Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 19 (7.3.1930)
- Date
- 1930-03-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite הנו JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 19, 7.!TI 1930 Neue zionistische Streitschriften 1. Zum JUdisch-afabischen Problem. Eine Aiifsatzreihe von Moses Bei lins 011. Verlag ״Dawar“, Tel-Awiw, 1930. Kommissionsverlag Buchhandlung Kedem, Berlin-Cnaribg, (Deutsch, 63 S., 1 M.) 2. Revision der zionistischen Politik. Von Richard Licht- 11 c i!11. Kommissionsverlag Ewer, Berlin, 1930. (64 S., 1 M.) j. British Policy and the Palestine Mandate. Our proud privilege. A Memorandum by Herbert Sidebotham. (Britische Politik und Palästinaniandat. Unser stolre» Vorrecht.) Ernest Benn, London E. C. 4. (Englisch, 36S., 1 sh.) 4, Das Schicksal PalSstinas und die Krise des Zionismus. Von Adolf Orabewsky. Zeitschrift für Politik XIX, 8, Carl Heymanns Verlag, Berlin W 8. 3. Likc all the Nations? (Wie alle Völker?) By J. L. Mag- "es. Jerusalem, 1930. (Englisch, 77 S.) - Deutsche Ausgabe ״Wie alle Völker...?“ im Kommissionsverlag Buchhandlung Kedem, Berlin-Charlottenburg. (1 M.) HI.*) Der Ausgangspunkt des politischen Zionismus war zweifeilos der Wunsch nach ״Normalisierung״ des Lebens des jü־ discSien Volkes, mit anderen Worten: der Wunsch, das jüdische Volk möge so werden ״wie alle Völker". Die Judenfrage als nationale Frage wäre nur zu lösen in der Art, wie das 19. Jahrhundert und das erste Viertel des 20. Jahrhunderts nationale Fragen lösen wollte: durch Schaffung eines nationalen Staates. Aber schon auf seinen ersten Gehversuchen in die Wirklichkeit hat der Zionismus unmerklich und ohne Mares Bewußtsein dieses Fundament mehr und mehr verlassen. Während am Anfang noch daran gedacht wurde, die Mehrzahl aller heute lebenden Juden auf dem Territoriuin des Judenstaates zu konzentrieren, verstand man bald, daß dies undurchführbar ist, und Theorie und Praxis des späteren Zionismus hat mit wenigen Ausnahmen das Prinzip der Galuth-Vcrneinung revidiert. Damit aber war auch der Gedanke der ״Normalisierung1׳ implizite aufgegeben. Schon au» diese? einfachen Ueberlegung ergibt sich also, daß wir nicht sei« könne« ״wie alle Völker". Aber diese Negation ist nicht nur eint faktische, son* dem auch eine moralische. Das bloße Ideal nationaler Selb* sfändigkeit genügt nicht für den Lebenswillen des jüdischen Volkes. Dilits Volk, das durch drei Jahrtausende in einer einzigartigen moralischen Tradition erlogen 18t, kann nicht plötzlich Sitten und Wertietnttgen der heidnischen Völker übernehme«. Dies aber beeinflußt nicht nur seine Zielsetzung, sondern auch die Mittel seiner Politik in der Stimde seiner nationalen Wiedergeburt. Wahrend bei ״anderen Völkern“ ein bedenkenloser ״Sacro egolsmo" den Nationalismus er* füllt, bei dem nur die stärkere Macht als Entscheidung an* erkannt wird, sind für uns Juden unserem nationalen Streben dort Grenzen gesetzt, wo Unrecht gegen andere begönne; oder anders ausgedrückt: allgemeine Grundsätze der Gerech» tlgkeit, auf die wir uns stützen, gelten allgemein, also nicht nur für 1ms anderen gegenüber, sondern auch für andere uns gegenüber. So gesehen ist auch die sogenannte Aribfertragc ln Palistlna weniger eine Araberfrage, ■19 eine Jüd*«frage, ntalfclt die Frage «ach der Qualität d-nsert« NStiöntlfsmiie, der sieh «I bewähren bat gerade an dem praktischen Problem, mit dem er konfrontiert ist, also bei der Behandlung der Araber. Unser* Aufgabe, so schwer sie «auch sein mag, ist, eine Lösung tu finden, die beiden Völkern Recht tut, statt Lösungen, bei denen die gerechten Ansprüchc des einen durch den einseitig egoistischen National!*- mus des andern niedergehalten werden. Von dieser Position gellt die Broschüre von Dr. Magncs aus. Die Frage, die Dr.,Magncs als Titel gewählt hat, ist eine rhetorische: Seine Broschüre dient dazu, zu zeigen, daß Wir nicht sei« können ״wie alle Völker". Die Broschüre, die sich jeder Verunglimpfung und jeden unsachlichen Angriffes enthält, gibt eine klare und offene Darstellung der Meinungen des Verfassers, die er zur Diskussion stellt. Seine Anschauungen werden auf viel Widerspruch in der zionistischen Welt stoßen. Er selbst Ist nicht sicher, ob man sie «och als ״Zionismus" — Im herkömmlichen Sinn des Wortes — bezeichnen kann, nimmt aber das innigere Wort Chibbath Zion, Zionsliebe, für sie in Anspruch. Seine Argumente zCrfallen in einen weltanschaulichen und einen politischen Teil; man braucht durchaus nicht alle weltanschaulichen Darlegungen zu akzeptieren und kann doch mit manchen politischen Erwägungen und praktischen Vorschlägen Übefeinstimmen. Auf alle Fälle, wie immer man sich zu dem Inhalt des Büchleins stellt, ist es zu begrüßen, daß damit die Diskussion mit Alagnes, die bisher Vielfach von Affekten beherrscht war, in ruhige Bahnen gelenkt wird und jeder die Möglichkeit hat, die Problemstellung kennen zu lernen und sich damit auseinanderzusetzen, Will man M. verstehen, so mul} man sich bewußt machen, daß hier ein Man« vön eigenartiger geistiger Stfuk» tur spricht. M. ist Theologe, er ist ein Pazifist, der Während des Krieges Sehr mutig itt Amerika Zu *einer Ueber*?eugung stand, und Cr ist ein amerikanischer ״radical" mit fester Bindung an die Ideen def Demokratie und des Liberalismus. Auch innerhalb des Zionismus bleibt er seinen Anschauungen treu und läßt sielt nicht verleiten, an Stelle der allgemein moralischen Wertmaßstäbo die Maßstäbe der vermeintlichen •nationalen Interessen zu setzen, wie es die meisten Nationalisten aller Völker dort tun, wo es sich um ihr eigenes Volk handelt Aus dieser Grundeinstelluilg folgt auch seine etwas geringschätzige Haltung gegenüber der Politik. M. denkt nicht in politische« Kategorien und er drückt sich manchmal in einer Weise aus, die Im Wider» Spruch steht zu der herkömmlichen zionistischen Phraseologie. Vielleicht ist dies der Grund, warum so viele Mlßverttlnd* nisse in der Auseinandersetzung mit ihm entstände« sind. Er spricht eine ■adere Sprache als die des Politikers. Für M. und Lichtheim, öder M. und Grabowsky, gibt «« kaum eine gemeinsame Ebene, Die» darf abir nicht dazu führen, in der Polemik seine Meinungen selbst zu entstellen, um dann leichter gegen sie polemisiere« tu können. Es ist übrigens charakteristisch für die heute in der zionistischen Weit herrschende Verwirrung, daß ein Man« wie M., der den moralischen Sinn des Zionismus und seine Verbundenheit mit dem religiösen Erbgut de» Judentums stark betont, für die Fragen der praktischen Politik de3 Augen* biieks nur nüchtmie realpolitische Erwägungen gelten läßt, während die große Masse der unreligiösen Zionisten an die aktuellen politischen Probleme des Tages oft die Maßstäbe ״) S. Nr.% 1L 13» eines verschwommene« Messianismus anlegt. Der Streit, der in der letzten Zelt Innerhalb des Zionismus so scharfe Formen angenommen hat, ist rufn großen Teil auf die Unklarheit in der Abgrenzung dieser beiden Sphären zurückzuführen. Die zionistische Bewegung hat viel von ihrer Popularität der messianischen Sehnsucht des Volkes zu verdanken und im Unterbewußtsein spiele« messlanlsche Anklänge mit, wenn viele von ״Judenstaat“ und ״Drittem Tempel“ sprechen. Man will auf solche ״Endziele" nicht verzichten und vergißt nur, daß wir nicht am ״Ende der Zeiten“ stehen, sondern in der Zeit und in der Wirklichkeit Politik machen müssen, und daß die Verrnisehtmg praktischer Tagespolitik mit mystisch-symbolischen Konzeptionen Schon oft Unheil gestiftet hat Die praktische Tagespolitik aber ist eine Angelegenheit nüchterner Erwägungen. M. selbst hat vor einigen Monaten in die Politik eingegriffen; diese Angelegenheit wurde hier wiederholt behandelt und steht nicht mehr zur Debatte. Es ist aber für die Auseinandersetzung förderlich, daß da* zugrunde liegende Tatsachenmaterial jetzt aus dem Dunkel der geheimnisvollen Andeutungen ins volle Licht gerückt wird. Die Broschüre enthält einen kurzen Abriß der Geschichte der Besprechungen zwischen M. und Philby; M. druckt den zionlfflfdie Juöendlfllirerlaännä am 9. März in Berlin in den Räumen des K.J.V., Charlottenburg, Bleiblreuatr. 50 Programm: Sonnabend, den 8. Mir*, abends 9 Uhr, Im K. J. V. Vorkonferenz Tagesordnung: Berprecfcung derorganlMtoHaehenVorschläge Sonntag, den 9. Mir«, Beginn der Tegau!: 9H Uhr. Vormittags: 1. Referat: Das deutsche Judaahm. Referenten! Dr,Georg Lubintki, Dr. J. Leibowit*-K8In. Aussprache. Nachmittags: 2. Referat: Der Weg des jungen jüdlsehen Menschen in PalSatina. Referent: E. Liebenstein. 3. Referat: Chaluxfath als Endehungsaufgabe der zionistischen Jugend in Deutschland. Referenten : Dr. Hans Kaufmann, Wolfgang Orbach, Helmutb Bers, Aussprache zu 2 und 3. 4. Aussprache über organisatorische Fragen. sonntaffaMMl: ZvsammnsMii im Kausa des Harra Biumenlald Artikel ab, den er am 24. November 19® als Antwort ui Philby in ״New York Times“ veröffentillcht hat, zuzüglidft einer kurzen Inhaltsangabe von Philbys Artikel. Als infolge falscher Telegramme ein. Kesseltreiben in Amerika begann, hat M. an den ״Tög“ ein langes Telegramm geschickt, das gleichfalls in seiner Originalfassung ■wiedergegeben wird. Diese Teile der Broschüre haben dokumentarischen Charakter und sind bestimmt, die Vorgänge des November aufzuhellen. Als eine Konsequenz der damals entstandenen Polemik ist dann der Artikel ״Wie alle Völker . . .?“ zij betrachten, den M. als den entscheidenden Bestandteil der Broschüre an die Spitze gestellt hat. Außer den genannten Aufsätzen enthält die Broschüre dann noch ,einen aufschlußreichen Brief des Verfassers an den ״Jewish Chronicle“ aus dem Jahre 1921 und eine in Amerika gehaltene zionistische Rede aus dem Jahre 1917. Den Abschluß bildet eine englische (bzw. deutsche) Uebersctzung des letzten Aufsatzes van Achad Haam, der Vorrede zu seiner Neuausgabe von ״Al PraSchat Dradilm" aus dem Jahre 1921, worin Achad Haam seine Anschauung über das Zusammenleben von Juden und Arabern entwickelt. Der Grundgedanke, den M.'entwickelt, ist gleich zu Beginn seines leitenden Aufsatzes deutlich ausgesprochen: ״Die Frage, was wir hier wolle», kann iah für meine Person nahezu mit den gleichen Ausdrücken l«antworlen, wie ich es viele Jahre getan habe: Einwanderung, Ansiedlung auf dem Lande, Hebräische» Leben und hebräische Kultur. Wenn mir dies garantiert wird, wäre ich bereit, auf den ״Juden» Staat" und die jüdische ״Majorität" zu verzichten; und andererseits wäre »eh bereit, der Errichtung einer geaolfgebendon Versammlung, verbunden mit einem demokratischen politisch«» Regime *uiustimmen, wenn dieses 80 sorgsam entworfen und ausgearbeitet ist, daß dis drei erwähnten Grumlfordehingen nicht vorletzt werden könnten. Ja, ich wäre bereit, für dieso drei Dinge fast jeden Preis au!«zahlen, insbesondere wenn dieser Preis meiner Meinung nach auch Ruhe und gegenseitig« Verständigung sichern würde.“ Die Frage, ob die Juden die Majorität im Lande anstreben, Ist zunächst eine Frage der tatsächlichen Möglichkeiten. Jede praktische Politik kann nur mit den Möglichkeiten der gegen* wärtigen Generation rechnen und es wäre unsinnig, daran vorüberzugehen, daß im gegenwärtigen Augenblick alle Zbnisten, was immer ihnen als Endziel vorschwebt, nur ein gemeinsames Maximal Programm haben können. M. formuliert das folgendermaßen: ״Was mich .־mlangt, 10 wir• ich gabt zufri«dea, wsun ich mir die UeberieucuiW verschaffen konnte, daß hier im Laufe einer langen, sehr langen Periode eine jüdisch* Bevölkerung von einer Million Seelen, em*m Drittel der ßeiamteittWOhnerzahl, entsteht» konnte. Jetzt leben qooOOÖ Menschen im Land*, von denen lOooöö Juden sind. Kolonisatoren und Bevölkerufigsstatiitiker mSgen a ulrechnen, Wie lange die Araber'brauchen werden, um auf ewei Millionen, und die Juden, um auf eine Million zu kommen. Sicher viel länger 41s ein ganzes Menschenalter. Warum solle» wir «1*0 dann nicht verlachen, e 1 n Programm für ein MflftSchöhalter aufzuslelleu und cs der nächste« Generation überlassen, ihr© eigenen Problem־! zu lösen? Wenn wir dag täten, würden Wir vielleicht weniger in abstrakten Begriffen reden, und selbst wenn wir uns unserer Weltanschauung nach unterscheiden, könnten wir doch mit geschlossenem Willen ein* heitlich Zusammenarbeiten. . . . Warum von ,,Majorität" und ,,Staat" roden, da wir selbst uns doch mit der kühnsten Phantast« kaum etwas derartiges innerhalb Irgend äbsehbäffer Zeit Vöfiteilen könnten, selbst wenn England und dis Araber und die jüdischen Geldgeber die personifizierte Hilfsbereitschüft wären. Wer weiß, vielleicht können die Juden in der Zukunft durch irgendein Wunder zur MljorlUt werden. Vielleicht könnten tliljcrnlcn in I’aLüslina zu einer arabischen Auswanderung führen, *hier vielleicht könnte sogar der Erfolg der Jüdischen Kolonisation ii, Palästina so gewaltig sein, daß dia künftigen srabischen Staaten oder ihr« Föderation jüdischo kolonisatorische, finanzielle, industrielle!!»׳! kulturelle Hilfe wüteclten und emo große jCkiigobö Konzentration in Palästina begünstigen, tun der Entwicklung zurückgebliebner Teile der arabischen Welt willen (und deren Zahl ist Legion), Es ist angenehm, solche Trämrm für di״ Zukunft zu haben, aber sicherlich kann man darauf keine ernste praktische Politik bauen; und was wir brauchen, ist eine praktische Politik für die nächsten zehn, zwaime, dreißig Jahre.‘‘ Die Frag־e ist nun, auf welche Weise die erwähnten drei Grundrechte gesichert werden könnten, sei es durch eine Konstitution, durch einen Vertrag oder auf eine andere intcrnational bindende Weise. Dies zu studieren, sollte vielleicht eine eigene Expertenkommission, nach Art einer von der englischen Regierung für ähnliche Zwecke jeweils eingesetzten ״Royal Commission", ernannt werden. Für dieses Land, das ein Land sui g e n e r i s ist, muß auch eine staatsrechtliehe Form sui generis gefunden werden. Auf die in der Polemik gegen ihn aufgeworfene Frage, ob ein Pariament in Palästina eingerichtet werden soll, antwortet M.: wenn Parlament bedeutet sklavische Uebertragung westeuropäischer Einrichtungen und Vorstellungen von Demokratie auf Palästina, dann bin ich dagegen. Wenn sich aber eine Form ersinnen läßt, die die Selbstverwaltung im Einklang bringt mit den international gesicherten jüdischen Grundrechten und eine allmählich fortschreitende Entwicklung vorsieht, dann bin ich dafür. Diese Frage eines palästinensischen Parlaments steht heute im Mittelpunkt der Diskussion, besonders in Palästina. Die große Mehrheit der Zionisten ist gegen jede Form des Parlaments, für unbedingte Ablehnung aller dahin gehenden Vorschläge, während eine kleine Gruppe, zu der auch M. gehört, der Meinung ist, daß wir uns einer Konstitution in Palästina nicht widersetzen können, so daß cs für uns, die wir über die jüdischen Lebensnotwendigkeiten wachen, nicht eine Frage des Ob, sondern eine Frage des Wie Ist. Wenn man darauf hinweist, daß ein Parlament in erster Reihe antizionistisch arbeiten, die Einwanderung und jüdische Ansiedlung drosseln würde usw., dann sind dies keine Einwendungen, die M. treffen. Denn für diese Gefahren ist auch M. nicht blind und gerade aus diesem Grunde wünscht er eine aktive Beteiligung der Juden an der Ausarbeitung der Pläne für eine Verfassung, damit darin unzweifelhafte Sicherheiten für die Unantastbarkeit dieser Rechte geschaffen werden, Sicherheiten, die mindestens ebenso stark sind, wie die gegenwärtigen; denn wenn sich die jüdische Stellung heute auf die englische Macht stützt, so würde die internationale Hilfe auch in Zukunft bleiben, auf der anderen Seite würde an Stelle der immer drohenden Gefahr neuer arabischer Ruhestörungen die Möglichkeit ruhiger politischer Verhältnisse im Lande treten. M. betont nachdrücklich, daß bei der Sonderstellung Palästinas eine Anerkennung arabischer souveräner Hoheitsrechte ebensowenig in Frage kommt wie ein jüdischer Nationaisbat Es ist ein Land sui generis, ein einziges Land, — das ״Heilige Land“. M. legt dabei den größten Nachdruck auf qua nt itative Vergrößerung des jüdischen Jitchuw im Lande. Ja er geht so weit, das Recht auf freie Einwanderung allen anderen Postulatvn voranzustellen. In seiner Zuschrift aus dem Jahre 1921 erklärt er, warum er während des Krieges gegen das Erstreben der Balfour-Deklaration gewesen ist: nicht Privilegien für die Juden, deren Wert mehr deklaratorischer als faktischer Natur war, seien erforderlich, sondern nur eine einzige Sache, nämlich freie Einwanderung, und der Schein einer Privilegierung, an deren realen Wert er nicht glaubt, müßte mehr schaden als nützen. Diese Anschau- 1mg vertrat M. vor der Balfour-Deklaration; in seinen letzten Aeußcrungen aber hat er nicht etwa, wie fälschlich behauptet wurde, einen Verricht auf die Balfour-Deklaration vorgeschla - gen, sondern gerade das Gegenteil gesagt, nämlich daß die Balfour-Deklaration nicht angetastet werden dürfe, schon um des Prinzips von Treu und Glauben im Völkerleben willen. Es liegt auf der Hand, daß sich gegen das hier skizzierte politische Programm viele Einwände erheben lassen. Man kann z. B, die praktische Durchführbarkeit bezweifeln, weil die Araber einem Parlament, dessen Kompetenz die gesamte jüdische Arbeit und Einwanderung entzogen wäre, nicht zustimmen würden. Bezeichnenderweise hat auch der arabische ״Falastin“ seine Kritik an M.s Broschüre, in Paraphrasierung des Titels, überschrieben ״Like all the Zionists?“ (Wie alle Zionisten?) und behauptet, M. wolle im Effekt nichts anderes als alle Zionisten. Man kann auch die Zweckmäßigkeit verschiedener Einzelvorschläge anfechten. Au dieser Stelle und in diesem Moment wollen wir uns der Erörterung der Details enthalten. Uns scheint von Wichtigkeit zunächst vor allem die G e s a mt h a lt ung, nämlich der Wille, zu einer Verständigung mit den Arabern auf Grundlage der Anerkennung der Tatsache, daß das Land beiden Völkern gehört, zu gelangen, und dazu die psychologischen Voraussetzungen zu schaffen, zunächst auf jüdischer Seite, für die wir verantwörtlich sind. Lösbar scheint uns das Problem nur durch eine positive jüdisch-arabische Kooperation, das bedeutet eine zumindest teilweise Neuorientierung der zionistischen Politik. Als ein Beitrag zur Diskussion dieses Themas und zur Klärung der Meinungen muß die Broschüre von M. ebenso wie die anderen in den vorhergehenden Aufsätzen besprochenen zionistischen Streitschriften auch denen willkommen sein, die die darin ausgesprochenen Ansichten nicht teilen. Robert Weitsch. Die Rflekkehr der Hebron-Juden Jerusalem, Z März. (J.T.A.) Die judenschaft der Städte Jerusalem, Hebrön und Safed, deren jüdisehe Viertel während der Augustunruhen zum Teil oder ganz zerstört wurden, hat ein gemeinschaftliches Komitee gewählt, welches die Aufgabe hat, die Frage der Entschädigung zu betreiben und die Wiederaufbauarbeit zu beschleunigen. An den High Commissioner wurde der dringende Appell gerichtet, ein entsprechendes Boden-Areal in der unmittelbaren Nähe von Hebron zur Ansiedlung der früheren jüdischen Einwohner Hebfons Zur Verfügung zu Stellen. In der Petition wird erklärt, daß die Regierung selbst für die Katastrophe verantwortlich sei, und darum die Pflicht habe, für den Verlust aö jüdischem Leben und Eigentum volle Entschädigung zu leisten. I