Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 15 (21.2.1930)
- Date
- 1930-02-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15, 21 TL 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 99 iun wir es nicht etwa nur aus dem vielleicht menschlich verstündlichen Gefühl des Schaffenden heraus, der sich über die Anerkennung seines Werkes freut, sondern wir tun es vor allen Dingen deshalb, weil wir in dieser Zusammenarbeit von Juden und Nichtjuden an einem jüdischen Aufbauwerk das erste Symptom der Wirkung des in Palästina Geschaffenen auf die Kulturwelt, aut die Geistigen unter den Menschen sehen und ihren ernsten Willen zum Frieden, zum Verständnis für gerechte Forderungen anderer und zur Verständigung unterein־ ander. Diese Verständigung auch in Hamburg in alle Schiebten zu tragen und zu fördern, das ist, meine ich, Sinn und Zweck Ihrer heutigen Kundgebung, und wir wünschen Ihnen dazu den Erfolg, der im richtigen Verhältnis steht zu der Größe und Gerechtigkeit der Sache, für die Sie sich selbstlos einsetzen und die für uns Zionisten Kernpunkt unseres jüdisehen Lebens schlechthin bedeutet! (Tosender Beifall.) Oberbürgermeister Brauer (Altona): Es ist mir eine Ehre und Freude, heute in dieser großen Versammlung Zeugnis und Bekenntnis ablegen zu können für das Programm des Pro Palästina-Komitees. Mit starker innerer Bewegung und Anteilnahme muß nicht nur jeder Jude, sondem auch jeder denkende Deutsche das große Werk der Schaffung einer Jüdischen Heimstätte in Palästina verfolgen. Was geht vor in Palästina? 15 Millionen Juden, in der Welt verstreut lebend unter den anderen Nationen, schaffen eine eigene Jüdische Heimstätte, in der die hebräische Sprache wieder eine Volkssprache ist, lebendig wird, herausgeholt wird aus den Synagogen, in denen sie noch gepflegt wurde, hineingestellt wird in wirkliches Volksleben. Ein harter Boden, der durch Jahrtausende verwahrlost und vernachlässigt war, wird durch die Pionierarbeit junger jüdischer Männer und jüdischer Mädchen und Frauen lebendig gemacht und wird wieder eine Kulturstätte, wird wieder fruchtbarer Boden. Ein neuer Garten Eden entsteht da, wo bisher Kargheit und Unfruchtbarkeit durch die Jahrtausende bestand. Und dann — unter anderen Formen, als wir die Kolonisation der Völker kennen, anders wird dieses Land der Kultur und dem Wohlstand erschlossen. Ohne Waffen, friedlich als Kulturbringer rücken die jüdischen Pioniere in dieses Land. Das muß bei allen Gegensätzen zu den Arabern letzten Endes doch zum Ausgleich führen; denn die Juden sind ja Kulturbringer, die nicht nur für sich selbst arbeiten, sondern dort dem ganzen Lande und auch der arabischen Bevölkerung Wohlstand und Aufwärtsentwicklung bringen. Ich sage: Das ist eine Bewegung, die nicht nur das Interesse der Juden der ganzen Welt erwecken muß, sondern die jeden Menschen innerlich packen muß, der den Fortschritt liebt. Ein faustisches Werk vollzieht sich in Palästina, und am Ende der Rückschläge, die es geben muß, steht doch etwas, was uns alle begeistern kann und begeistern muß! Ich freue mich, in diesem Kreise hier die Jugend so stark vertreten zu sehen. Welch ein stolzes Gefühl muß es für jeden Juden sein, wenn er die Entwicklung dieser Jüdischen Heimstätte beobachten und daran helfen und mitwirken kann! Ich bin gewiß der Letzte, der da wünscht, daß die Juden der Welt etwa nach Palästina gehen sollen, wenn so etwas überhaupt möglich wäre. Aber Sie wissen, wie es in den östliehen Ländern um die Judenheit bestellt ist. Die moralische Verpflichtung, hier mitzuhelfen zur Schaffung einer Heimstätte, dieses große soziale und kulturelle Experiment zu fördern und daran mitzutragen und Verständnis dafür hineinzutragen in alle Kulturvölker, damit sie dieser Bewegung ihre Unter- Stützung leihen, das, glaube ich, ist nicht nur Aufgabe der Juden, sondern ist Aufgabe jedes fortschrittlichen und im Ktiturlebfn und־׳, RultuifIngen stellenden -׳ -MenÄhem ־ ■׳: Ich kann an dieser Stelle, ohne auf die Einzelheiten des palästinensischen Aufbaues einzugehen, nur noch einmal sagen, daß ich mich freue, daß Juden der ganzen Weit sich zu dieser großen Tat zusammengefunden haben und daß ich der Judenschaft nur wünschen kann, daß der Geist, aus dem dieses Unternehmen geflossen ist, die ganze Judenheit erfassen möge, damit ein Werk gelinge, das nicht nur der Judenheit nutzt, sondern dem Fortschritt der ganzen Menschheit dienlich wird. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Blumenfelds Referat: Kurt BI u m e n f e I d, der als Mitglied des Präsidiums des deutschen Komitees Pro Palästina und gleichzeitig in seiner Eigenschaft als Mitglied des Administrative Committee der Jevvish Agency sprach, hielt das Hauptreferat, dessen Gedankengänge wir kurz wiedergeben. Er ging von den politischen Voraussetzungen des Mandates aus, behandelte die in der Präambel festgelegte An erkennung der historischen Verknüpfung des jüdischen Volkes mit Palästina und stellte im Anschluß an die allgemeine Kenn- Zeichnung der A-Mandate den Sonderfall des Palästinamandats dar. Während der Sinn des Mandates sonst in der Förderung des Wohlergehens und der Entwicklung der gegenwärt i g e n Bewohner eines Landes liegt, handelt es sich in Palästina pm die Fürsorge für eine zukünftige weit größere Bevölkerung, die erst in das Land einwandern soll. Die Einzigartigkeit des Palästinamandats wird begleitet von der Einzigartigkeit der Lage der Juden in der Welt. Bei der Erörterung völkerrechtlicher und staatsrechtlicher Fragen helfen daher keine Analogien. Die Voraussetzung des Palästinamandats und die Garantie dafür, daß es sich um eine unabänderliche Notwendigkeit handelt, liegt in der J u d e n f r a g e der Welt. Wie sehr auch das politische Geschick der Führer der zionistischen Bewegung gewirkt haben mag, die Fortdauer dieses Wirkens ist durch die Tatsache gewährleistet, daß die Juden der ganzen Welt in einer unnormalen krisenhaften Situation leben, die in den letzten Jahren dazu geführt hat, daß die Juden überall den Zustand ihres Sonderdaseins auf allen Gebieten des Lebens erkennen. Auch wo sie es noch nicht anerkennen, kann man das Juden- Problem in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft objektiv feststellen. Dieses Problem ist, unabhängig von der persönlichen Entscheidung des einzelnen Juden, für alle Völker und für alle Welt so ernst und aktuell geworden, daß eine unmittelbare Lösung, die überall zumindest eine Erleichterung herbeiführt, notwendig zu sein scheint. Den äußeren Voraussetzungen in der jüdischen Welt entspricht ein innerer Prozeß, den der Redner nur andeutet. Er erwähnt, daß Assimilation und Atomisierung keine Voraussetzungen zur Erneuerung jüdischen Lebens bieten. Das Palästinamandat soll eine Antwort auf die allgemeine Judenfrage sein. Daher werden auch im Mandat die nichtjüdischen Einwohner des Landes gegenübergestellt der gegenwärtigen jüdischen Bevölkerung plus der an Palästina interessierten Judenheit. Der Referent behandelt vor allem die Artikel 2, 4, 6 und 11 des Mandats, beleuchtet die Aufgabe der Mandatsregierung und den Charakter und das Wesen der Jewish Agency. Er zeigt, daß nur die volle Verwirklichung des Mandates bei ernster Mithilfe der Mandatarmacht den Hoffnungen der Judenheit auf Palästina einen Sinn verleiht. Der Referent behandelt dann eingehend das Problem des Rechtes der Juden auf Palästina. Das historische Recht der Juden sei von einzigartiger Art, nicht zu vergleichen mit den problematischen sogenannten ״historischen Rechtenit, die von Staaten bei Annexioaswünschen erhoben werden. Ts Die Palästina •Tagnag der Mandatskommission Die der Behandlung der Palästinafragen gewidmete Außerordentliche Tagung der Mandatskommission, die ursprünglich für den 2. April a tt gesagt wurde, ist, wie uns unser Genfer Mitarbeiter telegraphiert, auf den 4. Juni vertagt worden; am 10. Juni beginnt die Ordentliche diesjährige Tagung der Kommission. handelt sich nicht um eine künstliche Konstruktion, sondern um eine seit Jahrtausenden existente reale Vorstellung der Juden, denen Palästina niemals zum denaturierten Symbol geworden ist. Der Sonderfall des historischen Anspruchs der Juden auf Palästina kann nur verbanden werden im Zusammenhang mit der Weltjudenfrage und vor allem mit der Tatsache, daß die Juden nirgends in der Welt jene Lebensvoraussetzungen besitzen, die eine menschliche Gemeinschaft zur Entwicklung ihrer natürlichsten Bedürfnisse braucht. Dennoch würde dieses historische Recht allein nicht ausreichen, wenn es nicht gleichzeitig eine aktuelle Rechtsbegründtmg gäbe. Das Recht auf Neubesiedlung, um das heute in einer Welt, die durch Ein- Wanderungsbeschränkungen größte Gebiete der Menschheit verschließt, gekämpft werden muß, wird in Palästina durch die Juden in fortschrittlichster Weise ins Leben umgesetzt. Palästina hat jahrtausendelang auf die Juden gewartet. Die Juden allein sind imstande, diesem Lande die Entwicklung seiner besonderen Möglichkeiten zu geben, sie haben sich in Jahrzehnten als ein das Land produktivierendes Volk erwiesen. Die jüdische Kolonisation Palästinas dient dem Gedanken des Fort- Schritts. Sie bekämpft daher notwendig übersteigerte Ansprüche der Souveränität, die darauf hinauslaufen, die Einwanderung in aufnahmefähige Gebiete zu erdrosseln. Die jüdische Kolonisation hat nichts mit Imperialismus zu tun. Imperialistische Kolonisation ist gekennzeichnet durch die Verwendung der billigen Hand, durch die Ausbeutung der eingeborenen Bevölkerung durch landfremde Kapita'is'.en. Das Gegenteil ist in Palästina der Fall. Es gibt keinen Kolonisationsversuch in der gesamten Kolonisationsgeschichte, der so ausschließlich mit legalen Mitteln unternommen worden ist wie der jüdische. Die Kolonisation ist von dem Gedanken getragen, Recht zu tun und niemandes Rechte zu beeinträchtigen. Das Land wird durch Kauf erworben von freiwilligen Verkäufern, auf den Siedlungen sitzen selbst arbeitende jüdische Menschen. Der einheimischen Bevölkerung werden die gleichen kollektiven Rechte zuerkannt, die man für sich selbst verlangt. Die Juden haben nicht den Wunsch, aus Arabern Juden zu machen oder jüdische Staatsbürger arabischer Nation. Die Fragen der staatsrechtlichen Entwicklung sind nur bei genauer Kenntnis der Eigenart des Paiästinamandats zu entscheiden. Klar ist, daß nach dem Sinn des Mandates die Einwanderung von Juden nur abhängig sein kann von der Ent- Scheidung und den Möglichkeiten der Jewish Agency. Der Referent behandelt dann kurz die Herbst-Unruhen und ihre Folgen und weist darauf hin, daß es für die Sicherheit der Juden von entscheidender Bedeutung ist, zu einem geschlossenen Siedlungsgebiet zu kotnmen. Vor allem aber sei es erforderlich, aaß gerade in diesen Zeiten ein sehr starkes Wachsen der jüdischen Siedlung erfolgt, und der Erfolg der von uns erstrebten V e r s ö h - nangspolitik wird abhängen von der sichtbaren Stärke unserer Positionen im Lande, von der Entschlossenheit der Judenheit, sich gerade im gegenwärtigen Moment für eine starke Expansion einzusetzen, wobei eine entscheidende Voraussetzung für eine erfreuliche zukünftige Entwicklung das klare und eindeutige Verhalten der Mandatsregierung ist ,..' Be#.; Referent. sprichtzum «Schluß, Ober .die' Öära«tl<:t1 a*n>s Gelingen des Werkes. Diese Garantien erblickt er einmal in der tiefen Sehnsucht der jüdischen Welt nach einer wahren Renaissance ihrer Art, in der elementaren Bewegung, die heute hinter dem Jüdischen Nationalen Heim steht und der Auswegslosigkeit der jüdischen Situation, die mit Notwendigk e i t eine Bewältigung der ungeheuren Aufgabe erzwingen wird. Central-Verein und Jewish Agency Ueber die Sitzung des Hauptvorstandes des Central- Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wird der J. T. A. das folgende Communiquö übermittelt: Auf der nicht konstruierten, sondern aus den heiligsten Gefühlen geborenen, unlösbaren Verbindung zwischen Deutschtum und Judentum ruht unsere Heimatsberechtigung, ruht das Dasein des jüdischen Deutschen. Erschüttert man diese, so trifft man uns ins Herz und bringt den Centrai-Verein, die mächtigste Organisation des deutschen Judentums, ins Wanken. Zugehörigkeit zum deutschen Volke steht nie im Widerspruch mit dem jüdischen Erbgut, das in uns von den Ahnen überkommen ruht. Nur dann, wenn dieses jüdische durch gewisse, vielfach geübte Agitation als ein Nationaljüdisches im po’.itisehen Sinne erklärt wird, ist es unvereinbar mit unserem deutsehen Sein. Dann müssen wir es energisch ablehnen. Nachdem sich in den letzten Jahren eine Anzahl von Central-Vereins-Mitgliedern mit Zionisten und dem Ccntral-Verein nicht angehörenden Nichtzionisten in der Jewish Agency zusammen gefunden haben und nachdem durch den Aufruf ״Hilfe durch Aufbau“ und die Antwort der ״deutschen Juden“ Gegensätze verschärft worden waren, war es Aufgabe und Pflicht der Hauptvorstandssitzung vom 16. Februar, einmal über die Grundbedingungen Klarheit zu schaffen, unter denen eine solche Zusammenarbeit überhaupt möglich ist. Mit einer bisher in der Geschichte des Central-Vereins beispielloen E i nmütigkeit hat der Hauptvorstand am ielztcn Sotnag den folgenden Beschluß gefaßt: ״Der C.-V. hat stets jede naüonaliüäfsche Bestrebung abgelehnt. In Ueberelnstimmung damit haben diejenigen Mitglieder des Hauptvorstandes, die sich an der Palästina-Arbeit beteiligen, stets erklärt, daß sie als deutsche Juden den Mittelpunkt ihres politischen und kuiturellen Lebens in Deutschland erblicken, und daß sie jede national-jüdische Propaganda, auch im Rahmen der Jewish Agency, ab weisen. Der Hauptvorstand des C.-V. hat demgemäß das Vertrauen, daß alle seine Mitglieder überall, auch außerhalb des Vereins, diesem Gedanken zur Durchführung verhelfen.“ Die einheitliche Auffassung des Hauptvorstandes über diese Fragen ging soweit, daß einstimmig beschlossen wurde, die zu diesem Punkt der Tagesordnung vorgesehenen Referate der Herren Rabbiner Dr. Jacob (Dortmund) und Rechtsanwalt Dr. Krombach (Essen) von der Tagesordnung abzusetzen und von jeder Aussprache Abstand zu nehmen. Nur ein Bericht des Mitgliedes des Hauptvorstandes, Dr. Bruno Weil, über die Vorgeschichte des obigen Beschlusses und die Stellung von Mehrheit und Minderheit dazu wurde vor den Abstimmungen entgegengenommen. Selbstverständlich sollen mit dieser Entschließung die Gegensitze in der Beurteilung des Palästina-Problems und der Frage der Beteiligung an der' Jewish Agency nicht vertuscht werden. Nach wie vor besteht der Beschluß der Hauptvorstandssitzung vom 23. und 24. März 1929, daß der Centrai-Verein von der Entsendung von Vertretern in die Jewish Agency absieht. Damit ist die Stellung der Majorität des Hauptvorstandes zur ״Nationalen Heimstätte“ klar gekennzeichnet. Die Sitzung am 16. Februar hat aber auch das andere ganz deutlich gemacht: auch diejenigen Mi.giieder des Haupttvorstandes, die in die Jewish Agency oder in das Initiativkomitee für die Jewish Agency als Einzelpersonen eingetreten sind, wünschen, daß die Agency nur reine Palästina-Arbeit leistet und daß keinesfalls in ihren Beratungen, ihren Veröffentlichungen, ihren Versammlungen national-jüdische Bestrebungen sich bemerkbar machen oder gar um sich greifen. Ist also die Majorität des Hauptvorstandes gegen jede Beteiligung am national-jüdischen Palästina-Aufbau überhaupt, so lehnen auch diejenigen Hauptvorstandsmi giieder, die der Agency nahestehen^ für diese programmatisch neutrale Körpersenaft national-jüdische Bestrebungen ab. Beide Teile des Hauptvorstandes sehen einmü ig in Deutschland den Mittelpunkt ihres geistigen und kulturellen Lebens. Beide bejahen damit freudig die unverrückbaren Grundlagen des C.-V.: Deutschtum und Judentum. Die Tatsache, daß nach der angenommenen Entschließung auf die Referate der innerjüdisehen Fragen verzichtet wurde, kann als symbolisch angesehen werden. Gewiß können die Auffassungen über die Formen des Palästina-Aufbaus grundsätzliche Bedeutung haben. Keinem der Anwesenden lag aber daran, die Gegensätze jetzt zum gewaltsamen Austrag zu bringen, zumal eine überwältigende Einmütigkeit über aie unverändert deutschen Grundlagen aller C.-VT-Arbeit besteht und bestand, und die Palästina-Frage nie im Mittelpunkt unserer Arbeiten stehen kann. Ueber allen Gegensätzen steht die Geschlossenheit des C.-V. Notwendiger denn je in einer Zeit, wo das deutsche Judentum von Nationalsozialisten und Judeng'gnern jeder Färbung aufs heftigste berannt wird. Man verzichtete daher gern auf große Auseinandersetzungen über die verschiedenen innerjüdisenen Richtungen und wandte sich grundsätzlichen Fragen unserer Aufklärungs- und Abwehr-Arbeit zu. * Soweit der C.-V. in dieser Kundgebung seinen bereits früher eingenommenen Standpunkt wiederholt, haben wir dazu nichts zu bemerken. Wenn jedoch nichtzionistische Angehörige der Jewish Agency sich innerhalb des C.-V. auf eine vorschriftsmäßige Haltung festlegen lassen, dann muß von zionistischer Seite mit Entschiedenheit dagegen Einspruch erhoben werden. Die Jewish Agency ist aufgebaut auf dem Gedanken der Freiheit der Gesinnung und der Gemeinsamkeit der praktischen, auWem Mandat beruhenden Palästina-Arbeit. Die nichtzionistisehen Mitglieder der Agency können zwar für ihre Person jede Erklärung abgeben, aber sie haben nicht das Recht, allein über den Charakter der Palästinaarbeit zu bestimmen. Auf dem Gebiet der geistigen Auseinander- Setzung hat jeder Teil, ja jede Persönlichkeit, ungeachtet ihrer Teilnahme an der Jewish Agency, das Recht auf Meinungsäußerung und Propaganda, und es ist zumindest sonderbar, wenn mit Emphase die Abweisung nationaljüdischer Propaganda ausgesprochen wird, während für antinationaljüdische Propaganda offenbar die freieste Betätigungsmöglichkeit in Anspruch genommen wird. Was aber die praktische Arbeit betrifft, so bestand auch vor der Konstituierung der erweiterten Agency zwischen Zionisten und den am Palästinawerk teilnehmen־ den. diese. Arbeit nicht anders als national jüdisch sein kann. Denn niemand konnte vor der primitiven Tatsache die Augen verschließen, daß das palästinensische Judentum seiner Nationalität nach jüdisch ist und aus dem natio־ nalen Auferstehungswillen die stärksten schöpferischen Kräfte zieht. Was bei Kundgebungen wie der hier vorliegenden des C.-V. geschieht, ist nichts anderes, als ein Spiel mit Worten, das um so leichter ist, als man es nicht einmal für nötig hielt, in Referaten und Aussprache die Problematik wirklich zu klären. So verwendet man das Wort ״nationaljüdisch“ in doppeltem Sinne, einerseits angewandt auf Palästina, andererseits angewandt auf die jüdischen Galuth-Anschauungen. Nur durch diese Begriffs- Verwechslung scheint es uns erklärlich, daß derartige Be- Schlüsse mit Einmütigkeit, wie besonders hervorgehoben wird, gefaßt werden. Wir finden es besonders bedauerlieh, daß die der Jewish Agency angehörende Gruppe im C.-V., an deren Interesse für die Palästinaarbeit wir nicht zweifeln, sich offenbar dem Drucke der antizionistischen Propaganda im C.-V. nicht entziehen konnte, und sich dazu verstand, Beschlüssen ihre Zustimmung zu geben, die in ihrer Wirkung geeignet sind, den bisher herrschenden Geist der loyalen Zusammenarbeit innerhalb der Agency zu gefährden. Lord Melchett Ober die Jewisii Agency Wir haben bereits eine kurze telegraphisch übermittelte Nachricht von dem materiellen Ergebnis des Keren Hajessod- Banketts in Johannesburg veröffentlicht. Auf dem Bankett, das zu Ehren Lord Melcnetts gegeben wurde, führte dieser aus: Die jewish Agency ist ein gewaltiger Schritt vorwärts auf dem Wege zur Einheit der Judenheit in der ganzen Welt. Es tut wohC hier zu dieser Versammlung Segrü'uagskundgebungen von Männern wie Felix W a r b u r g und Oscar Wassermann zu erhalten, die vor einigen Jahren noch nicht in unserem Lager standen. Erez-Israel ist Banner, ist Symbol für die ganze Judenheit. Von unserem Erfolg in Palästina hängt das zukünftige Prestige und die Position der judenheit in der Welt ab. Wir werden, wenn wir den in uns gesetzten Erwartungen nicht entsprechen, vor den Augen des britischen Reiches und der Welt voll ,Scham dastehen müssen, ln dem Emportauchen der Balfour- Deklaration aus dem Tumult des Weltkrieges liegt ein Stück Vorsehung für uns. Kein Land der Welt hat in den letzten acht Jahren solche Fortschritte aufzuweisen wie Palästina. In diesen materialistischen Tagen ist der Zionismus Reinigung der Seele. Auf dem Bankett, das vom Oberrichter Greenberg geleitet wurde, und dem der Präsident der General Mining and Finance Corporation Sir •Georg Albu, der Chef des großen Bergwerkunternehmens Lewis and Marks, Louis Marks, Oberrabbiner Dr. J. L Landau, der Präsident der Zionistischen Föderation A. M. Abraham und andere führende Persönlichkeiten Südafrikas beiwohnten, sprachen noch Colone! Josiah C. Wedgwood, der gelobte, daß England seiner Pflicht gegenüber den Juden gerecht werden wirdj und Dr. Benzion Mossinson, Tel-Awiw, der über die Neubildung des jüdischen Lebens in Palästina referierte.