Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 27 (4.4.1930)
- Date
- 1930-04-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 27, 4 IV. 1930 JUEDISCRE RUNDSCHAU Seite 189 & Die Landesverbandsiagung Zweiter Tag Am zweiten Verhandlungstage der Tagung des Preußischen Landesverbandes beschäftigte man sich zunächst mit den Fragen der Verfassungsänderung und Wahlordnung. Dr. Ismar Freund vertrat die Vorlagen des Rates, die allerdings keine umstürzenden Aenderungcn vorsahen und im Gegensatz zu den Anträgen der Volkspartei eine Beibehaltung des Rates befürworteten. Für die Jüdische Volkspartei begründete Dr. Harry Epstein, Duisburg, den Antrag aut Abschaffung des Rates und Einsetzung einer einfachen Exekutive, d. h. Ueber- :ang zum Einkammersystem. Der Rat sei auch jetzt keine wirkche Vertretung der Gemeinden, sondern eine versteckte Notabeln-Versammlung. Durch die Schaffung des Einkammer- Systems werde eine wirkliche Demokratie ermöglicht. Er wies auf das Beispiel der Gemeinde Breslau hin, wo die herrschende liberale Partei die beiden Breslauer Ratsmandate unter Ausschaltung der starken Minorität mit ihren Parteifreunden besetzt habe. Rabb. Dr. Emil L e v y (Volkspartei) vertrat den Antrag der Volkspartei auf Schaffung eines dritten Unterrichtsausschusses für die volksparteilichen Kreise und betonte, daß die Volkspartei dadurch, daß sie eine eigene Weltanschauung vertrete, Anspruch auf diesen Ausschuß habe. Für die Liberalen wandte sich Dr. B a e r w a 1 d, Frankfurt am Main, gegen die Abschaffung des Rates und bekämpfte einen volkspartenicncn Unterrichtsausschuß, wobei er es nicht unterließ, gegen die jüdische Schule und insbesondere die höhere jüdische Schule zu polemisieren. R.-A. Max Jacobsohn, Breslau (Volkspartei), bekämpfte den verengerten jüdischen Religionsbegriff der Liberalen. Pie Volkspartei stehe auf dem Standpunkt eines vollen, lebendigen Judentums. Wenn sie Erziehung in seinem Geiste wünsche, so aben die Liberalen nicht das Recht, dagegen hindernd Einsprach zu erheben. Auch bei der Volkspartei gebe es kulturelle Differenzen, aber es bestehe der einheitliche Wunsch, daß unsere Kinder eine ganz bestimmte Einstellung zum Judentum erhalten. Wenn die Liberalen sich gegen den Ausschuß wenden, dann verstoßen sie gegen den Grundsatz der Gedankenfreiheit. Dr. Horovitz, Frankfurt a. M. (konservativ), bekannte sich zur jüdischen Schule, glaubte aber, daß der Wunsch der Volkspartei nach einem eigenen Unterrichtsausschuß sachlich unberechtigt sei, da das religiöse Fundament in Weltanschauungsfragen entscheiden müsse. Trotzdem sei der Wunsch einer bedeutenden Gruppe nicht zu übergehen. In der sogleich anschließenden zweiten Lesung äußerte sich Dr. Breslauer (liberal) zu einigen Einzelfragen. Arnold Wiener, Beuthen (Volkspartei), wünschte die Schaffung eines provisorischen Wahlprüfungsgerichtes, das schon bei den kommenden Wahlen in Funktion treten könne. R.-A. Wiener, Berlin (konservativ) kündigte Stimmenthaltung in der Frage des Unterrichtsausschusses an. Justizrat Kaliscn, Breslau (liberal), bekämpfte die Herabsetzung des Wahlalters auf 20 Jahre, das auch im Reich unzweckmäßig sei. Dr. Ismar Freund sagte, daß der Rat das Einkammersystem abgelehnt habe, weil der Verband ein Zusammenschluß von Gemeinden sei, die daher in ihm vertreten sein müßten. Dir. Kareski wandte sich gegen einen Antrag der Liberalen auf Herabsetzung der Berliner Verbandsraandate von 67 auf 58 und kündigte an, daß sich die Berliner Gemeinde mit aller Kraft gegen derartige Ausnahmegesetze wehren werde. Hierauf wurde in die Spezialdebatte zum Etat eingetreten und der Etat mit geringen Abänderungen auf Grund der Vorschläge des Haushaltsausschusses in erster Lesung äugen omtnen. י ׳ ׳! Nach einer kurzen Mittagspause wurde zunächst der volksparteiliche Antrag auf Schaffung eines Wahlprüfungsgerichtes angenommen. Ferner wurden die Anträge des Rates zur Verfassungsänderung im wesentlichen akzeptiert. Auch die Herabsetzung des Wahfalters auf 20 Jahre wurde mit Einräumung von Uebergangsbestimmungen für die kommenden Wahlen angenommen. Der Antrag der Volkspartei auf Schaffung des Einkammersystems wurde gegen die Stimmen der Antragsteller und einiger Liberaler a bfeiehnt Der Rat wird künftig aus 21 Mitglieern bestehen; 7 davon bilden den engeren Rat. Die Zahl der Verbandstagsmitglieder wird nicht Herabgesetzt. Der Antrag der Volkspartei auf Schaffung eines dritten Unterrichtsausschusses wurde gleichfalls durch die liberale Mehrheit nieder ge stimmt. Inder Frage der Herabsetzung der Berliner und Frankfurter Verbandstagsmandate kam schließlich eine Einigung dahin zustande, daß Frankfurt seine 10 Mandate behält und Berlin, auf 63 Mandate herabgesetzt wird. Ein Antrag der Volkspartei auf Schaffung eines einheitlichen Wahlkreises für ganz Preußen wurde abgelehnt, ebenso ein Antrag auf Schaf- TUtig eines derartigen Wahlkreises für die kleineren und mittleren Gemeinden. Die Wahlordnung zum Rat und Verbandstag wie auch die Verfassungsänderungen wurden hierauf angenommen. . Nachdem Dr. Ludwig T i e t z über das Ergebnis der inzwischen vorgenommenen Arbeiten des ’Haushaltsausschusses berichtet hatte, trat man in die zweite Lesung des Etats und in die Spezialdebatte ein. Zu längeren Erörterungen gab die Frage der Subventionierung des Berliner Rabbiner- Seminars Anlaß. Rabb. Dr. Rosenthal, Köln (konservativ), verlangte die Wahrung der Parität und daher Einstellung von 40000 M. auch für dieses Seminar. Dr. Seiigsohn (liberal) beantragte 30000 M., der Rat solle jedoch mit dem Halberstädter Verband darüber verhandeln, daß dieser einen Beitrag von 10000 M. leiste; bei Scheitern der Verhandlungen sollten die fehlenden 10000 M. nachgezahlt werden. Dr. Köllens eher (Volkspartei) trat für sofortige Bewilligung von 30000 M. ein. Erfülle der Halberstädter Verband nicht in angemessener Weise seine Pflichten, dann könnten wir die restlichen 10000 M. nachbewilligen. In diesem Sinne wurde vom Verbandstag beschlossen. Beim Wohlfahrtsetat ergriff für die Volkspartei Alfred Berger, Berlin, das Wort. Er kritisierte die Tatsache, daß das System der Notabeinwirtschaft, die keiner Körperschaft verantwortlich seien, bei uns noch nicht völlig überwunden wäre. Der Jüdische Frauenbund werde vom Landesverband subventioniert. Seine Stellung sei aber eine zweifelhafte geworden, da er sich von einer Parteihaltung nicht freigehalten habe. Bei der letzten Hauptversammlung des Frauenbundes in Berlin habe man den zionistischen Vorsitzenden der Berliner Gemeinde nicht eingeladen! Wir müssen verlangen, daß wir uns über den Geist der vom Frauenbund geführten Anstalten orientieren können. Die Propaganda von Berta Pappenheim in der Frage des Mädchenhandels sei schädlich. Ausgerechnet von jüdischer Seite werde behauptet, daß Juden als Mädchenhändler tätig sind, obwohl diese Behauptung erwiesenermaßen unwahr ist. Frau Schönewald, Bochum (liberal) verteidigte den Frauenbund. Dr. Oscar Cohn, Berlin (Poale Zion), schloß sich den Ausführangen Bergers an. Dir. Kareski unterstützte Bergers Ausführangen im Hinblick auf die Tätigkeit Berta Pappenheims. —- Nacndem in der Frage des Reichsverbandes beschlossen war, eine gemischte Kommission von vier Rats- und elf Verbandstagsmitgliedern zur Führung von weiteren Verhandlungen einzusetzen, wurde der Gesamtetat in Höhe von über 1 200 000 M. angenommen (davon 140 000 M. für Wohlfahrtspflege). Auch die .Erhebung einer Umlage von 8—10 % des Reichseinkommensteuersolls bei den Gemeinden wurde vom Verbandstag akzeptiert. Der Verbandstag wandte sich nunmehr der Frage des ludengesetzes zu. Kammergerichtsrat Wolff referierte über den Stand der Verhandlungen mit den Staatsbehörden. Er sprach die Hoffnung aus, daß die Regierung in den strittigen Punkten zu weiteren Verhandlungen bereit sei. Der Vorsitzende, R.-A. Heinrich Stern, protestierte im Namen der Versammlung gegen die Benachteiligung der jüdischen Gemeinschaft gegenüber anderen Religionsgemeinschaften auch auf diesem Gebiete. Dr. Aron Sandler, Berlin (Volkspartei), wünschte weitere Verhandlungen auf Grund des Verbanasentwurfes. Die Behörden werden einsehen, daß wir ein Recht dazu haben, über das Judengesetz entscheidend mitzureden. Hinter dem Erlaß des Kultusministers vom Jahre 1929 in der Frage des A u s 1 ä n d e r- Wahlrechtes stehen gewisse jüdische Kreise, die das Ausländerwahlrecht bekämpfen, ln der Austrittsfrage haben wir die Personalgemeinde grundsätzlich zu gelassen, wenn auch mit gewissen Einschränkungen. Die Liberalen bezeigen ja heute ein besonders starkes Interesse für den Austritt. Wir brauchen Mittel gegen die Steuerflucht; wenn die Regierung die Steuer- /ahlung an den Landesverband abgelehnt hat, so muß sie andere Mittel dafür angeben. Der Gesetzentwurf des Halberstädter Verbandes erleichtert den Austritt in jeder Weise. Wir brauchen die Zwangszugehörigkeit der Gemeinden zum Landesverband, da der Verband sonst keine Aktionsfähigkeit besitzt. In der Frage des Ausländerwahlrechts werden wir vor der Regierang und auch vor den Wühlereien von jüdischer Seite nicht zurückweichen. Leider sind unsere Hoffnungen aut Einführung des Verbandswahlrechtes durch alle Gemeinden bisher nicht verwirklicht worden. Gestern haben die Herren Peise r und B r o d n i t z gegen das gleiche Wahlrecht gesprochen und damit ihre Inkonsequenz offen bekannt. Wo sind die Proteste der Liberalen gegen die Entrechtung der Ostjuden in Sachsen, Hannover und Westfalen geblieben? In christlichen Gemeinden gibt es diese Unterschiede von In- und Ausländern nicht. Während die Ausländer bisher durch das alte Judengesetz einigermaßen geschützt wurden, hat ein republikanischer Minister jetzt die Möglichkeit ihrer Entrechtung gegeben. Wir müssen gegen diesen Akt der Mißachtung protestieren. Angenommen wurde ein Antrag der Liberalen, wonach der Rat auf Vorlegung eines Ministeriumsentwurf e s in Sachen des Judengesetzes hinwirken soll. Die von der Volkspartei beantragte Aussprache über die Frage der wirtschaftlichen Notderdeutschen Juden konnte wegen der vorgerückten Zeit nicht mehr stattfinden. Für die Volkspartei sprach Alfred Berger sein Bedauern hierüber aus und betonte, daß der Verbandstag nicht pflichtgemäß gehandelt habe, wenn er zu dieser Frage heute nicht Stellung genommen habe. Schon vor einem Jahre sei ein Dringüchkeitsantrag der Volkspartei nicht angenommen worden. Er wünschte einen Ausschuß zur Beratung dieser Fragen, Sammfung von Material durch den Rat und schleunige Einberufung einer Wirtschaftskonferenz. Für die Liberalen schloß sich Frau Paula Ollendorf diesen Ausführungen an. Der Antrag der Volkspartei wurde angenommen und der ständige Ausschuß mit den Vorbereitungen beauftragt. Der Vorsitzende, R.-A. Heinrich Stern, schloß hierauf die Tagung mit dem Wunsche, daß auch der kommende Wahlkampf in brüderlichem Geiste geführt werde. Arnold Wiener, Beuthen, dankte dem Präsidenten für seine Geschäftsführung. Um 9 Uhr abends schloß die Tagung. Jüdische Volkspartei und Ostjuden Von L. Gold, Beuthen O/S. Auf dem jüngst stattgefundenen Gruppenverbandstag der oberschlesischen Zionisten, bedauerte es Herr Arnold Wiener Beuthen, daß eine ostjüdische Wahlliste in einer westdeutschen Stadt die zionistische Einheitsfront bei der Gemeindewahl durchbrach. Es erübrigt sich wohl, zu betonen, daß jeder aus dem Osten hergewanderte Nationaljude dieses Verhalten jener ostjüdischen Gruppen auf das schärfste mißbilligt und alles daransetzen möchte, um solche Wiederholungen in Zukunft zu vermeiden. Wir stehen gerade vor Wahlen zur Gemeinderepräsentanz in einer Reihe deutscher Städte. Dieser akute Anlaß macht es mir zur persönlichen Pflicht, das Verhältnis zwischen Ostjuden einerseits und zionistischen Gemeindepolitikern andererseits, wie es sich in der deutschen Provinz (hauptsächlieh in Oberschlesien), offenbart, einer Untersuchung zu unterziehen. Allgemein werden die nach Deutschland aus dem Osten hergewanderten Juden sowohl von deutsch-zionistischer, als auch deutsch-assimilatorischer Seite als eine einheitliche Gruppe aufgefaßt und demzufolge läßt man dieser Gruppe eine kollektive Beurteilung und Behandlung zuteil werden. Ich unterlasse es, auf den sozialen und psychologischen Entwicklungsgang der Ostjuden seit ihrer Haupteinwanderung in den Jahren 1918—1920 an dieser Stelle einzugehen. Jedenfalls glaube ich, auf Grund langer Erfahrung feststellen zu können, daß eine einheitliche ostjüdische Gruppierung in mittleren und größeren deutschen Provinzstädten nicht vorhanden ist. In Berlin und anderen wenigen Großstädten mag es vielleicht umgekehrt der Fall sein. Hier gibt es beispielsweise Zusammenschlüsse, wie den Verein der ״Przemysler“, ״Lemberger“ usw. Wohlfahrts- und Bethausvereine für ganz bestimmte ostjüdische Kreise usw. Hier bietet sich eher eine Gelegenheit all diese Vereine in einem ostjüdischen Dachverband zu organisieren, welcher rechtliche Interessen der Ostjuden gegenüber Behörden usw. wahrzunehmen hat. Gelegentlich, bei gegebenem Anlaß, kann sich auch dieser Dachverband mit jüdisch-politischen, wie auch kulturellen Fragen befassen, und zu ihnen Stellung nehmen. In der Provinz liegen die Verhältnisse jedoch ganz anders. Hier gibt es keine Möglichkeit Ostjuden vereinsmäßig zu organisieren. Die kleine Zanl der in der Provinzstadt vorhandenen Ostjuden begünstigt in hohem Maße die vorhandene persönliche, politische und ideologische Differenzierung der Einzelnen una begünstigt ein rascheres Aufgehen in der westliehen Umgebung. Auf Grund dieser Feststellung kann ich den lokalen, zlonistischen Provinz-Instanzen den Vorwurf nicht ersparen, daß sie der oben geschilderten Tatsache zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Auch vor der jetzigen Gemeindewahl spricht man von Ostjuden und verlangt von ihnen einheitliches Eintreten für die zionistische Kandidatenliste,' beziehungsweise — wo es eine Volkspartei gibt — für die jüdische Volkspartei, welche in der Provinz mit der lokalen zionistischen Ortsgruppe fast identisch ist. Als Gegenleistung bietet man eine entsprechende Anzahl ostjüdischer Namen aut der zionistischen Kandidatenliste. Der Fehler, der damit begangen wird, ist offensichtlich und vielfach: 1. Durch das Fehlen einer organisierten Ostjudengruppe, spielen sich Persönlichkeiten als Ostiuden-Vertreter auf, deren Legitimität keineswegs erwiesen und auch gar nicht feststellbar ist. 2. Die in der zionistischen Ortsgruppe voll aufgegangenen Ostjuden werden gezwungen auch als solche gegenüber der zionistischen Wahlpartei ihre Rechte zu wahren, beziehungsweise für dieselben zu verhandeln. 3. Den Ostjuden wird damit die Möglichkeit genommen, auf die Geschehnisse innerhalb der gesamten Wahlpartei maßgebend Einfluß zu erlangen. Die Sache spielt sieh hierbei (z. B. in Beuthen) folgendermaßen ab. Man billigt den Ostju ’ -n eine Anzahl sicherer Mandate zu und verlangt von ihnen die Nominierung der betreffenden Kandidaten. Alles andere, Wahlkampf, Verbandlangen usw. wird von deutsch-zionistischer Seite besorgt. Ein solches Vorgehen muß zu einer Absplitterung vieler Ostjuden fuhren. Soll dies vermieden werden, müssen in Städten mit nennenswerter ostjüdischer Bevölkerung unabhängige ״jüdische Volksparteien" gegründet werden, die alle nationaljüdisch (aber nicht unbedingt palästinozentrisch) eingcstellten Juden, umfassen. Eine solche jüdische Volkspartei" darf in ihrem inneren Verkehr den Ausdruck ״Ostjuden" nicht kennen. Sie kennt nur Mitglieder, Sympathiker und Gegner. Aus dem Osten hergewanderte Juden haben ebenso, wie jeder deutsche Jude, theoretisch das Recht, Gegner der Volkspartei zu sein. Unser Kampf wird gegenüber erstcren, wie gegen- Über letzteren, schärfstens geführt. Nur muß die Jüdische Volkspartei ln der Provinz einen streng demokratischen Unterbau haben. Der Wähler der ״Jüdischen Volkspartei“ muß die Gewißheit haben, daß seine Partei seinen Willen repräsc.1tiert, daß ihm ein Bestimmungsrecht über Auswahl sämtlicher Kandidaten der Wahlliste zusteht und daß sein Einfluß und seine Tätigkeit sich innerhalb der gesamten Partei und auf alle Gebiete der jüdischen Gemeindepolitik erstrecken kann. Nur mit solchen Maßnahmen kann ein gemeinsames Vorgehen aller nationaljüdisch empfindenden Mensch :1, ohne Rücksicht auf ihre geographische Herkunft, erzielt und gewährleistet werden. Zykmniit Menkes (Zu der Ausstellung seiner Bilder bei Victor Hartburg Kunsthandlung, Schöneberger Ufer 41.) Aus dem Katalog, der mit einem sehr warmen Geleitwort des Schriftstellers Albert Dreyfus-Paris versehen ist, erfährt man, daß der 34 Jahre alte, in Lemberg geborene und in Paris lebende Maler Zygmunt Menkes schon eine beträchtliche Zahl Anerkenner und Freunde seiner Kunst aufweisen kann. Privatsammier aus vielen Ländern besitzen bereits seine Bilder, er ist also keineswegs ein Neuling in der Kunst, wenn auch noch nicht sehr bekannt. Die 26 Arbeiten, die jetzt in Berlin ausgestellt sind (Stilleben, Landschaften, Köpfe) sind zwar genügende Zeugen einer starken künstlerischen Kraft, das große Gemälde ״Die Thora“ aber ist es, das diese Ausstellung besonders interessant und wertvoll macht. Der Maler, der derartiges schaffen kann, verdient hohe Beachtung. Das Gemälde ״Die Thora“ stellt jenen feierlichen und etwas schwermütigen Moment der Hagba-Glilo dar, also nicht ״den Vorgang des Aushebens der Gesetzesrolle aus der heiligen Lade“, wie aer Kunstkritiker des ״Berliner Tageblattes“ irrtümlich annimmt, sondern das Finale, den Moment, wenn man die Thora wieder rasammenrollt, um sie nicht aus, sondern zurück i n die heilige Lade zu tragen. Es ist ein Abschiedsmoment. Die verzückten jüdischen Gestalten, die die Thora mit ihren Fingern betasten, mit ihren Wangen streicheln, machen den Eindruck von Menschen, denen es besonders schwer fällt, von etwas unendlieh Kostbarem, Trostbringendem, Hohem Abschied zu nehmen. Während der riesenstark scheinende Jude die Thora hochhebt und ein anderer sie von oben zusammenrollt, sind die Umringenden von einem einzigen Gefühl beherrscht, nämlich: diesen Prozeß zu verlangsamen, um des Glückes nicht verlustig zu werdem Wenn die Thora wieder im heiligen Schrein ruhen wird, ist es aus mit der Riesenstärke des Juden, der sich, solange sie über seinem Kopf schwebt, so unbesiegbar verkommt, als wäre er bereit, gegen eine ganze Welt zu kämpfen. Diesen Abschiedsmoment wollte der Künstler festhalten, und es gelang ihm so sehr, daß der Eindruck, den man von diesem Gemälde wegtrlgt, auf lange haften bleibt. Ein national fühlender Jude, der außer dem künstlerischen Können, auch den Inhalt, das Motiv des Bildes bewundert, wird sicherlich wünschen, daß der zukünftigen Kunstgalerie in Jerusalem dieses Thorabild von irgendeinem Mäzen als kostbare Schenkung einmal zugedacht werden wird. Q* Zionistische Frauenarbeit 1. Resolution des Aktions-Comitds vom 21. März 1930. Nach Kenntnisnahme des von der Women’s International Zionist Organisation eingereichten Memorandums anerkannt das Aktions-Comite die Bedeutungder speziellen Arbeitssphäre der Frau und empfiehlt die Vertretung von Frauen in denjenigen Körperschaften, welche sich mit dieser speziellen Arbeitsspnäre befassen. Das Aktions- Comitö fordert die Exekutive zur Prüfung der im Memorandum der Wizo niedergelegten Vorschläge sowie zu beschleunigter Beschlußfassung nach Beratung mit den in Betracht kommenden Frauenorganisationen auf. 2. Resolution des Administrative Committee der Jewish Agency. In Anerkennung der Bedeutung der jüdischen Frauen für das Aufbauwerk in Palästina und der Notwendigkeit, daß die jüdischen Frauen innerhalb der ihrer Eigenart entsprechenden besonderen Arbeitssphäre an dem Aufbauwerk Palästinas in immer stärkerem Maße teilnehmen, fordert das Administrative Committee die zwei zionistischen Frauen-Organisationen Wizo und Hadassah auf, unter sich zu einer Verständigung über ihre resp. Arbeitssphären zu kommen und der Exekutive de? Jewish Agency ein gemeinsames Memorandum für die nächste Sitzung des Administrative Committee vorzulegen. Iflcheraktion Htr die Histadrath Wir erhalten folgende Zuschrift: Von der Zentralen Arbeiterbibüothek der ״Histadrath“ geht an uns der Ruf, für sie eipe Büchersammlung durchzuführen. Was für die palästinensische jüdische Arbeiterschaft das Buch bedeutet, welche große Funktion Wissen, Schulung und geistige Fortbildung Im jüdisehen Aufbauwerk ausübt, ist jedem Zionisten bekannt. Die Zentrale Arbeiterbibliothek unterhält ln allen landwirtschaftlichen Siedlungen und in Städten Leihbibliotheken und Lesehallen. Sie kann ihr großes kulturelles Werk nur aufrecliterhalten und ausbauen, wenn sie in der Bücherbeschaffung unterstützt wird. Wir richten daher an alle Freunde des arbeitenden Palästina die Bitte, die von uns für die Zentrale Arbeiierbibliothek eingeleitete Büchera ktion zu unterstützen. Wir müssen ln erster Linie Bücher nationalökonomischen, soziologischen, IandWirtschaftliehen und technologischen Inhalts sowie moderne literarische Werke beschaffen. Hierzu bitten wir jeden Zionisten beizutragen. Liga für das arbeitende Palästina: Fritz Naphtali, Dr. Saul Kaleko, (Unsere Buchersammelstelie befindet sich im Sekretariat der Liga, Berlin N 24, Auguststr. 17. Auf Benachrichtigung (Weiaendamm 3985) werden die Bücher von uns abgeholt