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Jüdische Rundschau · 1930-02-28 · Heft 17 (28.2.1930) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 17 (28.2.1930)
Date
1930-02-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 17, 28. E 1630 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 115 Aus da» Gemeinden Bekämpfung der Erwerbslosigkeit Der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde lud für den 24. d. Mts. einen Kreis führender Persönlichkeiten aus dem Wirtschaftsleben zu einer Aussprache über Maßnahmen zur Bekämpfungder Erwerbslosigkeit unter den Juden ein. Der Vorsitzende der Gemeinde, Direktor K a r c ן k i, erkürte in seiner Eröffnungsrede, daß die Frage der Bekämpfung der Erwerbslosigkeit unter den Juden in steigendem Maße das Interesse der jüdischen Oeffentlichkeit beanspruche. Er bittet die anwesenden Persönlichkeiten um Rat und Mitarbeit bei der Lösung dieser Aufgabe. Die Reihen der Aussprache eröffnete Chefredakteur Georg Bernhard. Seit einer Reihe von Jahren, sagte er, wird das Judentum bedrängt gerade in der Sphäre die ihm, mit mehr oder weniger Recht, als Wirkungssphärc zugewiesen ist. In Stadt und Land macht sich «ine Boykottbewegung fühlbar. Schon die Völkischen hatten begonnen, gegen die jüdische Position im Wirtschaftsleben Sturm zu laufen, indem sie den Juden die Schuld an der Inflation und an der späteren Deflationskrise zuschoben. Durch die Inflation und die Krise der ersten Deflationsneriode ist eine jüdische Kulturschicht entwurzelt worden, die für das deutsche Kulturleben Außerordentliches geleistet hat. In die im Geschäftsleben führend tätig gewesenen Juden ist eine große Bresche geschlagen worden. Wiek von den früher Selbständigen sehen sich vor die Notwendigkeit gestellt, nun selbst ihr Brot als Angestellte zu suche«- Dem jüdischen Stellensu״henden stellci i!1 aber weit größer« Schwierigkeiten in den Weg, als den nichtjüdischen, Die antisemitische Stimmung im deutschen Volke ist heute, was Intensität und Weite der von ihr berührten Kreise betrifft, ernst wie noch nie. Dies erschwert dem jüdischen Arbeitsuchenden die Erlangung einer Stelle auch beim jüdischen Arbeitgeber, der zuweilen glaubt, auf das nichtjüdische Kaufpublikum Rücksicht nehmen zu müssen. Hier in Deutschland herrscht noch das Streben nach billiger Lohnarbeit. Vom Juden nimmt man an, daß er sich mit niederem Lohn nicht begnügen wird. In Fällen, wo diese Annahme richtig ist, drückt sie doch nur einen Vorzug des jüdischen Menschen aus, der tüchtig ist und vorwärts will, der aber auch weiß, daß er nur vorwärts kommen kann, wenn airh das Unternehmen, dem er dient, vorwärts kommt. Andererseits kann ein Unternehmen ja nicht bestehen, ohne strebsame Angestellte. Es sind aber nicht nur die Leiter der Betriebe, die die jüdischen Angestellten boykottieren, sondern auch die nichtjüdischen Angestellten selbst boykottieren den jüdischen Arbeitskollegen. In den großen Betrieben geht die Zahl der jüdischen Angestellten immer mehr zurück. Die unteren Schichten der Angesie'ltenschaft sind verhetzt durch die Nationalsozialisten. In Bankbetrleben bestehen nationalsozialistische Zellen zwecks Fernhaltung der Juden. Bei den Einkornmenstufen der jüngeren Angestellten zwischen 400 bis 60Q M. sind die Juden fast gar nicht vertreten, woraus hervorgeht, daß Juden nur in den seltensten Fällen neu eingestellt werden. Keiner verlangt eine einseitige Bevorzugung, die im Wirtschaftsleben und auch sonst im Leben nicht Platz greifen darf; wofür man aber kämpfen muß, das ist die Bcseitlgu ng einer Ungerechtigkeit gegen den jßdis e h cn Ar beitn e n ro er. In der weiteren Aussprache kamen zum Warle Direktor Wilh. Kleetnann, der die Tätigkeit der Gemeinde schilderte, Syndikus Dr. Arthur Schweriner vom Central-Verein, Moritz Roaenthal, Redakteur Moses Waldmann, der das Bestehen einer wirtschaftlichen Judenfrage feststellte und darum eine jüdische Aktion für notwendigerachtete; Direktor Bach, der zugleich auch den Standpunkt der G!־o'׳'oge darlegte; ferner die Herren Georg Ti e t z, Manes Dr. Ca8־ arl, Simon. Neuberger Jakobowitz und Alfred e r g c r. Berger schilderte in eindringlicher Weise die fruchtbare Arbeit des jüdischen Arbeitsnachweises und schlug die Schaffung eines Beirates dieser Institution vor. Es war ein Erfahrungsaustausch, der in der von Prof. Georg Bernhard gezogenen Schlußfolgerung gipfelte, daß cs notwendig sei, unter Vermeidung jeder Einseitigkeit die ganz unverhältnir,mäßig stark unter der Erwerbslosigkeit leidenden, weil zu Unrecht benachteiligten jüdischen Arbeitnehmer zu ermutigen, indem man das gegen sie herrschende Vorurteil beseidigen und ihnen ihren Platz im Wirtschaftsleben sichern hilft. * Für ein Jugend- und Gemeindehaus. Der Landesausschuß Groß-Berlin der Jüdischen Jugendverbände, In dem die gesamte organisierte jüdische Jugend vertreten ist, veranstaltete am 23. Februar ein großes Massenmeeting in der Stadthalle, um die Gemeinde zur Schaffung eines als kultureller und sozialer Brennpunkt jüdischen Lebens gedachten Jugend- und Gemeindehauses aufzurufen, Etwa 20QÖ junge Menschen aus allen jüdischen Lagern Berlins in ihrer wanderkleidung und uni die einzelnen "Bundeswimpel geschart füllten die riesige Halle. Martin Sobotker eröffnet die Versammlung nach einleitendem Chorgesang der ״deutsch-jüdischen Jugendgemeinscliafi“. Der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Direktor Kareski, gibt ein Bild von den Leistungen der Gemeinde auf dem Gebiete der Jugendfürsorge und Jugendpflege. Er hebt die Förderung der ״Schule der jüdischen Jugend“, die Schaffung des Jugendpflegeam'es mit seinem von der Jugend beherrschten Verwaltungsausschuß und die in Bildung befindliehen Bezirksjugendheime hervor. Er macht sich die Forderung nach einem Jugend- und Gemeindehaus zu eigen und sieht in ihm einen lebendigen Vermittler zwischen den Generaiionen und den Spielraum für das Hineinwachsen der Jugend in jüdisches Leben. Das Hauptreferat hält Dr. Georg L11binski, Unterdezerneut im Gemeinde-Jugendpflegeamt. Er bezeichnet das Jugend- und Gemeindehaus als eine zentrale Gemeindefrage. Ehe Gemeindeparteien bekunden ihre Sympathie mit der Jugendförderung dureh ihre in Jugendfragen besonders sachkundigen Führer. Namens der. Liberalen spricht Dr. Fleischer. Rechtsanwalt Dr. Leiewer, Präsident des Welt-Makkabl, tritt namens der Jüdischen Volks- Partei für organische Einordnung der Jugend ins Gemeindeleben ein und begrüßt als Mittel das ״Jugend- und Gemeinde• haus“ nach dem Muster der amerikanischen ״Jewlah Centre*“. M. A. Loeb spricht namens der Konservativen, Adler-Rudel namens der Poaie Zion, Dr. fsmar Freund namens der Mittel- Partei. Dr. Ludwig Tietz faßt namens des ״Reichsaus* schusses Jüdischer Jugendverbände“ die Forderungen der Jugend nochmals zusammen, Ihren Ausklang fand die Kundgebung in hebräischen Gesängen des Chores von Kadimalt, Jung-judischer Wanderbund und ״Zofim“, untermalt von reigenartigen chassidischen und anderen Volkstänzen. DIE FORDERUNG DER STUNDE: Briefe an die Redaktion Zur iaocrsionistischen Diskussion Berlin, 24. Februar 1930. Sehr geehrte Redaktion, Die Auseinandersetzung, di•; in den letzten Nummern der ״Jüdischen Rundschau“ begonnen!tat, lüdet für den Nicht- Mlsrachlsten manches Interessante, Für die Beurteilung Un*Cfcs Parlciwcscns ist es z. B. von Bedeutung, wenn der Führer einer geachteten Partei ihre Entscheidungen als Zufallsergebnissc achtet und dadurch ein etwas merkwürdiges licht auf seine Parteigenossen wirft, Sollte dies bei allen Fraktionen der Fall sein, so wäre eine Revision wohl am Platze. (Allerdings widerspricht sieh Dr, Wolfsbcrg in seinen! Artikel, indem er von dem ״Widerstand eines sehr großen Teiles der Misrachi-Fraktlon“ gegen den Eintritt in den G. A. spricht.) Für. unsere allgemein-zionistischen Fragen ergibt sich die Forderung nach einer baldigen authentischen Interpretation des Wesens und der Ziele des ״Brüh Scha 10m“. Denn wenn er wirklich die Forderungen vertritt, die Dr. Schercschewsky ihm zuschreibt, so versteht man nicht recht, weshalb er in der zionistischen Ocifcitlichkeit so scharf bekämpft wird. Sind cs doch Ideen, die jedem von uns seit jeher bekannt und vertraut sind, da sie ja zum Rüstzeug unserer zionistischen Ideologie gehören, ts ist darum bedauerlich, daß Dr. Wolfsberg nicht die Gelegenheit ergriffen hat, zu ihnen klar und deutlich Stellung zu nehmen, wenn er sie neuerdings für schädlich hält. Statt dessen bringt er die Diskussion auf die Frage, ob etwas mit Recht als ״jüdische“ Politik bezeichnet werden kann oder nicht. Er kommt dabei zu dem etwas eigenartigen Schluß, daß nur das ״jüdisch“ genannt werden darf, was durch eine Instanz als solches be- *tätigt wird. Da cs jetzt eine solche Instanz nicht gibt, $0 ist entweder alles oder nichts ״jüdisch“. Dann darf man also nicht davon sprechen, daß Sozialismus, Pazifismus usw, dem Orundcharakter des Judentums mehr entsprechen als Kapitalismus und Militarismus, da ja auch für letztere Belege aus den Werken der Tradition gebracht werden könnten. Dann wäre es also ein Unrecht zu behaupten, daß der Keren Kajemcth entsprechend den Idealen des Judentums arbeitet, wenn er das Gemeineigentum am Boden fordert. Schließlich entspräche auch Zionismus oder Misracfiismus nicht den Grundfoiderungen des Judentums, da sie ja von mancher Seite mit Hilfe nalachischer Entscheidungen bekämpft werden. In einem Punkte scheint allerdings eine Einigkeit zwischen Dr. Wolfsberg und Dr, Schercschewsky zu bestehen, nämlich in der Ablehnung der Majorität als ״tendenziöses Ziel" oder ״politische Forderung“. Alan kann durchaus der Meinung sein, daß die Erwähnung der Angelegenheit von Ern st Simon deplaciert war. Bek a n 111 ist sie aber in den zahlreichen Kreisen, die Verwandte oder Freunde in Jerusalem haben, seit mehreren Monaten. Es Isjt auch m. W. von palästinensischen Misrachiführern kein Hehl daraus gemacht worden, daß es sich um ein Vorgehen aus politischen Gründen hauptsächlich handle. Daß es keine religiösen oder pädagogischen Motive gewesen sein können, geht wohl daraus hervor, daß man $. die Stelle eines Rektors der Mlsraehi-Sehule in Haifa angeboten hat. Man wollte es anscheinend verhindern, daß er seine von der Misrachi- Leitung für gefährlich betrachtete Ideen am Lehrerinnen- Seminar Menschen übermittelte, die berufen sein sollten, in kurzer Zeit junge Menschen zu erziehen; als Leiter einer Schule, fern von Jerusalem, bedrückt von administrativen Lasten und als Lehrer von kleinen Kindern wäre er nicht so gefährlich gewesen. Man hat sich in unseren Kreisen lange darüber gewundert, daß der deutsche Misrachi nicht öffentlieh dagegen Stellung genommen hat, wenn er auch mit den politischen Anschauungen Pr. Simons nicht übereinstimmt. Denn hier handelt es sich doch offenbar um ein von keinem Standpunkte zu billigendes Unrecht gegen einen unserer Besten, was wir als Zionisten nicht dulden sollten. Dr. R. Rachelsohn. Kurt Blumenfeld spricht über Lewlsohns ״Erbe im Blut“. Als Kurt Blumenfeid vor acht Jahren in Amerika war, da hielt man ihm von allen Seiten entgegen: hier wäre die Judenfrage ganz anders begründet und orientiert wie in Europa, er solle sich hüten zu vergleichen und Schlüsse zu ziehen.. Und trotzdem hörte er schon damals in Philadelphia von Maurice Samuel, der seitdem auch in Amerika als jüdischer Schriftifeller bekannt wurde, ein nachdenkliches Bild. Samuel verglich den ameriiranischen Juden mit einem Eisberg: ein Sechstel nur ragt übers Wasser hinaus, das ist der Rest des bewußt in ihm lebenden Judentums. Aber fünf Sechstel des Berges sind noch unter Wasser — das ist das unterirdische Judentum, dessen er sich nicht mehr bewußt ist, das aber trotzdem niemals verschwunden ist. Und schon damals führte Blumenfeld mit Ludwig Lewi- 8ohn eine ganze Nacht hindurch ein Gespräch über Juden und Judentum, das diesen Mann von Orund aus umwühlte und ihn unbegriffene Rätsel in der eigenen Brust verstehen lehrte. Wer war Ludwig Lewisohn damals? und wer ist Lewisohn heute? Sein großer jüdischer Roman ״Das Erbe im Blut“ wurde hier vor kurzem ausführlich gewürdigt. Mit eben diesem Roman, der in seiner englischen Originalfassung viel bezeichnender ״The Island withfn“ — ״Die Insel im Innern“ — heißt, beschäftigte sich Blumenfeld kürzlich ln einem außerordentlich fesselnden Vortrage, der auf Veranlassung der gesamten Frauen- Arbeitsgemeinschaften für Palästina unternommen und die Werbe-Aktion der Wizo in Berlin mit einem höchst eindrucksvollen Auftakt einleitete. Im überfüllten Saale des Demokrat[- sehen Klubs hatten sich Mitglieder und Freunde der Frauen- Arbeitsgemeinschaften Berlins versammelt; Dr. Nadja Stein begrüßte die Anwesenden und faßte noch einmal Ziel und Zweck des bevorstehenden Werbe-Feidzugs lebendig zusammen. Hoffentlich folgt dem schönen Anfang eine ergebnisreiche Durchführung des wichtigen Beginnens. B.-St. An unsere Abonnenten! Die Post verlangt von uns die Anmeldung der vom t. April 1930 an zu liefernden Exemplare bis zum 15. März. Wir sind daher gezwungen, die Abonnementsgebühren von denjenigen Abonnenten, die die Jüdische Rundschau" direkt bei uns abonnieren, in den ersten Mfirztagen zu erheben, und zwar werden wir ihnen zu diesem Zweck Nachnahmen zugehen lassen. Wir bitten darum, im eigenen Interesse dafür Sorge zu tragen, dal diese Nachnahmen prompt eingelöst werden, da sonst Unregelmäßigkeiten in der Zustellung der Jüdischen Rundschau" nicht zu vermeiden sein dürften. Berlin, im Februar 1950 Verlas .jüdische Rundschau“ Berlin W1S, MelnekestraBe 10 Ortsgruppen Ll.lefeld. Am 10. Februar veranstaltete die Ortsgruppe einen öffentlichen Vortragsabend, auf welchem Herr Dr. Werner Bloch, Berlin, über das Thema ״Palästina und die jüdische Weit“ sprach. In hochinteressanten Aufführungen verstand es der Redner, seine Zuhörer zu packen. Insbesondere dürften die zahlreich erschienenen Nichtzionlsten einen liefen Eindruck von dem zionistischen Ideen- und Aufgabenkreis empfangen haben, was hoffentlich der weiieren Ortsgruppenarbcit förderlich sein wird. — Der anregende Abend fand im gastlichen Hause von Herrn R.-A. Müller, wo ein engerer Kreis der Ortsgruppenmitglieder mit Herrn Dr. Bloch zu zwanglosem Plaudern vereint war, seinen harmonisehen Abschluß. Chemnitz. Am (>, Februar veranstaltete die Zionistische Ortsgruppe einen Rezitationsabend mit Jehuda Ehrenk ranz, und am 23. Februar fand eine Wiederholung wegen des großen Erfolges, als Matinee statt, die von der Gesellschaft der zionistischen Akademiker entriert wurde. Dez junge sympathische Künstler las ernste Sachen von Peretz, Schalom Asch und Schneur, zwei Gedichte von M. Rosenfeld und heitere Prosa von Schalom Aleehein. Es ist schwer zu sagen, ob die ergreifende Darstellung des blinden Bettlers, oder die Maschine mit dem hackenden Gang des Lebens besser gebucht wurde; tief ergreifend war die Schilderung des Karnevals in Rom, und erschütternd der Pogromtag von Schneur. Die heiteren Sachen von Schalom Alechem, besonders ״Die Socken“ und ״Auf Luft“ fanden großen Beifall. Das melodische Organ des Künstlers zeichnete glänzend alle heiteren und schnurrigen Typen; fein nuanciert wurde die Trauer und der Schmerz in der symbolischen Dichtung ״Das Licht“ dargestellt. Beide Vorträge zeigten die große Künstlerschaft des Jungen Vorlesers; da er selbst von diesen Dingen ergriffen wurde, ergreift er auch seine Zuhörer. ' Elbing. Auf Anregung der Herren Leopold Levy, Alfred Salwitz und Apotheker Schindler hat sich hier ein« Zionistische Ortsgruppe gebildet. Als erste größere öffentliche Veranstaltung war es uns sehr willkommen, Herrn Pollak, Delegierter des Keren Kajemcth für Zentraleuropa, als Redner bei uns begrüßen zu können. Herr Pollak sprach über das Thema; ״Jüdische Leistung in Erez-Israei“. Seine so klare Darlegung der bisher geleisteten Arbeit an Hand von statistisehen Belegen in seiner schlichten, warmen Art wirkte überaus wohltuend auf den großen Zuhörerkreis. Wir waren angenehm überrascht, daß in der jüdisch indifferenten Stadt Elbing der Saal bis auf den letzten Platz besetzt war, Dem Vortrag schloß sich eine Diskussion an. Frankfurt a. M. Am 16. d. M, sprach Dr. Wolfgang v. Weis! in einer von den Revisionisten veranstalteten, stark Besuchten Versammlung, über das Thema ״Palästina seit August 1929“. Dr. Weis! schilderte die Ereignisse seit August in Palästina und kritisierte am Schluß seiner Rede die Vorgänge innerhalb der Z. V. f. D. Die Versammlung nahm schließlich eine Resolution an, in der di« Einberufung eines außerordentliehen Kongresses verlangt wird. — Am 17• Februar fand in Frankfurt a. M. eine vom Jüdischen Arbeiter-Kultur- Verein und der Liga gegen koloniale Unterdrückung veran• staltete Versammlung über die ״Ereignisse in Palästina“ statt. Der Kommunist Albert Norden brachte alle Einwände gegen das jüdische Palästinawerk vor, die in der kommunistischen Presse zu lesen sind, und empfahl die Unterstützung des sowjetrussisch-jüdischen Kolonisationswerkes. In der Ausspräche traten seinen Entstellungen und irrigen Angaben Dr. Paul Arnsberg, Meier Tepützky, M. Schimmel und Fried mann entgegen. Auch ein palästinensischer Kommunist griff in die Debatte ein. Oie .stürmisch?■״ ,'t Sammlung schloß mit der Absingung der Internationale und der Hatikwah. Gleiwitz. Am 13. Februar fand eine Monatsversammlung statt, in der Herr Dr, Lux-Breslau Über den Jenenser De|egiertantag sprach. Der Redner benutzte die Gelegenheit, um über die einzelnen Parteien in ihrer Stellungnahme zum arabisch-Jüdischen Problem zu reden und die einzelnen Auffassungen kritisch zu würdigen. Dank der klugen und sachliehen Berichterstattung des seinerzeit mit der Vertretung unserer Ortsgruppe auf dem Jenaer Delegiertentage betrauten Herrn Referenten stellte der Abend in hohem Grade eine Bereicherung dar. — In unserer Gemeinde fanden am 16. Februar Repräsentantenwahlen statt. Von den zu wählenden acht Herren wurden auch die von zionistischer Seite nominierten drei zionistischen Vertreter gewählt. Dr. E. H. Halle. Am 12. Februar fand ein Vortrag Dr. Nahuin Goldman ns über das Thema ״Das Judentum nach dem Kriege“ statt. Die Versammlung war auch von Nichtzionisten sehr gut besucht. In seinem Vortrage analysierte Dr. Goldmann die Lage der Juden in den einzelnen Ländern und kam auf das Palästinawerk zu sprechen. Seine Ausführungen fanden lebhaften Beifall. Nach dem Vortrage versammelten sich die führenden Gesinnungsgenossen zu einer internen Aussprache. Kassel. Im Rahmen eines von der Ortsgruppe mit dem I. J. W. B. gemeinsam veranstalteten Vortragsabends sprach Herr Dr. Fritz I.ocbenstein-Leipzig über ״Wandlungen in der jüdischen Jugend“. Der Vortragende legte seinen Ausführungen eine Betrachtung des körperlichen Entwicklungsprozesses beim iugendlichen — die Pubertät zugrunde und unterschied vier Typen von Jugendlichen, deren Lebensformen von der Pubertät gestaltet seien. Der widersetzliche Jugendliche gleicht dem Kleinkind, das viele Gegenstände zerreißt, um sich dadurch eine Kenntnis vom Gegenstand zu verschaffen. Der Jugendliche, der in der Schule versagt, läßt die Hoffnung zu, daß er in späteren Jahren (Spätreife) das Unregelmäßige seines Fortschreitem wieder ausgleicht. Der grüblerische Jugendliche zeigt besondere Leistungen. Er stellt den Typus der Erfinder. Wo er unproduktiv bleibt, neigt er zum ungesunden Betrachten seines Selbst, zur Selbstbespiegelung, die mit Willenlosigkeit häufig verbunden ist und oft den triebhaften Entschluß zur Aufgabe des eigenen Lebens zeitigt. Die am wenigsten problematische Natur dieses Lebensalters ist der vierte Typ, ein lebensfroher, aufeschlossener, dem Idealen hingegebener Mensch. Aus diesen ebenszuständen der Jugendlichen zog der Vortragende Schlüsse auf die Entwicklung der Jugendbewegung, hob hervor, daß der J. J. W. B. diejenige Jugendgruppc sei, die den Idealen treu geblieben sei, welche alle Jugendbewegungsgruppen bei ihrem Aufbruch zu neuer Lebensgestaltung anerkannt hätten. Die Ausführungen des Herrn Dr. Loebenstein wurden von einer zahlreichen Zuhörerschaft mit großem Beifall aufgenommen. Köln. (Hebräische Feier des J.J. W, B.) Am Sonntag, dem 9. Februar, veranstaltete der J, J. W. B, eine hebräische Feier zugunsten des P. A. F. Das Schone an dieser Feier war, daß sie einem weiteren Publikum ein Bild gab von dem Gemeinschaftssinn und Geist des Bundes und von seiner engen Verbindung mit Palästina und dem Leben in Palästina. Besonders die hebräischen Singchöre, die von einem Palästinenser geleitet waren, bezeugten diese enge Verbindung. Das stärkste Erlebnis vermittelten die von ist Reisa, Berlin, geleiteten Sprechchöre. Sein Versuch, den ersten Tag der Schöpfung*• geschieht« künstlerisch zu gestalten, war sehr eindrucksvoll Ihren Höhepunkt erreichte die Feier in dem letzten Bewegungs- und Snrech^hor, Das Ganze hatte ein künstlerisches Niveau, vor allem auch die muaika’.iachen Darbietungen Julia« Goldbergs, der u. a. Motive aus dm *Dybttk“ in eigener Komposition vortrug.

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