Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1930)
- Date
- 1930-03-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 172 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 25, 28. Iü. 1930 Moritz Lazarus und die Jüdisdie NaKonal-Bibliolhek Von Rabbiner Dr. Tänzer, Göppingen. Anläßlich der bevorstehenden Einweihung des neuen Gebäudes der baüonalbibliothek verdienen nachstehende Reminiszenzen an ihren Begründer Dr. Chazanomcz, dessen 10jähriger Todestag kürzlich begangen wurde, erhöhtes Interesse. Red, Der literarische Nachlaß von Moritz Lazarus ist ein wahres ״Kol bo“. Neben den verschiedenen noch zu veröffentliebenden, zumeist aus Lazarus’ jüngeren Jahren stammenden Abhandlungen und Aufzeichnungen aller Art, sind es besonders die zirka 2000 Briefe an Lazarus, in denen sich die verschiedensten Persönlichkeiten zu allen möglichen Problemen und Zeitfragen äußern, und aus denen die Stellungnahme von Lazarus zu solchen ersichtlich ist. Das gilt auch in bezug auf die von dem Bialystoker Arzt Dr. J. C h a z a n o w i c z ins Leben gerufene Jüdische National-Bibliothek, für deren Unterstützung er Lazarus’ Mitwirkung nachsucht und diese ohne jeden Einwand unverzüglich erhält. Es ist dies um so beachtenswerter, als er in den weiters folgenden Briefen an Lazarus seine Sammlung ausdrücklich als Grundlage einer Jüdischen National- Bibliothek bezeichnet, ohne daß Lazarus hieran Anstoß nimmt. Weder seine schon seit dem Präsidium der Leipziger Synode i. J. 1869 feststehende Führung des reformfreundlichon Judentums, noch seine seit der bekannten Unterfertigung des Wahlaufrufes im Jahre 1887 festgelegte Auffassung (vgl. ״An die Deutschen Juden“), daß das deutsche Interesse dem jüdischen vorangehen müsse, hat ihn an der Fördenuig eines jüdisch-nationalen Jnstitnts gehindert. Bezeichnend und lehrreich genug angesichts der Erfahrungen unserer Tage. Die beiden Briefe von Chazanowicz an Lazarus haben folgenden Wortlaut: Bialystok, den 6. April 1899. Sehr geehrter Herr Professor! Vor 18 Jahren begann ich aus eigenen Mitteln — als praktischer Arzt — eine Bibliothek — Hebraica und Judaica — anzulegen. Während dieser Zeit gelang es mir, 10 000 Exemplare anzuschaffen. Diese 10000 Exemplare enthaltende Bibliothek verschenkte ich vor ein paar Jahren der Jerusalemer Loge ״Bne Brith zum Zwecke der Gründung einer Jüdischen Nationalbibliothek, die eine Verkörperung des jüdischen Geistes durch sein Schrifttum mit der Zeit werden soll. Die Bibliothek ist jetzt schon von großer lokaler Bedeutung für die palästinensischen Juden, aber mein Plan geht auf etwas Größeres aus, das nur in Zukunft zustande kommen kann. Es handelt sich jetzt auch um Errichtung eines entsprechenden Gebäudes. Ich persönlich betrachte meine Aufgabe als eine noch nicht vollendete. Darum setze ich fort, Bilder Bücher, Autogramme und andere dazu gehörige Sachen durch eigene Mittel zu erwerben. In der letzten Zeit bin ich aber zu der Ueberzeugung gelangt, daß nur durch das Mitwirken hervorragender Stammesgenossen etwas wahrhaft Bedeutendes zu erwarten sei. Ich erlaube mir, Sie, sehr geehrter Herr Professor, höflichst zu ersuchen, mir ihre geschätzte Photographie mit Namensunter- Schrift sowie Ihre wertvollen Werke (außer der ״Ethik", die ich unlängst erworben habe) als Geschenk für die Nationalbibliothek zusenden zu wollen. Wenn Sie, sehr geehreter Herr Professor, mir eine Photographie und ein Autogramm von dem unlängst heimgegangenen großen Juden, Professor Haun Steinthal, spenden könnten, so wäre ich Ihnen herzlichst dankbar. Außerdem wäre mir lieb, wenn ich durch Sie, sehr geehrter Herr Professor, das Bild mit Namensunterschrift der Frau Nahida Ruth Lazarus, sowie das Buch ״Ich suchte Dich“ bekommen könnte. ״Die jüdische Frau“ besitze ich. Entschuldigen Sie mir, sehr geehrter Herr Professor, daß ich Sie mit meinem Schreiben und Bitten belästige. Es ist eine Tat für unser Volk und sein Schrifttum, an der ich mitarbeite und das ermutigt mich. In aufrichtiger, herzlicher Verehrung J. Cha zanowicz. Bialystok, den 18. April 1899. Hochverehrter Herr Professor! Empfangen Sie meinen herzlichen aufrichtigen Dank für Ihre freundliche Zusendung. Die Bücher und Bilder sind schon angelangt. Bitte, hochverehrter Herr Professor, bei Gelegenheit die Bibliothek zu Jerusalem im Auge zu behalten. Ihrer geschätzten Frau Nahida Ruth besten Dank und Gruß. Mit herzlichem Gruß Ihr aufrichtig ergebener J. Chazanowicz. Bilchcrschau Rebekah Kohut: As I know them. Some Jews and a few Gentiles. 305 p. Doubleday, Doran and Company, ine. Garden City 1929, New York. Die als Präsidentin des Weltbundes jüdischer Frauen auch in Europa bekannte und hochgeschätzte Verfasserin läßt ihrer vor wenigen Jahren erschienenen Autobiographie ״My Portion“ (New York, Thomas Seltzer 1925) ein "Werk folgen, hinter dessen bescheidenem Titel man gar nicht den Reichtum des lnhalts ahnen kann. In einer Reihe von Querschnitten wird uns darin ein anschauliches Bild von der Entwicklung des amerikanischen Judentums in den letzten 50 Jahren geboten. Mrs. Kohut genießt durch ihre ausgedehnte soziale Tätigkeit und namentlich durch ihren Anteil am Kampf ums Frauenwahlrecht auch in nichtjüdischen Kreisen das höchste Ansehen, und dank ihrer umfassenden Bildung ist ihr nichts Menschliches fremd geblieben. Nichstdestoweniger gehört ihre höchste Liebe ihrem Volke, den Juden. Als Tochter und Gattin von hervorragenden Rabbinern hatte sie Gelegenheit, schon früh ihren Blick für die mannigfachen Erscheinungsformen des Judentums zu schärfen, und so ist es ihr gelungen, die fast erdrückende Fülle von Gesichten zu meistern, die der von ihr durchlebte Zeitraum aufvveist, und die, geschaut durch das Medium eines starken Geistes und großen Herzens, in ihrem Buche festgehalten sind. Schon der erste Artikel, der einfach ״East Side“ überschrieben ist, zeigt die Sicherheit ihres Urteils und die Wärme ihrer Empfindung. Denn er ist in der Hauptsache eine Verherrlichung der Ostjuden, die seit Anfang der 80 er Jahre in stetig wachsender Anzahl sich in jenem Stadtteil ansiedeln und bis auf den heutigen Tag nur selten eine so tief eindringende Würdigung gefunden haben. Auch in Amerika nämlieh gab und gibt es — und zwar leider besonders häufig unter Juden — gewisse Kreise, die der geistigen und seelischen Eigenart jenes Menschentypus mit erstaunlicher Verständnislosigkeit gegenüberstehen. Die Verfasserin rechnet ebenso streng mit den Juden ab, die aus Kurzsichtigkeit oder noch weniger rühmlichen Gründen über jene Stammesbrüder schnellfertig aburteilen oder ihre Stammesehre überhaupt verschachern, wie mit den heute schon sehr zahlreichen und teilweise auch mächtigen Feinden, die dem Judentum im ״Lande der Freiheit“ erstanden sind. Ihr Buch ist aber durchaus nicht nur auf einen kritischen Ton eingestellt, sondern sie weiß auch anschaulich zu schildern, so z. B. was das amerikanische Judentum im letzten Jahrzehnt in den verschiedensten Ländern zur Linderung der durch den Krieg ins unermeßliche gestiegenen Not der Juden getan hat. Wir erfahren von den verschiedensten amerikanischen und curopäischen Persönlichkeiten, mit denen sie in Berührung gekommen ist. Besonders sympathisch berührt ihre Darstellung der menschliehen Größe von C h a j e s. Das Buch enthält soviel feinsinnige Bemerkungen über Fragen der Religion und Politik, über Predigten und sonstige öffentliche Reden, über Frauenbildung und Kindererziehung, daß es sehr schwer ist, einzelnes herauszugreifen. Doch sei wenigstens auf die Ausführungen S. 265 ff. hingewiesen, die einen Hymnus auf das alte jüdische Flaus darstellen und im Gegensatz dazu die seelische Verarmung eines großen Teiles der heutigen jüdischen Jugend zeigen. F. P e r 1 e s. Heilige Stätten der Bibel heißt ein Bändchen der ״Schaubücher“, die Dr. Emil Scliaeffer im Verlag Orell Füßli (Zürieh) in ausgezeichneter Ausstattung zu dem erstaunlich billigen Preis von Mk. 2.40 pro Band herausgibt. Theodor Dä übler hat eine schöne kurze Einführung geschrieben, in welcher er das heutige Palästina schildert und auch die jüdische Aufbauarbeit rühmend hervorhebt. Er gibt auch den tiefen erschütternden Eindruck wieder, den das Gebet an der Klagemauer an einem jüdischen Feiertag auf ihn gemacht hat. Das Bildermaterial, auf 62 Tafeln sehr gut reproduziert, beschränkt sich nicht auf ״Heilige Stätten“, sondern enthält auch eine Reihe anderer Palästinabilder aus dem alltäglichem Leben und Bevöikerungstypen, darunter auch jüdische. Mehrere Photos stammen vom jüdischen Nationalfonds. — Ein anderer Band derselben Serie, ״Frauen des Morgenlandes“, bringt 64 Fraucnbildnisse, zum Teil Aktaufnahmen orientalischer Typen, freilich mehr aus Nordafrika als aus dem eigentlichen Arabien. Nehen Berbermädchen und Araberinnen sind auch mehrere tunesischc bzw. algerische Jüdinnen mit ihren spitzen Kappen aufgenommen. Die einleitenden Bemerkungen, die eine Charakteristik orientalischen Frauentums geben wollen, sind freilieh nicht zureichend. — Von anderen ״Schaubüchern“, die unsere Leser interessieren mögen, erwähnen wir ״Das letzte Gesicht“ (68 Bilder von Totenmasken bekannter Persönlichkeiten, ein geleitet von Egon Friedeil), sowie ״Befreites Wohnen“ (86 Bilder eingeleitet von Siegfried Giedion), ein Buch der modernen Lebenskultur, das die Vorzüge der Eisenbetenkonstruktion im Wohnhausbau aufzeigt: an Stelle der ״Kerker“ des alten Steinbaues treten Wohnungen voll Luft und Licht, der Natur verbunden. Manche kritische Bemerkung Däublers über das Bauen in Palästina könnte durch den Anschauungsunterricht «lieses Bändchens positive Ergänzung finden. Sämtliche Reproduktionen der ״Schaubücher“ stehen auf der Höhe der modernen Technik. Zwei Zeitschriften. Wir möchten die Aufmerksamkeit unserer Leser auf zwei lieue Zeitschriften Hinlenken, die zwar nicht jüdisch sind, dennoch gerade für zionistische Leser sehr viel Anregendes enthalten, da Gedanken und Anschauungen, die darin zu anderen Fragen ausgesprochen werden, mit Gewinn sich auf zionistische Verhältnisse anwenden lassen. Die Zeitschrift ״Neue Blätter fürden Sozialismus“ mit dem Untertitel ״Zeitschrift für geistige und politische Gestaltung“ (Verlag Alfred Protte, Potsdam; Einzelheft 1 M.) ist herausgegeben von Fritz K1 a 11, Eduard H e i m a n n und Paul T i 11 i c h, vertritt also einen undogmatischen, geistig fundierten Sozialismus, und analysiert in ihrer konstruktiven Kritik des landläufigen Sozialismus die innere Gesetzlichkeit der Entwicklung derartige! Bewegungen, Probleme aufwerfernd, die uns in hohem Maße angehen. Dies gilt z. B. vor allem für den programmatischen Aufsatz des 1. Heftes ״Sozialismus“, von Paul Tillich, worin der Sozialismus als ewiges Wagnis, als Grundlage der Gestaltung dargestellt wird, im Gegensatz zu allen mechanischen Auffassungen. Auch die andern Beiträge der uns vorliegenden beiden Hefte bringen viel Interessantes, z. B. eine Abhandlung ״Nationale Politik“, von August Rathmann, wichtig zur aktuellen Diskussion des Nationalismus, ferner eine Darstellung der Position der Labour Party von Egon Wertheimer, zahlreiche Bernerkungen usw. — Die zweite hier zu nennende Zeitschrift heißt ״Die Zeit, Organ für grundsätzliche Orientierung“, herausgegeben von Friedr. Wilh. Foerster (Zeitbücher-Verlag, Berlin-Baumschulenweg; erscheint zweimal Im Monat, Einzelheft 65 Pfennig). Diese Zeitschrift trägt den Stempel eines selbständigen und freien Geistes, der aus tiefster ethischer Verantwortung unabhängige Kritik an seiner eigenen Nation übt, so die höchste Art von Nationalismus betätigend. Foerster deckt die Lügen dieser Zeit auf: ״Noch nie — schreibt er u. a. — ist so viel von Emanzipation und Selbstbestimmung geredet worden, noch nie aber war der Mensch so sehr Sklave der öffentlichen Meinung, so sehr charakterloses Massentier, so sehr von jeder Art von sozialer Gefallsucht und ängstlicher Anpassung an alle und jeden besessen.“ Foerster nimmt ' — neben grundsätzlichen Aufsätzen — in zahlreichen Glossen zu Tagesereignissen Stellung, Auf die Zuschrift eines Christliehen Polen im 4. Heft der Zeitschrift, die sich gegen den Antisemitismus in Polen wendet, antwortete Foerster mit einer Nachbemerkung, worin er u. a, schreibt: ״Wenn die Idee der Reparation eine der höchsten sittlichen Ideen ist, ohne die Recht und Gewissen nicht als blasser Schatten ohne Blut und Leben bleiben, dann schuldet wahrlich Europa dem Judentum eine Reparation für unermeßliche Schmach, Erniedrigung und Zurücksetzung, und gerade diejenigen Völker, die neuerdings aus dem Stande der Unterdrückung erlöst wurden und die Reparation des Unrechts erlebten, das ihnen angetan worden ist, können ihren Dank gegen Gott und ihre Treue gegenüber der sittlichen Idee, die hinter ihrer Rettung stand, gar nicht anders ausdrüeken, als dadurch, daß sie nunmehr in ihrem eigenen Machtbereiche konsequent mit der ganzen bösen Erbschaft aufräumen, deren Opfer sie einst selber gewesen sind. Für Deutschland ist der Antisemitismus der Führer zur po-!irischen Verrohung geworden, und er fährt fort, die deutsche Jugend moralisch zu verwüsten und jenes feinere Empfinden in ihr zu vernichten, ohne das es keine wirkliche Volksgemeinschaft geben kann — mögen die Nachbarn sich warnen lassen und uns durch besseres Beispiel beschämen, statt unseren übelsten Elementen zu erlauben, sich auf die Praxis jenseits der Grenzen zu berufen.“ In Jerusalem erschien eine Broschüre von Gerschon Scholem über Franz Rosenzweig und sein Buch ״Stern der Erlösung^‘. Es ist der Abdruck einer Gedenkrede, die bei einer Trauerfeier in der Hebräischen Universität Jerusalem von Dr. Scholem gehalten wurde und gibt eine Einführung in die Re- Hgionsphllosophie Rosenzweigs. Soeben erschien ״Devarenu“, Monatsschrift der ״Hista* druth Iwrith“, Wien, redigiert von J. Gelernter. Aufsätze, Er- Zahlungen, Gedichte und Buchbesprechungen von M. Henisch, S. M. Luzar, Daniel Perski, Awigaor Hammeiri, Tal, Awigdor Grünspan, D. J. Silberbusch, Aron Kaminka, J. Gelernter, Jehuda Warschawjak, S. L. Oroßmann, S. Auerbach, Prof. Samuel Krauß, Dr. Ch. Tartakower, J. Keset und M. Ungarfeld. Bezugspreis 75 Cent jährlich. Zu beziehen durch ״Devarenu“, Wien IX, Liechtensteinstr. 80. Leo Simon 60 Jahre In diesen Tagen feiert der Berliner Industrielle Herr L n Simon seinen 60. Geburtstag. Herr Simon hat in den letzt«..: Jahren großes Interesse für das jüdische Palästinawerk bewiesen. Er hat auch selbst Palästina besucht und gräßere Zuwendungen für den Keren Hajessod und andere Palästinazwecke gemacht. Herr Leo Simon ist Mitglied des Deutsehen Komitees Pro Palästina und des Deutschen Initiativ-Komitees für die Jewish Agency. Von diesem wurde er als stellvertretendes Mitglied in den Council der Jewish Agency entsandt. Aus den Kreisen der Palästinabewegung wenden sich Herrn Simon zu seinem Jubelfag herzliche Sympathien zu. Wir wünsehen ihm, daß ihm vergönnt sein möge, das Gelingen des Palästinawerkes mit eigenen Augen zu sehen. Rücktritt des Oberrabbiners Dr. Brody Der Prager Oberrabbiner Dr. Heinrich Brody hat der Repräsentanz der Prager Jüdischen Gemeinde das Gesuch um Versetzung in den Ruhestand überreicht. Wie die J. T. A. erfährt, wird die Repräsentanz diesem Gesuch in Anbetracht der langjährigen Tätigkeit Dr. Brodys und der zwingenden wissenschaftlichen Arbeiten, denen er sich nach seiner Pensionierung widmen will, stattgeben. Ueber die Nachfolge ist noch nichts bekannt. Dr. Heinrich Brody, der dem Misrachj angehört, ist besonders durch seine Arbeiten über die hebräisch«! Poesie des AJittelalters bekannt. Zionistischer Grnppenverband Oberschlesien Am Sonntag, dem 16. März, fand in Beuthen eine Tagung des oberschlesischen Gruppenverbandes statt, die einen zahlreichen Besuch von Vertretern aus Beuthen, Hindenburg, Gl eiwitz und Oppeln aufvvies. Wie der Vorsitzende, Dr. Weissmann, einleitend ausführte, sollte diese Tagung nach der Periode der innerzionistischen Diskussion, die ihren Höhepunkt auf dem Jenaer Delegiertentag fand, wieder hauptsächlich der praktischen Tagesarbeit gewidmet sein. Das Beispiel hierzu sei schon auf der letzten Landesvorstandssitzung gegeben worden, über die berichtet werden solle. Die Wahlen in den S y n a - gogen ge m ei nd en besonders in Beuthen, machten eine Stellungnahme zum Wahlkampf und zu den Problemen der Jüdisehen Volkspartei notwendig. Schließlich habe sich die Tagung — in Ausführung eines Beschlusses der Z.V.f.D. — mit der Durchführung der Purim-Aktion des K.K.L. zu befassen und dazu biete die Anwesenheit von Adolf Pollak, dem General- Sekretär des K.K.L., besonderen Anlaß. Dr. Deutschmann (Oppeln) erstattete den Bericht über die Landesvorstandssitzung. Er verwies auf die bereits, besonders in der Rundschau, erschienenen Berichte und beschränkte s£h auf eine zusammenfassende und kritische Uebersicht über die Verhandlungen. Herr Adolf Pollak führte aus, daß das brennendste Problem jetzt das Bodenproblem sei. Wir müssen uns so rasch als möglich in den Besitz der für den Aufbau unentbehrlichen Schlüsselpositionen setzen. Daher ist die aktive Teilnahme der Zionisten, auch der älteren, an der Purim-Aktion unerläßlich. Herr Arnold Wiener (Beuthen) referierte dann über die Probleme der Jüdischen Volkspartei. Er gab eine kurze Uebersicht über die bisherigen Leistungen der Volkspartei in den Gemeinden und Verbänden und die Tätigkeit der Gemeinekommission und hob besonders den Kampf um die volle GleichberecHtigung der Ausländer hervor. Bei der Besprechung der künftigen Aufgaben forderte der Redner unter anderem eine stärkere Vertretung der Provinz im Landesverband, die Er- Setzung des Rates durch eine von der Plenarversammlung gewählte Exekutive, eine erhöhte Hilfeleistung für die kleinen Gemeinden durch Ausgleich der Lasten und eine stärkere Berücksichtigung der wirtschaftlichen und religiösen Fragen gegenüber formal-juristischen Verhandlungen. Er beklagte die Zurück- Setzung bei der Erledigung von Angelegenheiten der jüdischen Religionsgemeinschaft gegenüber anderen Kirchenverbänden. Zur Hintanhaltung von Mißständen ln der Volkspartei müsse eine wirksame Oberaufsicht dienen. An der Aussprache beteiligten sich die Herren Gold, Salo Guttmann, Drillmann, Am old Wiener, Dr. Frankel und Dr. Deutschmann. Zum Schlüsse machte der Vorsitzende davon Mitteilung, daß die Agenden des oberschlesischen Keren Hajessod-Sekretariats vorläufig wieder vom Büro in Breslau mitverwaltet werden. Briefe an die Redaktion Die C.-V.-Versamrolung in Beaihen Dr. Eva Jungmann. Berlin-Steglitz, den 26. 3. 31. . Sehr geehrte Redaktion! Gestatten Sie mir, daß ich auf das Schreiben von Frau Martha Frankel, Beuthen (O.-S.), in Nr, 22 der ״Jüdischen Rundschau“ vom 18. März, die mir infolge mehrtägiger Krankheit erst heute zu .Gesicht kommt, ein paar Worte erwidere. Da ich einigerer darin befindlichen Sätze, besonders die, in denen Frau Frankel meine Ausführungen als ״hitzige Polemik“ und als Verunglimpfung der zionistischen Ziele bezeichnet, als grobe Verkennung meiner Absichten sowohl wie meiner persönlichen Stellung empfinde, wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie meine Zuschrift auch Ihren Lesern zur Kenntnis geben würden. Mein Vorträg mußte, um ״die jüdische Zukunft der deutsehen Juden“ vom deutschjüdischen Standpunkt darzustellen, in einem quantitativ wesentlichen, inhaltlich der eigentlichen Zukunftsidee der deutschen Juden deutlich untergeordneten Teil sich gegen die nationaljüdische Auffassung abgrenzen. Daß ein Gegensatz zwischen diesen Gedankengängen besteht, ist nichts Neues. Daß unbedingte Offenheit bei selbstverständlicher Würdigung der gegnerischen Auffassung auf beiden Seiten erstrebt wird, war die Ueberzeugung, von der ich in meinem Referat ausging. Der Verbreitung von Klarheit über das Trennende und der Erörterung der Möglichkeit praktischer Ueberwindung der gedanklichen Verschiedenheiten habe ich in meinem Vortrag zu dienen versucht. Es Ist schwer zu entscheiden, ob die Verkennung meiner persönlichen Stellung durch die Vorwürfe der ״Hitzigkeit“ und der Verunglimpfung“ oder ob die Behauptung, der C.-V. betrachte den Kampf gegen den Zionismus als seine Hauptaufgabe, einen stärkeren Widerspruch zu den Tat- Sachen darstellt. In jedem Falle bedeutet es für mich eine schmerzliche Enttäuschung, daß offensichtlich auch bei ehrlichstem Streben nach Anstana und Sauberkeit in der Austragung sachlicher Gegensätze die Ausschaltung von Mißverständnissen unmöglich Ist In vorzüglicher Hochachtung Dr. Eva Jungmann. *** In derselben Angelegenheit erhielten wir auch eine Erwiderang von Frau Marta Schwarz in Beuthen, worin gleichfalls manche Behauptungen von Frau Franke! bestritten werden. Wir glauben, nach Abdruck der Zuschrift von Dr. Jungman von dem Abdrude des zweiten Briefes Abstand nehmen zu können.