Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 22 (18.3.1930)
- Date
- 1930-03-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 148 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr, 22, 18. in. 1930 Ländern so oft mit Recht verurteilt haben? Ist nicht die Lessing-Affiire, ist nicht die Aktion der antisemitischen Studenten in Prag' gegen den Rektor Steinherz und andere ähnliche Fälle gerechtfertigt, wenn nicht von maßgebender jüdischer Stelle jetzt sofort und eindeutig den Jerusalemer Studenten die Meinung gesagt wird? Wenn Studenten das Recht haben, über die Würdigkeit und nationale Zuverlässigkeit des Kanzlers der Universitat ״abzustimmen", dann kann man dieses Recht auch den völkischen Studenten, die keine jüdischen Professoren wollen, nicht absprechen. Daß die palästinensische Oeffentlichkeit das Benehmen der Studenten nicht als einen Schlag ins Gesicht der jüdischen Nation empfindet, erfüllt uns mit Schrecken. Denn wir erinnern uns zu genau unserer eigenen Gefühle, wenn Teile der deutsehen Oeffentlichkeit ihre ״nationalen“ Studenten als eine Art Helden feierten. Die J.T. A. verzeichnet ein Gerücht, wonach Dr, Magnes zu resignieren beabsichtigt. Ob hier nur ein Wunsch der Berichterstatter der Vater der Nachricht ist, oder ob etwas Wahres dahinter steckt, werden wir bald erfahren. Das Eine ist sicher: Ein Rücktritt von Magnes in diesem Moment und unter dem Druck dieser Agitation wäre eine schwere Diskreditierung des Zionismus. Die Oeffentlichkeit, besonders der englisch-sprechenden Länder und vor allem Amerikas, soweit sie sich überhaupt für Palästina interessiert, hat die Kampagne gegen Magnes mit wachsondern Befremden verfolgt; sie zieht daraus — sicherlieh zu weit gehende — Schlüsse auf das Wesen und die Ziele des Zionismus, und ein Rücktritt von Magnes würde eine Deutung erfahren, die niemand wünschen kann. Aber auch die Folgen für die Universität selbst und für die ganze Palästina-Arbeit können sehr unerwünschte sein. Wir begreifen nicht, daß die Zionistische Exekutive, die zweifellos die Macht hätte, durch ein energisches Wort der Kampagne ein Ende zu machen und z, B. die Studenten in ihre Schranken zu weisen, zu all dem schweigt. Damit wollen wir nicht sagen, daß die Exekutive sich zu den Anschauungen von Dr. Magnes bekehren soll. Sie soll natürlich frei ihre Meinung sagen, sie kann die Anschauungen bekämpfen, das wird niemand mißdeuten, denn jedermann weiß, daß im politischen Leben überall Meinungsverschiedenbeiten bestehen und Gegensätze ausgefochten werden. Aber Kampfmethoden wie die in diesem Fall in manchen Kreisen des Zionismus eingerissenen, deren Hauptinstrument die Entstellung der Meinung des Gegners ist, hätten nicht zugelassen werden dürfen. Und gerade weil die Exekutive anderer Meinung ist als Magnes, hätte sie — im Interesse des Zionismus — fairness als eine Grundbedingung des Kampfes allen Zionisten zur Pflicht machen müssen. Dies aussprechen heißt keineswegs für ©h Islagiier RtrteL mkmtm, 8endaM.׳׳dte41׳n»’ ponderabilien eines solchen innerpolitisehen Kampfes in Rechnung stellen, der sonst auf der abschüssigen Ebene noch weiter abgleiten könnte. * Die Aufhebung des Todesurteils gegen den jüdischen Polizisten Hinkis wird nicht nur diejenigen, die prinzipielle Gegner jeder Todesstrafe sind, mit Genugtuung erfüllen, sondern alle, die Zweifel an der Täterschaft Hinkis׳ auf Grund der durchgeführten Indizienbeweise haben. Wenn auch nur die Möglichkeit besteht, daß der Angeklagte unschuldig ist, dann darf das Gericht nicht zur Verurteilung schreiten. Das gilt natürlieh in allen Prozessen, wer auch der Angeklagte sei. Das Berufungsgericht hat freilich nicht Unschuld angenommen, hält also offenbar den Beweis für erbracht; es hat aber nur auf Tötung erkannt, nicht auf vors ätzliehe Tötung (Mord). Das Gericht war also wohl der Ansicht, daß die sinnlose Erregung, in der sich der Täter befand, Ueberlegung und Vorsatz ausschloß. Dies ist wichtig, denn wenn Hinkis nicht der Täter war, dann gilt diese Annahme auch für die wirklichen Täter. Vorläufig freilich ist noch Hinkis belastet. Es ist aber zu begrüßen, daß auch gegen das Zuchthausurteil Revision beim Obersten Gericht eingelegt worden ist. Der Fall ist — über das individuelle Schicksal des Verurteilten hinaus - darum wichtig, weil es der einzige Fall aus all den Prozessen ist, wo gegen einen Polizisten die Beschuldigung der aktiven Täterschaft bei einem grauenvollen Mord erhoben wird; es ist zu wünschen, daß sich diese Anschuldigung als unrichtig erweist. Auch dann wird freilich u. E. noch kein Anlaß sein, diese Angelegenheit zu einer nationalen Sache zu stempeln, wie es manche Leute mit begreiflicherweise überreizten Nerven tun. In dem J.T. A.-Telegramm, das die Aufnahme des Urteils schildert, steht zum Schluß ein Satz, der besondere Aufmerksamkeit verdient. Nach Verkündigung des Urteils, so heißt cs darin, wurde Hinkis der für zum Tode verurteilte Verbrecher bestimmte rote Kittel und die Ketten abgenommen. ״Man gab ihm Zivilkleider. Außerdem erhält er jetzt Nahrung von außerhalb des Gefinpisses. Diese beiden Privileglen sind darauf zurückzuführen, daß H. ein Aus- 1 ä n d er ist (er ibt Pole).“ Diese Darstellung (nur im englischen, nicht im deutsehen J. T. A.-Bulletin enthalten) wird für viele Leser überraschend sein. Hier handelt es sich nicht mehr um den Fall Hinkis. Jede Erleichterung des persönlichen Schicksals eines Zuchthäuslers, jedes Vermeiden unnötiger Härten ist natürlich zu begrüßen. Aber zwei Dinge sind doch bemerkenswert: Erstens daß Hinkis, der als Polizist gewissermaßen palästinensischer Staatsbeamter war, polnischer Staatsbürger ist, obwohl er fünf Jahre im Lande ist, also schon Palästinenser sein könnte, und obwohl die Naturalisation von den zionistischen Instanzen und dem Waad Leumi als nationale Pflicht erklärt wurde; zweitens aber — und das ist viel Interessantcr und wichtiger — daß Hinkis klug daran getan hat, sich nicht zu naturalisieren, denn cs zeigt sich, daß er erhebliche Vorteile davon hat, Ausländer zu sein. Hier zeigt sich ein Problem, das bisher noch so gut wie gar nicht erörtert wurde: Es gibt in Palästina Menschen zweierlei Rechts: Ausländer und Eingeborene. Die Aus-!ander genießen alle möglichen Privilegien, sogar als Verbrecher, und die Intervention des polnischen Konsuls, von der man Int Fall Hinkis schon früher hörte, vermag mehr als die Berufung auf Menschen- und Bürgerrecht. Das ist für uns nicht nur eine Frage des rechtlichen Prinzips, sondern auch eine Angelegenheit von weittragender nationaler Bedeutung. Denn wir wollen, daß die erwandernden Juden in diesem Land unseres Nationalheims die Staatsbürgerschaft erwerben, an die auch die politischen Rechte geknüpft sind. Wir können aber nicht zulassen, daß die Einbürgerung eine Verschlechterung des Rechtsstandes des Individuums mit sich bringt. Palästina ist kein Land, wo ״weiße" Einwanderer einer eingeborenen Masse gegenüberstehen und wo man für diese beiden Menschengruppen verschiedene Gesetze hat, sondern die Einwanderer, die nach Palästina kommen, betrachten dieses Land als ihre Heimat, sie werden Palästinenser und dürfen dann nicht schlechter behandelt werden, ganz abgesehen davon, daß wir auch diese Haltung gegenüber den vorher im Lande wohnenden ״Eingeborenen" nicht billige!1. Wie kann dieser Zustand fortbestehen? Hier ist ein ernstes Problem, mit dem sich die Jewish Agency einmal beschäftigen sollte; es ist zugleich eine der heute noch seltenen Gelegenheiten eines gemeinsamen Vorgehens aller Bürger Palästinas, eine Angelegenheit der Landespolitik, die in eminentem Maß unsere nationalen Interessen berührt. Palästina-Fragen im Unterhaus Der Bericht der Shaw-Kommission London, 13. März. (J. T. A.) Auf eine Frage des früheren Unterstaatssekretlrs für Indien, Oraf Winterton (konservativ), wann der Bericht der nach Palästina entsandten Untersuchungskommission veröffentlicht werden wird und ob diese Veröffentlichung von einer Erklärung der Regierung der Manda tannacht über die Ursachen des Aufruhrs und über zu ergreifende Maßnahmen zwecks Vermeidung solcher Ereignisse in Zukunft begleitet sein wird, erwiderte der Unterstaatssekretär Dr. Drummond Shieis: Der Bericht liegt der Regierung noch nicht vor. Sobald die Regierung den Bericht in ihren Händen haben wird, wird sie erwägen, welches Vorgehen mit Bezug auf den Bericht am angemessensten wäre. Graf Winterton: Meint' der Unterstaatssekretär, daß •keine 'Regte*mÄE;r-' klärung notwendig »ein wird, wo doch alle In Genf vertretenen Mächte und auch dieses Haus begierig find, die Ansichten der Regierung zu kennen? — Dr. Shieis: Ich habe nie gesagt, daß keine Erklärung notwendig sei; ich sagte nur, daß wir erst nach Empfang des Berichtes wissen werden, ob es nötig oder nicht nötig sei, ein Statement zu veröffentlichen. Wardlaw Milne fragte, ob es nicht wünschenswert sei, daß die Regierung sofort die Ernennung einer viel umfassenderen Kommission zur Untersuchung der Frage in ihrer Gesamtheit in Erwägung zieht. Eine Antwort auf diese Frage wurde nicht erteilt. UmfangderbritischenStreitkräftc. Auf eine Frage von Wardlaw Milne teilte Dr. Shieis mit, daß für das laufende Finanzjahr für Trattsjordanien 49000 Pfund bewMigt wurden, und zwar 34 000 Pfund für das transjordanische Grenz-Korps und 15000 Pfund für übrige Ar* beiten in Transjordanien. Diese Summe schließt nicht den Kostenüberschuß ein, der im Zusammenhang mit den infolge der jüngsten Unruhen getroffenen militärischen Vorkehrungen notwendig wurde. Man kann heute noch nicht sagen, wann die Kosten für die britischen Streitkräfte in Transjordanien aus den Einkünften Transjordaniens werden gedeckt werden können. Die britischen Militärkräfte in Transjordanien bestehen gegenwärtig aus einer Schwadron des Luftheeres, einer Abteilung Panzerautos und ferner aus der lokalen transjordanischen Grenzmacht, zu deren Erhaltung Großbritannien zu einem Sechstel beiträgt. Die Streitkräfte in Palästina und Transjordanien stehen unter einem Kommando und können, je nach Notwendigkeit, aus dem einen Lande in das andere verlegt werden. Es bestehe in Transjordanien auch eine lokale Polizeitruppe, deren Erhaltung Sache Transjordanlens ist. Die gesamten britischen Streitkräfte in Transjordanien und Palästina betreffen zwei Flucrzeuggeschwader, vier Abteilungen Panzerautos und zwei Bataillone britischer Infanterie, schließlich die transjordanische Orenzmacht. Auf die Frage von Sir Herbert Samuel, ob diese Streitkräfte auch im Zusammenhang mit der Luftroute nach Indien verwendet werden, erwiderte Dr. Shieis, daß diese Streitkräffe in erster Reihe bestimmt sind, die beiden Länder zu verleidigen. Woher kommen die Palästina-Einwanderer? Auf eine Frage H 0 ward Burys teilte Dr. Shieis mit, daß von den 14 922 Einwanderern, unter ihnen 14 683 Juden, die vom 1. September 1920 bis 31. Dezember 1921 nach Palästina kamen, 33 «;0 aus Polen, 14 0/0 aus Rußland, 5 «/# aus Rumänien, 11 ®/o aus den kleineren osteuropäischen Staaten, 3ya ״/# aus Großbritannien und den Dominions, 10 «/» aus Zentralasien und 22!/» 6/0 aus anderen Ländern stammten. Die für die Jahre 1022 bis 1029 verfügbaren Zahlen sind: 3&85Ö jüdische Einwanderer kamen aus Polen, 15796 aus Rußland, 5555 aus Rumänien, 2217 aus den Vereinigten Staaten von Amerika, 1005 aus Oesterreich, 974 aus Großbritannien und den Dominions, 276 aus Ungarn. ______ Statistisches Handbuch für Palästina. Soeben erschien das vom Hauptbüro des Keren Hajessod in Jerusalem herausgegebene Statistische Handbuch für Palästina. Die bedeutsame Publikation, auf die wiederholt hingewiesen wurde, sollte bereits im Dezember 1929 erscheinen. Die Herausgabe wurde jedoch verschoben, um die Ergebnisse des Industrie- Zensus der Regierung in dem Buch noch mitzuberücksichtlgen. Das Statistische Handbuch ist ein unentbehrliches Nachschlagewerk für alle, welche objektive und umfassende Information über alle Gebiete des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens in Palästina suchen. Die Studenten gegen Dr. Magnes Magnes will zurücktreten? Jerusalem, 12. MSrz. (J.T. A.) In Jerusalem zirk u - llert das Gerücht, daß Dr. J. L. Magnes beschlossen hätte, von seinem Amt als Kanzler der Hebräischen Universität zurückzutreten; als Grund wird die von verschiedenen zionistischen Kreisen an seiner Tätigkeit, im Zusammenhang mit der Veröfientüchung und Verbreitung seiner Broschüre ״Likc all the Nation!?“, geübte Kritik angegeben. Eine Vereinigung von Studenten der Hebräischen Universität forderte in einem Zirkular die Studentenschaft der Universität auf, den Rücktritt Dr. Magnes’ zu verlangen. In dem Zirkular heißt es, die Tatsache, daß Magnes Kanzler der Universität ist, verleiht seinen Worten und seinem Wirken besonderen Nachdruck; seine jetzige Tätigkeit tue aber der Würde der Universität Abbruch. Wiirden die Studenten dazu schweigen, so würde es so ausschen, als ob sie mit die Verantwortung für seine Aktionen tragen wollen (?!). Am 10. März fand eine VersammlungvonStudent e n der Hebräischen Universität statt, in der ein von den revisionistischen Studenten eingebrachter Antrag, daß der Rücktritt von Dr. Magnes zu fordern sei, mit 50 gegen 30 Stimmen abgclchnt wurde. Die Mehrheit der Anwesenden mißbilligte in einem Votum das Verhalten von Dr. Magnes, erklärte aber, daß die Frage seines Verbielbens oder Nichtverbleibens als Kanzler der Universität dem Waad Leumi (?) zur Entscheidung überlassen werden müsse. Einige der der Versammlung beiwohnenden Professoren, unter ihnen Prof. J. Klausner und Prof. Epstein, bedauerten zwar die separatistische politische Tätigkeit von Dr. Magnes, empfahlen aber den Studenten, die seinen Rücktritt fordernde Resolution abzulehnen. Schließlich wurde mit 49 gegen 31 Stimmen die folgende Resolution angenommen: Diese Versammlung von Studenten der Hebräischen Universität protestiert energisch gegen die Tätigkeit des Kanzlers der Universität Dr. Magnes, die den Aspirationen des jüdischen Volkes in seinem Lande diametral entgegengesetzt ist und geeignet sei, die nationale Disziplin zu untergraben, indem im allgemeinen kein Unterschied gemacht wird zwischen Dr. Magnes als Privatperson und Dr. Magnes als offiziellem Oberhaupt der Universität, unbeschadet seiner Erklärung, daß er auf eigene Verantwortung handelt. Diese Versammlung fordert deshalb den Waad Leumi und das zionistische Aktions-Comitö auf, die nach dieser Riehtung hin als notwendig erachteten Maßnahmen zu ergreifen. (Wir nehmen zu diesen Vorkommnissen an anderer Stelle des Blattes Stellung. — Red.) Pressesetma In der ״Vos$isehen Zeitung“ vom 16. März veröffentlicht Dr. Friedrich Brodnitz einen Brief zu den in dem genannten Blatt erschienenen Palästinaartikeln von Emil Lud - w I g. Der Briefschreiber betont zunächst, daß Ludwigs Ausführungen über die Notwendigkeit einer friedlichen Verstaudigung zwischen Juden und Arabern in Palästina die Ueberzeu- . .. nitz gegen Ludwigs Bemerkung, die Juden seien ״heimatlos und eine Art von Nomaden“. Er warnt vor einer solchen Forraulierang, die von den Antisemiten aufgegriffen werden könnte, und betont, daß did deutschen Palästinafreunde, für die ihr Deutschtum selbstverständlicher Lebensinhalt ist, nicht aus diesen Motiven an dem Palästinawerk mitarbeiten. ״Das Gefühl einer öc- Samtverantwortung für eine große gemeinsame Aufgabe, die der Welt eine sichtbare Leistung des Judentums zeigen soll, und die Verbundenheit mit dem Vaterlande, der Geburt und der Lebensarbeit sind keine Gegensätze.“ Im ״Berliner Tageblatt" vom 16. März veröffentlicht Armin T. Wegner zwei Beiträge über seine Palästinareise. Wegner und seine Frau Lola Landau haben vor einem Jahre Palästina und die Nachbarländer auf einem Motorrad, genannt ״Der weiße Fuchs“, durchstreift. Im Hauptblatt des ״B. T.“ erzählt Wegner von seiner Fahrt durch die Wüste Sinai, im ״Weltspiegel“ der gleichen Nummer berichtet er über seine Ankunft in Tel-Awiw und seine Fahrt nach Jerusalem, mit mehreren Photographien. Man darf auf das bevorstehende Palästinabuch Wegners gespannt sein. ״The N e a r East and I n d i a“ veröffentlicht am 13. d. M. eine ausführliche Zuschrift von S. Tolkowsky in Tel-Awiw, der sich gegen die Behauptung des genannten Blattes, cs ermangele an einer jüdisch-arabischen ökonomisehen Zusammenarbeit, wendet. Der Schreiber betont, daß alle verantwortlichen Juden sich darüber klar sind, daß die Entwicklung des Landes nicht ohne entsprechende Zusammenarbeit der verschiedenen Teile der Bevölkerung vor sich gehen könne. Des weiteren schildert er ausführlich das Verhalten der Juden nach dem Erdbeben 1927, das damals von der arabischen Presse dankbar anerkannt wurde. In einer Nachbemerkung betont die Redaktion ihre Genugtuung über ״die guten Absichten vieler Zionisten“. Worauf es aber ankommt־, sei nicht so sehr der Nachweis humanen Fuhlens von Juden wie Nathan Strauß usw., sondern es müsse eine systematische Hilfe der Juden für die Araber in der ökonomischen Sphäre durch Förderung der Landesinteressen, ohne daß dabei immer zwischen Juden und Arabern unterschieden wird, gemacht werden. Zeitschrift Palästina. Der neue Jahrgang wird mit einer besonders reichhaltigen Doppclnummer 1/2 eingeleitet. Dr. A. Granovsky, Departementsleiter des Keren Kajemeth Jerusalem, schreibt über die ״Bedeutung der Bodenreserve“. Er schildert, wie systemlos in früherer Zeit die Bodenkäufe für die jüdische Kolonisation vor sich gthgen, wie nicht für Schaffung von Bodenreserven in Stadt und Land gesorgt wurde, was zu unerfreulichen Folgen führte. Ing. Josef L o e w v Haifa, schreibt über die EntwTcklungsmöglichkeiten des Karmel. Er schildert die Geschichte der Entwicklung des Karmel und macht Vorschläge für Reformen, um dieses jüdische Siedlungs- Studie über die Arbeitsbedingungen der jüdischen städtischen Arbeiter Palästinas. Leider sind diese, wie die zahlreichen Tabellen und Daten beweisen, in jeder Beziehung sehr gedrückt. Von größtem Interesse ist ein Beitrag über die Wirtschaft des Fellachen von Direktor J. E. Volcani (Agr, Wilkansky), Die unglaubliche Primitivität aber auch die Selbstgenügsamkeit der Fellachenwirtschaft wird in sehr instruktiver und anziehender Weise eingehend geschildert. Dr. Alfred Bonne schreibt über die Steuerbelastung in Palästina. Er zeigt, daß die Haupteinnahme der Regierung in den Zöllen liegt, während der Ertrag der Agrarsteuern sinkt, daß die durchschnittliche Belastung der Einwohner höher ist, als in kleineren eurepäischen Staaten und hauptsächlich die Juden betroffen werden. Aus dem übrigen Inhalt des Heftes ist hervorzuheben die Rundschau ״Politik“ von Dr. Ernst Simon. Eine Fülle von Material bringen die ״Nachrichten und Daten“. — Verlag der Zeitschrift Wien 1, Heßgasse 7. Bezugspreis für Deutschland 8,40 RM.