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Jüdische Rundschau · 1930-03-07 · Heft 19 (7.3.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 19 (7.3.1930)
Date
1930-03-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 124 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr.!9, 7. III. 1930 aaucr jKolonjgiliomplao als Unterlage fir die RegSeraugs- Politik aufzustellen. Jedenfalls ist unser Auftreten gegenüber der Regierung wesentlich leichter, wenn wir mit einem einheitlichen und zielsicheren Programm in Wirt» schuft «nd Politik berwtretoj, als wma wir ms ständig mit Einzelforderunge« kommen und ohne einen eigenen, umfassenden Plan nur generell Unterstäteung unseres Kolonisationswerkes verlangen. An uns ist ««> die Initiative zu ergreifen. Es kann nicht Aufgabe dieser Zeilen sein, einen sofeben Kolonisationsplan?u entwerfen. Unseren leitenden Instanzen liegt es ob, ein derartiges offizielles Programm aufzustellen. Es soll dabei nicht etwa behauptet werden, daß hierdurch das Problem der Beziehungen der Palästina-Regierung zu uns mit einem Schlage zu lösen sei; aber wir beweisen so, daß wir selbst alle Schritte ergreifen, um gemäß Artikel 4 des Mandats ״die Verwaltung Palästinas in Sachen wirtschaftlicher, sozialer und anderer Angelegenheiten, die die Errichtung der Jüdisch- Nationalen Heimstätte begründen, zu beraten, und an der Entwicklung des Landes zu helfen und teilzunehmen“. Vergessen wir nicht, daß dieser Artikel für uns nicht nur ein Recht bedeutet, sondern diesem Recht die Pflicht zur eigenen Initiative,in dem weiten Sinne und dem umfassenden Charakter, den der Wortlaut jenes Artikels Zpjgt, gegenübersteht. Kommen wir dieser Verpflichtung in solchem Sinne nach, stehen wir klar da vor der Welt und der Mandatarmacht, und die PaJiistiua»R?gierung wird schwerlich umhin können, uns Rede und Antwort auf unsere umfassenden Forderungen für Aufbau und Landesentwjckiung zu stehen. Die gegenwärtige Situation stellt uns somit vor eine praktische Aufgabe ganz besonderer Art. Wir müssen uns hüten, über dem immer wieder entscheidenden geistigen Problem unserer Bewegung zu vergessen, daß wir mitten in der Verwirklichung Stehen und diese in erster Linie ein praktisches Tun verlangt, Aus diesem selbst wird uns dann manch geistige Klarheit kommen auch für die großen theoretischen Fragen unseres Zieles und unseres Weges.?ioflispins rni englischer Imperialismus Das Dezember-Heft des |SK, (Mitteilungsblatt des lutern8tj9Pil«n Sozialistischen Kampfbundes) bringt einen längeren Aufsatz von Karl Hinkel: ״Palästina. pinGpferdgs ®•1gHaohen Imperialismus“. Hinke! hat sieh recht ®!ngffiend mit dir Materie befaßt. Die Darstellung, di« er vom Zionismus, von der arabischen Freiheitsbewegung, vom britisehen Imperialismus gibt, kann im großen und ganzen als richtig bezeichijet^werden. Abwegig sina dagegen die Ausführungen, “‘“'"י Jf— ־ ’ ' tu WPll« 4w ifoniltisehen insbesondere den arabischen m'0| <p»ftwW. -Wm «PliKt,‘3al’@re »jirstiseife koto» nuation den armen arafafseh« Pfortem Arbeitsgelegenheiten nihmf, 80 braptt demgegenüber nicht nur darauf hiilgewieifn 711 werden, daß dies möglicherweise einmal bei einer gelegentlichep Ausnahme vorgekommen ist, sondern darauf, daß gerade umgekehrt durch die jüdische Kolonisation Tausende von Arp«m Arbeit gefunden haben, insbesondere innerhalb der Jüdischen Landwirtschaft (OraogemKolgfllep), der Industrie » B. Ncsher), dem Baugewerbe (besonders Jerusalem und egeiiixber nicht mir :1 keineswegs not-!fit diesem . .daß ן— .,M. wendigerweisc das zweite aus dein ersten ergeben müßte, $011 d!rn un Gegenteil darauf, daß es gerade die Histadruth ist, die den ersten Versuch mr Gründung gemeinsamer jüdisch-arahischer Gewerkschaften gemacht hat, und es ist interessant, in diesem Zusammenhang darauf hinzuwejsen, daß durch diese Gewerkachaften (die hauptsächlich Post- und Eisenbahnarbeitei• umfissmi) überhaupt die erste gewerkschaftliche Anlegung von Arabern «tattfand. Hinkels Gedankengang bewegt sich ganz auf der Linie, die gegen den Imperiafreiwillig als Werk- , ...*1 VH*W aav-411־ VVO ״?Vliu» *H 5)1:111 . Mio #5|UII1a1C)) jedoch lassen sich überhaupt von niemand und als Werkzeug für gar keine fremden Bestrebungen gebrauchen. Die zionistische Sache Ist nur mit den jüdischen Angelegenheiten verbunden. Sie war dieselbe, ehe England der Machthaber Palästinas war, sie Wird dieselbe sein, wenn England vielleicht einmal nicht mehr Machthaber in Palästina ist, sie würde dieselbe sein, wenn Sowjet-Rußland heute der Machthaber in Palästina wäre. Etas Recht oder Unrecht kann nicht abgeleitet werden aus dem Recht oder Unricht irgendeines Dritten, der Palästina zu seine« Zwecken verwenden will, wenn der englische Imperialismus nicht auf Palästina verzichten kann, wird er unter den heutigen fonr-Deklaration abgeschlossen worden? Daß England sieb den Arabern gegenüber nicht auf die Jutf« stützt, mußte nach der Geschichte dieser zehn Jahre auch van jedem Anti-Imperialisten erkannt werden. Oder aber glaubt Hinkel, daß überhaupt die Zionrnten von einer imperialistischen Macht das iin jüdischen Interesse gelegene Recht auf Einwanderung nicht fordern dürfte oder daß die jüdische Einwanderung nach Palästina erst dann kein Unrecht sei, wenn die gesamten Machtverhältnisse auf dem Erdball »ich grundsätzlich verschoben haben? Hier treten übrigen! dje inneren WidiriprÜchü der Haltung des Sozialisten Hinkels in der Wanderungsfrage deutlich in Erscheinung. Der ponlsmus ist eine Freiheitsbewegung, di« sogar in sgaifetiscNf HinaWt viel rmfer rn entwickelter i«j als manche andere nationale Bewegung. Und dl! Verb! ndlung von Juden und Arabern in Palästina zu gegenseitiger Fördejung und zur Erarbeitung einer femünfame» freier nationalen |«ku״ft nt fl» »11, das gerade #«f Kreis, in dem Hinkel steht, begrüßen müßt!. 6, 1. Hl ifWIichw Mi1«lwael»l«elsler entlasse« Jerusalem, 4. März. (J.T.A.) Der jüdische Polizei- Wachtmeister Ba r s had wurde nach zehn Di«1»«ahren pl«U» lieh «a,tlaisen. weil er es angeblich unterließ. Jüdische Aufrührer“ m der Haifaer jüdischen Vorstadt Bath Qulim wäf|- rend der Unruhen im August 1929 zu verhaften. Die hebrälacht Tageszeitung ״Haar«?“ vergleicht die Haltung der Behörden .gegen den jüdischen Poii?e1beamt« mit der gegen ara- Mit AuL Eine Lebensfrage des Aufbau» Von Dr. Albert Baer. * I. Die Züricher Tagung des Keren Kajcmcth hat mit Deuttichkeit allen Zionisten zum Bewußtsein gebracht, daß die Erwerbung größerer zusammenhängender Bodenflächen eine Lebensfrage des Aufbaus ist. Die Tagung hätte, waren nicht die August-Ereignisse gewesen, die diese Tagung ebenso wie die Agency.Versammlung in den Hintergrund gedrängt haben, die Wirkung gehabt, daß ihre Parolen von den Zionisten in aller Welt befolgt worden wären; denn schon auf dieser Tagung, über deren Bedeutung seiner Zeit in der ״Jüdischen Rundschau“ berichtet worden ist, wurden die Gefahren klar erkannt, die in der Konkurrenz anderer Bewerber um den palästinensischen Boden liegen. Heute — nach den Ereignissen und nachdem die uns auf dem Bodenmarkt drohendc Gefahr für alle und nicht nur für die Eingeweihten sichtbar geworden ist — verlangt es die Gerechtigkeit festzustellen, daß Insbesondere von Ussischkin und den Palästineusern, soweit es auch in der beschränkten Oeffentlichkeit der Tagung möglich war, auf die drohende Gefahr hingewiesen wurde, daß insbesondere die Palästinenser alle Teilnehmer der Konferenz beschworen, die von ihnen gestellten Forderungejj anzunehmen, um in letzter Stunde zu retten, was noch gerettet werden kann und so auch Widerstrebenden, die zwar theoretisch die Notwendigkeit des Bodenerwerbes erkannten, aber di« dafür auf innerzionistischem Gebiet notwendigen Maßnahmen nicht mitmach«! wollten, mitzureißen. Erst Jetzt wird allen Teilnehmern der Konferenz klar sein, welche Innere Wahrheit dem Appell der palästinensischen Vertreter des KKL zugrunde tag. Es ka״P heute noch weniger als früher keinem Zweifel unterliegen, daß die Forderung der Konferenz mit vollem Recht angenommen wurde, da es um die Lebensfragt des Aufbaus geht. II. £$ sei daran erinnert, daß diese Erkenntnis nicht nur eine Ertwwinis der Zionist« ist. Auch die in der Agency organi־ Herten Nicfttzionist« haben sifh nach anfänglichem Wider- Stand diese Erkenntnis zueigen gemacht. Es genügt, an das zu erinn««, was Max Warburg vor dem Kongreß in Berlin, was Felix Warburg und Wassermann und manche andere über die Bodenfrage in Zürich gesagt haben. Ihre Ausführungen unterscheide! sich weder in der Forderung, diese Lebensfrage des Aufbais zu lösen, noch in der Begründung von der zionistischen Grundhaltung. AIR zionistischen Parteien -י mit Ausnahme der Revisionisten -יי hatten?um Züricher Kongreß in ihr«« Wghlpregranim den Erwerb des Boden« durch den KKL verlangt. Es ist an der Zeit, daß die Zionisten mehr als bisher sieh die Kenntnisse verschaffen, die sie in den Stand getiten, die Ideen des KKL weiter zu verbreiten. Es ist in weiten zionistischen Kreisen noch immer unbekannt, daß in drei vorzüglichen Büchern von Qranovsky, einen» der Leiter des KKL8־üf0» in Jerusalem, alle Bodenprobleme «n eingehender Darstellung erörtert sind, Es sind dt« die Bücher: ״Pf0bl«ne der Bodenpolitik״ ,״BadeBbesteuenwg“ und ״Boden und Siedlung in Palästina", alle dr«i in» Jüdiich«. Wja®.-|p Berlin Et Ist ״w#t#f daß da® Hauptbüro ein monatlich erscheinend« Organ ״Karnern!“ (Unser Fond) heriusgibf, in dem dR kolpnisatorischen Fortschritte ebenso wie die Propagandatätigkeit besprochen wird und daß von Zeit z!| Zeit über alle aktuellen Fragen aufklärende Material-Sammlungen verbreitet werden. Auch der Bericht des KKL an den Züricher Kongreß gibt eine vorzügliche Zusammenfassung alles desen, was der KKL bisher geleistet hat. Es ist bedauerlich, daß von diesen Aufklärungssehriften nur der kleine Kreis der Zionisten Gebrauch macht, der speziell mit der KKL-Arbeit verbunden ist, ln dieser ernsten Stunde, in der beschleunigter Badenerwarb eine Lebensfrage des Aufbaus ist, muß aber aucli mit aller Offenheit gesagt werden, daß die KKL-Arbeit unterhalb dep allgemein-zionistischen Arbeit in Deutschland nicht den ihr gebührend« Platz gefunden hat. Dieser Arbeit widmen sich die Ortsgruppen nicht In dem Maße, in dem es notw«dig ist. Diese Arbeit spielt in den Besprechungen der Ortsgrupp«füf1rer, die alle Zweige zionistischer Tätigkeit erörtern, wie Gemeindearbeit, Jugendarbeit, Frauenarbeit, Keren Hajessod, Abwehrkampf, eine untergeordnete Rolle. Hier muß ein Wandel eintreten. Jede Ortsgruppe muß sich darüber klar sein, daß mit der Arbeit für den KKL die besten Menschen beauftragt werden müssen, daß KKL-Arbeit ein ständiger Beratuugsgfgenstand sein muß wie alle andern Fragen, eben weil es sich dabei um eine Lebensfrage des Aufbaus handelt. III. Die letzte Landesvorstandssitzung hat erkannt, daß verstärkte KKL-Arbeit eine Lebensfrage des Aufbaus ist Alle deutschen Zionisten sind zur verantwortlichen Mitarbeit aufgerufe«. um die Purim• Aktion des KKL durchzuführen, ln den nächsten Wochen soll die Frage unserer Bodenpolitik im Mittelpunkt unserer Aufklärungsarbeit stehen. Unsere Gesinnungsgenossen ebenso wie die Außenstehenden sollen mit den Grundlagen der Bodenpolitik wieder einmal vertraut gemacht werden, so daß sie die Notwendigkeit empfinden, dieser Arbeit ihre Kräfte zu widmen. Durch eme möglichst große einheitliche Aktion in allen imsern Gruppen ist die einheitliehe Stimmung zu schaffen, die persönliche Mitarbeit und angemessene materielle Spende gewährleistet. Unsere Anhänger und freunde, aber auch unsere Gegner wissen, daß von arabischer Beite vor der Untersuchungskommission besonders scharfe Angriffe gegen unsere Bodenpolitik gerichtet wurden. Dies« Angriffen gilt es « begegnen. Es wird?• 1■ w «fite« *ein. daß der KKL seinen Boden im wesentlichen «ieht von Peßaehen, sondern von Effendia erworben hat, die den Boden zum Teil überhaupt nicht bearbeiteten, sondern brach Heg« ließ«; daß, soweit Boden von Fellach« erworben wurde, diese durch Land und Geld entschädigt wurden und jetzt auf dem ihnen verbliebenen Boden bessere Wirtschaft führen als vorher} vor #Hep aber daß jetzt noch in Palästina große Flächen zum Kauf angeboten werden, deren Erwerb niemanden verdrängen oder schädigen würde. Eine solche Aufklärungsarbeit, für die eine Fülle von Material vorliegt, wird d« Intfresse unserer Gruppen neu beleb« und da» zu beitragen, uns di« Mittel ZU schaffen, die für die Lebensfrage des Aufbaus erforderlich sind. Sir Jolm Chancellor hat sich « Reise durch die Städte und Dörfer Non 1 2?, FelifMf «4 einer!Palästinas begeben. Brief aus Rumlnie» (Von unserem Bukarester Korrespondenten.) Die antliemltttchen AuMchreitungen. — Die kulturell« Forde rungen der Juden. — InnerJOdlsche Uneinigkeit. — h. Bukarest, den 27. Februar!930. Auch unter der gegenwärtigen natlonal-zaranistisdien Ri - gierung kommen die antisemitischen Aussehreitun gen nicht zur Ruhe. Sie sind freilich nicht so häufig, wie dies in den früheren Jahren der Fall war, sie haben in der Regel nicht einen so schweren Charakter wie früher, aber sie kommen doch immer wieder vor. Man kann auch nicht sagen, daß die Regierung eine grundlegend andere Haltung gegenüber den Ausschreitungen an den Tag legt, als alle die Regierungen, welche ihr vorangegangen sind. Wir glauben freilich nicl1t5 dal! die Regierung insgeheim die Studentenexzesse ermutigt, wie man dies immer wieder bei den früheren Regierungen behauptet hatte. Aber sonst ist des Spiel fast das gleiche. Ls ereignen sich Ausschreitungen, die Polizei oder Gendarmerie greift entweder gar nicht oder zu spät ein, die Regierung wird von den jüdischen Parlamentariern in Kammer una Senat ittierpeiliert, sie antwortet, daß nie die Ausschreitungen bedauere und daß sic Vorsorge getroffen habe, daß solche Exzesse *Ich nicht mehr wiederholen, cs werden auch einige Verhaftungen vorgenommen und schließlich verläuft langsam alles im Sande. — Von strengen Bestrafungen hört man auch bei dieser Regierung nichts, auch sic, welche in den Zeiten der Opposition so scharf gegen derartige antisemitische Ausschreitungen aufgctreten war, hat eine merkwürdige Scheu, gegenüber den Studenten ihre starke Hand zu zeigen. Denn sonst könnte man es nicht erklären, warum die lokalen staatlichen Organe niemals derartige Ausschreitungen rücksichtslos schon im Keime unterdrücken. Unter den Juden wächst die Ernüchterung immer mehr, weil mau allgemein erkennt, daß auch diese Regierung nicht die Verbesserungen gebracht hat, die man von ihr erwartet hatte. Freilich ist cs allen ebenso Mar, daß auch unter einer anderen Regierung die Verhältnisse nicht besser sein werden als heute, vielleicht sogar noch schlechter. * Was die Stellung der Regierung zu den kulturellen Forderungen der Juden anbelingt» läßt sieh unserer Ansicht nach auch hier schon ein abschließend« Urteil fällen. Auch in dieser Hinsicht wird sich die national-zaranistischc Regicrung van ihren Vorgängerinnen kaum unterscheiden. Die Politik ist immer die gleiche. Zuerst wird eine Verordnung erlassen, welche der kulturellen Entwicklung der Juden schweren Schaden zu bringen droht. Es beginnt dann ein Kampf gegen diese Verordnung in der Presse oder in den gesetzgebenden Körperschaften. Naeh Wochen zermürbenden Kampfes läßt sich schließlich die Regierung dazu beweg«, irgendwelche Kon- ««fernen zu machen, wodurch die frühere schädliche Verordnung freilich nur zum Teile wieder aufgehoben wird. Schließlieh vergeht eine längere Zeit, man wird des Kampfes müde, neue beängstigende Fragen tauch« auf, auch das Ausland hört mit seinen Alarmrufen auf, das Leber! geht weiter und die bekämpfte Verordnung ist schließlich doch in Kraft geblieben. So geschah dies beim Gesetz über die Organisierung der jüdischen Kultusgemeind«, auf welchem Gebiete jetzt ein völliges Chaos herrscht, so mit der Verordnung über die Einsen ränkungen des Hebräiaehunterriehtes an den jüdischen Schulen mit rumänischer Unterrichtssprache, *0 mit der Erteilung des jüdischen Religionsunterrichtes an den •ws» Du• yen8r1«h«t■. wFJMeht1»|f,־von mtfhtmm hebräischen Volksschulen .wurde Naher nicht *»füllt, die versprochen« staatlieh« Mittelschulen mit hebräischer Unterrichtssprache ebenfalls nicht, das Netz der privaten Iiebrii• geh« Volksschulen wird vorläufig noch geduldet, ohne daß die Regierung sieh bisher dazu entschlossen hätte, den rechtlichen Bestand desselben durch entsprechende Verantamige» sicherzustellen. Nur hinsichtlich der Errichtung einer staatlichen LehrerbiWungsansfalt zur Heranbildung von Lehrern für die jüdischen Schul« konnte der jüdisch parlamentarische Klub einen gewissen Erfolg erzielen, nämlich eine öffentliche Erklärung des Unterrichtsministers Costachescu im Senat, daß der Münsterrat sich mit der Frage beschäftigt habe, daß die Regierung bereit sei, dieses Desiderat der jüdischen Bevölkerung, welches sie ah gerechtes anerkenne, auch wirklich zu erfüllen, und daß diese Frage jetzt ernstlich studiert werde. Wir fürchten nur, daß die Regierung auch in dieser Frage die alte Verschleppungstaktfk weiter forfsetz« wird. Trotzdem die Lage der jüdischen Bevölkerung sehr viel zu wünschen übrig läßt, wird der Kampf in der jüdischen Oass e selbst mit aller Erbitterung weitergeführt. Es handelt sich vor allem um die große Auseinander- Setzung zwischen der ״Union rumänischer Juden“ (Unlunea Evreilor Romäni) und der ״jüdischen Einheitspartei“, bzw. den im jüdischen Parlamentarismen Klub vereinigten iüuisch-nationale!1 Deputierten• Es ist nicht zu leugnen, daß zwischen diesen Organisationen grundlegende ideologische und prograrnmalische Untersehied e bestehen, und zwar dort, wo es sich um die Formulierung von politischen Zielen handelt, deren Erfüllung jn weiterer Ferne Hegen. Der Grund liegt in der versehiedenen Entwicklung, welche beide Organisationen durehgemacht haben. Die ״Union rumänischer Juden“ war vor dem Kriege und während des Krieges ausschließlich auf das Altreich beschränkt und hatte in ihrem Programm vor allem den Kampf um die Erlangung der Gleichberechtigung für die Juden. Erst nach Beendigung des Weltkrieges, nachdem die Gleich- Berechtigung wenigstens dem Gesetze nach erlangt worden war, nahm die ״Union rumänischer Juden“ auch kulturelle und uationale Forderungen in ihr Programm auf und bekehrte sich schließlich langsam (besonders unter dem Einfluß der n»tionaleu Elemente im Altreiehe und in den angeschlossenen Provinzeti) auch zur Anschauung, daß die Juden eine besondere ethnische Minderheit seien. Die ״jüdische Einheitspartei“, die in der Bukowina die Wurzeln ihrer Kraft hat, machte beinahe den umgekehrten Entwicklungsgang durch. Die führenden Personen in dieser Organisation war« nicht beschwert vom Kampfe um die Gleichberechtigung, ihre letzten politischen Forderungen hatten die Schaffung einer national-kuiturellen Autonomie für die jüdische Bevölkerung zum Inhalte und erst de? ständige Kampf um die Wirklichkeit hat die jüdische Einheitspartei dazu gebracht, sich mit den nächsten nationalen und kulturellen Forderungen zu beschäftigen und da;■ groß* Ziel für lange Zeit vollständig zurückzustellen. Dasselbe gilt auch für die nationalen Elemente in den anderen angeschlossenen Provinzen. Es ist daher klar, daß eine so verscluedene Entwicklung be! beiden Organisationen auch eine verschied en« Einstellung zu den letzten Zielen nationaler Politik im Gaiufh mit sieh bringen muß. In den praktischen Fragen jedoch, in den Forderungen des Tages, in der Stellung zu den konkreten nationalen und kulturellen Forderungen der Juden, gibt es keine so wesentliehen Unterschiede, als daß sie wirklich den erbitterten Kampf rechtfertigen könnten. Dies um so weniger, als dieser Kampf der jüdischen Be* völkerung Rumäniens großen Schaden zufügt. Denn er dezimiert die jüdischen Kräfte und schwächt die Energie, welche im Kampf um die Durchsetzung der jüdisch« Forderungen bei der Re» gierung so dringend notwendig ist

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