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Jüdische Rundschau · 1930-02-18 · Heft 14 (18.2.1930) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 14 (18.2.1930)
Date
1930-02-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 14. 18 II1030 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite Ö5 Die Aufgabe der Osijudcn in Deutschland (Zur Reichskonferenz der ostjüdischen Organisationen.) Am 23. ds. Mts. treten die Delegierten der ostjüdischcn Organisationen in Magdeburg zu ihrer diesjährigen Tagung zusammen. Mit besonderem Interesse verfolgen wir seit Jahren die Entwicklung der ostjüdischen Organisationen in Deutschland, weil wir in einer straffen ostjüdischen Organisation einen starken Stützpunkt unserer nationalen und Palästlnabcweguiig neben. Schon in den Auswanderunpündem, aus denen unsere ostjüdischcn Brüder zu uns kamen, waren sic in den meisten Fällen Träger der nationalen Bewegung und das zionistische ideal, das heute Gemeingut der großen Mehrheit des Judentu ins wird, hatte in den östlichen Ländern seine eifrigsten Be• kcnncr. Auch der Großteil unserer palästinensischen Pioniere ging aus den Kreisen der Ostjuden hervor. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn im Zionismus, als dem Träger einer Volksbewegung, die geographischen Grenzen verschwanden und sich das gesamte Judentum zu einer Einheit formte. Wir deutschen Zionisten begrüßten die Zuwanderung aus dem Osten um so freudiger, als wir doch in unseren östlichen Brüdern das Element sahen, das belebend und befruchtend auf das jüdische Leben in Deutschland wirken mußte. In den jiidisehen Gemeinden in Deutschland hatte das jüdische Interesse abgenommen. Taufen und Mischehen dezimierten das deutsche Judentum, von einem geistigen jüdischen Leben war wenig zu spüren. Es war darum von großer Bedeutung, daß die nach Deutschland aus dem Osten zugewanderten Juden neuen Ocist und neues Leben in die jüdischen Gemeinden trugen. Leider wurden die Ostjuden von den Machthabern in vielen deutschen Ocmeinden nicht verstanden. In vielen Gemrinden wurden sie als Fremde behandelt und die Tore dieser Gemeinden blieben ihnen bis zu dem Tage verschlossen, als die zionistische Bewegung sich für ihre Gleichberechtigung im jüdischen Gemeindeleben cinsetzte. Aber leider stand auch dn Teil der Ostjuden selbst diesem Kampfe um die Gleichbcrcchtigung verständnislos gegenüber. Es soll uns kein Vorwurf daraus gemacht werden, wenn wir heute gerade in der Stunde, wo sich die Ostjuden in Deutschland zu ihren Beratungen versammeln, auf diese Fehler hinweisen. In den Kchilloth des Ostens gab es keinen Kampf um positives Judentum, weil dieses Judentum selbstvcrständ-!ich positiv jüdisch eingestellt war. Es war daher auch keine Gefahr vorhanden, wenn in den jüdischen Gemeinden um Pcrsonalfragen gestritten wurde. Ganz, anders aber in Deutsch-!and! Hier gilt es vor allem, die jahrzehntelange Herrschaft des jüdischen Liberalismus, der allmählich in das Reform- Judentum übergeht, und alles Jüdisch-Positive aus den Gemeinden zu verdrängen droht, zu brechen, und neuen lebendigen jüdisch-positiven Geist in die jüdische Gemeinde zu tragen. Es tut daher in Deutschland besonders not, eine einhdtliche Front der gesamten nationalen Judenheit heraistellen. in dieser nationalen Front des deutschen Judentums bildet das Ostjudentum einen sehr wertvollen Mitkämpfer. Es muß daher auch die Aufgabe dieser Tagung sein, alle vorhandenen Kräfte zu sammeln und sie in diese EinheitsfronLJfilnzpglkdera. Zusammen pH den ©stjadischen Brüdern wollen wir den Kampf fortführen bis zu dem Tage, wo an Stelle des schlecht verstandenen Liberalismus bewußter jiidischer Volksgeist in die jüdischen Gemeinden dnziehi Aber auch unsere Palästinabewegung erfordert die Sammlung aller vorhandenen Kräfte. In Erez-Israel kämpfen wir um unser Sein oder Nichtsein und die Galuth hat die wichtige Aufgabe, unsere Palästinafront zu stärken. In schwerer Arbeit eroberte P0T Honen müssen in Er4z-Israe! gestärkt und ausgebaut werden. In Erez-Israel stellte das Ostjudentum das größte Kontingent an Chaluzim, in der Gaiuth muß cs das größte Kontingent an Mitarbeitern stellen, um diese Chaluzim in ihrem schweren Kampfe bei dem Aufhau unseres Heims zu unterstützen. Nur in gemeinsamer Front des gesamten nationalen ludentums können wir unser Ziel erreichen. י Die Ostjuden, die sich in Magdeburg zu ihrer Tagung ver* sammeln, sollten sich dieser Aufgabe bewußt werden. -e. -e. Traocr um Paal Lcvy Die Einäscherung Paul Levys im Wilmersdorfer Krpmatorium am 12. d. M. versammelte eine große Anzahl von Freunden und Kampfgenossen des plötzlich auf tragische Weise verstorbenen großen Anwalts und Arbeiterführers. Die meisten linksstehenden Zeitungen, aber auch die bü־ger!i:he Presse, widmeten Paul Levy ehrende Nachrufe, in denen der Respekt vor der Reinheit seines Wollen», der Ritterlichkeit seiner Kampfesweise und der Energie seines politischen Wirkens zum Ausdruck kamen. Sonntag, den 16. d. M. veranstaltete die Liga für Menschenrechte eine Gedenkfeier für Paul Levy, an welcher sich ein weiterer Kreis von Oesinnungsfreunden Lews beteiligte. Sowohl bei der Ein* uscherung wie aucli bei der Oedenkfeler der Liga für Menschenrechte wurden Gedenkansprachen für den Toten gehalten. Auffallend war, daß ausnahmslos alle Sprecher Juden gewesen sind. Es ist merkwürdig, daß Paul Lew, der an jüdischen Angelegenheiten wenig In'.e crse nahm, nt seinen intimen Mitarbei'ern und Weggenossen nur Juden zählte. Allerdings zumeist solche, die gleich ihm für aktudie jüdische Probleme weder Interesse noch Zeit aufbringen. Sicher hat Paul Levy auch unter Nichtluden viele Freunde und vertrauende sowie vertraute, Gefährten gehabt. In seinem privaten Leben jedoch war er gleich den meisten Juden auf den Verkehr mit Juden angewiesen. 50 umschließt das unsichtbare gesellschaftliche Ohetto nicht nur diejenigen Juden, die sich bewußt jüdischen Angelegenheiten widmen, sondern auch Menschen jü.ischer Abstammung, die ihre Lebensarbeit außerjüdischen Problemen weihen. Das Judenproblem, ein obicktives Phänomen, umfaßt, ob sie sich dessen bewußt sind oder nicht, alle Juden, die als Juden von der nichtjüdisehen Umgebung unterschieden werden. tu. w. Bautätigkeit in Tei-Awiw. Die nach den Unruhen unter der Judenschaft von Jaffa entstandene Bewegung zur Ab- Wanderung nach der jüdischen Stadt Tel-Awiw hält an. In den letzten 14 Tagen haben weitere 15 jüdische Ladeninhaber Jaffas die Uebersiedlung nach Tel-Awiw vollzogen. Als Er* gebnis dieser jüdischen Abwanderung aus Jaffa wird eine Wiederbelebung der Bautätigkeit in Tel- Awiw und eine weitere beträchtliche Ausdehnung der Stadt erwartet. Die Ziegel- und Schieferplattenfabrik der Palestine Silicate Company in Tel-Awiw wird in den nächsten Tagen wieder eröffnet.’ Pressesdiau Die ״Quart er ly Review“, eine der ältesten und bekanntesten englischen Zeitschriften, bringt im Januarheft einen umfangreichen Aufsatz, von SIdn ey Dark ״Der Zionismus und die Juden“. Der nichtjüdische Verfasser hat sich eingehend und liebevoll mit der Geschichte, Literatur und ganzen Problematik der Juden befaßt, und bringt auch dem Zionismus warme Sympathien entgegen. Er meint, er habe von seinem Standpunkt aus zwar das völlige Aufgehen der Juden in der europäischen Kultur, die sie so sehr bereichert hätten, gewünscht: aber man müsse eben in Rechnung stellen, daß sich jahrhundertelange Verfolgung nicht so leicht vergessen lasse und daß die Juden sich nicht restlos assimilieren wollten. Für England sei die Unterstützung des Zionismus in hohem Maße nützlich. Denn einerseits würde die lange mohammedanische Küstenlinie am Mittelländischen Meer durch ein jüdisches Palästina durch* brochcn, was besonders wegen der Bedeutung des Haifaer Hafens und der wachsenden Wichtigkeit Palästinas als Station aut dem Luftwege nach Indien wertvoll sei. Andererseits aber habe England durch die Balfour-Oeklaration die Sympathien der Wcltjudcnheit, die vor dem Kriege zum großen Teil auf Seiten Deutschlands gewesen seien, für wen gewonnen, -*• ein großer Gewinn, der leider durch die törichte Agitation gewisser Bluter (gemeint ist wohl die Rothermere-Prcsse usw.) für die Aufgabe des Mandates gefährdet werde. Palästina sei stark unter Völker t und seine natürlichen Reichiümer zum großen Teil noch unausgebeutet; daher vertrage da» Land noch eine beträchtliche Einwandcrung, deren beschleunigte Durchführung auch durch Sinn und Wortlaut des Mandates gerechtfertigt werde. Obgleich die Juden erst 18 bis 10 ס/יי der Bevölkerung bildeten, zahlten sie 40 "/׳> der Steuern: die beliebte Behauptung, daß Palästina der Mandatsmacht viel koste, sei eine Zeitungsc 111e. Dark, der Palästina kennt und über eigene Informationen verfügt, stellt nicht an zu erklären, ,,daß die Schwäche der Regierung fast gänzlich für die jüngsten Angriffe auf die jüdischen Kolonien verantwortlich zu machen“ sei; man habe die britische Gendarmerie nicht entlassen dürfen. Das von einigen gebildeten Arabern verlangte Selfgovernment sei ein Unding ohne ein Wahlrecht nur für solche, die lesen konnten (literate sufrage). Der tatsächlich vorhandene Widerstand gegen die jüdische Einwanderung werde von der arabischen Intelligenz gröblich übertrieben. Sicherlich hätten die Zionisten auch Fehler begangen, aber die Führung läge in den Händen von Männern von hervorragenden Charaktereigenschaften und Fähigkeiten, die entweder englische Staatsangehörige oder doch in ihrer Gesinnung entschieden cnglandfreundllch seien. So sei der Zionismus mehr als ein schöner Traum, für den man ihn früher gehalten habe, — nämlich eine bedeutsame Angelegenheit politischer Praxis. Die amerikanische Monatsschrift ״Current Histary", die schon im vorigen Oktober die Unruhen in Palästina in zwei Artikeln vom jüdischen und arabischen Standpunkt aus behandeln ließ, bringt neuerdings wiederum zwei noch ausführlichere und tiefer dringende Aufsätze zum Palästina-Problem: einen von Emin Rihatti, einem arabischen Schriftsteiler, der vor einiger Zeit eine arabische Delegation zum amerikanischen Außenminister Slimson geführt hat, den anderen von Meyer M. Weitgal, dem Redakteur des zionistischen ״New Palestine“. Der Artikel des Arabers enthält, außer einer glorifizierenden Skizze der arabischen Unabhängigkeltsbewegung, folgende Argumentation: Die Balfour-Deklaration spreche sich nur für die Errichtung einer Jüdischen Nationalen Heimstätte •l n Palästina aus, was noch Itigst picht bedeute, daß ganz Palästina zu einer Nationalen Heimstätte für die Juden gemacht werden solle. Die Araber würden sich jedem jüdischen Versuch, in Massen einzuwandern, aut das heftigste widersetzen, weil sie sich nicht aus dem Lande ihrer Väter vertreiben lassen wollten und überzeugt seien, daß das kleine Palästina unmöglich viel mehr a's seine gegenwärtige Bevölkerung ernähren könne. Tatsächlich gingen auch die Pläne der Juden zweifellos noch weiter, als auf den bloßen Besitz Palästinas; cs lägen genügend Anzeichen dafür vor, daß die Zionisten, wenn sie erst in Palästina die Mehrheit hätten, ihre Kolonisation auf die Nachbarländer ausdehnen wollten. Die Araber müßten sich gegen den politischen im Gegenteil, die Hebräische Universität und die Bezalelschule würden unter keinen Umständen belästigt werden! Die schon im Lande befindlichen Juden sollten die gleichen Rechte wie die Araber genießen, und für die Regelung der Einwanderung müßten Gesetze nach dem Muster der amerikanisehen (!) geschaffen werden. Diesem arabischen Plädoyer setzt Weisgal eine ausgezeichnete zionistische Verteidigung entgegen, in der besonders der Nachweis bemerkenswert ist, daß die Alliierten ihre Kriegsversprechungen an die Araber zu mindestens 75 י,/״ eingelöst hätten, und daß daher das arabische Oeschrei über den Verrat der Alliierten gänzlich deplaciert sei, da im allgemeinen Kriegsvcrsprechungen und -schulden zu erheblich geringeren Prozentsätzen eingelöst zu werden pflegten! Ferner dürfe man über der vlelberufenen arabischen Waftenhilfe für die Alliierten flicht die Dienste der jüdischen Legion und der palästinensischen Kolonisten bei der Eroberung Palästinas vergessen. Endlich habe Emir Feisal auf der Pariser Friedenskonferenz sich in einem Brief an Felix Frankfurter mit den zionistischen Zielen durchaus einverstanden erklärt, und sogar die wichtigen Dienste Weizmanns für die arabische Sache anerkannt. In der letzten Nummer befaßt sich die gleiche Zeitschrift mit der ״Jewish Agency“. Wi'l am Ztickerman (Londoner Korrespondent des ״Jewish Morning Journal“), stellt den letzten Kongreß als ״Ende des politischen Zionismus“ (!) dar, weil an Stelle der alten fanatischen ostjüdischen Idealisten moderne, meist nur philanthropische amerikanische Geschäftsleufe die Führung in der Jewish Agency übernähmen, — entsprechend der veränderten Lage, die nicht mehr die nationale Erweckung der Judenheit, sondern die schwierige praktische Kclonisationsarbeit zur Hauptaufgabe mache. Die wahre Stimmung im zionistischen Lager sei gegen die Agency gewesen, wenn sich auch auf dem Kongreß eine formale Mehrheit dafür gefunden habe. Hierauf erwidert Bernard G. Richards, daß einerseits die Zionistische Organisation so stark, bewährt, und in den Massen verwurzelt sei, daß man nicht sagen könne, sie würde vor den kommenden Aufgaben ohne die Hilfe der Nichtzionisten versagt haben, und daß andererseits auch die nichtzionistischen Mitglieder der Agency nicht bloße Philanthronen seien, die den Zionismus verfälschten, sondern zum großen Teil den Aufbau Palästinas als wirkliche Herzens- Sache ansähen. Deshalb müßten auch diejenigen Zionisten, die, wie Richards selbst, früher gegen die Agency mancherlei Bedenken geltend gemacht hätten, sie jetzt, da die Würfel gefallen seien, mit aller Kraft unterstützen. A. P. * In der nationalistischen Monatsschrift ״E n g I i s h R c - v i e w“, die kürzlich einen sehr tendenziösen antizionistischen Artikel von Brunton brachte, über den hier berichtet wurde, enthält in ihrer Januar-Nummer einen umfangreichen, objektiv gehaltenen Aufsatz von T. Dughlas MacDhomhnuill, der selbst mehrere Jahre in Galiläa tätig• war, über ״Problems in Palestine“, Besonders interessant ist seine Analyse des Arabertums und des arabischen Nationalismus. Er bezeichnet schon den Ausdruck ״Araber“ als einigermaßen ineführend, da es sich hier tun ein buntes, höchstens durch die Sprache geeintes Gemisch aus allen mögliehen Elementen handele, die 211 m Teil indogermanisches, zum Teil auch Negerblut in sieh hätten. Der arabische Nationalismus, wie die arabische öffentliche Meinung überhaupt, sei nur Sache einer dünnen gebildeten Oberschicht, während die Masse der Fellachen und Beduinen 711 einer geistigen Erfassung politischer Ereignisse völlig unfähig seien. Der arabische Nationalismus sei auch nicht, wie etwa" andere nationalistische Strömungen, als eine stark idealistische Bcwegung anzusehen, sondern abgesehen von ein paar Idealisten, die mit Stolz auf die große arabische Kultur zurückblickten und eine neue Blüte ersehnten, werde der Nationalismus vorwiegend von den Großgrundbesitzern gemacht, die sich nach den Zeiten der arabischen und türkischen Herrschaft zurücksehnten, weil sie damals die Fellachen ungehindert ausbeuten und beherrschen konnten. Diese Effendis seien besondere empört über die englische Verwaltung, weil diese die armen Fellachen als ihnen selbst gleichberechtigte Menschen behandele und das früher nie versagende politische Herrschaft«- mittel der Effendis, die Korruption, ausrotte. Vor allem aber hätten diese Großgrundbesitzer ihr Land oft in unrechtmäßiger, auch formell inkorrekter Weise erworben, indem sie Fellachen, die nicht lesen konnten, Dokumente unterzeichnen ließen, über deren Inhalt sic getäuscht wurden. So konnten die Fellachen oft glauben, noch Eigentümer des Bodens zu sein, wo sie in Wahrheit nur noch Pächter waren. Wenn nun die Großgrundbesitzer ihr!.and zu enormen Preisen an die Juden verkauft hätten und diese das Land in Besitz nehmen wollten, so richte sich die Wut der vertriebenen Fellachen oft nicht gegen die Fffendis, sondern auf die Juden, Zumal mau ihnen geflissentlich beibrächte, die Baltour-Deklaration bedeute die Auslieferung Palästinas an die Juden. Eine große Zahl naturgemäß verlorener Prozesse, in denen die Fellachen ihre Rechte auf den Boden geltend zu machen suchten, bestärke sie in dem Glauben, daß die Engländer mit den Juden, im Bunde ständen, und die Unmöglichkeit, sich in dem kleinen unfruchtbaren Lande anderweitig ihren Lebensunterhalt zu verdienen, habe ein übriges getan, um die Fellachen gegen Juden und Engländer aufzubringen. Diese Stimmung hätten die Effendis, die genau wüßten, wie man durch Entzündung־ des religiösen Fanatismus aus dem sonst leicht zufriedenen Fellachen ein reißendes Tier machen könne, in skrupelloser Weise ausgenutzt, um die letzten Massakers hervorzurufen. Der britischen Regierung wirft der Verfasser, ganz abgesehen von den miteinander unvereinbaren Kriegs- Versprechungen an Juden und Araber, besonders eine höchst verschwenderische Verwaltung vor. Er erwähnt als Beispiel Nazareth, ein Dorf von etwa 1000 Einwohnern, das eine Zeitlang drei ״governors“ hatte, mit Jahresgehältcrn von £ 120:), 1000 und 800. Die gröbsten Mißbräuche seien in den letzten Jahren abgestellt worden, aber die Verwaltung sei noch immer ziemlich verschwenderisch. A. P. Ans den Gemeinden Bekämpfung des wirtschaftlichen Antisemitismus. Im Anschluß an eine Debatte, die darauf hinausging, daß die Berliner jüdische Gemeinde sich in umfangreichem Maße an der Bekämpfung des Antisemitismus beteiligen soll und unter Bezugnahme auf ältere Anträge der Fraktion der Jüdischen. Volkspartei haben die Repräsentanten Rechtsanwalt Dr. Klecf Ministerialrat O0s 1 ar, Redakteur Waldmann und Genossen folgende Interpellation eingereicht: ״Was gedenkt der Berliner Gemeindevorstand zu tan, um angesichts der immer größer werdenden Arbeitslosigkeit judlscher Angestellter erneut mit einem starken und wirksamen Appell an die jül Arbeitgeber und an die leitenden jüdischen Männer in den Banken und anderen Aktiengesellschaften und Unternehmungen heranzutreten? Wie ist überhaupt der Stand der Arbeiten gegen den wirtschaftlichen Antisemitismus?“ i Dieser Antrag ist das Ergebnis von betrüblichen Fest- Stellungen, die sowohl das jüdische ArbdtsvermMungsamt wie auch die Gemeinde selbst in der letzten Zeit machen konnten. Nicht nur, daß große nichtjüdische Konzerne und kleinere Firmen Juden prinzipiell nicht anstellen, hören, welche es ablehnen, jüdische Arbeiter zu beschittigen. Es geht 90 weit, daß ein jüdischer Firmeninhaber dem schäftige, Andere jüdische Firmeninhaber geben an, daß sie mit Rücksicht auf ihre nichtjüdischen Angestellten, die antisemitisch seien keine Juden zu besch äftigen vermögen. Dabei handelt es sich in vielen Fälleu um jüdische Persönlichkeiten, welche im Kampfe gegen das Judentum gegen die Juden ausgcspie.lt werden. Diese Menschen belasten also die jüdische Gemeinschaft in starker Weise, ohne aber die Verpflichtung anzuerkennen, der jüdischen Gemeinschaft zu dienen. Hierbei würde es sich seitens der jüdisehen Unternehmer selbst bei einer Bevorzugung jüdischer Angestellter nur um einen gerechten Ausgleich handeln, denn von nichtjüdischen Unternehmern werden Juden nur wenig beschäftigt. Hier kann, wenn auch nicht vollständig, nur jüdische Selbsthilfe Wandel schaffen, wie der Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde, Dir. Kareski, in einer Veranstaltung des Frontbundes am 10. d. M. ausgeführt hat. Es ist jedenfalls die höchste Zeit, daß die jüdisehen Körperschaften ihr Interesse diesem brennenden Problem zu wenden und alles in Ihrer Macht Stehende zur Linderung der Not der jüdischen Arbeitnehmer beitragen. Der Hilfsverein für das jüdische lünderhaus Koumo. Die Nachricht von dem Brand, dem das jüdische Kinderhaus in Kowno, die zentrale jüdische Kinderschutzorganisation Litauens, zum Opfer gefallen ist, hat den Hilfsverein der Deutschen Juden veranlaßt, eine Hilfsaktion einzuleiten. Es wurde sofort telegraphisch ein Betrag überwiesen. — Auf Initiative des Hillsvereins hat sich eine Anzahl von Damen zusammengcschlossen, die sich zur Aufgabe gemacht haben, das Hilfswerk für das notleidende jüdische Kind in Litauen zu unterstützen. Im Hause des Präsidenten des Hilfsvereins, Herrn Dr. James Simon, fand unter seinem Vorsitz eine Besprechung statt, der Frau Professor Einstein, Frau Emil Baerwald, Frau Alice Weil, Frau Jacob Michael, Frau Dr. Bernhard Kahn, Frau Dr. Margot Rosncr, Frau Professor Mittwoch, Frau Erna Feder, Frau B. Grüngard, Frau F. Bloch, Frau Dr. Rahel Wischnitzer, Frau Professor Schur, Frau Dr. Lina Soloweitschik, Frau Dr. Zweigenhaft und Frau Boris Bernstein beiwohnten. Es sprachen Dr. Lu bins ki, der frühere Leiter des Kinderhauses in Kowno, Dr. James Simon und Dr. Wischnitzer. Die anwesenden Damen konstituierten sich zu einem Komitee. in der Langegasse zu Prag ist vor kurzem ein mit einem Aufwand von mehr als 20MillionenKc errichtetes Bet Haam (Jüdisches Volkshaus) von fünf Stockwerken eröffnet worden.

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