Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 15 (21.2.1930)
- Date
- 1930-02-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 100 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 15, 21. TI. 1930 Die Reichskonferenz der Ostfuden Am 23. Februar hält der Verband ostjüdischer Organisationen in Deutschland in Magdeburg seine 5. Reichskonferenz ab. Wir haben bereits in der vorigen Nummer in einem Aufsatze Stellung zu dieser Tagung genommen. Das Organ des Verbandes ostjüdischer Organisationen, ״Die Jüdische Welt“, widmet die Nummer vom 16. Februar den Fragen der Konferenz. Es wird auf die Notwendigkeit einer strafferen organisatorischen Zusammenfassung aller Juden, auf die Notwendigkeit des Ausbaus der Organisation, einer freudigen Mitarbeit und Einfügung in die jüdischen Gemeinden, auf soziale und wirtschaftliche Selbsthilfe und die Beeinflussung der Juden im jüdischen Sinne hingewiesen. Das sind Aufgaben, denen man vom bewußt jüdischen Standpunkte nur beizupflichten vermag. Allerdings kann u. E. der Sinn der Organisierung der Ostjuden in Deutschland nicht der sein, sich durch Unterscheidung von anderen Juden zu distanzieren. Wir haben schon oft Gelegenheit gehabt darzulegen, daß weder Ostnoc h West- Judentum ein Programm sein können. Ziel ist ein selbstbewußtes, sein Volkstum natürlich empfindendes und pflegendes Judentum. Diesem Ziele zuzustreben, sollte Hauptsorge aller bewußten Juden sein, einerlei wo ihre Wiege gestanden hat und weiche Staatsbürgerschaft sie besitzen. Demgemäß wäre es verfehlt, wollten die Ostjuden in Deutsch-!and sozusagen im eigenen Wirkungskreis allgemein jüdische Aufgaben wahrnehmen, die von den jüdischen Gemeinden erfüllt werden sollen, allerdings in einem Sinne, der dem Selbstverständlichkeits-Judentum der Ostjuden entspricht. Ebenso wäre es verfehlt, wenn sich die Ostjuden in Deutschland sozusagen als eine selbständige Partei mit eigenem Programm betrachten wollten. Wertvoll an den Ostjuden ist nicht ihre Herkunft, sondern ihr stärker gefühltes und intensiver betätigtes Judentum und insofern bedeutet die Anteilnahme der Ostjuden an allen jüdischen Angelegenheiten in Deutschland eine Bereicherung des jüdischen Lebens. Zwei Hauptgebiete sind es besonders, auf denen, wie bereits im Aufsatz in der vorigen Nummer ausgeführt wurde, die Ostjuden im Sinne ihres bewußten Judentums verpflichtet sind, intensiv mitzuwirken, ohne daß es aber nötig wäre, daß sie hierbei ihr Ostjudentum als einen Programmpunkt aufstellen. Die# Gebiete sind: Anteilnahme an der zionistischen Bewegung und Unterstützung aller ihrer Institutionen, sowie Mitarbeit an dem Gemeindeleben in Deutschland nicht nur Schulter an Schulter mit den Zionisten, sondern in ihrem Verbände. Sofern die Ostjuden in Wahrung ihrer Eigenart glauben, in den einzelnen Gemeinden berechtigte Sonderwünsche zu haben, so werden diese ohne besondere Hervorhebung von den Zionisten im Sinne des Ideals vertreten, das allen Juden gemeinsam sein sollte, nämlich ira Hinblick auf die nationale Einheit der jüdischen Gemeinschaft in der ganzen Welt. Die natürliche Entwicklung und die erstrebte National!- sierung der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland wird, wenn man in Betracht zieht, daß ein Zuzug neuer ostjüdischer Ein- Wanderer in absehbarer Zeit unwahrscheinlich Ist, es mit sich bringen, daß eines Tages eine besondere Organisierung der Ostjuden in Deutschland nicht mehr notwendig sein wird. Vorläufig aber hat der Verband der ostjüdischen OrganisSflöneff'ÄÄSMfeditigmig. ׳ ׳. Abgesehen davon, , daß׳ L er Rechtsinteressen Seiner Mitglieder Wahrnimtat, bedeutet die Tatsache seiner Existenz eine starke Unterstreichung der ostjüdischen Forderungen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland. Organisatorische Zusammenfassung und geeinigtes Auftreten erzwingen Respekt. Das ist bei der vorigen Reichskonferenz der Ostjuden in den Begrüßungen von Organisationen zum Ausdruck gekommen, die kaum ostjüdische Mitglieder haben, wie der C.-V. und die Liberale Vereinigung. Aber ohne einen innigen Anschluß an die für die Ostjuden allein in Frage kommende Zionistische Organisation laufen die Ostjuden in Deutschland Gefahr, daß ihre Anstrengungen im Organisatorischen stecken bleiben. Restlose Lösung aller Aufgaben und Hoffnungen in der Oaluth ist zwar nicht möglich, aber man muß soviel retten als man kann. In dieser Hinsicht ist die Tätigkeit des Verbandes der Ostjuden nützlich und begrüßenswert und darum wünschen wir der Reichskonferenz in Magdeburg einen guten Verlauf und einen vollen Erfolg. Namens der Fraktion der Jüdischen Volkspartei des Preußisehen Landesverbandes und der Berliner Gemeinde richtete R.-A. Dr. Klee an die Tagung einen Brief mit dem Hinweis darauf, daß zwischen dem Verbände der ostjüdischen Organisationen und der Jüdischen Volkspartei seit dem Bestehen beider die allerengsten Beziehungen obwalten. ״Die Beziehungen sind so eng,“ heißt es in dem Schreiben, ״daß es Aktionen gegeben hat, und wahrscheinlich dauernd weiter geben wird, bei denen man kaum unterscheiden kann, von welcher der beiden völlig ineinander verflochtenen Organisationen initiative und Ausführung ausgehen. Wie die Volkspartei als eines der wichtigsten Ziele ihres Wirkens den Gedanken des jüdischen Volkes und damit die Eliminierung des Gegensatzes von Ost und West vertreten hat, hat der Verband der Ostjuden in tiefinnerlicher Erfassung des nationalen Zieles der Einheit aller Juden diese Idee durch Wort und Tat auf das wärmste unterstützt, so daß in gemeinsamer Arbeit die gemeinsamen großen Aufgaben unserer Zeit in Angriff genommen werden konnten. Daß beide Organisationen die speziellen Aufgaben, die der ostjüdischen Gemeinschaft in Deutschland in ihrem Kampfe ums Recht in den Gemeinden sowohl wie im Staat erwachsen, nicht vernachlässigt haben, daß wieder beide in dem Versuch der Lösung wirtschaftlicher Aufgaben gemeinsam Hand in Hand gegangen sind, daß das alles aber in einem Geist wohlwollender Sympathie und gegenseitiger Liebe geschehen ist, — das hervorzuheben,“ — so schließt der Brief — ״sei nicht nur Pflicht, sondern auch Herzensbedürfnis.“ Anläßlich der Reichskönferenz findet Sonnabend, den 22. Febrüar, 9 Uhr abends, im Gesellschaftshause in Magdeburg eine große öffentliche Kundgebung statt, bei der die Herren Fett und Dr. Taubes referieren werden. Weitere 850 Einwanderunfjszeriifikate Wie die JTA. erfährt, hat die Palästinaregierung in Anbetracht der zahlreichen Gesuche um Einreisezertifikate, die in der letzten Zeit beim Palästina-Einwanderungsamt eingelaufen sind, beschlossen, der Zionistischen Palästina-Exekutive 850 Zertifikate für neue Einwanderer auf Rechnung der für März d. J. vorgesehenen neuen Einwandererquote schon letzt zur Verfügung zu stellen. Ein Memorandum des syro-paHUtinensisdien Komitees (Von unserem Genfer Mitarbeiter.) K-y, Genf, den 14. Februar. Am 6. November v. J. haben die zwei Delegierten des ״Syro-palästinensischen Komitees“, Emir Schekib Arsten und Ischan Ei-Dschabfi-bey, — wie bereits berichtet — der Mandatskommission des Völkerbundes ein umfangreiches Memorandum zukommen lassen. Der volle Text aieses Memorandums wird nunmehr in einer ägyptischen, in Genf erscheinenden Monatsschrift veröffentlicht. Obwohl es sich in seinem Hauptteii ausschließlich auf Syrien bezieht, so sind ihm einige allgemeine Betrachtungen über Palästina und Syrien vorausgeschickt. Die arabische These stützt sich hauptsächlich auf die angebliche Unvereinbarkeit der Bestimmungen der Mandate für Syrien und Palästina mit dem Art. 22 der Völkerbundssatzung. Allerdings kann das Memorandum keine stichhalligen Argumente zum Beweis dieser Unvereinbarkeit anführen. Seine Urheber begnügen sich mit der Behauptung, daß ״wohl kein einziges Mitglied der Mandatskommission es zugeben kann, daß Art. 22 der Völkerbundssatzung die Gründüng eines Jüdischen Nationalen Heimes mit dem weiteren Ziele, Palästina durch Schaffung einer jüdischen Mehrheit an Stelle der jetzigen arabischen in einen jüdischen Staat zu verwandeln, zuläßt“. Dasselbe — behaupten weiter die arabi* sehen Petenten —■ wäre auch von Syrien zu sagen, wo im ganzen Staate eine heimliche und im Alauiten- und Dschebd* •rusen-Staate eine unverhüilte und direkte Kolonisation, wie es ״nur Negern gegenüber der Fall sein könnte“, vor sich gehe. Die Petenten kritisieren heftig die Methoden der Mandats, kommission und geben ihr folgende ״Ratschläge“: 1. Die Kommission möge sich an den Geist des Art. 22 der Völkerbundssatzung und nicht an die zu ihm in vollkommenen Gegensatz stehenden Bestimmungen der Mandate für Syrien und Palästina halten; 2. Die Kommission soll ihren ״falschen“ Grundsatz aufgeben, daß es ihre Rolle ist, mit den Mandatarmächten mitzuarbeiten. Diese ״Mitarbeit“, die sich darin offenbart, daß die berechtigten Klagen der Einwohner der betreffenden Länder fast immer abgewiesen oder durch kunst* fertige Rechtsbegründungen gegenstandslos gemacht werden, daß die Kommission die Mandatarmächte immer — auch dann, wenn letztere die schwersten Fehler begangen haben — ״beglückwünscht", für jede erhaltene, wenn auch noch so ungenügende Aufklärung sich besonders ״bedankt" und dabei darauf hinweist« daß sie nur deshalb gefragt hat, um der Mandatarmacht Gelegenheit zu geben, sie belastende Behauptungen zu dementieren usw., ist absolut unvereinbar mit der Unpartei- Iichkeit, die ein Kontrollorgan, wie es die Mandatskommission ist, an den Tag legen soll, 3. Die Anschauung, als ob abfällige Urteile aer Kommission über die Ausübung der Mandate den Mandatartnächten ihre Aufgabe erschweren würden, ist ganz ״einfältig“. Der Völkerbund könne im Oegenteil seine Rolfe nur dann richtig erfüllen, wenn er immer den Standpunkt der absoluten Gerechtigkeit unparteiisch vertritt. im Zusammenhang mit der Behauptung, als ob die Be- Stimmungen des Palästinamandate mit denen des Axt 22 des Völkerbundspaktes unvereinbar wären, möge hier auf ein im Jahre 1921 darüber abgegebenes (von der Zionistischen Organisation dem Völkerbund überreichtes) Gutachten des berühm* ten, unlängst verstorbenen Rechtsgelehrten und Richters des Höchsten Internationalen Gerichtshofes im Haag, Willi am 1»;: diesem Qutaehteo sjgrt 4m. Rechtsgefehrte, nach vorangehender Erörterung der Besfim« mungen des Vertrages zu Sevres und des Art 22 der Völkerbundssatzung, folgendes über den angeblichen Widerspruch zwischen den Bestimmungen des Palästinamandats, die die Errichtung der Jüdischen Nationalen Heimstätte vorsehen, und denen des Art. 22 des V.-P.: ,,Ich bin ganz ausdrücklich der Meinung, daß ein solcher Widersprach nicht besteht. Ein gerecht durchdachter Immigrationsplan kann durchaus das bestmöglichste Mittel sein, um die Lebensmöglichkeiten Palästinas zu entwickeln und für dieses Land das Wohlergehen zu sichern. Meiner Ansicht nach ist es unmöglich, welches Kunstwerk von Auslegung man auch versuchen möchte, irgendeinen Widerspruch zwischen diesem Plan und dem Buchstaben oder dem Geiste des Art. 22 zu entdecken, nur darauf sich stützendj daß ein Plan, der das Wohlergehen Palästinas sichert, dabei auch das Wohlergehen eines Volkes; nämlich des jüdischen, sichern kann. Natürlich geht man hierbei von der Hoffnung aus, daß der Plan, der den Juden zum Vorteil gereichen soll, gleichzeitig auch dem ganzen Lande Palästina einen Nutzen Bringen wird. Zwischen diesen beiden Zielen gibt es keine Unvereinbarkeit.“ Was andererseits die von den syrischen Delegierten bekrittelte Rolle der Ständigen Mandatskommission anbetrifft, so kann es darüber keinen Zweifel geben, daß es ihre einzige Aufgabe ist, gerade die Ausführung aller in den Mandaten n ie d er ge 1 eg t e n Bestimmungen zu überwachen. Absatz 9 des Art 22 des Völkerbundpaktes macht es der Kommission ausdrücklich zur Pflicht ״die Jahres* berichte der Mandatarmächte zu prüfen und dem Völkerbundrat ihr Gutachten über alle die Ausführung der Mandate angehenden Fragen zu erstatten“. Man kann wahrlich der Kommission nicht zum Vorwurf machen, daß sie den die Rechte der Arabern betreffenden Bestimmungen im Palästinamandat zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt hat. Ke Kommission hat im Gegenteil immer den allgemeinen Bestimmungen des Mandats viel mehr Verständnis entgegengebracht, als seinen Bestimmungen über die Errichtung der Jüdischen Nationalen Heimstätte. Von einem teilweisen Versagen der Mandatskommission kann man berechtigterweise nur in diesem Sinne sprechen. Die ersten Anpflanzungen im Einstein-Wald Wie wir bereits kurz gemeldet haben, wurde am 15. Sch’vvat (Chamischah assar Bischwath) auf dem Keren Kajemeth-Boden in der Nähe der jüdischen Kolonie Klrjath Anawim (Dilb) bei Jerusalem der von den deutschen Zionisten und Palästina-Freunden aus Anlaß des 50. Geburtstages von Professor Albert Einstein gestiftete Einstein-Wald, der zunächst 10 000 Bäume umfassen soll, eingeweiht. Die Zeremonie vollzog sich unter Teilnahme des geistigen Palästina und von Vertretern des gesamten Jischuw wie der Behörden. Der erste Baum wurde von Professor der Mathematik an der Hebräischen Universität Jerusalem, Adolf Franke I, gepflanzt. Weitere acht Bäume wurden von dem Leiter des. Keren Kajemeth, von den Führern der großen jüdischen Institutionen Palästinas, sowie dem deutschen Gen e r a Ikonsut gepflanzt. Bei jeder Anpflanzung wurde eine Anspräche als Gruß an den Namensträger des Waldes gehalten. Der deutsche Generalkonsul Dr. Nord huldigte in seiner Anspräche dem Genie Einsteins und überbrachte die Wünsche der deutschen Regierung. M. M. Ussischkin, der die Feier leitete, würdigte in einer längeren Ansprache den genialen Gelehrten, Menschen und Juden Einstein. Etnigongstendenzen Von unserem palästinensischen Korrespondenten. A.G., Tel-Awiw, Anfang Februar. Innerhalb des Jischuw hat sich nach den Unruhen die Tendenz gezeigt, innere Streitigkeiten soweit als möglich zurückzustellen, um die Fähigkeiten zu gemeinsamer Aktion zu verstärken. Man kann sagen, daß wir heute im Lande in einer Periode der organisatorischen Einigung stehen. Zuerst kam die Vereinigung der beiden Arbeiterparteien, ein Ereignis, das von großer Wichtigkeit für das jüdische Palästina und die zionistische Bewegung ist. Es zeigten sich dann Vcrsuche, die verschiedenen Schattierungen der Allgemeinen Zionisten im Lande, angefangen von den ״Esrachim Leumiim“ (die ״Nationalbörcerlichen“, die am stärksten rechts stehende Gruppe des Mittelblocks) bis zu den Demokraten, zusammenzuschließen. Es fand eine gemeinsame Konferenz statt, auf der die Tagesprobleme behandelt wurden, und es sind später auch Maßnahmen der organisatorischen Zusammen- Schließung erörtert worden. Praktische Resultate sind bisher nicht zu verzeichnen und von einer Fusion der aligemein-zionistischen Gruppen im Lande zu sprechen, ist heute noch zu früh. Aber die Tendenz dazu ist bezeichnend. In den letzten Tagen kt eine Vereinigung der I a n d w i r t - schaftlichen Arbeitgeber erfolgt. Es bestanden bisher zwei Kolonistenorganisationen nebeneinander. Die erste, die ״Hitachduth Hai'karim“ (Bauernvereinigung), war eine Orf' ״ Pflanzer des Südens, stand Die zweite Organisation, unter der Leitung von Suchowitzki aus MagdiSi, umfaßte hauptsächlieh die Pflanzer aus den neuen Kolonien des Scharongebietes. Sie wurde in der Zeit der vierten Alijah gegründet, als ein Pflanzerelement ins Land kam, das den Wunsch hatte, seine Kolonien mit jüdischer Arbeit aufzubauen. Diese neue Organisation nannte sich ״Chaklaim Leumiim“ (die nationalen Landwirte), bestand bei ihren Mitgliedern auf hundertprozentlger jüdischer Arbeit und schloß einen Kollektivvertrag mit der Allgemeinen Arbeiterorganisation, um die Arbeitsbedingungen zu regeln; die Hitachduth Halkarim hatte bisher zu einem Arrangement mit der Arbeiterorganisation nicht kommen können. Die Unruhen haben — wie derartige Ereignisse in Palästina es immer getan haben — innerhalb der alten Pflanzer die Bereitschalt, mehr jüdische Arbeiter einzustellen, verstärkt. Bald nach den Unruhen wurden in Judäa die Transportarbeiten und noch einzelne andere Arbeitszweige mit jüdischer Arbeit ausgeführt Auch die Neigung zu einem Ausgleich mit der Arbeiter- Organisation wurde deutlicher. So schienen die entscheidenden Gegensätze zwischen den beiden Verbänden stark gemildert und der Weg zu einer Verständigung geebnet, in der letzten Woche trat in Tel-Awiw eine Konferenz beider Organisationen zusammen, die die Fusion beschloß und für beide Teile befriedigende Bedingungen festlegte. Dieser Zusammenschluß ist zu begrüßen. Die Schaffung großer und aktionsfähiger Verbände sowohl auf selten der Arbeiter wie auf seiten der Arbeitgeber erleichtert die Organisierung der jüdischen Wirtschaft im Lande und die Regefung der beiderseitigen Interessen. Die Todesurteile aolgehoben? Nach einer Privatmeldung aus Jerusalem hat das Höchste Gericht Palästinas am 17d. m. eine Verordnung erlassen, in der alle bisher lm Zusammenhänge mit den blutigen August ereignis'cn verhängten Todesurteile aufgehoben und in ZuehThausstrafen auf die Dauer von 15 Jahren verwandelt werden. Eine Bestätigung dieser Meldung liegt ni ht vor. Die Nachricht dürfte auch darum verfrüht sein, weil die Prozesse noch keineswegs in allen Instanzen abgeschlossen, viele nicht einmal bis zum Urteil J. Instanz gediehen sind. Agudas Jisroel nad Palästina-Fragen Nach einem Vortrag von Dr. Moses Auerbach über ״Geschichte und Bedeutung der Kaussel Maarowi“ in der Berliner Ortsgruppe der Agudas Jisroel wurde die folgende von Dr. Robert weiß eingebrachte Resolution angenommen: ״Die Versammlung gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Bevorstehenden Verhandlungen der Vö'.kerbundkommission zu einer Klärung der Rechtslage der Kaussel Maarowi führen werden, die von Dauer ist und den Frieden mit dem arabischen Volke wieder!!erstellt, ohne die Rechte des jüdischen Volkes auf den letzten Rest seines Heiligtumes zu schmälern. Die Versammlung erwartet, daß die Verhandlungen der Kommission mit allen jüdischen Organisationen Palästinas gemeinsam f‘— ‘ ' ....... ' ״ ’ wie geeignet ist, die gemeinsame vertcic! ־n1־g der jutnsehen, im Mandat verankerten Rechte, zu erschweren.“ Hierzu schreibt man uns von misrachistischcr Seite: Man dürfte nicht fehlgehen, wenn man in dem Absatz der Resolution, der von der gemeinsamen Verteidigung der im Mandat verankerten Rechte spricht, eine Ablehnung der Politik erblickt, die der Leiter der politischen Exekutive der Agudas Jisroel, Dr. Pinchas Kohn, in seiner Unterredung mit der Jüdischen Presse-Zentrale als ,,die Aguda-Politik“ hingestellt hat. Das von Dr. Kohu aufgestellte Programm der Aguda, das die Anhängerschaft der Aguda bewußt von direkter Einflußnahme beim Aufbau der Jüdischen. Heimstätte ausschaltet, wird offenbar von weiten Kreisen gerade der deutschen Aguda nicht mitgemacht Hier will man praktische Aufbauarbeit und ist nicht mit einer ״neuen Interpretation der Balfour-Erklärung“ im Sinne eines Kultur- Zentrums zufrieden. Heine Nachrichten Graf Albert Apponyi, dm• Führer der ungarischen Delegation beim Völkerbund, hat sich zu einem längeren Besuch nach Aegypten und Palästina begeben. Sir Martin Conway veröffentlicht in Londoner Zeitungen eine Zuschrift, in welcher auf die zwischen den einzelnen Gruppen der palästinensischen Araber bestehenden Gegensätze hingewiesen wird. Die palästinensischen Araber hatlert kein gemeinsames Ziel und daher sei auch die in London erwartete arabische Delegation keinesfalls als legitime Vertretung der Araber aufzufassen. In Palästina und Syrien herrscht eine überaus kalte Witterung. In Syrien ist der Autoverkehr zwischen Beirut und Damaskus wegen der Schneefälle unterbrochen. Aus London wird berichtet, daß der Board of Deputie8 gemeinsam mit dem American Jewish Committee eine Vereinigung aller großen jüdischen Organi-ationen zustande bringen will, um in vereinter Front vor aer durch den Völkerbund eingesetzten Kommission für die Regelung des Klagemauerproblems namens der W eit judenbeit vor- «teilig zu werden.