Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1930-02-21 · Heft 15 (21.2.1930) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 15 (21.2.1930)
Date
1930-02-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2651273-2653156-2653171--21393-2679484
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 102 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 15, 21. IL 1930 Innerzionistische Aussprache ״Misrachistisdie Politik" Zu S. Schereschewskys Aufsatz Von Dr. Oskar Wolfsberg. Ich gehe nur ungern auf die Gedankengänge ein, die Schereschewsky in Nr. 11 dieses Jahrgangs entwickelt hat. Er gibt seine Auffassung von den Ergebnissen des Delegiertentages in einer so eigenartigen und, wie mir scheint, nnzulängliehen Form bekannt, daß die Debatte recht ohne Reiz ist. Nur möchte ich nicht, daß diese Darlegungen unwidersprochen bleiben und deshalb in aller Kürze, ohne Wunsch eingehender grundsätzlicher Behandlung, einige Worte der Erwiderung. Ich habe mir doppelte Reserve auferlegt, zu der Jenenser Tagung mich zu äußern, weil ich nicht au ihr teilgenommen habe und weil mein Eintritt in den CJeschäftsführcndcn Ausschuß, in den ich ohne meinen Willen gewählt worden bin, mir eine gewisse Reserve auferlegt. Es ist auch heute müßig, die Vorgänge, die zu der Bildung dieses Gcschäftsführenden Ausschusses führten, genau unter die Lupe zu nehmen und aus ihnen weitgehende Konsequenzen zu ziehen. Ich bin ketzerisch genug, in den Ereignissen jener zwei Tage keinen roßen Fingerzeig der Geschichte zu erkennen, sondern ein ufallsergebnis zu erblicken, das nicht unbedingt tieferer Deutung bedürftig ist. Das eine aber muß doch nach Schereschewskys Aufsatz in Klarheit ausgesprochen werden: daß der Eintritt des Misrachi in die neue Leitung keine Preisgabe der Anschauungen bedeutet, die die meisten deutschen Misrachistcn, und auch nicht wenige Zeirc Misrachi, im Einklang mit fast allen Misrachisten der übrigen Länder (wenn auch in der Nuance durchaus verschieden und von Farbstcins Standpunkt natürlich ein ganzes Stück entfernt) und vielen anderen Zionisten Deutschlands und anderer Länder all die Monate vor der Tagung in Jena vertreten haben. Die Resolution Blumenleid war in der Tat keine exakte Fassung der politischen Haltung seiner Gruppe und so konnte das Abstimmungsergebnis in Jena nur als ein Erfolg der Resolution Blumenfeld, nicht aber der Politik seiner Gruppe gewertet werden. So weit ich aber die Dinge als Nichtteilnehmer des Delegiertentages überschauen kann, ist selbst das Abstimmungsergebnis nicht entscheidend und bindet den zum Eintritt entschlossenen Misrachi nicht im geringsten an die Politik, die vor dem Delegiertentag von den maßgebenden Mitgliedern des damaligen Geschäftsführenden Ausschusses propagiert wurde. Auch das ist ein Irrtum zu glauben, daß das Vertrauensvotum für Dr. Weltsch bzw. die Rundschau den Misrachi nach seinem Eintritt an die politische Konzeption des Redakteurs bindet. Nichts von all dem ist der Fall. Wäre es aber die Auffassung der Mehrheit, so glaube ich, daß alle Misrachisten im Geschäftsführenden Ausschuß, gewiß aber ich sofort, die Kon- Sequenzen daraus ziehen würden. Der Misrachi, der sich entschlossen hatte — übrigens nach Ueberwindung des Widerstandes eines sehr großen Teils der Fraktion — in den Geschäftsführenden Ausschuß einzutreten, betrachtete seine Aufgabe und seinen Entschluß unter dem Gesichtswinkel, die von fast allen Oppositionsgruppen gcplante Koalition zu verwirklichen. Dadurch, daß der Misrachi allein von den Oppositionsgruppen den Entschluß verwirklichte, löste er das Problem der Koalitionsbildung mindestens partiell und nur so darf die Teilnahme des Misrachi, der ja seiner ganzen Geschichte, grundsätzlichen Einstellung und Ideologie nach, schwerlich sich der Verantwortung der Mitarbeit entziehen kann, gedeutet werden. Um der Z. V. f. D. willen war der Misrachi schließlich bereit, seine schweren Vmeama fäliea za *lasse!!, A«.1 vt n J-ctCth*- -OrtA. grundsätzliche Umstellung der bisherigen Haltung mindestens in dem Sinne, daß die großen Fragen der Außenpolitik, die seit August so viel Entfremdung und Entzweiung in unsere Reihen getragen hatten, nicht im Vordergründe der gemeinsamen Arbeit stehen dürfen und daß die offizielle Stellungnähme des offiziellen Organs nicht einseitiger Gesinnung Ausdruck geben dürfe. Eine teilweise Entpolitisierung soll und muß mit der Neubildung des Geschäftsführenden Ausschusses verwirklicht werden, nicht aber, wie Schereschewsky meint, hat der Misrachi sich in den politischen Rahmen der durch den Delegiertentag angenommenen Resolution gestellt und damit seine bisherige Auffassung revidiert. Ich glaube übrigens, daß sehr viele mit mir die im ersten Teil der Jenaer Tagung angenommene Resolution im wesentlichen als der Vergangenheit zugewandt werten, nicht aber so sehr als Basis der künftigen Arbeit. Zu Schereschewskys Ausführungen zur politischen Ideologie in wenigen Worten za sprechen, ist wirklich kaum angängig. Mir ist es jedenfalls nicht gegeben, in so primitiver Weise zu so entscheidenden Fragen Stellung zu nehmen. Wer so einfache Formeln für politische Konzeptionen hat wie Schereschewsky, ist vielleicht glücklich zu preisen, aber nicht jeder hat so leicht Kriterien an der Hand, die ihm sagen, was jüdisch und unjüdisch ist, was dem Geiste der Tradition in einem konkreten Falle entspricht oder nicht. Jedenfalls wird jeder ruhige Kopf die Möglichkeit mehrerer politischer, zum Teil voneinander abweichender, Auffassungen im Rahmen der Tradition für möglich halten,!st es doch ein Charakteristikum der jüdischen Gedankenwelt in der Halachah und anderwärts, daß verschiedene Meinungen sich zunächst als legitim nebeneinander behaupten und erst später nach bestimmten Prinzipien zur Entscheidung gebracht werden. Für den Kampf der Gedanken und Meinungsverschiedenheiten auf theoretischem Gebiete ist nur sehr selten eine Entscheidung durch Macht- Spruch herbeigeführt worden, und ich sehe nicht die Instanz, die in der Kontroverse zwischen den wenigen Misrachisten vom Typus des Brith Schalom und den sehr vielen, die die Auffassung des Brith Schalom ablehnen, die Entscheidung zugunsten Schereschewskys treffen könnte und zwar mit der Begründung, daß bei ihm die wahre, dem Geiste des Judentums adäquate Anschauung liege. Das genügte eigentlich für unsere Auseinandersetzung, denn Schereschewsky wird nicht im Ernst behaupten, daß alle anderen Misrachisten ohne jüdischen Ernst und ohne religiöses Verantwortungsgefühl ihre politischen Entscheidungen treffen und wird nicht den Hochmut haben, daß nur er und seine wenigen Weggenossen intuitiv das richtige treffen, während alle anderen danebenhauen. Nach dem vorangegangciicn genügt es heute, mit derselben lapidaren Kürze, mit der Schereschewsky seine Auffassungen hinstellt, ohne sie zu beweisen, auch unsererseits zu behaupten, daß wir den ganzen Zwang, den er mit seiner Darstellung ausüben will, ablehnen. Ich will in dieser heiklen politischen Stunde nicht zu dem Problem der Majorität, und gewiß nicht zu dem des Judenstaates, ausführlich als Politiker sprechen. Es scheint mir zwecklos, jetzt hier große Forderungen aufzustellen oder zu verneinen. Daß aber das Erstreben oder Erreichen der Majorität unjüdisch sei, das möchte ich für meinen Teil aufs entschiedenste in Abrede stellen. Gerade von der Tradition ausgehend, könnte man manches Wort sprechen, das die jüdischen Ansprüche auf Palästina in viel heroischerem und anspruchsvollerem Licht erscheinen läßt, ganz bestimmt für die Besitzergreifung des Landes in der Vorzeit. Aber es widerstrebt mir, hier festumrlssene Auffassungen vorzutragen gegenüber so vage hingeworfenen Behauptungen, die sich nur auf Sentiments berufen können. Nach meiner Meinung ist das Problem der Majorität nicht so sehr tendenziöses Ziel, als Frage von Tempo und Entschlossenheit der Arbeit selbst. Wenn es uns ernst um die Verwirklichung des Zionismus, und das heißt um maximale Arbeit in Palästina, ist, so wird eines Tages für das jüdische Volk, wenn keine äußeren Hemmungen störend entgegentreten, in Palästina eine Situation entstehen, die, ob man will oder nicht, der Majoriüitsbildung zum verwechseln ähnlich sein wird. Man ist versucht, an die Gegner im eigenen Lager die Frage zu richten, ob dieser Situation ängstlich ausgewichen werden muß. Ich glaube, es entspricht nicht nur der besten Tradition jüdischer Ethik, sondern auch den besten im jüdischen Menschen verwurzelten Tendenzen, gerade aus dem Gefühl der Stärke heraus edel zu handeln. Nicht wird Macht erstrebt, aber der objektiv zum mächtigen Faktor gewordene jüdische Bevölkerungsanteil in Palästina wird erst, wie das schon oft gesagt wurde, Gelegenheit haben, seine volksver- «ähnliche Gesinnung und Bereitschaft zu beweisen. Ich glaube, daß hier eines der wahren Probleme steckt: die in der Majoritat befindlichen Araber werden nicht freiwillig bereit sein, auch nur das Ideal des binationalen Staates zu verwirklichen. Wir würden, in der Majorität befindlich, wahrscheinlich die Konzeption des binationalen Staates ablehnen, aber de facto so handeln, daß das Minoritätsvolk die volle Freiheit seiner Entwicklung und seines Lebens haben könnte. Ich brauche ja den politisch geschulten Lesern nicht zu sagen, daß es schon alle Möglichkeiten dafür gibt, daß eine nationale Minorität in einem Lande weitgehendste Freiheit genießt und ich kann mir vorstellen, daß in Palästina noch wesentlich bessere Entwürfe akzeptiert und vor allem verwirklicht würden. Unerklärlich ist mir aber, daß dieselben Menschen, die sich auch nur gegen die theoretische Erörterung des Majoritätsgedankens sträuben, gleichzeitig das Parlament in die Debatte werfen. Wenn sie wirklich Parlament in dem Sinne verstehen, wie es in demokratischen Ländern allgemein verwirklicht ist, so kann aus diesem doppelten Gedankengang: Parlament und Verneinung der Majorität für uns, Unheil erwachsen. Denn die Araber werden gewiß Parlament im vollen Umfang verwirklicht sehen wollen, und da wird man überall an die Grenzen der jüdischen Forderungen stoßen, wird vom Parlament aus die uns durch die Balfour-Deklaration gegebenen Möglichkeiten einzuschränken oder aufzuheben suchen. Jeder Versuch aber, der Kompetenz des Parlaments gerade diese entscheidenden Punkte zu entziehen, wird wieder den Sinn und die Bedeutung des Parlaments zunichte machen. Nochmals: nicht um Macht zu erlangen erstrebt der Zionistnus Positionen in Palästina und Ausbreitung seines Siedlungswerkes in jedem Sinne d. h. territorial und was die Zahl seiner Menschen und den Wert seiner Siedlung betrifft, sondern um die großen, verheißungsvollen Anfänge nicht zugrunde gehen zu lassen. Große historische Entschlösse, wie der Zionismus, erfordern dauernden Elan und Heroismus, das Werk bis zu einem Punkt zu führen, wo es nach menschlichem Ermessen nicht mehr gefährdet werden kann. Niemals hat ein Zionist von Führerqualitäten dabei die Begriffe und Ideale von Recht und Gerechtigkeit außer acht gelassen. Ich verstehe nicht recht, was der Fall Ernst Simon, den an die Oeffentlichkeit gezerrt zu haben das Privileg von Schereschewsky ist, mit der ganzen grundsätzlichen Erörterung zu tun hat. Für den mit den Vorgängen nicht so vertrauten Leser muß es so scheinen, als ob Simon das Opfer seiner politischen Ueberzeugung geworden sei. Als einer derer, die es schmerzlich bedauern, daß Differenzen zum Ausscheiden Simons aus dem misrachistischen Lehrerinnen- Seminar geführt haben und als derjenige —־ ich glaube Simon wird es mir bezeugen können —, der sich größte Mühe b-׳üt, tsi'«*« SMmge: -wrfw(,) mit Entschiedenheit dagegen Einspruch erheben, dah «ne, wenn auch sehr wichtige, Personalfrage in dieser Form in der Oeffentlichkeit behandelt wird. Ich stehe nicht an zu sagen, daß ich das Ausscheiden Simons aus dem Seminar nicht nur bedauere, sondern auch meinerseits nicht billigen kann, und daß ich mit Vorwürfen gegen die verantwortlichen Instanzen nicht gespart habe. Dennoch habe ich die Ueberzeugung, daß man der Sache nicht dient, wenn man sie in einem Zusammenhang, in den sie nicht hineingehört, behandelt. So ist der ganze Schereschewskysche Artikel in Aufbau und Tendenz sicherlich kein Beitrag zur Befriedung und Versahnung der Gemüter. Versammlung radikaler Zionisten. (Aus dem Kornmunique.) Am 17. Februar fand in Berlin eine Kundgebung der Vereinigung Radikaler Zionisten statt, in der die Herren Dr. Nachum Ooldmann. und Dr. Max Solow e i t s c h i k über den ״Zionismus im Kampf um sein Recht“ sprachen. Dr. Goldraann beschäftigte sich mit der zionistischen Außenpolitik. Er forderte vor allem die Anwendung aller Kräfte, um eine neue große Kommission, wie sie Balfour, Lloyd George und Smuts gefordert haben, zustande zu bringen, vor der die Wortführer des Zionismus Gelegenheit haben würden, die gesamte Judenfrage und den Zionismus als Lösung dieser Frage aufzurufen und darzustellen. Im übrigen wandte sich der Redner gegen die Schwächung der außenpölitisehen Front des Zionismus durch die Bestrebungen zu einer Preisgabe der politischen Ziele des Zionismus und zu einer schwächlichen Politik in bezug auf die Araber. Als zweiter Redner erörterte Dr. S o I o w e i t s c h i k die Situation innerhalb der Jewish Agency. Die Gefahren, auf die die radikalen Zionisten in ihrem jahrelangen Kampf gegen die Agency stets hingewiesen haben, haben sich, früher als man erwarteten konnte, in vollem Maße realisiert. Von seiten der amerikanisehen Nichtzionisten wird der Versuch gemacht, den einigermaßen demokratischen Charakter der Agency zu zerstören, vor allein durch Beseitigung, der Exekutive als der wirklich höchsten leitenden Instanz und durch Ersetzung der Exekutive durch eine Anzahl von Sekretären. Auch in politischer Hinsicht sei die Gefahr vorhanden, daß die Nichtzionisten in der Agency sich auf eine Politik des Brith Schalom festlegen, weil diese Konzeption eines kleinen Zionismus ihren Anschau־ ungen eher konform ist. In dieser Hinsicht sei der Artikel, den Herr Oscar Wassermann vor einigen Tagen auch in der JTA. veröffentlicht habe, sehr beunruhigend. Herr Wassermann nimmt sich dort u. a. das Recht, die Konzeption der Zionisten zu interpretieren, und zwar im Sinne einer Preisgabe des Judenstaatsgedankens, des Verzichtes auf ein politisches Zentrum in Palästina zugunsten eines geistigen Zentrums. Es ist von größter Bedeutung, daß in der politischen Frage des Zionismus die zionistische Delegation ira Administrative- Committee geschlossen votiert. Wenn irgend wann, dann müssen hier die Beschlüsse des letzten Kongresses über das gebundene Votum der Zionisten in der Agency zur Anwendung kommen. In dieser Hinsicht ist bemerkenswert und auch beunruhigend der Standpunkt, den Dr. Weltsch in Nr. 11 der ״Jüd. Rundschau“ einnimmt. Er unternimmt den Versuch zu beweisen, daß bei den Fragen der arabischen Politik, in denen die Geister sich nicht nach der Parteizugehörigkeit zum Zionismus scheiden, ein geschlossenes Vorgehen der Zionisten nicht am Platze wäre. Dem muß mit Entschiedenheit widersprochen werden; wir werden in London hoffentlich nicht vor den Nichtzionisten unsere inneren Kämpfe austragen. Das A.-C. wird in dieser Sache seiner .Delegation im. Admjnistrative-Commitiee eine feste Marschroute vorschreiben. ScMcMen Ist keine Tierquälerei Im Strafrechtsausschuß des Reichstags wurden in der Sitzung vom Dienstag Abend die Tierquälerei-Paragraphen des neuen Strafgesetzbuchs (366 und 412) verhandelt, insbesondere Vivisektion und rituelles Schichten. Abg. Dr. Bell (Zentrum), ehemals Reichsjustizminister, beantragte, dem § 412 folgenden Absafz 2 anzufügen: ״Handlungen an Tieren dürfen nicht mit Strafe bedroht werden, soweit sie zur Verfolgung ernster wissenschaftlicher Zwecke oder zur Erfüllung der Gebräuche einer Religionsgcmeinschaft des öffentlichen Rechts geboten sind.“ Nach Annahme der beiden Paragraphen in der Fassung der Vorlage wurde über den vom Abg. Dr. Bell beantragten Absatz 2 zum Paragraphen 412 abgestimmt; der Antrag Dr. Bell wurde mit 23 von 27 Stimmen (von den 4 Deutschnationalen stimmten 2 gegen, 2 enthielten sich der Stimme) an genomraen, Mit dieser Abstimmung ist die erste Lesung des ersten Buches des Strafgesetzbuch-Entwurfes beendet. Während der Aussprache über den Antrag Bell in der Sitzung des Ausschusses am Freitag, dem 14. Februar, haben bekanntlich Ministerialdirektor ,Schäfer vom Reichsjustizininisterium und der Vertreter des Reichsgesundheitsamtes Erklärungen abgegeben, daß man in dem Schächtakt der Juden keine Tierquälerei sehen dürfe. Der Rechtspflegeausschuß des badischen Landtags hat den nationalsozialistischen Antrag auf Verbot des Schachtens der Schlachttiere mit den Stimmen des Zentrums, der Sozialdemokraten und der Demokraten gegen die Stimmen der Antragsteller und der Bauernpartei bei Enthaltung der deutschen Volkspartei abgelehnt. Oer Kamp! gegen die Synagogen Die Leningrader Synagoge in ein Kulturhaus umgewwandelt. — Beschlagnahme der Moskauer Synagoge? Moskau, 17. Februar. (J. T. A.) Nachdem das Präsidium das oberste legislative, exekutive und administrative Organ der des Zentral-Exekutivkomitees der Union der Sowjetrepubliken, Sowjetunion, in einer am 15. Februar abgehaltenen Sitzung der Umwandlung der Leningrader großen Synagogein ein Arbeiter-Kulturhaus offiziell zugestimmt hat, ist am Sonntag, dem 16. Februar, diese Umwandlung vollzogen worden. Die Leningrader Judenschaft verfügt über keine öffentliche Synagoge mehr. Der erste Schritt zur Beschlagnahme der Leningrader großen Synagoge, einer der größten und schönsten Synagogen ganz Rußlands, wurde Anfang Oktober 1629 getan, als die Mitglieder des Vorstandes der Leningrader Jüdischen Gemeinde unter der Beschuldigung, Gelder für die Renovierung der Synagoge gesammelt zu haben, verhaftet wurden. Zu dieser Geldsammlung sah sich der Vorstand der Gemeinde aber dadurch genötigt, daß ihm vom Stadtsowjet mitgeteilt wurde, daß die Synagoge wenn sie nicht unverzüglich renoviert wird, der Beschlagnahme verfallen werde, ln diese Klemme gebracht, wußte die Gemeinde nicht mehr ein noch aus, und schon damals rechnete man mit der Beschlagnahme der Synagoge. Die Moskauer jüdischen Kommunisten fordern immer stürmischer die Beschlagnahme der Moskauer großen Synagoge. In einer am Sonnabend, dem 15. Februar, abends, abgehaltenen großen Versammlung wurde eine Resolution angenommen, in der gefordert wird, daß die große Synagoge der V e r e i n i - ung der Atheisten übergeben werden solle, die in den äumen der Synagoge ihr Hauptquartier aufschlagen will.;1, 1 ׳Äv. Chief-.-ivbi von En1zJ־m1L Dy J. H. Hertz, *ordert einem von ״Times“ veröffentlichten Schrei««! die Oeffeätlichkeit auf, ihre Aufmerksamkeit der antireligiösen Kampagne in Rußland zuzuwenden. Insbesondere das Verbot jedes öffentliehen Religionsunterrichtes sei zu beklagen. In den letzten Tagen wurden in Leningrad wiederum zahlreiche frühere Mitglieder der verschiedenen Riehtungen innerhalb der zionistischen Bewegung verhaftet. Die Sowjetregierung hat die Wiedereröffnung von vier Kirchen in Moskau und zwei Synagogen in Kiew gestattet. Man deutet, wie aus Riga gemeldet wird, diese Maßnähme als einen Erfolg der zahlreichen Proteste aus dem Auslande gegen die Religionsverfolgungen in Rußland. Kundgebung des Weltverbandes Schomre Schabbos. Der deutsche Landesverband im ״Weltverband für Sabbathschutz Schomre Schabbos“ veranstaltete am 16. Februar eine Massenkundgebung. Etwa 2000 Personen füllten Parkett, Galerien und Gänge des ״BaChsaales“. Es sprachen Dr. Samuel Grünb e r g Rabbiner Dr. F r e i m a 11 n, Oberrabbiner Dr. Carleb a c n - Altona, Frau Lina Wagner-Tauber, Prokurist Fritz Cohn, Professor Dr. Pick, Dr. Falk Schlesinger, Handlungsgehilfe Leibowitz und Ministerialrat Goslar. Am Schluß der Kundgebung wurde folgende Resolution angenommen: ״Die von mehr als 1500 Berliner Juden besuchte Kundgebung der deutschen Landeszentrale des Weltverbandes Schomre Schabbos erneuert vor der Oeffentlichkeit das Gelöbnis der Treue zum Sabbath als der stärksten und für die Ewigkeit gültigen Bekenntnistat des Judentums. Der Sabbath ist sichtbares Zeichen des Bundes zwischen Gott und Menschheit und flammende Mahnung zu Menschlichkeit, Brüderlichkeit und Solidarität, Protest gegen die Erdrückung der menschliehen Seele durch eine Arbeit, die Selbstzweck wird und bloße Fron darstellt. Er ist die Grundlage aller wahrhaft sozialen und die Geistigkeit des Menschen über das rein Materielle stellenden Ideen. Darum hat der Sabbath Anspruch auf Respekt bei allen Kulturnationen und Religionen. Die Versammlung richtet deshalb an die Instanzen ues Völkerbundes und der in ihm vereinigten Nationen die Bitte, alle Pläne zur Kalenderreform abzulehnen, die den Gedanken eines festen Ruhetages unterhöhlen und zunichte machen, die den Sabbath von seinem gottgegebenen Platze als Ruhetag nach den sechs Tagen der Arbeit entfernen wollen. Die Versammlung richtet an die Juden Berlins den Ruf: ״Erobert euch den Sabbath zurück, und helft durch jüdische Solidarität allen, die ihn heiligen wollen!‘“ Berliner Zionistische Vereinigung Frauen •Arbeitsgemeinschaft für Palästina Montag, den 24. Februar, abends 8V2Uhr, im Gartensaal der Loge, Kleiststraße 10 Jelrada Ehrenkranz (Mitglied der Wilnaer Truppe) Neues Programm« Asch — Berkowitsch Perez — Rosenield Silmatm — Schnelr — Scholem Alechem Karten von M. 1.— bis M. 3,— im Büro der Berliner Zioniatischen Vereiuiganjf, dar F. A. P., Berlin W15, Memekeatr. 10 (Tel s Bismarck 7165) and an der Abe&dkaa»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.