Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1930)
- Date
- 1930-03-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 170 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 25, 28. m 1930 Die Agency-Tagung. Weizmanns Referat (Fortsetzung von der 2. Seite.) In den! Augenblick, an dem das arabische Volk sich darüber klar ist, daß wir mit Recht in Palästina sind, werden wir bereit sein, einen gemeinsamen tnodus vivendi zu suchen. Aber eine Bedingung muß dem vorangehen: Die britische Regierung muß ihre Verpflichtungen gegentiberden Juden nach dem Geist u n cf dem Buchstaben des Mandates durchführen. Für uns sind die 160000 Juden, die bereits in Palästina leben, nicht das Ziel; cjiese 160 000 Juden sind nur die Vorhut großer Massen, die heute in Osteuropa in Druck und Zer- Streuung leben. Weder die Juden noch die Welt können diese Zerstückelung länger zulassen, man darf keine Anstrengung scheuen, um Raum wenigstens für einen Teil dieser Juden zu schaffen. Mit anderen Worten, wir betrachten dieses Problem als einen Teil des großen Jüdischen Problems, das auf uns und auf der Welt lastet. Schon aus diesem Grunde dürfen wir das Nationalheim nicht verkleinern; wir würden sonst vor dem Tribunal der Geschichte als Feiglinge gebrandmarkt werden. Wir gehen schweren Zeiten entgegen, aber diese Zeiten werden nicht dunkler sein als andere Perioden unserer Geschichte. Das Administrative Committee der Jewish Agency muß den Ruf zu einer großen Tat ergehen lassen. Schon heute gibt es Tausende junger Leute in Palästina, die landwirtschaftlieh geschult sind und die leidenschaftlich danach streben, auf das Land zu gehen. Wir haben den Boden für sie, wir haben auch die landwirtschaftlichen Methoden. Aber es fehlt an Geld und Ansporn. Diesen Willen und dieses Geld muß diese Tagung schaffen. Ich stimme mit vielem, was Brandeis esagt hat, nicht überein. In meiner zionistischen Laufbahn abe ich oft den Degen mit ihm kreuzen müssen. Aber in einem hat er recht: Die Basis für weitere politische Aktionen muß ernste praktische Arbeit in Palästina sein; anderenfalls würden unsere politischen Bemühungen nichts anderes sein als eine leerlaufende Maschine. Wir werden die Völker der Welt von unserem Rechte überzeugen, wenn wir unsere Arbeit in Palästina in einem schnelleren Tempo als bisher fortführen. % Oscar Wassermanns Budget-Bericht Herr Oscar Wassermann referierte über das bereits in Zürich angenommene Budget. Wegen der ungenügenden Eingänge in den ersten fünf Monaten des neuen vom 1. Oktober 1929 bis 30. September 1930 laufenden Finanzjahres konnte der Keren Hajessod der Executive nur 81000 statt 194 000 Pfund zur Verfügung stellen. Eine solche Situation ist für die Dauer unerträglich. Als Vorsitzender des Keren Hajessod hätte er vielleicht Anlaß, pessimistisch zu sein, aber er sei es doch nicht, weil ja das für den Palestine Eraergency Fund aufgebrachte Geld die Arbeite- und Erwerbsmöglichkeiten des Jischuw beträchtlich vermehrt hat; es sei damit zu rechnen, daß, die Eingänge für den Keren Hajessod hinzugerechnet, im Verlauf des Budgetjahres voraussichtlich mehr Geld in das Land kommen wird, als ursprünglich Im Budget vorausgeschen war, das zu einer Zeit beschlossen wurde, als man von einem Emergency Fund nicht geträumt hat. Jeder müsse nun sein Aeaßerstes tun, um den Keren Hafessod In den restlichen Monaten dieses Jahres zu fördern, damit das festgesetzte Budget voll gedeckt werde. Er hoffe, daß man in wenigen Jahren von früheren Ver- Pachtungen frei sein und alle Geldeingänge der I m m i - gration und Kolonisation wird zuwenden können. Wenn, wie wir alle erwarten, der amerikanische ״Drive“ ein Erfolg wird, dann würden wir alle neue Hoffnung schöpfen. Aber auch außerhalb Amerikas müßten erhöhte Anstrengungen gemacht werden. Redner empfahl sorgfältiges Studium der Frage, ob die in verschiedenen Ländern zu verzeichnende Abnahme der Eingänge entweder auf Mängel in der Organisation oder auf vorübergehende Wirtschaftsdepression zurückzuführen ist. In solchen Ländern ist die Sammeltätigkeit wieder aufzunehmen, sobald die Verhältnisse es gestatten. Unter allen Umständen muß der im Budget festgesetzte Betrag aufgebracht werden; diesem Ziele müssen alle Anstrengungen, muß alle Begeisterung zugewandt werden; das Budget muß sogar überschritten werden. Wir sollten unseren Stolz darein setzen, in gemeinsanier Arbeit einen Ueberschuß über die Budget-Voranschläge zu erziele#. Nur dann würde unser Werk den von uns gewünschten Fortschritt erzielt haben. Debatte und Kommissionen Im Anschluß an die Referate von Warburg, Weizmanr. und Wassermann wurde die Generaldebatte eröffnet Die Debatte beschäftigte sich in erster Linie mit den organisatirischen Vorschlägen von Herrn Warburg. Im Mittelpunkt stand die Frage der Kompetenz der Exekutive und der Dezentralisation der Verwaltung der Agency in Palästina. Es sprachen folgende Redner: Zuerst die Zionisten: Dr. Ch. Arlosoroff, Dr. M. Soloweitschik, Kurt Blumenf eld; dann die Nichtzionisten: Dr. Cyrus Adler (Amerika), Major Nathan (England), d’Avigdor G 01 d s m i d (England), sodann Leonhard Stein (England); zum Schluß erwiderte Felix Warburg, hierauf sprach noch Herr S 0 k o 1 o w. Das Administrative Committee wählte für die Dauer der Sitzung eine Anzahl von Kommissionen, die das Material für die Beschlußfassung vorberoiten, und zwar: Organisationskomitec: Supraksy, Bublick, Remez, Kaplan, Halpern, Soloweitschik und die Nichtzionisten d’Avigdor Goldsmid, Hyman, Simon, Warburg. Politisches Komitee: Blumenfeld, Ussischkin, Farbstein, Locker, Silberschein, Motzkin und Nichtzionisten Cyrus Adler, Alexander Kahn, Major Nathan, Wolf und Karl Halpern. Komitee für Finanz- und Wirtschaftsangc- 1 ege nheiten: Bertliold Feiwel, Marks, Levite, Teitelbaum, Arle§oroff, und Nichtzionisten Oscar Wassermann, Becker, Alexander Kahn und Julius Simon. Auf Vorschlag des Vorsitzenden Herrn Warburg wurde die Wahl der folgenden Mitglieder in die Hauptverwaltung des Keren Hajessod bestätigt: Dr. Visser, Haag, Werner Kahn, Solomon Löwenstein und Bressler. Bei Redaktionsschluß dauert die Londoner Sitzung noch an. Es verlautet weiter, daß noch während der Tagung des Administrative Committee Dr. Weizmann und Felix Warburg Besprechungen mit maßgebenden Persönlichkeiten des britischen Kabinetts haben werden. Präsenz-Liste des Administrative Commitee An der Sitzung nehmen teil: Felix Warburg, Vorsitzender; Dr. Ch. Weizmann, Präsident der Jewish Agency; Nahum Sokolow, Präsident der Zionistisehen Exekutive; Rabbi M. Berlin, Dr. Runpin, Prof. Brodetsky, die Herren Sacher, Lipsky, Kaplansky, Roscnblüth, Barth — Mitglieder der Zion. Exekutive. Ferner die folgenden Mitglieder oder Ersatzmitglieder des Administrative Committee: Dr. A. Coralnik (New York) für Mr. Rothenberg, Simon Marks (London) für Richter William Lewis, J. Suprasky (Tel-Awiw) für A. 1. Freiman, Lord Melchett (London), M. M. Ussischkin (Jerusalem), Kurt Blumenfeld (Berlin), Dr. B. Feiwel (London), L. Motzkin (Paris), H. Farbstein (Warschau), G. Bublick (New York), Rabbi A. Teitelbaum (New York), A. Harzfeld (Tel-Awiw), D. Remez (Tel-Awiw), B. Locker (New York), Dr. Ch. Arlosoroff (Tel- CAwiw), E. Kaplan (Tel-Awiw), Dr. A. Silberschein (Lemberg], Dr. M. Soloweitschik (Berlin), Leon Levite (Warschau), Dr. G. Halpern (Hamburg, zeitweilig für Lord Melchett), Dr. C. Adler (auch für Dr. Lee K. Frankel, New York), J. Becker (New York), ). C. Hyman (New York) für M. Elsässer, Julius Simon (New ׳York) für Bernard Lehmann, Major H. L. Nathan (London), O. E. D’Avigdor Goldsmid (London), Dr. K. Halpern (Stanislau), Oscar Wassermann (Berlin), Dr. B. Kahn (Berlin) für Rabb. Dr. Leo Baeck, Dr. G. Wolff (Kowno) für Senator O. O. Grusenberg, Dr. A. Hantke und Leib Jaffe (Jerusalem) für das Direktorium des KH, Berl Kaznelson (Tel-Awiw) für den KKL. MacDonald Aber den Shaw-Bericht Anfragen im Unterhaus. In Erwiderung auf die Frage von Major EHiot im Unterhaus, ob die Regierung ihre Meinung aufrechterhalte, daß die Fragen höherer Politik mit Bezug auf Palästina außerhalb des Aufgabenkreises der Shaw-Kommission gelegen sind und von deren Bericht nicht berührt werden können, erwiderte der Premierminister MacDonald: Ueber Fragen höherer Politik hat einzig und allein die Regierung zu entscheiden. Die Regierung hat schon im September 1929 bekanntgegeben, daß sie nach Erhalt des Berichtes der Shaw-Kommission darüber Erwägungen anstellen würde, nach welchen Richtlinien innerhalb der Bestimmungen des Mandates die zukünftige Politik in Palästina geleitet werden kann. Ich möchte aber nicht mich darauf festlegen, daß die Schlußfolgerungen der Regierung von dem Bericht der Kornmisslon ״nicht berührt“ werden. Major Elliot: kann der Prime-Minister sagen, daß sie insoweit nicht berührt werden werden, als ein A b w e I c h e n von den Bestimmungen des Mandates nicht in Frage kommt? MacDonald: gewiß; ich mußte mich nur verwahren, weil die Frage sehr weitgehend war. Ward law Milne: Beabsichtigt die Regierung, nach Erhalt des Berichtes eine ״Royal Commission“ einzusetzen oder selbst eine Entscheidung zu treffen? MacDonald: Möge das Haus sich gedulden, das ist eben einer der Punkte, die wir nach Beendigung des Studiums des Berichts einer Prüfung unterziehen werden. Ward La w Milne: Bedeutet die Antwort, daß diese Kommission endgültig ausgeschlossen ist? ד- Mac• Donald: Nein. Rahlger Partm io Tel-Awiw (Von unserem palästinensischen Korrespondenten.) AG Tel-Awiw, den 18. März 1930. Wie jedes Jahr wurden auch dieses Mal die Vorbereitungen für den traditionell gewordenen Karnevalsumzug zu Purim in Tel-Awiw getroffen. Es war schon das Fest angesetzt, auf dem die ״Königin Esther“' der Stadt Tel-Awiw gewählt werden spllte. Da erhob sich Einspruch von verschiedensten Seiten. In der Presse, von Einzelpersonen, vom Rabbinat aus wurden Proteste laut. Man wandte sich gegen die Veranstaltung eines Karneval in einer Zeit, die noch von den Unruhen des August überschattet wurde. Und es gab auch Stimmen, die sich gegen die Gesamthaltung dieser Feier wandten, gegen die Wahl einer ״Schönheitskönigin“ und die Form des Karnevals, der jüdischen Ideen nicht entspräche, gegen die Betonung des Purimfestes überhaupt. Der Karnevalsumzug wurde abgesagt, die Wahl der Königin Esther fiel aus, auch die Kinderumzüge verschwanden vom Programm. Das Volksfest, das Purim der Straße, wurde dar durch völlig verwandelt. ln den früheren Jahren hatten sich um diese Zeit Tausende von Besuchern aus allen Städten und Kolonien des Landes in Tel-Awiw ein gefunden. Auch viele Touristen pflegten es so einzurichten, daß sie zu Purim in Tel-Awiw waren. Und die Stra- Ben der Stadt waren in den Feiertagen so gedrängt voll, daß man eher auf eine Bevölkerung von einer Viertel Million als auf die tatsächlich vorhandenen Vierzigtausend hätte schließen können. Dieses Jahr war von alledem wenig zu spüren. Die Zahl der Besucher aus dem Lande war viel geringer als in früheren Jahren und auch Fremde waren nicht viel zu sehen. Die Touristenbewegung ist in diesem Jahre als Folge der Augustunruhen schwächer als sonst und das machte sich auch in den Hotels und Pensionen bemerkbar, die sonst um diese Zeit bis auf den letzten Platz überfüllt sind. Es gab auch wenig Masken auf den Straßen und während sonst jedes Kind irgendwie herausgeputzt war, sah man dieses Mal nur einzelne Gruppen. Was für Tel-Awiw, den Mittelpunkt dieses Festes, gilt, ist auch für Haifa und Jerusalem zu sagen. Es gab also dieses Jahr kein Fest unter freiem Himmel und am Tage. Drei Nächte hindurch aber wurde Purim in geschlossenen Räumen gefeiert. Auf dem großen Ausstellungsgelände fanden die drei traditionellen Maskenbälle statt, die der Tänzer Agadati Jahr um Jahr dort vorbereifet. Dazu kamen die Veranstaltungen des Arbeitertheaters ״Ohel“, das den neuen Bau der Oper für drei Nächte beschlagnahmt hatte, verschiedene andere öffentliche Bälle und schließlich eine Unzahl privater Feste, an denen sich Jung und Alt beteiligte. Man hat trotz allem drei Nächte mit großer Begeisterung durchgetanzt und sich alle Mühe gegeben, die schweren Zeiten für eine Weile zu vergessen. Mit dem Fortfall des Karnevalumzuges, der durch lokale und politische Anspielungen und Satiren charakteristisch ist, verlor Purim dieses Mal seine spezifische Note. Das einzige,'was auffiel, war eine Reihe von Masken, die politische Motive verwendeten. Darstellungen der Untersuchungskommission, der Balfourdeklaration und ähnliches. Davon und von einer gelegentüch auftauchenden ״Horra“ abgesehen, war es ein ״normaler“ Fasching, lustig, gut gelaunt, ohne besondere nationale Prätensionen und Formen. Es war als wenn die Stadt von den vielen Aufregungen und der Spannung der letzten Zeit ausruhen wollte. Und das ist auch vielen gelungen. Ballonr-Band des Goldenen Baches in der Sitzung von Freitag, 21. d. M״ nachmittags, nahm das Aktlons-Comitä mit begeisterter Zustimmung einmütig einen von Dr. Welzmann im Namen der Zionistischen Exekutive gestellten Antrag an, demgemäß der Jüdische Natlonallonds einen besonderen Balf our-Band des Goldenen Buches des Jüdischen Nationalfonds anlegt, der für 5000 Eintragungen Raum haben soll. An die jüdischen Gemeinden, Institutionen und Organisationen ln der ganzen Welt wird appelliert, bis zur nächsten Tagung des Aktions-Comites ihre Namen ln das Balfour-Buch des Natlonallonds einzutragen, wobei erwartet wird, daß bis dahin alle 5000 Eintragungen gesichert sein werden. In der nächsten A.-C.-Sitzung wird die Zionistische Exekutive nach Einvernehmen mit dem Direktorium des Jüdischen Nationalfonds einen Plan unterbreiten, wofür der Ertrag der 5000 Eintragungen verwendet werden soll; es soll jedenfalls eine Institution zum Gedächtnis Lord Balfours geschaffen werden. Die Trauer um Ballour Dr. Weizmann und Felix Warburg ,wohnten de•» Balfour-Gedcnkgottesdienst in der Westminster Abbey bei. Die Jewish Agency sandte zur Bestattungsfeier einen Kranz mit der Inschrift: ״Zur Erinnerung an den größten Freund des jüdischen Volkes von der Jewish Agency für Palästina“. Die englische Zionistische Föderation sandte einen Kranz mit der Inschrift: ״In dankbarer Erinnerung an einen großen Befürworter der Sache Israels“. Am Sonnabend, dem 22. März, wurde in allen Synagogen Palästinas während des Sabbat-Gottesdienstes ein vom Oberrabbiner Kuk verfaßtes Gebet für Lord Balfour gesprochen. In allen Synagogen Englands wurde während der Sabbat-Gottesdienste am 22. März das El Moleh-Rachmim- Gebet für Lord Balfour gesprochen. Die englische Zionistische Föderation veranstaltet in diesen Tagen in der Albert Hall eine Gedenkversammlung für Balfour, in der Führer der drei politischen Parteien Englands Lord Balfours Arbeit für das Judentum in Palästina würdigen werden. Im rumänischen Senat hielten Dr. M. Ebner und Rabbiner Niemirover Gedenkreden auf Balfour. Der nichtjfidische Vizebfirgermeister Jerusalem, 24. März. (J. T. A.) Oberkommissar Sir John Chancellor hat den christlichen Vizebürgermeister von Jerusalem, Jakub Farad sch, den der Bürgermeister Ragheb Bey Nashashibi vor seiner Abreise nach London mit der Leitung des Bürgermeisteramtes betraut hat, in diesem Amte b e - stätigt, obwohl von Rechte wegen der jüdische Vizebürgermeister Cnaim Solomon, der die Würde des ersten Vizebürger־ meisters bekleidet und Repräsentant der größten Gemeinschaft in der Stadt ist, mit der interimistischen Leitung des Bürgermeisteramt es hätte betraut werden sollen. Von der jüdischen Bevölkerung wird diese Maßnahme als schweres Unrecht empfunden. Grape-Frncht ans Palästina Der Leiter der Verkaufs-Kooperative ״Pardess“, Mr. Rokach, führt in einem Artikel in der hebräischen Wochenschriit ״Bustenai“ aus, daß ln dieser Saison der Export der Grap.e-Früchte aus Palästina bereits erkennbaren Umfang angenommen habe. Mehr als 20 000 Kisten Grape-Frucht sind nach dem Auslande versandt worden. Die mit Grape-Frucht bebaute Fläche wird auf 4000 Dunam geschätzt: der Export dürfte In 6—7 Jahren bereits 500 000 Kisten jährlich befragen. Während die Orangen ln diesem Jahre auf den englischen Märkten sehr niedrige Preise erzielten, war der Preis für Grape-Frucht gut. Die« Nettoeinnahmen für eine Kiste ergaben Höchsteinnahmen für den Pflanzer. Kleine Nachrichten Im Verlauf des Januar 1930 wanderten 555 Juden, 105 Christen und 15 Moslems in Palästina ein; 167 Juden, 29 Christen und 33 Moslems verließen in dem gleichen Monat das Land. Im Dezember 1929 wanderten 517 Juden ein, 128 Juden wanderten aus. Im Hinblick auf die herannahenden großen N e b i M usa - F״eiertage der Araber, bei denen die Stimmung oft eine unruhige ist und nicht selten in Ausschreitungen ausartet, hat die Regierung Schutzvorkehrungen getroffen. Starke militärische Streitkräfte werden in der Zeit vom 10. bis 20. April für die Aufrechterhaltung der Ordnung in und um Jerusalem sorgen. König Alexander von Jugoslawien hat dem Keren Kajemeth Lejisrael zur Pflanzung von Bäumen im ״König Peter der Befreier-Wald“, der vor kurzem in Ginegar in der Nähe des Balfour-Waldes in Palästina eingeweint wurde, 3000 Dinar überwiesen. Es ist in der Geschichte des Keren Kajemeth das erste Mal, daß ihm von einem Staatsoberhaupt eine Spende übermittelt wird. Im Verlauf des Jahres 1929 sind 16347 Juden aus allen Teilen der Welt in die Vereinigten Staaten eingewandert; das ist ungefähr ein Drittel der Gesamtzahl der jüdischen Wanderer, die sich im Jahre 1929 in ein anderes Land begaben. In Gaza wurden fünf und in Jaffa zwei Araber wegen Aufhetzung zum Angriff auf die jüdische Kolonie BeerT uvia verhaftet. Von den in Jaffa Verhafteten ist einer Mitglied des Redaktionsstabes von ״Falastin“, dem Organ der arabischen Exekutive. Das ״Nathan und Lena Strauß Gesundheitszentrum“ in Jerusalem hat kürzlich eine besondere Abteilung für Diätetik eröffnet. Die jüdische Siedlung Ramath Rachel, der Siedlungsplatz des Gdud Awodah bei Jerusalem, die während der Unruhen zerstört wurde, wird jetzt wieder besiedelt werden. Die Regierung hat die Genehmigung für das Halten von Waffen in Ramath Rachel erteilt. (Ziko.) Jüdische Kolonien in der Ebene Sharon, unter ihnen Kfar Saba, Herzliah, Raananah, Ain Chai, Ramath Sharon, Klrjath Schmuei, Ramathajim und Hadar, haben sich zu einer großen Orangen - Zone vereinigt und beschlossen, die wirfschaftliche und kulturelle Arbeit gemeinsam zu führen. Die Gründungsversammlung der neuen Wirtschaftsvereinigung wurde in Raananah abgehalten; am kommenden Sonntag findet die erste Geschäftssitzung in Herzliah statt. An der der Boston er Universität angegtiederten Volkshochschule wurde der erste Kursus fürjiddischeSprache und Literatur in Anwesenheit von 400 Studenten, meist Studierenden der Bostoner Universität, feierlich eröffnet. Der Vorstand des Weltverbandes für das Liberale Judentum hat beschlossen, die dritte Weltkonferenz des liberalen Judentums für den 19. Juli 1930 nach London einzuberufen.