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Jüdische Rundschau · 1930-02-21 · Heft 15 (21.2.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 15 (21.2.1930)
Date
1930-02-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Etnzcbmmmcr 0,25 Goldmsrh JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldtnark. Amlandnabonnementa werden in der Währung der •iiueelnen Länden berechnet. An7*3ieenprei»; H *e*p Nonpireilleeeile 0,50 G.-M. Stellengetuch• 0,25 G.-M. Nummer iS Berlin, 21. II. 1930 Redaktion Verlag und Anzeigen -Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., BerlinW15, Meinekestr. 10 Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. A1»z«igea3€kSu£; Dienstag und Freitag nachmittag• 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Po« t* check -Konten: Berlin!73 92, Batet V 9355. Belgrad 600 32 Brüssel 394 33 Budapest 596 93, Danzig 1973. Haag 140 4 70, Prag 594 IQ, Straaehurc 164 30, Warschau 190708, Wien 156 030. Bank •Konten: Darmeildter und Nattonelbank, Depoeiten Ka«ae Btrlia, KurHirstendamm 52: Banca de Es!, Cernauti (Rumänien): Axtglo Paleetine Ca. in Haifa, lerusalem, lef Aviv כ״ג שבט׳ תי״צ 1 XXXV. Jahrg. *י_■ per Zionismus erstrebt «flr das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.‘* Jewish Agency Von Kurt Blumenfeld. Wir haben in der letzten Nummer den Artikel von Oscar "Wassermann über Jewish Agency abge• druckt, ln dem nachfolgenden Artikel erwidert Kurt ־Blumenfeld auf Wassermanns Ausführungen. Bcd. Ein großer und entscheidend wichtiger Teil der Weltjudenheit hat in Zürich am 12. August 1929 mit der Zionistischen Organisation einen Bund zur Verwirklichung der dem jüdischen Volk im Palästinamandat international zugesicherten Rechte geschlossen. Es handelte sich um den Eintritt von Nichtzionisten in die im Artikel 4 des Palästinamandats als jüdische öffentliehe Körperschaft anerkannte Jewish Agency, deren Aufgabe die Mitwirkung an der Errichtung der Jüdisehen Nationalen Heimstätte ist. Die Unterzeichner des Agency-Vertrages haben durch ihre Unterschrift dem Palästinamandat in allen seinen Teilen zugestimmt, auch der Präambel, in der die historische Verknüpfung des jüdischen Volkes mit Palästina als Grundlage für die Wiedererrichtung seiner Nationalen Heimstätte in seinem Lande ausdrücklich anerkannt wird. Die in Zürich vertretene Judenheit hat sich verpflichtet, dem Palästinawerk erhebliche materielle Mittel zur Verfügung zu stellen, um ein schnelleres Tempo der bisher allein von der Zionistischen Organisation geführten Kolonisationsarbeit herbeizuführen. Der Agency-Vertrag bezieht sich ausschließlich auf die gemeinsame Arbeit für Palästina. Ueber die Be- Ziehungen zwischen Zionisten und Nichtzionisten außerhalb Palästinas sind keine Abmachungen getroffen worden. Es war klar, daß Zionisten und alle Schattierungen von Nichtzionisten in voller Freiheit ihre Anschauungen wie bisher vertreten werden. Keinem der beiden Partner steht ^zu, soweit ” sei denn, daß diese Anschauungen in unmittelbarem Zusammenhang mit den Arbeiten für die Verwirklichung der Balfour-Deklaration stehen. Ob ein Nichtzionist sich zum jüdischen Volke rechnet, ist seine Sache, es ist ihm auch unbenommen, Erklärungen über die Existenz dieses Volkes abzugeben oder neue Vokabeln zur Be- Zeichnung des jüdischen Oesamtzusammenhanges zu finden. Er kann selbstverständlich auch die Bedeutung der Jüdischen Nationalen Heimstätte wesentlich anders einschätzen als ein Zionist. Zionismus ist Anerkennung des Primats Palästina, Nichtzionismus braucht mit dieser Anerkennung nicht verbunden zu sein. * Unter diesen Voraussetzungen muß der Artikel von Oscar Wassermann gewürdigt werden. Die Bedeutung dieser Veröffentlichung liegt vor allem darin, daß der Führer des deutschen Zweiges der Jewish Agency, der Vorsitzende des Keren Hajessod, der Mann, der seit zehn Jahren von der gesamten deutschen Judenheit als der hervorragendste Repräsentant des Palästinagedankens in der nichtzionistischen Welt empfunden wurde, für die Stellung von Nichtzionisten und Zionisten Formulierungen wählt, denen im Interesse unserer gemeinsamen Arbeit widersprochen werden muß. Der Wert der Balfour-Deklaration wird von Wassermann anerkannt, aber das Wort ״Nationalheim“, das ihren entscheidenden Inhalt bildet, durch das sie überhaupt erst ihren Sinn erhält, wird vom nichtzionistischen Standpunkt als ״nicht glücklich“ empfunden, da es zu Mißdeutungen führen könne. ״Schlechtes Wort aber sollte gutem Werke nicht schaden“, sagt Herr Wassermann weiter, und er erklärt dann, was er für gutes Werk hält und was abgelehnt werden müsse. Wir halten Wassermanns Feststellung, Palästina könne nur für die in Palästina wohnenden Juden ein Nationales Ffeiin sein, für eine Verkennung des wahren Sinnes dieses im Völkerrecht neuen Wortes. Nur durch seine universeile Bedeutung bekommt der Begriff ״Nationalheim“ erst seinen Charakter, nämlich durch seine ideelle Beziehung zu dem Judentum in aller Welt. Dies unterscheidet die jüdisch e Beziehung zu Palästina z. B. von der arabischen. Auch die arabische Bevölkerung Palästinas hat dort ihr ״Heim“, aber sie ist kein Zentrum für das Arabertum, während der jüdische Jischuw Palästinas eine zentrale Funktion hat und dadurch erst das ״Nationalheim“ schafft, das uns einen Anspruch auf Palästina gibt. Herr Wassermann begnügt sich jedoch nicht mit einer Darlegung des nichtzionistischen Standpunktes, sondern erklärt auch den Standpunkt der Zionisten. Abgesehen davon, daß eine solche Deutung der Meinungen des anderen Partners immer mit einem gewissen Risiko verbunden ist und daher besser dem Beteiligten selbst überlassen bleiben sollte, dürfte dieser Deutungsversuch schon deshalb der Sachlage nicht gerecht werden, weil er augenscheinlich nur zu dem Zweck angestellt wird, um eine gegnerische Oeffcntlichkeit leichthin durch gewollte Abschwächungen zu beruhigen. Es ist nicht richtig, daß nur sehr wenige Zionisten die nationale Heimstätte in Form eines ״Judenstaates“ errichten wollten, wenn die äußeren Möglichkeiten gegeben wären. Es ist vielmehr richtig, daß es kaum einen Zionisten gibt, der nicht freudig und von ganzem Herzen die Errichtung eines Judenstaates begrüßen würde, wenn die äußeren Bedingungen eine solche Staatengründung zulassen würden. Gewiß tragen wir der Tatsache Rechnung, daß Palästina kein leeres Land ist, und in der Ueberzeugung, daß die volle Verwirklichung unserer Hoffnungen in einer großen geschlossenen jüdischen Siedlung bei voller freier nationaler Entwicklung auf allen Lebensgebieten möglich ist, haben wir der Fassung der Balfour-Deklaration zugestimmt. Auf der vollen Verwirklichung der Balfour-Deklaration und des Mandates, dem Wortlaut und dem Geiste nach, müssen wir aber bestehen, damit uns jtie Arbeit der zionistischen Bewegung überhaupt noch sinnvoll erscheinen kann. Die Besiedlung Palästinas und die Erfüllung aller Hoffnungen, die auch in nichtzionistischen Freunden des Palästinawerkes leben, sind nur möglich, wenn Millionen Juden außerhalb Palästinas glauben, daß ihr jüdisches und menschliches Schicksal in Palästina entschieden wird. Gewiß erstreben wir ein hohes geistiges Niveau im jüdischen Palästina, aber wir glauben, daß dieses Streben zur Unfruchtbarkeit verurteilt ist, wenn man es offen oder verkappt in Gegensatz setzt zu den mit dem Gelingen des Werkes untrennbar verbundenen quantitativen Forderungen. Herr Wassermann lehnt Palästina nicht nur als das Kulturzentrum für die jüdische Welt ab, sondern glaubt auch, es bestehe eine Möglichkeit der Pflege jüdischer Kulturgüter jm Galuth in flqtf .form, 415״ fl»; f fl§f||| und fruchtbaren Entwicklung im Galuth, so würde« sich alle Anstrengungen für ein jüdisches Palästina erübrigen. Glaubt man daran, daß die 15 oder 16 Millionen Juden zu einer jüdischen Kollektivleistung fähig sind, die sich den Leistungen der jüdischen Vergangenheit würdig anzuschließen vermag, so wäre der Gedanke, daß diese Millionen sich jüdisch als Zubehör einer nationalen Heimstätte betrachten, wirklich absurd. Der Gedanke von dem Rest, der zurückgekehrt ist, ist ein urjüdischer Gedanke und ein Gedanke, den gerade Herr Wassermann schon wiederholt in schöner Form ausgeführt hat. Es ist nicht meine Sache festzustellen, welche Ziele die Nichtzionisten in Palästina ersehnen. Es ist aber unser aller Pflicht, zu untersuchen, welche Argumente für das Palästinawerk die Kraft haben, die jüdische Welt zu großen Opfern zu veranlassen. Ich bin überzeugt, daß Herr Wassermann, der mit der Palästina-Sache aufs tiefste verknüpft ist, dessen Leben durch die Arbeit für die Errich* tung der Jüdischen Nationalen Heimstätte in Palästina geradezu gekennzeichnet ist, zu der Meinung gekommen ist, man könne durch eine Darstellung, wie er sie gewählt hat, dem Palästinawerk neue Freunde gewinnen, die mit ebenso regem Interesse wie er selbst am Aufbauwerk teilnehmen werden. Unsere Erfahrungen widerspreche# di©-, ser Annahme. Man wird aus dem Artikel willkomme® Argumente gegen den Zionismus entnehmen, aber min wird nicht das tun, was der Verfasser in Wahrheit will: überzeugt für Keren Hajessod und Jewish Agency mit Wort und Tat eintreten. Für eine so begrenzte Sache kann man sich nur sehr bedingt einsetzen, und Palästina braucht in diesen Jahren das volle große Interesse der gesamten jüdischen Welt. Hat ein Jude empfunden, daß dort unsere Tage erneuert werden sollen, war es ihm einmal vergönnt, den Traum von der Wiedergeburt jüdischen Lebens in Erez-Israel zu träumen, dann kann er auch als ein Nichtzionist — das heißt als ein Mensch, der sein persönliches Schicksal nicht in Palästina entschieden sehen will — mit ganzer Kraft an unserer Arbeit teilnehmen. Aber auch er braucht die Fülle jüdischer Erinnerungen und jüdischer Hoffnungen, um sich für die Palästina•• Sache erwärmen zu können, und auch er muß sich schließlieh doch einmal eindeutig entscheiden- Herr Wassermann geht mit uns Zionisten einen gemein* samen Weg. Wir erblicken in ihm einen der wichtigsten Führer der gesamten Jewish Agency. Er formt mitjjUlfcjjigg 41111 daß es die Einheit der Judenheit erweisen wird. Er hat oft die Ueberzeugung ausgesprochen, daß der Charakter der jüdischen Siedlung letztlich nicht von uns, sondern vom Jischuw bestimmt werden wird, und daß das Bild dieses Jischuw unwiderleglich zeigen wird, was eigentlich Sinn und Inhalt des Judentums ist. Und gerade weil wir dies alles wissen, und wejl auch dies in dem Artikel von Oscar Wassermann zum Ausdruck kommt, durfte ein Wort des Widerspruchs nicht fehlen. Palästina-Kundgebung in Hamburg Veranstaltung des Pro Palästina •Komitees — Reden von Bürger• meister Dr. Petersen und Oberbürgermeister Brauer — Kundgebungen von Max Warburg und Einstein ־llpiäö Am 17. d. M. fand in Hamburg Im Hotel Atlantik unter dem Vorsitz von Graf Bernstorff eine Kundgebung des Deutschen Komitees Pro Palästina statt. Es waren etwa 1300 Personen anwesend, darunter viele Nichtjuden, Persönlichkeiten aus akademischen Kreisen usw., sowie Vertreter aller Zeitungen. Die Reden wurden durch Lautsprecher in den Nebensälen verbreitet. Nach einer längeren BegrliSungs-Anspräche des Vorsitzenden Graf Bernstorff, in deren Verlauf er auch die Briefe von Max Warburg und Prof. Einstein verlas, hielt, von begeistertem Beifall begrüßt, Bürgermeister Dr. Petersen, das staatliche Oberhaupt der Stadt Hamburg, eine Ansprache, in welcher er sich sehr eindrucksvoll zu den jüdischen Palästina-Bestrebungen bekannte. Hierauf sprach namens der deutsch-israelitischen Gemeinde Herr Hermann Philipp, Hamburg, und namens der Hamburger Zionistischen Vereinigung Dr. Heppner. Es folgte eine Anspräche von Oberbürgermeister Brauer (Altona), die mit großem Verständnis die jüdische PalMstinabewegung würdigte. Dann sprach Kurt Blumenfeld, Vorsitzender der Z.V.f.D. Mit einem kurzen Schlußwort des Vorsitzenden Graf Bernstorff wurde der denkwürdige Abend abgeschlossen. Wir geben nachstehend einen ausführlichen Bericht über den Verlauf der Veranstaltung. Graf Bcrmtorffs Eröffnungsrede: Als Präsident des Deutschen Komitees Pro Palästina habe ich die Ehre, die heutige Versammlung zu eröffnen und Ihnen meinen herzlichsten Dank dafür auszusprechen, daß Sie so zahlreich erschienen sind. Insbesondere darf ich auch meinem Freunde, dem Herrn Bürgermeister Petersen, danken, daß er heute zu uns gekommen ist. Das Pro Palästina-Komitee ist gebildet worden unter warmer Förderung seitens der Reichsregierung, und diesem Komitee gehören führende Mitglieder aller Parteien an, so daß wir sagen können, daß wir die berufenen Vertreter der Reichsregierung und der öffentlichen Meinung Deutschlands hinter uns haben. Das Programm lautet: ״Das Deutsche Komitee Pro Palästina zur Förderung der Jüdischen Pa* iästinasiedlung wird in der Ueberzeugung, daß der Aufbau der im Palästinamandat vorgesehenen Heimstätte für das jüdische Volk als ein Werk menschlicher Wohlfahrt und Gesittung Anspruch auf die deutschen Sympathien und die tätige Anteilnahme der deutschen Juden hat, bemüht sein, die deutsche Oeffcntlichkeit über das jüdische Kolonisationwerk in Palästina aufzuklären, die Beziehungen zwischen Deutschland und Palästina zu pflegen und allgemein die Erkenntnis zu verbreiten, daß das jüdische Aufbauwerk in Palästina ein hervorragendes Mittel für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Orients, für die Ausbreitung deutscher Wirtschaftsbeziehungen und für die Versöhnung der Völker ist.“ Graf Bernstorff verliest sodann die unten wiedergegebenen Briefe von Max Warburg und Prof. Einst ein und fährt dann fort: Meine Damen und Herren! Sie werden mir vielleicht gestatten, noch einige Worte persönlicher Art zu sagen. Ich möchte daran erinnern, daß ich dazu gekommen bin, hier ais Präsident des Pro Palästina-Komitees vor Ihnen zu stehen, weil ich während der zweiten Hälfte des Krieges Botschafter in Konstantinopel war. Die Idee der Errichtung eines Nationalen Heims für die Juden in Palästina ist nicht plötzlich am Ende des Krieges durch die Balfour-Deklaration neu aufgetaucht, sie bestand schon seit längerer Zeit und ist auch von der deutschen Regierung schon vor der Revolution aktiv betrieben worden, und zwar sind diese Verband- Jungen damals durch mich als Botschafter ln Konstantinopel geführt worden. Damals schon bestand die Absicht unsererseits, falls wir einen anderen Ausgang des Krieges erlebt hätten als wir leider erlebt haben, eine ähnliche Forderung■ an die damals in Palästina herrschende Türkei zu stellen. Ich habe damals wochenlang unter Assistenz vieler der Herren, die heute an diesem werk tätig sind, in der Türkei mit 1

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