Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1930)
- Date
- 1930-03-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2651273-2653156-2653181--21472-2679573- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 25, 28. HL 1930 JUED1SCHE RUNDSCHAU Sehe 171 Friedensbereiisdiiiti der Araber fjn Artikel des ״Falastin“ anläßlich •der Abreise der arabischen Delegation. Wie gemeldet, ist die arabische Delegation bereits nach London abgereist und wird dieser Tage dort rintreffen. Die arabische Presse Palästinas betont, daß die Delegation mit dem Willen zum Frieden abgereist ist. Die extremistischcn arabischen Organe (gewissermaßen die arabischen Revisionisten) grafen auch bereits die Politik der Delegation an und verlangen, sie müsse in London für völlige Unabhängigkeit Palästinas eintreten. Die gemäßigte Presse jedoch unterstreicht ausdrücklich, daß die Delegation ein Kompromiß sucht So 1■ B. widmet der ״Falastin“ vom 15. März, der an leitender Stelle den Brief von Einstein nebst dem von uns bereits in Nr. 23 auf Grund des telegraphischen ITA-Berichtes wiedergegebenen freundlichen Kommentar abdruckt, der Delegation einen ausführlichen Artikel, der für zionistische Leser besonders interessant ist, weil er deutlich die Neigung zum Kompromiß durchblickea läßt. Der Artikel beklagt, daß bisher seitens der Regierung niemals eine klare Abgrenzung der jüdischen und arabischen Rechte in Palästina erfolgt ist und begrüßt daher die Erklärung des Unterstaats- Sekretärs Dr. Shiels, wonach die Begriffe des Mandates neuerlich interpretiert werden sollen und dadurch auch die Beziehungen zwischen dem Jüdischen Nationalheim und den Rechten der Araher klargestelit werden sollen. Auch die Balfour-Deklaration, so fährt das Blatt fort, kann nur dann durchgeführt werden, wenn man zuerst die Rechte der einheimischen Bevölkerung definiert, welche — gemäß dem Text der Balfour- Deklaration — beim Aufbau des Nationalheims nicht verletzt werden sollen. Es sei z. B. für die Araber untragbar, daß die einzige Institution, die die Regierung bei der Verwaltung Palästinas zu beraten berechtigt ist, die Jewish Agency ist, so daß war jeder jüdische Schekelzahler außerhalb Palästinas indirekt bei der Verwaltung des Landes mitzureden habe, während die palästinensische Bevölkerung gar keine Rechte besitzt. Demgegenüber müsse betont werden, daß das Recht auf eine Volksvertretung auch durch das Mandat in keiner Weise negiert wird. Das Mandat sage ausdrücklich, daß das Jüdische Nationalheim ohne Beeinträchtigung der Rechte der Bevölkerung des Landes errichtet werden soll. Der Artikel fährt fort: ״Abgesehen von dem unanzweifelbaren Recht der Araber, eine Volksvertretung zu haben, gibt es auch noch mehrere andere Gründe für eine solche Körperschaft. Es wird für die Regierung nur von Vorteil sein, beglaubigte Vertreter der Oeffentlichkeit zu haben, die sie beraten können. Heutzutage ist es für jedermann sehr leicht, mit ein bißchen Lärm sich selbst als Vertreter der öffentlichen Meinung in Szene zu* setzen. Die Juden sind es, die sich darüber stets beklagen- Dann aber gjüßten sie doch eine Maßnahme erleichtern, welche echte Vertreter auf den Plan bringt. Die Behauptung, das Volk sei nicht reif für Wahlen, ist schlecht. Die palästinesischen Araber können mit vielen Staaten, die unabhängige Volksvertretungen haben, den Vergleich aushalten, Bei Festsetzung des Wahlrechtes wird man auch dafür zu sorgen haben, daß der rinzelne Wähler so viel als möglich selbst zu bestimmen hat und daß die verschiedenen Ir.teressen im Verhältnis ihrer Wichtigkeit vertreten sind. Der einzige andere Grund gegen die Volks- Vertretung ist die FurehT der jüdischen Minder* heit, in lebenswichtigen Fragen überstimmt zu werden. Hieraus gibt es einen leichten Ausweg: Ein Parlament leitet seine Machtvollkommenheit von der Verfassung ab, und wenn allgemeine Prinzipien Verfassung®- mäßig festgelegt worden sind, dann würde jedes Parlament, das gegen diese Prinzipien Beschlüsse faßt, verfassungswidrig handeln. Fügt man zu diesem Grundsatz noch ein vernünftiges Vetorecht hinzu, dann ist die Frage gelöst. Die Teilnahme der Araber an der Gesetzgebung wird ihnen zweifellos die Nüchternheit geben, die Verantwortung stets mit sich bringt Der Abgrund zwischen den beiden Vöikern wird überbrückt werden, wenn sie zusammensitzen und innerhalb und außerhalb der Kammer Fragen besprechen. Wenn die Regierung trotzdem die Einrichtung einer Volks- Vertretung hinausschiebt, dann muß dies darauf zurückzuführen sein, daß die Mandatarmacht im Bunde mit den Zionisten warten will, bis die Juden eine Majorität im Landa haben.... Die Juden erklären, was sie verlangen, sei in Palästina ״kraft Rechtens und nicht als Geduldete“ zu sein. Bedeutet dies, daß sie in der Majorität sein müssen? Wenn nur die Majorität kraft Rechtens existieren kann, dann hieße das doch, daß, wenn die Juden die Majorität erreichen, die Araber nicht kraft Rechtens hier wären, — ein absurder Gedanke! Die Araber können nicht zulassen, daß die Jewish Agency die Stelle eines Parlamentes rinnimmt und daß nur die Juden ein konstitutionelles Mitbestimmtmgsrecht bei den Maßnahmen der Regierung haben.“ Zum Schluß beschäftigt sich der Artikel mit der Frage, ob die arabische Delegation wirklich repräsentativ sei. Die Delegation, so schreibt, das Blatt, fordert vor allem eine Volksvertretung. In diesem Punkte stehen sicherlich alle Araber hinter ihr, obwohl in anderen Fragen gewiß auch zwischen den Arabern Meinungsverschiedenheiten bestehen. Es gibt extremistische Araber und gemäßigte Araber. ״Die Extre misten sind die, welche den Glauben an die britische Regierung verloren haben und Verzweiflungspolitik machen. Diese wollen überhaupt keine Delegation. Die Gemäßigten aber haben — durch irgendein Wunder —- noch den Glauben an die britische Regierung und meinen, daß die Regierung, wenn man ihr erst das richtige Verständnis der Frage beibringt, Gerechtigkeit wird walten lassen. Es ist freilich nur ein Glaube, gegen den jede Erfahrung spricht. Aber es liegt in der Hand der britischen Regierung, entweder alle Araber zu Exfremisten zu machen — denn dies war die letzte Dele gation, wenn sie gottbehüte mit leeren Händen zurückkommt —, oder zu einer staatsmännischen Verständigung, die auf gegenseitigem Respekt und Achtung der Verträge beruht, zu kommen.“ An diesem Artikel, der von jüdischer Seite gewiß die größte Beachtung verdient, ist bemerkenswert, daß das arabische Blatt rieh hier durchaus auf den Boden desMandates stellt, Utl<J daß auch in fast unverschleierter Form die Bereitschaft ausgesprochen wird, die lebenswichtigen jüdischen Rechte in der Konstitution Palästinas zu verankern. Auch ist nicht mehr die Rede von einer ״nationalen Regierung“, die früher von den Arabern gefer'.״־‘ wurde, sondern nur noch von einer Volks- Vertretung, die die Mandatsregierung berät. Der Hinweis darauf, daß in der arabischen Delegation die gemäßigten Elemente stark vertreten sind, scheint gleichfalls auf Richtigkit zu beruhen. Die Politik der ״Radikalen״ Vortrag Grünbaum in Berlin. Am Soijntag, dem 23. März, sprach Seim-Abg. Jizcbak Grünbaum aus Warschau, Führer der Radikalen Zionisten, im Rahmen einer Veranstaltung der Berliner Gruppe der Vereinigung Radikaler Zionisten in den Sophien-Sälen über die Lage im Zionismus im Zusammenhang mit der letzten Sitzung des Aktions-Coiuitees. Die Versammlung war überfüllt. Viele konnten wegen Ueberfüllung des Saales nicht mehr hinein. Eine kleine Gruppe junger Leute, die der Aguda nahe stehen, versuchten, gegen Grünbaum zu demonstrieren. Weit ernsterer Art waren die Störungsversuche von kommunistischer Seite. Auf dringenden Wunsch der Zuhörer sah sich die Versammlungsleitung gezwungen, durch den Saalschutz die Ruhestörer zu entfernen. Der Vorsitzende, Herr Georg Lewin, eröffnete die Ver- Sammlung und ehrte durch einige Worte das Andenken Lord Balfours. Der Redner des Abends, Grünbaum, beschäftigte sich zunächst mit dem Verhältnis der Zionistischen Organi* sation zur Jewish Agency. Er wies besonders darauf bin, daß der gemeinsame Drive (Joint und Keren Hajessod) in Amerika große Gefahren für die Selbständigkeit der Zionisten in Amerika in sich berge und die finanzielle Selbständigkeit der ganzen Zionistischen Organisation gefährde. Die Vertreter der Radikalen Zionisten haben auf dem A.-C. den Vorschlag gemacht, daß in Zukunft keine gemeinsamen Drives mehr durchgeführt werden sollen. Dieser Vorschlag fand keine Mehrheit im A.-C, er wird aber selbstverständlich durch den Vertreter der Radikalen auf der Sitzung des Administrative Committee nochmals eingebracht werden. Auf Antrag der Radikalen wurde ferner im A.-C. beschlossen, daß für die Mitglieder der Zionistischen Exekutive, die in die Exekutive der Agency nicht kommen werden, kein Grund bestehe, zu demissionieren, und daß bis Oktober 1930 acht Mitglieder der zionistischen Exekutive gleichzeitig Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency bleiben, sogar wenn die Nichtzionisten nur vier Mitglieder der Exekutive stellen sollten. Dann ging der Redner zur Schilderung der politischen Lage über. Wir treten in eine neue Periode ein; die Resultate unserer Arbeit in Palästina sind jetzt schon so bedeutend, daß sie von unseren Gegnern sehr ernst genommen werden müssen. Damit erklären sich auch die verstärkten Widerstände und die Offensive der Araber. Die Gefahren, welche uns drohen, beziehen sich hauptsächlich auf Probleme der Verfassung, auf die Frage des Parlaments und auf die Agrar- und Bodenfrage. Der Grundfehler der Politik Weizmanns bestehe darin, daß man die Politik nur als eine Funktion der Aufbauarbeit betrachtet hat und sich politisch immer in Abwehrstellung befindet. Diese Politik kann so nicht weitergeführt werden. Wir müssen versuchen, die Initiative in diesen Fragen zu ergreifen. Wir müssen auch bereit sein, Rede zu stehen nach den Zielen unserer Aufbauarbeit in Palästina; dabei aber verwechselt man immer bei uns die Endziele mit den Aufgaben des Tages. Die Endziele müssen immer so hoch gesteckt werden, daß sie den Idealen der Bewegung treu bleiben, denn sonst wird die Bewegung gelähmt und ruiniert- In den Aufgaben des Tages hingegen muß ma« mit der wirklichen Konjunktur rechnen und keine Ziele setzen, die dieser Konjunktur nicht entsprechen. Dies gilt vor allem von der Konzeption des binationalen Staates, die im Moment keine aktuelle Bedeutung hat, denn bei 20°/o Juden und 80°/» Nichtjuden im Lande kann man selbstverständlich sehr schwer von einem Condominium der Juden und Araber sprechen. Dieses aber als Endziel zu setzen, hieße das Befreiungsideal des jüdischen Volkes vollständig aufgeben und eine Minderheit in Palästina als Endziel proklamieren. In der Frage des Parlamentes hat das A.-C. seinen Widerstand einstimmig kundgetan. Die Formulierung ist eine ganz einfache, man sagte einfach, daß ein parlamentarisches Regime jetzt nur als eine Störung des jüdischen Nationalheims betrachtet werden könnte. Der Instinkt der Bewegung hat es schon lange empfunden und keine Gegenargumente der Zweifelnden konnten diese Empfindung schwächen; der einfache Zionist hat verstanden, daß eine parlamentarische Tribüne eine ungeheure Gefahr für die Arbeit der Juden in Palästina bedeuten würde. Ein heute geschaffenes parlamentarisches Regime müßte den jetzigen Kräfteverhältnissen inj Lande angepaßt werden und dies würde das für uns im Augenblick nocli ungünstige Verhältnis auf die Dauer fixieren. Der Redner wies dabei auf die zivilisatorische Rolle der Zionisten in Palästina hin und führte aus, daß Palästina bei den jetzigen Verhältnissen nicht mehr ein verlassener Winkel der Erdkugel bleiben kann, und daß die Berechtigung der zionistischen Forderungen für die Welt in dieser zivilisatorischen Rolle der Juden in Palästina besteht. Die Zionisten sind die Träger des modernen Staates, der in Palästina entstehen soll, der durch die Zionisten gebaut wird. Die arabischen Politiker vertreten dagegen die Konzeption einer zurückgebliebenen staatlichen Organisation, die als Hemmung der Entwicklung des Landes betrachtet werden muß. Es ist jetzt die Zeit dazu gekommen, daß wir mit großzügigen Plänen hervortreten, in erster Linie in bezug auf das Agrarproblem. Wir müssen versuchen, die schwachen Teile der arabischen Bevölkerung unter unseren Schutz zu nehmen und dürfen nicht zulassen, daß die uns feindlichen arabischen Politiker oder die palästinensische Administration diesen Schutz gegen uns ausübt. Das A.-C hat in seinen kolonisatorischen Beschlüssen wie auch in den politischen diesen Gedankengängen Rechnung getragen. Es wurde ein Plan einer Kolonisationsarbeit für die nächsten Jahre entworfen; es ist selbstverständlich, daß die Verwirklichung dieses Planes abhängig ist von unseren finanziellen Eingängen und das steht wiederum in Verbindujig mit der Leistungsfähigkeit der Agency und der amerikanischen Zionistischen Organisation. — Lebhafter Beifall dankte den Ausführungen des Redners. Die ZnstSnde an der Klagemaner Jerusalem, 24. März- (J. T. A.) Wie seit einigen Monaten wurde auch am letzten Freitag-Abend der jüdische Gottesdienst an der Klagemauer durch ohrenbetäubenden LärmderMoslemSjdieinder Nahe das seit kurzem erst eingeführte sog. ״Zikhar“ feierten, erheblich gestört. Jüdische Touristen, die zufällig an der Mauer weihen, ersuchten die Polizei, das Spielen auf den Geräusch-Instrumenten zu verbieten. Die diensttuende Polizei erklärte, von der Regierung eine Weisung zum Einschreiten nicht zu besitzen. Anscheinend ist die Regierung entschlossen, bis zum Eintreffen der Klagetnauer-Kommission des Völkerbundes und bis zur Entscheidung über Rechte der Juden und der Araber an der Klagemauer nichts zur vorläufigen Regelung der Gottesdienstverhältnisse zu unternehmen. Thomas Mann in Palästina Jerusalem, 24. März. (J. T. A.) Thomas Mann, der gegenwärtig eine Reise durch ganz Palästina macht, traf heute m Tel-Awi w ein und machte einen Rundgang durch die Stadt Er traf in Tel-Awiw mit hebräischen Schriftstellern zusammen und gab seiner Freude Ausdruck, daß hebräische Ausgaben seiner Bücher veranstaltet werden. Pressesdiau In ״The New Judaea“ (London) erschien ein Artikel von Mrs. D u g d a I e , der Nichte Lord Balfours, der sich scharf gegen die Broschüre von Dr. Magnes ״Wie alle Völker?“ wen* det. Der Artikel, der die Runde durch einen großen Teil der zionistischen Presse machte, wendet sich dagegen, daß Dr. Magnes bedauert, daß die Juden nicht selbst rechtzeitig die Rechte der Bevölkerung, in einem gewissen Ausmaß an der Regierung des Landes teilzunehmen, anerkannt haben. Die britischen Freunde des Zionismus könnten die jüdische Sache schwer vertreten, wenn die Juden ein so zartes Gewissen haben. Weiter meint die Verfasserin, daß Dr. Magnes den Wert der Balfour-Deklaration bagatellisiere, während in Wirklichkeit auch das hebräische Kulturleben, das Magnes fordert, auf den britisehen Schutz angewiesen sei. Im ״Dawar“ äußert sich M. Beifinson zu einem Artikcl des arabischen ״Falastin“, der die Beseitigung der Todesurteile gefordert hatte. Das arabische Blatt hatte darauf hingewiesen, daß die Mordtaten im Zustand einer großen Volks er regung ausgeführt wurden, als die Nachrichten über die Ermordung ihrer Volksgenossen in Jerusalem und über die Bedrohemg der moslemischen Heiligtümer die Araber erreichten, ohne daß sie die Richtigkeit dieser Nachrichten nachprüfen konnten. Aus diesem Zugeständnis des arabischen Blattes, so schreibt Beilinson, geht hervor, daß die judenfeindlichen Angriffe keineswegs, wie früher behauptet wurde, aus der Volks- Stimmung gegen den Zionismus entstanden sind, sondern durch die Verbreitung falscher Nachrichten. Was die Todesurteile selbst betrifft, so Schließt sich Beilinson dem Wunsche, die Urteile sollten nicht vollstreckt werden, an. Schon lange vor dem ״Falastin“ habe ״Dawar“ sich mehrmals in diesem Sinne geäußert, und die Konferenz der Arbeiterorganisation habe eine Resolution gegen die Todesstrafe angenommen. Wenn ״Falastin“ sagt, die Nichtvollstreckung der Todesurteile würde zum Frieden im Lande beitragen, dann sind auch wir gewiß bereit, schreibt B-, durch unsere Unterstützung dieses Vorschlags dem Frieden zu dienen. (Es sei daran erinnert, daß auch in der ״Jüd. Rundschau“ sofort nach den ersten Todesurteilen jüdische Stimmen laut geworden sind, die Todesurteile nicht zu vollstrecken. Am 31. Oktober hat in der Berliner Versammlung des Brith Schalom Dr. Martin Bube r die Forderung aufgestellt, die Jewish Agency möge in der Frage der Todesurteile intervenieren — eine Anregung, die freilich unseres Wissens bisher nicht auf gegriffen wurde. — A. d. R.) # In der ״Time s“ veröffentlichten zwei britische Parlaments- Mitglieder eine Zuschrift, worin ein Artikel der französischen Zeitung ״Orient“ in Beyrouth zitiert wird, die den Jerasalemer Mufti wegen einer Svmnathieerklärung für die syrisdien Araber heftig angreift Die Brief Schreiber fragen, ob die Regierung dulden könne, daß ein Mann, der von der Regierung sein Gehalt bezieht, in hetzerischer Weise in die Verhältnisse eines Nachbarstaates eingreife. Auf diese Zuschrift antwortet in der ״Times“ vom 22. d. Mts. Dscbemal Husseini, der darauf hinweist, es handle sich um eine religiöse Angelegenheit, und in solchen Fragen seien alle Moslems einig. Der Großmufti sei kein Regierungsbeamter, sondern ein vom Volk gewähltes religiöses Oberhaupt; als Verwalter der religiösen Gerichtshöfe, deren Gebühren von der Regierung eingezogen werden, beziehe er die Hälfte seines Gehalts aus diesen Quellen. Dschemal be- ,streifet ferner, daß dfr Qroßnjufti, durch ein Manifest die Augustunruhen hervorgerufen hat; er habe vielmehr in einer Proklamation einige Tage nach den Unruhen auf Ersuchen der Regierung die Bevölkerung beruhigt, wofür ihm die Behörden ausdrücklich den Dank ausgesprochen haben. Der Großmuftj, so fährt der Brief fort, ist nicht nur die größte moslemisehe Autorität in Palästina, sondern er hat den größten Einfluß auf die ganze moslemische Welt. — In ihrer Erwiderung in ״Times“ vom 26. März weisen die beiden Abgeordneten V. A. Cazalet und F. Kingsley-Griffith darauf hin, daß Dschemal die beiden wichtigsten Tatsachen, nämlich Einmischung des Mufti in syrische Angelegenheiten und Besoldung des Muni durch die Regierung, zugegeben habe. Die Einsender protestieren nochmals gegen diese unfreundliche Handlung gegen eine befreundete (die französische) Regierung. (Der Mufti kommt bekanntlich dieser Tage als Mitglied der arabisehen Delegation nach London. — A. d. R.) Gemeinde - Wahlen In Hamburg Von unserem Berichterstatter. Die Repräsentantemvahlcn am 20. d. M. haben folgende Resultate ergeben: Gewählt sind: 7 Liberale (bisher 10), 4 Jüdische Volkspartei (bisher 3), 4 Handwerker (bisher 2), 3 Achduth (bisher 4), 3 Unpolit. Konservative (bish. 2 Agudlsten). Die vier Volksparteiler sind: Frau Dr. Caro (Nichtzionistin) und die drei Zionisten Simon Horowitz (Ostjude), Dr. Marx (Vorsitzender des Bar Kochba) und Dr. Kalmus. Auf den beiden konservativen Listen sind vier Misrachisten gewählt worden. Die Liberalen haben eine offenkundige Niederlage erlitten; ihre Liste erhielt (nach der vorläufigen Zählung) 2148 Stimmen, die volksparteiliche als nächststärkste 1333, dann folgt die der Unpolitisch-Konservativen (Extrem- Orthodox.) mit 1065, die der Handwerker mit 1032, der Achduth mit 910, die der Jüdischen Sozialisten mit 262. Leider gingen diese wohl überwiegend zionistischen Stimmen gänzlich verloren, da die Sozialisten Listenverbindung abgelehnt haben. Ara Vorabend der Wahl fand eine von ca, 1200 Personen besuchte Wahlversammlung der Jüdischen Volkspartci statt, auf der Direktor Kareski in D/sstündiger Rede die Ziele und die in Berlin geleistete Arbeit der Volkspartet darlegte und sti'trmischen Beifall fand. Die Moskauer Synagoge wird weht beschlagnahm! Moskau, 20. März. (J.T. A.) Bekanntlich hat der Moskauer Stadtsowjet am 15. Februar d. J. an die Moskauer Jüdische Gemeinde die Aufforderung gerichtet, die Moskauer Große Synagoge binnen 14 Tagen dem Verein der Athei s t e n zu übergeben, der in der Großen Synagoge seine Hauptbüros unterbringen will. Die Jüdische Gemeinde hat gegen den Entscheid des Moskauer Stadtsowjets an das Zentralexekutivkomitee der Sowjetunion appelliert. Wie der J. T. A.-Vertreter erfährt, besteht in den Kreisen des Zentralexekutivkomitees keine Neigung, dem Beschluß des Stadtsowjets wegen Beschlagnahme der Synagoge die Sanktion zu erteilen. Ein hoher Sowjetbeamter erklärte dem J. T. A.-Vertreter gegenüber: Solange die Erlöserkirche in Moskau, die die größte Kirche in der Sowjetunion ist, nicht beschlagnahmt wiid, solange habt Ihr Juden eine Beschlagnahme Eurer Großen Svn agoge nicht zu befürchten.