das FJaus des jüdischen Kaufmannes, um dort Nachforschungen anzustellen. Während sie noch damit beschäftigt waren, erschien plötzlich das angeblich verschwun- «ene Kind. Veroon Hartsborn wird Kolonialminister Der parlamentarische Korrespondent des ״Daily Herald“, des Organs der Arbeiterpartei, erfährt, daß ungefähr in der ersten Mai-Woche ein Wechsel im Staatssekretariat jür die Kolonien elntreten wird, und zwar in der Weise, daß Vernon Hartshorn an Stelle von Lord Passiield (früher Sidney Webb) die Leitung des Ministeriums für die Dominions und Kolonien übernehmen wird. Möglich sei aber auch eine Teilung des Staatssekretariats in der Weise, daß ein besonaeres Staatssekretariat für die Kolonien und eines für die Dominions eingerichtet wird. — Hartshorn gehört der Indien- Kommission an, die in der ersten Mai-Woche ihren Bericht erstatten wird. Er war von Anfang an für das Amt des Kolonialministers ausersehen, aber infolge seiner Arbeit in der Simon-Kommission konnte er nicht *ielch in das Kabinett eintreten. Von unserem palästinensischen Korrespondenten. A.G. T e 1 - A w i w, den 16. April 1930. Am 15. April wurde in Jerusalem auf dem Skopus das David Wolffsohn-Haus der jüdischen National- und Universitätsbibliothek feierlich eröffnet. Im Amphitheater der Universität hatte sich eine große Menge versammelt, um. der Eröffpungszeremfnie durch den High Commissioner beizuwohne#* Es war ejn ähnliches Bild wie vor׳fünf Jahren, als sich am selben Orte und zur selben Zeit Vertreter aller Kreise der Judenheit und verschiedensten Universitäten der Welt zusammenfanden, um an der Eröffnung der Hebräischen Universität teilzunehmen. Heute wie damals die breiten Bänke des Amphitheaters gedrängt voll, heute wie damals der unvergeßliehe Eindruck der Stadt Jerusalem auf der einen Seite des Berges und auf der anderen Seite der weite Blick hinunter zum Toten Meer, auf den Jordan und die Berge des Ostjordanlandes. Und trotz dieser gleichen Umgebung, der gleichen Stadt und der gleichen Landschaft trägt die heutige Feier einen anderen Charakter. Vor fünf Jahren gab die Gestalt Balfours neben Herbert Samuel und neben Wcizmann der Zeremonie ihr besonderes Gepräge. Heute spricht Sir John Chancellor über die Taten und das Andenken Balfours, und die Eröffnungsfeier auf dem Skopus wird zu einer Art Gedenkfeier für den Mann, der an der Schaffung der Hebräischen Universität und ihren Aufgaben ein so reges Interesse nahm. Und während vor fünf Jahren die Universität ganz in ihren Anfängen steckte, und man erst damit begann, einzelne Fakultäten einzurichten, nur ein paar knapp vollendete Gebäude dastanden, hat in dem kurzen Jahrfünft Fleiß und Hingabe der Universitätsmitglieder und das tätige Interesse der Juden aus aller Welt bedeutende Teile des großen Werkes aufgebaut und Grundlagen für wichtige Institute Wissenschaftlicher Arbeit gelegt. Die Eröffnung der Universitätsbibliothek war für viele eine Gelegenheit, sich von neuem ein Bild zu machen über die auf dem Skopus geleistete Arbeit und so mancher wird über den Fortschritt des Werkes eine große Genugtuung empfunden haben. Seit der Gründung der Universität ist die Wissenschaftliehe Arbeit und die Lehrtätigkeit in der geisteswissenschädlichen Fakultät aufgenommen worden, die das judaistische und das orientalistische Institut einschließt. Das Einstein- Institut für Mathematik hat seine Arbeit begonnen. Die Eröffnung der naturwissenschaftlichen Fakultät wird vorbereitet, der Bau des physikalischen Instituts steht vor dem Abschluß und das Zentralgebäude der Universität, das das judaistische und das orientalistisehe Institut aufnehmen soll, befindet sich bereits im Bau. Auf dem Skopus entsteht eine kleine Stadt für sich, die nach den bestehenden Plänen neben den Lehrgebäuden Professorenhäuser und Studentenheime umfassen soll. Die unvergleichliehe Lage der Anstalt gibt Anlaß zu den schönsten Hoffrjungen dieses Viertels des neuen Jerusalem. Mit Recht hat der High Commissioner in seiner Eröffnungsrede die Verpflichtung der Schöpfer der Universität betont, aus diesem einzigartigen Platz ein Werk zu gestalten, auf das die Stadt Jerusalem jeden Beschauer als auf ihren Stolz hinweisen kann. Das neue Bibliotheksgebäude, das mit seinen riesigen Steinmauern sich hoch über der Stadt erhebt, wurde bereits im Jahre 1926 begonnen. Das Erdbeben des nächsten Jahres hat dann dem Bau Schwierigkeiten bereitet und seine Ausfüfcrung verzögert. Heute ist der Gesamtbau, dessen Kosten sich auf ungefähr 40 000 Pfund belaufen, fertiggestellt. Die Einrichtung, die bisher mehr als 8000 Pfund erfordert hat, ist noch nicht beendet. Das Haus ist modern eingerichtet, mit Oksböden, besonderen Sicherungen gegen Feuer, speziell eingerichteten Räumen für Verpackung und ähnlichem. Der große Letesaal, der für über 140 Besucher Platz bietet, erinnert in seiner Schönheit und Geräumigkeit an die neuen Einrichtungen der großen europäischen Bibliotheken. Besondere Säle für Zeitschriften, für Ausstellungen von Drucken, Stichen und Handschriften, Katalog- und Arbeitsräume verschiedener Art dienen dem umfangreichen Betrieb. Nach Pertigstellung der gesamten Inneneinrichtung wird sich das Institut neben bedeutenden europäischen dieser Art sehen lassen können. Es scheint heute, nachdem diese Stufe der Entwicklung erreicht worden ist, fast unwahrscheinlich, daß dieses große Werk aus den Bemühungen einzelner und den bescheidensten Anfängen herausgewachsen ist. Dr. Magnes, der Kanzler der Universität und Dr. Bergmann, der Leiter der Bibliothek, gaben in ihren Reden auf der Eröffnungsfeier ein kurzes anschauüches Bild des Weges, den die Bibliothek in den letzten Jahrzehnten zurückgelegt hat. Die ersten Grundlagen für die Bftchersamp-* brtg wurden nbch ist Jahre- 1892 durch die Une Brith- Loge in Jerusalem gelegt,, und mit der Hilfe von Dr« Chäsaaowitsch waren .noch vor dem Krieg ungefähr 30000 Bände zusammengebracht. Der Krieg unterbrach die Arbeit wie alles andere, aber׳ von 1920 an bekam die Aktion durch die Aussicht auf die Gründung der Hebräischen Universität einen neuen Anstoß. In zehn Jahren kamen 200000 Bände zusammen und das neue Gebäude auf dem Skopus, das etwa 300 (WO Bände zu fassen vermag, wird in wenigen Jahren völlig belegt sein. Es wird daher ein Anbau nötig werden, der weiteren Platz für eine Viertel Million Bände liefert. Innerhalb der verschiedenartigen Schätze der Bibliothek nehmen die judaistischen und orientalistischen Schriften die wichtigste Stelle ein. Die judaistische Abteilung allein umfaßt ungefähr 70000 Bände, das heißt fast ein Drittel der Gesamtzahl. Hier werden alle hebräischen Erscheinungen und ein großer Teil dessen, was auf der ganzen Welt über Judentum und jüdische Fragen publiziert wird, gesammelt. Die orientalistische Abteilung, deren Grundstock die berühmte Goldzieher-Bibliothek bildet, hat bereits heute ein bedeutendes Niveau und einen beträchtlichen Umfang und wird mit größter Sorgfalt weiter entwickelt und gepflegt. (Ueber Umfang und Zusammensetzung sowie über Geschichte der Bibliothek siehe das zur Einweihung herausgegebene Heft ״Das David Wolffsohn-Haus der Jüdisehen National- und Universitätsbibliothek“ und ״Die Geschichte der Bibliothek bis zum Jahre 1920“. Beide Hefte geben einen Ueberbück über Entstehung, Umfang und Art der Sammlungen.) Die Feier auf dem Skopus mit den musikalischen Darbietungen, den Reden des High Commissioners, des Kanzlers und des Bibliotheksdirektors bedeutet einen Meilenstein auf dem schweren Wege, den die Universitätsbibliothek wie alle anderen jüdischen Institute in Palästina zurückgelegt hat. Nachdem die immer anwachsenden Bücherhaufen Jahre hindurch einzeln in ungeeigneten Häusern untergebracht wurden und nachdem mit unendlicher Sorgfalt und Geduld Ordnung in das Chaos gebracht wurde (nicht umsonst erzählt Dr. Bergmann in seiner Rede von der Mühe, die er hatte, um das Geld für die eingelaufenen Bücherkisten aufzutreiben), nach Jahren schwerer Mühe, haben die Schätze, die von allen Ecken der Welt in Jerusalem zusammenströmten, jetzt die entsprechende Behausung gefunden. Damit ist erst die Möglichkeit einer normalen Arbeit gegeben. Es handelt sich nicht nur darum, die noch immer riesigen Lücken in den Beständen auf allen möglichen Gebieten auszufüllen. Diese große Aufgäbe wird die Judenheit aller Länder des Galuth durch das große Interesse erfüllen, das es von jeher diesem Unter״ nehmen entgegengebracht hat. (Ein neuer Beweis für dieses Interesse war: das Begrüßungstelegramm Salm an Schockens bei der Eröffnungssitzung, in dem er mitteilte, daß er der Bibliothek seine — bekanntlich äußerst wertvolle — Inkunabelsammlung übergebe.) Es handelt sich um mehr, als die Sammlung großer und wertvoller Bestände. Worauf es ankommt, ist die Verbindung der Bibliothek mit dem Lande und der Judenheit der ganzen Welt. Es handelt sich darum, die reichen Materialien, die oben auf dem Skopus gesammelt werden, fruchtbar und weitesten Kreisen zugänglich zu machen. Die Universität hat Versuche unternommen, aus ihrer etwas isolierten Stellung oben auf dem Skopus herauszukommen. Es wurde deshalb der medizinische Lesesaal in das Strauß- Gesundheitszentrum in der Stadt verlegt und für die Möglichkeit gesorgt, Material zu verschicken« Aber hier geht es mmm iiil 111181; ms