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Jüdische Rundschau · 1930-04-04 · Heft 27 (4.4.1930) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 27 (4.4.1930)
Date
1930-04-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite ISO JUEDISCHE RÜNDSCHAO Nr. 27, 4. IV. 1930 Ich bin überzeugt, daß die Masse des arabischen. . Y 01 kc s von Palästina in keiner Weise mit den beklagen*-; werten 1 Ereignissen vom letzten August Identifiziert werden kann. Die gute Beziehung, die an manchen Orten zwischen den . Angehörigen beider Völker herrscht, wurde während der 011ruhen durch einige tapfere arabische Arbeiter sehr schlagend dargetan, di« mit ernstem Risiko für sich und ihre Familien ihre jüdischen Arbeitsgenossen in ihren Hausern solange beherbergten,' bis die Gefahr vorüber war, und sie dann, als Araber verkleidet, in Sicherheit m ihren Volksangehörigen zurückgeleiteten. Schließlich kann ich bezüglich der Verhetzungskampagne nicht mit den Konklusionen in dem Bericht übereinstimmen, die die moslemischen religiösen Behörden von jedem, auch dem leisesten Tadel im Zusammenhang mit den in der Nachharsdiaft der Klagemauer «!״geführten Neuerungen freispricht. Die aufmerksamen arabischen Nationalisten (unter die ich viele der moslemischen religiösen Führer zähle) waren schnell dabei, die durch die irrige Aktion der jüdischen Behörden, am Versöhnungstage im September 1928 einen Wandschirm auf *cm Pflaster vor der Klagemaucr aufzustellen, geschaffene < iejegenheit auszubeuten. Es ist. meine Ansicht, daß die vielen späteren Neuerungen, wie die Errichtung der Zawiah (religiöse Musik bei, der Mauer), das Aufrufen zum Ciebet durch den Muezzin und die Eröffnung des neuen Torweges an •der Klagemauer, weniger von den Bedürfnissen der moslemischen Religioii und die Eigentumsrechte, als von dem wohlüberlegten Wunsch, die religiösen Gefühle der jüdischen Bevölkerung zu vcrMzen und diese Bevölkerung zu provozieren, diktiert war. Obgleich ich mit den Konklusionen der ersten sechs Unterablcilyngen zu Kapitel V des Berichtes übereinstimme, akzeptiere ich nicht alle für diese Konklusionen angeführten Argumente; meine Prüfung der Beschlüsse und Tätigkeiten der Palästina-Regierung während der dem Ausbruch unmittelbar vorangehenden Periode und während des ersten Stadiums der Unruhen ist von der Erwägung ausgegangen, daß die der Regierung zur Verfügung stehenden miutirischen und Sidierheitskräfte unzulänglich waren. In dieser Tatsache finde ich die Rechtfertigung für viele Beschlüsse, die ich sonst nicht gebilligt haben könnte. Die allgemeine Frage, ob in einem lande mit nationaler Trennung ein Volk von der Regierung mit Waffen für eventuelle Benutzung gegen das andere Volk beliefert werden sollte, ist zugegebenermaßen eine schwierige, aber bei den in Palästina Im letzten August vorherrschenden Verhältnissen wäre es — sofern nicht di« Regierung glaubte, die jüdische Minderheit selbst schützen z» können —• tatsächlich nicht ״grundlegend falsch“ gewesen, ausgewählte Juden mit den Mitteln zur Verteidigung für sich mjd für ihre Mitmenschen auswrüsten. Jeh kann nicht die Palästina-Regierung von 1 der Schuld befreien, daß sie nicht in einem offiziellen { Caramunimic der Legende,, als ob die Juden Absichten auf die f moslemischen Heiligen Stätten hätten, entgegengetreten ist. 1 Die Tatsache, daß es einzelne Juden in Palästina und anderswo gibt, die die Jahrtausende alte Hoffnung hegen, daß, wenn der Messias kommt, der jüdische Tempel auf der alten Stätte errichtet werden wird, hätte die Regierung nicht davon abhalten dürfen, das durchzufflhren, was meiner Meinung nach ihre unzweideutige Pflicht war. Ich weiche von den Konklusionen ln dem Bericht bezuglieh der Nichtbehinderung der jüdischen Demonstration an der Klagcmauer am 15. August seitens der Regierung nicht ab. Ich habe jedoch das Gefühl, daß die Palästina-Regierung nie mit den Führen! der jüdischen Jugend hatte verhandeln sollen. Sie hätte von Anfang an in utimißverständlichen Ausdrücken die Bedingungen niederlegen sollen, «ste^denen-; es dep jüdischen-Jungen ׳Deuten■ gestattet׳ sein* würde, die Klagemauer an diese» Tage zu besuchen, und sie Hätte mit Festigkeit darhuj sollen, daß, wenn diese Bedingiingen nicht vorbehaltlos angenommen werden, die Regierung alle ihre Hilfsmittel benutzen würde, um die jüdischen jungen *׳-׳ Leute daran zu verhindern, die Klagemauer in coroore zu besuchen, und daß sie sofort jeden verhaften würde, der auch nur im mindesten von den vorgeschriebenen Bedingungen abweicht. Dies ist heute überall in der zivilisierten Welt üblich und ein Verfahren, das in den meisten Hauptstädten Europas geübt wird, hätte «ehr wohl bei 300 eigensinnigen jungen Leuten angewandt werden können. Ich stimme jedoch dem zu, daß, nachdem diese Demonstration stattgefunden hatte, die mosiemische Demonstration am folgenden Tage nicht leicht hätte verboten werden können. Es ist meine Ansicht, daß in dem Bericht in Angelegenheitert wie ״Jüdische Einwanderung“ und ״Boden- . Problem“ zuviel Bedeutung ,den erregten Protesten arabischer Führer auf der eineti Seite und den ungeduldigen Kritiken und Forderungen zionistischer Führer auf der anderen Seite beigemessen wird. In. Palästina notwendig ist weniger eine Aenderung der Politik in diesen Dingen als vielmehr eine j Geistesanoerung bei der arabischen Bevölj kerung, die zu dem Glauben ermutigt worden ist, daß sie v ein großes Unrecht erlitten hat und daß der eingewanderte I Jude eine dauernde Drohung für ihren Lebensunterhalt und ihre Zukunft bedeute. Ich bin überzeugt, daß diese Befürchtu!!gen übertrieben sind und daß man bei gründlieber Prüfung der Lage zu dein Ergebnis kommen wird, daß das arabische Volk aus dem jüdischen Unternehmen eher Gewinn als Verlust zieht, ich zweifle nicht daran, daß jüdische Tätigkeiten das Gedeihen Palästinas erhöhen, den Lebensstandard des arabischen Arbeiters gehoben und die Fundamente gelegt haben, auf denen der zukünftige Fortschritt der beiden Gemeinschaften und ihre Entwicklung zu einem Staat gegründet werden kann. Das Prinzip, daß die Einwanderungsrate die wirtschaftliche Kapazität Palästinas nicht überschreiten sollte, wird von allen verantwortlichen Juden akzeptiert. Sofern dieses Prinzip von der Palästina* Regierung sorgfältig und gründlich angewendet wird, können die Araber keinen berechtigten Einwand haben, gegen die Ein- Wanderung einer Bevölkerung nach Palästina, dessen Wirksamkeit zu der Entwicklung neuer Unternehmungen, der Verbesserung landwirtschaftlicher und industrieller Methoden führen können, was wiederum eine Erhöhung der Regierungseinkiinfte und die Hebung des Lebensstandards der Bevöikef rung im allgemeinen zur Folge hat. Ich kann nicht der Kritik zustimmen, die der Bericht an der bestehenden Methode der Auswahl von Immigranten übt. Irgendeine Form der Auswähl ist notwendig; die Regierung aber ist nicht in der Lage, selbst diese Aufgabe zu übernehmen. Die Verantworiung ruht deshalb auf der Zionistischen Exekutive. Ich akzeptiere die in dem Bericht zum Ausdruck gebrachte Ansicht, daß die vom Immigranten zu fordernden Qualifikationen Fähigkeit, Charakter und Eignung zum Arbeiter und Bürger sein sollten, Die politischen oder wlrtsehaftspoHtlschen Anrichten eines Kandidaten sollten bei seiner Auswshl als Immigrant keine Rolle spielen. Ich spreche die jüdischen Behörden von jeder Schuld in der Angelegenheit der Bodenerwerbung frei; verantwortliche jüdische Führer leugnen einmütig jede Absicht, die arabischen Pächter in jüdischem fnteresse zu benachteiligen. So sagte uns Dr. Ruppln, daß die Zionisten ״nicht wünschen, die Araber vom Boden zu vertreiben, und zwar nicht nur darum, weil unser Gewissen dagegen ist, 80ndern auch weil ein ungeheures Maß von Haß gegen uns entstehen würde, das es uns schwer machen wurde, mit den Arabern zusammen zu arbeiten“. Herr Jabotin&ky sagte; ״ ׳,Es gibt nicht einen Zionisten, der auch nur Im Traume daran denkt, die ländliche Bevölkerung aus Palästina zu vertreiben“. I Endlich möchte Ich aus einem der Kommission durch die allgemeine Föderation der Jüdischen Arbeiter unterbreiteten Memorandum den folgenden Abschnitt zitieren: ״Die jüdische Arbeiterbewegung erachtet das arabische Volk als ein integrales Element dieses Landes. Es wird nicht daran gedacht, daß diese Bevölkerung verdrängt werde oder daß jüdische Siedler sich auf deren Kosten etablieren. Dies würde nicht nur vom politischen und wirtschaftlichen Standpunkt unmöglich sein, sondern es würde auch der moralischen Auffassung, die der zionistischen Bewegung zugrundeliegt, zuwider laufen. Jüdische Einwanderer, die in dieses Land kotnmen, um von der Frucht ihrer eigenen Arbeit zu leben, betrachten die arabischen arbeitenden Menschen als ihre Mitbürger und Mitarbeiter, deren Bedürfnisse ihre Bedürfnisse sind und deren Zukunft ihre Zukunft Ist. Die Verwirklichung des Zionismus wird als die Schaffung einer neuen Oekonomie angesehen werden, nicht um die arabische Oekonomie zu er* setzen, sondern um sie zu ergänzen“. Ich glaube, daß diese Erklärungen von jeder jüdischen Organisaiion in Palästina und von der zionistischen Bewegung in der ganzen Welt gebilligt werden. Es kann deshalb angenommen werden, daß die Juden das Recht der Araber auf genügend Boden zu ihrem Lebensunterhalt anerkennen. Sie behaupten jedoch, daß dies nicht unvereinbar ist mit ihrer eigenen rorderung nach weiterem Boden zur Ansiedlung. Sie betonen, daß es im wesentlichen eine Frage der Produktivität ist, daß die jetzige Bevölkerung nicht der Grenze der Absorptionsfähigkeit des Landes nahekommt und daß die auf jetzigen Kultivierungsmethoden basierten Schätzungen in keiner Weise als endgültig angesehen werden können. Die jüdische Forderung beruht auf der Annahme, daß durch intensivere.Kultivierung und Kulturfihigtnachung von jetzt noch brach liegenden Oebieten genügend Boden für die Bedürfnisse beider Völker auf viele Jahre hinaus verfügbar gemacht werden kann. Es wird dringend gefordert, daß nach dieser Richtung hin jede Anstrengung gemacht werden solle. . Es ist meine wohlerwogene Ansicht, daß das Gedeihen Palästinas, wenigstens für die nächsten Jahre, von der erfolgreichen Entwicklung der Landwirtschaft und der Besserung der Landwirtschaftsmetnoden abhingt. Ich sehe keinen anderen Weg dies zu erreichen, alsdendurch jüdischesUnternehmertum. ich bin deshalb von der Notwendigkeit überzeugt, daß jüdischen Kolonisten ein fairer Anteil an allem verfügbaren Boden gegeben werden muß. Der Wunsch der arabischen Führer nach Selbstregle rung ist durchaus achtbar. Er bildet einen Faktor, der in Rechnung gezogen werden muß. Aber ich glaube nicht, daß die Nichterhaltung eines sie zufriedenstellenden Maßes von Selbstregierung in irgendeiner Weise zu den Ausbrüchen beitrag. Meiner Ansicht nach kann Fortschritt in Palästina — womit ich den gemeinschaftlichen Fortschritt der beiden Völker meine — nicht auf den Richtlinien politischer Konzession erwartet werden, sondern eher durch sozialen und wirtschaftlichen j Wiederaufbau und durch öffentliche Sicherheit. Fs ist wahrscheinlich, daß die Führer beider Völker darin versagten, die Umstände und die Notwendigkeit einer dauernden Anstrengung zur Erreichunggut erBeziehungen richtig zu würdigen. Die Juden besonders verwendeten ihre ganzen Energien darauf, eher den Körper der neuen Nation zu erbauen, als ihre Seele. Ihr Volk kam überdies aus vielen Lindem und ihre verschiedenen Erfahrungen und Vorurteile mußten zu einem gemeinsamen Aspekt geformt werden, Sie hatten eine geliebte und alte Sprache wieder zu beleben und •m TOuWssmeu-;. sie. hatten,;Öi« ,#azl#l«, jdfds^ljidtlicto.und administrativ(» Grundlagen zu einem großen Uttfernenmen zu legen. Unter diesen Umständen ist es meine Ansicht, daß, trotz mancher Mißerfolge, die Leistungen der Juden in Palästina ln dem letzten Jahrzehnt so bedeutungsvoll sind, wie nur irgendetwas, das in unserer Zeit sich ereignet hat. Deshalb glaube ich, daß trotz nationaler Differenzen und ungeachtet der tragischen Ereignisse vom letzten Jahre, sogar jetzt eine genügende Basis guten Willens auf beiden Seiten vorhanden ist, auf der beide Völker gemeinsam bauen können. Einige Kritik ist dem neuen jüdischen Immigranten gewidmet worden, indem man ihm den erschrockenen und bescheidenen Vorkriegs-'uden entgegengestellt hat. Aber durch eine solche Kritik geschieht den Immigranten Unrecht. Ihre Begeisterung wurde wohl als überlegte Provokation mißverstanden. Ich stimme dem zu, daß die Feindseligkeit der Araber gegen die Juden die fundamentale Ursache des Ausbruchs vom letzten August war, aber ich glaube, daß dieses Gefühl eher das Ergebnis eines Propaganda- und Aufhetzungsfeld־ z u g c s, als die Folge wirtschaftlicher Faktoren war. Ich stimme völlig überein, daß die Regierung Sr. Majestät erwägen sollte, ob es erwünscht sei, mit geringstmöglicher Verzögerung ein klareeStatementderPolitik herauszugeben, die sie in Palästina zu verfolgen beabsichtigt, und daß sie es Idar machen solle, daß es ihre Absicht ist, dieser Politik mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln volle Wirkung z u v e r I e i h e 11. Ich erlaube mir vorzuschlagen, daß das Statement besonderen Nachdruck auf die InternationaleVerantwortung der Regierung Sr. Majestät für die Erfüllung der Verpflichtungen legt, die sie in dem Mandat für Palästina übernommen hat. Ueberdies ist es meiner Meinung nach von der größten Bedeutung, daß die Absichten der Regierung Sr. Malestät, wenn über diese beschlossen worden ist, jedem erwachsenen Bürger Palästinas zur Kenntnis gebracht werden sollten, vielleicht durch die Verteilung von Flugblättern in jedem Dorf und durch Anschläge in hebräischer und arabischer Sprache, die die wesentlichen Punkte des Politik-Statements enthalten. Zweifellos sind die Beziehungen gespannte, aber Palästina ist ein Land, wo die politische Atmosphäre sich s c h n e 11 ä n d e rt! Und wenn die Lage mit Sorgfalt behandelt wird, könnte die Zusammenarbeit der beiden Völker in dem Aufbau einer gedeihlichen palästinensischen Nation gesichert *werden. Die größte Gefahr ist augenblicklich die, daß die arabische Erbitterung zu einer dauernden werden könnte. Die Führer der jüdischen I öffentlichen Meinung sollen deshalb jede Anstrengung machen, 11m die Mißverständnisse auf der Seite der Araber zu beseitigen. Die wesentliche Notwendigkeit nach dieser Richtung ist, daß die Araber davon überzeugt werden, daß ihre Befürchtungen für die Zukunft ihres Volkes in Palistina sehr übertrieben sind, und daß keine Absicht weder auf der Seite der Juden noch auf der Seite der Regierung besteht, sie landlos zu machen oder ihre Interessen als Volk zu schädigen. Sie müssen die Versicherung erhalten, daß Ihre ״zivilen und religiösen Rechte“ nicht beeinträchtigt, sondern gleich denen jedes anderen Bevölkerungsteiles geschützt sein werden. Die juden andererseits haben ein Recht darauf, dessen gewiss zu sein, daß die Regierung ihre Verpflichtungen gemäßdemMandatmit voller Berücksichtigung des Wohles beider Völker durchzuführen entschlossen ist. Die Hauptprinzipien einer Beilegung des nationalen Zwistes sind die, daß die ganze Bevölkerung dazu gebracht wird, sich zu vergegenwärtigen, daß die Mandatarmacht vom Völkerbund mit feierlichen Verpflichtungen betraut worden Ist, die sie zu erfüllen entschlossen ist, und daß ein jüdisch-arabische« Staatsvolk eine Tatsache ist, mit der man sich abflnden muß. Als Entgelt für die Sicherheit an Leben und Eigentum« die der Staat übernimmt, muß jede« Volk dem anderen das Recht z׳. leben «!gestehen, muß jedes Volk die Religion und die sozia len Traditionen des anderen respektieren, und jedes für sich muß zu der Entwicklung eines felnationalen palästinensischen Staatsvolkes beitragen. Als ein erster Schritt zu nationaler Zusammenarbeit würde es sich empfehlen, daß einige wenige Männer beider Völker von unbezweifelbarem Charakter und Einfluß, zusammenkom' men, und die Möglichkeiten gemeinsamer Bemühung zu ge gemeinsamen Zielen erforschen. Eine solche Zusammenkunft Könnte den Weg zu einer größeren binationalen Konferenz mit repräsentativem Charakter bahnen, die über spezifische Vorschlige betreffend das Wohl der Nation als Ganzer sich einige״ könnte. Damit angefangen, könnte die Bewegung für nationale Zusammenarbeit von den Führern auf die gewöhnlichen Bürger beider Völker, wo Immer sie Seite an Seite leben, ausgedehnt werden, gemäß dem Prinzip, daß das organisierte Leben einer Gemeinschaft auf der breitest möglichen Basis ruhen müsse. Weder die engere Zusammenkunft, noch die breitere Konferenz, noch Irgendwelche In Dörfern oder Städten beste hende Komitees sollten es versuchen, das nationale Problem als solches zu lösen; diese Körperschaften sollten sich auf dis Ergreifung praktischer Schritte zur Sicherung sozialen Aufstiegs, übernationaler Gerechtigkeit und guten Willens beschränken. Ihr Einfluß würde sich auf das ganze Land aus breiten, praktische segensreiche Ergebnisse würden folgen, Verdacht würde besänftigt werden, und aus allen diesen Bemühengen würde eine Reserve an Verständnis und gutem Willen anwachsen, dazu angetan, nationale Schwierigkeiten belzuiegen und Araber wie Juden in der Aufgabe zu vereinigen, ein glückliebes und gedeihendes Land aulzubauen. H. S n e 11. Der Widerhall in der Presse Sämtliche Londoner Morgenblätter vom!. April drucken einen großen Teil des Berichtes der Palästina-Kommission ab und nehmen ln redaktionellen Artikeln dazu Stellung. Die ״Times“ widmet Ihren fast zwei Spalten langen ersten Leitartikel dieser Frage. Die Hauptursachen der Unruhen gemäß dem Bericht faßt die ״Times“ folgendermaßen zusammen: Die Klagemaueraffire, die Zügellosigkeit der Presse, die ungenügende Garnison, die Unzuverlässigkeit der palästinensischen Polizei und schließlich die irrtümliche Annahme, daß die Palästina-Regierung sich durch politische Erwäg'ungen von ihrer Politik abbringen lassen würde. Die ״Times“ unterstreicht ferner die Bemerkung von Mr. Snefl, daß die Palästina-Regierung niemals mit den 300 eigensinnigen j ü d 1sehen Jugendlichen hätte verhandeln sollen, deren Demonstration am 15, August der Funke war, der die mos- Iemische Erregung zur neben Flamme entfachte. Was die übrigen Feststellungen der Kommission betrifft, schreibt die ״Times“; Es mag von gewissen Gesichtspunkten aus bedauerlich erscheinen, daß die Kommissionsmitglieder ihren Auftrag so weit überschritten haben, daß sie die ganze Frage der Interpretation des Mandates wieder aufrollen. Andererseits aber ist keine Frage, daß sehr verschiedene Interpretationen des Mandates im Umlaut sind, und da die Aufrechterhaltung und erfolgreiche Durchführung des Mandates eine Sache von nationalem Interesse und nationaler Ehre ist, ist es richtig, daß darüber keine Zweifel mehr bestehen sollten.“ Die Zeitung wundert sich, daß über einen wichtigen Punkt die Kommission sich ausschweigt, nämlich über die offenkundige Nichtdurchführung der Entwaff- :Mwbevfte'png. AuF,. v ן f bp rje n e Wat - fenlager und Waffenschmuggef sollten Kollektivstrafen gesetzt werden. Die ״Times“ «refft fest, daß dfe Be- Ziehungen zwischen Juden und Arabern durch die Untersuchung keineswegs verbessert worden sind und daß weder von jüdischer noch von arabischer Seite jemals eine Anstrengung gemacht wurde, zu einer Verständigung zu gelangen. Auch hier müsse auf Mr. Snelis Interessante Beobachtung über die Haftung der jüngeren jüdischen Emigranten hingewiesen werden, die verständlich mache, warum die Versuche vieler jüdischer Führer, die Sachlage zu verbessern, erfolglos geblieben sind. Das Blatt schließt; ״Die psychologischen Faktoren der Feindseligkeit liegen außerhalb des Wirkungskreises von Whitehall. Sie können nur schrittweise durch die Bemühungen der Landesregierung beeinflußt werden, welche unbeirrt den durch drei aufeinanderfolgende Oberkommissäre festgesetzten Kurs festhalten muß, ihre Untertanen einfach als Palästinenser zu behandeln, ohne Unterschied des Volkstums oder Glaubens. Will man den Inhalt des Berichtes in einem Satz zusammenfassen, so kann man sagen, er setze sich mit Nachdruck ein für eine Definition der praktischen Grenzen der zionistischen Kolonisation in Palästina, wenn diese nicht das Problem eines ״verarmten Arabers“ erzeugen soll; aber er betont auch die offenkundige Verpflichtung der Repierunff, bei keinem der beide* Völker den geringsten Zweifel darüber zu lassen, daß Großbritannien das Mandat zu behalten beabslchtigt und Gesetz und Ordnung Im Lande aufrechterhalten wird. Solange dies klar ausgesprochen wird, läßt sich allerhand zugunsten einer klaren Neuformulierung der Bestimmungen des Mandates und der darauf beruhenden Politik sagen; aber es wäre ein Unglück, wenn ein durch das Suchen einer neuen Formel etwa entstehender Aufschub den feisesten Verdacht erzeugen würde, daß das Mandat selbst unsicher ist.“ Sehr scharf wendet sich ״Manchester Guardian“ g” *,׳ ’י ' J ״-*-׳' ־־*־-־’־־’“ Qualifikation zur Beurteilung der Fragen der höheren Politik. Die Anregung der Kommission, die Regierung solle die Rechte der nichtjudischcn Gemeinschaften neu definieren, sei nicht nur eine Antwort auf etwas, worüber die Kommission nicht befragt war, sondern ist auch ein schlechter Rat. Denn die Araber sind es, die die Augustunruhen erzeugt haben. Die Baifour* Deklaration sollte zwar neu definiert werden, aber hierzu müßte eine Persönlichkeit von wirklich hohem Ansehen die Vorunter־ suchung führen. Die durch den Brief von Balfour, Lloyd George und Smuts angeregte größere Untersuchung sei heute besonders notwendig. Das Blatt begrüßt schließlich die Fest- Stellung der Kommission, es müsse ein für allemal jede Hoffnung ausgerottet werden, daß die Regierung sich durch Gewaltakte werden elnschücntern lassen. — In derselben Nummer des ״M. G.“ beginnt eine Artikelserie von Harry Sacher über die Geschichte des Zionismus zu erscheinen. Sacher war bekanntlich, bevor er nach Palästina ging, Redaktionsmitglied des ״M. G.“ ״Daily Telegraph‘ sagt, für die Erzeugung der feindseligen Gefühle seien die Führer beider Parteien verantwortlieh und hinter der Notwendigkeit der Sicherung der Ordnung erhebe sich die tiefere Ueberlegung, daß ohne Zusammenarbeit im Geiste gegenseitiger Toleranz wenig Hoffnung bestehe, daß die Aspirationen eines der beiden Völker verwirklicht werden können. ״Morning Post* schreibt: ״Die Zionisten arbeiten offen für eine jüdische Majorität in Palästina und die Araber kennen ihr Land zu gut, um nicht fürchten zu müssen, daß eine

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