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Jüdische Rundschau · 1930-03-07 · Heft 19 (7.3.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 19 (7.3.1930)
Date
1930-03-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ffntebnmoner 0£3 Ooldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. A1»Um^nbot1CMaBM0a1 «NsrcUa» in dar Wahrung der etaseÜMni Länder berechnet. Anzeigenpreis: 8 geep. NaapareillezeÜe 0.50 G.«M Stellengesuche 0.25 G.-M. Redaktion Verlag und Anzeigen •Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.FL, BerlinW15, Meinekestr. 10 Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. Po.tsch.c* .Kirnt»! berlia 173 92, B.«i V 9355, 6^0» Briuml 39433. Bud*p«M 596 93, Daiu.t« 1973.. Hy« 140 470, h*g 59410. Struaburc 164 30, Warschau!90 705, Wim 156 030, B*nk .Kosten : DarmaukJier und N«üomdb»nk, Depomten Km««* Borlia. Kurflirauindanun 52; Bane• da E«t, C«n1*uti (Ruminlan); AorIo Palaain* Co■ in Hall•, teroMlam. lat-Aviv. Nummer 19 | Berlin, 7. III. 1930 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. ז׳ אדר׳ תר״צ | xxxv. Jahrg. Per Ilonlsmu» erstrebt fOr da» jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesichert«!» Heimstätte In Pallttln«. ״Basaler Programm.“ Einwanderung und Kolonisation Die fünfte Alifah (Von unserem palästinensischen Korrespondenten.) AQ. Tel-Awiw, den 26. Februar!930. Langsam und fast unbemerkt sickert seit Monaten eine neue Einwanderung nach Palästina. In beträchtlichen Gruppen landen Chaluzim in Haifa und Jaffa, gehen durch die Ein* wandererheimc und den Empfangsapparat der Zionistischen Exekutive und der Arbeiterorganisation und zerstreuen. sich in den Kolonien und Städten. Die Wizo-Küche in Tel-Awiw, der die Verpflegung der Immigranten obliegt, sieht in kurzen Abständen neue Ankömmlinge, manchmal hundert und mehr auf einmal Palästina befindet sich bereits mitten in der .,fünften Alijah“, fast ohne daß man es merkte. Die Einwanderungszahlen sind noch nicht so groß, daß man von einer neuen Immigrationswelle sprechen könnte; aber cs ist nicht ausgeschlossen, daß sich — wenn nicht ungewöhnliche Störungen dazwischen kommen — eine solche vorbereitet. Das Ansteigen der Einwanderungszahlen hängt davon ab, ob der Zug zur Palästinawanderung im Galuth genügend stark ist und ob sich hier aus privaten und öffentlichen Mitteln genügend Arbeitsmöglichkeiten ergeben. Heute geht die Aufnahme der neuen Chaluzim ohne Schwierigkeiten vonstatten. Der ökonomische Aufstieg, der bereits vor den Unruhen einsetzte, hat den Arbeitsmarkt geweitet Die Einwanderungsheime können die Insassen meist schon vor Ablauf einer Woche an die Arbeitsplätze befördern. Das wichtigste Reservoir für Arbeitsmöglichkciten bilden die Kolonien mit den neuen Plantagen, sowohl in Judäa, wie in Samaria; an zweiter Stelle kommen die Städte. In der Plantagenwirtschaft haben die Unruhen die Entwicklung nur wenig aufgehalten. Der größte Teil der für dieses Jahr pro* Jektierten Neupflanzungen wird ausgeführt Nur ganz ver* einzelte Unternehmungen haben sich im Tempo zurückgehalten und sich mit der Kultivierung kleinerer Flächen begHügt Inwieweit die Augustereignisse neue Investitionen ent* mutigt haben, läßt sich varlinjjg noch nieht festste!!««. Die Pllne für'dieses Jahr #areh In 4ea meisten fällen sehen genau ausgearbeitet und kamen fast überall zur Durchführung und erst im nächsten Winter wird sich ein eventueller Rückschlag, der natürlich durch dii weitere politische Entwicklung beeih* flußt wird, enteisen können. So wie die Dinge heute Hegen, saugen die netten und alten Kolonien die neuen Arbeiter auf und die Nachfrage wird in den nächsten beiden Monaten durch die Bestellung der neugepflügten Bodenflächen noch steigen. In den Städten sind die Arbeitsmöglichkeiten im Ver* hältnis zu den Kolonien geringer, aber auch hier sind Aenderangen zu spüren. In Jerusalem hat der Boykott zu Anfang des Winters der Baubewegung einen neuen Anstoß gegeben. Die jüdischen Händler der Altstadt, die zum großen Teile ihre alten Quartiere geräumt haben, mußten sich nach einer anderen Unterkunft in den modernen Vierteln umsehen. Das Resultat waren Bauunternehmungen verschiedener Art, die Vergrößerung des ״Handelszentrum“ in der Nähe des Jaffators und anderer Geschäftsstraßen. Auch für Wohnzwecke wurden eine Anzahl Häuser benötigt, weil die Juden sich mehr konzentrierten, Wohnungen arabischer Hausbesitzer auf* gaben und in jüdische Viertel übersiedelten. Dasselbe gilt für Haifa, wo die Räumung der arabischen Gegenden noch stärker zu spüren ist wie in Jerusalem. Die Bau&ewcgung in der Hauptstadt, die beträchtlichen Umfang hatte, ist bereits wieder im Abschwellen. In Tel-Awiw dagegen beginnt das Ansteigen der Kurve erst jetzt Gewisse Neuerungen werden durch die Uebersiedlungen Jaffaer jüdischer Firmen nach Tel-Awiw verursacht Außerdem stehen verschiedene große Bauten bevor, wie zum Beispiel eine weitläufige iruckerei für den Verlag ״Omanuth“ und das neue Schlachthaus. Die Aufträge für die kommenden Monate sind so beträchtlich, daß die Ziegelfabrik ״Silikat“, die lange Zeit stillgelegen hatte, vor einer Woche wiedw mit der Arbeit begann, vorläufig freilich in verkleinertem Umfange und eventuell nur für eine beschränkte Zeit Wenn man vom ökonomischen Gesichtspunkt aus die letzten Monate betrachtet, so erhält man ein recht befriedigendes Bild: eine Einwanderung, die vom Lande ohne jede Mühe aufgenommen wurde und die aus einem Material bestand, das sowohl was Sprache wie was Beruf anbetrifft gut vorbereitet war. Es fragt sich jedoch, wie eine Verbreiterung des Ein- Wanderungsstromes und seine Aufnahme garantiert werden kann. Zur Zeit wird der Strom in der richtigen Tendenz geleitet, ein großer Prozentsatz in die Kolonien, ein kleinerer in die Stadt. Es liegt jedoch klar zutage, daß wir auf die Dauer nicht Massen von Menschen in die Siedlungen pumpen können, wenn wir nicht zu gleicher Zeit für einen entsprechenden Abfluß sorgen. Daß wir die Arbeitslosen von vor zwei Jahren absorbieren und neue Einwanderer aufnehmen konnten, ist hauptsächlich auf eine Ausbreitung der Orangenpflanzungen, also auf die Einstellung von Lohnarbeitern zurückzuführen. (Die anderen großen Unternehmungen, wie z. B. der Hafenbau in Haifa und die Erschließung des Toten Meeres, sind bisher in der Aufnahme von Arbeitern stark beschränkt. Haifa, weil bei ungelernten Arbeiten hauptsächlich Araber beschäftigt sind, und das Tote Meer, weil cjie Operationen dort erst in den ersten Anfängen stecken.) Die Zahl der Arbeiter in den Kolonien hat sich während der letzten twei Jahre von 4500 auf 7000 erhöht. Dagegen hat das völlige Fehlen der Kolonisation jedes Abfließen der älteren Elemente in den Siedlungen verhindert. Es braucht keiner weiteren Erläuterungen, um die Anormalität dieses Zustandes klarzulegen. Anstatt daß die älteren Arbeiter nach einer Reihe von Jahren ihren Weg in eigene Siedlungen finden und den neuen Ankömmlingen den Weg frei machen, haben wir in den letzten Jahren nichts anderes tun können, als einige Ansätze zu einer Hilfskolonisation in der Nähe einiger Kolonien zu machen, die im besten Falle einen Hiuslertypus schaffen kann. Das Fehlen der Kolonisation verringert daher die Einwanderungsmöglich־ keiten und verursacht unter den Koloniearbeitern, die längere Zeit im Lande sind, große Unruhe. So wie die Verhältnisse heute liegen, sind auch die Existenzbedingungen d׳**■ L*nn-er be*t,«Ts: icf Kolonien nicht auf die Dauer befriedigend. Der Lohn ist zwar heute stabil und an verschiedenen Stellen bis auf 20 Piaster (4 Mark) täglich gestiegen. Jedoch ist die Wohnungsfrage nach wi« vor brennend und die tote Saison bringt jedes Jahr dieselben alten Komplikationen, die von den Arbeitern nur überwunden werden, wenn sich die Aussichten auf Kolonisation bieten. Wenn man heute im Lande von Ansiedlung spricht, so kann man viele Projekte hören. Die Budgetfrage hat jedoch bis heute alle noch so schwungvollen Pläne zunichte gemacht. Durch die Schaffung der Agency und das vergrößerte Kolonisationsbudget waren dann neue Hoffnungen erweckt worden, die jedoch bald — als die Geldschwiertgkeiten der Exekutive sich bemerkbar machten — zu sinken begannen. Und heute — gerade wo die Einwanderung eingesetzt hat — ist die Kolonisationsfrage zentraler als jemals geworden. Neue Wege sind nur durch Investitionen zu öffnen, sei es aus öffentlichen, sei es aus privaten Geldern. Der gegenwärtige Aufstieg ist eine Folge der Investitionen in den Plantagen. Es ist wichtig, daß auch in privatkapitalistisehen _ Kreisen die Schaffung von Arbeitersiedlungen bei den Kolonien mit Ernst erwogen wird. Es ist Boden erworben und einzelne Projekte dieser Art auch schon in Angriff genommen worden. All diese Versuche, so wichtig sie auch sind, tragen jedoch nur dazu bei, den Arbeitern in der Kolonie einen Rückhalt zu geben. Daneben aber muß ein Abfluß für trainierte Kräfte aus der Lohnarbeit in die Kolonisation geschaffen werden. Sonst werden wir in nicht allzu langer Zeit die Arbeits- Eiätze aufgefüllt haben und wieder zu einem Stillstand kommen. >ie zionistische Welt ist mit diesen Fragen seit Jahren vertraut, aber wir sind seit der Besiedlung des Emek nicht mehr zu einer großzügigen Kolonisation gekommen. Und doch kann nur eine solche neue Aktion eine kontinuierliche Weiterent- Wicklung gewährleisten. Große Steigerung des Orangen-Exportes Die Orangenverschiffungen nach England beliefen sich vom Beginn der Saison bis 5. Februar 1930 auf ca. 1 100 000 Kisten gegenüber 688 000 Kisten ln der gleichen Zeit des Vorjahres. Die Verschiffung nach dem Kontinent betrug 345 000 Kisten gegenüber 208000 Kisten. Zur Verschiffung1 nach England via Port Said gelangten 150000 Kisten gegenüber 79000 Kisten. Der Gesamtexport nach England und Europa betrug bis 6. Februar 1 600 000 Kisten gegenüber 975 000 Kisten in der Saison des Vorjahres. Agency -Veranstaltung in Mönchen Am 27. Februar fand in München eine große Veranstaltung der neugegründeten Arbeitsgemeinschaft aer jewish Agency, Ortsausschuß München-Augsburg, statt, mit dem Thema ״Die deutschen Juden und das Aufbauwerk in Palästina“. Der Abend gestaltete sich zu einer ernsten Auseinandersetzung, an der sich zionistische und nichtzionistische Redner beteiligten. Es zeigte sich; daß bei aller ideologischer Differenzierung die gemeinsame Basis für eine umfassende Tätigkeit zugunsten des Palästina- Werkes gegeben ist. Die Veranstaltung wurde geleitet und eröffnet von Oberlandsgerichtsrat Dr. Neuraeyer, hierauf sprachen Dr. Nahum G o I d m a n n, Ministerialrat Dr. Otto Hirsch, Justizrat Dr. Elias Straus, Dr. Alfred Werner. Nach Schlußworten der Referenten schloß Dr. W i 1 m e 1־ s d ö rff er unter großen Beifallskundgebungen den Ab :•1d, dir einen starken Eindruck!unterlassen hat ״Feiestin“ verSHenllicb! einen IQdiscben Appell gegen den Boykott Jerusalem f 4. März. (J.T. A.) Das Organ der Arabischeu Exekutive ״Felestin“ veröffentlicht ohne Kommentar einen offenen Brief des jüdischen Kaufmanns SarauelMeilewian den Hauptleiter der antijüdischen Boykottpropaganda in Jaffa, Scheich Mouzzafer, der vor kurzem nach Hinterlegung einer Geldbürgschaft für künftiges gutes Betragen aus dem Gefängnis von Akko entlassen worden ist. In dem Brief wird geschildert, wie der antijüdische Boykott den gesamten Handel in Palästina schädigt; Meilewi fordert zu wirtschaftlicher Zu sammenarbeit der Araber und Juden ״zum Wohle aller Bewohner des Hauses, in welchem wir leben“, auf. Palästina, schließt Meilewi, kann ohne die Mitarbeit der Juden in der Wirt- Schaft nicht leben, wie dies ja kein Land der Welt kann. Gewisse arabische Kaufleute sehen sich genötigt, trotz des Boykotts heimlich mit Juden Handel zu treiben. Segen den ״jüdischen“ Zement Die französische Regierung in Beirut hat die Statuten für die in Damaskus zu errichtende Zementfabrik bestätigt. Die Gesellschaft wird 24 000 Aktien im Nennwert von fünf türkischen Pfund pro Stück herausgeben. Die Propaganda für das neue Unternehmen wird in der arabischen Presse unter dem Stichwort der Förderung des arabischen Zements gegenüber dem ״zionistischen“ Zement geführt. Der Wert des jährliehen Bedarfs an Zement in Damaskus, der bisher zum großen Teil von der Fabrik ״Nescher“ bei Haifa gedeckt wurde, wird auf 100000 Pfund geschätzt. Praktische Politik! Von Rotiert Stern au. Der Zionismus befindet sich gegenwärtig — ausgelöst durch die Ereignisse des letzten Halbjahres — inmitten einer überaus starken Diskussion über die geistigen Grundlagen und Ziele der Bewegung. Gegensätze weltanschaulicher Art werden wirksam, beeinflussen die praktische Politik, und hinzutreten die reinen Agency- Probleme, die durch die Zusammenarbeit mit unseren nichtzionistischen Partnern aufgeworfen werden. Innerzionistisch und innerhalb der Agency sind wir gezwungen, uns laufend grundsätzlich sowohl mit Freunden als mit ״Sympathikern“ auseinanderzusetzen. So notwendig die Austragung dieser Meinungsverschiedenheiten fraglos auch ist, so klärend sie für den ganzen Fortgang unserer Bewegung sein wird — so groß ist auch die Gefahr, daß sie unseren Blick von den Aufgaben des Tages ablenkt, gerade in einem Moment, wo Tagesfragen als sofortige Aufgaben, die keinen Aufschub vertragen, vor uns stehen. Dem Revisionismus muß es zugebilligt werden, daß er die Forderung nach Aufstellung eines konstruktiven politisehen und wirtschaftlichen Programms mit ganz besonderer Stärke stellt. Mögen die Grundideen des Revisionismus und seine Vorschläge zur Lösung unseres Problems auch abwegig sein — seine Bemühungen um ein politisches und wirtschaftliches Aktionsprogramm entsprechen an sich durchaus den augenblicklichen Notwendigkeiten. Auf keinen Fall dürfen theoretische Probleme und Agency- Fragen die Zielsicherheit unserer Gegenwartspolitik hemmen und die Aufstellung eines so dringend notwendigen Sofortprogramms hindern. Primum vivere deinde philosophari! Wir stehen nur kurze Zeit vor Vorlage des Berichtes der Untersuchungskommission, auf Grund dessen die Mandataruucät ihre Palästinapolitik ne« bestimmen wird. Dabei werden für England entsprechend seiner jahrzehntelangen Praxis alle Fragen über theoretische Ziel* Setzung eine geringere Rolle spielen — mögen sie für uns selbst als geistige Bewegung auch noch so entscheidend sein. Durch unseren Eintritt in die praktische Politik wird von uns eine klare Antwort auf zahlreiche Fragen des Tages verlangt. Dabei dürfen wir die Chance, die uns die öffentliche Wiederaufrollung des Palästinapro biems trotz aller damit verbundenen Nachteile bietet, nicht ungenützt verstreichen lassen. Wieder einmal ist für uns die Gelegenheit günstig, selbst die Initiative zu ergreifen und endlich einmal mit einem eigenen, Politik und Wirtschaft umfassenden Programm offiziell heryorzutreten. Es war eine große Unterlassungssünde unsererseits, daß wir dies bisher versäumt haben und immer nur in unzulänglicher Weise zu Vorschlägen, die man uns von Regierungsseite gemacht hat, teils ja, teils nein sagten. Die Situation erfordert heute so stark wie je ein eigenes konstruktives Programm, das von den Rechten ausgeht, die uns das Mandat gegenüber der Mandatarmacht gibt, sich in den Grenzen der Möglichkeiten hält und im Hinblick auf unser kolonisatorisches Ziel eindeutig erfüllbare und einheitlich zu einem konstruktiven Ganzen abgerundete Forderungen in Politik und Wirtschaft aufstellt. Politisch erwartet die Welt von uns hinsichtlich der Araberfrage ein klares Programm, das nicht mit allgemeinen Floskeln arbeitet, sondern genaue Einzelheiten festlegt. Wie und wo glauben wir bereits jetzt und in naher Zukunft mit den Arabern zusammen arbeiten zu können? Wie denken wir uns den Prozeß der Verselbständigung der Araber? Soll dieser mit der lokalen Selbstverwaltung beginnen oder welche praktischen Vorschlage haben wir sonst zu machen? Die Fragen der arabischen Arbeit, die Probleme, die die jüdischen Bodenkaufe für den Fellachen mit sich bringen, erfordern eine Beantwortung. In diesen und zahlreichen anderen Fragen haben wir einen praktischen Weg zur Lösung zu zeigen und der Regierung klarzulegen, wie sie selbst durch tatkräftige Unterstützung dabei mitzuwirken habe. Wir haben zu beweisen, daß wir über Kolonisation hinaus auch bereits Landespolitik zu treiben vermögen. Unsere Initiative in politischer Hinsicht ist durch eine gleiche in wirtschaftlicher Hinsicht zu ergänzen. Wir haben der Regierung immer nur Einzelforderungen, noch niemals ein umfassendes Programm einer einheitlichen Kolonisationsförderung vorgelegt. Zahlreich sind die Möglichkeiten, die sich für eine Regierungsunterstützung in Landwirtschaft, Industrie und Handel ergeben. Wir müssen sie klar und teilweise in minutiösen Einzelheiten herausarbeiten. Wie denken wir uns die Einwanderungspolitik im nächsten Jahrzehnt, wie die Bodenpolitik, wie die Zollpolitik, die Steuerpolitik, die Verkehrspolitik usw. usw.? Alles das ist genau und in branchenmäßiger Detailgliederung darzulegen, eia gey

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