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Jüdische Rundschau · 1930-02-28 · Heft 17 (28.2.1930) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 17 (28.2.1930)
Date
1930-02-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 114 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 17, 28. TL 1030 Eine notwendige Bemerkung Mit vielen Dingen, die jetzt in palästinensischen Zeitungen — und auch in den übrigen zionistischen Zeituugen, sogar dem zionistischen ״Zentralorgan“ — geschrieben werden, sind wir nicht einverstanden. Wir wollen aber nicht durch Betonung dieser Meinungsverschiedenheiten empfindliehe Gemüter reizen und verzichten daher im allgemeinen auf öffentliche Kritik, denn wir verstehen ganz gut die Situation, aus der heraus eine Presse, die ln einer aufgeregten Zeit sich von den Affekten, die ihren ganzen Leserkreis beherrschen, nicht loslösen kann, die nationalen ״Belange“ verteidigen zu müssen glaubt, indem sie der allgemeinen Stintmung dient, Wir haben diese Erscheinung oft genug bei Ausbruch nationaler Konflikte zwischen zwei Völkern hcobachtet. Je stärker die Nationalisten der einen Seite ihre Postulate vertreten, um so erhitzter werden die Gemüter auch auf der anderen Seite, und das Resultat ist jene traurige Erschcinung, die wir gut kennen, daß nicht nur die beiden Völker ununterbrochen einander gegenseitig herabsetzen und beleidigen, sondern daß auch in Angelegenheiten, die zwischen Angehörigen der beiden feindlichen Völker sich abspielen, der Beobachter völlig außerstande ist, sonst von ihm ancrkannte Grundsätze objektiver oder gerechter Beurteilung anzuwenden; er ist eben Partei , will aber gleichzeitig nach außen hin aU Richter gelten. Wir hatten immer gehofft, daß im jüdischen nationalen Leben dies anders sein wird, aber die solches erwarteten, haben offenbar nicht mit den übermächtigen Gesetzen nationaler Verhaltungsweise gerechnet. Es ist heute ein schwieriger Moment; in den nächsten Monaten wird sich wahrscheinlich die politische Spannung in konkretere Probleme aufiösen, und es wäre vergebliches Bemühen, in solcher kritischen Zeit dem Strom der öffentlichen Meinung entgegenzutreten. Aber alles Schweigen hat eine Grenze. Man darf den ״Burgfrieden“ nicht auf zu harte Proben stellen. Wenn in der jüdischen bzw, zionistischen oder als zionistisch geltenden Presse Anschauungen vorgetragen werden, die in allzu krassem Widerspruch zu dem Empfinden weiter jüdischer Kreise und — wie wir überzeugt sind — weiter zionistischer Kreise stehen, dann muß gerade in einer zionistischen Zeitung ein klares und offenes Wort des Widerspruchs laut werden. Wir begreifen, daß der Freispruch der des Mordes i 1! M ozah angeklagten Araber in jüdischen Kreisen Erregung hervorgerufen hat. Eine dar fürchterlichsten Untaten der Augusttage ist ungesühnt geblieben und mit Recht fragt man, warum dje Polizei nicht die wirklichen Mörder vor Gericht gebracht hat. Aber es Ist ganz leicht möglich, daß unter den Angeklagten auch die Täter waren, die nur wegen mangelnder Beweise aus juristischen Gründen nicht verurteilt werden konnten. Die jüdischen Belastungszeugen wurden vom Gericht als unzuverlässig bezeichnet, weil sie sich in Wider- Sprüche verwickelt hatten. Es bleibt noch die Möglichkeit der Kollektivbestrafung des ganzen Dorfes, die die Regierung in Erwägung zieht. Im übrigen liegt es in der Eigenart derartiger Prozesse, daß die wirklichen Täter, gegen dje auf Grund der durch die Strafprozeßordnung vorgesehriebenen Beweise ein Verdikt gefällt werden kann, schwer zu ermitteln sind. Natürlieh muff irgend jemand der Täter sein, denn der ErrHordete wurde ja ermordet! Sache des Gerichtes aber Ist es, nur diejenige Person als Täter zu bestrafen, die persönlich überführt wurde. Die! gilt für Juden und Araber in gleicher Weise. Erst vorige Woche wurden vier Juden freigesprochen, die angeklagt waren, einen Araber getötet zu haben. Fest steht, daß dieser Araber, namens Achmed Awad, am 1. September in Jerusalem von einem erregten jüdischen Haufen erschlagen wurde, aber da keine Beweise zu erbringen waren, daß gerade die vier angeklagten Juden die Tat begangen hatten, wurden sie freigesprochen. Aus denselben Grund wurde das Todesurteil gegen den Juden Urphali aufgehoben. Den Freispruch von Mozah und andere Prozesse hat nun das von der Jüdischen Telegraphen-Agentur in Jerusalem — leider in englischer Sprache -— herausgegebene Tageblatt ״Palestine Bulletin“ zum Anlaß zweier Leitartikel genommen, in welchen auseinandergesetzt wird, daß das türkische Verfahren der Vorkriegszeit für Palästina viel angemessener gewesen sei, als das penible Verfahren des englischen Strafprozesses, wo ohne Beweise niemand verurteilt werden kann. Der anonyme Verfasser dieser Artikel führt aus, daß einem so unzivilisierten Volk wie den Arabern gegenüber andere Methoden am Platze sind als einem Kulturvolk gegenüber. In türkischen Zeiten, so sagt das Blatt, wurde in solchen Fällen immer Irgend jemand aufgehängt, sei es auch ein Unschuldiger, dies wirkte wenigstens als Abschreckung; denn, schreibt ״Pal. Bull.:״ ״Es mag besser sein, einem unrichtigen Mann zu hängen, als gar keinen zu hängen, Das war stets die für den Orient passende Ansicht usw.“ Es soll hier mit dieser Weltanschauung nicht polemisiert werden. Ich weiß auch nicht, auf welche Kategorie Eng- Länder man mit dieser Argumentation Eindruck zu machen glaubt. Aber es soll ein Wort des deutlichen Protestes ausgesprochen werden, damit nicht der Anschein entsteht, als ob das in der ganzen zionistischen Oeffentliebkeit und in der ganzen zionistischen Presse herrschende Stillschweigen als Zustimmung aller gedeutet werden dürfte und als ob dieser Schreiber im ״Palestine Bulletin“ d i c repräsentative zionistische Stimme ist, die, in Ermangelung eines anderen Wortführers, auch für uns spräche. Robert Weltsch. Die Jüdische National- und Universitätsbibliothek Jerusalem erhielt durch Herrn Professor Heinrich Locwe im Auftrage der Gesellschaft der Freunde der Jerusalem-Bibliothek eine sehr wertvolle Sendung. Aus dem Nachlasse von Dr. P. Schliferowitsch, Mannheim, erhielt die Bibliothek mit dieser Sendüng 1262 Bände, darunter sehr gute Werke aus dem Gebiete der allgemeinen Literatur, der Philosophie, der Medizin und Naturwissenschaften. Mit dieser Sendung gelangte auch die überaus wertvolle Bibliothek, welche den Nachlaß von Sanitätsrat Dr. Gustav Bradt bildet, in den Besitz der Bibliothek. Sanitätsrat Bradt hatte schon zn seinen Lebzeiten der Bibliothek große Serien von Zeitschriften aus dem Gebiete der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Bibliothek übersandt und der Nachlaß ergänzt dieses Gebiet wiederum in weitem Ausmaße. Unter anderem enthält er die gesamte Serie, 164 Bände, des Archivs für Ohrenheilkunde, 20 Bände der Zeitschrift für Ohrenhellkunde, 31 Bände der Monatsschrift für Ohrenheilkunde und zahlreich« einzelne Werke aus den genannten Gebieten. Die Relchskonlerenz der Ostjnden An der in Magdeburg, am 23. Februar, abgehaltenen Keicliskonfcrcn/ des Verbandes Ostjüdischer Organisationen in Deutschland beteiligten sich 46 Delegierte aus dem Reiche und sehr viele Gäste. Der Vorsitzende des Verbandes, S. Haarpuder eröffnetc die Konferenz. Nach einer Begrüßimg von Rabbiner Dr. Wilde namens der Jüdischen Gcmeinde Magdeburg ergriff Direktor Georg Kareski namens der Jüdischen Volkspartel und im eigenen Namen das Wort. Er beschäftigte sich in seinen Ausführungen mit der wirtschaftlidien Lage der Juden in Deutschland, wies auf die von der Gemeinde arrangierte Aussprache über die Wirtschaftliehe Not hin und sprach eingehend über Gemeindefragen. Benzion Fett begrüßte namens der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Fisch- Magdeburg namens der Jüdischen Volkspartcj Magdeburg. Es wurde eine Reihe von schriftlichen und telegraphischen Begrüßungen, darunter von Dr. Klee Dr. Epstein und Dr. Solo weits c h i k, verlesen. Das Präsidium der Reichskonferenz setzte sich aus den Herren Max Gold reich (Beul bei Bonn), Netter -Magdebürg und Elununn- Berlin zusammen. Herr Haarpuaer erstattete den Tätigkeitsbericht, daraufhin referierte Dr. Taub e s über die Aufgaben des Verbandes Ostjüdischer Organisationen in Deutschland. Er gab einen Rückblick über die bishörige Tätigkeit des Verbandes, wies auf die Schwierigkeiten der Erfassung der ostjüdischen Menschen in Deutschland hin und forderte, daß der Verband stärkere Werbearbeit leiste. Bei Anfrechterhaltung der Tätigkeit in sozialer Hinsicht werde mehr Aufmerksamkeit der Stärkung des nationalen Bewußtseins zu widmen sein. Er beschäftigte sich eingehend mit der ideologischen Stellung des Verbandes und äußerte die Ueberzeugung, daß der Verband Ostjüdischer Organisationen seine Arbeit nur im Sinne der jüdisch-nationalen Idee führen sollte. Er besprach eingehend die Kulturströmungen innerhalb der Ostjuden in Deutschland und forderte die ostjüdjschen Organisationen auf, mehr Aufmerksamkeit der nationalen Wiedergebürt des jüdischen Volkes und der Erneuerung des jüdischen Menschen in Palästina zu widmen. Benzion Fett beschäftigte sich in seinem Referat mit der Stellung des Verbandes im jüdischen Oemeindeleben, Er ging von aer Ansicht aus, daß die Ostjuden in Deutschland einen aktiven Anteil an allen Fragen, die das Judentum im allgemeinen betreffen, nehmen müssen. Insbesondere haben die Ostjuden die Verpflichtung, an allen Arbeiten im jüdischen Oemeindeleben teilzunehmen und einen Einfluß auf die Oestaltung des jüdischen Lebens in Deutschland, innerhalb der jüdischen Gemeinschaft, auszuüben. Er wies darauf hin, daß die OsFuden in Deutschland ein Zusammengehen innerhalb der jüdischen Gemeinde mit Parteien, die bis jetzt kein Bestreben zur Herstellung einer Zusammenarbeit mit ausländisehen Juden gezeigt haben, rundweg ablehnen. Nach einer regen Diskussion in der Generaldebatte, die bis etwa 2 Uhr nachts währte, wurde zur Wahl der neuen Exekutiv« geschritten. Diese setzt sich aus einem Präsidium, dem die Herren Benzion Fett, S. Haarpuder und Dr. Taubes angehören, ferner aus acht Mitgliedern aus Berlin und sieben aus der Provinz zusammen, Die Reichskonferenz befaßte sich eingehend mit der Verbreitung des offiziellen Organs des Verbandes, der ״Jüdischen wel t“, und beschloß, den Verbandsorganen materielle Mittel für eine längere Dauer zur Verfügung zu stellen. — Als Auftakt zu der Reichskonferenz am Sonntag fand am Sonnabend Abend eine gut besuchte öffentliche Volksversammlung statt. £10 schSoes Beispiel Im Nachstehenden veröffentlichen wir Bericht« über die Tätigkeit des Direktors des Keren Hajessod Leib Jaffe in Ostgalizien und Dr. Alexander Goldstein in den Ost- Provinzen Polens. Beide Berichte stellen ein erhöhtes Interesse für die Aufbauarbeit in Palästina bei den Juden der betreffenden Gegenden fest und wissen von einer Erhöhung der Beiträge fürden Keren Hajessod zu erzählen. Diese Erhöhung ist, wenn man auch die Mitwirkung der nichtzionlstisehen Anhänger der Jewish Agency in Rechnung stellt, sehr hoch zu bewerten. Denn die erhöhten Eingänge kommen aus Gegenden, in denen die Not der jüdischen Massen ein unvorstellbares Ausmaß erreicht hat. Die Beiträge für den Keren Hajessod stammen in den meisten Fällen von Menschen, denen Interesse an der jüdischen Gemeinschaft und Opferwillen für die Linderung der Not, in deren Mitte sie leben, nicht abgesprochen werden kann. Diese opferwilligen Menschen spenden mit vollen Händen über das Maß ihres Vermögens, auch für die lokalen Bedürfnisse. Ein Blick in die jüdischen Zeitungen Polens gibt darüber zureichenden Aufschluß. Immer wieder werden Hilfsaktionen veranstaltet, Notopfer verlangt und gegeben, und die Hilfsbereitschaft derjenigen, die noch etwas besitzen, ist schier unerschöpflich. Trotzdem aber verschließen sich diese Menschen der Notwendigkeit nicht, für die wichtigste Aufgabe der jüdischen Gegenwart, die Schaffung des Jüdischen Nationalheims in Palästina ihre Kräfte einzusetzen. Diese Geber haben das richtige Empfinden, daß die Hilfstätigkeit an Ort und Stelle bei all ihrer Notwendigkeit nur eine Abwehrmaßnahme und nicht grundsätzlich konstruktiv ist. Darum verschließen sie sich nicht der Verpflichtung, wenigstens in einem Bezirke des jüdischen Lebens nur aufbauend zu sein. Und das sind sie, wenn sie sich mit dem Schicksal des werdenden Jüdischen Nationalheims in Palästina verbinden. * In Ostgalizicn steht die Kampagne für den Keren Hajessod unter der Leitung von Lei b Jaffe. Er hat die Arbeit in Lemberg abgeschlossen, wo er 700 neue Keren Hajessod- Zahler zu gewinnen verstand. Die bisherigen Keren Hajessod- Zahler haben ihre Zeichnungsbeitrlge erhöht. Die in Lemberg bisher aufgebrachte Summe beläuft sich auf 20000 Dollar, (ln Krakau hatte Leib Jaffe 670 Keren Hajessod-Zeiehner scwonnen. Der dort gezeichnete Betrag macht 47000 Donar aus.) Gegenwärtig bereist Leib Jaffe die größeren Provinzorte und wird zunächst Stanislau und Drohobycz aufsuchen. Hervorzuheben ist, daß Ostgalizien zum Emergency-Fonds 7500 Pfund beigetragen hat. Ueberrasehend gut sind die Ergebnisse der Keren Hajessod-Kampagne in den von Dr, Alexander O oldst «ln besuchten Provinzstädten, obwohl die katastrophale Ökonomische Lage sich dort weit stärker fühlbar macht all ln Warschau. Alle von der Keren Hajessod-Delcgatjon besuchten Städte wiesen ausgezeichnete Erfolge auf. Insbesondere in Rowno nahm die Kampagne einen glänzenden Verlauf. Bei der Ankunft Dr. Alexander Qoldsteins waren Delegierte von 35 Institutionen vertreten, auch der Wojevvode sandte einen Vertreter au die Bahn und war bei dem ersten Meeting zugegen. Alle von Dr. Alexander Goldstein abgehaltenen Meetings waren derart überfüllt, daß Taugende keinen Einlaß fanden. Bei dem Keren Hajessod-Bankett stellten sich 103 Mitarbeiter zur Verfügung. Schon in der ersten Woche wurden 600 Zeichner für den Keren Hajessod (Betrag l'-O!) Pfund, darunter 120neue Spender) gewonnen. Die Kampagne wird fortgesetzt und es besteht die Hoffnung, daß sich in Rowno die Zahl der Zelchnungen auf 1000 erhöhen wird. Presscsdwii In der ״Weltbühne“ (Nr. 9, 25. Febr. 1030) schreibt Manfred Georg einen sehr interessanten Aufsatz über den ״Jüdischen Revolution!r“, Manfred Georg stellt fest, daß in der kommenden Auseinandersetzung in Europa der Jude nur sehr begrenzt zu tun haben wird. Im Artikel finden sich folgende tiefschürfende Sätze: ״Der Terror ist die kritische Zeit des Juden in der Revolution, ln ihm scheiden die meisten jüdischen Führer aus und werden zurückgedrängt oder auch geköpft. Denn einen Terror mitraachen kann nur eine Masse, die in gewissem Sinne organisch blind ist, die von Gesundheit und Ueberzcugung strotzend, gar nicht aut die geringste Anzweiflung der historischen Legitimität dec Terrors kommt. Im Denkgesetz der Juden aber gibt es nicht die Möglichkeit der Ausschaltung des Gerechtigkeitsgefühls. Daß sie Theorien gedacht haben, logisch und lückenlos und eisern, ist kein Gegenbeweis. Sie haben sie nämlich für eine Zeit erdacht, die sie erkannten und durchschauten, über die sie selbst aber als Persönlichkeiten, als Angehörige ihrer Rasse längst hinweg waren . . ״Es ist ein großer Unterschied, ob ein Volk dreieinhalb Jahrtausende länger denkt, wirkt, soziale Gemeinschaft hat oder ob es erst seit 2000 Jahren oder weniger eine gewisse Kulturstufe erreicht hat.“ . . . ״Der Jude stoppt früher, der Jude übersieht rascher, der Jude zweifelt schneller. Diese drei Eigenschaften . . . bilden naturgemäß für die vom jüdischen Denken (nicht vom Au»־ gedaehtsein) unabhängig abroüende Entwicklung der Massen ein schweres Hemmnis . . ,r . . der revolutionäre Jude, dem die Revolution mitzumachen Bedürfnis ist, darf nur jene Stellung einnehmen, wie sie etwa der bürgerliche Spezialist in der sowjetruisischen Wirtschaft gegenwärtig hat, also als Denkfachmann, Techniker der Theorie. Oder er diene als einfacher Soldat.“ Der Artikel schließt: ״Die (Zukunft des Judentums) bleibt in einer für sie (die Juden) unwichtigen Assimilation und einer wichtigen rassischen Konzentration beschlossen.“ Palästinensische Rechtsverhältnisse. Die palästinen« »che Zeitung ,.Dawar“ berichtet über einen kaum glaubliche! Fall von Rechtsverletzung. Zwei Araber waren von der Polizei wegen Boykotthetze verhaftet worden und sollten vor dem Polizeigerieht abgeurteilt werden. Bei der Verhandlung stellte sich heraus, daß der eine der Gefangenen wieder freigelassen worden war. well er der Sohn von Musa Kazim Pascha ist. Der beteiligte Kaufmann ließ jedoch die Klage nicht fallen und richtete schließlich ein« Beschwerde an den Oberstaatsanwalt. Die Antwort der Oberstaatsanwaltschaft lautete, es sei ein Miß- Verständnis vorgefallen, aber es lohne sich nicht, die Sache wieder aufzunehmen. Trotzdem ließ der betroffene Kaufmann nicht nach und schrieb nochmals an den Oberstaatsanwalt, sein Ansuchen wurde jedoch wieder abgewiesen. Die palistineosi sehe Zeitung fragt mit Recht, warum ein Sohn von Muza Kazim in dieser Weise bevorzugt und von polizeilicher Verfolgung ausgeschlossen wird. Horthy-Jubiläum und Budapester Judengemeinde, ln diesen Tagen beging Horthy sein zehnjähriges Regierungsjubiläum als Retchsverweser Ungarns. Au» diesem Anlasse beschloß die Budapeiter Judengemeinde in einer Festsitzung eine feierliche Dankadresse an Horthy. Diese Tatsache wird In der jüdischen Oeffentljchkeit mit gemischten Gefühlen autgenommen werden. Man muß sieh aber vor Augen halten, daß das Judenschicksal seit 2000 Jahren die Juden zu alle״ möglichen opportunistischen Kundgebungen zwingt. Sicherlieh ist ein derartiger Zustand unwürdig, aber er ist nur eine unvermeidliche Begleiterscheinung der unglückseligen jüdischen Situation. In denselben Tagen, da die Budäpcstcr Judengemeinde dem Reichsverweser Horthy eine HuJdigungsadressc überreichte, begründete der angeblich liberale ungarische Unterrichtsminister Graf Klebeisberg den gegen die Juden gerichteten Numerus clausus in Ungarn mit ״sozialökonomischen und nationalreligiösen״ Gründen, auf die die ungarische Regierung Rücksicht nehmen müsse. Zarter hat wohl kaum ein Minister den von der Regierung prinzipiell betätigten Antisemitismus umschrieben. Im übrigen werde» Juden nicht nur in Budapest von den Hochschulen ferngehalten, sondern auch nicht in das von der ungarischen Regierung in Wien unterhaltene ״Collegium Hungaric u m“ zugelassen. Freundeskreis der Habimah für die Schweiz. Das Gart spiel der Habimah in der Schweiz hat einen so tiefen und nachhaltigen Eindruck hinterlassen, daß ein Komitee von schweizcrischen Persönlichkeiten beschlossen hat, auch für die Schwei.׳ einen Kreis der Freunde der Habimah zu schaffen. Der vorbereitende Ausschuß lud Frau Margot Rosner-Klausner, Berlin, zu einem Vortrag ein, der im Hause von Frau Drevfus-Brodsky stattfand. Der Wrektor des Stadttheaters, Dr. Wefterlin, leitete den Vortrag mit einer Würdigung der hohen künstlerischen Leistung der Habimah ein. Frau Rosner-Klausner legte dam! in längeren Ausführungen die Entstehungsgeschichte, Wesen und Ziele der Habimah dar. Namens der Komiteemitglieder sprach Herr Jacobsohn, Basel. In die Leitung des Freundes kreises wurden an führender Stelle Frau Dreyfus-Brodski, Frau Dreyfus de Guensburg, Frau Bodenheimer, und die Herren . Eine Kritik der palästinensischen Finanzpolitik, im Februar 1930 erscheint im Verlage der ״Mischar w’Taasia“ Co. Ltd. ein Buch ״Immigration & Prosperity“; redigiert von $. Hoof len, Direktor der Anglo-Palestine Co. und Vorsitzenden der Jaffaer Handelskammer, auf Grund seiner Zeugenaussage vor der Untersuchungskommission, — Aus dem Inhalt: Einführungs-Bemerkungen; Jüdischer Kapitals-Import; Kanäle, durch welche das jüdische Kapital in die allgemeine Wirtschaft des Landes hereingeflossen ist; Jüdische Beteiligung an den allgemeinen Einkünften des Landes; a) Versuch einer mathematischen Kalkulation der respektlven Beteiligungen der Juden und Nichtjuden; b) Zoll: 1. mathematische Kalkulation, 2, Analyse, 3. vergleich mit anderen arabischen Ländern; c) Konzessionen, Steuern usw.: 1. Haus- und Bodensteuer, 2, Zehnte (Qsher), 3. T8b*k־Exci*e, Stempelsteuer. Viehsteuer, d) Gerichts- und andere Steuern: 1. Bodeneinschreibun״, 2, Gerichtssteuer, 3• andere Steuern; e) Post und Telegraph; i) Eisenbahn; gV Schlußfolgerungen, — Nutzen der jüdischen und arabischen Beteiligung in den Ausgaben der Regierung: a) Zinsen und SchuldenaBzahlung; b) Pensionen und aügemeine Administration; c) Gesundheit; d) Erziehung; e) Geifentliche Arbeiten; f) Eisenbahnen. — Steuern: a) Beteiligung der Juden und Nicht Juden; b) Nichtjüdische Beteiligung im Vergleich mit der Vorkriegszeit; c) Nichtjüdische Beteil:- gung im Vergleich mit anderen arabischen Ländern; d) Anul- Ilerung der Vorkriegssteuern; e) Munizipalsteuern. — Budget Ueberschuß: a) Gegenwärtiger Ueberschuß; b) Entwicklung der Ueberschusse während der letzten zehn Jahre. — Ausgaben auf Immigration. — Ausgaben auf öffentliche Arbeiten zwecks Beschäftigung von Arbeitslosen, — Ausgaben für Sicherheit der Gesamtheit. — Negative Handelsbilanz. — Kosten der Lebensbedürfnisse. — Arabische Emigration. — Das Buch wird ln einer englischen und einer hebräischen Ausgabe herausgegeben. Preise: Für Bestellung im voraus 2 Sh. per Buch, nach Erscheinen 3 Sh. Bestellungen an ״Mischar w’Taasia״ Co, Ltd, P,0. & 21, Td-Awiw (Palestine).

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