Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 19 (7.3.1930)
- Date
- 1930-03-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19, 7. HI.!930 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Seite 125 Wanderung und Bevölkerung»- bewegung im Jahre 1929 Von Dr. Menasche Ben Ephraim, Jerusalem. Die politischen Ereignisse der letzten Monate haben die Frage unserer Rechte auf und in Palästina wieder in den Brennpunkt der öffentlichen Diskussion gestellt. Wir werden sie wie in den Tagen der Balfour-Deklaration und von San Ratio erneut vor England und dem Areopag der Völker zu verteidigen haben. Unser historischer Anspruch auf die Jüdische Heimstätte bliebe ja auch dann bestehen, wenn heute kein Mandat und kein Jischuw vorhanden wären. Unser materielles Recht aber, das Recht, das aus unserer Eigenschaft als Bewohner des Landes und aus deren Leistun* ״en für das Land resultiert, ist in den zwölf Jahren, die seit der Balfour-Deklaration verflossen sind, zu einem Faktor geworden, der bei der heutigen politischen Konstellation vielleicht mehr in die Wagschale fallen wird als unsere historischen Ansprüche, die ja eigentlich von niemandem mehr, auch nicht von unseren radikalen arabischen Gegnern, angezweifclt werden. Es ist deshalb vielleicht nicht müßig, unsere zahlenmäßige Stärke, wie sie sich aus der Wanderungs- und natürlichen Zuwachsbewegung der letzten Jahre ergibt, einer mehr oder weniger eingehenden Betrachtung zu unterziehen. Von den letzten drei Jahren, die uns hier hauptsächlich beschäftigen sollen, standen 1027 und 1928 im Zeichen des Stillstandes, ja der Rückwärtsbewegung. Erst das letzte Jahr zeigt trotz, oder, wie wir sehen werden, infolge der furchtbaren Erschütterungen, die tjen Jischuw heimgesucht haben, einen merkbaren Aufschwung. Die Ziffern für Ein- und Ausnderung machen dies deutlich1): Ei nwanderu ng■ 1927 1928 1929 Juden 2713 2 178 5 249 Christen 758 710 917*) Mohammedaner 121 198 201 Zusammen 3 595 3 036 6 166 A u swanderu ng- 1927 1928 1929 luden 5 07! 2 168 1 746 Christen 813 547 792 Mohammedaner 1 091 407 283 Zusammen 6 918 3 122 2 821 Differenz von Ein- und A u s w a ti d erung 1927 1928 1929 fuden — 2358 r 10 •f 3 503 Christen — ■ 55 f 163 125 Mohammed. — 970 - 209 — 83 Zusammen — 3 383 - 36 'f־ 3 545 Die jüdische Wanderungsbilanz, die 1927 — zum ersten Male seit dem Beginn der dritten Alijah — negativ war, stand 1928 auf pari, um erst im abgelaufenen Jahre mit einem Ueberschuß von 3500 wieder positiv zu werden. Die Zahlen für Christen und Mohammedaner beweisen, daß die in zionistisehen Kreisen weit verbreitete Vorstellung einer großen arabischen Auswanderung auf einem Irrtum beruht Nur das Krisenjahr 1927 zeigt einen arabischen Auswanderungsüberschuß von 1000 — gegenüber 2350 Juden; 1928 sind sogar mehr Christen als Juden im Lande geblieben. Im allgemeinen hält sich arabische Ein- und Auswanderung die Wage und wir sollten folgerichtigerweise nicht länger illusionistische Hoffnungen als Faktoren in unser bevölkerungspolitisches Kalkül cinsetzen. Der jüdische Aufschwung im Jahre 1929 ist erstens auf die verbesserte wirtschaftliche Lage zurückzuführen, die die Absorbierung der Arbeitslosen und die Freimachung neuer Arbeitsstellen zur Folge hatte, und dann auf die starke Reaktion, die die Augustunruhen in allen Ländern der Galuth auslösten. Eine Zusammenstellung der Zahlen für 1929 nach Monaten und Jahresdrilteln gruppiert, macht dies deutlich: Jüdische Ein- und Auswanderung 1929. Monat Einwanderung Auswanderung Januar 352 89 Februar 378 104 März 373 155 . April 322 70 I. 1 425 418 Mai 195 184 Juni 205 179 füll 333 182 August 265 151 II. 998 696 September 603 130 Oktober 1086 204 November 620 170 Dezember 517 128 III. 2 826 632 Zusammen 5 249 1 746 In den vier den Unruhen folgenden Monaten sind also noch 300 Juden mehr eingewandert als in den beiden ersten Jahresdrittein zusammen, während die Auswanderung nicht, " ie man in gegnerischen Zeitungen lesen konnte, eine Massenflucht aus dem Lande darstellte, sondern sich in durchaus normalen Grenzen hielt. Diese trockenen Zahlen dokumentieren vielleicht eindrucksvoller als rhetorische Erklärungen den unbeugsamen Willen des jüdischen Volkes, sich durch blutige Gewalt nicht aus seinen Anrechten auf den Bau des Nationalheimes in Palästina verdrängen zu lassen. Ihr Studium sollte auch gerade die arabischen Führer den Weg zur Realpolitik zurückfinden lassen, die nur mit und nicht gegen die Juden Aussicht auf Verwirklichung hat. Interessant ist auch ein Blick auf die jüdische Aus- Wanderung in ihrer Gruppierung von Vorkriegs- und Nachkriegssiedlern: 1j Die Zahlen für 1927 und 1928 sind den jährlichen Berichten der Palästinaregierung an den Völkerbund, die für '929 der Offidal Gazette of Palestine, die die Wanderungsbewegung monatlich fortlaufend registriert, entnommen. . '•) 200 in der Regierungsstatistik enthaltene englische Polizistea sind hl«־ nicht mit aufgeführt 1927 1928 .״•״ »/o 1929 */«-’ Vorkriegssiedler 640 11,4 605 29,0 701-38,5 Nachkriegssiedler 4 431 88,6 1563 71,0 1045 61,5 Zusammen 5 071 100,0 2168 100,0 1 746 100,0 Bei allgemein rapide abnehmender Auswanderung fällt hierbei besonders die ständig fortschreitende Konsolidierung der nach 1919 Eingewanderten auf, während die Gruppe Vorkriegssiedler, die sich im wesentlichen mit dem alten Jischuw deckt, in steigendem Maße zur Emigration neigt Hierfür ist vor allem der ungesunde wirtschaftliche Aufbau des alten Jischuw verantwortlich, den auch die immer noch beträcht- Uche Chalukkah nicht zu fundieren und produktivisieren vermag. So wird z. B. Safed seit Jahren von der jungen Generation verlassen, die sich vorwiegend nacli Nord- und Südamerika wendet. Kein Wunder, daß sich die arabischen Angriffe hauptsächlich gegen diese schwächsten, von der Jugend entblößten Punkte wandten. Ihr Wiederaufbau wird daher nur durch Hineinverlegung von Industrien und die Schaffung von landwirtschaftlichen Siedlungen in ihrer Umgebung erfolgen dürfen. Bei der jüdischen Einwanderung dürfte die Gruppierung nach Kategorien interessieren, die sich folgendesmaßen stellt: Einwanderung nach Kategorien. Im Besitz von £P 250 1927 0/0' 1928 1929 und Angehörige Garant. Einkommen 358 13,3 713 32,4 633 12,1 von mindest £P 60 Waisen, Studenten, Schüler, religiöse 44 1,3 59 3,3 83 1,1 Berufe Arbeiter und deren 57 2,1 73 3,7 92 1,6 Angehörige Angehörige von An- 1 311 48,5 708 32,2 3 585 68,8 sässigen 943 34,8 625 28,4 856 16.4 Zusammen 2713 100,0 2178 100,0 5 249 100,0 Von den fünf aufgeführten Kategorien stellen die Ein- Wanderer mit einem garantierten Einkommen von mindestens £P 60, im allgemeinen also meistens Leute, die sich von der Galuth aus schon eine Anstellung in Palästina sichern konnten, naturgemäß einen sehr geringen Bruchteil der Immigranten. Ebenso ist die Zahl der zu religiösen oder Studienzwecken Einwandernden durchschnittlich recht klein. In der Gruppe ״Angehörige von Ansässigen“, die prozentualiter im letzten Jahre rapide abgenommen hat, ist allerdings sicher noch eine bedeutende Anzahl von Personen enthalten, denen durch ihre palästinensische Verwandte eine Arbeifsmöglichkeit geschaffen wurde, daneben in vielen Fällen die Eltern von jungen Einwandern, die sich inzwischen eine mehr oder weniger gesicherte Existenz geschaffen haben. Die beiden Kategorien ״Einwanderer mit Kapital“ und ״Arbeiter“ stehen merkwürdigerweise in polaren Beziehungen: in den Jahren starker Arbeiterimmigration kommen wenig Bemittelte und umgekehrt Das letzte Jahr zeichnete sich absolut sowie relativ durch eine starke Einwanderung von Arbeitern aus: 3585 gleich 68,8 <0/י der gesamten Jahresimmigration. Der starke Zustrom Jugendlieber Elemente macht sich dann auch bei der ZusammensetzUng der Einwanderung aus Männern, Frauen und Kindern bemerkbar, wie aus folgender Tabelle ersichtlich ist: 1927 0/0' 1928 "5 1929 <V0 Männer 956 35,3 849 38,6 2 453 47,2 Frauen 1 140 41,9 775 36,2 1973 37,9 Kinder 617 22,6 554 25,2 859 14,9 Zusammen 2713 100,0 2178 100,0 5 249 100,0 Mit Ausnahme von 1927 ist die Zahl der Männer größer als die der Frauen, eine Erscheinung, die ja typisch für alle Einwandererländer ist. Dis Zahl der Kinder, die 1927 und 1928, Jahren ״balebattischer“ Einwanderung, im Durchschnitt 25 0״ beträgt, sinkt in dem Chaluzim-Jahr 1929 auf 15 °/0, da die Mehrzahl der jugendlichen Immigranten natürlich unverheiratet ist. Neben der Vermehrung durch Einwanderung stellt die natürliche Vermehrung heute bei den Juden auch schon einen beträchtlichen Faktor dar, ein Umstand, der im allgemeinen nicht genügend gewürdigt wird. Die, trotz sehr großer Sterblichkeit, ungeheuer hohe Vermehrungsziffer der Araber ist dagegen bekanntlich der hauptsächlichste ״Konkurrent“ in dem Wettlauf um die Mehrheit im Lande. Die Zahlen für die natürliche Vermehrung der verschiedenen Volksgruppen im Jahre 1929 sehen folgendermaßen aus*): Natürliche V e r ra « h rung. Geburten Todeafall« üabersdhiiß % d. Geburten Juden 5 307 1 776 3 531 66,6 Christen 3 00S 1457 1 551 51,7 Mohammedaner 32801 17623 15178 45,9 Drusen u. a. 416 216 200 48,0 Zusammen 41 532 21172 20 360 49,0 Ein Kuriosum ist hierbei, daß 1929 die Zahl der jüdischen Geburten fast genau der der Einwanderer, die der Todesfälle der Zahl der Auswanderer entspricht. Zum Einwanderungs- Überschuß von 3500 tritt also ein ebenso großer Geburten- Überschuß. So relativ günstig auch der jüdische Geburten- Überschuß ausfällt, 66,6 ®/o gegenüber 51,7 0/0 der Christen und gar nur 45,9 89 der Mohammedaner, so erdrückend sind andererseits die Ziffern der arabischen natürlichen Verroehrung: 16 929 gegenüber nur 3531. Auch die Einwanderung kann diese Differenz nicht ausfüllen, wie die folgende Auf- Steilung zeigt, die die Volksvermehrung durch Einwanderung und Fortpflanzung in einem zusamnienfaßt: Geburten- und Einwanderungsüberschuß. Anzahl °/0' Volkszahl «׳« Christen 1676 6,9 gfi Mohammedaner 15095 63,0 72,4 Drusen u. a. 200 0,8 0,9 Nichtjuden 16971 70,7 gl,9 Juden 7034 29,3 18,1 Zusammen 24005 100,0 100,0 Die Gesamtbevölkerung Palästinas hat sich also im letzten Jahre um 24000 vermehrt, woran die Juden mit 7000 oder 29,3 »9 beteiligt sind, obwohl ihr prozentualer Anteil an der ־) Die Zahlen für die natürliche Vermehrung sind nicht ganz exakt und werden noch geringfügigen Aenderungea unterworfen sein, Bevölkerung nur 18,1 «/# beträgt. Das ist nach so langen Jahren des Stillstandes zwar ein recht erfreuliches Ergebnis, das aber zu übertriebenen Hoffnungen durchaus keine Veranlassung gibt Wie die folgende Tabelle zeigt, haben wir unsere Position in den letzten drei Jahren nur um ein ganz Geringes verbessern können: Zahl der Bevölkerung. ״1< Mo״ hamme־ dan?r % Chri- •ten % An» der* % Nicht- Juden % Juden % Zu- »amoea % 1927 64822S 72,8 76839 83 8618 0.9 733682 823 158687 178 892369 lOOfl 1928 660649 72,9 78463 8,6 8850 OS 747962 82,4 161175 173 9091.37 1004) 1929 675744 72,4 80139 8,6 9050 0,9 764933 81,9 168209 18,1 933142 100.0 Die jüdische Bevölkerung beträgt heute 168000 Köpfe oder 18,1 °/0 der Gesamtbevölkerung von 933 000 (einschließlieh von rund 100 000 Beduinen). Gegenüber 1928, das einen Rückschlag brachte, haben wir unsere Position um 0,5 <V» verbessert, gegenüber 1927 gar nur um 0,3 «,0. Erfreulicher sieht das Bild aus, wenn wir die Entwicklung seit 1919, also seit dem Beginn der eigentlichen zionistischen Kolonisationsarbeit, in Augenschein nehmen. Dann zeigt sich folgendes: Zahl der Bevölkerung. Jahr 1919 1925 1929 Zuwachs um Juden % 57 900 8,2 138 300 16,2 168 200 18,1 110 300 190,0 Nidhtjuden °/0 643 100 91,8 711900 83,8 765 000 81,9 121 900 19,0 Inifesamt % 701 CÖ3 100,0 850 X0 100,0 931 2r0 100,0 232 200 33,0 Die Verdreifachung der jüdischen Bevölkerung innerhalb der kurzen Zeitspanne von zehn Jahren ist eine Leistung, die in der Kolonialgeschichte wohl einzig dastehen dürfte. Mit Recht wies der ehemalige Staatssekretär für die deutschen Kolonien, Bernhard Dernburg, einmal darauf hin, wieviel mehr der Zionismus unter so unendlich schwereren Bedingungen und mit unendlich kleineren Mitteln in kürzester Zeitspanne geleistet habe als das große und mächtige Deutschland während vier Dezennien: ganze 14000 Deutsche sind von 1885 bis 1914 in den afrikanischen Besitzungen angcsiedelt worden. Doch auch hier ist leider dafür gesorgt, daß die zionistischen Bäume nicht in den Himmel wachsen. Denn noch gilt das Wort eines anderen Kolonialsekretärs, Amerys, nämlich, daß die Araber keine Furcht vor Majorisierung zu haben brauchten, solange ihre natürliche Vermehrung größer sei als der jüdische Geburten- und Einwanderungsüberschuß, ln der Tat stehen den 110000 dazugekommenen Juden beinahe 122 000 Araber gegenüber, obwohl der jüdische Zuwachs relativ zehnmal so groß (190 ®/o zu 19 «/o) als der arabische ist. Das rasende Tempo der Jahre 1919—1925, die eine Verdoppelung des jüdischen Bevölkerungsanteiis brachten, er stieg von 8,2 ״/« auf 16,2 ״/o, konnte in dem folgenden Jahrfünft nicht eingehalten werden und wird sich so schnell auch nicht wieder erreichen lassen. Es ist deshalb im jetzigen Augenblick realpolitisch müßig, sich den Kopf über das zu zerbrechen, was sein wird, wenn die Juden einmal die Mehrheit in Palästina haben werden. Die menschenfreundlichen Zustehefhtfen,;־!dll/t*aiicfte־' litisere# Führer ■;dö* W«fSgdn־־Äi bischen Minorität machen, wirken heute vielfach lächerlich. Der Weg zur Mehrheit ist noch mit Hunderttausenden von Einwanderern gepflastert, und viele Jahrzehnte lang. Das ist eine Wahrheit, bitter wie alle Wahrheiten, aber sie braucht nur den zu entmutigen, dem der Zionismus nichts mehr ist, als daß die Juden 51 %b der palästinensischen Bevölkerung bilden. Das näherliegende und erreichbare Ziel für die kominenden Jahre muß es sein, unsere heute noch schwache Minderheit in eine stark qualifizierte Minorität zu verwandeln. Die nächste Volkszählung, die voraussichtlich zehn Jahre nach der ersten, also im Oktober 1932 stattfinden wird, wird bei einem durchschnittlichen natürlichen Zuwachs von 3500 im Jahre und einem anzustrebenden jährlichen Einwanderungs- Überschuß von 8500 Juden eine jüdische Bevölkerung von 200 000 oder 20 ״/o der inzwischen wohl auf eine Million angewachsenen Gesamtbevölkerung feststellen können. Das wäre dann schon eine gute Grundlage für eine fruchtbare Weiterentwicklung unseres Werkes. ״Eine notwendige Bemerkung“ Zu der unter dieser Ueberschrift in Nr. 17 der ״Jüdischen Rundschau“ erschienenen Aeußerung über einen Artikel des ״Palestine Bulletin“ ist nachzutragen, daß die Annähme, die ganze zionistische Presse würde zu dem Artikel des ״Palestine Bulletin“ schweigen, erfreulicherweise sich als unrichtig erwiesen hat. in dem nunmehr hier eingetroffener ״Dawar“ (der Tageszeitung der Arbeitarorganisation) vom X. d. Mts. finden wir eine ״Das übersteigt alles Maß“ betitelte Notiz, worin die Auslassungen des ״Palestine Bulletin“, es sei besser einen Unschuldigen als gar keinen zu hängen, ,scharf abgelehnt werden. Darin heißt es u. a.: ״Diese verwilderten und albernen Worte setzen der Geduld eine Grenze, mit der die jüdische Presse bisher den häufigen böswilligen Ausbrüchen des ״Palestine Bulletin“ zugesehen hat. Es möge klar sein, daß diese Presse-Agentur in Jerusalem so wenig die Anschauungen und den Geschmack des jüdischen Jischuw wiedergibt, w1׳e sie etwa berechtigt ist, über ,die im Orient üblichen Anschauungen‘ eine Meinung zu äußern. In diesem Fall hat der Schreiber gewiß nur in seinem eigenen Namen gesprochen, wenn er überhaupt weiß was er da geredet hat.“ Es ist zu begrüßen, daß in Palästina selbst mit aller Deutlichkeit gesagt wird, daß die Empfehlungen des ״Palestine Bulletin“ nicht den Anschauungen des Jischuw entsprechen. Wie wir erfahren, hat der Artikel auch sonst in maßgebenden zionistischen Kreisen entschiedene Ablehnung gefunden. Leider aber werden von englischer und arabischer Seite die Aeußerungen des ״Palestine Bulletin", der einzigen in englischer Sprache erscheinenden jüdischen Tageszeitung Palästinas, als repräsentativ angesehen und die englische Ausgabe des arabischen ״Falastin“ laßt sich natürlich die Gelegenheit nicht entgehen, zu fragen, ob dies die höhere ethische Kultur sei, die die Juden nach Palästina zu bringen sich so oft rühmen. Es wäre wünschenswert, daß in der heutigen kritischen und gefährliehen Lage die jüdische öffentliche Meinung sich mit aller Deutlichkeit und Entschiedenheit gegen solche das Judentum und den Zionismus schwer kompromittierende Publizistik zur Wehr setzt R. W. Im Monat Januar betrug die Zahl der nach Palästina gekommenen Touristen 812. Davon kamen allein mit den neiden ,Tcuristendampfem ״Franconia“ «ad ״Resolute“ 635 Personen. t