Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 20 (11.3.1930)
- Date
- 1930-03-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 134 JÜED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 20, 11. II! 1930 Tausende und Abertausende in allen Ländern dankbar seiner gedenken, die der große Dichter mit lebendigen Stunden beschenkt hat und noch beschenken will und wird. Aber vor allem ist es das hebräische Palästina, das mit Tschernichowky jetzt feiert. Und da fragt man sich: wenn Tschernichowsky das Alter des Psalmistm erreichen wird — wir wünschen es von Herzen — wird cs ihm noch vergönnt sein, die Wiedergeburt der hebräisehen Kultur und das Verständnis für sein Schaffen auch in allen anderen Ländern zu feiern? Wir wünschen es ihm und uns. Osias Thon Zu seinem 60. Geburtstage Dr. Osias Thon, dessen 60. Geburtstag am 12. März Anlaß zu großen Feierlichkeiten in Polen bietet, ist die repräsentative Persönlichkeit des polnischen Judentums, einer seiner verdienstvollsten und begabtesten Führer, eine der stärksten Geister und markantesten Figuren im Weltjudentum. Zionist schon vor Herzl — Mitglied des Lemberger ״Zion“ und Berliner ״Jung-lsrael“, mit Herzl noch vor dem 1. Kongreß in Berührung gekommen — steht Thon seit über 40 Jahren in den ersten Reihen der Weltbewegung und an der Spitze des galizischen Zionismus. Zu deren Führerstellung befähigt ihn ein außerordentliches Und vielseitiges Talent. Thon vereinigt in sich tiefes europäisches Wissen, das er in Deutschland erworben, mit einer profunden Kenntnis des alten und neuen jüdischen Schrifttums. In erster Linie ein Mann der Wissenschaft, sollte Thon eigentlich in ihrem Tempel verbleiben. Seine Wissenschaftliehen Fähigkeiten, insbesondere auf dem Gebiete der Philosophie und Soziologie (zu erwähnen ist seine Studie über Spencer) stellte Thon in den Dienst der theoretischen Grundlegung des Zionistnuf» Von den Schriften, die er auf diesem Gebiete veröffentlichte, ist insbesondere ״Zur gcschichtsphilosophischen Begründung des Zionismus“ zu nennen. Thon wandte sich aber bald dem politischen Leben zu und mußte naturgemäß die theoretische Tätigkeit einschränken. Aber samtliehe Acußerungcn Thons in Wort und Schrift bekunden wissenschaftlich geschultes Denken. Thon gehörte zu den eifrigen Mitarbeitern des ״Haschiloach“, und obwohl er mit smen Freunden Berditschewski, Ehrenpreis u. a. den bekannten Kampf der ״Jungen" gegen Achad Haain mitmachte, wurde er später ein treuer Anhänger Achad Haams. Thons Verdienste auf dem Gebiete 3er Renaissance der hebräischen Sprache und Literatur, des hebräischen Schulwesens (״Tarbath“) sind unermeßlich. Nach Herzls Tod gelangte Thon zu einer tiefen Synthese des kulturellen und politischen Zionismus; seine Schrift über Herzl gehört zum Besten, was wir in unserer Literatur über den Schöpfer des modernen Zionismus besitzen. Von da an begann Thons hervorragendes Wirken in der zionistischen Bewegung. Auf Kongressen, im Aktions-Comite, in der zionistischen Presse (״Welt“, ״Hazefirah“, ״Haolam", ״Nowy Dzienaik“. ״Hajnt“) und in hebräischen Zeitschriften nimmt Thon geistreich, tiefschürfend zu zionistischen Problemen Stellung. In Galizien ist er die Personifikation des Zionismus. Hier wurde er der Erzieher einer zahlreichen zionistischen Generation, die ihn verehrt und ihm nadistreht. Die Westgalizische Zionistisehe Organisation, ihre sämtlichen Institutionen, ja alles,;«**$. .in •WewgiiMto'iioBi&tisdi:׳ geschaffen wurde, verdankt Thon sdn Entstehen und seine Entwicklung. Als Rabbiner ln Krakau erwarb sich Thon durch sein mutiges Auftreten und seine Prediger-Begabung hohes Ansehen bei Freund und Feind. Auch die Feinde and allmählich unter der Wucht seiner Wirkung Freunde unserer Sache geworden. Sprühender Geistä gottbegnadeter Redner, Meister der Feder, unerschrocken 1m Kampf, den er aber sehr vornehm führt, reich an Erfahrung und bestens versiert im politischen Geschehen der Völker — mit diesen Eigenschaften ausgerüstet, wurde Thon nach Ende des Weltkrieges einer der Führer des neu vereinigten polnischen Judentums, zuerst in Paris während der Friedenskonferenz, nachher in der polnischen Konstituante. Ununterbrochen seit damals gehört Thon dem polnischen Sejm an, wo er sich der größten Hochschätzung des ganzen Hauses erfreut Den inneren Kampf im jüdischen Parlamentsklub machte Thon nicht mit. Diese Stellung gewann ihm noch mehr die Liebe und Achtung des polnischen Judentums. Dieses wünscht ihm zusammen mit der Weltbewegung Frische und Stärke auf seinem weiteren, recht langen Lebensweg. —g. Zwei GrundauHassungen Zu einer Rede Jabotinskys. Das Tageblatt der palästinensischen Arbeiterschaft ״Dawar“ schreibt in einer seiner letzten Nummern zu einem von der J. T. A. verbreiteten in der palästinensischen Presse wiedergegebenen Telegramm über eine Rede Jabotinskys: Bei dem Abschiedsbankett für Jabotinsky vor dessen Abreise nach Südafrika in London sagte Herr Großmann, es werde jetzt der Versuch gemacht, eine gemeinsame Plattform für die beiden zionistischen Auffassungen — die revisionistische und die der andern Zionisten — zu finden. Bei demselben Bankett aber zeigte Jabotinsky durch wenige Worte (und es scheint uns, daß es überflüssig war, gerade diese Worte sofort telegraphisch auf der ganzen Welt zu verbreiten), wie schwer eine solche Plattform zu finden ist. Wenn bisher jemand gezweifelt hat, daß der Streit zwischen den Revisionisten und der Majorität der zionistischen Bewegung nicht nur ein Streit der politischen Forderungen oder gar ein Kampf um Aeinter, und am allerwenigsten ein Kampf um die ״Demokratie“ im Zionismus ist, sondern daß es viel tiefere Trennungen zwischen den zwei Lagern gibt, daß zwei Welten einander hier gegenüberstehen, — dann möge er diese Erklärung Jabotinskys lesen. Dieses Gerede über die ״europäische Minderheit“, die die politischen Herrschaftsformen zu bestimmen hat, in welchen die ״Eingeborenen“ zu leben haben, wie weit ist dies alles von unserer Wirklichkeit und von der in der zionistischen Bewegung herrschenden Grundauffassung der Zukunft des Landes entfernt; wie tief ist der Abgrund zwischen diesem Beispiel Südafrikas mit seinem Kampf zwischen ״Natives“ und der zivili• sierten Minderheit, und den menschlichen und seelischen Werten, auf denen die Existenz des Zionismus beruht. Auf der einen Seite die Hoffnung, daß der Zionismus von Südafrika Eingeborenenpolitik lernen werde, auf der andern Seite die Hoffnung, daß der Zionismus seine eigenen Wege zur Schaffung von Lebensformen finden werde in diesem Lande, welch« nicht eine ״europäische Minderheit“ und eine ״große Mehrheit von auf niederer Kulturstufe stehenden Eingeborenen“ kennen soll, sondern zwei freie Völker, die beide ein Leben schöpferischer Freiheit führen. in aller Kürze Die Palästina-Regierung hat 100 000 Pfund Sterling zur Entschädigung von Personen, die während der August-Unrahen Schaden erlitten haben, bewilligt; davon werden 80 000 Pfund — wie die Tageszeitung ״Hazman“ erfährt — zur Entschäding von Juden und 20 000 Pfund zur Entschädigung von abern verwendet werden. (J.T. A.) In Jerusalem ist das Gerücht verbreitet, daß Sir John Chancellor sich mit der Absicht trägt, von seinem Amte als Oberkommissar Palästinas, das er im Juli 1928 übernommen hat, zurückzutreten. Es verlautet, daß die Palästinensisch- Arabische Delegation den Zeitpunkt der Abreise abermals auf unbestimmte Zeit verschoben hat. Der Oberkommissar Sir John Chancellor hat, wie J. T. A. erfährt, die Auferlegung schwerer Kollektivgeldbußen auf die arabischen Dörfer, die sich während der August-Unruhen an den Angriffen auf die jüdische Kolonie Art uff beteiligt haben, bestätigt. Dem Dorfe Direven wurde eine Geldbuße von 1200 Pfund, den Dörfern Ishwaa und Zeraa eine Geldbuße von je 800 Pfund auferlegt. Auf seiner Reise nach Nordpalästina besuchte der Oberkotnmissär mit seiner Gattin N a 11 a I a I, wo ihm ein feierlicher Empfang bereitet wurde. In den Anspradicn hoben die Kolonisten die Verdienste des Polizeioffiziers Bryant und des Distriktsgouverneurs Andrews von Nazareth um die Erhaltung der Ruhe im Emek hervor. Das arabische Organ ״Mcraat el Shark“ teilt mit, daß der Moslemische Oberste Rat Einspruch gegen den Verkauf einer größeren Bodenfläcnc in der Nähe von Tufkarem an Juden erhoben fiat, mit der Begründung, daß der Boden Eigentum der moslemischen Religionsgemcin* schaft sei. Am 21. Februar veranstaltete das zionistische Informationsbüro einen Empfang für eine Gruppe von etwa 30schwedisehen Touristen, darunter Parlamentsmitglieder und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Schweden. Tn der letzten Sitzung des Stadtrat es von Haita wurde definitiv beschlossen, den Bau derStraße von dem großen jüdischen Stadtviertel Hadar Hakarmei aut den Karmel mit einem Kostenaufwand von 12500 Pfund durchzuführen. Nachdem das Gebäude für das Hauptbüro des Jüdiseben Nationalfonds auf dem Grundstück des Fonds in Rechawlab (Jerusalem) das den nördlichen Flügel des späteren gemeinsamen Bürohauses bildet ־— nahezu beendet ist, gehen auch das Hauptbüro des Keren Hajessod und die Exefcutive der Jewish Agency an die Vorbereitung für den Bau ihrer Büros. Die Palästina-Regierung hat etwa 2300 Fellachen zur Bekämpfung der Heuschrecken-Gefahr, die von den Nachbarländern her Palästina bedroht, eingesetzt und eine Summe von 50000 Pfund für die Heuschreckenbekämpfung bereitgestellt. Das arabische Hilfskomitee teilt mit, daß es während der fanzen Zeit seiner Tätigkeit 7444 Pfund aufgebracht hat; in iese Summe eingeschlossen sind die Spenden der National- Partei im Irak und der arabischen Emigranten in Salvador. Der jüdische Parlamentsklub Polens hat an die jüdische Bevölkerung einen Aufruf erlassen, worin unter Hinweis auf die katastrophale Wirtschaftslage des polnisch«! Judentums gegen das den Juden angetane Unrecht, insbesondere die TiffCrtrigHcfte Steuerlast und die Apathie der », Regierung, protestiert wird. Zum Zeichen des Protestes sollen am 11. März alle jüdischen Läden und Büros in Warschau geschlossen bleiben. Gleichzeitig richtete der Parlamentsklub an den Ministerpräsidenten und den Finanzminister eine eindringliche Interpellation in derselben Sache. Sämtliche jüdische Studenten der Medizinischen Fakultät der Konstantinopelcr Universität haben sich unter dem Druck unaufhörlicher Verfolgungen, Belästigungen und Schmähungen seitens ihrer nichtjüdischen Kollegen gezwungen gesehen, den Besuch der Universität einzustcllen. Das Präsidium des Allukrainisehen Central - Exekutivkomitees hat beschlossen, im Distrikt Kriwojrog einen neuen Slen dritten) autonomen jüdischen Rayon mit dem orfe Iziutschist als Verwaltungszentrum zu proklamieren. Die Landwirtschaftsbank der Sowjetunion hat auf Antrag von ״Komzet“ beschlossen, die jüdischen Kolonisten i n d e r Kr i m und in der Ukraine für zehn Jahre von der ratenweisen Rückzahlung der ihnen von der Bank vorgeschossenen Beträge zu befreien. Der Rabbiner von Neu-Slatopol, dem Hauptorte des zweiten autonomen jüdischen Rayons in der Ukraine, wurde unter der Beschuldigung, Lebensmittel gehamstert zu haben, angeklagt. Dem Moskauer Korrespondenten der J. T. A. wird vom Auswärtigen Amt der Sowjetunion auf seine Anfrage offiziell mitgeteilt, daß ein Prozeß gegen die vor einiger Zeit verhafteten und dann wieder enthafteten Minsker Rabbiner und Gemeindeführer nicht stattfinden wird. In der letzten Woche wurden in einer Anzahl Städte der• Ukraine, so u. a. in Belo-Zerkow, Balta, Heisin und Olewsk, 17 Synagogen beschlagnahmt und für weitere Andachtsübungen geschlossen. Am 6. März fand im Hotel ״Eden“ ein von den Direktoren des Joint Distribution Committee in Berlin, Dr. Bernhard Kahn und Schweitzer, veranstalteter Abschiedsabend für den bisherigen Generalsekretär des europäischen Joint, Dr. Werner S e - nator, statt, der im Aufträge der Jewish Agency nach Palästina geht und in die Palästina-Exekutive eintritt, wo er voraussichtlich das Amt des Treasurers übernehmen wird. Es wurden eine große Zahl von Reden gehalten, insbesondere von Vertretern von Organisationen der Hilfs- und Wandererfürsorge, in denen Dr. Senator!nitgearbeitet hat. Namens der Z. V. f. D. sprach Herr Alfred Berger. Auflösung der ״Jewsekzifa“ Moskau, 5. M3rz. (J.T.A.) Die von der J.T.A. vor eitriger Zeit bereits mitgeteilte Auflösung der ״JewsekziJa“ (Jüdische Sektionen der kommunistischen Partei) durch das Zentralkomitee der kommunistischen Partei Rußlands wird nun offiziell bestätigt. Die in Minsk erscheinende Jiddische kommunistische Tageszeitung ״Oktiabr“, die diese offizielle Mitteilung bringt, stellt fest, daß die Auflösung der ״Jewsekzija“ aut die jüdischen Kommunisten deprimierend gewirkt hat. Die Zeitung schließt: Mit der Abschaffung der ״Jewsekzija“ wird sich die Lage der Juden im Sowjetreich sowohl in legaler als auch in wirtschaftlicher Beziehung zweifellos verbessern, weil nun an Stelle der ״Jewsekzija“ diekommunistisehe Partei selbst an den Angelegenheiten des jüdischen Lebens direkt Interessiert ist und so auch die direkte Verantwortung für die Arbeit zum Wohle der Jüdlsehen Bevölkerung tragen wird. Die englische Palästina-Politik Erklärungen des Unterstaatssekretärs Dr. Shiels London, 6. März. (J. T. A.) Der Unterstaatesekretär für die Kolonien, Dr. Drummond Shiels, empfing während seines Besuches in Edinburgh eine von Rabbiner Dr. Salis Daiches geführte Abordnung der Edinburgher Zionistischen Vereinigung, die ihm die zionistischen Forderungen vortrugen. Dr. Shiels erwiderte: Die Regierung hat bereits erklärt, daß sie in keiner Weise beabsichtige, von der Im Mandat und in der B a I f o u r ־ D e - klarationniedergelegtenPoIitik abzuweichen. Er sehe vollkommen die Nützlichkeit ein, die Bestimmungen des Mandates klar und unmißverständlich zu erläutern und die richtige Beziehung aufzuzelgeit, wie die Errichtung des Jüdisehen Nationalheims bei gleichzeitiger Wahrung der Rechte und Privilegien der Araber zu bewerkstelligen Ist. Auf jeden Fall aber wird England das Mandat zur Durchführung bringen und die Hauptrichtlinien der Politik unverändert beibehalfen. Die Palästina-Regierung, fuhr Dr. Shiels fort, befasse sich gegenwärtig mit der Bodenfrage. Er glaube, es würde ein Fehler sein, eine Massenelnwandcrung zu fördern, da die Einwanderung gemäß der Aufnahmefähigkeit des Landes und der angemessenen Ansprüche der verschiedenen Gemeinschaften geregelt werden müsse. Was die Haltung der britischen Beamten in Palästina betrifft; so dürfe man nicht vergessen, daß sie recht mühsame und delikate Plichten zu erfüllen hatten. Die Tatsache, daß sowohl Juden als auch Araber der Administration Parteilichkeit vorwerfen, deutet darauf hin, daß die beiderseitigen Anklagen ungerechtfertigt seien. Die Regierung, schloß Dr. Shiels, ergreift angemessene Schritte zur Reorganisierung und Verstärkung der Polizei Weitere 200 britische Polizisten wurden rekrutiert, die nach Palästina gehen. Die Regierung hat den Generalinspektor der Ceylon-Polizei nach Palästina entsandt, einen überaus fähigen und erfahrenen Beamten, auf dessen wertvollen Rat man sich verlassen kann. Die Sicherheitsfrage als ganze bilde gegenwärtig Gegenstand einer Erwägung seitens der Regierung. Jfidisdie Masaryk-Feiern Ein Masaryk-Wald in Palästina Die gesamte Judenheit in der Tschechoslowakei hat den 80. Geburtstag des Präsidenten Masaryk festlich begangen. Der Oberste Rat der jüdischen Kultusgemeinden-Ver* b ä n d e in Böhmen, Mähren und Schlesien hat einen Aufruf an die Kultusgemeinden gerichtet, in welchem den Gemeinden als eine einheitliche Ehrung der gesamten Judenschaft die Errichtung eines jüdischen Handelslehrlingsheims etnpfohlen wird. — Die Prager Israelitische Kultusgemeinde hat aus Anlaß des 80. Geburtstags des Präsidenten Masaryk eine Festsitzung und eine Feier im Geisttempel abgehalten. — Das böhmische zionistische Dlstriktskomitee veranstaltete in Prag einen Festabend, bei welchem ein Schreiben von Chalm Weizmann verlesen wurde Ke Festrede hielt Abg. Dr. Ludwig Singer. Im Verlauf der Feier wurde mitgeteilt, daß für die Masaryk-Wald-Aktion des Keren Kajemetb bis mm 6. März 609 000 Kronen aufgebracht wurden. Die Gratulation*- Adresse mit den Uiltfasdtfiftcn aller Spender «ptod. 4u»~?rietdenten durch eine Deputation überreicht, die anch einen Korb Palästina-Obst, ein Geschenk der in Palästina lebenden Tschechoslowakei überbringen wird. Laut einer Mitteilung des Hauptbüros des Jüdischen Nationalfonds in Jerusalem wird mit der PflanzungdesMasaryk-Waldes noch im Verlauf dieses Jahres in der Ebene Jezreel bei Sarid, der Siedlung der tschechoslowakischen Kvvuzah Bibrachah, begonnen werden. Alle in der Tschechoslowakei erscheinenden jüdischen Z e i t u n g en geben aus Anlaß des 80. Geburtstages des Präsidenten Masaryk Festnummem heraus. In der Prager ״Selbstwehr“ schreibt Dr. Felix Weltsch über den ״sittlichen Mensehen Masaryk“. Dr. Franz Friedmann zeichnet ausführlich Masaryks Beziehung zum Judentum. * Am Sonntag, dem 2. März, wurde auf dem Boden des Keren Kajemeth in Ginegar, in der Nähe des Balfour-Waldes, der von der Judenschaft Jugoslawiens gestiftete ״König Peter der Befreier-Wald“ eingeweiht Ein offizieller Vertreter des Königreiches Jugoslawien haben sich eingefunden. In Belgrad naben Repräsentanten des jugoslawischen Zionistenverbandes und des Keren Kajemeth König Alexander ein kostbares, in Silber, Elfenbein und Leder vom Kunstgcwerbe-Atelier Bezalel in Jerusalem ausgeführtes Diplom samt Kassette überreicht Dentschland und das ittdische Nationaltaeim General Kreß von Kressenstein, der Kommandant der türkischen Streitkräfte in Palästina im Kriege, der gegenwärtig zu Besuch in Palästina weilt erklärte in einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur in Jerusalem: Hätte Deutschland den Krieg gewonnen, es hätte sich unmöglich für ein Jüdisches Nationalheim erklären können; ebensowenig hätte es eine arabische nationale Bewegung gegeben. Wären die Türken in Palästina geblieben, es würde eine intensive Türkisierung des Landes vor sich gegangen sein. Ich glaube, fidir General von Kressenstein fort, daß die Juden deswegen auf die Seite der Alliierten getreten waren, weil sie sich vergegenwärtigten, daß Deutschland nicht in der Lage sei, ihnen ein Nationales Heim zu geben. (״Ke Juden“ sind nicht auf Seite der Alliierten getreten, vielmehr haben die Zionisten in beid en Lagern sich bemüht, Sympathie und Hilfe für die jüdischen Bestrebungen zu finden, die lediglich jüdisehe und keine anderen Ziele verfolgten. — Red. ״J. R.“) General von Kressenstein gab seiner Bewunderung über den Fortschritt Ausdruck, den das Land Palästina in den zwölf Jahren seit dem Kriege gemacht hat Einen besonderen Eindruck machten auf ihn die Ruthenbergschen Elektrizitätsarbeiten. Er erklärte, er sei sehr gerührt über die ihm seitens der britischen Behörden entgegengebrachte Herzlichkeit. (Bekanntlich hat Graf Bernstorff, der in den letzten Kriegsjabren deutscher Botschafter in Konstantinopel gewesen war, sich erst kürzlich bei der in Hamburg abgehaltenen Kundgebung des Deutschen Komitees Pro Palästina dahin geäußert, daß auch Deutschland sich für die Errichtung eines Nationalen Heimes für die Juden in Palästina im Falle seines Sieges eingesetzt hätte.) Die Leitung der Zeitschrift ״Der Morgen“ hat nach dem verstorbenen Prof. Jul. Goldstein Rabbiner Dr. Dienemann (Offenbach a. M.) übernommen. Ihm stehen Frau Margarete Goldstein und Dr, Ludwig Holländer zur Seite, r