Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 15 (21.2.1930)
- Date
- 1930-02-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 98 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 15, 21.1L 1930 dem Großwesir verhandelt und er hat mir immer gesagt: Ich werde, was Sie verlangen, gern Ihnen zu Liebe tun; aber ich sage Ihnen im voraus, daß mit den Arabern Schwierig• keiten kommen werden. Ich erwähne das, weil sich der Groß• wesir in dieser Beziehung als guter Prophet erwiesen hat, wenn es mir auch lieber gewesen wäre, wenn seine Prophezeiungen nicht in Erfüllung gegangen wären. Dann kam der Ausgang des Krieges, den wir leider alle kennen, und was wir wollten, ist von England in die Hand genommen worden durch die bekannte Balfour-Deklaration, aus der heute das Mandatsrecht entstanden ist. Ich möchte auch hier nicht unerwähnt lassen, daß be* kanntlich in der Balfour-Deklaration geschrieben steht, daß alle Arbeit in Palästina unter allen Umständen unbeschadet der Rechte der Juden in ihrer jetzigen Hei* mat vor sich gehen soll. Meine Damen und Herren! Wir, die wir als Nichtjuden uns für diese Frage interessierten, wir haben uns von Anfang an vorgenommen, daß wir in keiner Weise eingreifen oder uns auch nur einmischen wollen in die Differenzen, die es vielleicht innerhalb der Judenheit über dieses Problem geben kann. Das liegt uns voll• kommen fern. Ich glaube: alle sind, ebenso wie ich, dadurch zur Beteiligung im Pro Palästina-Komitee gekommen, daß nach der Balfour-Deklaration die Palästina-Frage zu einer Frage des Völkerbundes geworden ist, und ich glaube, daß alle meine Landsleute mit mir darin übereinstimmen, daß, nachdem Deutschland Mitglied des Völkerbundes geworden ist und wir in der Mandatskommission Platz genommen haben, es uns darauf ankommt, an allen Arbeiten des Aufbaues teilzunehmen, nicht nur da, wo spezielle deutsche Rechte in Betracht kommen, sondern überall wo es sich um kulturelle Werke überhaupt handelt Zu solchen Kulturwerken gehört nach meiner Ueberzeugung mit in erster Linie der Wiederaufbau Palästinas, wie er hier von uns ins Auge gefaßt ist Es gibt Leute, die befürchten, daß aus dieser Eiewegung ein neuer Nationalismus entstehen könnte. Meine Damen und Herren! Ich möchte, da ich rein persönlich spreche, darauf hinweisen: wenn es sich hier um die Schaffung eines neuen Nationalismus handelte und wenn überhaupt nur ein solcher Gedanke vorhanden wäre, dann stände ich sicherlich nicht hier, um diesen Gedanken zu verteidigen. (Beifall.) Denn es weiß Jeder, daß ich in meiner Vergangenheit immer auf dem Standpunkte der Völkerversöhnung und Völkerverständigung gestanden habe. Ich würde auch niemals von diesem Gedanken abgehen. Ich bin noch heute der festen Ueberzeugung, daß es für das Gelingen des Werkes in Palästina notwendig ist, daß die beiden Völkerschaften, die sich in Palästina ansiedein bzw. angesiedelt sind, sich vertragen. Es muß eine Aussöhnung erfolgen, und es ist für uns eines der Haupt* ziele, daß wir dahin kommen. Damit habe ich alles gesagt, was ich sagen wollte. Wir, die wir als Nichtjuden uns an dieser Arbeit beteiligen, wir haben mit besonderer Freude begrüßt, daß jetzt eine über allen Differenzen stehende Jewish Agency vorhanden ist, die da» Werk verantwortlich leitet. Wir glauben, daß in Zukunft eine gemeinsame Arbeit Aller erfolgen kann, die sich für diese Frage interessieren. In dieser Gemeinsamkeit sehe ich die Hoffnung, daß es gelingen wird, den Palästina-Aufbau als Kulturwerk ersten Ranges durch zu führen. (Anhaltender stürmisch«׳ Beifall.) * Di« vomOrafenBernstorlf verlesenen Briefe lauten: •- - , Max Warburgs Brief: Hamburg 1, 29■ Januar 1930. Sehr verehrter lieber Graf Bernstorff, Zu meinem lebhaften Bedauern ist es mir unmöglich, an der Kundgebung des Deutschen Pro Palästina-Komitees in Hamburg teilzunehmen. Es ist mir aber ein Bedürfnis, anläßlieh der ersten Tagung des Komitees in meiner Vaterstadt und gerade in einer Zeit, in der durch die Unruhen in Palästina auch eine Beunruhigung der deutschen Oeffentlichkeit über die Entwicklung dieses Landes erfolgt ist, meine Stellung zu dem Aufbau des ״Jewish National Home“ eindeutig darzu* legen. Der Versuch der Juden, in Palästina in enger Gemeinschaft mit einem höheren und anderen Selbstbestimmungsrecht, als sie es sonst haben, zu leben, ist so gewaltig und neuartig, daß er das Interesse der gesamten Kulturwelt in hohem Maße verdient. Neuartig ist vor allem die Verwertung gleichgerichteter seelischer Energien von Menschen gleicher Abstammung und gleichen Glaubens zur Entwicklung neuen Lebens auf alt« Erde. Das werdende Werk hat schwierige wirtschaftliche, kulturelle und politische Probleme zu lösen. Es hat sich aber im Laufe der letzten Jahrzehnte gezeigt, daß die Juden bereit und imstande sind, durch die Arbeit ihrer Hände ein wirtschaftlich normal geschichtetes Leben zu entwickeln. Menschen, die früher des Landbaus unkundig waren, haben sich in den verschiedensten Formen der Landwirtschaft und des Pflanzungsbaus bemüht und bewährt. Sie haben in verhältnismäßig kurzer Zeit neue für das Land geeignete Kulturen herausgefunden und können heute vor allem auf den Orangenbau berechtigte Hoffnungen für die Zukunft setzen. Sie halten sich in ihrer wirtschaftlichen Gestaltung von Einseitigkeiten fern, bemühen sich um die Bananenkultur, vernachlässigen nicht Weinbau und Milchwirtschaft, und haben auch einige Industrien ins Land gerufen. Durch das Ruthenberg-Kraftwerk wird das Land allmählich mit Licht und clekfrischer Kraft versorgt werden; die landwirtschaftliche und industrielle Entwicklung wird so beschleunigt werden. Ein neuer Typus des Bauern und des Industriearbeiters bildet sich in Palästina heraus, bei dem Gehirn- und Körperkraft in gleicher Weise zur Entraltung kommen. Es gibt eine enge Verbindung zwischen wirfschaftlicher Betätigung und geistiger kultureller Entwicklung. Auch die kleinste Siedlung fiat eine zweckmäßig zusammengestellte Bibliothek, die den Gesichtskreis der Arbeiter erweitert und auch ihr« beruflichen Fortbildung dient Die Verknüpfung mit dem Lande ist organisch und natürlich. Man baut zunächst den festen Stall für das Vieh, wohnt selbst in Baracken, sorgt dann für Kindergarten und Schule und erzieht eine neue dem Lande verbundene Generation. Die hebräische Sprache ist zu neuem Leben erwacht. Sie ist die Sprache der Schule und des Alltags, sie ist die Grundlage der geistigen kulturellen Entwicklung, deren sichtbarster Exponent die Hebräische Universität in Jerusalem ist Diese Grundlagen des Lebens sind die besten Helfer bei der Lösung der verschiedenen politischen Probleme, mit denen die Juden fertig werden müssen. Die Unruhen der letzten Monate, so ernst sie auch waren, dürfen nicht überschätzt werden. Die Juden wollen ein friedliches Zusammenleben mit der arabischen Welt Jeder Gedanke der Unterdrückung der arabischen Nation liegt ihnen fern. Es gibt nicht, — abgesehen von gewissen radikalen Elementen —, wie vielfach angenommen wird, jüdische imperialistische Tendenzen, gegen die die Araber sich zur Wehr setzen müßten. In dieses Land kommen nämlich nicht Juden, die billige arabische Arbeit utilisieren wollen und den Araber in eine sozial unwürdige Stellung zu drängen versuchen. Die beste Garantie für die_ von allen imperia'htischen Tendenzen freie Reinheit des jüdischen Strebens bietet einmal die Tatsache, daß Palästina ein Mandatsland besonderer Art ist, dessen Ent- Wicklung von allen Staaten, Völkern und Religionen mit Aufmerksamkeit beobachtet wird, und ferner die e i n z i g a r - tige Lage der Judenheit in der Welt. Die Juden, die in so vielen Zeiten und in so vielen Ländern unter Unterdrückung gelitten haben und noch leiden, können nicht dulden, daß in dem Lande, in dem der jüdische Geist in hervorragendem Maße eine Stätte finden soll, politisches Unrecht geschieht. So ehrlich und entschlossen sie ihr eigenes Lebensrecht vertreten, so entschlossen treten sie auch für eine freie Entwicklung aller Menschen ein, gleichgültig welcher Abstammung und Religion sie sind. Der Konflikt der! tz.ea Monate hat von dem Streit ■um die Klagemauer seinen Ausgang genommen. Es handelt sich um eine religiöse Streitfrage, die lösbar ist und aller Voraussicht nach in nächster Zeit ohne Beeinträchtigung irgendwelcher Rechte eine Lösung finden wird. Es ist zu begrüßen, daß in Genf eine Speziaikommission zur Entscheidung dieser Frage eingesetzt worden ist. Die Juden verlangen nichts mehr als die ihnen im Mandat zugesicherten Rechte, die so formuliert sind, daß sie ohne Beeinträchtigung der nichtjüdischen Bevölkerung verwirklicht werden können. Die Mandatsregierung Ist verpflichtet, diese von den Sympathien der gesamten Kulturweit begleite len, von ihr wiederholt feierlich anerkannten An- Sprüche gegen brutale Gewalt zu schützen. Gerade wir deutschen Juden, die wir unter Einsetzung unserer ganzen Kraft am Aufbau des deutschen Lebens arbeiten, empfinden es mit Freude, daß wir im ״Deutschen Komitee Pro Palästina zur Förderung der jüdisehen Palästinasiedlung“, dem sich unter Ihrer Leitung deutsche Politiker, Gelehrte und Wirtschaftler der verschiedensten Richtungen angeschlossen haben, eine so wertvolle Anerkennung und Unterstützung für unsere Arbeit in Palästina gefunden haben. Wir begrüßen es, daß sie den mutigen Pionieren, die heute in Palästina leben und arbeiten, den Weg bahnen wollen, daß sie mit Sympathie und Verständnis einem heroischen Unternehmen zur Seite stehen, das niemandem zum Schaden, da Judenheit aber zur Ehre gereicht. Ich wünsche Ihrer Tagung den besten Erfolg. Mit verbindlichem Gruß stets ganz der Ihre Max Warburg. Einsftefm Brief: Berlin W 30, den 16. Februar 1930. Sehr verehrter Herr Graf, zu meinem großen Bedauern bin Ich außerstande, Ihrer freundlichen Einladung, an der Kundgebung des Pro Palästina- Komitees in Hamburg teilzunehmen, Folge zu leisten. Ich bitte Sie jedoch, der Versammlung meine freundschaftlichen Grüße zu übermitteln. % Öas Komitee Pro Palästina, das sich zur Aufgabe gesetzt hit; ־iytnßäthte1j'’Jifr.',o%ä81äerS-,׳''die־~‘aas'־Wlem des• jüdischen Palästinaaufbaus in der deutschen Oeffentlichkeit genießt, ist für uns alle, die wir um die Zukunft des Palästina- Werkes besorgt sind, eine Ermutigung und Stärkung. Der Aufbau des Jüdischen Nationalheims in Palästina ist ein kolonisatorisches, politisches und kulturelles Experiment, das mit Recht allgemeines Interesse auf sich zieht. Für uns Juden aber ist dieser Aufbau keineswegs eine nur wirtschaftliche Angelegenheit, auch kein Objekt der Wohltätigkeit, sondern ein Ereignis von größter Tragweite innerhalb der jüdischen Geschichte. Das jüdische Volk hat in den zwei Jahrtausenden seiner Zerstreuung, besonders aber in den letzten 103 Jabren, einen durchgreifenden Gestaltswandel erfahren. Die Schwächung der jüdischen Gemeinschaft, die zu einer Isolierung und Atomisierung des Individuums geführt hat, beraubte den Juden des inneren Halts, den die Gemeinschaft bietet. Der Wille sich anzupassen und die daraus entstehende innere Abhängigkeit hat aber den Juden nicht vor erbitterten Angriffen geschützt. Indem die Juden sich ihrer Nationalität wieder bewußt werden und für sie ein Heini aufbauen, erwerben sie diejenige Selbstachtung, die nötig ist, um kollektive Kulturaufgaben auf sich zu nehmen. Die Juden stehen heute vor einer Kulturaufgabe ersten Ranges: Sie haben mit Zustimmung der im Völkerbund organisierten Nationen begonnen, in Palästina eine Jüdische Nationale Heimstätte zu errichten. Was in den letzten Jahren in Palästina geleistet wurde, brauche ich gerade Ihnen gegenüber nicht im einzelnen aufzuzählen. Es ist ein Werk, dessen sich keine Kulturnation zu schämen hätte. Die Judenheit hat sich den Forderungen, die dieses Werk an sie stellt, nicht verschlossen. Während zur Zeit Theodor Herzls am Ende des vorigen Jahrhunderts nur die kleine Schar der damals oft verspotteten Zionisten unbeirrt auf das Ziel der Nationalen Heimstätte hinsteuerte, haben sich im August 1929 in Zürich Vertreter fast aller jüdischer Gruppen der Welt zusammengefunden, um in der Erweiterten Jewish Agency das Organ zu bilden, das in Hinkunft für den Aufbau des Jüdischen Nationalheims verantwortlich sein soll. Da die Kolonisationsarbeit in Zukunft, um mögliehst viele Einwanderer ansiedeln zu können, in schnellerem Tempo vor sich gehen muß, bedarf es auch einer stärkeren Unterstützung des Werkes seitens der Judenheit der Welt. Die verzweifelte Lage der Juden in den meisten Ländern Osteuropas und die völlige Sperrung der Einwanderung in die meisten überseeischen Länder machen die Vergrößerung der Aufnahmefähigkeit Palästinas für jüdische Einwanderung geradezu zu ein« vitalen Notwendigkeit In der letzten Zelt haben blutige Unruhen eine polftische Diskussion entfacht. Das jüdische Volk ist sich wohl bewußt, daß eine der schwierigsten, aber vielleicht auch die wichtigste Aufgabe darin besteht, seine nationalen Aspirationen in Einklang zu bringen mit den Rechten und Bedürfnissen der Landesbevölk e r u n g. Die jüdische Einwanderung hat Palästina im Vergleich zu anderen Ländern großen Wohlstand und ein hohes zivilisatorisches Niveau gebracht; aber auch die palästinensisehen Araber wie die anderen Völker des Orients sind heute in schnellem Fortschritt begriffen und setzen sich nationale Ziele. Das jüdische Aufbauwerk kann natürlich nur in einer Atmosphäre der Ruhe und des Wohlwollens gedeihen und wir Juden fordern daher, daß die Mandatarmacht ihre Pflichten, vor allem die Aufrechterhaltung der Ordnung, in Zukunft besser «füllt als bisher. Zugleich aber sind wir entschlossen, einen Weg der Verständigung mit den arabischen Nachbarn zu finden, einen Weg, der an Stelle von Feindschaft und Rivalität ein System schöpferischer Kooperation setzt, das Im Interesse beider Völker liegt und daher über kurz oder lang zustande kommen muß. Indem ich Ihrer Kundgebung den besten Erfolg wünsche und hoffe, daß sie dem Palästinawerk neue Freunde gewinnen wird, verbleibe ich, sehr verehrter Herr Graf, Ihr ganz ergebener A. Einstein. * Nach Graf Bernstorff erhält das Wort, von brausendem Beifall begrüßt, Bürgermeister Dr. Petersen. Bürgermeister Dr. Petersen: im Namen der hamburgischen Mitglieder des Deutschen Pro Palästina-Komitees heiße ich Sie auf das herzlichste in Hamburg willkommen und wünsche Ihren Arbeiten den besten Erfolg. Männer der verschiedensten Weltanschauungen haben sich in diesem Komitee zusammengeschlossen in der Ueberzeugung, daß seine Arbeit ein Werk der menschlichen Gcsittung ist, das sie zu fördern bestrebt sind, indem sie eine Heimstätte für Menschen schaffen, die andernorts keine wahre Heimat gefunden haben. Das, meine sehr geehrten Damen und Herren, möchte ich in diesem Zusammenhänge aber klar und deutlich aussprechen: daß wir keinesfalls eine Bewegung zu unterstützen in der Lage sein würden, die in irgendeiner Form den deutschen Juden ihr deutsches Staatsbürgerrecht und ihr Heimatsrecht zu bestreiten geeignet wäre. (Beifall.) Ich persönllch halte es gerade in der gegenwärtigen Zeit nicht für möglich, einen Zweifel aufkommen zu lassen, als ob das Heimatrecht unserer jüdischen Mitbürger in irgendeiner Form strittig sein könnte. (Beifall.) In der Pro Palästina-Bewegung handelt es sich für mich um etwas ganz anderes: nämlich um die Schaffung einer Freistatt für diejenigen, die eine solche Freistatt suchen. Wir wissen, wieviel daran noch fehlt, daß Palästina diese ersehnte Freistatt auch wirklich ist; wir wissen, daß dieses Ziel nicht nur durch Geld, sondern durch Aufwand hoher geistiger Energien und echter Menschenliebe erreicht werden kann. An dieser bedeutsamen Arbeit mitzuwirken, ist das Ziel des Pro Palästina-Komitees, ein Ziel, das wir alle bereitwilligst auf das herzlichste unterstützen! (Anhaltender stürmischer Beifall.) Hermann Philipp'Hamburg: Im Aufträge des Vorstandes der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg habe ich die Ehre, die Hamburger Tagung des Deutschen Komitees Pro Palästina hier herzlichst zu begrüßen. Die Liebe der Juden zum Heiligen Lande ist älter als das jüdische Volk selbst. Sie entspringt den Worten Gottes an Abraham: ״Deinen Nachkommen will ich dieses Land geben“. Diese Liebe hat niemals aufgehört, obgleich das Land seit nun fast 2000 Jahren vielfach seinen Herrscher gewechselt hat. Diese Liebe hat ihren unvergängliehen dichterischen Ausdruck gefunden in den Trostworten unserer Propheten, in den Klageliedern Jeremiä, in dem ergreifenden 127. Psalm, der mit den Worten beginnt: ״An den wassern Babels saßen wir und weinten“, in den Zionslicdern zahlreicher Dichter aller Zeiten, von denen ich nur den großen spanischen Dicht« and Philosophen des 12• Jahrhunderts Jehuda Halevy nenne, dem Heinrich Heine Im Romanzero ein Denkmal gesetzt hat und der durch die klassische Uebertragung des spraengewatiigen, uns leider zu früh entrissenen Franz Rosenzweig zu neuem Leben erweckt werdet» ist. ,Diese lieb« hat ihren Ausdruck gefunden in der ‘während der lernen 2V8 Jahrtausende niemals zum Stillstand gekommenen Wände* rung nach Palästina; sie findet noch heute ihren täglichen Ausdruck in unseren Gebeten, in der Hinwendung der betenden Juden der ganzen Weh gen Zion, der Stätte des einstigen Heiligtums. Ich glaube an den sehr engen Zusammenhang dieser ideaien Liebe, die ihre Wurzeln im Seelischen und im Religiösen hat, mit der modernen jüdischen Bewegung, die ihren kraftvollen Ausdruck im Zionismus gefunden und auch zur Konstituierung der Jewish Agency geführt hat. Sie wissen, daß das politische Ziel des Zionismus und der Jewish Agency nicht von allen Teilen des deutschen Judentums gefördert wird. Die Deutsch-Israelitische Gemeinde in Hamburg, welche Juden der verschiedenen religiösen Weltanschauungen und politisehen Richtungen umfaßt, nimmt m diesem Kampfe der Meinungen keine Stellung. Sie unterstützt aber tatkräftig das jüdische Siedlungswerk in Palästina und verfolgt mit inni״er Anteilnahme die in diesem Lande von den Juden auf allen ucbieten der Wirtschaft und der Kultur verrichtete Arbeit. Sie blickt mit Stolz auf die tapferen Pioniere, die unter den größten Entbehrungen ihr Leben dafür einsetzen, dieses verwüstete Land in einen blühenden Garten umzuwandeln. Daß diese Leistungen auch von Nichtjuden anerkannt und gefördert werden, ist uns eine freudige Genugtuung. Wir sind dankbar dafür, daß hervorragende deutsche Männer aller Parteien sich in diesem Deutschen Komitee Pro Palästina zusammengefunden haben, um sich für eine große jüdische Sache einzusetzen, mit der wir Juden, in welchem politischen Lager wir auch steilen mögen, uns stets verbunden fühlen. ״Im eschkachech Jeruschalajim, tischkach jemini. Es welke meine rechte Hand, vergesse ich jemals Dein, Jerusalem!“ (Anhaltender Beifall.) Dr. Heppner - Hamburg: Namens derHamburgerZionistischenVereinlgung ist mir der ehrenvolle Auftrag zuteil geworden, Sie, verehrte Herren vom Deutschen Komitee Pro Palästina, und die Kundgebung, die Sie zum erstenmal ln Hamburg veranstalten, auf das herzlichste zu begrüßen. Wir Zionisten haben natürlich ein besonderes Interesse an Ihrer Tätigkeit, denn das Programm, zu dessen Durchführung Sie sich zusammengeschlossen haben, führt im letzten zu demselben Ziel, das der Zionismus seit mehr als 30 Jahren innerhalb und außerhalb der Judenheit propagiert hat und für dessen Durchführung die besten unserer Menschen in diesen Jahren ihre Arbeitskraft eingesetzt haben. Der Zionismus will für das jüdische Volk eine Heimstätte in Palästina, nicht etwa aus sentimentaler Schwärmerei, auch nicht etwa nur auf Grund des formellen Rechts, wie es in der Balfour-Deklaration in Völkerbund festgelegt wird, sondern aus dem Bewußtsein des historischen Rechtes eines alten Kulturvolkes, das in zwei Jahrtausenden seiner Leidenszeit nicht aufgehört hat, in wechselnden Formen, aber immer mit der gleichen Inbrunst und Intensität seine nationale Wiedergeburt zu erträumen, zu erflehen und zu erbeten, und das jetzt unter anderen Verhältnissen bereit ist, diese nationale Wiedergeburt mit eigener Kraft zu erarbeiten. Dazu aber bedarf es unbedingt des Verständnisses bei allen Völkern; dazu brauchen wir Freunde und Förderer in allen Lagern, denn ohne Waffen und ohne weitliehe Machtmittel wouen wir dieses gewaltige und schwierige Werk der jüdischen Renaissance-Bewegung a hn Widerständen zum Trotz durchführen, weil wir fest überzeugt sind, daß nur dieser Weg eine Möglichkeit zur Lösung der Judenfrage gibt, weil wir aer Welt das wahre Gesicht des freien, produktiv schaffenden, produktiv sein Leben gestaltenden und mit dem Heimatboden verwurzelten Juden zeigen können. Wenn wir Zionisten ihr Interesse für unser Auftauwerk so herzlich begrüßen und wenn wir die Mitarbeit geistiger Führer aus allen Nationen und allen Lebenssphären so dankbar anerkennen, so