Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1930)
- Date
- 1930-02-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2653156-2653172--21400-2679492- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 108 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 10, 25. II. 1930 Es kann also von einer ״palästinensischen1' Er- /iehung kaum gesprochen werden. Es bestehen drei Erziehung*־ svstcmc. nebeneinander, von «Jenen das jüdische fast luft- «licht gegen die anderen abgeschlossen ist. Zwischen der Re-;;icrung und der Mission besteht ein gewisser Zusammenhang, aber auch dort gibt es die verschiedensten Nuancen und sich kreuzende Tendenzen. Bei der den Engländern eigentümlichen Art, Kulturpolitik nicht durch die Regierung betreiben zu lassen, sondern sich damit zu begnügen, den Missionen bei der Arbeit nicht Hindernisse zu bereiten, wird dem Nebeneinanderwirken verschiedener Institutionen unterschiedlichen Charakters und Wertes noch Vorschub geleistet. Bald nach der englischen Okkupation wurde daun von pri- '.ater Seite ein Versuch gemacht, Vertreter der verschiedenen Er/idiungssystcmc in einem Komitee zusammenzufassen. Die Initiatoren waren Leiter christlicher Anstalten, meist Eng* 1;inder; Araber und Juden wurden zur Beteiligung eingeladen, [)er anfängliche Plan des Komitees war die Einrichtung höherer Vorlesungskurse‘) und es ist wahrscheinlich, daß man die Absicht hatte, mit der Zeit aus diesen Kursen eine englische Universität im Lande zu entwickeln. Was die Kurse anbetrifft, so blieb es bei den Plänen; dagegen wurde ein anderes Projekt in Aussicht genommen, nämlich die Abhaltung von Matrikulationspriifungen für die palästinensischen Mittelschulen. Es wurde dabei nadi dem englischen System vorgegangen, das nur externe durch private Komitees abgehaltcne Prüfungen kennt, die die Aufnahme an einer Universität gewährleisten. Die Regierung beteiligte sich nicht an der Kommission, bcstätigte sie auch nicht offiziell, ebnete ihr jedoch den Weg, so daß sie einen halb-offiziellen Charakter erhielt. Auch das entspricht dem englischen System, das private Universitäten hat und im allgemeinen das Schulwesen weit mehr der privaten Fürsorge als dem Staate überläßt. Der Prüfungsplan, der in der Kommission mit Beteiligung aller Mitglieder ausgearbeitet wurde, entsprach in großen Umrissen der englischen siebenklassigen Mittelschule. Das von dem Komitee ausgestellte Diplom, das nach einer externen Prüfung erteilt wird, ermöglicht die Aufnahme an Universitäten in den Nachbarländern und wahrscheinlich — dieser Punkt bedarf noch der Aufklärung — auch an englischen Universitäten. Im Zusammenhang mit diesem Prüfungsplan ergeben sich verschiedene pädagogische administrative und prinzipielle Fragen. Um die beiden ersten vorwegzunehmen: Die jüdischen Schulen im Lande sind im Gegensatz zu den englischen auf acht Klassen aufgebaut und die Einschaltung von Prüfungen nach Ende des siebenten Lernjahres würde eine Senkung des Bildungsstandards an den Mittelschulen bedeuten. Nach verschicdenen Verhandlungen mit dem Komitee und der Regierung wurde jedoch ein Plan ausgearbeitet, der ein niederes und höheres Diplom, für die Absolventen der siebenten bzw. der achten Klasse vorsieht. Damit wäre diese Komplikation wesentlieh gemildert. Auch wurden Möglichkeiten geschaffen, die Prüfungen an mehreren Stellen des Landes und nicht mir wie beabsichtigt In Jerusalem stattfinden zu lassen, um die technischen Schwierigkeiten der Prüfung zu verringern. Auch in verschiedenen anderen Punkten wurden Arrangements getroffen, die eine Beteiligung der jüdischen Schulen an den Prüfungen erleichtern. Die zentrale Frage ist jedoch, ob der vorgelegte Prüfungsplan mit den nationalen Zielen der Erziehung, die den Kurs der jüdischen Schulen bestimmen, kollidiert. Diese Frage gilt — und das wird meist vergessen — nicht nur für die jüdisehen, sondern für die arabischen Schulen. Beide im Lande lebenden Völker müssen ihr eigenes nationales Erziehungswerk aufbauen. Beide sind gleichmäßig daran interessiert, daß die Kinder nicht nur die notwendigen allgemeinen Kenntnisse erhalten, sondern daß sie ihre nationale Sprache von Grund auf beherrschen, in die Geschichte ihres Volkes und ihres Landes cindringen. Diese wesentlichen Momente einer jeden Volkserziehung, die dazu führen.muß, daß der Schüler als die Grundläge alles Wissens die Kenntnis seines eigenen Landes, seines Volkes und seiner Sprache erhält und sich dann von diesem sicheren Grund aus auf die weiteren Gebiete der allgemeinen Wissenschaften begibt, sind Juden und Arabern gemeinsam. Ein allgemein gefaßter und deswegen notgedrungen schematischer Plan wird diesen wichtigsten Forderungen nicht entsprechen können. Und cs muß daher untersucht werden, inwieweit die Prüfungspläne den Landesverhältnissen entsprechen. Das ist einigermaßen schwierig, weil das Komitee keinerlei Einfluß auf die Lehrpläne nehmen kann und will, sondern sich damit begnügt, Prüfungsfächer und -themen festzusetzen. Es bleibt also ein weites Feld für die freie Arbeit der Schulen unabhängig von den Prüfungen. Daneben jedoch muß die natürliche Betonung der Prüfungsfächer in den höheren Klassen dazu führen, daß bestimmte Gebiete, auf die das Komitee besonderen Wert legt, anderen vorgezogen werden, und ein Einfluß der Prüfungen auf den Lehrplan und damit des Komitees auf die Schulen ist somit vorhanden. Es fragt sich min, inwieweit das Komitee und mit ihm die Regierung sich der Aufgabe bewußt sind, die ihnen hier erwächst: aus der! nationalen Eigenarten der beiden Völker zwei autonome Erzichungssystcmc 7u entwickeln, die in dem gemeinsamen Lande lind den gemeinsamen Bildungs- und Zivilisationsbestrebungen wichtige Beriihrungsflächen haben und so von verschiedenen nationalen Wurzeln ausgehend die Grundlage paralleler Zivilisationen bilden. In dem wichtigsten Punkt, der Sprachenfrage, war das Verständnis vorhanden. Die Voraussetzung der Gesamtaktion war, daß die drei offiziellen Landessprachen als Prüfungssprachcn fungieren. Dagegen sind andere Punkte nicht so befriedigend. Wie immer bei solchen Versuchen, tritt das Bcstreben nach einer ״Westcrnisicrung" deutlich hervor. Man vermißt die Entwicklung eines Geschichtsunterrichts aus dem Lande und dem Leben der beiden Völker heraus, und sicht andererseits eine starke Betonung des Englischen, an das erhöhte Anforderungen gestellt werden. Wenn man sich auch immer vor Augeiv halten muß, daß es sich um einen Prüfungs - und nicht um einen Lehrplan handelt, daß also den Schulen weite Gebiete völlig frei überlassen bleiben, so genügt das nicht. Denn die ideale Funktion eines solchen Komitees ist die, die nationale Erziehung zu fördern und nicht nur sie zuzulassen. Ohne Zweifel geht dieser Prüfungsplan mehr von einem europäischcn Normalstandard aus, als von den Besonderheiten und Bedürfnissen des Landes. Iin Status der jüdischen Schulen haben sich durch die Arbeiten des Komitees Aenderungen ergeben. Nach der englischen Okkupation wurden die Abschlußzeugnisse der Mittelschulen von dem Leiter des Erziehungsdepartements der Zionistischen Exekutive unterzeichnet Die Regierung bestätigte die Unterschrift. Die Zeugnisse trugen die Abschrift eines Briefes *) Der Name des Komitees ״board of higher studies" deutet auf diesen ersten Plan. der Regierung, in denen er den Schulen den Standard einer englischen Schule mit Hinzu fflgung eines weiteren Lern Jahres zuerkannte. Später hat die Regierung die Bestätigung der Unterschritt des Erziehungsdepartements abgelehnt und schließlich auch den Abdruck Ihres Briefes untersagt. Ihre Begründung war, daß sic keinen Einblick in die Prüfungen hätte, die ohne Vertretung der Regierung vorgenommen werden und daß eine Möglichkeit für externe Prüfungen durch das Komitee bestände. Es hatten unterdessen neue Verhandlungen stattgefunden, da sich für die jüdischen Schulen die Gesamtsituation durch die Schaffung der Hebräischen Universität verschoben batte. Man kam zu einem Arrangement, nach dem eine Körperschaft, die zur Hälfte aus Mitgliedern des Komitees und zur Hälfte aus Vertretern der Universität bestand, für die jüdischen Schulen zuständig sein sollte. Und es wurde bereits in einigen Mittelschulen in diesem Jahre Aenderungen im Lehrplan der höheren Klassen vorgenommen, die auf die Prüfungen hinzielten. Die Frage kam schließlich während der letzten Monate vor den Waad Hachinuch (Erziehungsrat), der beim Erzichungsdepartement der Exekutive besteht. Er lehnte jede Verbindung mit dem Komitee ab, weil er darin einen Eingriff in die Autonomie des Sc hui Werkes erblickte und forderte die Einriehtung von Prüfungen durch die Hebräische Universität, eventuell mit Heranziehung der Regierung, in jedem Falle aber ohne das Komitee. Es bestellt nun die — zunächst rein technische — Frage, ob die Universität bereits dazu imstande ist und ob sie den nötigen Apparat stellen kann. Darüber hinaus aber ist damit eine wichtige prinzipielle Frage aufgeworfen, die mit unserer Stellung im Lande eng zusammenliängt. Es ist seit langem ein Axiom, an dem nicht zu rütteln ist, daß Autonomie in geistigen Dingen, freie Ent- Wicklung der Sprache und der Schule, für die Juden In Palästina eine Lebensfrage ist. Es ist axiomatisch, daß im Lande zwei Erziehungssysteme nebeneinander aufwachsen müssen, jedes mit seinen eigenen nationalen Merkmalen. Während Naturwissenschaften und Dinge der allgemeinen Kenntnis in beiden Systemen gleichartig sein werden, muß der Geschichtsunterricht seinen Schwerpunkt jeweils in der Geschichte des eigenen Volkes suchen. Und die nationale Sprache wird jedem dieser Systeme eine eigene Färbung und einen eigenen Charakter verleihen. Andererseits wird in beiden Schul- Systemen das gemeinsame Schicksal der beiden Völker, das durch das gemeinsame Land bedingt ist, betont werden müssen, und hier ergibt sich in der Landeskenntuis eine der wichtigsten Berührungsflächen. Es wird sich zudem, wenn die Zlvilisierung des Landes fortschreitet, die Notwendigkeit ergeben, einen gemeinsamen Standard des Erziehungswesens zu schaffen, was sehr erschwert wird, wenn sich die Juden völlig aus der Kulturpolitik des Landes ausscheiden und sich mit dem Ausbau der eigenen Schulen bcgnügen. Es wird z. B. immer klarer, daß die Juden an einer Bekämpfung des Analphabetentums unter den Arabern lebhaft interessiert sind. Sie werden ihr eigenes Niveau auf die Dauer nicht halten können, wenn die sie umgebende Bevölkerung diesem Niveau nicht entspricht. Bisher1 hat sich die Regierung׳, infolge der Abgeschlossenheit der Juden, allsin für die arabischen Schulen verantwortlich gefühlt, sowohl was die Finanzierung wie auch was die Leitung anbetraf. Es konnte unter diesen Umständen nichts erwachsen, was einer palästinensischen Kulturpolitik ähnlich sah, einer Kulturpolitik, die mit den Besonderheiten der Juden und Araber, ihren Verschiedenheiten und Gemeinsamkeiten rechnete. Die ganze Frage wurde weder von Juden noch von Arabern noch von der Regierung jemals von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet. Es wäre aber ein Fehler anzunehmen, daß kulturelle Autonomie Isolierung um jeden Preis bedeutet. Die Freiheit der nationalen Lehre, der Sprache, der Geschichte muß und kann garantiert werden, auch wenn bestimmte gemeinsame Institutionen für beide Völker bcstehen. Autonomie braucht nicht zu bedeuten, daß die beiden Systeme von unten bis oben hinauf völlig getrennt sind und daß jede gemeinsame Kontrolle durch die Landesunterrichts- Verwaltung abgeiehnt wird. Es ist eine technische Frage, wie diese Kontrolle aussehen muß, ob sic direkt von der Regierung oder von einem Komitee, von einer Universität oder von allen dreien ausgeht. Aber es muß klar sein, daß wir auf die Dauer uns nicht damit begnügen können, unser eigenes Erziehungssystem isoliert auszubauen. Juden, Regierung und Araber werden sich an die Idee einer palästlnensischen Kulturpolitik 711 gewöhnen haben. Sitzung des Landesvorstandes der Z. V. f. D. Am 23. Februar fand in Berlin in den Räumen der Loge, Klelststr. 10, die erste Sitzung des auf dem Delegiertentag in Jena neu gewählten Landesvorstandes der Z. V. f. D. statt. An der Sitzung nahmen 54 Mitglieder des Geschäftsführenden Ausschusses und Landesvorstandes teil, ferner stellvertretende Mitglieder des Landesvorstandes, Mitglieder der Kommissionen und Beamte. Der Vorsitzende der Z.V.f.D., Kurt Blumenfeld, erstattete einen Bericht über die Lage im Weltzionismus, an den sich eine Diskussion anschloß, in der Vertreter der verschiedenen Parteigruppen das Wort nahmen. Dr. Martin Rosenblüth legte namens des Geschäftsführenden Ausschusses den Etat der Z.V. f. D. für das Jahr 1930 vor und beantwortete eine Reihe von Anfragen, die zum Etat gestellt wurden. Der Etat, der mit Einnahmen und Ausgaben In Höhe ca. 160000 M. balanciert, wurde einstimmig angenommen. Sodann wurden die Wahlen für die Gemeindekommlssion, die Oberste Vertrauenskommission, die Engere Keren Hajessod-Kommission und die KKL-Kommission für Deutschland vollzogen. Dr. Alfred Landsberg, Wiesbaden, erstattete ein Referat über ״Unsere Haltung und unsere Maßnahmen gegenüber der antisemitischen Bewegung in Deutschland“, an das sich eine längere Diskussion schloß. Die Aassprache soll auf der nächsten Sitzung des Landesvorstandes fortgesetzt werden. Eine Kommission, bestehend aus den Herren Blumenfeld, Berger, Epstein, Gerson, Kreutzberger, Landsberg, Siegfried Moses, Naphtali, Schocken, Waldmann, soll sich ln der Zwischenzeit mit diesen Fragen eingehend befassen und der nächsten Sitzung des Landesvorstandes Vorschläge unterbreiten. Dr. Kanowltz erstattete e’n Relerat über die Bodenfrage in Palästina und die Purim-Aktion des KKL in Deutschland. Es wurde einmütig beschlossen, diese Aktion mit allen Kräften zu unterstützen. Nach einem Bericht von Dr. Landauer erteilte der Landesvorstand seine Zustimmung zu einer neuen Form des Projektes der Ansiedlung deutscher Chaluzim in Palästina. Aus englischen Zeitschriften Die Diskussion über Palästina in englischen und amerikani■ sehen Zeitschriften wird mit unvermindertem Interesse fortgesetzt. In der letzten Nummer der ״Foreign A f f a i r s“ veröffentlicht H. W. Nevinson, ein mit dem Zionismus sympathisierender christlicher Engländer, einen ausführlichen Aufsätz ״Arabs and J cws in Pa lest Ine", worin er besonders auf das überaus starke Interesse Englands am Mandat hinweist: während zur Zeit der Balfour-Deklaration neben dem Bestreben, die Sympathien der Weltjudenheit zu gewinnen, vor allem auch die (von Nevinson höchst anschaulich geschilderte) tiefe gefühlsmäßige und geistige Verbundenheit der bibelfesten Engländer mit dem Heiligen Lande entscheidend gewesen sei, wären später vor allem die Neuregelung in Aegypten und andere weltpolitische Momente, wie die Bedeutung des Hafens von Haifa für die_Ersch!ießung der Erdölfelder von Mossul, hinzu- . Heimstätte geleistet; doch sei bei den englischen Bc■ amten in Palästina zweifellos eine gewisse proarabische Einstellung vorhanden, die zum Teil darauf zurückzuführen sei, daß man unzivilisierte und halb zivilisierte Völker den zivilisierten allgemein vorzöge, weil sie leichter zu regieren seien. Es sprächen aber auch, wenigstens bei den römischkatholischen und den anglikanisch-katholischen Engländern, religiöse Motive dabei mit. Die Beschuldigungen wegen Besünstigung der anderen Partei würden von beiden Seiten (Arabern wie Juden) gegen die Engländer erhoben, doch sei cs bei der Zusammenstellung der Polizei in der Tat zweifellos ein schwerer Fehler gewesen (teilweise aus finanziellen Gründen), fast nur Araber zu nehmen, so daß die Regierung bei den letzten Massakern kein zuverlässiges Instrument in der Hand hatte. Im übrigen habe der Stellvertreter des abwesenden High Commissioner, Mr. Luke, seine Pflicht wohl nicht erfüllt. Obwohl Nevinson sich in seinen Urteilen über die Schuldfrage an den Herbstereignissen wegen des noch nicht vorliegenden Berichtes der Üntersuchungskommission große Zurückhaltung auferlegt, ist sein Artikel, der auch großes Verständnis für den Sinn des Zionismus und die Leistungen des Die konservative Monatsschrift ״English Review“, über deren frühere Palästina-Artikel wir berichteten, veröffentlicht in ihrer Februar-Nummer einen langen Aufsatz von E. M. E. Blyth, der sich mehr durch seinen alarmierenden Ton und die Heftigkeit seiner antizionistischen Tendenz auszeichnet, als durch irgendwelche neuen Tatsachen oder Gesichtspunkte. Blyth hält die Balfour-Deklaration schon deshalb für widerspruchsvoll, weil sie einerseits die Errichtung einer Jüdischen Nationalen Heimstätte in Palästina verlange, andererseits aber bestimme, daß dies ohne Benachteiligung der bürgerliehen oder religiösen Rechte der nicht-jüdischen uemclnscnaften in Palästina geschehen solle. Da aber Palästina schon die Nationale Heimstätte der Araber sei. so könne eben die Errlchtung der Jüdischen Heimstätte nur, auf Kosten der arabischen Rechte gehen. Ja sogar darin sieht Blyth, mit kurioser Logik, einen Widerspruch, daß nach der Balfour-Deklaration die Errichtung der jüdischen Nationalen Heimstätte auch den Rechts- Status der Juden in anderen Ländern nicht berühren dürfe, während, seiner Ansicht nach, die Errichtung der Heimstätte nur durch Auswanderung und restlose 'Hingabe gerade der besten jüdischen Elemente an das neue Land möglich sei. (Es braucht wohl kaum darauf hingewiesen zu werden, daß selbstverständlich die wirklich nach Palastino-Auswanderndem Ihre Rechte im Herkunftslahde aufgeben, und daß die Balfour-Deklaration die Rechte der im Galuth verbleibenden Juden Im Auge hat. Niemand will auf die Dauer doppelte Bürgerrechte für die Juden, wohl aber mußte dafür gesorgt werden, dal’ nicht die Balfour-Deklaration zu neuen Beeinträchtigungen der jüdischen Lage In Osteuropa führte.) Dann legt Blyth an Hand von Erklärungen zionistischer Führer dar, daß die Zionisten die absolute Mehrheit in Palästina erstrebten, und wirft der Mandatsmacht vor, diese Bestrebungen in viel zu weitgehender Weise unterstützt zu haben. Ganz, ungewöhnlich ist dagegen die Angst des Verfassers, daß die einwandernden Ostjuden die schon ohnehin höchst gefährliche bolschewistische Agitation in Palästina verstärkten, und daß die Juden überhaupt von Natur zum Kommunismus neigen, was durch eine Schilderung der Kwuzah in Ain Charod bündig ״bewiesen" wird. Die bolschewistische Gefahr würde nun noch dadurch verschärft, daß das unfruchtbare kleine Palästina nicht nur wachsende arabische Geburtenüberschüsse, sondern auch noch die jüdische Einwanderung zu ernähren hätte, was unbedingt eine wirtschaftliche Krise neraufbeschwören müsse. Ferner kauften die Juden das beste Land auf und vertrieben die Fellachen, was die außerordentlich starke Vermehrung der Gewalttätigkeiten und Räubereien seit 1920 zur Folge hätte, Blyth warnt England vor einer Fortsetzung der bishe^gen Politik und verstelgt sich sogar zu der Prophezeiung, daß die Araber, die sonst gar nicht englandfeindlich seien, mit Hilfe ihrer Stam niesgenossen außerhalb des Landes in dem felsigen Palästina einen jahrelangen Guerillakrieg führen könnten. Man braucht wohl gegenüber diesem vom Bolschewistenschreck eingegebenen Artikel nur darauf hinzuwäsen, daß die bolschewistische Agitation sich in sämtlichen englischen Kolonialgebieten bemerkbar macht, — in Indien, Aegypten, Südafrika so gut wie in Palästina — und daß der Zionismus gerade von den Bolschewiki schonungslos verfolgt wird. A. P. Keren Hajessod •Kundgebung in Kapstadt Kapstadt, 1. Februar. (J.T. A.) Dem vom südafrikanischeu Keren Hajessod zu Ehren des britischen Parlamentariers und Arbeiterführers Oberst Josiah C. Wedgwood und Dr, Benzion Mossinsohn aus Tcl-Awiw in der Stadthallc von Kapstadt gegebenen Empfang wohnten bei der Kriegsminister Colonel Creswell, der Postminister Sampson, der Führer der Südafrikanischen Partei C. J. Krige, der frühere Administrator von Transvaal Hofmeyr und mehrere Parlamentsmitglieder, unter ihnen drei von den fünf jüdischen Parlamentsmitgliedern, nämlich Kentridge, Robinson und Eli Buirski, ferner Morris Alexander und Rev. A. P. Bender. Der Generalgouverneur Graf Athlone, der Bruder der Königin von England, sandte eine Begrüßungsbotschaft. Den Vorsitz führte der Bürgermeister von Kapstadt Rev. A. L. Lewis. Herr Krige würdigte die Verdienste der südafrikanischen Juden um die Union. Herr Hofmeyr erklärte, südafrikanische Juden und Nichtjuden, Afrikaner und Englischsprechende, stünden einmütig hinter der zionistischen Sache. Colonel Wedgwood hielt eine begeisternde An spräche, in der er politische Freiheit und Denkfreiheit für den jüdischen Menschen überall forderte und ausführte: Wenn ich an jüdische Geschichte denke, so denke ich an Moses und an Judas Makkabäus, die Befreier des jüdischen Volkes. Er schilderte eingehend das jüdische Leben in Palästina. Dort, sagte er, leben freie Menschen auf freiem Boden, in einem Lande, das ihnen historisch zugehört. Der a. o. Professor der Theologie Lic. A. Weiser erhielt einen Ruf als Leiter des Deutschen Palästina-Instituts für Altertumsforschung i« Jerusalem.