Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 24 (25.3.1930)
- Date
- 1930-03-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 24, 25. IT!.!030 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite!65 Für die Palatine Land Development Co. Ltd. Von Isaak Feuerring. I. Wer sich erinnert, mit welchem Interesse in früheren Zeiten jahrein jahraus die Ergebnisse der zionistischen Finanzinstitute verfolgt wurden, wird mit Bedauern die völlig veränderte Haihing des zionistischen Publikums in den letzten Jahren vermerken. Ohne Zweifel sind zum Teil daran die Institute selbst schuld, die früher in regelmäßigen, kürzeren Abständen in der zionistischen Presse ihre Bilanzen zu veröffentlichen pflegten. Heute erreichen diese Zahlen in den Jahresberichten, die dem Kongreß vorgelegt werden, nur einen kleinen Kreis. Natürlich ist das Abflauen des Interesses nicht nur auf diesen Mangel an Publizität zurückzuführen. Die überragende Stellung, die die Fonds in der zionistischen Arbeit in den Nachkriegsjahren einnehmen mußten, haben das Interesse für die wirtschaftlichen Institute in den Hintergrund treten lassen. Verhält es sich aber bei den Banken so, daß das breite zionistische Publikum nur in geringem Maße berufen sein kann, die Tätigkeit dieser Institute zu Fördern, so liegen die Dinge völlig anders bei der PLDC. Diese Gesellschaft ist in hohem Maße auf das Interesse der Zionisten angewiesen — nicht nur, weil sie sich mit ihrer direkten Tätigkeit, nämlich der Ueberführung von palästinensischem Boden ln jüdische Hände, neben dem KKL., fast ausschließlich an das palästinensisch interessierte Publikum wenden muß, sondern, weil die Erhöhung des Kapitals der PLDC., die von allen Sachkennern als notwendig empfunden wird, nur dann Aussicht auf Verwirklichung hat, wenn einerseits mit der Zeit sich beim zionistischen Publilaim allmählich ein stärkeres Kaufinteresse für die Aktien der PLDC. durchsetzt, und wenn vor allem sich in den maßgebenden zionistischen Gremien endlich die Erkenntnis bahnbricht, daß die Aktivierung der PLDC. nicht länger aufgeschoben werden kann, wenn nicht ein wichtiger Teil unserer Arbeit im Lande eine Gefährdung erfahren soll. H. Das ״Aschenbrödel“ der Organisation nannte Adolf Böhm die PLDC. in einem Artikel, der in Nr. 17 dieser Zeitung veröffentlicht war. Wer sich mit der langjährigen Arbeit der PLDC. beschäftigt, wird nur zu gut ermessen, wie recht er damit hat! Es lohnt darum wohl, etwas näher auf die Tätigkeit und dm gegenwärtigen Stand der PLDC. einzugehen, deren provisarische Bilanzzahlen per Ende 1929 jetzt vorliegen. Daß der Bodenerwerb in Palästina mit Schwierigkeiten verknüpft ist, die in anderen Ländern kaum ihresgleichen finden, daß darum für Bodenkauf eine besondere Organisation notwendig ist, die sich in langer, mühevoller Arbeit eine Schulung auf diesem Gebiete angeeignet hat, dürfte ohne weiteres verständlich sein. Diese Schwierigkeiten sind heute weit größer geworden, wo wir nicht mehr die einzigen Bodenkäufer sind, sondern mit einer nichtjüdischen Konkurrenz zu rechnen haben, die insofern besser als wir postiert sein dürfte, als sie es voraussichtlich nicht mit der gegnerischen Stimmung bei dem Erwerb und vor allem bei der praktischen Inbesitznahme zu tun haben wird. Um so wertvoller wird es heute sein, über die Erfahrung der PLDC. verfügen zu können, die auf diesem Gebiet eine Pionierarbeit geleistet hat, welche dem ganzen zionistisehen Werk in hohem Maße zugute kam, die aber der mit Kapital nur ungenügend ausgerüsteten Gesellschaft selbst nicht Immer gut bekommen ist: dies insbesondere auch deswegen, 'wä »etsfenä.gteräiie‘zu den: Zeiten» zu denen die PLDC einer temporär stärkeren, finanziellen Unterstützung seitens der zlo* nistischen Organisation bedurft hätte, die gewünschte Hilfe nicht gewährt wurde — wahrscheinlich größtenteils allerdings auch nicht gewährt werden konnte. Kein Wunder also, daß in der Zeit der IV. Alijah der großen Boden-Nachfrage des jüdischen Publikums aller Länder seitens der PLDC. kaum genügt werden konnte, daß aber dann, als infolge der Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation in Ost-Europa die unvorbereitet begonnene Alijah jäh abbrach, auch die PLDC in eine außerordentlich unbequeme Lage geriet! Ein großer Teil der Bodenkäufer sah sich plötzlich vor die Unmöglichkeit gestellt, seinen Verdichtungen nachzukommen. Ehe PLDC aber mußte ihrerseits den gekauften Boden von den arabisehen Verkäufern übernehmen. In einer großen Zahl von Fällen war die PLDC. gezwungen, mit ihren Käufern eingegangene Verträge zu annullieren, weil die Situation dieser Käufer sich so verändert hatte, daß eine Durchführung der Transaktionen nicht mehr möglich erschien. Die Auseinandersetzung nahm außerordentlich viel Zeit in Anspruch — ja sie dauert zum Teil noch heute an. Wertvolle Zeit, in der es der PLDC. leicht möglich gewesen wäre, für diese Böden anderen Absatz zu finden, ging verloren. Besondere Schwierigkeiten gesellten sich durch das Versagen der ״American Zion Commonwealth“ hinzu, (mit der die PLDC. im Vertrauen aut den Zusammenhang dieser Gesellschaft mit der American Zionist Federation gearbeitet hatte). III. So konnte in den Jahren nach der IV. Alijah die Tätigkeit der PLDC. im wesentlichen nur eine konsolidierende sein. Es mußte mit allen Mitteln versucht werden, den großen Bodenbestand, der der PLDC. damals verblieben war, allmählieh und vorsichtig zu liquidieren, andererseits aber doch die grundlegenden Plane, deren Durchführung seinerzeit eingeleitet worden war, zum Abschluß zu bringen. Wir konnten gerade in den letzten Monaten beobachten, wie wertvoll es war, daß die PLDC. den seinerzeit in guter Voraussicht erworbenen Merkas Mischari (Handelszentrum) in Jerusalem für diejenigen jüdischen Kauflcute zur Verfügung stellen konnte, die ihre langgehegten Pläne, ihre Läden aus der alten Bazarstadt Jerusalems in ein neues kaufmännisches Viertel zu verlegen, jetzt nach den Unruhen verwirklichen wollten. Eine ähnliche Konzentrationsbewegung (für Wohnviertel) machte sich nach den Unruhen in Haifa bemerkbar. — Die Ueberführung und Erschließung des Karmelgebiets in jfldisehen Besitz muß als besonderes Verdienst der PLDC. gebucht werden. Noch wird manches Jahr vergehen, bis das Wohnviertel dort vollendet sein wird. Die Ansitze dazu sind aber vorhanden, und bei der Entwicklung, die gerade der Stadt Haifa unzweifelhaft bevorsteht, ist anzunehmen, daß eine wachsende Zahl von an Palästina Interessierten darangehen wird, sich auf diesem — auch für Palästina in seiner landschaftlichen Schönheit einzigartigen und in seiner Ausdehnung nicht unbescb'änkten — Gebiet, rechtzeitig ein Grundstück zu sichern. Die Bilanz-Zahlen per Ende 1929 zeigen die PLDC. in einem erfreulichen Fortschritt der Konzentration. Von den schwer realisierbaren landwirtschaftlichen Böden — wo die PLDC. Transaktionen gewissermaßen als Vorläuferin des KKL. auszuführen pflegte — ist ein großer Teil realisiert worden. Zeigte die Bilanz per 31. Dezember 1925 an landwirtschaftlichen Böden noch einen Besitz von zirka £ 109000, so ist Ende 1929 eine Ermäßigung auf zirka £ 42000 erfolgt. Vor allem aber zeigt s>*h ein Fortschritt in der Konsolidierung der Schulden. Ende 1925 betrugen die Verpflichtungen der PLDC. zirka £ 330 000, Ende 1929 dagegen nur zirka £ 186000. Davon sind etwa £ 10000 Obligationen, während ein bedeutender Betrag durch langfristige Hypotheken dargestellt wird, die der PLDC. im Augenblick noch keine Sorgen zu machen brauchen. IV. Sicherlich wäre ein Vielfaches der Leistungen erzielt worden, wenn der PLDC. andere Summen zur Verfügung gestanden hätten, sowohl an eigenem Kapital, als auch an Krediten zu den Zeitpunkten, zu denen sie sie gebraucht hätte. Noch heute beträgt das Aktienkapital nicht mehr als zirka £ 81 000. Kein Wunder, wenn bei dem im Verhältnis zum Aktienkapital viel zu hohem Umsatz seit Jahren die Dividendenzahlungen ausgebiieben sind, was wir keinsfalls als einen Vorteil für die Entwicklung der Gesellschaft betrachten können. Angesichts der anormalen Verhältnisse der letzten Jahre und der schwierigen Situaüon, in denen sich die Gesellschalt oft und zum großen Teil unverschuldet — befunden hat, erscheint eh geradezu verwunderlich, daß es ihr gelungen ist, nicht nur ihren Verpflichtungen nachzukommen, sondem auch ihre Tätigkeit fortzusetzen und dabei ihre Schulden zu reduzieren. Dabei ist es verständlich, daß die PLDC. in erster Reihe an die Erhaltung ihres Werks und nicht an eine Dividendenzahlung an ihre Aktionäre denken mußte. In Zukunft wird die PLDC. u. E. zum Teil allerdings einen anderen Weg gehen müssen, wenn sie mit Erfolg sich auf dem Gebiet betätigen will, daß das ureigentliche, für sie bestimmte ist. Es kann nicht die Aufgabe der PLCD. sein, für ihre eigene Rechnung langfristiges Geld in landwirtschaftlichen Böden zu investieren. Es ist vielmehr ihre Aufgabe, ihre langjährige Erfahrung als Kommissionärin in die Dienste des KKL. (der ein Vorkaufsrecht auf alle Böden der PLDC besitzt), und solcher privaten Kreise zu stellen, die an dem Ankauf von landwirtschaftlichen Böden interessiert sind. Eine Festlegung eigener Mittel dürfte höchstens in Fällen erfolgen, wo aller Voraussicht nach die Möglichkeit einer sehr raschen Abwicklung gegeben ist. Das Hauptgebiet der PLDC. bleibt die Parzellierung städtischen Bodens und dessen Ueberführung in jüdischen Besitz. Beschränkt die PLDC. sich auf diese beiden Gebiete, so müßte sie aller Erfahrung gemäß auch mit der Zeit zu einer räsonablen Rentabilität gelangen. Unseres Erachtens sollte sie — nachdem sie auf Grund der Gewinnzahlen des letzten Jahres dazu in der Lage ist — mit einem zunächst bescheidenen Prozentsatz ihre Dividenden- Zahlungen wieder aufnehmen, schon um diejenigen Zionisten, die kleinere Kapitalien in Palästina anzulegen wünschen, zu einem Aktienerwerb zu veranlassen. V. Für ihren großen Aufgabenkreis, der jetzt aktueller als je ist, wird die PLDC. allerdings nicht darauf warten können, bis aus dem Publikum langsam ihr durch Aktienerwerb Mittel zufließen. Sie wird vielmehr erwarten dürfen und verlangen, daß endlich die Beschlüsse der Kongresse zur Durchführung gelangen, die aus den Mitteln der Organisation eine einmalige bedeutende Erhöhung des Aktienkapit a 1 s forderten. Es scheint beinahe, daß es nicht genügen wird, damit zu warten, bis der vorgesehene Investment Trust der Agency, der an und für sich für die Fundierung der PLDC. die geeignete Basis abzugeben hätte (siehe Beschluß des letzten Kongresses) in Aktion getreten sein wird. U. E. wären raschere Maßnahmen notwendig, nachdem die Verhältnisse sich nun einmal so gestaltet haben, wie sie jetzt sind. Den in Betracht kommenden zionistischen Gremien kann nicht eindringlich genug geraten werden, nicht länger durch lavierende und vertagende Resolutionen über die Dinge hinwegzugehen. An dasjenige zionistische Publikum aber, das dazu in der Lage ist, muß erneut der Appell gerichtet werden, der Siedlungsarbeit in Palästina durch eigenen Erwerb von Bau-Parzellen einen neuen Anstoß zu geben. Diese persönliche Verknüpfung mit dem Boden Palästinas ist für denjenigen, der dazu in der Lage ist, eine zionistische Pflicht, die jenseits von Spenden und Fonds liegt, die aber für das Siedlungswerk mit der Zeit von gleicher, wenn nicht größerer Bedeutung werden kann. Die arabische Delegatton abgereist Jerusalem, 21. März. (J. T. A.) Die arabische Delegation hat am 20. März die so oft angesagte und immer wieder verschobene Reise nach London angetreten. Die arabische Exekutive richtete an alle arabischen Führer den Appell, von beabsichtigten neuen Parteigründungen abzusehen, da bereits 17 arabische Parteien bestehen. Als Vertreter des Großmufti während dessen Abwesenheit in London wird Hadsch Said el Shavva fungieren, ein reicher Effendi aus Gaza. ״Felestin“ und ״Meraat el Shark“ geben der Delegation die Mahnung aut den Weg, für die vollkommene Unabhängigkeit Pa- 11 s t i n a s zu kämpfen, andernfalls würde sie das Vertrauen des arabischen Volkes verlieren. Unter der Jerusalemer Judenheit herrscht große Empörung darüber, daß der Bürgermeister Ragheb Bey Nashashibi, der sich mit der arabischen Delegation nach London begab, mit der Leitung des Bürgermeisteramtes während seiner Abwesenheit den christlichen Vizebürgermeister von Jerusalem, Jakub Faradsch, betraut hat, obwohl er von Rechts wegen den jüdischen Vizebürgermeister Chaim Solom 0 n hätte betrauen sollen, der sowohl Im Hinblick aut die zahlenmäßige Ueberlegenheit der jüdischen Bevölkerung von Jerusalem und wegen seines höheren Alters als der erste Vize- Bürgermeister rangiert. Palästinensische Zionisten an die Diaspora Jerusalem, 9. März. (J. T. A.) Die vereinigten Gruppen der Allgemeinen Zionisten Palästinas, der palästinensische Misrachi und der Hapoel Hamisrachi beschlossen, die folgende Kundgebung an die Juden in der Diaspora zu richten: Ungeachtet der unersetzlichen Verluste, die das Palästina- Judentum durch die Ereignisse im August 1929 erlitten hat, ist der Jischuw in Palästina wirtschaftlich und geistig unerschüttert. Wir fordern eine verstärkte Einwanderung nach Palästina. Das jüdische Volk als der erste und ausschlaggebende Faktor beim Aufbau des* Jüdischen Nationaiheims muß seine Anstrengungen für diesen Aufbau verdoppeln, ja verdreifachen. In voller Erkenntnis unserer Verantwortung erklären wir, daß Palästina eine große Einwanderung absorbieren kann und daß in Stadt und Dorf, in Landwirtschaft und Industrie jüdisches Kapital gewinnbringend angelegt werden kann. Palästina wird sich wieder auf richten, wenn ihm die Hingabe aller Klassen unseres Volkes zuteil wird; wir richten an unsere jüdischen Brüder in der Diaspora die dringende Bitte, äußerste Anstrengungen zur Stärkung des Jüdischen Nationalfonds und des Keren Hajessod zu machen. Duisburg. Die Zionistische Vereinigung Duisburg veranstattet am Mittwoch, dem 26. März, abends 8V2 Uhr pünktlich, in der Städt. Tonhalle eine Trauerfeier für Lord Balfotir. Die Gedenkrede hält Herr Moses Waldmann, Berlin. Schwere Urteile gegen Jaden in der Türket Der Fall Niego. Konstantinopel, 17. März. (J.T.A.) Das Gericht in Konstantinopel hat neun Konstantinopler jüdische Bürger, die beschuldigt waren, im Sommer 1927 bei der Bestattung des von dem Türken Osman Ratiw Bey getöteten jüdischen Mädchens Elsa Niego gegen das Türkentum feindliche Rufe ausgestoßen zu haben, zu je einem JahrGefängnis verurteilt. Das Urteil hat unter den Juden der Türkei Empörung hervorgerufen. Der Fall Niego hat seinerzeit großes Aufsehen hervorgerufen. Elsa Niego, eine junge jüdische Büroangestellte, wurde von dem berüchtigten Lebemann Osman Ratiw Bey, Sproß einer einflußreichen türkischen Familie, mit Liebesanträgen verfolgt und, als sie dieselben konsequent zurückwies, von ihm in einer öffentlichen Anlage durch Schüsse getötet. Der Mörder wurde als ״nervenkrank“ einem Sanatorium übergeben. Bei der Bestattung der unglücklichen Elsa Niego haben einige Juden auf dem Friedhof die Schonung des Mörders durch die Gerichte gebrandmarkt und wurden nach einigen Tagen wegen angeblicher ״Beschimpfung des Türkentums“ verhaftet. Nach längerer Haft wurden sie gegen üeldbürgschaft auf freien Fuß gesetzt und erst jetzt zu der schweren Gefängnisstrafe verurteilt. Briefe an die Redaktion Zum Fall Magnes Berlin, 21. März 1930. Sehr geehrte Redaktion, Als Abiturient einer palästinensischen Schule erlaube ich mir, Ihnen folgendes zu sagen: Dr, Weltsch schreibt in Nr. 22 der ״J. R.“ über die Affäre Dr. Magnes. Er gebraucht dabei Worte und Vergleiche, die mir ebenso ein Schlag ins Gesicht sind, wie das Benehmen der Studenten kein Schlag in das Gesicht der jüdischen Nation ist Denn, was Dr. Weltsch schreibt, beweist, daß er die Atmosphäre der jüdischen Universität nicht versteht. Der Beweis liegt darin, daß Dr. Weltsch scheinbar nicht weiß, daß das Verhältnis zwischen Studenten und Professoren plus Kanzler in Palästina, ein anderes ist als das Verhältnis zwischen denselben Parteien in Deutschland und anderen Ländern. Es ist erschreckend, daß der Redakteur der offiziellen zionistischen Zeitung in Deutschland Vergleiche zieht und fragt, ob ״nicht die Aktion der antisemitischen Studenten in Prag gegen den Rektor Steinherz gerechtfertigt ist, wenn nicht von maßgebender jüdischer Stelle jetzt sofort und eindeutig den Jerusalemer Studenten die Meinung gesagt wird“. In Palästina wird versucht, ein gutes, freundschaftliebes Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern, Studenten und Professoren plus Kanzler herzustellen. Auf Grund dieses Verhältnisses fühlen sich die Studenten mitverantwortlieh für das, was ihr Kanzler tut und fassen eine Resolution. So war es auch in diesem Fall. Fritz David. Ich bin dem Einsender für diese Aufklärung dankbar. Ich konnte nicht vermuten, daß der Wunsch der Studenten, der Kanzler möge hinausgeworfen werden, nur auf das ״gute, freundschaftliche Verhältnis“ zwischen Studenten und Kanzler zurückzuführen ist. R. W. * Das Programm hebräischer Veranstaltungen. Berlin SW 68, den 18. März 1930. Sehr geehrte Redaktion! Die letzte Woche brachte mehrere hebräische Feste, so den Tel-Chaj-Abend des P. A. F., den Tschernichowski-Abend des Bar Kochba, das Purimfest des Beth Haam; vielleicht wäre auch der Liederabend Krupnik-Riasanzew dazu zu zählen. . am Herzen liegt, wird die Arrangierung solcher Veranstaltungen nur begrüßen, da Feste feiern ein gutes Stück Kultur einer Gemeinschaft bedeutet, da Feiern schöpferisch anregend sein können und solche Gelegenheiten manchen Menschen dem hebräischen Kreise näherbringen können, die sonst unerfaßbar sind. Jedoch muß jeder objektive Teilnehmer an diesen Feiern estehen, daß bisher noch sehr viel Sorgfalt und Vorsicht am latze ist, da wir ja noch von einem Stil sehr fern sind, damit nicht die entgegengesetzte Wirkung erreicht werde, die man erwartet. Es muß hervorgehoben werden, daß oft durch endlose oder krause Programme, durch Ueberschreiten der Grenzen der Möglichkeit, der Sinn der Feier geradezu beeinträchtigt wird. So werden ganz gute künstlerische Ansätze nicht genügend beachtet oder ihres Eindrucks beraubt durch Aufbieten eines überflüssigen Ballastes von Gesang, Spiel, Tanz, Deklamation usw. Wozu z. B. die vielen Operngesänge und das Schauspielen, das Nachäffen der ״Habitnah“, das in jedem Programm zu finden ist? Blieben wir in den Grenzen, die unseren volkstümlichen Kräften angemessen sind, so wären die Programme kürzer und wahrscheinlich geschmackvoller, anziehender und erzieherischer. Schließlich kommt es gerade beim Künstlerisehen doch weniger auf das Quantitative als auf das Qualitative an. ‘ Mordechaj Ehrenkranz. Ortsgruppen 1enverband Rechtsrheinland und Westfalen. In vier Städten 'des Bezirkes, und zwar Bielefeld, Hamborn, Elberfeld und Oberhausen, sprach im Zusammenhang mit der Purim- Peßaeh-Aktion des KKL. Herr Dr. Ernst Mechner, Berlin, über das Thema ״Bodenpolitik — eine Lebensfrage des Aufbau- Werkes“. Die Grundthese seines Vortrages, eine großzügige Bodenpolitik, die gleichzeitig ein estarke jüdische Einwanderung ermöglicht und durch die Förderung eines Uebergangs von der extensiven zur intensiven Fellachenwirtschaft auch als Instrument der Verständigung mit den arabischen Bauern dient, interessierte sehr. Ebenso fanden die schönen Lichtbilder aus dem Emek in den gut besuchten Versammlungen starken Beifall. Für die nächste Woche erwarten wir ebenfalls im Rahmen dieser Aktion in mehreren Orten (Dortmund, Gelsenkirchen, Essen, Köln, Düsseldorf und Bochum) Herrn Moses Waldmann. Den Vorträgen des überaus beliebten Redners wird mit großem Interesse entgegengesehen. Pforzheim. Von der Tätigkeit kleiner Ortsgruppen, wie es Pforzheim ist, oder besser gesagt, gegenüber der Vorkriegszeit durch die wirtschaftliche Not geworden ist, dringt selten etwas in die Oeffentlichkeit. Der Vortragsabend, den am 18. März die Ortsgruppe Pforzheim durch Herrn Rabbiner Dr. ürünewald aus Mannheim veranstaltete, war ein Ereignis und eine Kundgebung. Selten hat bisher hier ein Redner mit der Aneinanderreihung unbestreitbarer Tatsachen, durchpulst von einer Sprache stärksten Schwunges, so zu packen und mitzureißen verstanden. Dem Vorfrage folgte eine lehrreiche Ausspräche mit einem Agudisten, Da der Vorstand der Pforzheimer Gemeinde und Mitglieder des Synagogenrates bei dem Vortrage, der außerordentlich gut besucht war, anwesend waren, so wird es nunmehr Aufgabe der Ortsgruppe Pforzheim sein, die Auswertung durchzuführen, Dr. S.