Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 29 (11.4.1930)
- Date
- 1930-04-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 202 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 29, 11. IV. 1930 sehen Kolonisationsbestrebungen. Das bedeutete eine entsprechende Immigrations- und Zollpolitik der Regierung: und vor allem eine Regelung der Land frage. Die von Jabotinsky vorgeschlagene Bodenreserve, die aus Staats- Kindereien und unbearbeitetem Großgrundbesitz geschaffen u mim sollte, war als Reserve für die jüdische Kolonisation, aber auch zur Entschädigung arabischer Pächter gedacht. Wir haben diesen Vorschlag unterbreitet, weil wir davon ausgingen, daß Kolonisation eine Staatsaufgabe ist und daß die Landesregierung sich zu der Einwanderung und Kolonisation ihres Landes nicht passiv verhalten kann und darf. Wir sahen hier eine aus dem Mandat hervorgehende Pflicht 'der Regierung — wir erkannten aber auch, daß wir eines Tages vor schweren Hindernissen stehen würden, wenn wir nicht gemeinsam mit der Regierung die Landfrage zu regeln trachleiert. Catnit verband sich die Erkenntnis, daß nur inten• s i v c Wirtschaftsform das Landproblem lösen und eine größere Einwanderung von Juden möglich machen kann. Hieraus folgte wieder unsere Kritik an den bisherigen Wirtschaftsmethoden. Die zionistische Leitung hat diese Grundfragen unserer Politik stets ignoriert. Seit zehn Jahren hat sie nicht daran gedacht, einen ernsthaften Kolonisationsplan aufzustellen, der die Notwendigkeiten der jüdischen Kolonisation mit den Möglichkciten des Landes in Uebereinstimmung zu bringen suchte. Warum? Weil sie die politische Bedeutung dieser ökonomischer! Probleme nicht erkannte, Wirtschaft mit Geldsammlung verwechselte und weil sie seit langem nicht mehr wagte, den Zionismus als ein schwieriges, aber großes Unternehmen ernsthaft vor der Regierung zu vertreten. Alles wurde verkleinert und bagatellisiert: Die Schwierigkeiten und die Mög• lichkciten, die Gefahren und die Aussichten. Jabotinsky blieb es Vorbehalten, als inoffizieller Zeuge am letzten Sitzungstage vor der Kommission die zionistische Sache in großem Stil zu entwickeln. Seine Vorschläge wurden sehr respektvoll behandelt und die Kommission stellt ausdrück-!ich fest, daß Jabotinsky sich gegen jede Verdrängung der Fell,׳teilen ausspricht. Die Exekutive aber ist uns und der englischen Regierung seit Jahren die Antwort auf die Frage schuldig geblieben, wie sie sich die Verwirklichung des Z10nismus denke. Wir haben die Probleme gesehen, die Gefahren der Situation verstanden und Lösungsversuche vorgeschlagen. Immer wieder haben wir erklärt, daß das Kolonisations-Regime nicht nur eine ideale Forderung an England sei, sondern daß es von uns selbst durch Ausarbeitung von entsprechenden Vorschlagen vorbereitet werden müßte. Die zionistische Leitung aber hat hierin völlig versagt. Nun wird sie von außen her und in feindlicher Absicht auf diese Probleme gestoßen, deren Existenz sie bisher übersah und leichtsinnig ableugnete. III. Der Bericht wird schwerwiegende Folgen haben. Nur Leichtsinn und Unverstand kann den Versuch machen, die Bedeutung des Berichts zu bagatelli• sieren. Schon hören wir die bekannten optimistischen Töne von unserer Leitung: Die Kommission sei zweiten Ranges; sie werde die Entscheidung der Regierung nicht beeinflussten «sw. Das ist grundfalsch. Regierung und Parlament Englands können nicht über einen offiziellen Bericht einer Regierungs• Kommission, die wochenlang an Ort und Stelle ihre Fest• Stellungen getroffen hat, einfach hinweggehen. Alle Gegner des Zionismus werden an dem Bericht eine mächtige Stütze für ihre Argumentation finden. Die Regierung kann sich nicht ohne weiteres in schroffen Gegensatz zu den Vorschlägen des Berichts stellen. Sie muß mit ihm als einer von ihr selbst veranlaßten amtlichen Meinungsäußerung ernsthaft rechnen. Die Gefahren, die sich hieraus ergeben, Tiegen auf der Hand. Bestenfalls wird die Regierung in ihren Aeußerungen sich von dem Bericht ein wenig distanzieren und die ganze Sache dila* torisch behandeln. Für die zionistische Politik kommen schwere Zeiten. Ist wenigstens für das zionistische Denken endlich jeder seichte ,Optimismus vorbei, mit dem man die Schwierigkeiten der Lage seit Jahren zu übersehen trachtete, und wird man endlich verstehen, daß eine Politik, die solche Ergebnisse gezeitigt hat, keine gute Politik war? Dr. Nahum Goldmann: Das der Bericht der Majorität der Untersuchungskommission für uns in allem Wesentlichen ungünstig sein würde, war schon für jeden, der die Dinge überblicken konnte, aus dem Gang der Verhandlungen zu entnehmen und aus allem, was man in den Wochen nach den Verhandlungen erfuhr, immer klarer geworden. Insofern ist die Enttäuschung, die der nunmehr erschienene Bericht hervorrufen muß, psychologisch etwas gemindert, und es wird gewiß manche geben, die vielleicht noch Ungünstigeres erwartet haben. Nichtsdestoweniger muß ich sagen, daß der Bericht schlimmer ist als ich befürchtet habe, und zwar nicht so sehr in seinen ganz konkreten Vorschlägen, die zum Teil sehr vor• sichtig stilisiert, zum größeren Teil ziemlich vage sind. Das Niederdrückendste und Peinliche am Bericht ist vielmehr der allgemeine Tenor seiner Gedankengänge. Man verspürt nicht das mindeste Verständnis für die weltgeschichtliche Bedeutung des Zionismus als Lösung der Judenfrage, verspürt auch nichts von einer wirklichen Einschätzung der Leistungetx ,des jüdischen Volkes in Palästina. Ich will hier nicht auf die in manchen Kreisen erörterte psychologische Frage ein־ gehen, ob die Haltung der Majorität der Kommission mehr von einer bewußten Gegnerschaft zum Zionismus, ja vielleicht von antisemitischen Motiven oder aber von intellektueller Verständnislosigkeit für den großen Aspekt der zionistischen Frage bestimmt wurde. Sicher ist in jedem Falle, daß das menschliche und geistige Niveau der Ausführungen der Majorität ein sehr niedriges ist. In der Form ihrer Gedankengänge, die oft kleinlich dialektisch, ja advokatorisch sind und in der ganzen Art ihrer Darstellung spürt man nichts von wahrhaft staatsmännischer Betrachtungsweise, sondern hat immer den Eindruck, daß kleine Kolonialbeamte reden, für die der Zionismus, — was gewiß richtig ist — eine Erschwerung ihrer administrativen und politischen Aufgabe bedeutet, und die daher nichts anderes im Auge haben, als diese ihre Schwierigkeiten zu vermindern. Man kann' natürlich nicht wissen, inwieweit die palästinensische Administration direkt den Majoritätsbericht beeinflußt hat; daß indirekt in dem Bericht der Majorität die Gedankengänge, das Empfinden und die innere Einstellung der Administration sich widerspiegelt, steht für mich außer Frage. Gegenüber der großen staatsmännischen und weltgeschichtlichen Konzeption des zionistischen Problems, wie sie ein Balfour, ein Lloyd George, ein MacDonald, ein Robert Cecil und viele andere der großen Vertreter des politischen■ England repräsentieren, kommt in dem Bericht ein anderes England zum Ausdruck, das England der Kolonial- Administratoren, der Verwaltungs-Routine, der Leute mit der Frosch-Perspektive, die — schon vom Jüdischen ganz abgesehen auch vom englischen Gesichtspunkt• aus jede Weit* des; Horizontes und Jede weltgeschichtliche Perspektive vermissen lassen. Es ist ein kleinliches Dokument und darum, vom Politischen ganz abgesehen, auch menschlich so überaus peinlich an vielen Stellen. An diesem entscheidenden Mangel des Berichtes ■ ist allerdings unsere palästinensische Exekutive, was offen zugegeben werden muß, nicht ohne Schuld. Sie hat der Kommission gegenüber den Standpunkt eingenommen, sich im wesentlichen auf die Darlegungen ihrer Auffassung von den Ursachen der Unruhen zu beachränken und protestierte gegen die Erweiterung des Rahmens der Untersuchungen der Kommission; demgegenüber haben die Araber es verstanden, den Schwerpunkt der Verhandlungen auf die Probjeme der ״tnajor policy" zu legen und es wäre seitens der Exekutive sicherlich richtiger gewesen, wenn sie,׳ nachdem es ihr nicht gelungen war, die Selbstbeschränkung der Kommission auf ihre eigentlichen Aufgaben durchzusetzen, auch ihrerseits dazu übergegangen wäre, in eine Erörterung der große 11 Probleme einzutreten und den zionistischen Standpunkt in seinem vollen Umfange darzulegen. Statt dessen ließ sich die Exekutive in die Defensive dringen, ging dabei 1'n ihrer Vorsicht so weit, Vertreter der Arbciterschaft oder Männer wie Ussischkirt nicht als Zeugen zu zitieren und trug so vielleicht in einem gewissen Maße dazu bei, daß die Kommission die allgemein menschliche und historische Bedeutung unseres Werkes nicht recht verstand. Allerdings muß es, nach dem Eindruck, den der Bericht macht, zu urteilen, fraglich bleiben, ob die Majorität der Kommission auch im Falle einer wirksameren und großzügigeren Darlegung des zionistischen Standpunktes durch die Exekutive imstande gewesen wäre, in den wahren Sinn des Zionismus einzudringen. Man hat oft das Gefühl bei der Lektüre des Berichtes, daß den Mitgliedern der Majorität der Kommission die menschlichen und geistigen Voraussetzungen hierfür abgehen. Das Wohltuende an dem Minoritätsbericht von Sneli liegt neben dem Politischen gerade auch in dieser seiner menschlichen Seite. In ihm spricht ein Mann, der die historische, die geistige, die sittliche Seite des Zionismus versteht, der auch die Schwierigkeiten sehr wohl sieht Und fühlt, aber aus seinem Verständnis für uns heraus versucht, einen Ausweg zu finden. Rein politisch betrachtet, ist der Bericht — wie bereits gesagt — vielleicht nicht so schlimm, wie man befürchtet hat. In der Frage des Parlaments hält er sich von jeder Empfehlung der baldigen Einführung parlamentarischer Regierungsform ängstlich fern, in der Landfrage, in der man sehr ungünstige Empfehlungen seitens der Kommission bcfürchtete, begnügt er sich auch mit der Darlegung des Prob I e m s, dessen Existenz ja auch von uns anerkannt wird, und das immer mehr in den Kreis unserer wirtschaftspolitischen lind kolonisatorischen Vorschläge und Methoden wird einbezogen werden müssen, schlägt aber auch keine unmittelbaren konkreten Maßnahmen vor, die unsere Kolonisation erwmwimwtwwiKi sehweren würden. Am unangenehmsten sind vielleicht die konkreten Vorschläge in der Regelung der I m m i g r a t i - onsfrage, aber gerade hier sind die Oedankengänge und die Begründungen des Berichtes am leichtesten zu widerlegen weil am schwächsten fundiert. Das der Bericht uns schaden muß, ist selbstverständlich; er Wird dazu beitragen, die Aspirationen der extremen Araberfuftrer zu steigern, die Stimmung der jüdischen Massen nt deprimieren und wird auch manche nichtjüdische Kreise ungünstig beeinflussen. Insofern wird er sicherlich nicht zu einer Entspannung und Stabilisierung der Situation beitragen. Daß er die englische Regierung oder das Parlament in seiner grf4en Majorität wesentlich beeinflussen wird, befürchte ich nicht. Ich glaube, daß man in den entscheidenden Kreisen der englischen Politik die Unzulänglichkeit des Berichtes versteht und ihn dementsprechend bewertet. Daß die Kommission ihre ״terms of reference“ in einer geradezu grotesken Form überschritten hat, erleichtert die Situation für alle diejenigen, "1e, d1e Oedankengänge und Vorschläge des Majoritätsberichtes, sofern sie sich auf die ״große Politik״ beziehen, außer acht zu lassen geneigt sind. Was unsere Haltung betrifft, so erscheint es mir angebracht, uns nicht allzusehr durch den Bericht erregen oder erschüttern zu lassen. Wir würden ihm dadurch eine größere Bedeutung verleihen, als er vielleicht in Wirklichkeit besitzt. Der Schwerpunkt der Entscheidung liegt beim englischen Par- 1 am ent ünd bei der englischen Regierung, und hier müssen alle Hebel unserer politischen Aktivität eingesetzt werden. Die Resolutionen des A.-C. und des Administrative Committee haben eine klare Richtlinie unserer Politik vorgeschrieben, und ich glaube, daß bei einem energischen Festnalten an dieser Linie und einer dauernden politischen Aktigvität unsererseits die Aussicht besteht. 7n einpr (!nimm״־#״ verdoppelter und verdreifachter Energie fortscTireiten müssen ist die grundlegende Erkenntnis, in der sich — glaube ich — alle zionistischen Gruppen heute unbedingt einig sind. Wenn das Oaluthjudentum und der Galuthzionismus nur einen Bruchteil des Mutes, der Sicherheit, der Zuversicht und der Aufopferungswilligkeit aufbringen wird, die der Jischuw in diesen Monaten bekundet hat, so werden wir aus dieser sch\v׳ieri״en und kritischen Zeit mit einer Verstärkung unserer Positionern Lande wie auch unserer politischen Stellung hervorgehen. MBiwwwiwBwwiwiiwiiiwmtiimiBimiiHmiiBwiwiimimmimiwiiwmmwinmiwBiiiiiäniwiMiiiminwiiiiiiiiiiiiiiHiniiiiiiHiiiiH Aufsd11ie$ung neuer Landstredcen Von unserem palästinensischen Korrespondenten. Ag Tel-Aviv, den 1. April 1930. Für die Aufschließung vernachlässigter Gegenden durch moderne Bearbeitung war noch vor einem Jahrfünft vor allem die Ebene JesreeJ charakteristisch. In den letzten fünf Jahren haben sich die Kolonien des Emek entwickelt, so daß sie nicht mehr so stark den Eindruck des Neulandes machen. Die neuem Punkte, die dann von der ״vierten Alljah“ gegründet wurden, lehnten sich an schon erschlossene Komplexe an, in der Umgegend von Petach Tikwah und dem Scharon einerseits, und den von Tel-Aviv südlichen alten Kolonien andererseits. Und auch sie haben sich in den wenigen Jahren ihres Bestehens so weit entwickelt, daß sie kaum mehr wie neues Kolonisation»■ land anmuten. Geht man jedoch von Kfar Saba oder von Herzliah weiter nach Norden hinaus in die Richtung auf Chederah zu, so eröffnen sich weite Strecken, die wähnend des letzten Jahres von Juden in Kultur genommen werden und eine Kolonisation zeigen, wie sie früher in Palästina in dieser Form kaum zu finden war. Von Tel-Aviv aus zieht sich heute ein zusammenhängender Gürtel jüdischen Bodens über Ramat-Gan, Bne Berak und Petach-Tikwah nach Magdiel und Kfar Saba. Nahe dabei liegt das neugegründete Tel-Mond und die Böden des Keren Kajemeth, die für die Ansiedlung verschiedener Gruppen von Kolonialarbeitern bestimmt sind. An diese schließt sich Gan Chajim und andere neue Plantagen bis hinauf nach Kalmaniah. Auf der anderen Seite liegt noch ein breiter nichtjüdischer Gürtel zwischen Herzliah und der neuen Kolonie N a t a n j ah, die ihrerseits wieder an die Böden des Keren Kajemeth im Wadi Chavarith und an Chederah angrenzt. Es baut sich also heute an der Küste entlang eine Plantaganzone auf, die von Tel-Awiw bis südlich von Tul-Kerem und von Herzliah mit einer Unterbrechung bis Chederah reicht. Zwischen den neuen Plantagen, Baracken und Häusern liegen noch beträchtliche Strecken unter Getreide, die Wege sind äußerst primitiv und eine Fahrt durch die Gegend ist heute noch eine schwere Anstrengung. Kleinere und größere Sümpfe sind als Malarianester gefährlich, es bestehen jedoch verschiedene Projekte zu ihrer Drainierung. Die Wirtschaften, die heute in dieser Zone errichtet werden, beruhen in der Hauptsache auf Orangenkultur; bei allen geht die Pflanzung in großem Maßstabe vor sich; fast alle arbeiten mit großen, zum Teil mit riesigen Kapitalien. Einzelne Punkte sind Großfarmer wie zum Beispiel K a 1 m a n i a h, das einem einzelnen Besitzer gehört und — was man in Palästina sehr selten findet — den Eindruck eines riesigen Gutshofes macht. Ein großer Hof, um den sich Wirtschaftsgebäude und Arbeiterwohnungen gruppieren, anschließend mannigfaltige Pflanzungen, Orangen, Bananen, Oliven, Johannesbrot, dazu ein beträchtlicher Viehbestand. Andere Orte sind Unternehmungen von Aktiengesellschaften, wie zum Beispiel Tel-Mond, wo die Gesellschaft von Lord Melchett arbeitet. Es ist das eine der kapitalkräftigsten Unternehmungen, was sich nicht nur in der Ausdehnung der Pflanzungen, sondern auch in den Einrichtungen der Siedlung kundgibt. Die für die Arbeiter errichteten Baracken, die heute ungefähr hundert Menschen beherbergen, sind so solide gebaut, wie man es im Lande kaum gewöhnt ist; für hygenische Prophylaxe und auch einen gewissem Komfort ist gesorgt. Die großen Schwierigkeiten, die normalerweise mit der Anlage eines neuen Punktes verbunden sind, werden auf diese Weise auf ein Minimum reduziert. Krankheitsfälle sind seltener, weil die Wohngelegenheiten entsprechend sind und die Beköstigung befriedigend ist. In G an-Ch a j i m, wo ebenfalls eine Gesellschaft die Pflanzungen anlegt, sind ein Teil der Arbeiter bereits in festen Häusern untergebracht, die einer guten Arbeitersiedlung entsprechen. Anders ist die Lage in Nat.ania h, das, nach Nathan Strauß genannt ist. Nataniah um־• faßt einen Komplex, der, direkt am Meere gelegen, an die Böden des Wadi Chawarlth anschließt Hier siedeln sich Mitglieder der ״Bne Benjamin" an, zum Teil Söhne der alten Kolonisten aus Judäa. Sie haben jeder eine mittelgroße Parzelle und sind dabei, Wohnhäuser zu errichten, die je nach den Mitteln des Besitzers von zwei zu vier Zimmer umfassen. Außerdem arbeitet dort ״Notea“ (der Pflanzer}, eine Gesellsehaft, die für ausländische Besitzer Plantagen anlegt und sie übergibt, sobald sie Frucht tragen. Hier handelt cs sich um einen Großbetrieb, an den sich verschiedene kleinere Unternehmer anschließen. Die Unterkunft für die ca. 60 Arbeiter, die heute dort beschäftigt sind, ist recht primitiv. Ein Teil begnügt sich mit Zelten, andere sind in einem neu errichteten Hause untergebracht, das sich jedoch mit den Baulichkeiten in Kalmaniah oder gar Tel-Mond nicht messen kann. Hier herrschen noch zum Teil die Bedingungen, wie sie uns aus der Kolonisation der früheren Jahre vertraut sind. Es sind jedoch auch hier neue Bauten geplant, die die Schwierigkeit der Wohnfrage mildem werden. Die meisten Neuanlagen In dieser Gegend — und auch an anderen Stellen des Landes — sind ausgezeichnet durch eine bessere Fürsorge fürden Arbeiter als es früher der Fall war. Der Grand dafür ist zweifach. Erstens handelt es sich in den meisten Fällen um Anlagen des Großkapitals, die in der Zeit der Anlage und des Aufbaus berät sind, einen größeren Fonds zu Verwendern, um einen guten Arbeiterstamm zu erhalten. Es wird oft schon verstanden, daß schlechte Lebensbedingungen die Leistungen der Arbeiter so herabsetzen, daß sich Ersparnisse auf diesem Gebiet nicht rentieren. Zweitens herrscht heute Arbeitermangel im Lande. Wo man hinkommt, kann man jetzt in der Pflanzzeit die Forderung nach mehr Arbeitskräften hören. Es ließen sich ohne Schwierigkeiten zur Zeit weitere 800 Arbeiter in den Pflanzungen unterbringen. Nur ein kleiner Teil der Unternehmungen hat neben den jüdischen auch arabische Arbeiter eingestellt, was gelegentlich jetzt von den Verkäufern der Böden verlangt wird. Zudem werden an manchen Stellen arabischen Arbeitern bereits 15 und 17 Piaster pro Tag gezahlt, so daß die Differenz zwischen jüdischen und arabischen Löhnen nur gering Ist. Die Löhne des jüdischen Arbeiters sind infolge der großen Nachfrage nach Arbeitskräften stark gestiegen. 20 Piaster werden an vielen Stellen gezahlt, an manchen bereits mehr, und solange der Arbeiterinangel anhält, wird die Tendenz der Steigerung weiter bestehen. Die Lebenskosten des Arbeiters sind freilich an den neuem Siedlungspunkten beträchtlich. Willrend man in den älteren Kolonien sich für 6—8 Piaster täglich leidlich verpflegen kann, betragen die Kostern an den neuen Punkten, wo alle Produkte herangeschafft werden müssen, 10—12 Piaster. Im Vergleich zu den früher herrschenden Zuständen hat sich jedoch die Verpflegung merklich gebessert. Eine gemeinsame Frage erhebt sich bei all diesen Neuanlagen, das ist die Gründung von Arbeiterkolonien neben den Großplantagen. Es werden die verschiedensten Projekte in diesem Zusammenhänge erörtert, die sich gelegentlich zu praktischen Vorschlägen verdichten; besonders da, wo Boden (nationaler oder privater) für diesen Zweck zur Verfügung steht. Die feste Ansiedlung von Arbeitern in dieser Zone würde den wirtschaftlichen Charakter der Unternehmungen sicherer und fester gestalten, es könnte ein Teil der zum Konsum nötigen Lebensmittel (vor allem Gemüse und Eier) am Orte produziert werden. Mit der Bildung von Arbeiterkolonien würden diese weiten Strecken, die heute unter intensive Kultur genommen werden, nicht nur der Bearbeitung, sondern auch der Besiedlung zugdührt werden. Louis D. Brandeis New York, 6. April. (J.T. A.) Die von der Administration der Zionistischen Organisation Amerikas eingesetzte Kommission, bestehend aus Dr. James Heller. Rabbi Israel Goldstein, Dr. Nathan Ratnoff und David Freiberger, die die Auff*' “ ‘ 1 ‘י.— Obersten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten, zu bewegen, wieder eine aktive Tätigkeit in der zionistischen Bewegung aufzunehmen, teilt nun mit, daß ihre Bestrebungen von einem gewissen Erfolg gekrönt waren; Brandeis hat das Versprechen gegeben, im Hinblick auf die jüngsten Ereignisse in Palästina das Ersuchen der Delegation in ernsteste Erwägung zu?iehen. An der Zusammenkunft nahmen außer den genannten Mitgliedern der Kommission noch Richter Julian W. Mack, Robert Szold und Jacob de Haas teil. Demnächst wird eine zweite Zusammenkunft bei Brandeis stattfinden.