Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 14 (18.2.1930)
- Date
- 1930-02-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 94 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 14, 18. TI,!930 Wort des Bedauerns über die Massakre von Hebron zu dringen. Das äußerste, was der Mufti sagte, war folgendes: ״Wir haben nichts gegen die Juden, wir wollen ihre Freunde sein. Wir denken nicht daran, sie zu vertreiben, und rind bereit, Garantien zu geben, daß sic in gewisser Zahl weiter cinwandem. Was wir brauchen, ist ein Parlament und in diesem die Mehrheit.“ Ludwig fügte hinzu: ״AU ich diesen vernünftig klingenden Bescheid den beiden anderen Parteien weitergab, hieß es, man müsse die Untersuchungskommission abwarten und ihren Bericht vor dem Unterhaus.“ Verständnisvoll ist Ludwigs Kritik am Verhalten der Zionisten. Er schreibt: ״Die Fehler der Zionisten sind nicht zu leugnen, vielleicht zu entschuldigen. Wenn sie sich in diesem Jahrzehnt um die Araber nicht genug gekümmert haben, so wird solche Unterlassung aus den Schwierigkeiten verständlich, die ihnen ein neues Leben in ungewohntem Klima bereitete, wo beinahe alle erst ihre eigene gemeinsame Sprache studieren und das Arabische zurückstallen mußten, um das Hebräische zu erlernen. Der weite Fehler, daß sic zu viel Lärm gemacht haben, entsprang der Notwendigkeit, durch Propaganda eine Welt zu interessieren, ohne deren Spenden sie verloren waren. Sicher hingen die Attentate mit den allzu geräuschvollen Erfolgen zusammen, denn drei Tage, nachdem die Zionisten im vergangenen August ihren Pakt mit den amerikanischen Juden in Zürich geschlossen hatten, brachen die ersten Unruhen in Jerusalem aus. Auch daß sie im Jahre 1928 die Vorgänge an der Klagemauer aus der religiösen in die nationale Sphäre hinübergespielt, sich also mit einem Problem belastet haben, das sie direkt gar nichts anging, war ein Fehler; denn als solche sind die Zionisten nicht religiös, und ihre Bewegung führt von den Bräuchen und von der Bibel eher fort, als zu ihnen hin. Schließlich hat das Wort vom ,Judenstaat“, geprägt von Herzl, im vollen Schwünge seines Idealismus, der Sache im Zustand beginnender Verwirklichung geschadet, und sie wird nicht eher zu ruhigem Gedeihen kommen, bis cs verschwindet.“ Schließlich betont Ludwig die Notwendigkeit der Verständigung, die ihm auch aus der ״Weisheit eines Fellachen“ aufgegangen ist, lind schließt mit folgendem Ausblick: ״.... Die Heiligen Stätten ... haben aus diesem Stückchen Erde die große Ausnahme unter den Ländern gemacht. Den Arabern allein die Grabeskirche zu überlassen, würde kein christlicher Staat sich entschließen; den Juden allein das Land zu geben, wäre nach Lage der Bevölkerung und der Verträge unmöglich. Aber auch auf die Erzwingung seiner Mehrheit darf es den Juden nicht ankommen; denn von allen 16 Millionen würden, wenn sie das Recht und den Platz fänden, nicht einmal ein Viertel einwandern. Heute leben in Palästina noch keine 10000 westlichen Juden. Aber Millionen senden Wünsche, Gedapken und Geld hinüber, um durch die Errichtung eines kleinen, geordneten und geschätzten Heimes auf uralter Stätte der Welt zu zeigen, daß den Verfolgten doch ein Ufer winkt. Gäbe es keinen Antisemitsiraus, so brauchten die Juden kein Palästina; denn wie der Streit um die Klagemauer Millionen ergriffen hat, während doch nur ein paar hundert alte Juden und fast gar keine Zionisten an diesen ehrwürdigen Steinen beten, so wurden auch die 16 Millionen Juden in der Welt von dem Gedanken an Palästina ergriffen, ohne selber alle dies Land zu brauchen oder zu suchen. Nur Anständigkeit heißt jedem, der aus einem noch so fernen Stamme kommt, sich zu ihm bekennen, weil und wenn er verleumdet wird oder geschlagen. Millionen Deutsche, deren vaterländische Gefühle im Auslande längst eingetrocknet waren, fühlten sich aufs neue getroffen, als Deutschland in Gefahr und schließlich besiegt war: der Fall der Juden heute, ich weiß es, ist nicht gleich, aber ähnlich. Auch wenn sie darin in der Minderheit bleiben sollten, bleibt das neugegründetc Zentrum der ideale Punkt, auf den sich aus der Ferne so viele Augen richten. Weder hat England ein Interesse, noch hat der Völkerbund die Möglichkeit, die schützende Hand von ihnen zu ziehen und sie der Willkür einer weniger fortgeschrittenen Rasse zu überliefern. Aber wie seine Gaben den Juden in niedergedrückter Minderheit dennoch zu einem bedeutenden Faktor auf vielen Oebieten machten, so wird er, auch wenn er nur ein Drittel aller Stimmen in dem bevorstehenden ״Parlament“ von Palästina (das auf die Dauer in irgendeiner vorbereitenden Form unumgänglieh sein wird), haben sollte, niemals der Unterdrückte sein. Denn nach seinem Charakter und seiner Geschichte ist der Jude weder zum Herrschen noch zum Dienen geboren. Selbständig und erfinderisch im Denken, hat er gelernt, sich handelnd anzupassen. Er wird das auch dort üben und verstehen, wo ihn die Geschichte beruft, den symbolischen Mittelpunkt eines zersprengten Volkes darzustellen.“ tteden&steiiiweihe an den Gräbern der Bebron-Opler Jerusalem, 13. Februar. (J. T. A.) 60 jüdische Einwohner von Hebron, dessen gesamte jüdische Bcvö.kerung nach den August-Massakers nach Jerusalem floh, besuchten am 11. Februar Hebron, um die Gedenksteine (Mazc* woth) über den Gräbern der während der Massakers getöteten Juden einzuweihen und um die in den jüdischen Häusern zurückgebliebenen Kleider und andere blu.befleckte Gegenstände zu begraben. Seit den Massakers beherbergte Hebron, die Stadt, m der seit dem Altertum immer jüdische Gemeinden bestanden haben, nur 15 jüdische Arbeiter, die mit der Herstellung der zahlreichen Grabsteine für die jüdischen Opfer beschäftigt waren, und einen jüdischen Polizisten, der diesen Arbeitern zur Sicherheit beigegeben worden war. Den zurückkehrenden jüdischen Einwohnern wurde nicht erlaubt, die Höhle Machpeiah zu besuchen, in der sich laut der Bibel die Gräber der Erzväter und Erzmütter befinden, weil der Polizeiinspcktor Lamont einen Angriff der Araber auf die die Höhle besuchenden Juden befürchtete. Araber aus Hebron haben sidi in den Besitz der von den Juden verlassenen Böden gesetzt, die sie kultivieren, wo־ bei sie behaupten, daß sie alte Rechte auf diese Böden besitzen. In Verbindung mit dem Plan, ein neues jüdisches Viertel in Hebron für die zurückkehrende jüdische Bevölkerung zu erbauen, haben sich Col. Kisch, Dr. Hext er, Paßman, Ben Zwi und der Vizebürgcrmeister von Jerusalem, Chaim Solomon nach Hebron begeben. Ein- und Auswanderung. 517 Juden, 66 Christen und 29 Moslems kamen während des Dezember 1929 nach Palästina; 128 Juden, 34 Christen und 29 Moslems verließen in dem gleichen Monat das Land. Im November vorigen Jahres kamen 620 Juden nach Palästina, 204 Juden verließen das Land. Jewish Agency Von Oscar Wassermann. Die demnächst erscheinend® Nummer von ״Unser Werk“, Mitteilungsblätter der Mitglieder der Jeutish Agency und des Präsidiums des Keren Ilajessod in Deutschland, enthält den folgenden mich von der JTA. verbreiteten /lrtikel von Direktor Oscar Wassermann. Der Artikel, der offenbar taktischen Erwägungen entspringt und nach Absieht des Autors den Zweck haben dürfte, bisher fernstehende nichtzionistischc Kreise für das Palästinawerk zu gewinnen, wird in zionistischen Kreisen Befremden hervorrufen und scharfen Widerspruch finden. Wassermanns Aeußerung läßt sich in manchen Punkten kaum in Einklang bringen mit den Anschauungen, die der Verfasser bei vielen früheren Gelegenheiten ausgesprochen hat. Auch die zionistische Auffassung wird in dem Artikel völlig mißverständlich dargesleüt. Wir werden auf Wassermanns Ausführungen noch zurückkommen. Red. Zum 23. März ist der Verwaltungsausschuß der erweiterten Jewish Agency nach London einberufen. Er wird wichtige Entscheidungen zu treffen haben, unter denen die Festlegung der Politik für die Verhandlungen über das Verhältnis der Juden zu den Arabern an erster Stelle steht. Es ist klar, daß Zur Eröffnung der Weruewochen der Frauen •Arbeitsgemeinschaft für Palästina Donnerstag, den 20. Februar, abends 8 H Uhr im Demokratischen Klub, Berlin W 10, Viktoriastr. 24 Vortragsabend Kurt Blumenfeld ״Das Erbe im Blut" Ein Beitrag zur aktuellen Judenfrage. Gäste willkommen! die zu treffende Entschließung wesentlich dadurch bestimmt wird, ob sie als einmütige Stellungnahme der gesamten Judenheit gelten kann. Wichtig, sehr wichtig ist es daher, daß die Tagung des Verwaltungsausschusses auch von der Sympathie derjenigen Juden getragen wird, die sich aus irgendwelchen Gründen bisher nicht an der Jewish Agency beteiligt haben. Von den Führern der arabischen Judengegner hat der hervorragendste durch die Erklärung, daß er die ״Protokolle der Welsen von Zion“ für authentisch halte, ein zweiter durch die Behauptung, daß die palästinensischen Araber die Ahkömm- Finge der alten Hebräer seien,.die heutigen Juden aber nur von den russischen Chasaren abstammfen, Gesinnung mit Kampfesweise deutlich charakterHert. Sie haben damit sicherlich der Jewish Agency auch in Deutschland viele neue Anhänger geworben. Wenn trotzdem aus tief eingewurzelter Gegnerschaft zum Zionismus noch zahlreiche einflußreiche gute Juden beiseite stehen, so dürften immer noch nicht beseitigte Ajlißverstindnissc über Möglichkeiten und Tragweite einer Zusammenarbeit von Nichtzionisten mit Zioni ten am Palästina-Aufbau und über Wesen und Tätigkeit der erweiterten Jewish Agency der hauptsächlichste Grund sein. Oese Mißverständnisse in einem kurzen Zeitungsartikel aufzuklären, ist nicht möglich; einiges Grund ätzliche gerade im gegenwärtigen Augenblicke dazu zu sagen, halte ich aber doch für nützlich. Palästina ist den Juden immer das Land der Verheißung geblieben. Eine Rückkehr von Juden nach Palästina in unseren Tagen ist Erfüllung uralter jüdischer Sehnsucht. Die Bezeichnung der jüdischen Kolonisation als Aufbau einer ״Jüdischen Nationalen Heimrtä'tte" nach dem Ausdruck der sonst vorzüglichen und als Grundlage des Völkerbund- Mandates jedenfalls ohne große Gefahr nicht abzuändernden Balfour-Deklaration ist vom nichtziönirtischen Standpunkt aus nicht glücklich und kann zu Mißdeutungen führen. Schlechtes Wort aber sollte gutem Werk nicht schaden. Kein Nichtzionist und nur sehr wenige Zioni ten würden die Nationale Heimstätte in der Form eines jüdischen Staates errichten wollen, selbst wenn solchem Unternehmen nicht unüberwindliche Schwierigkeifen entge^enstehen würden. Dagegen ist es zweifellos, daß sehr viele Zioni ten, wohl die Mehrheit, die Na'ionale Heimstatte, wenn auch nicht als politisches, so doch als kulturelles Zentrum des ״ u Jischen Volkes" ausgestalten wollen. Die vielen geistig und sittlich hochstehenden zionistischen Führer werden also Auswahl der Siedler und ihre Erziehung im Lande hauptsächlich unter dem Ge* ichtspunkt betrachten, der Kolonisation ein hohes geistiges Niveau zu verleihen und zu erhalten. Dadurch unterscheidet sich die Kolonisation in Palästina von jeder anderen. Wie stehen nun wir Nichtzionisten hierzu? Den Begriff eines ״jüdi chen Volkes“, soweit damit irgendwelche nationalen und politischen Vorstellungen verbunden sind, lehnen wir ab ebenso wie die Folgerung, daß Palästina für andere als dort an ässige Juden eine Nationale Heimstätte sein könnte. Wie weit die Geistigkeit Palävrinas unsere Kultur, dann aber wohl auch die Kultur unserer Umgebung und der ganzen Welt beeinflussen wird, hängt ganz von der Leistung ab. Als das Kulturzentrum können wir Palästina jedenfalls nicht anerkennen, behalten vielmehr die Pflicht, unsere Kulturgüter, jüdische und nichtjüdische, zu pflegen und zu mehren, ah ob Palästina nicht existierte. Es erscheint uns nicht wünschenswert und wir halten cs auch nicht für möglich, daß sich in kultureller ebensowenig als in politischer Hinsicht 15 Millionen Juden als Zubehör einer Nationalen Heimstätte betrachten werden, die vielleicht für eine halbe Million Juden Raum bietet. Dagegen erkennen wir den ungeheuren Wert, den cs für die Selbstachtung und Selbsterziehung der Juden und für ihre Einschätzung in der ganzen Welt hat, wenn die jüdische Bevölkerung in Palästina Gleichberechtigung und Autonomie genießt, nicht obwohl es sich um Juden handelt, sondern weil man ihr gerade als Juden Anspruch auf Ansiedlung im Lande zuerkennt. Wünschen wir also nicht nur aus religiösen Gründen die Kolonisation in Palästina, so müssen wir sic natürlich so wünschen, daß sie erkennen läßt, was jüdische Intelligenz, jüdischer Fleiß und jüdische Ethik leisten, wenn sie sich nur frei entfalten können. Mit anderer Zielsetzung verfolgen wir also den gleichen Weg wie die Zionisten. Einen Weg, der lange, länger als eine Generation, dauert, bis das Ziel winkt, und dcrdaherdicgemeinsameKraft, den gemeinsamen Willen erfordert. Der gemeinsame Wille zu einem Werk, das endgültig zi gestalten wir Kindern und Enkeln überlassen müssen, dessen Einzelheiten, oft ferne Zukunftsfragcn, heute die Geister nicht zu erhitzen brauchten, das aber unstreitig schön und erhaben ist, könnte und sollte die Judenhelt der ganzen Welt verbindet und erweisen, daß es eine Einhcitdes Judentums gibt Das ist das eigentliche Wesen und das Ziel der Jewish Agency, in der Zionisten und Nichtzionisten gleiches Recht und gleichen Einfluß haben. Wenn das bisher nicht so deutlid in die Erscheinung getreten ist, wie mancher wünscht, so liegt das an dem Vorsprung in Erfahrung und Sachkenntnis, der die Zionisten in zehnjähriger aufopfernder Arbeit gewonnen haben und an der hemmenden Belastung, die die erweiterte Jewish Agency gleich zum Beginn ihrer Tätigkeit durch die Augustercignhse und ihre Folgen zu bestehen hatte, aber auch bestanden hat. Die Jewish Agency stellt eine Arbeitsgemeinschaft für ein ganz bestimmtes Gebiet dar, dessen Neutralisierung nur klärend im Kampf um Galuthfrage und Gemeindeeinrichtungen wirken würd?. Bei Ausschaltung der Palästinafrage würden sich die Parteien schärfer abzeichnen. Wenn die Gegner auch im Beratungssaale der Jewish Agency freundlich beisaramensitzen, so haben sie darum ihre volle Handlungsfreiheit in allen anderen Fragen nicht aufgegeben oder auch nur eingeschränkt; höchstens, könnte sich die Diskussion in ürbancrer Form abspielen und das wäre kein Schaden. Paläsimafragen im Unterhaus Die Rechtsverhältnisse. — Angriffe auf Bentwich. Der Abg. Frank Smith (Labour Party) fragte den Unterstaatssekretär, ob ihm bekannt sei, daß in gewissen Fällen der Oberstaatsanwalt von Palästina Verhandiungen angeordnet hat in Strafsachen, welche vorher von den Gerichtshöfen verabschiedet worden sind. Der Unter- Staatssekretär Dr. Shiels antwortete: Unter der ״Pa!c3tine Trial upon Information Ordinancc“ kann eine Person auf Veranlassung des Oberstaatsanwalts in Anklagezustand versetzt werden, trotzdem eine Unterbehörde vorher abgelehnt hat, dies zu tun. Dieses Prinzip ist auch dem englischen Recht nicht fremd und ich sehe keine Veran'assung, mich in die Rechtshandhabung in Palästina cinzuraischen. — Abg. Smith erklärte, es handle sich z, B. um einen Fall, der nach zwölf Monaten wieder aufgenommen worden ist, obwohl das Verfahren mehrmals eingestellt worden war. Abg. Holford Knight (Labour): Ist nicht das schwindende Vertrauen in die Rechtsverwaltung Palästinas eine wesentliche Ursache der Unruhe im Lande und müßte man hier nicht Abhilfe schaffen? Dr. Shiels: Ich kartn diese Erklärung nicht abgeben. Graf Winterten, der frühere Unterstaatssekretär für Indien, richtete im Unterhaus an den Unterstaatssekretär für die Kolonien die Frage, ob die ״Prevention of Crim es Ordinancc“ (Verordnung zur Verhütung v«j V«%ftefen) immer noch in Palästina in Kraft ist; ob sie auf besonderen Befugnissen basiert, analog denen, die der Exekutive in Brifisch-Indien von Zeit zu Zeit gegeben werden. Graf Winterton fragte weiter, wie viele Personen wegen Vergehen im Zusammenhang mit den August-Unruhen in Palästina abgcurteilt worden sind, und zwar wie viele gemäß normalem Landesrecht und wie viele gemäß der Prevention of Crlmes Ordinancc. Dr. Shiels, Unterstaatssekretär für die Kolonien, er* widerte: Bis heute wurden in Palästina 1094 Personen abgeurteilt, davon 40 durch das Kriminal-Assisengericht 2:0 durch die Distriktsgerichte, der Rest durch summarische Rechtsprechung. Ich kann nicht angeben, wie viele gemäß der, Prevention of Crimes Ordinancc, die ein Bestandteil des normalen Landesrechtes ist, abgeurteilt wurden. Winter ton: Entspricht dieses Gesetz nicht der von mir seinerzeit erlassenen ״Bengal Ordinancc“ in Indien, welche danach von den Mitgliedern der jetzigen Regierung so scharf kritisiert worden ist? Dr. Shiels: Der Unterschied zwischen der Ordinancc in Indien und der in Palästina ist der, daß sie in Indien für beschränkte Zeit Geltung hat und immer erneuert werden muß, während sie in Palästina zwar ein Bestandteil des permanenten Gesetzes, aber nur unter bestimmten Verhältnissen änzu\Venden ist. Howard- Bury fragte, ob Dr. Shiels wisse, daß die Weitergeltung dieser Ordinance Anlaß zu Beunruhigung gibt, da Menschen verhaftet und abgeurteilt werden, ohne daß ein Anwalt sic verteidigt. Dr. Shiels erwiderte er glaube, man könne mit mehr Berechtigung das Gegenteil feststcllen. Marcus, ein jüdisches Mitglied der Arbeiterpartei, fragte Dr. Shiels, ob er die Zahl der Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der Palästina-Polizei zur Zeit des Ausbruchs der August-Unruhen sowie deren Zusammen- Setzung bezüglich der Zahl von Christen, Moslemiten und Juden angeben könne. Dr. Shiels erwiderte, er verfüge nicht über genaue Zahlen; es würden wohl dieselben Ziffern sein wie Ende 1928: 119 Offiziere, 1439 Untero.'fiziere und Mannschäften. Von den Offizieren waren 62 Christen, 41 Moslemiten und 15 luden, einer gehörte einer anderen Konfession an; von den Unteroffizieren und Mannschaften waren Ende 1923: 339 Christen, 819 Moslemiten, 196 Juden, fünf Angehörige anderer Konfessionen. Colonel Howard-Bury fragte, wann die Palästlna - Untersuchungskommission ihren Berieht veröffentlichen, und ob gleichzeitig das Protokoll der Zeugenaussagen veröffentlicht wird. Dr. Shiels erwiderte, die Kommission arbeite intensiv an der Herstellung des Berichtes, sie könne aber noch nicht sagen, wann derselbe fertig vorliegen wird. Die Frage, ob auch das Protokoll der Zeugenaussagen veröffentlicht werden soll, wird nach Fertigstellung des Berichtes erwogen werden. Die jfidisebe Politik ln polen Grünbaum legt das Präsidium des jüdischen Klubs nieder Warschau, 13. Februar. (J.T. A.) ln der Sitzung des jüdischen Parlamentsklubs stellte der Präsident des Klubs Abg. j. Grünbaum den Antrag, der Regierung das Mißtrauen des jüdischen Klubs wegen ihrer antijüdischen Wirt- Schaftspolitik dadurch auszudrücken, daß der Klub im Sejm geschlossen ge ge ndasBudgetstimmt. Die Mehrheit des Klubs nahm aber einen anderenAntragan, der lautet, daß sich der Klub bei der Abstimmung des Budgets der Stimme enthalte! carauihin erklärteCrünbaum, daß er das Amt eines Präsidenten des Klubs niederlegt