Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1930)
- Date
- 1930-03-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 23. 21 lü, 1930 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 155 Einstein und die Araberfrage Ein zweiter Brief Einsteins an den Redakteur des ״Falastln“. Jerusalem, 16. Mfirz. (J. T. A.) Die Zeitung ״Falastin“, Organ der Arabischen Exekutive Palästinas, veröffentlicht das folgende Schreiben von Professor Albert Einstein in Berlin an den Redakteur des ״Falastin“, Azmi El Nashashibi in Jai.'a: Sehr geehrter Herr! Ich habe mich sehr über ihren Brief gefreut. Denn er beweist mir, daß auf Eurer Seite guter Wille vorhanden ist für eine unserer beiden Völker würdige Lösung der obwaltenden Schwierigkeiten. Ich glaube, daß diese Schwierigkeiten mehr psychologischer als sachlicher Natur sind, und daß sie gelöst werden können, wenn auf beiden Seiten ehrlicher guter Wille mitgebracht wird. Unsere jetzige Situation ist dadurch eine so ungünstige, weil Juden und Araber als streitende Parteien miteinander vor der Mandatarmacht gegenüberstehen. Dieser Zustand ist beider Nationen unwürdig und kann nur dadurch geändert werden, daß wir unter uns einen Weg Finden zu Vorschlagen, auf die sich beide Parteien geeinigt haben. Wie ich mir die Realisierung einer Aenderung der bestehenden mißlichen Zustände denke, sage ich Ihnen nun, indem ich gleichzeitig hinzufüge, daß dies meine private Meinung.ist, die ich mit niemand besprochen habe: Es wird ein Geheimer Rat gebildet, zu dem die Juden und die Araber je vier Vertreter senden, welche nicht von einer politischen Instanz abhängen dürfen. Zusammensetzung auf jeder Seite: 1 Arzt, gewählt von der Aerztegesellschaft, 1 Jurist, gewählt von den Rechtsanwälten, 1 Arbeitervertreter, gewählt von den Gewerkschaften, 1 Geistlicher, gewählt von den Geistlichen. Diese acht Leute kommen einmal per Woche zusammen. Sie verpflichten sich, nicht Interessenvertreter ihres Berufes und ihrer Nation sein zu wollen, sondern nach bestem Wissen und Gewissen das Gedeihen der ganzen Landesbevölkerung ins Auge zu fassen. Die Besprechungen sind geheim und es darf über sie absolut nicht berichtet werden, auch nicht privatim. Wenn ein Beshluß über irgend etwas zustande gekommen ist, dem mindestens drei Männer von jeder Seite zustimmen, so kann der Beschluß der Bekanntgabe gefaßt werden, die aber im Namen des ganzen Rates geht, ist einer nicht einverstanden, so kann er aus dem Rate austreten, aber er wird von der Pflicht der Geheimhaltung dadurch nicht entbunden. Wenn eine der genannten wählenden Gemeinschaften mit einer Resolution des Rates unzufrieden ist, kann sie ihren Vertreter durch einen anderen ersetzen. Wenn dieser ״Geheime Rat“ auch keine bestimmten Kompetenzen hat, so wird er doch dazu führen können, daß allmählich die Differenzen ausgeglichen werden und daß eine gemeinsame Vertretung der Landesinteressen gegenüber der Mandatarmacht entsteht, welche über die Tagespolitik erhaben ist. ich sende Ihnen diesen Brief in deutscher Sprache, weil ich nicht in der Lage bin, ihn selbst in englischer Sprache zu schreiben tinrt• weil ich für denselben allein die Verant- «■ortung trafÄ>־wiH# ■Siel'kabeBu׳gewttf’die^Möpchkelt;* siel; denselben durch einen jüdischen Freund der Verständigung übersetzen zu lassen. Es grüßt Sie freundlich Ihr A. Einstein. * Hierzu schreibt der arabische ״Falastin“: Es ist Pflicht der Araber wie der Juden in Palästina, ihre Stellung zu diesem Vorschlag zu fixieren. Man mag der Ansicht sein, daß dieser Vorschlag mancher Aenderung bedürfe, aber man würde geradezu ein Verbrechen begehen, wollte man nicht alle Kanäle erkunden und alle Möglichkeiten ausschöpfen, die eine Chance für Herbeiführung einer Zusammenarbeit der beiden Volk gemeinschalten ln Palästina bieten. Heute besteht ein unglücklicher Spannungszustand. Ein gut Teil Glück liegt in dem Umstande, daß Professor Einsteins Name mit dem Vorschlag verbunden ist, der sonst irgendwelchem Verdacht ausgesetzt sein könnte. Zu der Ansicht Professor Einsteins, daß der arabischjüdische Geheime Rat, der zu bilden wäre, aus Persönlichkeiten bestehen sollte, die von jeder politischen Körperschaft unabhängig sind, bemerkt ״Falastin“, die Verhältnisse in Palästina Bind solche, daß es unmöglich wäre, eine Person zu finden, die sich von der Politik fernnält. Wenn zwei werdende Nationen sich in einem sehr kleinen Lande miteinander messen, so ist beinahe jeder Angehörige dieser Nationen ein potenzierter Politiker. Während der Chefredakteur des ״Falastin“ im Leitartikel Professor Einsteins Vorschlag uneingeschränkt akzeptiert, erscheint an anderer Stelle der gleichen Nummer ein mit den Initialen G. G. gezeichneter Artikel, der den folgenden Absatz enthält: Zehn Jahre Blutvergießen, Rechtlosig- Keit und unausgesetzter Herrschaft von Haß, Terror und Not sollten genügen, um die Unmöglichkeit eines poiitischen jüdischen Staates oder eines Jüdischen Nationalheims im Heiligen Lande zu erweisen. Es gibt keine Verhandlungsmöglichkeit zwischen Arabern und Zionisten, dem Araber haf4sich die wahre Natur des Zionismus, sein politischer Extremismus, enthüllt. Es würde nicht nur sonderbar, sondern sogar selbstmörderisch erscheinen, wenn Araber den zionistischen Versprechungen vertrauen und ihren Beteuerungen guter Absichten und guten Glaubens Gehör schenken würden. Juden wegen WaOenschinuggels verhafte( Jerusalem, 18. März. (J.T.A.) Ein jüdischer Zollbeamter und zwei andere Juden wurden In Haifa im Zusammenhang mit einer Waffeneinschmuggeiungsaffäre verhaftet, aber bald gegen eine Geldbürgschaft freigelassen. Es heißt, daß in eingeführten Geldschränken 150 Gewehre und 40000 Schuß Munition gefunden und beschlagnahmt worden sind. Jabotinsky wurde vom Ministerpräsidenten der südafrikanisehen Union, General Hertzog und dem Führer der Opposition General Smuts, empfangen, und unterhielt sich mit ihnen eingehend über die Lage in Palästina und die politischen Probleme des Zionismus, Zum Kampf um Magnes Wir haben in einer unserer letzten Nummern das ,.Palestlne Bulletin“ wegen seines bedauerlichen Artikels über die Todesurteile angegriffen. Um so lieber geben wir in folgendem einen Auszug aus einem Artikel desselben Blattes, dem wir diesmal vollinhaltlich zustimmen können. Das Blatt schreibt unter Bezugnahme auf die Studentenhetze gegen Dr. Magnes in einem Leitartikel folgendes: ״Eine Anzahl Studenten der Hebräischen Universität fordem die Entlassung ihres Kanzlers. Soweit uns bekannt ist, verlangt der Kanzler nicht die Entlassung der Studenten. Die Beschwerde gegen Dr. Magnes besteht darin, daß er Ansichten ausgesprochen hat, welche in diesem Moment unpopulär sind und daß er dies getan hat, während er Kanzler der Universität ist. Als Dr. Magnes seine Broschüre veröffentlichte, ließ er nicht den geringsten Zweifel darüber, daß er für keine Institution, sondern nur für seine Person spreche. Er hätte noch einen Schritt weitergehen und sagen können, daß er auch für viele spricht, die weder die Fähigkeit noch die Mittel besitzen, ihre eigenen Gefühle in der wichtigen Frage der arabisch-jüdischen Beziehungen auszudrücken. Wir haben nicht die Absicht, hier die Ansichten von Dr. Magnes zu diskutieren.... Worauf wir hinweisen wollen, ist die Geneigtheit, in diesem Lande bei jeder möglichen Gelegenheit den Rücktritt jemandes zu verlangen. Magnes hat ein Recht auf seine Ansichten und ein Recht, sie auszusprechen. Viele Leute mögen gewaltig von ihm abweichen, aber im gegenwärtigen Moment braucht Palästina originelle Denker, wenn es aus den Schwierigkeiten einen Ausweg finden will. Wenn jeder Mann, der einen vom Mob nicht geteilten Gedanken hat, durch Erpressung zum Stillschweigen gebracht wird, indem man ihm droht, er werde seinen Posten verlieren oder zum Rücktritt gezwungen werden, dann können wir wenig originelles Denken und wenig Fortschritt in Palästina erwarten.... Wenn ein Mann in anständiger Form ernste Vorschläge macht und damit zu dem schöpferischen Denken beiträgt, ohne das ein Land nicht leben kann, dann sollen die, welche mit ihm nicht übereinstimmen, die Gründe darlegen, Warum sie nicht übereinstimmen, aber nicht sofort verlangen, daß er hinausgeworfen wird. Wir raten den Studenten, ihre Vorlesungen zu besuchen, die Anschauungen ihrer Vorgesetzten in ihren Vereinigungen zu diskutieren und zu kritisieren, aber sich nicht lächerlieh zu machen durch die öffentliche Forderung nach Rücktritt ihres Kanzlers und durch einen Schlag gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung, das jeder Student mit besonderem Eifer beschützen sollte.“ * Der arabische ״Felestin“ schreibt in seiner Nummer vom 8. März u. a.: ״Dr. Magnes muß gehen“ — das ist die Ueberschrift eines Artikels der hebräischen Tageszeitung ״Doar Hajom“. Der Artikel ist voll von falschen Behauptungen, so z. B. unterschiebt er Dr. Magnes, daß er ״offen das jüdische Volk beschimpft und leichtsinnig denkt über dessen Hoffnungen“. Die Broschüre, auf die sich diese Worte beziehen, heißt bekanntlich ״Wie alle Völker?“. Der Titel schon zeigt, daß Dr. Magnes nicht nur die Juden nicht beschimpft, sondem sie geradezu über jede andere Nation erhebt und sie für eine Art Ueber-Nation hält; auf dem Titelblatt steht das Bibelzitat ״Ein einzig Volk“. Was den Vorwurt betrifft, daß Magnes leichtsinnig über die jüdischen Hoffnungen denkt, so mag dieser Vorwurf vielleicht aufrecht erhalten werden, wenn die Darstellung richtig ist, die wir vom ״Doar Hajom“ über die zionistischen Hoffnungen zu bekommen pflegen,.,., (n Wrtlicjtkeit,»ndL di« Vorschläge, ran.Dfc Magnes das Maximum, Was Jeder Uitra-Zionlst wünsfehen könnte. Er sagte, Palästina solle ein Parlament erhalten mit einem Oberhaus, in welchem die Araber nur ein Drittel bilden, ferner soll der High Commissioner ein Veto-Recht haben, und überdies, mit all diesen Einschränkungen, soll das Parlament keinen Einfluß haben auf die Fragen der Immigration, des Bodens und der hebräischen Sprache. Dieses Programm erklärt man als ״defaitistisch“! Wir würden gern die Anschauungen des ״Doar Hajom“ hören; dies würde uns und die ganze Welt darüber aufklären, was die Zionisten verlangen. Wir bedauern, daß bis jetzt die Juden und ihre Institutionen in Palästina die Aufforderung der Araber, mit ihrem Plan an die Oeffentlichkeit zu kommen, nicht aufgegriffen haben; wir müssen annehmen, daß er eine so dunkle, ungerechte und undurchführbare Hoffnung enthält, daß sie ihn gar nicht in Druck zu legen wagen. Oder werden sie es jetzt tun?“ Der Aufschwung des dstiiehen Emek Bei dem Besuch des High Commissioner in Ejn Charod wurde ihm von den Siedlern ein Memorandum überreicht, in welchem ein Ueberblick über die landwirtschaftliehen KoionisaSionsergebnisse gegeben wird, die im östlichen Emek im Laufe der letzten 9 Jahre erzielt worden sind. Das Memorandum enthält folgende interessante Ziffern über den gegenwärtigen Stand der Landwirtschaft in den betreffenden jüdischen Siedlungen. Von den 29000 Dunam des Gebietes waren vor der Be- Siedlung durch die jüdischen Siedler mehr als 30 0/0 von Schilf und Sumpfgräsern bedeckt. Die gesamte Fläche wurde nur von 50 arabischen Fellachen bearbeitet, die außerordentlieh unter Malaria litten. Nachdem die früheren Bewohner den Boden gegen Entschädigung verlassen haben, leben heute auf der gleichen Fläche 400 Familien (2000 Seelen). Im Laufe der wenigen Jahre seit der Neubesiedlung wurden im östlichen Emek nicht weniger als 300 090 Frucht- und Waldbäume verschiedener Arten gepflanzt. Die Zahl der Milchkühe des Gebietes beträgt heute 590, die jährliehe Milchproduktion 988000 Liter, die Zahl der Zuchtkälber 625, die Zahl der Hühner 12 650, die der Kücken 25 000, die jährliche Eierproduklion 980 000 Stück. Die eben begonnene Bananenkultur wies im letzten Jahre bereits einen Ertrag von 30000 kg auf. Die Getreide- und Futterernte betrug 7116 Tonnen. Die jährliche Weintraubenernte zuletzt 250000 kg. Ebenso sind alljährlich steigende Erträge der Fruchtbäume, wie Mandeln, Pflaumen, Grapefrucht usw. zu verzeichnen. Auf der für Aufforstung bestimmten Fläche von 25000 Dunam arbeiten MO Arbeitstiere und 15 Traktoren; die Baumschule in Ejn Charod zieht Jahr für Jahr 200 000 Baumsetzlinge auf, die in allen Teilen des Landes und in den Nachbarländern guten Absatz finden. All dies wurde erreicht, obwohl die ersten Ansiedler bei ihrer Arbeit aus Mangel jeglicher Erfahrung noch ganz im Dunkeln tasteten. Es gab noch keine Versuchs- Station, die sie über die richtigen Methoden der Siedlungsarbeit belehren konnte, Klima und Krankheit boten kaum überwindbare Schwierigkeiten. Die Verbesserung der s a n i - tären Verhältnisse in dieser früher gefürchteten Gegend ist in anderem Zusammenhang oft schon hervorgehoben worden. Heute ist trotz der ungünstigen Bedingungen dieses Gebietes die Sterblichkeit dort f50 pro 1000 Gebürten) bedeutend geringer als selbst die jüdische Rate für das ganze Land, die 95,8 pro 1000 (gegenüber 200 pro 1000 für ganz Palästina) beträgt. Das Memorandum hebt dann hervor, daß alles, was in den jüdischen Siedlungen geleistet wurde, nur dank der außergewöhnlichen Anstrengung der Siedler und der Aufbaufonds, des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth, ermöglicht werden konnte. Im Anschluß daran werden eine Reihe von Forderungen auf Befreiung von Steuern für die ersten Jahre der Ansiedlung unter Berufung auf die Praxis in andern Siedlungsländern gestellt. Schließlich behandelt das Memorandum die Wirkung der August-Ercignässe und stellt fest, daß — obwohl die meisten jüdischen Siedlungen entweder direkt oder indirekt durch die Unruhen gelitten haben, — die Regierung noch nicht zur Aus- Zahlung von Entschädigungen für die erlittenen Verluste geschritten sei. (Ziko.) Die Tätigkeit des Hilfsfonds Die Ziko erhielt von der Leitung des Hilfsfonds folgenden Bericht über die Tätigkeit des Hilfsfonds: Der Gesamtbetrag, der vom Hilfsfonds bei den Juden in allen Lindern, einschließlich Palästina, gesammelt wurde, beläuft sich auf £ 520.000. Bisher sind nach Palästina £ 205.000 überwiesen worden. Unmittelbar nach den Unruhen konzentrierten sich die Bemühungen des Hilfsfonds auf die allgemeine Hilfsarbeit. Die Anzahl der Flüchtlinge aus den Städten und landwirtschaftlichen Siedlungen, die am meisten von den Unruhen betroffen wurden (Hebron, Safed, Moza, Artut, Hulda, u. a.) sowie aus den Vierteln, für deren Einwohner die Gefahren von Angriffen bestanden, erreichte 12 000. Für diese alle mußte Verpflegung, Wohnung, Bekleidung usw. sichergestellt werden. Ein Teil der Flüchtlinge ist nach dem Auf hören der Gefahr in ihre Wohnstätten zurückgekehrt, während andere für längere Zeit einer Unterstützung bedürften, insbesondere die Flüchtlinge aus Safed, wo das jüdische Viertel stark zerstört wurde. Mit der Einstellung der Tätigkeit dieser Hilfskomitees erhielten die Flüchtlinge aus Safed, Hebron und den zerstörten Siedlungen Geldbeträge, die für ihren Unterhalt bis Ende März , ist die Hilfe an die Jeschiwah in Hebron, die £ 4.200 erhalten hat, inbegriffen. Der Betrag soll der Jeschiwah in Jerusalem eine neue Entwicklung ermöglichen. Die Ausgaben für ä r z 11 i c h e H i I f e betrugen ca. £ 8.000. In Tel-Awiw wurden neue Kindergärten zur Aufnahme der Flüchtlingskinder eröffnet. Ferner wurden für die Ernährung der Kinder u. ä. in verschiedenen Kindergärten Beträge zur Verfügung gestellt. Die verausgabte Summe beläuft sich auf £ 2.100. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Fürsorge für Witwen und Waisen geschenkt. Sie erhielten Wonnungen, Kleider, Ernährung und Hilfe in verschiedenen andern Formen; ein Betrag von £ 25.000 wurde für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Der Hilfsfonds unterstützt die Witwen ferner bei der Gewinnung einer neuen Existenz. Annähernd 1000 Anleihen wurden durch den Hilfsfonds an Kaufleute und Handwerker gegeben, die durch die Unruhen gelitten haben und eine Auszahlung von Ent- Schädigungen durch die Regierung erwarten. Der Betrag dieser Anleihen beläuft sich auf ca. £ 40.000. Die Anleihen waren notwendig, weil die Regierung ihren ursprünglichen Entschluß, Vorschüsse auf Konto der Entschädigungen zu geben, nachträglieh wieder aufgehoben hat. Darlehen im Betrage von ca. £ 15.000 wurden an Händler, Industrielle und Handwerker, die durch die Unruhen mittelbar gelitten haben, gegeben. Für Rechtshilfe w»,ve»##f§g Im Zusammen* hang mit der Vertretungvon Entschädigungsforderungen usw. erforderlich. Der Hilfsfonds nahm sich auch der Familien der während der Unruhen wegen Selbstverteidigung Verhafteten an. Für die Errichtung von zentralen Wohngebäuden, Sperrzäunen, Straßenbauten, Telephonen in den Siedlungen wurde ein Betrag von £ 26.500 bestimmt. Ein weiterer Betrag von £ 10.000 wurde für den gleichen Zweck zur Verfügung gestellt, da auch die Regierung für den Bau von Verbindungsstraßen der abseits gelegenen Siedlungen mit den Hauptchausseen einen entsprechenden Betrag ausgeworfen hat. Alle diese Maßnahmen dienen der Verbesserung der Sicherheitsverhältnisse im Lande. Der Hilfsfonds, der seine Tätigkeit, soweit sie die dringliehe allgemeine Hilfe betraf, nahezu abgeschlossen hat, behandelt nunmehr die weiteren Fragen der Rekonstruktionsarbeit, insbesondere das Problem des Wiederaufbaues der zerstörten Siedlungen und städtischen Viert e 1. Ein Betrag von £ 25.000 wurde für die Aufbauarbeit ln Safed bestimmt; der Betrag soll für die Errichtung eines Geschäftsviertels und Aufbau eines jüdischen Viertels sowie zur Reparatur der herstellungsbedürftigen Häuser dienen. £ 63.000 wurden für die Wiederaufrichtung der zerstörten landwirtschaftlichen Siedlungspunkte — Moza, Artuf, Beer Towiah u. a. — und zur Umsiedlung der Flüchtlinge aus diesen Kolonien In andere Siedlungen bestimmt. £ 50.000 wurden für Anleihen zwecks Häuserbau in Jerusalem und Haifa und zur Stärkung der bestehenden vorstädtischen Viertel in diesen Städten bereit gestellt. Das Komitee des Hilfsfonds berät zur Zeit über die Art und Weise der Wiederaufrichtung der jüdischen Kolonie in Hebron. Die Keren Hajessod-Einglnge im Febrnar 1930 Die Eingänge beim Hauptbüro des Keren Hajessod betrugen während des Monates Februar 1930 £ 52,305.6.11. Im einzelnen verteilten sich die Einnahmen auf folgende Länder: Vereinigte Staaten £ 24,876.15.9, Polen 8,303.12.8, Argentinien 5,910.17.2, Südafrika 2,000.0.0, Deutschland 1,473.3.5, Tschechoslowakei 1,220.16.9, Belgien 1,000.0.0, Italien 900.0.0, Frankreich 899.16.6, Rumänien 860.18.11, Algier 798.17.11, Holland 709.9.10, England 705.11.6. Der Rest aus den übrigen Ländern. Die Keren Hajessod-Aktlon in Holland. Man berichtet uns. Die Aktion des Keren Hajessod in Holland, die auch in diesem Jahr unter der Leitung von Dr. Adolf Friedemann stand, hat wie auch in anderen Ländern mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt. Die Sammlung für den Hilfsfonds für Palästina ergab fast £ 8000; die Wirtschaftslage, die sich im Winter andauernd verschlechterte, hinderte die Sammlung sehr und dazu kam, wenigstens zum Anfang des Winters, eine gewisse Entmutigung, nervorgerufen durch die Augustvorgänge. Trotzdem ist es gelungen, die Aktion nicht nur auf der Höhe der vorjährigen zu halten, sondern das Ergebnis noch zu verbessern, sowohl was den Geldbetrag angeht, als insbesondere, was die Zahl der Zeichner betrifft. Bisher ist ein Betrag von etwa fl. 64 000 über £ 5300 an neue Zeichnungen zusammengekommen (in Holland werden Zeichnungen im ailgemeinen für die Dauer von 5 Jahren abgegeben) und die Zahl der neu dazugekommenen Zeichnungen nat sich von ungefähr 280 im Vorjahr auf 380 in der gleichen Zeit in diesem Jahr erhöht. Im vorigen Jahr sind in Holland im ganzen eingegangen: zirka fl. 94 000 7800 £ =־ und es steht zu hoffen, daß in dem laufenden Jahr mindestens der gleiche Betrag erreicht wird. — Kürzlich hat Dir. Oscar Wassermann an mehreren Keren Hajessod-Veranstaltungen in Holland teilgenommen.