Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 26 (1.4.1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28» 1. IV. 1930 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Seite 179 Zur Landeskonferenz des Hapoel Hazair Von Georg Landauer. I. Seit längerer Zeit tritt am 6. April wieder eine Landes• Konferenz des ״Hapoel Hazair“ in Deutsch- (and zusammen. Die Bedeutung dieser Tagung liegt einerseits darin, daß unsere Partei vor Wichtige Entscheidungen gestellt ist, die ihren politischen Kurs für die Zukunft und damit auch ihre Stellung im Zionismus überhaupt bestimmen werden. Auf der anderen Seite, organisatorisch gesehen, ist das Zusammentreffen dieser Konferenz als Ergebnis einer Belebung der Tätigkeit des Hapoel Hazair in der letzten Zeit zu werten. Die innerzionistische Erörterung, die sich an die August-Ereignisse anschtaß, hat zu einer Auflockerung, zu einer gesteigerten Anteilnahme an den Vorgängen im Zionismus geführt, die dem Hapoel Hazair in Deutschland neue Kräfte und eine Stärkung seines Eigenlebens gebracht hat. Es ist bekannt genug, daß Bemühungen für die eigene Parteiorganisation gerade von den wichtigsten Chawerim des Hapoel Hazair jahrelang zurückgestellt wurden, um sich mit vollen Kräften der allgemeinen zionistischen Arbeit in den Ortsgruppen und in den verwaltenden Körperschaften der Zionistischen Vereinigung für Deutschland zu widmen. Für den deutschen Zionismus im ganzen bedeutete dies eine nicht unerhebliche Stärkung seiner Arbeitsfähigkeit. Der Hapoel Hazair als Organisation hat aber begreiflicherweise darunter gelitten. Die zionistische Auseinandersetzung der letzten Monate hat jedoch vielen die Wichtigkeit des unversehrten Weiterbestandes der eigenen Gruppe und ihrer weiteren Entfaltung deutlich gemacht. II. Die Eröffnungsversammlung der Landeskonferenz Ist dem Zebnjahrestag der Prager Konferenz gewidmet. Im Herbst 1919 erging von London ein Aufruf, gezeichnet von Joseph Sprinzak für das Zentralkomitee des Hapoel Hazair in Palästina, von El ieSer Kaplan für das Zentralkomitee der Zeire Zion in Rußland und von Hugo Bergmann für das Zentralkomitee des Hapoel Hazair in Westeuropa, zu einer Konferenz, die am 20. März 1920 in Prag begann und am Peßach 5680 zu einer Vereinigung aller Teile der Bewegung führen sollte, Der Weltverband erhielt den Namen ״Hitachduth (Hapoel Hazair-Zeire Zion)״. Die Namen der drei Unterzeichner reprisentieren die drei Gruppen, aus denen sich die Hitachduth gebildet hat: palästinensische Arbeiter, jüdische Jugend Osteuropas, westjüdische Intellektuelle. Durch den Zusammen- Schluß solcher Elemente konnte die Hitachduth der Parole der Chaluziuth und der Alijah die Wege ebnen, eine neue konkrete zionistische Leistung im Lande anbahnen, ein Sammelpunkt geistiger Kräfte werden, die, ausgehend oder beeinflußt von A. D. Gordons Lehre, eine Richtung eigener Grandauffassung und von eigenem Aktionsprogramm Im Zionismus entstehen ließen. Der Hapoel Hazair in Deutschland hat zu diesem Zionismus nicht unwesentlich beigetragen. Ich glaube, seine Aufgaben sind auch heute noch nicht erfüllt. ■ . in. . ' Am Ende der zehnjährigen Entwicklung steht die Vereinigung der Arbeiterparteien in Palästina. Me Chawerim der Hitachduth können diese Vereinigung um so eher bejahen, als sie eine deutliche Bestätigung ihres Glaubens ist, das Leben selbst werde hierbei die zionistische Auffassung des Hapoel Hazair bekräftigen und durchsetzen. Me Vereinigung in Palästina verpflichtet auch die Galuthverbände der Arbeiterparteien zum Zusammenschluß. Ohnehin ist der Raum für die selbständige Existenz zweier konkurrierender Arbeiterparteien in der Diaspora zu klein. Vielleicht gelingt den vereinigten Parteien besser als den sich befehdenden Sonderverbände», die besondere Funktion der zionistischen Arbeiterparteien im Galuth: Gewinnung der Jngend, zionistisch-sozialistische Offensive gegenüber der Assimilation, zu erfüllen. Freilich hat das jüdische Leben in der Maspora nicht dieselbe Vereinheitlichung der Parteien als natürliche Voraussetzung des Ichyd geschaffen, wie es in Palästina der Fall war. Besonders in dem kläglich zersplitterten polnischen Zionismus tritt dies empfindlich in Erscheinung. — Für Deutschland aber gilt dies nicht in demselben Maße. Me Initiative der deutschen Arbeiterparteien zum Ichud der Weitverbinde würde ein großes Verdienst um die Stärkung des Arbeitszionismus In der Zukunft sein. Me Landeskonferenz des Hapoel Hazair wird sich mit der Frage befassen, wie dieses Ziel unter bester Wahrung der zionistisehen Linie des Hapoel Hazair zu erreichen ist IV. Mehr als andere Landesverbände der Hitachduth zeigt der Hapoel Hazair in Deutschland eine eigene Linie in seiner Auffassung von zionistischer Politik. Seine Auffassung vom jüdischen Nationalismus lehnt sich noch heute anGordonsIdeenan, die er in seiner Rede zur Eröffnung der Prager Konferenz, gipfelnd in dem Gedanken des ״Men sch -Volks״ (Am-Adam), zum Ausdruck gebracht hat: Das Verhalten der Nationen zueinander soll von denselben sittlichen Grundsätzen getragen sein, die wir im Leben von Mensch zu Mensch zu verwirklichen wünschen. Mese Anschauung von Nation, nationaler Bewegung und politischer nationaler Aktion ist es, die die Stellung des Hapoel Hazair in Deutschland in der jüdisch-arabischen Frage bestimmt hat (um an dieser Stelle von ״realpolitischen״ Erwägungen zu schweigen). Wir sind uns dessen schmerzlich bewußt, daß wir um die Durchsetzung solcher Anschauungen heute noch im Zionismus kämpfen. Wie es gerade Kräften des deutschen Hapoel Hazair gelang, jene (jetzt von allen Zionisten als Zeugnis vielfach zitierte) Friedens resolution des ersten Karlsbader Kongresses zustandezubringen, die der im Namen der Hitachduth von Martin Buber vorgetragenen Proklamation über die jüdisch arabischen Be- Ziehungen entsprach — so hoffen wir, wird auch in dieser Zelt unsere Meinung nicht der Ruf Einzelner, nicht die Stimme einer Gruppe nur bleiben, sondern sie wird den Sieg in der ganzen zionistischen Bewegung erringen. Unsere Landeskonferenz hat in politischen Fragen Entscheidungen zu treffen, die nicht nur für die Zukunft unserer Partei selbst wichtig sind. Die Agency'Tagung Ueber die letzten Tage und die Beschlüsse der Sitzung des Adrainistrative-Committee der Jewish Agency in London ist noch »achzutragcn: Das Administrative Committee widmete eine spezielle Sitzung dem Werk des Jüdischen Nationalfonds und der Kolonisation. Ussischkin wies an Hand von Tatsachen nach, daß der Jüdische Nationalfonds die arabischen Bauern und Pächter, die dem Fonds Boden überließen, voll entschädigt hat. Er legte Nachdruck auf die Notwendigkeit, die Kolon!- sationsarbeit zu steigern. Dem Keren Kajemeth gebührt weiteste Unterstützung. Dr. Ruppin hielt dann ein Referat über die kolonisatorischen Möglichkeiten Palästinas. In der Schlußsitzung (Donnerstag, 27. März) machte Dr. Weizmann den Vorschlag, Lord Mekhett an Stelle des verstorbenen Louis Marshall zum Präsidenten des Council der Jewish Agency und Dr. C y r u s A d 1 e r an Stelle Melchetts zum Stellvertretenden Vorsitzenden des Council zu wählen. Dr. Weizmann gab der Freude Ausdruck, daß Dr. Cyrus Adler sich bereit erklärt hat, die wichtige und delikate Mission, das jüdische Interesse in der Angelegenheit des Kotei Maarawi vor dem Völkerbund zu vertreten, zu übernehmen. Das Administrative Committee setzte zwei ständige Subkomitees, ein Politisches und ein Finanzkomitee, ein, ferner sechs Beratende Komitees, und zwar für landwirtschaftliche Kolonisation, Industrie, Einwanderung und Arbeit, Unterricht, Gesundheitswesen, soziale Wohlfahrt. In Anerkennung der Bedeutung der Arbeit der jüdischen Frauen für Palästina wurde vorgeschlagen, Wizo und Hadassah zu ersuchen, sich miteinander über ihre Arbeitssphären zu verständigen und durch die Exekutive der Agency der nächsten Tagung des Administrative Committee ein diesbezügliches Memoranaum zu unterbreiten. Der Vorsitzende teilte noch mit, daß die nächste Tagung des Administrative Committee im Spätsommer dieses Jahres stattfinden wird, um noch rechtzeitig das Budget für das jüdische Jahr 5691 festzusetzen. Dr. Solo weit sch ik unterbreitete im Namen der Organisations-Kommission eine Reihe Vorschläge, die auf Schaffung eines engeren Kontaktes zwischen den verschiedenen Organen der Agency und den Mitgliedern der Exekutive und des Administrative Committee der Agen:v hinzielen. Er empfahl die Schaffung eines Informations־ dienstes bei der Londoner Exekutive; ferner soll die Exektrtive ersucht werden, die Frage der Herausgabe eines offiziellen Organs der Jewish Agency zu erwägen. Das vom Administrative Committee eingesetzte Politische Subkomitee setzt sich aus Lord M e 1 c h e 11 als Vorsitzendem, Cyrus Ad- I e r als Vizevorsitzendem, ferner aus d’Avigdor G o 1 d s m i d, Ben Zwi, Robert Bollack, Dr. Wilhelm Fildermann, Baron de Menasche, Major Nathan, James Rosenberg, Oscar Wassermann, Dr. Chaim Arlosoroff, Ben öurion, Kurt Blumenfeld, Farbstein, Feiwel. Dr. Nahum Goldmann, Motzkin und Ussischkln zusammen. .... . ״.,. Das Ständige Subkomitee für Finanzen besteht aus den Herren Oscar Wassermann (Vorsitzender), Dr. Bernhard Kahn, Simon Marks (stellvertretende Vorsitzende), Dr. Aron Barth, Dr. Georg Halpern, Leon Levite, Remez, Salman Schocken, Dr. Max Soloweitschik , Twerskky, Max von Anhauch, d’A vigdor-Goidstnid, Stadtkämmerer Bruno Asch,, Boris Eitingen, Dr. Bernhard Flexner und Herbert Lehman. Es wurde beschlossen, daß der Präsident der Jewish Agency und der Vorsitzende des Administrative Committee ex officio Mitglieder aller Subkomitees und aller Beratenden Komitees sind. Das Administrative Committee hat einen Kolonisationsplan angenommen, demgemäß in nächster Zeit 1000 jüdische Familien in Palästina mit einem Kostenaufwand von 350000 Pfund landwirtschaftlich angesiedelt werden sollen. Wie die J. T. A. erfährt, ist eine Summe von 320 000 Pfund für dieses Werk bereits gesichert. (Me Resultate der Wahlen für die Agency-Exekutive haben wir bereits in der vorigen Nummer mitgeteilt.) Lord Melchetts Rede Lord M eiche tt, der von der ersten Jewish Agency- Tagung in Zürich zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden des Council der Agencv gewählt wurde, erschien sofort nach seiner Rückkehr aus Südafrika in der Sitzung des Administrative Committee und wurde vom Vorsitzenden, Herrn Felix M. Warburg, warm begrüßt Lord Mekhett hielt in der Sitzung eine von den Mitgliedern des Administrative Committee mit starkem Interesse angehörte Ansprache, in der er ungefähr ausführte: Wir sollten den Ansturm un serer Gegner nicht überschätzen und die Unterstützung unserer Sache seitens großer Gruppen treuer und loyaler Freunde nicht unterschätzen. Ich zweifle nicht an der Aufrichtigkeit des Premierministers und seiner Kollegen; die Schwierigkeit bei der Regicrung liegt nicht etwa in der Verneinung des gegebenen Versprechens, die Schwierigkeit liegt vielmehr in der praktischen Verwirklichung. Es ist nutzlos, die Tat- Sache zu verschweigen, daß als Ergebnis der furchtbaren Ausbrüche der Gewalt in Palästina äußere Schwierigkeiten entstanden sind. Wir hatten es schwer, unsere Position aufrechtzu erhalten; dies erforderte größten Takt, Geduld und die Entschlossenheit, vorwärts zu gehen. Lord Reading hat in dieser schweren Zeit unserer Sache unschätzbare Dienste geleistet. Soweit menschenmöglich müssen wir auf unseren Rechten bestehen; die Judenheit in der ganzen Welt erwartet es von uns. Wir haben die Sympathie der Bevölkerung in Großbritannien und in anderen Ländern. Wir haben uns als ein Taktisch denkende Volk gezeigt, das bereit ist, sich ergebende chwierigkeiten zu überwinden und zugleich praktisch soweit vorzubauen, daß daß Mandat so durchgeführt werde, wie wir wünschen, daß es durchgeführt wird. Unsere Arbeit macht Fortschritte, Palästina entwickelt sich, und es existiert keine Macht auf der Erde, die diesem Fortschritt Einhalt gebieten könnte. Das ist meine große Hoffnung und mein Trost inmitten der Schwierigkeiten, die uns bedrängen. Der Glaube an die Sache ist in uns heute so stark wie nur je. Die Idee der Jewish Agency ist noch nicht ganz durchgedrungen, sie vermochte noch nicht jenen Grad von Begeisterung zu wecken, den die Zionistische Organisation unter jenen, die sich um das alte zionistische Banner scharen, gesichert hat ich, der ich mit einem Fuß auf jeder Seite stehe, möchte Nachdruck darauf fegen, daß die Agency es sich nicht leisten könne, das große Maß zionistischer demokratischer Unterstützung, die ihrem Werke überall, in der Welt geboten wird, irgendwie abzuschwächen oder zurückzuweisen. Ich bin erfreut, zu sehen, daß es der Konferenz gelungen ist, sich zu ernster praktischer Arbeit zu vereinigen und ich bin überzeugt, daß wir alle aktiv und dauernd uns mit der Arbeit unseres Herrn Präsidenten Oscar Wassermann und anderer Männer vereinigen werden, die für unsere Sache große Opfer bringen. Die Konferenz muß helfen, daß die finanziellen Verlegenheiten überwunden werden. Ich hoffe, daß die Beratungen zu einem fruchtbaren Ergebnis führen werden, würdig jenes großen Mannes, Louis M a r s h a I f s, dessen weisen Rat und dessen entschlossenen Geist wir jetzt so sehr vermissen. IIUminnilMHIIIinlllllllHIIIIIIIHIIIIIIIIIIIinlllllimilllllllHHIIMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIItiilllllilMlllllllllllimillllllllllllllllllllMIIIIIIUIIIIIIIIIIIIIIIillllllllllllllllllllinilllllllinillllllllllllllllllinillllMlllllllinllinilllllllllliminlllllinillUMUlllllillillllllllluiiiiiii bi aller Kürze Freitag, den 28. März, fand ein Lunch beim Kolonialminister Lord P a s s f i e I d statt, bei welchem auch der Premierminister MacDonald anwesend war. An dem Lunch nahmen teil: Dr. Weizmann, Felix Warburg, Lord Melchett und Lord Reading. Am 29. März wurde der Großmufti von Jerusalem, der mit der arabischen Delegation in London weilt, vom Kolonlalmlnlster Lord Passfield empfangen. Das Jerusalemer Gericht hat vier Juden aus dem Mea Schearim-Viertei zu Jerusalem, die beschuldigt waren, am ersten Tage der August-Unruhen einen Araber getötet zu haben, treigesprochen. Der Waad Leumi hat gemäß der von der Regierung erlassenen Verfügung über die Organisation der jüdischen Gemeinschaften in Palästina ein Hauptwahlkomitee zur Vorbereitung und Durchführung der Wahlen in die Assefat Haniwcharira ernannt. In der Nähe von Rischon le Zion wurde am 23. März die erste jüdische Kolonie seit den Unruhen eingeweiht. Es handelt sich um eine Arbeiter-KIeinpächter-Siedlung ״Beth Chanan״, die einen Umfang von 600 Dunam hat und mit 40 Siedlern besetzt ist. Wie die Zeitung ״Meraat ei Sherk“ mitteiit, hat der Präsident der Arabischen Exekutive, Muza Kasim Pascha, der als Führer der arabischen Delegation sich nach London begeben hat, vor kurzem 400 Dunam Boden in der Nähe von Tufkarem an Juden verkauft. Dieser Tage begann in Palästina der Prozeß wegen der Infiat-Böden bei Chederah, die bekanntlich den Kolonisten von Chederah trotz der gültigen Eigentumstitel von den arabischen Pächtern streitig gemacht werden. Bei Anwesenheit von Vertretern der jüdischen Organisationen und Institutionen und eines zahlreichen Publikums wurde ein gemeinsamer Gedenkstein über den Gräbern der wahrem der Augustunruhen auf dem Wege zwischen Tel-Awiw und Jaffa getöteten Tel-Awiwer Juden enthüllt. Louis Topkis, einer der Führer der amerikanischen Zionisten, Mitglied des Administrative Committee der Jewish Agency und früherer Schatzmeister der Zionistischen Organisation Amerikas, ist im Alter von 57 Jahren gestorben. Die Verwaltung der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde hat in das Budget für 1930 einen Betrag von 40 000 Schillingen füj Palästina-Aufbauzwec^e eingesetzt, davon 20 000 für den Keren Haiessod, 12 0(» tür Unterstützung von Chaluzitn, die sich nach Palästina begeben, und 8000 für den Keren Hajischuw der Agudas Jisroel und für den Palästina-Arbeiterfonds. Arno Nadel in Stockholm (Von unserem Stockholmer Korrespondenten.) Auf Einladung des hiesigen ״Jüdischen Akademischen Klubbes״ sprach AmoNadei vor einem zahlreich interessierten Auditorium im großen Sessionssaai der Stockholmer Oemeinde. Es waren auch viele Nichtjuden anwesend, denn Nadels Besuch ist von sämtlichen großen Stockholmer Tages- Zeitungen, die ihn als ״deutsches Universalgenie“ bezeichnen, mit größtem Interesse angekündigt, und in spaltenlangen Artikeln sein erfolgreiches Schaffen auf den drei Kunstgebieten Malerei, ,Musik und Dichtkunst besprochen worden. Der Vortrag behandelte das Thema: ״Gibt es eine jüdische Musik?“ Diese Frage verneinte der Vortragende zunächst mit der Einschränkung, daß außer synagogaler Musik, deren vornehmste Vertreter, Sulzer, Lewandowsky u. a. gewesen sind, nichts von positiven bleibenden Werten auf diesem Gebiete geschaffen worden ist. Nur der italienische Jude Rossi war hn eigentlichen Sinne des Wortes Komponist, ebenso hat seinerzeit der Gotenburger Kantor Bär jüdische Musik gefördert und geschaffen. Die interessanten Ausführungen, auf deren Einzelheiten im Rahmen dieses Berichtes näher einzugehen zu weit führen würde, illustrierte der Vortragende (der sich hierbei als hervorragender Kenner der Materie ewies), selbst am Piano durch Vorspielen bekannter und eigener Kom- Positionen, und der große Beifall bewies die Dankbarkeit der Zuhörer, der sich zu außerordentlich herzlichen Ovationen für den vielseitigen Menschen und Künstler Nadel steigerte, als dieser als Dirigent des hervorragenden Stockholmer j ü - d 1 s c h e n Synagogenchores (durch unermüdliche Arbeit und Initiative des Herrn Kantor Felix Saul vor 2Jahren ins Leben gerufen) fungierte, mit dem er in einem Tage anspruchvolle Chorwerke einstudiert hatte, die in musikalisch vollendeter Form gesunken wurden. Auch erntete Kantor Saul mit dem Vortrag jiddischer Gesänge viel Beifall — Später beim gemütliehen Beisammensein ergriff Oberrabbiner Dr. Ehrenpreis das Wort, um Nadels Persönlichkeit als vollendetes Beispiel der glücklichsten Mischung zwischen Ost und West zu feiern, indem er Nadel dazu beglückwünschte, daß man heute keinen zweiten nennen könne, der mit so verschiedenartigen Gaben auf verschieden künstlerischen Gebieten ausgestattet sei wie Nadel. Der sympathische bescheidene Künstler dankte in humorvoll-jreistreicfier Rede für die warme Aufnähme, die man ihm hier im k a 11 e n Norden bereitet hatte und las gleichzeitig Proben seiner lyrischen Dichtungen vor, ebenso waren verschiedene Gemälde ausgestellt, die ihn als Meister des Futurismus kennzeichneten. — .Mies in allem: ein äußerst anregender Abend, den die Stockholmer Judenschaft nicht so leicht vergessen wird und für den man auch der Initiative des Vorsitzenden des Akadem. Klubbes, Dr. Josef Zacharias, Dank wissen muß. H. Ritter.