Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1930)
- Date
- 1930-03-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 150 JUEDISCRE RUNDSCHAU Nr. 23, 21. IH 1930 Akademikerarbeit Zu der Anregung von Dr. Ucko in Nr. 8 der ״jüd. Rundschau“ sind eine Reihe von Aeußerungen eingegangen, von denen wir nachstehende wiedergeben: I. Zu dem ״Akademikerarbeit‘' betitelten Artikel Dr. Siegfried Uckas in der ״J. R." möchte ich, da es bisher anscheinend nicht geschehen ist, von Jerusalem aus ein Wort der Sympathie und des freudigen Interesses sagen. Es ist eine Existenzfrage für die Hebräische Universität, daß sie in mittelbarem und auch unmittelbarem, d. h. persönlichen Kantakt mit der Qaiutli stehe. In ersterer Hinsicht bereitet sieb jetzt nach Ueberwindung großer äußerer und innerer Scfnvierigkeiten eine grundsätzlich wichtige Maßnahme vor, die die Universität nicht nur mit der jüdischen Kulturarbeit hier, sondern mittelbar auch mit dem hebräischen Schulwesen der Gallith verbinden wird: der Uebergang der Reifeprüfungen der hebräischen Mittelschulen Palästinas in die Hände und Verantwortung einer Kommission, in der die Universität ausschlaggebcnd ist. An persönlicher Verknüpfung zwischen Galuth und Universität mangelt es noch, und hierin Wege zur Abhilfe zu finden, ist eine unabweisbare Forderung, da wenigstens nach meiner Meinung eine Lehr Universität für die Zwecke Palästinas allein heute nicht genügend Berechtigung hat. Die Vorbedingung ist gegeben: auf vielen Gebieten der judaistischen Wissenschaft, In Arabistik, Mathematik und (hoffentlich) bald auch In Biologie besteht hier akademischer Unterricht, der demjenigen auf einer besseren europäischen Universität gleichwertig bzw. überlegen ist. Die großen tech• nischen Schwierigkeiten anzugreifen und zu überwinden, Ist eine Aufgabe, an der sich vor allem auch die Studentenschaft hüben und drüben beteiligen sollte; über die Mittel dazu zu sprechen ist hier nicht der Ort, es mag etwa das Stichwort ״Austausch palästinensischer und europäischer Studenten auf 1 bis 2 Jahre“ genügen. Daß derartige Bestrebungen in weiten Kreisen der hiesigen Dozentenschaft auf Unterstützung rechnen können, steht für mich außer Zweifel Jerusalem, 2. Adar 5690. Alfred Fraenkel. II. Wir müssen Herrn Dr. Siegfried Ucko für seine Anregung herzlichen Dank aussprechen, wie wir für jeden neuen Weg, der uns die Möglichkeit einer engeren Verbundenheit mit dem Land unserer Zukunft vermittelt, nur dankbar sein können. Selbstverständlich, Schwierigkeiten sind zu überwinden, obgleich mir die wirtschaftliche Lösung nicht so ganz unmög- Ich scheint; vielleicht kann man pekuniäre Vergünstigungen für Reise, Unterkunft usw. für Studenten erreichen; außerdem denke ich an Sendboten- oder Austauschstudenten in der Weise, daß hüben und drüben freie oder ermäßigte Kost und Loris zur Verfügung gestellt werden. Schwieriger schon gestaltet sich die Frage, welche Stellung die Universitäten in Deutschland einnehmen werden. Es scheint mir nicht absolut sicher, daß von allen Fakultäten die — an der Hebräischen Universität studierten — Semester voll angcrechnet werden. Wesentlich leichter fällt die Fühlungnahme zu Palästina und die Erlangung einer guten Kenntnis des Landes — allerdings ohne gesteigerten Konnex mit der Universität in Jerusalem — den Studierenden der technischen Hochschulen, denen ein jahr praktischer handwerklicher Arbeit — in Fabriken, beim Bau, auf Montage oder bei Handwerkern — zur Pflicht gewacht wird, Dieses eine Jahr in Palästina zu arbeiten und gljisht'^lganserlrjgfcmdnssttnen Sache■ zu-.dlenettj ist dne:der schönsten Aufgaben ffir uhsete tehnisch äkMieÄilide Jugend. Was an Kenntnis der allermodernsten Arbeitsweisen vielleicht nicht (oder erst später) erworben werden kann — wird vielfach ersetzt durch Schärfung von technischem Gefühl, bedingt durch primitivere Arbeitsmethoden und den Zwang, sich häufiger als anderswo selbst helfen zu müssen, — wird vielfach überboten durch Erlangung einer guten Kenntnis von Land und Leuten, Sprache und Gewohnheiten, die, wer sie erst einmal kennengeiernt, erlebt hat, nur ungern meiden wird. Es sind mir einige so geartete Fälle bekannt, die durchaus von der Zweckmäßigkeit der Beschreibung dieses Weges Zeugnis ablegen können und eine starke Propagierung rechtfertigen. Ist es nicht möglich, in Verbindung mit dem Kartell jüdischer Verbindungen, dem jüdischen Studenten-Verein oder anderen Verbinden eine Stellenvermittlung und evtl, eine Wohnungsvermlttlung — unter Umständen an schon bestehende — einzuiichten? Ob die Beschreitung dieses Weges greifbare Erfolge aufweisen können wird, hängt lediglich — fast möchte man sagen ״leider“ — von der zionistischen Aktivität unseres Nachwuchäes ab. Dipl.-Ing. Karl Ernst Rosenthal, III. Es erscheint mir angebracht, sich vor der Erörterung der in dem Artikel obiger Ueberschrift angeregten Arbeit das zionistische Ziel klar vor Augen zu führen. Die Aufgabe des Zionismus kann meines Erachtens nur darin bestehen, ein geistiges Zentrum in Palästina zu schaffen, wo jüdisches Leben — ungehemmt von fremden Kultureinflüssen — sich frei entwickeln kann. Dieses geistige Zentrum soll dann befruchtend auf die Jüdischkeit des Galuth wirken, das in Gefahr ist, auch sein Letztes an Eigenkultur an die Umwelt zu verlieren. Faßt man die zionistische bzw. die jüdische Aufgabe in dieser Weise auf, so ergibt sich, daß ein Studium palästinensischer Studenten im Galuth nicht unbedingt erforderlich ist. Gerade die Existenz einer jüdischen Eigenkultur, die sich ja in Palästina frei von andersartigen Strömungen entwickeln soll, gibt unserem Aufbauwerke die innere Berech tigung. Dagegen tritt aus dieser Auffassung kraß die Notwendigkeif hervor, die jüdischen Studenten ein bis zwei Semester an der Universität Jerusalem verbringen zu lassen. Die Universität Jerusalem soll als Spenderin jüdischer Kultur auftreten, und dazu ist nötig, daß wir Galuthjuden in den Rhythmus eintreten, den das heilige Land uns angibt. Wir müssen uns auch seelisch und geistig auf Palästina einst eilen, wenn dieses Land tatsächlich aas geistige Zentrum für uns werden soll. Daß Studien jüdischer Studenten des Oaluth zu diesem großen Ziele unendlich viel beitragen, ist die dankenswerte Erkenntnis des Artikelschreibers. Wie die Förderung solcher Studienreisen zu bewerkstelligen ist? Das Ganze dürfte eine Oeldfrage sein, denn die Bereitwilligkeit jüdischer oder mindestens der zionistischen Studenten zu einem Aufenthalte in Palästina bei einem angemessenen Zuschuß darf vorausgesetzt werden. M. E. müßte der Landesverband von sich aus eine beträchtliche Summe für diesen Zweck auswerfen. Ferner wären die Gemeinden anzuweisen, in ihr Budget derartige Posten aufzunehmen. Schließlich denke ich noch an eigens ad hoc vorzunehmende Aktionen, welche von den Jewish Agency-Komitees einzuleiten wären. Die ganze Angelegenheit scheint mir keine Frage der ״Akademikerarbeit“ zu sein, sondern ein höchst persönliches Problem der Galuthjudenheit, deren eigenste Interessen damit berlhrt werden. Dr. Erwin Hamburger, Gieiwitz. HaMmah •Abend ln Düsseldorf Der Freundeskreis der Habimali in Düsseldorf veranstaltete im Hause von Frau Herta Weyi einen Aussprache-Abend über Wesen und Ziel der Habimah, zu dem neben den nächsten Freunden der Generalintendant Lindemann und Frau Intendantin Louise Dumont eingeladen hatten. Nach einleitenden Worten von Herrn R.-A. Jonas sprach Frau Margot Rosner-Klausner aus Berlin über die Ent- Wicklung der Habimah seit ihrer Begründung; sie gab eine Charakteristik dieses Theaters und legte die Pläne für die nähere und weitere Zukunft dar. Die Bedeutung der Habimah wird durch drei Komponenten bestimmt. Es ist eines der ganz wenigen Theater, die aus dem Volk selbst entstanden sind, und volkshaftes Empfinden in ihren Werken zur Darstellung bringen. Die Habimah hat ferner Millionen Menschen die hebräische Sprache zum Bewußtsein gebracht Die vornehmste Aufgabe der Habimah liegt aber in Palästina selbst Den kämpfenden und arbeitenden Menschen Palästinas entsteht in der Habimah ein Theater, das in ihrer eigenen Sprache und in ihrem eigenen Lande das Bild der jüdischen SeJe mit ihren Hoffnungen und Kämpfen gestaltet Nach dem Referat eröffnete die Aussprache Herr Rabb. Dr. Eschelbachcr. der ausführte: Die jüdische Bedeutung der Habimah liegt da: ji, daß sie, ausgehend von den Motiven des alten, religiösen Judentums, die modernen jüdischen Mensehen wieder ihrem alten Ursprung nahebringt. Bel der Habimah verbindet sich edelste Hieratlk mit größter Lebendigkeit. Regisseur S c h a r o w, der wie die Habimah aus der Schule Stanislawskis hervorgegangen ist, erzählte in eindringlicher Weise, wie die Habimah gekämpft und gelitten hat, bis sie diese künstlerische Höhe erreichen konnte. Es wäre eine große Unterlassungssünde, dieses beste Theater der Welt nicht zu erhalten. Die Neueinstudierung des Lustspiels ״Was Ihr wollt“ von Shakespeare mit dem berühmten Regisseur Tschechow läßt hoffen, daß die künftige Leistung der Habimah ihre bisherige noch übertreffen wird. Die überaus herzlichen und sachverständigen Ausführungen des Regisseurs Scharow machten auf die Zuhörer einen tiefen Eindruck. Eine Würdigung der Darstellungskunst der Habimah vom Standpunkt des Schauspielers unternahm Herr H. Häuser. Mitglied des Stadttheaters in Bochum. R.-A. Dr. Oottlieb sprach von der Wirkung der Habimah auf den Zuhörer. Frau Rosner-Klausner wurde aufgefordert, über Budget und Geldbedarf zu sprechen. Nach Darlegung des Organlsationsplanes und der Leistungen der Patronatsvereinigung, die unter der Führung des Herrn Max War bürg, Ffamburg, steht, erklärte Frau Rosner den Plan einer jüdischen Volksbühne mit Theatergemeinden, die an der Subventionierung des Theaters teilnehmen und gleichzeitig zu Zentren der modernen jüdischen Kultur werden sollen. Sie dankte den Anwesenden für ihr warmes Interesse und. bedauerte, daß die Mitglieder der Habimah leider bei dieser Aussprache nicht anwesend seien, sie hätten aus der warmen Anteilnahme m ihrer Kunst sicherlich neuen Mut und neue Kräfte für ihre schwere Aufgabe gefunden. Auf Vorschlag von Oberregierungsrat Marcus wurde die Bildung eines Ortskomitees beschlossen, das die Aufgabe übernahm, jährlich einen bestimmten Betrag zum Studienfonds der Habimah beizusteuern. Erst nach Mitternacht schloß die Aussprache, die von den Beteiligten nicht nur als ein interessanter, aer Habimah gewidmeter Abend, sondern auch als Fühlungnahme mit den Problemen der allgemein jüdischen, speziell palästinensisehen Kultur empfunden wurde. * Das gegenwärtige Gastspiel der Habimah in Polen gestaltet'*11,■ wfe -uns:Berichtet:.גב»,etam beispieU lose« Erföfg. Simone Boccanegra. Es ist dem Fernerstehemden nicht ohne weiteres einleuchtend, wenn man sagt, daß zwischen der Verdi-Renaissance und einer bestimmten Abart jüdischen Grupengeistes ein gewisser Zusammenhang besteht. Die Brücke ildet die Persönlichkeit Franz Werfels (der n. b. gerade diese Woche in Jerusalem aus seinen Werken vorlas). Man muß schon die Eigenart des Prager jüdischen Bürgertums der Jahrhundertwende und seiner Liebhabereien kennen, um zu wissen, daß die Generation Werfels in einer besonders theater- und opernfreudigen Atmosphäre heranwuchs. Das Prager Deutsche Theater war unter der dreißig Jahre währenden Direktion Angelo Neumanns eine Art Kultstätte dieser Bourgeoisie. Wer nie die Prager Juden bei einer Neumannschen Meistersinger-Aufführung gesehen hat, der weiß nicht, wie stark sich dort Gruppen- Instinkte auslebten. Das Prager Judentum ist in der Schule Neumanns erzogen worden, dieses etwas komödiantenhaften, ideenreichen jüdischen Theatermannes mit seiner Vorliebe für Pose und Prunk, der nicht nur Wagner durchgesetzt hat, sondern auch Verdi seine Liebe widmete und schon vor vielleicht 25 oder 28 Jahren einen großen ״Verdi-Zyklus“ mit italienischen Sängern und unbekannten Opern veranstaltete. Diesem Milieu, aus dem Werfel hervorging, haben wir es indirekt zu danken, wenn solche verschollenen Meisterwerke wie ״Macht des Schicksals“ und jetzt ״Simone Boccanegra“ wieder ausgegraben wurden. Die Berliner Städtische Oper hat mit der Wiedergäbe des Boccanegra eine ungewöhnlich bemerkenswerte Leistung vollbracht, die nicht zuletzt auf das Konto des Dirigenten Dr. Stiedry zu setzen ist. Verdis melodienreiche Musik kommt in ihrer ganzen dramatischen Kraft zur Geltung. Neben dem schön gesungenen und edel dargestellten Boccanegra Reinmars verdient vor allem Beate Malkin als Amelia rühmende Erwähnung. Die Malkin leiht dieser Rolle die ganze Pracht ihrer schönen hochdramatischen Stimme; in den beiden großen Duetten sowie in dem von ihr mühelos gelührten Finale des zweiten Aktes hat sie Gelegenheit zur Entfaltung in vollem, sattem Wohllaut. Diese Sängerin verdient das Interesse unserer Leser auch aus persönlichen Gründen: Ist sie doch die Tochter einer bekannten jüdischen Musikertamilie, in Odessa geboren, aus gut zionistischem Hause. Sie hat in Berlin schon eine erfolgreiche Laufbahn hinter sich; erst kürzlich hörten wir sie in der Städtischen Oper als Tatjana in Tschaikowskys Eugen Onefi n , eine ihr als Russin besonders zusagende Partie. Man kann ieser sympathischen und begabten Sängerin noch eine große Zukunft wünschen. w. Kabarett der Komiker. Um zweier außerordentlicher jüdischer Künstler willen sollte niemand verabsäumen, das März- Programm des ״K.d. K.“ zu sehen. Zuerst Ilse Bois: diese charmante, Geist, Anmut und Können in einem seltenen Maß vereinigende Parodistin entzückt in immer neuen Verwand- Jungen, Variationen des Themas ״Premiere“. Elisabeth Bergner wird ebenso persifliert wie die ״Gartenlaube“, Charel! wie Provinz-Varide. Man bejubelt sie stets aufs neue. Der zweite ist Szöke S z a k a 11, dieser großartige Komiker, der uns durch Situations-Komik (in der blödesten Einkleidung) ununterbrochenes Lachen abzwingt; seine jüdischen Commis und Reisenden (am besten war doch: ״Von hinten gestoßen“) wirken, hinreißend und sind Im Jüdein durchaus maßvoll und dezent, ohne die sonst oft bei derartigen Gestalten übliche Selbst-Erniedrigung. Und schließlich sei noch ״little Esther“ genannt; die hat freilich nichts mit Purim zu tun, ist aber ein niedliches und graziöses kleines Negerkind mit dem Rhythmus ihrer Rasse im BJut und mit erstaunlichem Können. M. Kleine Nachrichten Mit dem Dampfer ״Mauretania“ sind aus Amerika 300 jüdische Touristen, unter ihnen mehrere amerikanische Juden, die private Investierungen in Palästina zu machen beabsichtigen, in Palästina eingetroffen. Das Komitee des Jüdischen Nationalfonds für Großbritannien und Irland veranstaltet am 20. März, im Savoy- Hotel zu London einen Empfang zu Ehren des Vorsitzenden des Direktoriums des Keren Kajemeth, M. M. Ussischkin, der zur Teilnahme an der A.-C.-Sitzung demnächst in London eintrifft Den Vorsitz beim Ehrenempfang wird Chaim Weizmann führen. Der im letzten Jahre durch die palästinensische Regierung berufene Bewässerungsexperte Mr. J. Dawson Shepherd hat seine Studien zur Vorbereitung eines Bewässerungs- Gesetzes abgeschlossen. Das beabsichtigte Bewässerungs- Gesetz soll die Rechte der gegenwärtigen Wasserverbraucncr feststellen und die Wirtschaft ichste Methode der Ausnützung des Wassers, das jetzt ungenutzt verloren geht fördern. Zu den neuen jüdischen Wohnvierteln in Jerusalem, die ln den letzten Monaten als Folge der Augustunruhen gegründet werden, tritt jetzt ein neuer Siedlungsblock in der Nähe des Bucharischen Viertels im Norden von Jerusalem. Das Viertel soll zunächst 45 Häuser umfassen, doch besteht eine Option auf Zukauf eines Bodenstückes, so daß die Möglichkeit für eine Erweiterung des Viertels gegeben ist. (Ziko.) Wie gemeldet wird, hat die Leitung des Palestine Emergency Fund beschlossen, in der im August von den Arabern zerstörten jüdischen Kolonie Beer Tuvia 50 neue Kolonistenfamilien, deren Oberhäupter meist in der einstigen jüdischen Legion gedient haben, anzusiedeln. Das Hauptbüro des Keren Hajessod hat soeben eine neue Broschüre über die hebräische Erziehung in Pa- 1 ä s t i n a in Druck gegeben. Im palästinensischen Gesellschaftsregister wurde die Bank ״Serubabel“ mit einem Kapital von £ 5000 neu eingetragen. Die Bank steht der Gesellschaft ״Halvaah Vehisachon“ in Jerusalem nahe jmd bezweckt die Unterstützung der Baubewegung durch hypothekarische Anleihen. (Ziko.) Eine Sondernummer der ״Official Gazette“ veröffentlicht den Text einer neuen Verordnung, die ״Partnership Bill 1930“, die eine Regelung sämtlicher Begehungen und Verhältnisse der geschäftlichen Teilhaberschaft in Palästina bringt. Eia PalSstinabach Roberto AI m a g i ä ist einer der hervorragendsten italienlsehen Geographen. Geboren 1884 in Florenz, wurde A. 1911 Professor an der Universität Rom. Nach Beendigung des Krieges reorganisierte A. an der Universität das ״Institut de Geografia“ und begründete eine ״Scuola di Geografia“. Vor einem Jahrzehnt begann der berühmte Gelehrte dem Lande seiner Ahnen ein warmes Interesse entgegenzubringen. Im Jahre 1920 schrieb er ״La questione della Palestina“. Fünf Jahre später ״Un' escursione in Palestina“. Vor einem Jahre ungefähr veröffentlichte er eine bibliographische Rarität, eine raittelalterliehe Palästinakarte, die sonst als verschollen galt. Bald darauf unternahm er zwei Palästinareisen, die letztere im Jahre 1927. Gleichzeitig begann A. ein größeres wissenschaftliches geographischcs Werk über Palästina vprzubereiten. Seine zweite Palästinareise unternahm Almagiä gemeinsam mit dem künstlerisch reichbegabten Herausgeber Dr. Luciano Morpurgo aus Rom, ein Mann, dessen Herz für sein Volk warm schlägt. Zweihundertundsechzig vertreffliche Bildaufnahmen ״. reproduziert nach allen Regeln der modernen Technik und öBk 138 Seiten starke, im Tone objektiver Wissenschaftlichkeit gehaltene Einleitung Almagiäs miteinander vereint, bilden einen prachtvollen Band. (Erschienen bei Morpurgo, Rom, 1930.) Alles wissensehaftiiehe und bibliographische Beiwerk behielt Almagiä für seine große Arbeit; liier führt der Gelehrte eine auch den Nichtgelehrten zugängliche Sprache. Und die herrlichen Bilder sprechen zu den Herzen aller. Der Band ״Palestina“ verdient volle Anerkennung und weite Verbreitung. Außer der itaüenisehen Original-Ausgabe wurden auch Ausgaben (ohne den einleitenden Text von Prof. Almagiä) mit Erläuterungen in deutscher, hebräischer, jiddischer und andere Sprachen veranstaltet. Das Vorwort stammt von Dr. Chaim Weiz mann. Triest. Prof. Dr. J. Zoller. Encyclopaedia Judaica. Im Verlag ״Eschkol“, Berlin, erschien soeben der fünfte Band der ״Encyclopaedia Judaica“ der zahlreiche Illustrationen, darunter auch farbige, sowie Noten enthält. Wie in den früheren Bänden, so kommt auch in diesem Band eine Reihe von großangelegten Monographien zum Abdruck, z. B.: Chassidismus, Christentum, Crescas, David, Deutschland, Dezisoren, Diaspora, Disputationen und Dogmen. Der Band enthält fast den ganzen Buchstaben C. und den Buchstaben D. bis ״Draguignan“. Das gesamte Werk^ das unter der Chefredaktion von Dr. Jakob Kiatzkin und Prof. Elbogen herausgegeben wird, umfaßt 15 Bände, die in halbjährlichen Abständen erscheinen. Die Gandhi-Revolution. Unter diesem Titel erscheint in Kürze im Wolfgang Jess Verlag in Dresden eine Schrift mit Beiträgen, u. a. von Martin Buber, Oskar Ewald, Leonhard Ragaz, Holmes, Wellock. Herausgeber ist Fritz Diettrich. ln dem Werke wird zu dem aktuellen Problem Gandhi Stellung genommen. Hebräische Gedichte. Unter dem Titel ״Pjutim weschire jedidoth“ erschien soeben in Prag im Verlag Josef Flesch eine Sammlung hebräischer Gedichte von Mordecha! Georg Langer. Das Bemerkenswerteste an diesem Buch liegt schon darin, daß es seit dem Jahre 1829 das erste hebräische Originalwerk ist, das in Prag erschienen ist. Der Verfasser ist einer der ganz wenigen Westjuden der jüngeren Generation, die es in der Meisterung der hebräischen Sprache so weit gebracht haben, daß sie gedanklich und formell zureichende Verse schreiben können. Langers Verse sind keineswegs eine sklavische Nachahmung europäischer Vorbilder, vielmehr schließen sie sich in Stil una Rhythmus vielfach an die klassische hebräische Literatur an, trotz der oft modernen Gegenstände. Ein Gedicht heißt ״Sylvesternacht“, eines ist Li-Tai-Pe gewidmet, ein anderes Franz Kafka oder Gustav Mahler. Die Gedichte, die oft in visionärer Form die tiefen Probleme der Menschheit und des Menschenlebens aufführen, verdienen die aufmerksame Beachtung aller hebräisch Lesenden. Lyrikpreis der Kolonne. ״Die Kolonne“, Zeitung der jungen Gruppe Dresden, veranstaltet zusammen mit dem Verlag Wolfgang Jess, Dresden, ein Preisausschreiben für Lyrik. Die Beteiligung ist offen für alle jungen Autoren, soweit sie mit lyrischen Publikationen noch nicht in ausgedehntem Maße hervorgetreten sind. Die preisgekrönte Arbeit soll als Band der ״Jungen Reihe“ des Verlages oder als Sondernummer der Kolonne erscheinen. Der Preis beträgt 300 M. Die Jury bilden: Rjchard Billinger, Günter Eich, Ernst Hardt, Wolfgang Jess'und Hermann Kasack. Schluß der Einsendungen am 30. April. Näheres durch die Märznummer ״Die Kolonne“, Verlag Wolfgang jess, Dresden.