Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 27 (4.4.1930)
- Date
- 1930-04-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27, 4. IV. 1M0 )UEDISCHE RUNDSCHAU Seite 187 solche MajoritätnichtohneeineVerdrängung ihres eigenen Volkes möglich ist. Wir halten es nicht für klug, wenn die Zionisten ihre Politik auf die britischen Bajonette stützen. Dies ist kein guter Präzedenzfall für ein Volk, das in ihrer Lage ist, in Palästina oder anderwärts. Wenn sie sich in dem Lande festsetzen wollen, so muß dies mit dem guten Willen der Bevölkerung geschehen. Der einzige Weg zum Erfolg ist, ihre Ideen auf ein Ausmaß einzuschränken, das vernünftig und möglich ist.“ ln der ״Times“ vom 2. April veröffentlicht Lord Ce eil und drei konservative Parlamentsmitglieder (John Huchin, Malcolm MacDonald, Archibald Sinclair) eine Zuschrift, in welcher sie auf die große, alle Parteidiftereiizen übersteigende Bedeutung der Palastina-Sachc hinwclsen und es für die Pflicht der Regierung erklären, an dem Wortlaut und Geiste des Mandates festzuhalten und die Methoden ihrer strikten Durchführung zu prüfen. Allgemein müsse zugegeben werden, daß Großbritannien aut Grund feierlicher Verpflichtungen die befriedigende Erfüllung des Mandates übernommen hat. — Ein anderes konservatives Parlamentsmitglied, Robert Boothby, schreibt an die ״Times“, man dürfe nicht den ungeheuren Fortschritt außer acht lassen, den Palästina durch die jüdische Arbeit genommen hat. Man dürfe nicht zulassen, daß irgendwelche politischen Erwägungen dieses Werk des Fortschritts stören oder aufhalten. Der Widerhall in Palästina lieber die Aufnahme des Berichtes in Palästina berichtet die ״Time s“ vom 2. April: Die Palästinaregierung hat bisher nur eine Zusammenfassung des Kommissionsberichtes veröffentlicht Die Veröffentlichung wurde mit einer gewissen Gfeichgüftigkeit erwartet, weil sowohl Araber und auch Juden die Voraussagen verschiedener englischer Zeitungen ernst genommenn haben, durch welche der im Lande bereits nach den letzten Sitzungen der Kommission entstandene Eindruck, daß ihre Ergebnisse wahrscheinlich antizionistisch und von starken pro-arabischen Sympathien erfüllt sein werden, bestätigt wurde. Die Juden waren daher auf das Schlimmste gefaßt und die Araber erwarteten die Einführung eines neuen Regimes. Die arabische Delegation beabsichtigte in London so einzutreffen, daß sie die Auswirkung der durch den Bericht entstandenen Gefühle der Öffentlichkeit ausnützen könnte. Daher ist die erste Reaktion auf den nun bekannt gewordenen Bericht Ueberraschung über seine Milde, Ausgeglichcn heit und Vorsicht. Dies gibt den Juden eine gewisse Erleichterung und bringt den Arabern eine leichte Enttäuschung. Die Ansichten der außerhalb der Parteilager Stehenden ist die, daß im großen ganzen der Bericht klar zutage liegende Tatsachen betont, daß die vorgeschlagene drastische Bodengesetzgebungundurchführbar ist und daß die angeregte klarere Definition der verschiedenen Bestimmungen des Mandates nützlich sein und die Hände der Palästinaregierung stärken wird, deren Politik bisher mehr negativ als neutral war. Natürlich wird den Vorbehalten von Mr. Sneli besonderes Interesse zu ge wandt, da die Araber fürchten, dies könnte die Sympathien der Labour-Regierung, die für die Neu- Orientierung der Politik verantwortlich sein wird, ablenken, während die Juden sagen, daß Snells Ansichten eine klarere Erkenntnis der Tatsachen bezeugen und darauf zurückzuführen sind, daß er im Gegensatz zu den anderen Kommissionsmitgliedern frei ist von der Klassensolidarität mit der offiziellen regierenden Schicht. Am 2. April bringen die jüdisch« Zeitung« Palästinas durchwegs scharf kritische Artikel, worin der Bericht als antizionistisches Dokument abgelehnt wird. Die jüdische Presse fordert die Einsetzung einer neu« ״Royal Commission", die die Grundfragen der Palästinapolitik prüf« soll. Die arabische Delegation ist zufrieden Die arabische Delegation In London hat durch Reuter eine Erklärung verbreitet, worin im großen ganzen die Befriedigung über den Inhalt des Berichtes ausgesprochen wird. Memorandum der Poale Zion an die Labour-Party ־ Die sozialistische Arbeiterpartei PoaleZion hat an die britische Arbeiterpartei ein vom 1. April datiertes and von Kaplansky unterzeichnetcs Memorandum gerichtet, das eine Stellungnahme zam Bericht der Komm i s 8 i o n enthält. Das Memorandum erklärt, daß zwar die Kommission einstimmig die Meinung ausgedrückt habe, es handle sich um einen Angriff der Araber gegen die Juden, daß aber die Mehrheit der Kommission seltsamerweise nur einen Schuldigen sehe, nämlich die Jaden selbst. Die Regierung wird von jedem Vorwurf freigesproclien. Obwohl die Kommission zugibt, daß der Nachrichtendienst der Regierung versagt hat, akzeptiert sie doch die Anschauung der Regierung, daß keine Verschwärung und keine vorbereitete Aktion vorliege. Nach Meinung der Kommission liegt die Hauptursache der Unruhen in der arabischen Feind- Seligkeit gegenüber den Juden, die ihrerseits za erklären sei durch die jüdische Einwanderung und Kolonisation. Die Mehrheit der Kommission zieht die durch das Mandat der Regierung gegenüber dem jüdischen Volke auferlegten Verpflichtungen überhaupt nicht in Betracht, sondern ihre einzige Sorge ist die Beseitigung arabischer Befürchtungen. Daher verfällt sie auf den eiafachen Ausweg, Einschränkungen der jüdischen Immigration und Kolonisation vorzuschlagen, wodurch der Hauptbestandteil des Mandates ein toter Buchstabe würde. Die Untersuchung der Probleme der Einwanderung und Ansiedlung lag gar nicht im Aufgabenkreis der Kommission; es handelt sich hier um einen Versuch der Arabischen Exekutive, die Kommission von ihrer Aufgabe abzulenken. Die Kommission hat über diese Fragen nur die einsc itige Darstellung der arabischen Zeugen gehört. Trotzdem hält sie sich für befugt, über so schwierige und zum Teil technisch-landwirtschaftliche Fragen ein Urteil abzugeben. Wenn die Krise von 1926/27 als eine der Ursachen der Unzufriedenheit bezeichnet wird, so sei darauf hinzuweisen, daß der einzige Beitrag der Regierung zur Eäsung der Arbeite-!osigkeit in einer Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei äffentliehen Arbeiten bestand, die weit unter dem Maße dessen lag, was die Juden kraft ihrer Zahl zu beanspruchen berechtigt gewesen wären. Die Juden sind 20 0/0 der Bevölkerung, sie zahlen 40 0/0 aller Steuern und bilden 50 °/0 der Arbeiterschaft- Der Ausschluß jüdischer Arbeiter von Regierungsarbeiten bis zum Jahre 1927 war daher eine schwere Ungerechtigkeit gegen die Juden, die durch die späteren Maßnahmen nur teilweise gutgemacht wurde. Das Memorandum wendet sich sodann unter Hinweis auf die Vorbehalte von Mr. Sneli, mit aller Schärfe gegen die von der Mehrheit der Kommission aufgestellte Behaaptung, die Auswahl der Arbeitereinwanderer geschehe nach politischen Gesichtspunkten. Der Vorwurf der Kommission, daß die Juden ein landloses Proletariat schaffen, sei unbegründet, denn von 700 entsetzten Pächtern sind 90 bis 85 י>/<׳ in den benachbarten Dörfern wieder als Bauern nbsorbiert worden. Von den 11 Millionen Dunam bebaubaren Bodens in Westpalästina wird nur die Hälfte dauernd von Fellachen bearbeitet, während 5 Millionen Dunam brach Hegen oder überhaupt unkultiviert sind. 1 Million Dunam ist in jüdischem Eigentum. Der Ucbcrgangvoudcr primitiven Arbeltsmethode des arabischen Bauern zu mo• der ne n landwirtschaftlichen Methoden wird elnedichtercundwoblhabendereBevälkerung möglich machen. In der Küstenebene von 31/2 MilUoncn Dunam, von denen 21/.׳ Millionen bewässerbar sind, und die eine der besten Fruchtböden in der Welt darstellt, leben jetzt 20 000 arabische Familien von unprofitablem Körnerbau. Nach sachverständiger Beurteilung ist in der Ebene Scharon Platz für mindestens 30000 neue Siedlerfamilien, wobei die gegenwärtigen Bewohner noch zu einem höheren Lebensstandard kommen. Aehnüch steht es im Jordantal und in Hule. Die Palästina- Regierung wird für viele Jahre hinaus die Umformung der landwirtschaftlichen Methoden, die viel Kapital erfordert, nicht durchführen können. Die jüdische Einwanderung und Kolonisation aber wird auch dem arabischen Landwirt die für die Modernisicrung der palästinensischen Landwirtschaft notwendigen Methoden und das erforderliche Kapital bringen. Das Memorandum spricht zum Schluß die Erwartung aus, daß die Labour- Regierung den Vorschlägen der Kommission auf Beschränkung der jüdischen Einwanderung und Kolonisation keine Folge geben wird und betont die Genugtuung darüber, daß gerade der Vertreter der Labour Party Air. Sneli sich so unzweideutig von der Stellung der Kommission distanziert hat. Eine Aeufjerung Weizmanns Dr. Weizmann hat folgende Zuschrift an die ״Times“ gerichtet, die in der Ausgabe vom 3. April veröffentlicht ist: Die nach Palästina zur Untersuchung der Ursachen der letzten Unruhen entsandte Kommission ist jetzt zurückgekehrt und hat Bericht erstattet. Die Zusammenfassung der Ergebnisse der Untersuchung beginnt mit dem Satz. ״Der Ausbruch der Unruhen in Jerusalem am 23. August war von Anfang an ein Angriff von Arabern auf Juden, für den keine Entschuldigung in etwa früher von Juden begangenen Mord« festgestellt wurde.“ Das ist was wir immer behauptet haben, und es Ist fetzt über jeden Zweifel festgestellt worden. Aber das ist niht die Frage, die mein Volk hauptsächlich interessiert. Ihre Forderung und ihre Frage besteht weiter. Es ist einfach die Frage: Wird die Politik des Jüdisch« Narionalheitns in Palästina, die Politik des Mandates, erneut bestätigt, ermutigt oder gehemmt werden? Der Primemihlster selbst hat gesagt, daß Fragen dieser Art der Verantwortung der Regierung unterliegen. Viele Tage von Darlegungen und Auseinandersetzung« liegen vor uns und es wird unsere Pflicht sein, ans mit vielen der Tat- Sachen, welche die Kommission za ihr« weitergehenden Schlußfolgerungen geführt haben, auseinanderzusetzen. Aber das erste Wort ist ein Wort der Politik, und dieses Wort liegt jetzt bei Engfand. Auf Englands Führer blicken die Juden der Welt, nicht bloß die Juden Palästinas. Sie blicken auf Großbritannien mit Unruhe, das ist wahr, aber mit einer bleibend« Hoffnung. Chaim Wefzmann, Präsident der Jewish Agency. Dr. Welzmann hat auch am 1. d. M. In London die Vertrefer der Presse empfangen und ihn« ausführliche fnformationen über die im Shaw-Bericht aufgeworfen« Frag« g£- geben. Ilm die Stellvertretung Nastiastiibis Resignation der jüdischen Stadträte Jerusalem, 39. März. (J.T.A.) Die jüdischen Mitglieder des Jerusalemer Stadtrates haben kornorafiv ihre Aemter Im Stadtrate niedergelegt als Protest dagegen, daß der Bürgermeister Ra “heb Bey Nashashibi vor seiner Abreise mit der arabischen Delegation nach London den christlichen zweiten Vizebürgermeister Jakub Faradschi mit seiner Vertretung im Bürgermeisteramt für die Zeit seiner Abwesenheit betraut und der Oberkommissar Sir John Chancellor diese Maßnahme bestätigt hat, obwohl der jüdische erste Vizebürdermelster Chaim Solomon als der an Rang und an Jahren ältere von Rechts we׳*en den Bürgermeister in seiner Abwesenheit härte vertreten müssen. Dazu kommt, daß Chaiin Solomon Repräsentant der weitaus zahlreichsten Gemeinschaft der Stadt Jerusalem ist. In der von den jüdischen Ratsherren veröffentlichten Erklärung heißt es a. a.: In den seit den Munizipalwahlen verflossenen drei Jahren waren wir bestrebt, die Stadtverwaltung zu verbessern und die gefährdeten jüdischen Interessen zu schützen. Unsere Bemühungen waren aber infolge der Politik der arabischen Mehrheit im Rate erfolglos. Die Regierung hat diese Haltung der arabischen Sfadtratsmehrheit begünstigt. Ein Akt einschneidender Ungerechtigkeit war der letzte Beschluß der Regierung, den jüdischen Vizebürgermelster, der der Vertreter der Bevölkerungsmehrheit von Jerasalem ist, nicht als stellvertretenden Bürgermeister zu bestäH• gen. Die Regierung ging sogar so weit, den von den Juden gemachten Kompromißvorschlag, daß beide Vizebür germeister paritätisch die Verwaltung der Munizipalität übernehmen sollen, zuriickzmveisen. Da wir nun die Hoffnung aufgeben müssen, die Lage bessern zu können, haben wir mit Zustimmung der Jü־,Ischen Gemeinde Jerusalern« beschlossen, unsere Aemter im Stadtrat niederzulegen. Der Distriktskommissar von Jerusalem hat d« jüdischen Mitgliedern des Jerusalemer Stadtrats schriftlich mitgeteilt, daß er ihre Rücktrittserklärung zur Kenntnis nimmt und ihnen für die der Stadt geleisteten Dienste dankt. Der Oberkommissar Sir John Chancellor hat den stellvertretenden Bürgermeister Jakub Farudsrhi aufgefordert, Mas־istratssitzungen wie gewöhnlich einzuberufen und zu leiten. Die hebräischen Zeifurgen billigen einmütig den Rücktritt der jüdischen Ratsherren. Zum Brief von Professor Einstein Der Brief von Prof. Einstein aa den Redakteur des ״Felestin“, in welchem der Vorschlag gemacht wird, zur Lösung des jüdisch-arabischen Problems eine Kommission aus je vier Vertretern beider Seiten zu ernennen, wird von der hebräisehen Presse eingehend kommentiert In einem Arükel von M. Beiiinson im ״Dawar“ vom 21. März wird bezweifelt, daß der Vorschlag irgend etwas zur Lösung des jüdiseh-arabi* sehen Problems in Palästina beitrag« könne. Das Problem liege viel schwieriger, als es der gutgemeinte, aber naive und an der Wirklichkeit vorbeigehende Vorschlag von Prof. Einstein glauben lasse. Man dürfe nicht vergessen, daß es sich in Palästina um tiefgehende Differenzen in den politisehen Forderungen beider Parteien handle und nicht um die Frage des guten Willens von beiden Seiten, den man durch einen engeren Kontakt von Juden und Arabern erreichen könne. Ein guter und ehrlicher WiUe könne nur unter einer Bedingung helfen: ebenso wie die Juden bei ihrer Tätigkeit niemals für die Araber schädliche Pläne verfolgt haben, so müßten sich die Araber jeder Störung der jüdischen Arbeit und jeder künstlichen Beschränkung dieser Arbeit enthalten. Wenn die Bedingung erfüllt werde, werde es möglich sein, die Mißverständnisse zu beseitigen. Der Artikel bestreitet im übrigen die Bereitschaft des arabischen Blattes, die jüdiseh-arabisehen Probleme im Sinne eines wirklichen, für beide Teilt• akzeptierbaren Friedens zu verhandeln. Da in dem Briefe Einsteins keinerlei Bedingungen, weder politische noch wirtschaftliche, für solche Verhandlungen gesetzt werden, sei das Eintreten des ״Felestin“ für dm Vorschlag ein billiger und risikoloser Versuch, durch eine zu nichts verpflichtende Geste den Eindruck zu erwecken, als ob auf seiten der Araber volle Bereitschaff für die Aufnahme von Friedensverhandlungen vorhand« sei. Auch der ״Haare z“ kommentiert in einem Leitartikel den Vorschlag von Prof. Einstein und hält ihn für wirklichkeitsfremd und undurchführbar. Mau dürfe, um die Frage zu lösen, die Differenzen zwischen den Juden und den Arabern nicht verwischen, sondern müsse ihre prinzipielle Klärung anstreben. Doch sei nicht cinzusehen, warum nicht inoffizielle und unverbindliehe Besprechungen von Vertretern beider Seiten über schvvebende Probleme stattfinden sollen. Die Vereinigung ״Britli Schalom“ in Palästina hat auf Einsteins Anregung mit nachstehender Resolution reagiert: ״Brith Schaiom begrüßt den Antrag Prof. Einsteins zur Ber ei fung des Friedens zwischen den beiden in Palästina wohnend« Völkern. Zwar entspricht der Antrag nicht in all« Einzelheiten der palästinensischen Wirklichkeit, aber die Art wie dieser Antrag von der (/)Öffentlichkeit aufgenommen wurde, zeigt, daß für einen auf Erfüllung der gerechten Forderungen beider Völker begründeten Frieden eine solide Basis vorhanden ist.!11 diesem Augenblick sind die Vertreter der beiden Völker in London versammelt, um mit der englischen Regierung über die Zukunft des Landes zu beraten. Wir hoffen, daß der Antrag Prof. Einsteins dazu beitragen wird, daß künftige u n - m i 11 eibar e V e r h an dl u n ge n den Frieden in Palästina bringen werden. Zugleich wendet sich der Brith Schalom an beide Völker mit der Aufforderung, alle notwendig« Maßnahm« zu ergreifen, um den Antrag Prof. Einsteins zu verwirklichen und durch unoffizielle Zusammenk ü n f t e autorisierter Persönlichkeit«, die offiziellen Vorhandlungen, die geführt werden werden, zu fördern.“ Die englische Ausgabe des ״Dawar“ erhebt schwere Angriffe gegen dm arabischen ״Fe fest in“, der zwar in seiner englischen, für Europäer bestimmten Ausgabe den Vorschlag Einsteins begrüßt, aber in der a r a bi sch * 11, an *arabische Leser sich wendend« Ausgabe diesen Appell zum Frieden und zur Cooperation gar nicht abgedruckt hat. Inzwischen ist am 27. März der Brief auch in der arabischen Ausgabe des ״Felestin“ erschienen. Schotzvorkehrungen in Palästina Jerusalem,31. März. (J.T.A.) Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Berichtes der Palästina-Untersuchungskommission und im Hinblick auf das herannahende Nebi Musa- Fest haben alle Bezirkskommissare in Palästina Kundgehungen anschlagen lassen, wonach die öffentliche Ver- Sammlungen verbietende Verordnung um einen Monat verlängert wird und die Polizei die Ermächtigung behält, Personen, die der Aufforderung zum Auseinandergehen nicht Folge leist«, zu verhaften. Personen, die in der Nahe der Musa-Prozession, ohne hierzu eine spezielle Erlaubnis zu haben, Schwerter, Messer, Stöcke oder andere Waffen tragen, sollen verhaftet und bestraft werden. Die Regierung hat die Abhaltung der musikalischen Z i k - har-Zeremonie, die von den Moslems seit einigen Monaten an den Freitag-Abenden in der Nähe der Klagemauer exekutiert wird, um den jüdischen Gottesdienst an der Klagemauer zu stören, verboten. Zum ersten Male seit einigen Monaten konnte sich der Gottesdienst der Juden an der Klagemauer am letzten Freitag-Abend ungestört voll iehen. Bisher vertrat die Regierung die Auffassung, daß sie keine Anordnun gen in Verbindung mit der Klagemauer treffen könne, bis nicht die Klagemauer-Kommission des Völkerbundes die Rechts- Verhältnisse geregelt hat. Der britische Kronrat bestätigt Todesurteile London, 31. März. (J.T.A.) Das juridische Komitee des britischen Kronrates (Privy Council) hat die von fünf Arabem aus Safed, die wegen Ermordung von Juden zurzeit der Augustunruhen vom Obersten palästinensischen Gericht zum Tode verurteilt worden waren, eingebrachtcn Apellationen zurückgewiesen und sonach die Todesstrafe endgültig bestätigt. Die Oberstaatsanwaltschaft war durch Kenelm Precdy vertreten, die Revisionsappelle vertraten die Anwälte Pritt, Horace Douglas und Abcaricus, das Richterkomitee des Krönrates setzte sich aus Lord Dunedin, Lord Thankertan und Lord MacMillan zusammen. Pritt führte aus, die Gerichte in Palästina hätten in einigen Fällen das ottomanische Strafgesetz, auf das sie sich stützen mußten, völlig ignoriert; in diesem Strafgesetz wird Mord definiert als eine mit Vorbedacht vorbereitete und mit Ueberlegung ausgeführte Tat. Personen, die ohne vorherige Ueberlegung töteten, werden nach, diesem Gesetz nur zu Gefängnisstrafen in verschiedener Höhe verurteilt. Die Mordfälle in Palästina aber waren das Ergebnis des religiösen Fanatismus. Aus den Urteilen des Obersten Gerichtshofes in Palästina im Dezember 1929 ist klar zu ersehen, daß die Richter hinsichtlich der Frage der vorherigen Ueberlegung nicht dem ottomanisenen Recht, sondern der, Prinzipien des englischen Rechtes folgten. Das Privy Council entschied, daß die Appellation nicht gegen das Urteil der Erstrichter, sondern gegen die Urteils- . gründe des Jerusalemer Berufungsgerichtes erhoben worden sind. Solchen Appellen könnte nicht stattgegeben werden, ohne die seit vielen Jahren geltenden Prinzipien bei Appellationen in Kriminalprozessen zu verletzen. I!1 Jerusalem besuchte Thomas Mann die Hebräische Universität und machte einen Ausflug nach Bethlehem und Hebron. Leider konnte er sein Programm nicht in der ursprünglieh beabsichtigten Weise durchführen, da er in Jerusalem erkrankte und im Hospital aufgenomm« werd« mußte.