Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 30 (16.4.1930)
- Date
- 1930-04-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 216 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 30, 18. IV. 1930 verwendete sich dieser vornehme Mensch für meine Arbeiten, und so erschien schließlich — mutatis mutandis — das ״Judentum in der Musik“. Aber es war mit dem früheren Manuskript nicht mehr identisch. Und doch war es im Grunde sehr identisch. Denn als ich es vor Jahren auf Anregung der ״Selbstwehr“ und der ״Menorah“ wieder hervorholte und Abschnitte daraus veröffentlichte, da konnte ich es, mit einigen stilistischen Verbesserungen, beinahe wörtlich tun. Ich verweise vor allen Dingen auf ״Menorah“ VI./5, VII./Q/10, V1II./5/6. Es ist wohl möglich, daß diese Abschnitte mein letztes Wort zum Thema jüdische Musik darstcllen, wenn auch ganz gewiß nicht zum Thema Judentum. per Komponist Erich Walter Stemberg: Gäbe es einen Weg zur jüdischen Musik, den man am Tage des großen inneren Aufbruchs überzeugungstreu und mutig, auf das Gefühl der Zugehörigkeit bauend, betreten könnte, wäre die geschichtliche Erkenntnis, daß jede grolle Kunst im Volke wurzelt, schon genug, um die beglückende Verbindung herzustellen, den Anschluß an eine rüstig ausschreitende Schar Gleichgesinnter und -gerichteter zu bewirken, — wäre dem so, vielleicht hätten wir heute bereits eine bedeutende nationale Musik. Da aber der Weg zur jüdischen Musik von jedem einsam und mühselig gesucht werden muß; es gilt zwischen Scylla und Charybdis, zwischen Volkslied und Synagogalgesang heil hindurchzusegeln, ohne ihnen völlig zu verfallen; die Verbindung zum Judentum und zum Volke ererbt sein will; ein jeder alte Erburkunden zu durchforschen beginnt, wobei zum Ueberdruß die Erben keine Künstler, und die Künstler selten Erben sind; der Anschluß an die Schar Gleichgesinnter und -gerichteter nicht bewirkt werden kann, da cs wohl Gesinnung aber noch keine Richtung gibt; in jedem Kopfe sich der Weg einer neuen Musik anders malt; schließlich die theoretische Analyse vor einer zwingenden Definition der jüdischen Melodie versagt — wie sollte da ich, ohne zu erröten, von meinem Weg zur jüdischen Musik reden? Nichts weiter als der einfache Wunsch, tnir persönlich ohne Chauvinismus und Schulmeisterei die jüdische Welt zu erobern, mein jüdisches Erlebnis zu gestalten, hat mich geleitet. So wird möglicherweise eine Zukunft feststellen können, daß meine Streichquartette, mein Klavierzyklus ״Oestliehe Visionen“, die Orchesterballade von ״Goliath und David“, die Orchesterbearbeitung des ״Kol Nidre“, allen voran das unscheinbarste aber mir liebste Werk, die Sololieder nach Jehuda Halevy *) (Sololieder, da eine gläubige Stimme ohne jede Begleitung eines Instruments sich zur Unendlichkeit erhebt), möglicherweise wird sie feststellen können, daß diese Versuche schon einen Weg zur jüdischen Musik bedeuten. Aber wer vermöchte es, heute zu entscheiden? Kapellmeister Dr. Heinz Unger, Berlin: Es gibt gute und schlechte Musik. Ich bemühe mich, für meine Konzertprogramme stets die gute herauszusuchen, wobei der Begriff ״gut“ recht subjektiv und meist mit dem identisch ist, was den inneren Ausdrucksbedürfnissen des Interpreten ״liegt“. Daß ich hierbei sehr oft zu den Werken Mahlers, Ernest Bloch’s usw., also jüdischer Komponisten greife, ist es Zufall oder tieferes Gesetz? Die Ergründung bleibe dem Musikschriftsteller überlassen, dem Ausübenden sei verstattet, die Tatsache der inneren Verbundenheit lediglich zu konstatieren. Mnsikpädagogische Literatur, die uns angeht Wir weisen hiermit auf eine ,feeihe bedeutender Neuerscheinungen hin, deren Besprechung wir jedoch wegen Raummangel auf einen anderen Zeitpunkt verschieben müssen: Heinrich Jacoby: Jenseits von ״Musikalisch“ und ״Unmusikalisch“ (F. Enke, Stuttgart). Fritz Jode: Das schaffende Kind in der' '^us'k• (Georg Kallmeyer, Fritz Jode: Elementarlehre der Musik. Wolfenbüttel.) Fritz J öde: Die Kunst Bachs. Walther Howard: Auf dem Wege zur Musik. (Rhythmik, Metrik, Ton- und Stillehre.) Walther Howard: Auf dem Wege zur Musik. Eine Buchreihe. (N. Simrock, Berlin und Leipzig.) M. Beata Ziegler: Das innere Hören. (M. Hieber, München.) Erwin Stein: Praktischer Leitfaden zu Schönbergs Harmonielehre. (Universal-Edition, Wien.) Bernhard Sekles: Instrumentationsbeispiele. (B. Schott’s Söhne.) Kultur und Schallplatte: Mitteilungen der Carl Lindström-Kulturabteilung. (Mit Aufsätzen vonjöde, Curt Sachs, Erich Drach, A. Einstein, Georg Schünemann, Ludwig Koch, H. Mersmann usw.) E. J. Bach: Die vollendete Klaviertechnik. (Wölburg-Verlag, Berlin.) Schallplatten indischer Musik Carl Lindström A.-G. ״Kol Nidre“ mit Chor und Orchester (Aron Steinberg; O—4105). ״Moderne“, d. h. völlig ausdrucksentleerte Auffassung. Ungeistig, nur Effekt, und großes Stimmvolumen; ohne Bezugnahme auf den Sinn. — Steinberg hat gewisse robuste Stimmqualitäten. ״Jaaleh“ (Oberkantor Israel Alter; P—4933). Alters Stimme ist von eiserner Kraft. Er ist natürlich ein ganz moderner Kantor, ein Sänger mit außerordentlicher stimmlicher Kultur. Die Platte hat wenig ״Chasonus“, darum läßt sie trotz der technischen Vorzüge kalt. ״Adonaj Adonaj“ von Berenstein. ״Uwnucho jomar“ von Katzin. (Oberkantor Morris Katzin, mit Orgel: Paul Mania; B—12 087.) Die Werke gehören zu den ungezählten unfruchtbaren jüngeren Synagogenkompositionen, die alle nach dem gleichen Schema verfertigt sind und mehr oder weniger wirkungsvollc Vortragsstücke für den Kantor ergeben. Katzins Stimme hat bei ähnlicher Einstellung doch mehr Weichheit der Empfindung als Steinbergs Stimme. ״Der Narr“; ״Wus gewen is gewen un nltu“; ״Mein Mamme, mein Kalle“; ״Die Meidlach von Amohl“ (S. Stramer; O—2837 und 0-199 172). Diese und ähnliche Aufnahmen von Stramer gehören trotz vieler interessanter volkstümlicher Eiemente in das Gebiet der jüdischen Kabarett-Musik. Als solche sind sie recht merkwürdig, wenn auch oft recht peinlich. Bücher über Musik ״Jedermannsbilcherei". (Ferdinand Hirt, Breslau.) Diese kleinen, aber sehr konzentrierten Bändchen, die durchweg von den ersten Musikwissenschaftlern unserer Zeit verfaßt sind, behandeln zum Teil Themen, die die Vergangenheit unserer Musik direkt oder indirekt angelten; sie zeichnen sich ausnahmslos durch Gemeinverständlichkeit, interessante Darstellung und prächtige Bilderbeigaben aus. Kurt Sachs: ״Musik des Altertums“ gibt in den ersten vier Kapiteln einen Ueberblick über die ägyptische, syrische, mesopotamische Tonkunst, also über die Uranfänge der Tonkunst überhaupt. Im Kapitel über die alte jüdische Musik werden die in der Bibel erwähnten Musikinstrumente beschrieben. Kurt Sachs: ״Die Musik- Instrumente“ zeigt Entwicklung, Wesen und Bedeutung der Musikinstrumente, ebenfalls unter Berücksichtigung all dessen, was über die Musikinstrumente der Juden überliefert wurde. Robert Fachmann: ״Musik des Orients“ führt in die uns bedauerlicherweise fremde Welt der asiatischen und afrikanischen Musikkulturen, ihre Musiksysteme, Formprinzipien, ihren Sinn und ihre Erforschung ein. Wir erfahren auf diese Weise, wie sehr unsere eigene Musik aus der Musik des Orients herausgewaclisen ist und nur aus ihr heraus verstanden und gewürdigt werden kann. Exakte und charakteristische Notenbeispiele ergänzen auch in diesem Band die theoretische Darstellung. EgonWellesz: ״Byzantinische Musik“ versucht hier — erstmalig — eine Darstellung der byzantinischen Musik, die ein wichtiges Bindeglied zwischen der Musik des eigentlichen Orients und den Anfängen der okzidentalen Musikentwicklung ist. Es wird hier gezeigt, daß insbesondere die frühbyzantinische Musik vom Orient herkommt und daß z. B. auch die Form der byzantinischen Kirchendichtung von semitische״ Vorbildern herzuteiten ist. Johannes Wolf: ״Die T onschriften“ behandelt zwar seltsamerweise nirgends das Problem der Neginnoth, scheint auch den Hebräern keine produktive Rolle bei der Erfindung der Notenschrift zu zuweisen, gibt jedoch innerhalb seiner hochinteressanten historisehen Darstellung wiederholt Gelegenheit, die verblüffende Aehnlichkeit unserer Neginnoth mit den Tonschriften des Orients und den frühabendländischen Akzenttonschriften zu konstatieren. Alle diese kleinen, inhaltreichen Werke sind so wesentlich, daß sie auf die Fortführung der Sammlung gespannt machen. Hubert Schnitzler: Die Entwicklung der Musik in graphischer Darstellung. (Rheinischer Musikverlag, Essen.) Eine Geschichte der Musik auf 38 Seiten. Verfasser betont, daß die altchristliche Kirchenmusik in der Hauptsache aus althebräischen Melodien bestand, die durch die griechischen Musiktheorien modifiziert wurden. Dr. Jacob Schönberg: Die traditionellen Gesänge des 1sraelitischen Gottesdienstes in Deutschland (Dissertationsschrift). Diese ausgezeichnete, klare, moderne und radikale Broschüre fußt auf den Forschungen Idelsohns und des ״Baal Thefillah“ Abraham Baer von Gothenburg. Absolut neuartig und überaus wesentlich ist z. B. die Analyse der Akzente in bezug auf ihre motivische Zusammenstellung, ihren Bewegungs- und Tonalitätscharakter sowie die Untersuchungen der Motivbildungen in den Gebetsweisen auf Grund des ihnen zugrunde liegenden Stimmungsmilieus. Ausgezeichnete graphische Darstellungen, Notenbeispiele und Literaturhinweise verlebendigen die Theorie. M. Sandberg: Die Tondifferenzierung und ihre Bedeutung. (Kistner u. Siegel, Leipzig.) Unter Tondifff renzierung ist hier die. Unterscheidung von 1nterpllen|zu verstehen, die kleiner sind als der temperierte Halbfon, also z. Bj Viertel-, Sechstel-, Achtel-, Zwölftel- und Sechzehnteltöne. Die Bedeutung der Tondifferenzierung begründet Sandberg nicht artistisch oder logisch, sondern eher gesinnungsmäßig. Sandberg geht von den Unterschieden der Tonsysteme bei den verschiedenen Völkern und Epochen aus. Diese Unterschiede machen, daß ein Volk kaum imstande ist, die Volksmethoden eines anderen zu erfassen. ״Die Verwirrung nach dem Turmbau zu Babel hat eben nicht nur die Sprache betroffen, sondern auch die Musik und es gibt eben nicht eine, sondern viele Musiksprachen.“ So ist auch die Tondifferenzierung keineswegs eine Erfindung der modernen Komponisten. Intervalle, die kleiner sind als Halbtöne, sind bei dem größten Teil der Menschheit vorhanden. Das beweist, daß sie nicljt eigentlich neu zu erlernen״ sondern — da latent — gewissermaßen nur wieder zu erinnern sind. Sandberg hält die Tondifferenzierung für unerläßlich zur Her- Stellung einer gemeinsamen Grundlage für das Musikschaffen der ganzen Welt und für eine musikalische ״Völkerverständigung“. Er erkennt der Tondifferenzierung für die Musik eine ähnliche Mission zu, wie sie die Technik in physischer Hinsicht hat: Uebcrbrückung der Schranken zwischen den Völkern und Ländern. ״Erst durch Beseitigung der Grenzen, die das Material auferlegt, wird das Verständnis eröffnet für den geistigseelischen Gehalt der Musik.“ Auch zur vollkommenen Dar- Stellung gewisser individueller Musikstrukturen ist die Tondifferenzierung notwendig. Die Vorkämpfer der Tondifferenzierung w'ollen keineswegs das diatonische System und das temperierte Halbtonsystem ausschalten; sie wollen es nur feiner, differenzierter, reicher machen. Um all diesen bewußten und unbewußten Erfordernissen zu genügen, bedarf es also eines Notationsverfahrens, das wohl die äußerste Grenze verwendbarer Tondifferenzierung auszudrücken gestattet. So entstand Sandbergs ko mbiniertesZwölftel-Sechzehntel-Tonsystem, welches eine Zusammenfassung von 1/2־, 1/3-, 1/4-, 1/6-. 1/8-, 1/!ä- und 1 ',,:-Tonsystemen ist, und in welchem alle Musiksysteme mit genügender Genauigkeit notierbar sind, und das es dem Komponisten tatsächlich ermöglicht, ohne Ver- Setzungszeichen die kleinsten in Betracht kommenden Tonstufen aufzuschreiben. Alice Jacob-Loewenson. Hebräische Neubildungen musikalischer Faehansdrücke Zu den von uns in unserer Beilage vom 19. Februar veröffentlichten hebräischen Musik-Fachausdrücken sendet uns Herr David Werner Rosolio, Tel-Awiw, Musikreferent des ״Haarez“, folgende Ergänzungen und Berichtigungen: Saite: מתר Saiteninstrument: פלי מתר ן *• T Klaviertaste: מניע (Das) Dirigieren: נצוח Trio: שלישיה T* * l Schlaginstrument: פלי הקשה Melodie: מנגינה Thema: נושא Pianist: פסנתרן Haupt-(Seiten-)thema: נוישא עיקרי (צדדי) Violinist: פ3ר *־׳ד vierstimmiger Chor: מקהלה בת ארבעה ־“; ׳ «« T “ ׳־־! TT Gehörbildung: nicht פתיחת השמיעה sondern: פתוח השמיעה Klang: " צלצול צליל Klangfarbe: צבע הצליל Dem Lehrer Julius Guhmann _ Am 15. April feiert Julius Guttmann fern von der Heimat seinen 50. Geburtstag. Seine Schüler an der ״Hochschule für die Wissenschaft des Judentums“ m Berlin sind in ihrer Hoffnung, ihrem Lehrer persönlich an diesem Tage ihre Huldigung darbringen zu können, enttäuscht worden. Ja, noch mehr — sie müssen an dem Tage, da sie ihrem Lehrer Glück wünschen, in der Besorgnis sein, Julius Guttmann als ihren Lehrer zu verlieren; sie müssen fürchten, daß er dem ehrenvollen Anerbieten, für dauernd als Professor am Hebrew Union College in Cincinnati nach Amerika überzusiedeln, Folge leisten wird. Die Schwere dieser Befürchtung — kurz nachdem es gelungen ist, den führenden jüdischen Historiker, Professor Elbogen, in Deutschland zu halten — beleuchtet aufs neue, in welcher Gefahr die Wissenschaft des Judentums in Deutschland steht, die gezwungen ist, ihre hervorragenden Geister mit einer Fülle — oft technisch organisatorischer — Arbeiten zu überlasten, die ihnen die freieren Arbeitsbedingungen in den Vereinigten Staaten als verlockend erscheinen lassen muß. Julius Outtmanns philosophische Tendenz und Leistung im Rahmen weniger Zeilen zu kennzeichnen, wäre nicht möglich und nicht angemessen. Auch über die Verdienste des Gelehrten als Leiter des Forschungsinstitutes der Akademie für die Wissenschaft des Judentums muß von berufenerer Feder berichtet werden. Es soll in wenigen Strichen hier nur angedeutet werden, was Julius Guttmann seinen Schülern an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums bedeutet. Mit achtunggebietender Konstanz hat der bedeutende Philosoph sich von dem Getriebe und der Politik ferngehalten und lebt wahrhaft das Leben eines Philosophen, ohne jemals den Blick für die entscheidenden Tatsachen des Lebens auch nur für einen Moment zu verlieren. Es muß den Leser dieser Zeitung doch besonders interessieren, daß Guttmann in einer überaus tiefgründigen, die soziologische und geistige Entwicklung des Diaspora-Judentums überschauenden Schrift über den Aufbau Palästinas im Zusammenhang der jüdischen Geschichte zur Aufgabe des Zionismus Stellung genommen hat. (Die Arbeit, über die wegen ihrer besonderen ideologischen Bedeutung noch gesondert zu sprechen sein wird, ist auch vom Keren Hajessod als Broschüre veröffentlicht worden.) Der Jubilar — anerkannt als der hervorragendste Kenner der jüdisch-mittelalterlichen Philosophie — hat uns als Lehrer die Quellen des jüdischen Mittelalters wahrhaft verlebendigt. Bei subtilster Durcharbeitung des gerade philologisch so komplizierten Materials ist so die jüdische Religions- Philosophie niemals für uns — was ja so oft geschieht —■ Religionsphilologie geworden. Immer sind die Fragen der mittelalterlichen Philosophie in engsten Zusammenhang gebracht zu den auch uns bewegenden philosophischen Sachfragen, weil diese Beschäftigung mit der Religionsphilosophie alter Zeit aus der Tiefe einer großen philosophischen Persönlichkeit kommt. So führen auch Guttmanns Uebungen und Vorlesungen über moderne Religionsphilosophie mitten in das Herz der die Philosophie heute bewegenden Fragen. Hier ist eine Philosophie, die fern ist von jeder philosophischen Sensation, weil hinter jedem Worte förmlich die Verantwortung des philosophierenden Menschen vor einer Lehre, die über die Welt etwas aussagen soll, gespürt wird. Von diesem Pathos der Sachlichkeit und der wissenschaftlichen Verantwortung wird jede Stunde des Philosophierens unter der Leitung Guttmanns bestimmt. Die Lage der Studenten der Wissenschaft des Judentums ist eine eigene: Wissenschaft des Judentums bedeutet seit der Programrafestlegung im Kreise ihrer Begründer, seit den Tagen eines Zunz nicht nur jüdische Theologie und Literaturgeschichte; sie enthält vielmehr in sich die Mannigfaltigkeit und das Ganze der jüdischen Existenz. Um so größer ist daher die Gefahr für denjenigen, der sie als Fach erwählt; immer wieder droht die Einheitlichkeit der Wissenschaft des Judentums zu zerfallen, immer wieder scheint das Einheitliche hinter der Mannigfaltigkeit des Stoffes zu verschwinden. Da ist es eine besonders gütige Fügung, aber auch eine sachliche Not- Wendigkeit, daß die phiolsophische Besinnung, vermittelt durch einen bedeutenden Philosophen, in der Schule dieser Wissenschaft den ihr gebührenden Platz hat. Der Erkenntnistheoretiker und der Geistesgeschichtler Julius Guttmann schenkt hier immer aufs neue das Wissen von der Einheitlichkeit des Geistes in der Mannigfaltigkeit und Zerrissenheit der Erscheinungen, und das geschieht verbunden mit einer Feinheit und Präzision philosophischer Einzelarbeit, wie sie in der Philosophie der Gegenwart nur ganz ganz selten gefunden wird. Auch diese Zeilen seien dem Philosophen ein Zeichen der Verehrung seiner Schüler an seinem Jubeltage. Dieser Tag sei aber auch erfüllt mit der Hoffnung, der Lehrer möge bald und für immer nach Deutschland zurückkehren. Dr. Ucko. Eine Nanmann-Blflte ״DerNationaldeutscheJude“ des Naumann-Verbandes leistet sich in der letzten Nummer folgende Perfidie: Unter der Ueberschrift ״Pogromfinanzierung“ wird eine von Oscar Wassermann, Generalkonsul Landau und Kurt Blumenfeld unterschriebenene Benachrichtigung des Keren Hajessod abgedruckt, und daran folgende Bemerkung geknüpft: ״Jedem Juden, der Wert darauf legt, daß seine Kinder von Engländern ausgebeutet und von Arabern totgeschlagen werden, kann nur dringend empfohlen werden, den Schnorr- Kommissar zu ,empfangen‘ und gemäß seiner Anregung kräftig zu opfern.“ Jedes Wort der Kritik würde nur die Wirkung dieses perfiden Unsinns beeinträchtigen. Wassermann, Landau und Blutnenfeld stehen also, nach Naumann, an der Spitze einer Pogromfinanzierung. Daran glauben nicht einmal die Mitglieder des nationaldeutschen Verbandes. Die VIII- Konferenz des Deutscher Landesverband findet am 27. u. 28. April in Berlin, Fasanenstr. 79/80, statt Tagesordnung: Sonntag, den 27., vorm.: Rechenschaftsbericht des Merkas und die weitere Arbeit, nachm.: Aussprache. abends: Erziehungs- und Jugendarbeit des Hcchaluz. Referent: 1. Tabenkin. Montag, den 28״ vorm.: Aussprache über das Referat Tabenkin. nachm.: Die Lage in Palästina. Referent: M. Schapiro (Haifa), abends: Beschlüsse und Wahlen. Nr. Da Zionisti f eier trägen, Dr. Sei sich ei! Vertret neralkc von B war o! Hatikw Gold er Dt abend, Akt ai die Ht die Ai wurde Niveai Chöre der A heit d mutig ״Sussi stellte tilge gramn D Ball c Kaufn Kreise Herrn Frau wandt deuts( vier 1 und t langjä lieb, 1 entge I3S F wieSt Bode! besuc ter d Bodei ten, i tigste vorst! Inten: ( Ochs send derg sprac Gesc welcl die d I sehr Dr.י ״#h gt1«i eine Wes! 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