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Jüdische Rundschau · 1930-03-18 · Heft 22 (18.3.1930) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 22 (18.3.1930)
Date
1930-03-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 22. 18 m. 1830 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Sehe 149 Die Einwanderung - Sperre in Südafrika Von unserem Korrespondenten Dr. Hellmut Epstein. Johannesburg■, Ende Februar. Vor einem halben Jahre fanden in der Südafrikanischen Union Parlamentswahlen statt. Vor den Wahlen hielt es General Hertzog, der gegenwärtige Ministerpräsident der nationalistischen Burenregierung, für angebracht, die Bedeutung derjuden für die Entwicklung von Handel und Industrie in Südafrika hervorzuheben und die enge Freund- Schaft zu rühmen, die zwischen Buren und Juden bestände. Vor drei Wochen fand in einem wichtigen Wahlbezirk, der durch das Ausscheiden von Tielman Roos, einem der aufrichtigsten Freunde des Judentums, aus dem politischen Leben Südafrikas vertretungslos geworden war, eine Nachwahl statt. In diesem Wahlkreise leben Dutzende jüdischer Farmer, die bisher für Tielman Roos gestimmt hatten, der Justizminister im nationalistischen Kabinett gewesen war. Vor der Nachwahl konnte der neue Justizminister die Juden nicht genug preisen; wie die jüdischen Einwanderer die einzigen wären, die den Staat keinen Pfennig kosteten, wie die Juden Südafrikas beste Steuerzahler wären, und ähnliches mehr. Die Nachwahl fiel zuungunsten der Regierung aus. Die Juden hatten bisher für die Person von Tielman Roos gestimmt und nicht für seine Partei. Eine Woche danach wurde das nichtsahnende südafritonische Judentum, das bis dahin auf seinen politischen Einfluß pochen zu können glaubte, mit dem neuen Einwanderungsgesetz beschenkt Das Gesetz geht von folgender Situation aus: Es wanderten während des letzten Jahrfünfts mehr Briten aus der Südafrikanisehen Union aus als ein, obwohl die wirtschaftliche Lage der Union bis vor einem halben Jahre ausgezeichnet war. Von 1924 bis 1927 betrug der Verlust der britischen Bevölkerung der Union durch stärkere Ausals Einwanderung 1624 Personen. Die britische Auswanderung aus der Union bewegt sich nach Rhodesia, Kenya, Australien und teilweise nach Südwestafrika. Die Buren verloren noch mehr durch Auswanderung nach Südwestafrika und Rhodesia, da ja bei ihnen eine Zuwanderung kaum in Frage kommt. Wenn dennoch der Gewinn der nordeuropäischen Nationen in der Union während des Jahrfünfts 1924—1928 831 Personen oder 9,6 0/# des gesamten Einwanderungsüberschusses betrug, so handelt es sich um Angehörige der skandinavischen Nationen und Hollands. 3 ״/» des Gewinnes durch Einwanderung kommen aus mitteleuropäischen Ländern, zu denen hier auch Italien, Spanien und Portugal gezählt werden. Die restlichen 87,4 »/# des Einwanderungsüberschusses stammen aus Süd- und Osteuropa. Die Einwanderungsziffern aus diesen Ländern steigen von Jahr zu Jahr. Ke Anzahl von Einwanderern betrug: au® im Jahre 1925 1926 1927 1928 1929 Litauen 839 974 1112 1 323 1370 Polen 113 170 243 365 528 Lettland 73 94 176 269 400 Rußland 178 74 106 109 69 Griechenland 80 120 107 227 Palästina . •«י . ־ W . "34; -י - Andere Länder ־', י“'' ■י - ,»־' ־ י י* ־ ־ Osteuropa» -י % 57 86 77 zusammen; 1 203 1463 1814 2293 2752 Die Auswanderung von Staatsangehörigen derselben Länder aus der Union ist unbedeutend. Von den Einwanderern gaben ihre Nationalität als jüdisch an 97 °/0 der litauischen, 94 °/8 der lettischen, 91 «/o der polnischen und 88 0/0 der russischen Staatsangehörigen. Das neue südafrikanische Einwanderungsgesetz, dessen zweite Lesung soeben beendet wurde, erlaubt die freie Ein- Wanderung von Personen aus folgenden Ländern: Britisches Empire (außer Norwegen Palästina) Oesterreich Belgien Portugal Dänemark Schweden Deutschland Schweiz Frankreich Spanien Holland Vereinigte Staaten von Italien Amerika. Aus den restlichen Ländern Europas und aus Palästina dürfen jährlich nur je 50 Personen einwandern, und vom 1. Juli 1930, wenn das Gesetz in Kraft treten sollte, bis zum 31.!Dezember 1930 nur je 25. Außerdem wird eine Kommission gebildet, die das Recht erhält, nach eigenem Ermessen über die Zahl 50 hinaus bis zü 1000 Personen aus der Gesamtheit der vom Gesetz betroffenen Länder zuzulassen. Diese Ausnahme wurde gestattet, um Frauen und Kinder von früheren Einwanderern und wirtschaftlich von solchen abhängige Personen hineinzulassen und andere Härten soweit als möglich zu vermeiden. Ausschlaggebend bei der Beurteilung der Abstammung des Einwanderers ist nicht seine gegenwärtige Staatszugehörigkeit, sondern sein Geburts״ land. Eine Person z. B., die in Litauen geboren wurde, im Alter von einem Jahr nach England auswanderte und dort 50 Jahre ansässig war, fällt unter die Litauische Quote von 50. Wie hart das Gesetz die Juden Osteuropas treffen wird, werden jene besser ermessen können als ich, die mit der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage der Juden in Litauen, Polen und Lettland vertraut sind. Das Gesetz ist eine schwere Beleidigung für das südafrikanische Judentum, das fast ausschließlich aus Osteuropa stammt. Mehr noch, es ist eine Beleidigung für die Juden der ganzen Welt. General Hertzog verteidigte das Gesetz mit dem Hinweis, daß er neben dem Problem der Europäer, Eingeborenen, Inder und Mischlinge kein fünftes Rassenproblem (!) wünsche aufkommen zu lassen. General Hertzog betrachtet uns also als eine Nation, die ^ie ungewöhnlich hohe Stufe westlicher Zivilisation, die die Öuren seiner Meinung nach erreicht haben, herabdrücken könnten. So begründete auch der Innenminister die Gesetzesvorlage in erster Linie damit, daß die westliche Kultur Südafrikas vor dem verderblichen Einfluß osteuropäischer Zuwanderer geschützt werden müßte. Wie hoch die zivilisatorische Stufe der Buren im allgemeinen ist, darüber möchte ich in der Oeffent- Üchkeit kein Urteil abgeben. Doch mag erwähnt werden, daß Afrikaans erst seit wenigen Jahren eine anerkannte Sprache ist und daß die Buren auf keine eigene Literatur hinzuweisen haben und ebensowenig auf eine andere schöpferische Leistung. Das kann auch nicht wundernehmen bei einem Volke, das erst vor wenigen Jahrzehnten dlirch europäische Einwanderer aus seinem halbnomadischen Zustande erweckt wurde und das vor noch nicht 250 Jahren aus einer Mischung verschiedenster Rassen entstanden ist Die Begründung des Gesetzes durch den Innenminister, Dr. M alan, einem früheren Geistlichen, war ein Musterbcispiel von Unaufrichtigkeit. Das Gesetz sei beileibe nicht gegen die Juden gerichtet, sondern nur gegen Einwanderer aus Osteuropa, die jeder Assimilationsfähigkeit an die westeuropäische Kultur der südafrikanischen Bevölkerung — alias das Programm der nationalistischen Burenpartei -- ermangelten. Eher könne man sagen, es sei gegen Protestanten und Katholiken gerichtet, da ihrer mehr als Juden in Osteuropa leben. Warum Palästina, das unter britischem Mandat steht, unter die Beschränkung fällt, und warum das Geburtsland und nicht die gegenwärtige Staatsangehörigkeit ausschlaggebend ist, wenn das Gesetz nicht gegen Juden, und allein gegen Juden gerichtet sei, auf solche Fragen wußte der Minister wenig zu antworten. Die Juden in Südafrika sind nach des Ministers Ansicht die besten Staatsbürger, die man sich denken könne. Es sei lächerlieh, anzunehmen, man könne etwas gegen sie haben. Schlecht sind nur die, die noch hereinkommen wollen. Nun, die südafrikanischen Juden wissen sehr wohl, woher sie stammen, und sie wissen auch, daß der heutige ostjüdische Einwanderer auf einer höheren Bildungsstufe steht als der vor 20 Jahren. So verfängt das ״Lob“ wenig. Das Lied ist auch zu alt. Wir alle kennen es: ״Ja, wenn alle Juden so wären wie Sie!“ Eine Tatsache steht fest. Die nationalistische Burenregierung ist gar nicht so unglücklich darüber, wie sie vorgibt, daß mehr Engländer aus der Union ausals einwandern. Man hofft, noch einmal allein Herr im Hause zu sein. Die jüngeren Abgeordneten der Regierungspartei sind durchweg im Herzen Republikaner, d. h. für Trennung vom Empire. Man will sich nicht der Gefahr aussetzen, die empire-freundliche Opposition, d. I. die ״Südafrikanische Partei“, durch die Einwanderung von Juden zu stärken. Sagte doch nach den letzten Wahlen ein junger jüdischer Advokat, der als nationalistischer Kandidat in einem fast rein jüdischen Wahlbezirk gegen einen bekannten Antisemiten der Oppositionspartei durchgefallen war: ״Wir Nationalisten werden die jüdischen Stimmen nie erobern. Wir können ihre Einwanderung ebensogut sperren.“ Während der Verhandlungen im Parlament hatten die Nationalisten ihren Abgeordneten verboten, ihrer Meinung Ausdruck zu geben. Sie wußten, daß sie nichts bei einer Verteidigung gewinnen konnten, die Mehrheit für das Gesetz war in jedem Falle gesichert. Die einzige Folge wären antisemitische Angriffe von seiten der jüngeren Mitglieder der Partei gewesen, die dieser nur noch mehr hätten schaden können. So redete die Opposition zu stummen Bänken; aber keineswegs gegen das Gesetz, im Gegenteil. Südafrika hat während der Verhandlungen Reden gehört, von denen Herr Hitler und Herr Kunze noch hätten lernen können. Wir Zionisten sollten nicht vergessen, daß alle Reden dieser Art von Briten gehalten wurden. Die gesamte englische Presse Südafrikas befürwortete das Gesetz, wie sie vor wenigen Monaten die Araber in Palästina gegen die Juden verteidigen zu müssen glaubte. Die Regierung konnte sich mehr noch auf die britische öffentliche Meinung Südafrikas als auf die der Buren «Eitzen. ,■-.••• ■ ־ '■ Dtf 1»# m fflÜTtUfe- WWMgeÄänia^ :keia Antisemit Als Farmer hat er keine Konkurrenz der Juden zu fürchten. Ke Intelligenz dagegen fst judenfeindlich. Die Konkurrenz der jüdischen Aerzte und Anwälte ist überstark und wird von Jahr zu Jahr drückender. Die öffentliche Meinung der britischen Bevölkerung Südafrikas ist durchweg antisemitisch. So geschah es, daß fast die gesamte Opposition nach der zweiten Lesung mitderRegierungfürdas Prinzip des Gesetzes stimmte; auch Herr Hofmeyr, der so gern zionistische Kundgebungen unterschreibt. Eine Ausnahme machten die wenigen J u d e n, die im Pariament sitzen, zwei Führer der unabhängigen Arbeiterpartei und ein paar Abgeordnete der ״Südafrikanischen Partei“, in deren Wahlkreisen viele Juden wohnen, alles in allem acht oder neun. Ich möchte darauf hinweisen, daß die so schon unbedeutende Arbeiterpartei gespalten ist; ein Teil sitzt in der Regierung und ist mit für das Gesetz verantwortlich. ' Erwähnt zu werden verdient die tapfere Haltung von Colonel Wedgwood, der, gegenwärtig für den Keren Hajessod in Südafrika tätig, die Regierung wegen des Gesetzes wiederholt heftig angriff, obwohl die gesamte englische und afrikaanse Presse ob solcher Verletzung südafrikanischer Gastfreundschaft ein großes Geschrei anstimmte. Sir Ernest Oppenheimer, der sich noch vor einem Jahre den südafrikanischen Juden als Führer angeboten hatte, wenn sie ihre zionistischen Neigungen aufgeben würden, war während der Debatte und Abstimmung über das Gesetz dem Parlament fern geblieben. Geschäftliche Rücksichten müssen ihn verhindert haben. Auch sonst sind sich nicht alle südafrikanischen Juden der Situation voll bewußt geworden. So konnte der Minister zur Verteidigung des Gesetzes Vorbringen, daß ihn eine Schneiderinnung, die zu 90 0/0 aus Juden besteht, um Beschränkung ostjüdischer Einwanderung gebeten hätte, da die Konkurrenz der neuen Einwanderer das Geschäft verderbe. Die für englische Zeitungen charakteristischen Meinungsäußerungen der Leser können ira großen ganzen in drei Gruppen geteilt werden. Jüdische Stimmen, die das Gesetz verdämmten, und britische, die es begrüßten, oft unter den übelsten antisemitischen Anschuldigungen. Dazu ein paar englische und deutsche Juden, die sich durch den Hinweis des Ministers, wie erwünscht ihm Juden aus Westeuropa wären und daß daher das Gesetz gar nicht gegen die Juden als solche gerichtet sein könnte und von den südafrikanischen Juden recht eigentlich begrüßt werden müßte, geehrt fühlten und von den Ostjuden abrückten. Mr. Kentridge, der, selbst ein Ostjude, als Abgeondneter der unabhängigen Arbeiterpartei in hervorragenden Ausführungen das Gesetz bekämpfte, erklärte diese Juden für übler als ״national sconts“, eine Bezeichnung, die die Engländer im Burenkriege den Buren beilegten, die auf ihrer Seite gegen ihre Brüder kämpften. Der Minister berief sich dauernd auf das Beispiel der Vereinigten Staaten. Wie lächerlich dies ist, wird klar, wenn man sich die Situation beider Länder vergegenwärtigt Amerika hatte eine Bevölkerung von 120 Millionen, als es die Einwanderung beschränkte. Es brauchte Luft zum atmen, wie General Smuts sagte, und konnte sich nicht anders helfen. Es schloß nicht eine Rasse aus, sondern beschränkte alle Nationen in einem einmal gegebenen Verhältnis. (Wir können dieser Ansicht unseres Korrespondenten nicht restlos beipflichten. Auch die nordamerikanischc Einwanderungssperre ist von Rassen-Motiven zumindest m i t bedingt. — Red. ״J. R.“) In Südafrika leben kaum zwei Millionen Europäer. Jeder Gebildete hier weiß, daß dem Lande nichts so sehr fehlt wie eine starke Einwanderung von Europäern, und jeder weiß — auch die Regierung —, daß die Juden in Südafrika mehr Pioniergeist entfalten als irgendein anderer Teil der Bevölkerung. Doch was besagt das; es sind eben Juden. Der Minister wußte Klügeres zu sagen: Jährlich bewerben sich 900 000 Personen aus den im neuen südafrikanischen Ein- Wanderungsgesetz beschränkten Ländern um die Zulassung nach den Vereinigten Staaten. Nur 15 000 von ihnen werden hineingelassen. Nach des Ministers Ansicht emigrieren nur die schwächsten Elemente. Von diesen sucht sich Amerika die besten aus und die schlechtesten der so schon schlechten bleiben übrig. ״Was sagt uns dies“, fragt der Minister, ״es zeigt, daß diese Welle der Emigranten, die gegen die Küsten der Vereinigten Staaten und anderer Länder prallt, die keine Einwanderer hineinlassen, zurückgeworfen wird und zu uns kommt in verdoppelter Stärke und Intensität.“ Ein kluges Argument im Hinblick darauf, daß jährlich kaum mehr als 2000 Ostjuden nach Südafrika auswandern, General Smuts, der Führer der o—■■־.׳(h'onspartei, der einer der aufrichtigsten Freunde ist, die das jüdische Volk besitzt, kehrte erst nach der zweiten Lesung der Gesetzesvorlage von seiner Europa- und Amerikareise zurück. Doch noch am selben Tage erschien er im Parlament, um das Gesetz zu bekämpfen, unbekümmert um die bisherige, recht zweifelhafte Haitung seiner Partei. Gegenüber der geschlossenen Mehrheit der Nationalisten konnte er jedoch nichts ausrichten. Im Gegenteil, auf Antrag eines Abgeordneten der Regierungspartei tritt das Gesetz schon vom 1. Mai dieses Jahres in Kraft, um zu verhindern, daß zu viele Juden noch von den alten Bestimmungen Gebrauch machen. Uns Juden versetzt das neue Immigrationsgesetz einen schweren Schlag. Südafrika galt bisher als ein liberales Land. Vor wenigen Wochen noch beschloß die Exekutive von Hias-lca- Emigdirect, Herrn Aron Benjamin nach der Union zu senden, um eine angemessene jüdische Einwanderung dorthin zu organisieren. Das jüdische Volk wird seine Meinung über Südafrika grundlegend zu ändern haben. Wie die Südafrikanische Union mit ihrer neuen Judenpolitik fahren wird, ist eine andere Frage und hat mit uns wenig zu tun. Einunddreivierte! Millionen Weiße stehen einer mehr oder weniger feindlichen Eingeborenenbevölkerung von sechs Mil- Honen gegenüber, die in schnellem kulturellen Aufstieg begriffen ist Die Südafrikanische V 'חר hat keine Attraktion für Westeuropäer, bestimmt nicht für Engländer, denen der Boden unter den Füßen von der Burenregierung recht warm gemacht wird. Daß es uns Juden als ein Pa adies erschien, ist nur aus unserer Lage in Osteuropa zu verstehen. Nach der Verhinderung der Einwanderung von Juden dürfte die Union durch Einwanderungsüberschuß jährlich kaum ein paar Dutzend Europäer gewinnen. General Smuts erklärte, bei solcher Einwander־׳ •״”״lolitik werde die Union nie ein ״weißes“ Land werden. Radalie, der Führer der Eingeborenen in der Union, rät zu keiner Gewalt. Er begreift die Situation. Eteu Männern »predigt-er, «tefcr-mt organisiere*,•״• «Bä dfti Frauen, zwanzig Kinder zu gebären. Jabotinskys Propaganda in Südafrika Kapstadt, 14. März. (J. T. A.) Wladimir J abotinsky hat nach *seinem Eintreffen in Kapstadt in der Stadthalle eine große Rede gehalten, in der er als das unmittelbare Ziel des Zionismus die Schaffung einer jüdischen Mehrheit in Palästina bezeichnete. Er kritisierte scharf die britische Administration in Palästina, die das Mandat nicht erfüllt, die jüdische Einwanderung nicht unterstützt und keine Böden für die jüdische Siedlung zur Verfügung stellt, und fordert eine Agrarreform zur Freimachung des brachliegenden Großgrundbesitzes für neue Siedlung, sowie eine Politik der Förderung der lokalen Industrie, schließlich eine Verstärkung von Polizei und Garnison durch jüdische Einheiten. Jabotinsky griff auch scharf die Politik der zionistischen Führung an, die in der inneren Arbeit wie in der äußeren Politik versagt hat und erklärte, daß unter einem günstigen politischen Regime 100 000 Einwanderer mit einem Aufwand von nur 10 Millionen Pfund angesiedelt werden könnten. Ke britische öffentliche Meinung und die in den Dominions muß darüber aufgeklärt werden, daß die Regierung das Mandat weder dem Buchstaben noch dem Geiste nach erfüllt; erst dann sei auf eine Besserung zu hoffen. Eine Führung aber, die immer ihre Zufriedenheit mit der britischen Verwaltung erklärte״ hat jetzt nicht den Mut, gegen dieses Regime aufzutreten und die alberne und verruchte Bürokratie anzuklagen, die den guten Namen der britischen Administration entehrt Jabotinsky forderte einen Wechsel in der zionistischen Führerschaft und griff auch die Politik Felix Warburgs und Oscar Wassermanns an. Jabotinsky sagte, er sei gekommen, um die südafrikanischen Juden aus ihrer Ruhe aufzurütteln und sie aufzufordern, nicht nur Geld zu geben, sondern auch ihren Rat hinsichtlich einer Aenderung der zionistischen Politik vernehmen zu lassen. * Jerusalem, 12. März. 0• T. A.) Wie der J. T. A.-Vertreter erfährt, wurde einem Kreis von Freunden Jabotinskys in Palästina seitens einer palästinensischen amtliehen Stelle zu verstehen gegeben, daß eine Rückkehr Jabotinskys nach Palästina den Behörden unerwünscht sei. Grund hierfür ist, wie man glaubt, die von Jabotinsky kurz vor seiner Abreise aus Palästina gehaltene Ansprache, sowie einige von ihm später in der Palästina-Presse veröffentlichte Artikel. (Eine Bestätigung dieses Gerüchtes steht noch aus. —־ Red.). Die Streiks ia Pallsäna in Jahre 1929 Im Jahre 1929 fanden in Palästina 45 Arbeiterstreiks aus wirtschaftlichen Gründen statt, an denen 679 Arbeiter beteiligt waren. Tel-Awiw hat die meisten Streiks aufzuweisen gehabt, nämlich 17 mit 278 Streikenden. In Haifa war die Zahl der Streiks und der Streikenden zwar geringer, aber durch den langdauernden Streik in der Fabrik Pächter & Hoffmann überstieg die Zahl der Streiktage die von Tel-Awiw. Die Zahl von 13 Streiks und 198 Streikenden in Haifa schließt auch 77 arabische Arbeiter in der Zigarettenfabrik ״Mawruk“ ein. ln Jerusalem waren fünf Streiks und 150 Streikende, in Petach Tikwah 9 mit 33 Streikenden zu verzeichnen. In Tel-Awiw endigten 15 Streiks günstig für die Arbeiter, in Haifa wurden 9, in Jerusalem nur 2 erfolgreich, resp. durch einen Ausgleich beendet. (Ziko.)

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