Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 30 (16.4.1930)
- Date
- 1930-04-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 30, 10, IV. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 213 Heusdiredcen Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AG., Tel-Awiw, Anfang April 1930. Den letzten großen Heuschreckeneinfall erlebte Palästina im Jahre 1915. Damals überschwemmten riesige Schwärme das ganze Land, fraßen alles kahl und richteten ungeheuren Schaden an. Seit dieser Zeit ist Palästina von dieser Plage ziemlich verschont geblieben. In den beiden letzten Jahren hat sich die Gefahr von neuem vergrößert und zurzeit bemüht sich die Regierung mit allen Kräften, großem Schaden vorzubeugen. Die Frage der Heuschrecken ist zurzeit in Palästina und den anliegenden Ländern von neuern akut und beschäftigt die Behörden, die Landwirte und die Wissenschaftler in gleichem Maße. Die Heuschrecke, die hier im Lande vorkommt, ist die sogenannte afrikanische Wanderheuschrecke. Die Art, die jetzt in Palästina einbricht, kommt, wie die neueren Forschungen festgestelit haben, aus dem Nedschd, dem Inneren Arabiens. Hier kommt sie immer vor, bleibt jedoch in Jahren ihrer normalen Vermehrung innerhalb der Wüstengegenden, ohne auszuwandern. In bestimmten Perioden, über die heute noch nichts Gewisses bekannt wird, beginnt eine abnormal große Vermehrung. Normalerweise genügt es — wie Dr. Bodenheimer von der Hebräischen Universität festgestellt hat —, wenn 2 »/ס der Tiere am Leben bleiben, um die Art zu erhalten. Unter günstigen Umständen jedoch, vor allem bei größerer Feuchtigkeit, entwickelt sich ein größerer Prozentsatz der Eier, gelegentlieh bis zu 80 0/0. In solchen Jahren wächst die Anzahl der Heuschrecken mit riesiger Schnelligkeit, die Tiere beginnen in geschlossenen Schwärmen zu wandern und brechen auf der Suche nach genügenden Futterplätzen in das Kulturland ein. Das sind dann die Jahre der großen Heuschreckenplagen, die für die Landwirtschaft eine ungeheure Gefahr bedeuten. Der Einbruch der ffeuschrecken erfolgt im Winter in der Regenzeit. Es treten an verschiedenen Stellen fliegende Schwärme auf, die ihre Eier ungefähr zehn Zentimeter tiet in den Boden ablegen. Diese fliegenden Schwärme bleiben nur kurze Zeit an einem Orte und richten meist keinen großen Schaden an. Sie hinterlassen jedoch Eier, aus denen nach fünf bis sechs Wochen die sogenannten Hüpfer auskriechen. Diese Hüpfer bilden die schwerste Gefahr. Sie beginnen sich zu entwickeln und zu fressen, wachsen schnell heran und vereinigen sich zu riesigen Schwärmen, die sich mit einer gewissen Geschwindigkeit, je nach den Futtermöglichkeiten vorwärts bewegen. Die Schwärme, die oft Kilometer bedecken, legen meist einige Kilometer pro Tag zurück und vernichten unterwegs jedes grüne Hälmchen, das sie erreichen. Es gibt nur einige wenige Arten von Pflanzen, die sie verschmähen, in der Regel wird jedes Gelände vollständig von ihnen abgeweidet. Durch die große Ausbreitung der Schwärme werden alle Hindernisse von ihnen überwunden. Bäche werden dadurch überschritten, daß eine Brücke aus den Leichen der ersten Durchwatenden gebildet wird, der Strom der wandernden Tiere wälzt sich über alles hinweg, was ihm in den Weg kommt. Nach vier bis fünf Wochen, während denen sich die Hüpfer mehrmals gehäutet haben, tritt ein Ruhestadium ein, die Hüpfer bekommen Flügel, machen Flugversuche und schließen sich zu fliegenden Schwärmen zusammen, die meist im Juni auftreten. Die fliegenden Schwärme fliegen am Tage und fressen in der Nacht. Sie verlieren sich dann gegen Ende des Sommers wieder. Die Bekämpfung der Heuschreckenplage gilt in erster Reihe den Hüpfern. Ke Eier werden abgelesen, wo sie frei liegen, oder wenn sie im Boden sind, tief untergepflügt oder mit dem Pflug nach oben gebracht und dann vernichtet. Wenn das in großem Maßstabe gelingt, so ist durch diese Präventivmaßnahme viel oder alles gewonnen. Krischen die Eier aus, so werden auf lange Strecken, Kilometer weit, Zinkbleche aufgestellt. Sie sind ungefähr einen halben Meter hoch und werden ln einem gewissen Winkel zur Marschrichtung des Schwarms angeordnet. Entlang diesen Blechen werden in gewissen Abständen Fallgruben gegraben. Der marschierende Schwarm beginnt an den Blechen, die seinen Weg versperren, entlang zu marschieren und fällt in großen Haufen in die vorbereiteten Fallgruben. Ist eine gefüllt, so geht der Schwarm darüber hinweg, und weiter an den Blechen entlang, bis er an die nächste Grube gelangt. Und so weiter von einer Grube zur anderen. Die in den Gruben gesammelten Heuschrecken werden dann entweder mit Petroleum begossen und verbrannt oder mit Flammenwerfern vernichtet. Diese Methode der Bekämpfung mit Zinkblechen ist, wenn sie gut vorbereitet ist und mit der nötigen Energie durchgeführt wird, effektiv und kann die Schwärme auf ihrem Marsche aufhalten. Eine Bekämpfung der fliegenden Heuschrecken, die wirksam wäre, ohne den Pflanzen zu schaden, ist bisher noch nicht gefunden worden. Auf kleineren Strecken versucht man die Tiere durch Lärm zu verscheuchen, was aber nicht immer gelingt. Flammenwerfer sind gegen ״Flieger“ schwer anzuwenden, weil sie Bäume und Häuser bedrohen. In diesem Jahre scheint die Bewegung der Heuschrecken einen größeren Umfang anzunehmen als im Vorjahre. Große Schwärme sind auf der Sinaihalbinsel gesichtet worden und bedrohen Aegypten. Große Mengen liegen am Toten Meer, in Trans jordanien und bei Becrschewa. Kleinere fliegende Schwärme sind an den verschiedensten Stellen des Landes gesichtet worden, bei Jerusalem, im Ramlehbezirk, in der Jordanebene und in Galiläa. Es ist aber vorläufig noch nicht abzusehen, ob wir es mit einem wirklich großen Eanfall zu tun haben, oder nur mit vereinzelten Schwärmen. Das Land wirtsch af t sd epa rtm en t der Palästina-Regierung arbeitet mit der äußersten Anstrengung und tut alles, um der Gefahr zu begegnen. Wo Eier abgelegt werden, wird die Bevölkerung mobil gemacht, um die Eier unterzupflügen und abzulesen. Es arbeiten zurzeit Tausende von Fellachen im Dienste des Departements. Große Massen von Zinkblechen sind vorbereitet worden, um den auskriechenden Hüpfern zu begegnen, sobald sie sich in Marsch setzen. Aeroplane beobachten den Flug der Schwärme, und Flammenwerfer sind für die Bekämpfung eingesetzt worden. Palästina-Regierung arbeitet im Kontakt mit Aegypten und hat 50000 Pfund für die Heuschreckenbekämpfung ausgeworfen. Diese Tätigkeit hat viel dazu beigetragen, die Bevölkerung zu beruhigen und es besteht Hoffnung, daß man die Gefahr bekämpfen kann, wenn sich wirklich große Schwärme in Bewegung setzen sollten, was man bis jetzt nicht Voraussagen kann. In den nächsten Wochen muß das Auskriechen der jungen Hüpfer beginnen, es werden jetzt die letzten Vorbereitungen getroffen, um ihnen zu begegnen. Kanton-System in Palästina? New York, 10. April. (J. T. A.) Der Palästina-Korrespondent der ״New York Times“ telegraphiert seinem Blatte, es sei ihm von ״gut unterrichteter Seite“ mitgeteilt worden, daß die Palästina-Regierung einen Plan zur Unterbreitung an die Behörden in London ausgearbeitet hat, in welchem als ein erstes Experiment für die Einrichtung eines Kanton- Systems in Palästina die Bildung eines besonderen jüdisehen Distrikts vorgesehen wird. Dieser Distrikt soll die Stadt Tel-Awiw und 40 jüdische Kolonien in der Umgebung von Petach-Tikwah, Rischon le Zion und Rechoboth mit einer jüdischen Bevölkerungszahl von etwa 70000 Seelen umfassen. Der Name dieses ersten jüdischen Kantons, fügte der Korrespondent hinzu, soll ״Juda a“ sein. (Me Nachricht wird von der Palästina-Regierung dementiert. — A.d.R.) Presseschau In der ״Times“ vom 10. d. M. erschien ein Brief des Parlamentsmitglieds Wardlaw-Miloe, worin der Schreiber gegenüber der in Weizmanns Brief an die ״Times“ enthaltenen Feststellung, die Kommission bestätige, daß der Ausbruch in Jerusalem von allem Anfang an ein arabischer Ueberfall war, darauf hinweist, daß der Kommissionsbericht bei Aufzählung der unmittelbaren Ursachen der Unruhen an erster Stelle die lange Reihe von Zwischenfällen an der Klagemauer und insbesondere die jüdische Demonstration vom 15. August nennt. Unter diesen Umständen unterstützt der Briefschreiber die Aufforderung Lord Wintertons, daß englische Politiker sich jeder Parteinahme für Juden oder Araber enthalten mögen. In der ״Times“ vom 11. d. M. erschien eine Zuschrift, gezeichnet mit G., die sich gegen Snelis Feststellung, die Araber seien ein rückständiges Volk gegenüber den fortschrittlichen Juden wendet. ״Eine lange Erfahrung in vielen Teilen des Nahen Ostens einschließlich Palästinas veranlaßt mich, — schreibt der Einsender —, derartige Verallgemeinerungen als gefährlich zu betrachten. Der Araber ist genau so bereit wie der Jude, moderne Methoden anzuwenden, es fehlt ihm aber an Kapital und Organisation, während der jüdische Emigrant eine reiche und starke Organisation hinter sich hat. Mr. Snell vergißt auch, daß die Araber eine alte, noch sehr lebenskräftige Kultur haben, von der der junge jüdische Einwanderer meist nichts weiß.“ In diesem Zusammenhang zitiert der Briefschreiber die Memoiren des bekannten verstorbenen Kolonisten von Sichron Jakob, Michael Lange (besprochen in der ״J. R.“ vom 25. Juli 1929) worin die Notwendigkeit eines Kennenlemens zwischen Juden und Arabern betont wird. Am Ende des Ab- Schnittes von Lange heißt es: ״Es ist notwendig, daß alle Juden, die nach Palästina kommen, etwas von der großartigen arabischen Kultur wissen und nicht gelehrt werden, die Araber ständen tief unter ihnen.“ ״The Near East and Indla“ beschäftigt sich in seinem Leitartikel ausführlich mit dem Bericht der Kommission. Nach Besprechung der unmittelbaren Ursachen erklärt das Blatt, daß das wahre Problem nur in dem von der Kommission zuletzt angeführten Grund liege, nämlich der Unklarheit der britischen Politik in Palästina. Während Lord Plumers Regime gab man sich der Illusion hin, daß die Probleme bereits verschwunden seien. Aber Ableugnung von Problemen ist nicht gleichbedeutend mit ihrer wirklichen Beseitigung. Die letzte Erklärung des Primeminister ist wieder zweideutig und jeder kann daraus herauslesen was er will. Man müsse klar definieren, was unter ״Nationalheim“ gemeint ist. Man habe bisher alles als Zufall bezeichnet, was m Wahrheit eine notwendige Folge der unklaren Politik war. Dies muß nun ein Ende haben, und es ist durchaus möglich, daß die Lösung Enttäuschungen sowohl für die Araber als auch für die Juden mit sich bringen wird. Die Regierung muß klare Richtlinien für die Administration ausarbeiten. Das hierfür notwendige Material besitzt sie jetzt. * Ke großen englischen Zeitschriften haben bisher zu dem Bericht der Shaw-Kommission noch keine Stellung nehmen können. Doch veröffentlicht die ״F o r t n i g h 11 y Review“ einen längeren, auf hohem Niveau stehenden Aufsatz von Owen Tweedy über das Problem der palästinensischen Gesamt- Politik, der durch den inzwischen veröffentlichten Shaw-Bericht nichts von seiner Bedeutung verliert. Nach eingehender, sehr um Objektivität bemühter Untersuchung des Palästina-Problems unter historischen und psychologischen Gesichtspunkten kommt Tweedy zu dem Schluß, England solle auf die Vorschläge zurückkommen, die die Palästina-Regierung 1923 den Arabern gemacht hat und die damals sämtlich abgelehnt worden sind. Von den drei damaligen Vorschlägen sei die Errichtung einer Arabisehen Agency der bedenklichste, der auch nur in Betracht gezogen werden dürfe, wenn die anderen Wege sich als ungangbar erwiesen. Agendes hätten immer die Gefahr, sich zu einer Art von Schatten-Kabinetten zu entwickeln, die die Verwaltungsarbeit manchmal erleichtern, manchmal audi behindern, aber niemals wirkliche Verantwortungen auf sich nehmen könnten. Dagegen setzt sich Tweedy für eine Erweiterung des jetzt nur aus den Chefs der Abteilungen für Finanzwesen, Justiz und Oeffentliche Sicherheit bestehenden Beirates (Advisory Council) beim Oberkommissar durch ie einen Juden, einen Araber und einen Christen ein. Dadurch würde eine direkte Berührung zwischen der öffentlichen Meinung des Landes und der Regierung geschaffen und vor allem dem Oberkommissar die Möglichkeit besserer• offizieller Information geboten. Erst später solle man dann zur Errichtung einer gesetzgebenden Versammlung (Legislative Council) schreiten, wobei aber dem High Commissioner ein Vetorecht gegen Beschlüsse, die dem Sinne des Mandates zuwiderliefen, zustehen müsse. Tweedv macht dann sogar schon im einzelnen interessante Vorschläge, wie man durch Heranziehung einzelner Parlamentskommissionen zur Mitarbeit an Verwaltungsaufgaben die Abgeordneten vom bloßen Politisiern abhalten und an praktische Arbeit gewöhnen könne. A.P. Thomas Mann über das Palästina •Werk Jerusalem, 9. April. (J. T. A.) Thomas Mann gewährte vor seiner Abreise aus Palästina dem Vertreter der J.T. A. ein Interview, in dessen Verlauf er die Eindrücke, die er während seines Aufenthaltes in Palästina gewonnen hat, schilderte. Infolge einer plötzlichen Erkrankung, die ihn zwang, das Krankenhaus aufzusuchen, konnte er nur zum Teil das jüdische Aufbauwerk in Augenschein nehmen. Einen starken Eindruck hat auf ihn die jüdische Kwuzah-Kolonie Dilb (Kirjath Anawim) in der Nähe von Jerusalem gemacht; am meisten von allem hat ihm aber Tel-Awiw Bewunderung abgerungen. Die Juden in Tel-Awiw, sagte Thomas Mann, sind irgendwie anders als die Juden in allen anderen Städten der Welt; sie scheinen freier und glücklicher. Ich glaube an die Zukunft von Tel-Awiw. Ich habe den Eindruck von Wachheit und starker Intellektualität ihrer Bewohner von der Stadt mitgenommen. Was ich in Palästina gesehen habe, sagte Thomas Mann weiter, ist, als Ganzes wie einzeln gesehen, wunderbar. Alles ist im Fortschreiten begriffen, die Juden vollbringen ein schönes Werk. Aber sie dürfen nicht mit dem Kopf durch die Wand stoßen wollen, sondern sie müssen vorsichtig weiter gehen. Denn schließlich sind die Araber seit mehr als 1000 Jahren hier im Lande, auch sie glauben an ihre historische Verknüpftheit mit dem Lande und sie haben wohlbegründete Rechte auf dasselbe. Aber ich weiß, fügte Thomas Mann hinzu, der Jude ist nicht ins Land gekommen, um zu erobern und zu herrschen, sondern er kam, um sich zu erfüllen, sich seelisch zu befreien. Juden und Araber haben gewiß die Möglichkeit, nebeneinander in Palästina zu leben und sich gemeinsam dem Aufbau des Landes zu widmen. Die Hitzköpfigkeit und die Ungeduld einiger Juden erhöhen die Schwierigkeiten, die der Zionismus ohnehin vor sich hat. Ich bin ganz entschieden für den Zionismus, den ich wegen einiger seiner Ideale und Ziele mit der romantischen Bewegung unter den Deutschen des 19. Jahrhunderts vergleichen möchte; auch diese Bewegung hatte ihre Wurzel in dem Wunsche nach Selbstbefreiung. Der Zweck dieser meiner Palästina-Reise, sagte der Dichter, ist, Studien zu machen für einen Roman, dessen Thema der Bibel entnommen ist: die Geschichte von Jaacob und Joseph, Kleine Nachrichten Direktor Georg Kareski, Vorsitzender des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin, hat infolge Arbeitsüberbürdung sein Amt im Engeren Rat des Preußischen Landes verbandes jüdischer Gemeinden niedergelegt. Im Unterhaus antwortete auf eine Anfrage Unterstaats- Sekretär Dr. Shicls: Die Namen der Mitglieder der Klagetnaucr-Kommission sind noch nicht definitiv festgesetzt, aber es werden Schritte unternommen, um die Nominierungen schnellstens vornehmen zu können. Auf eine Frage von Colonel Howard Bury über das Verhältnis zwischen der jüdischen und der nichtjüdischen Ein- Wanderung in Palästina erwiderte Unterstaatssekretär Dr. S h i e 1 s im Unterhaus: Vom 3. Juni 1921 bis Ende 1929 wanderten in Palästina 6400 Nichtjuden und annähernd 89000 Juden ein, also etwa 7 ״,,o Nichtjuden. Unter den Touristen, die in letzter Zeit in Palästina eintrafen, befindet sich Professor R o d e n w a I d , der Präsident des deutschen •archäologischen Institutes, der zurzeit im Zusammenhang mit der geplanten Ausdehnung der Ausgrabungstätigkeit des deutschen archäologischen Institutes den Vorderen Orient besucht. (Ziko.) In einer Zusammenkunft bei dem Bezirksgouverneur von von Jaffa wurde die Frage der Ausbesserungsarbeiten am Hafen von Jaffa besprochen. Es nahmen zwei jüdische, zwei englische und drei arabische Vertreter teil. Nach einer eingehenden Aussprache wurden Richtlinien für die Arbeiten, die insgesamt 57 000 Pfund erfordern, festgelegt. Die Ausgrabungen in Jericho, die dort während der letzten Monate von Prof. Garstang durchgeführt wurden, sind jetzt eingestellt worden und everden im nächsten Jahre wieder aufgenommen werden. ‘Prof. Garstang fiat nach Presseberichten erklärt, daß die Ausgraßungen die Berichte der Bibel über die Eroberung Jerichos durch Josua bestätigen werden. Der Moskauer Vertreter der J. T. A. hat durch eine Umfrage feststellen können, daß der Bedarf an Mazzoth unter den Juden Rußlands für die diesjährigen Peßachtage überall gedeckt ist. Die Mazzoth-Bäckereien arbeiten überall ungestört. Histadruth und Brith Trumpeldor Jerusalem, 10. April. (J. T. A.) In der jüdischer» Kolonie Klar Saba in der Nähe von Petach Tikwah kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Kolonisten und jüdischen Arbeitern, die der Histadruth angehören, als die Histadruth- Mitglieder versuchten, eine Gruppe von 25 Mitgliedern der revisionistischen Organisation Brith Trumpeldor zur Niederlegung der Arbeit in der Kolonie zu zwingen, weil sie nicht durch den gewerkschaftlichen Arbeitsnachweis der Histadruth zugewiesen worden sind, Ja sich nicht einmal beim Arbeitsnachweis haben registrieren lassen. Nach diesem Zusammenstoß wurden die Histadruth-Mitglieder aus der Orangenplantage, in der die Brith Trumpeldor-Mitglieder beschäf* tigt sind, zurückgezogen. Polizei mußte herbeigeholt werden, um die Ordnung wiederherzustellen. Die Führer der Palästina- Kolonisten, Smiliansky und Chankin, versuchen, zwischen den streitenden Parteien zu vermitteln; bisher hatte die Vermittlertätigkeit keinen Erfolg. _ Die arabische Delegation Im Parlament Im englischen Parlament fand am 10. d. M. eine von Mit- ' י' י י ” ‘ ' ' "" .‘§ Den Vorsitz führte Lord Brentford (früher Sir William Joynson-Hicks, Innenminister im Kabinett Bajdwin). Lord Brentford führte aus, es sei überaus wünschenswert, daß man die Schwierigkeiten der arabischen Position in Palästina kennen lerne. Was den Kommissionsbericht betrifft, so wäre dieser wertlos gewesen, wenn er sich auf die Unruhen beschränkt und nicht die tieferen Ursachen untersucht hätte. Wenn nicht etwas geschieht, um die herrschende Unzufriedenheit zu beheben, dann müsse man auch in Zukunft mit Unruhen rechnen, und diese würden durch Einbeziehung der arabischen Nachbarländer ernster werden als die vorigen. Hierauf sprachen M11 za Kazim Pascha, der Mufti, Bürgermeister Nase has c h i bi, Auni Abdul H a d i und Dschemal Hussein!. Der Mufti bezog sich auf die den Arabern während des Krieges gemachten Versprechungen und erklärte, nach dem Krieg seien die Araber einer Politik der Unterdrückung ausgesetzt, die sie jeder Selbstverwaltung beraube. Der Zionismus sei die Ursache der letzten Unruhen. Nur durch Gewährung von Gleichberechtigung an alle Einwohner Palästinas könne der Friede hergestellt werden. Dschemal Husseini legte eine offizielle Denkschrift der Delegation vor und beschäftigte sich dann ausführlieh mit dem Bericht der Kommission, auf den er die von ihm vorgetragenen arabischen Forderungen stützte. Ke Kommission irre aber, wenn sie den 23. August als Beginn der Unruhen bezeichnet, während in Wahrheit die Unruhen am 17. August mit einem jüdischen Angriff auf einzelne Araber in arabischen Vierteln begonnen haben. Auf Antrag von Colonel Howard-Bury wurde schließlich eine Resolut i o n angenommen, die die Regierung auffordert, die arabischen Beschwerden zu untersuchen und eine Lösung zu finden, die den arabischen Forderungen entgegen kommt und dadurch Palästina den Frieden bringt. Schekelausweis 5690 Wir veröffentlichen nachstehend den ersten Schekelauswels, aus dem leider das Versagen der meisten Gruppen und Schekel- Vertrauensleute in der Schekelaktion zur Genüge hervorgeht. Wir sind gezwurfgen, hie dringende Bitte an älle Gruppen Und Schekelvertrauensleute zu richten, die Sammlung jetzt mit größter Energie zu betreiben und zu einem guten Abschluß zu führen. Abgeschlossen am 11. April 1930. Berlin 67, Bielefeld 25, Breslau 46, Buchau 5, Bunzlau 8. Bütow 6 Chemnitz 66, Dessau 35. Dresden 29. Duisburg 30, Düsseldorf 29, Elberfeld 44, Frankfurt a. M. 136, Frankfurt a. d. Oder 2, Görlitz 35, Göttingen 1. Guben 5, Haigerloch 2, Hameln 22, Hanau 10, Heilbronn 13, Idar 4, Ilmenau 2, Jeßnitz 4, ׳Jülich 20, Königsberg 50, Konstanz 17, Lübeck 50, Lüdenscheid 8, Mellrichstadt 4, Militsch S, München 83, M.-GIadbach 18, Neuenahr 6, Oppeln 43, Osnabrück 48, Reichensachsen 2, Staßfurt 5, Stettin 7, Wallershausen 6. Die LandesscheKeiKomniission der 2. v. f. D. Berlin W15, Meinckestraße 10. Postscheckkonto Berlin Nr. 8091. mitiiiuiitiiuiiiiiiiiiniiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiitiniiiiiuiiHiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiutiiiiuiuiiiiimui Infolge der Feiertage erscheint die nächste Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ am Freitag, den 25• d. M.