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Jüdische Rundschau · 1930-03-11 · Heft 20 (11.3.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 20 (11.3.1930)
Date
1930-03-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 0J25 Goldmark. JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5«75 Goldmark. A11$land1sabonnan5ent8 worden m dm Wftkreag dm ■if!■י■ Liisdef berechnet, Anzeigenpreis: 8 Nonpaj־eiUex*it* 0,50 GUM. SteJIentrwudhe 0,25 GUM־ Redaktion Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H״ BerlinWlS, Meinekeatr.10 Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. AnaritwcMuS: Dt.o.t«! und Freit•! nachmUt•!• 4 Uh, Poiticbtck •Kootea: Berlin!7392, Baael V 9355. Beisind 680 32 39433, Budapest 59693. Danri« 1973, Haag 140470, Prag 59410, Strambax! 164 30, Waracbaa 190708, Wien 156 030. B»ak •Konten; Darmstadtar und Nationalbank, Depositen Kamm Berlin, Kurfiin&endamra 52; Bane* da Est, Certäautt (Rumänien); Angln Palest«!® Go. in Haifa, Tertiaalem, lei Aviv v ummer 20 | Berlin, 11. 111. 1930 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch narhrnitt«.e י״א אדר׳ תר״צ | xxxv. Jahr*. per Ztönismu» erstrebt tür das jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich ־ rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm. Joseph Trampeldor Zu seinem 10. Todestag Joseph Trumpeldor, dessen Todestag sich heute zun zehnten Male jährt, ist in der jüdischen nationalen Bewegung bereits fine legendäre Figur geworden. Ein tragischer gewaltsamer Tod beendete ein außerordentliches, an Erlebnissen reiches Schicksal. Trumpeldor ist eine männliche, soldatische Gestalt im guten Sinne des Wortes. Er verband Mut und Entschlossenheit mit innerem Stolz und seelischer Einfachheit, Selbstlosigkeit und Rechtssinn mit einem leidenschaftlichen nationalen und sozialen Idealismus. Ein treffendes und ergreifendes Bild dieses seines Freundes zeichnet Jabotinsky in seiner ״Geschichte der jüdisehen Legion“, deren deutsche Ausgabe gerade als zweites• Band des Zionistischen Bücherbundes erscheint (dessen Aushängebogen uns vorliegen). Trumpeldor wird dort geschildert als ein Mensch von dem Aeußeren und dem Gebaren eines ״Nord- ]anders“, als eine — wenn man so sagen darf — ״unjüdische“ Gestalt, ohne dialektische Klugheit, ohne Sentimentalität und ohne leeres Pathos, aber mit tiefer Herzensbildung und GradheiV Er, der schon im russisch-japanischen Krieg einen Arm verloren hatte, war Vegetarier, Sozialist und Kriegsgegner. In demselben Buch schildert Jabotinsky auch die Entstehung des Begriffes ״Ctaaluz“, den Trumpeldor geprägt hat. Als er, der russische Offizier, nicht in die englisch-jüdische Legion eingestellt werden konnte, ging er nach Rußland und schuf den Hechaluz. Seine Idee war die Aufstellung einer Zivil-Armee jüdischer Jugend, die bereit ist, für die Wiedergeburt der Nation jede Arbeit und jeden Dienst auf sich zu nehmen. Das neue Palästina sollte durch die hingebungsvolle Tat dieser selbstlos und nur für die Allgemeinheit, für eine bessere jüdische Zukunft sich einsetzenden Menschen als sozialistisches Gemeinwesen, als eine neue, bessere und brüderliche Gemeinschaft aufgebaut werden. Als Trumpeldor später nach Palästina ging, setzte er sich eine Hauptaufgabe: ein großes geeinigtes Lager der jüdischen Arbeiterschaft zu bilden, das den Aufbau Zions auf sich nehmen sollte. Er geriet im Lande in den Streit der Parteien und seine Bemühungen, zunächst eine Vereinigung d®r fsfteiea vergeblich. Erst jetzt, 10 Jahre nach seinem Tode und Unter ganz anderen Verhältnissen, nach schweren Erfahrungen und auch Enttäuschungen, ist diese Vereinigung Tatsache geworden. Zu jener Zeit, wo fast an allen Grenzen in der Welt noch Unruhen herrschten und in allen Grenzgebieten Freischärler irreguläre Kämpfe führten, entspannen sich auch an den Grenzen Palästinas gelegentliche Plänkeleien. Im benachbarten Syrien, das die Unabhängigkeitsversprechungen der Alliierten zu Wortlieh genommen batte und sich gegen die französische Okkupation wehrte, waren damals große Wirren; neben dem nationalen Kampf der syrischen Araber gab es Streifungen raublustiger Beduinenbanden, und solche Banden griffen auf den nördlichsfen Zipfel Palästinas über, dessen staatliche Zugehörigkeit damals noch nicht endgültig geregelt war. Die Geschichte der Verteidigung von Tel Chaj gegen diese Beduinen, die in den nordgaliläischen jüdischen Siedlungen Franzosennester vermuteten und gleichzeitig plündern wollten, ist bekannt. Die Zionistische Exekutive (damals Waad Hazirim genannt), befahl die Räumung dieser Punkte, um nutzlose Opfer zu vermeiden. Auch Jabotinsky hat sich damals in richtiger Erkenntnis der Sachlage für die Räumung ausgesprochen. Trumpeldor aber war nicht der Mann, sich solchen vernünftigen Weisungen zu fügen. Die romantische Idee der Verteidigung des Heimatbodens, des Nichtweichenwollens auch vor Uebermacbt, des Ausharrens in der Gefahr und der Schönheit des Sterbens aus Treue hielt ihn und seine Genossen auf dem exponierten Posten fest. Als die tödliehe Kugel ihn getroffen hatte, sagte er — so wie oft zuvor — ״Ejn davar“: ״tut nichts“. Und seine letzten Worte waren: .,Es ist schön, für unser Land zu sterben“. Um die Nachfolge Trumpeldors streiten sich heute die Parfeien im Zionismus. Das ganze jüdische Palästina ehrt seinen Namen. Sein Grab ist eine Art Wallfahrts-Stätte. In der jüdischen Arbeiterschaft, zu der er gehörte, ist seine Figur in lebendigem Andenken, sein Bild schmückt die Arbeiterheime, die sozialistische ״Legion der Arbeit“ (Gdud Awodah) führt seinen Namen, nach ihm heißt die Siedlung Tel-Josef. In jüngerer Zeit haben die Revisionisten ihn gleichfalls für sich in Anspruch genommen und nannten ihre Jugendorganisation .,Brith Trumpeldor“. Für die jüdische Jugend Palästinas ist Trumpeldor ein Vorbild. Es ist gewiß in seinem Sinne, wenn man wünscht, daß dieser Einfluß seines Lebens sich auswirke in der Förderung menschlicher Tugenden wie er sie besaß, und daß einem Heroenkult, der die Freude an Kampf und Blut verherrlicht, der mehr an dem Sichmessen mit einem ״Erbfeind“ als in der mühevollen dienenden Aufbauarbeit sein Ziel sieht, entgegengewirkt wird. Wir betrauern an diesem Tage den Verlust der 5 wertvollen Menschenleben, die vor 10 Jahren fielen. Unter ihnen war auch Sara Czisik, deren Bruder Ephraim Czisik im August 1929 die Kolonie Hulda verteidigt hat, bis er fiel und die Siedlung zerstört wurde. Es muß unser aller Wunsch sein, dazu beizutragen, Palästina einen dauernden Frieden zu bringen, und Verhältnisse entstehen zu sehen, die solche Opfer unnötig machen und die wertvollen menschlichen Kräfte unserer Jugend für den friedlichen Aufbau des Jüdischen Nationalheims sparen. M-U Ein Diditeriubiläum Die in der hebräischen Literatur in weit höherem Maße als in der europäischen herrschenden Sitte, literarische Gedenktage zu feiern, gibt uns die angenehme Getegenheit, den seit Jahren in Berlin in unserer Mille — im doppelten Exil — in der ihm eigenen Bescheidenheit und Zurückgezogenheil lebenden Dichter Saul Tschernichowsky heute auf das herzlichste zu beglückwünschen. Vor 30 Jahren ist das erste Bändchen der Gedichte von Tschernichowsky erschienen, ein Dokument nicht nur der künstlerisch-formalen Vollendung, die die hebräische Poesie damals erreicht hatte, sondern vor allem des außerordentliehen Gefühlsumschwungs, der sich in einer neuen jüdisehen Generation vollzogen halte. Was Tschernichowsky für die hebräische Dichtung und für die Geistesgeschichte des modernen nationalen Judentums bedeutet, wird in dem nachfolgenden Artikel unseres Mitarbeiters dargestellt. Die 30 Jahre, die nun verflossen sind, waren Jahre einer fruchtbaren literarischen Arbeit, die trotz widrigster äußerer Umstände — das Los des hebräischen Schriftstellers in dieser Zeit der Zerstörung Rußlands und der erzwungenen Wanderung war kein leichtes — sich immer neue Aufgaben setzte. Dem ersten Gedichtband von vor 30 Jahren sind längst eine Reihe weiterer gefolgt, der Dichter der ״Idyllen“ hat inzwischen in dem herangewachsenen hebräisehen Bauerntum Palästinas und der hebräischen Jugend einen treuen und besonders verständnisvollen Kreis von Lesern gefunden, der Sänger eines heroischen Judentums hat in ,Mar Kochba“ (1929) ein bemerkenswertes hebräisches Drama geschaffen. Seine Gedichte für Kinder, seine Novellen und humoristischen Erzählungen haben ihm für den europäischen Leser der Umfang und die Tiefe des Werkes dieses Dichters durch einen Hinweis auf seine Ueberselzungstäligkeit; bedeuten doch bei einer so jungen Literatur wie der modernen hebräischen, dichterische. Uchcrsclmngen eine viel tiefer wirkende Bereicherung ah in alten und seihst schon an eigenen Schöpfungen reichen Literaturen. Tschernichowsky hat in den letzten Jahren die Ilias und die Odyssee, Goethes Beinecke Fuchs und Sophokles’ König Oedipus in metrischer Treue übersetzt, nachdem er schon früher die großen Gedichte Longfellow’s, die Lieder Anakraeons und das Gilgamesch-Epos der hebräischen Literatur einvcrleibl halle. Wenn man bedenkt, was die Entdeckung dieser Werke einst etwa für die klassische deutsche Literatur bedeutet hat, wird man eine Ahnung von der Tragweite des Werkes Tschernichowskys bekommen.' Es braucht kaum hinzugefügt zu werden, daß der Dichter sich eng %'erbunden fühlt mit dem neu werdenden jüdischen Leben in Palästina, mit dem er die Hoffnung künftiger jüdischer Größe und jüdischen Heldentums verbindet. Man kann dem Dichter zu seinem Juheltag wohl nichts Besseres wünschen, als daß seine reiche Schaffenskraft und dichterische Leidenschaft ungeschwächt weiterwirke und uns noch viele große Werke beschere. So feiern wir diesen Tag mit ihm. Am 12. März findet in Berlin (Schubertsaal) ein Ehrenabend für Tschernichowsky statt, bei welchem nicht nur die Gemeinde der Berliner Hebraisten, sondern — so hoffen wir — auch weile Kreise des deutschen Judentums, vor allem die deutsehen Zionisten, die Gelegenheit benützen werden, dem.) Dichter ihr Sdiaal Tsdiernidiowsky Von Dr. H. Rudy. Er ist Künstler in der Klarheit seiner Sprache, in der Grazie der Formgebung, in der leichten Art, den treffsicheren Gedankenpfeil vom Bogen abzuschießen. Er ist Hebräer, dichtet nur hebräisch und ist zugleich einer der letzten jener Hellenen, die in der Sonne der Schönheit sich baden und ihre alten Götter mit heiterer Ueberlegenheit beiseite schieben, ohne in den pedantischen, fauchenden Fanatismus der Bilderstürmer zu verfallen. Aber im Judentum, wie fast überall, haben aus der Vergangenheit zwei geistige Linien, immer schärfer getrennt, sich bis in die Gegenwart hinein fortgesetzt, und er gehört zu der Linie der Acher, J. L. Gordon, Berdiczewsky, zu den Rebellen, den Zerstörern der Vorurteile, den Zerbrcchern der ehernen Tafeln, zu den hellen, lächelnden Ungläubigen, denen mit dem Ballast des Dogmas, mit traditionellen Ketten, die Familie der Stirnrunzelnden Eiferer, der in Engigkeit und Dunkel lebenden Höhlenbewohner gegenübersteht. Und er speichert nicht pedantisch auf, er ist kein gelblich blasser Einsiedler, sondern spendet, öffnet alle Kästen, streut den Reichtum seines Aestbetentums hin. Das geschriebene Wort hat den leichten, in gleichmäßiger Anmut hinschwebenden Schritt. Diese natürlich sich entfaltende Eigenart seines Stils ist unerreichbar, auch von keinem anderen hebräischen Dichter jemals erreicht worden, und man muß hinzufügen, daß sie in voller Reinheit auch unübersetzbar ist. Es ist gar keine Frage, daß die Innere Beschaffenheit eines Tschernichowsky sehr viel mehr bedeutet, als nur das Besondere und Eigentümliche, das einen Dichter von anderen unterscheidet und kennzeichnet: in Tschernichowskys Dichtung ist ein wesentlieh er Zug des jüdischen Intellektuellen in Osteuropa enthalten, wie er uns um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert entgegentritt. Eine Zeit, die plötzlich die Last erstarrter Traditionen von sich wirft und voraussetzungslos und unerbittlich das Leben erkennen will, die die schal gewordenen Begriffe einer vergangenen Größe bis zu den Wurzeln zu zerstören beginnt, so daß ihr in der Eile keine neuen heranwachsen, die endlich von angstvoller Gründlichkeit, von quälender Bewußtheit besessen, im Geistigen und Sittlichen sehr wenig Entscheidendes auszusagen wagt — J.!,. Gordon, der letzte Mohikaner der aufklärerischen Himmelstochter der ״Haskalah“, klagt, ״wer weiß, ob ich nicht der letzte Dichter Judas bin“, und Kompromisse sucht, ״sei Mensch draußen und Jude in deinem Zelte“, während Achad Haam ״am Scheideweg“ sitzt und durch metaphysisch konstruierten Philosophemen den Menschen ins Zelt zurückzieht; da taucht ja der blasse, gequälte, bleichsüchtige Feierberg auf und die Frage des ״Wohin“ aufwirft, während Berdiczewsky um! Brenner, die Umstürzler par excellence, von einem ״Herzensriß“ bangend und zaudernd erzählen: in diesem Sturmwind eines neuen Werdens kam Tschernichowsky, ein Epikuräer des Geistes, der feinste Genießer des Schönen und des Absonderliehen, die höchste Vollendung des ״curieux“, er kam und ver• nahm die Triebe einer vor Sehnsucht und Erneuerung glutvollen Jugend, deren Regungen und Impulse er zu lenken verstand. Dem Menschlichen, dem Allmenschlichen gilt seine Dichtag, Er gönnt seinen Raumgenossen die Sonne, ist frei von der Ueberheblichkeit des ״Suchers“, lobt die Dinge des Tages, der Natur, alle vegetativ-organischen Erscheinungen der Lebensweit; allem Vollkommenen ist er ein Werter, allem Manierierten ein zürnender Entwerter. So auch, nicht mit den Augen des Zynikers sieht er die Frauen. Seine von einer durchgeistig־ ten Erotik durchdrungenen Hymnen und Melancholien bleiben nie exzentrisch. Häufig war sein Substrat der Streit zwischen Jahwe und Apollo, einer sogenannten traditionellen Anschauung unzugänglich. War doch auch Schaddaj zur Zeit der Priester nicht weniger Natursymbol als der Tammus und Apollo, als die Kinder der Stämme mit der Natur auf Du und Du standen. — Natur im Sinne ihrer allumfassenden Mütterlichkeit und der dadurch bewirkten Kindschaft der Seele. Daher auch die grouc Liebe der Jugend für Tschernichowsky, der von seinen Anfangsliedern aus der Gymnasial- und Studentenzeit bis zu seinen Sonetten und künstlerisch vollendeten Idyllen der letzten Jahre eine Stimmung auszudrücken vermag, eine Stimmung, bald als Erhabenheit, bald als glückausstrahlende Fülle, als inneres Leben, als kosmisches Gefühl. Zum Epiker geboren, verläßt ihn diese Idyllenstimmung auch in seinen Novellen nicht In diesen Erzählungen, in denen meistens Erlebnisse und Episoden eines Arztes zum Vorschein kommen, verschleiert Tschernichowsky mit wissender Art das Lebenstempo: das Schema des Einzelnen hebt er gerne her• vor, zeigt die Verlogenheit der Umgebung und wendet mit der Art des instinktstarken Praktiker-Psychologen das Bedingte zum Unbedingten und umgekehrt, so daß er in seinen Novellen eine Beweglichkeit des Tempos bekommt, wie es beim Sturmwind ist, der zuweilen jagt und zuweilen äufhört. Aber diese zum Ten exzentrischen Possen, die sehr häufig auch in seinen Idyllen enthalten sind, sind kein Selbstzweck für Tschernichowsky: dazu ist die Melancholie zu echt, ist das Wissen zu tief, ist der Schrei des Leides zu ehrlich, besonders dann, wenn er — wie zum Ausruhen — abgelöst wird von einem wehmütig-skurrillen Humor oder von einer Naturversunkenheit von brennender Hingäbe. Dann hören die Zerrbilder auf zu ängstigen und es ist die Stille nach dem Unwetter, die klingende, einsame Stille. Und dieser Bejaher des Lebens, dieser Wanderer durch Kulturen der Rassen und Völker, von der Ilias über Gilgamcsch- Epos bis zur Kalevala und Hiavata, der an den Ufern des alten Babel genau so wie im Bachtschissaraj des alten Tatarenreichs beheimatet zu sein scheint, für den jede Blume und jeder Halm der zierlichsten Graspflanzen einen hebräischen Namen tragen muß — ist heimatlos, der Boden unter seinen Füßen grüßt ihn nicht. Er ist Jude. Jüdische Verelendung und jüdische Pein begleiten seinen Weg. Sein erster Glaube wird antithetisch, umfallend, sich preisgebend — aber sein Zorn bleibt prophetisch, sein Grimm alttestamentarisch. Seine unvergänglichen Worte in ״Baruch mimagenza“ sowie in den Gedichten über die letzten Pogrome in der Ukraine sind ein starker Beweis für die Konstanz der jüdischen Rasse und für die unwiderstehliche Hartnäckigkeit eines Volkes. Schaul Tschernichowsky begeht jetzt sein 30jähriges Dichterjubiläum mit dem Erscheinen seiner ersten Liedersammlung ״Chcsjonot Umangiuot“. ln diesen Tagen werden die vielen

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