Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1930-02-14 · Heft 13 (14.2.1930) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 13 (14.2.1930)
Date
1930-02-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2651273-2653156-2653169--21378-2679467
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 13, 14. H 1930 JÜED1SCHE RUNDSCHAU Seite 89 präsentanten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen waren erlieblich besser als irgendwo anders. Man hat gelegentlich diesen guten Zustand in der Haifaer Munizipalität dem Umstände /!!geschrieben, daß die Stadt weniger ״politisch“ ist als die andern und daß die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den verschiedenen Teilen der Bevölkerung enger und selbstverständlicher sind als anderswo. Die Ansicht hat manches für sich, obwohl sie nicht genügt, um den reiativen Erfolg Haifas im Gegensatz zu Jerusalem zu erklären. Persönliche Momente und eine Reihe anderer Ursachen haben fraglos bei der Entwicklung mitgcliolfen. Der wundeste Punkt in der Munizipalitätenfrage ist Jeru* salem. Eine Stadt, in der bei den Wahlen eine arabische Gruppe unter der Leitung von Raghib Naschischibi, dem jetzigen Bürgermeister, mit Hilfe der jüdischen Stimmen ihren Platz im Stadtrat eroberte. Hier sind die Verhältnisse von Anbeginn an unbefriedigend gewesen. Eine kontimderliehe und reguläre Arbeit des Stadtrats hat niemals zu Wege gebracht werden können. Alten Traditionen entsprechend wiegen hier die autokratischen Beschlüsse des Bürgermeisters mehr als die des Rates und es gibt kaum eine Beschwerde, die nicht während der letzten zwei Jahre gegen den Jeru־ saiemer Rat vorgebracht worden wäre. Die Beziehungen der arabischen und jüdischen Vertreter ließen viel zu wünschen übrig und bis heute ist eine Besserung der Bedingungen nicht erreicht worden. Wenn man also zugeben muß, daß an verschiedenen Orten die Zustände in den Stadträten unbefriedigend sind, so fragt sich andererseits, ob das Heilmittel, das die Regierung für diese Zustände verschrieben hat, das Richtige ist Die Behörden haben, nachdem kurze Zeit nach den ersten Wahlen sich Mängel in der städtischen Verwaltung zeigten, kurzerhand die Befugnisse der Räte beschnitten und so die Behörden von neuem zu einem hohen Grade für die Ordnung dey Geschäfte verantwortlich gemacht. Man hätte diesen Schritt vielleicht noch rechtfertigen können, wenn er eine kurzfristige Maß־ nähme darstellte und die Regierung zu gleicher Zeit die Verbesserung des bestellenden Gesetzes beschleunigt hätte. Die neueste Verordnung jedoch, die die Wahlen auf Jahre verschiebt, zeigt, daß die Regierung de* leichteren Weg einschlägt, nämlich die erweiterte Kontrolle zu behalten und daß sie eine grundlegende Aenderung des Gesetzes nicht für so dringend hält Was nun das Gesetz selbst anbetrifft, verdient, abgesehen von einzelnen Fehlern, ein Punkt besondere Beachtung. Das ist die Frage der Kurialwahlen. Die Wahllisten zu den Stadträten werden gesondert für Juden, Christen und Mohara* medanern angefertigt und die Kandidaten von den verschiedenen Gemeinden nominiert. Die Zahl der Kandidaten jedes Teiles ist durch die Wählerliste bestimmt. Bei der Abstimmung selbst ist dann jeder berechtigt, für den Kandidaten zu stimmen, dem er geneigt ist, ohne Hinblick auf seine nationale Zugehörigkeif. Man erkennt in dieser Ordnung eine etwas ungewohnliche Abart des Kurialsystems, die die Mängel dieser Wahlmethode durchaus bcibehalfen hat. Sie muß dazu führen — wie die Erfahrung langer Jahre in den verschiedensten Ländern beweist — daß sich die Kandidaten der einzelnen Gruppen nur als die Vertreter ihrer Gemeinden, also derer, die sie nominiert haben, fühlen und nicht als Vertreter der allen gemeinsamen Interessen; daß Gegensätze zwischen den einzelnen Gruppen oder Völkern geschaffen oder• verschärft werden und das Gefühl der gemeinsamen Verantwortlichkeit gemindert wird. Diese Hoffnung auf gemeinsame Interessen und gemeinsame Verantwortung war es jedoch, die seinerzeit die Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern in den Stadtraten als einen wichtigen Versuch erscheinen ließ, der neue Berührungspunkte schaffen und zu gemeinsamer politischer Aktion vorbereiten sollte. Und es war eine unfaßliche Kurzsichtigkeit der Regierung, daß sie diese wichtige Entwicklung von vornherein durch die Methode der Kurialwahlen gefährdctc. Vielleicht ist unterdessen dieser fatale Fehler eingesehen worden und die Aussicht auf eine Aenderung des Gesetzes läßt auf Verbesserungen hoffen. Wenn noch irgendwelche Beweise für die Falschheit dieser Wahlmethode nötig gewesen wären, so haben sie die letzten zwei Jahre genügend erbracht und es ist nicht übertrieben zu sagen, daß ein Teil der — selbstverständlich nicht alle — Mißstände in Jerusalem auf diese Ursache zurückzuführen sind. Die Frage der lokalen Selbstverwaltung verdient das größte inferesse der Oeffcntiichkeit. Es wird heute im Jischtrw fast überall, auch in den Kreisen, die konstitutionellen Aenderangen im Landesmaßstab ablehnend gegenüberstehen, über eine Ausdehnung der lokalen Selbstverwaltung gesprochen. Dieser Weg wird als ein wichtiges Mittel zur Demokratislerang zum mindesten eines feiles der Verwaltung angesehen. Und es ist nicht zu leugnen, daß die Munizipalitäten in der Entwicklung des Landes eine wichtige Rolle spielen können, wenn die Regierung nicht nur darauf bedacht ist, daß ihr Apparat reibungslos läuft, sondern daß sie dieser Entwicklung den Weg zu bereiten sucht. Fehler in der lokalen Selbst- Verwaltung sind nicht dadurch zu korrigieren, daß man diese Selbstverwaltung, nachdem sie eben erst angefangen hat zu funktionieren, de facto wieder abschafft, sondern nur dadurch, daß man die Ursachen der Fehler zu eliminieren sucht. Eine Verschiebung der Wahlen auf eine gewisse Zeit ist heute zu rechtfertigen. Nicht aber eine Verschiebung in der Ausarbeitung eines neuen Gesetzentwurfes und nicht eine Verlängerung des gegenwärtigen Zustandes auf Jahre hinaus. Tom Seidmann-Freud. Einige Monate nach dem plötzlichen Tode ihres Mannes JankewSeidmannist nun auch Frau Tom Seidmann-Freud in jungen Jahren gestorben. Frau Seidmann-Freud ist in der Oeffentlichkcit durch ihre wundervollen Kinderbücher berühmt geworden, die auch in der ״Jüdisehen Rundschau" wiederholt gewürdigt wurden, insbesondere verdienen auch ihre Illustrationen hebräischer Kinderbücher der Erwähnung. Sie war eine Bahnbrecherin auf diesem Gebiete. Wer die Verstorbene gekannt hat, weiß, daß sie eine der sensibelsten und feinsten Künstlernaturen gewesen ist, die man sich vorstellen kann. Ihr besonderes Interesse galt jtidisehen Problemen. Jankew Seidraann und seine Frau bildeten den Mittelpunkt eines geistig interessierten, bewußt jüdischen und fortschrittlichen Kreises, Die Geistigkeit war bei Frau Tom Seidmann-Freud das natürliche Ergebnislhrer Familienbeziehunfen. Ais Nichte des Prof. Siegmund Freud und als Freundin es illustren Kreises der psychoanalytischen Schule stand sie mitten drin in der Werkstatt geistigen Schaffens. Mit ihrem Manne in vorbildlicher Freundschaft verbunden, war es für die Freunde und Bekannten des Hauses Jankew Seidmann klar, daß Frau Seidmann das tragische Ende ihres Gatten nicht lange überleben werde. Frau Seidmann-Freud hinterläßt ein einziges Kind, das Vermächtnis zweier feiner, hochbegabter, jüdischer Menschen. h, BERUHE* KALENDER!Der Kat für htMIif$e Wröeit unter her Jugenö oeranftaEtet am ®ottnaöenö, Öen 16. gebruar, abenbS 8 Vs Uf|t, ein Jef» M15. ©<&f»at unter Teilnahme he* bramatifdjen ©tubio. ffiintritt 60 ®f. ©tnleitenbe ©orte gfjaroer ®arajd). — ®er Rai oeranjlaltet am Sonntag, ben 16. Re» bruat, abenbS 7 UE)t pünftltdp etn JefE 0M 15. ©(ßetoai für bie Jüngeren non 12 -16 3af!ren. ®tnteitenbe ©orte: ®ftaroer Racfjum üerotn. gebet Teilnehmer fod tnöglidfjft Dbft ober anbete gute Sachen milbringen. הטועצה הכללית לעמדה עברית ביי הנער עורכת במוצאי שבח. 15. לפברואר. בשמונת וחצי בערב נשף ט ו בשבט. בהשתתפות הסטודיה הדרמטית. הפותח: החבר ברש. הכניסה 50 פפי. המועצה עורכת ביום הראשון 16. לפברואר. בשבא בערב בדיוק נשח טו בשבט לנער בגיל 16—12. הפותח: החבר נחום לוין. על כל משתתף להביח פרות ומנדגות (אם אפשר 0 äflontag, ben 17. Februar, abenbS 81/נ Uhr, :Berliner 3I®»PW* Bereinigung im ©ihungS* faal berS.ö.f TOemefefit.in. 3. Sttnom: ״#ibt M Brüden gtoiföen betn 3ioniemue unb Ser fommunifEifdjeti Partei?" Montag, ben 17. Februar, abenbS 8l/a Uhr, im Saal ber gübifdien ®emeinbe, Mofenftr. 2/4, tjfruwe ber JtaNtolen 3foniffen Berffne. Offen!« liebe SJerfammlung. Schema: ״Der 3*0niemue im ffornpf um fein :Reeßt". Referenten: Dr. fßadjum ®olbmann, Dr. Hl a y Solo* ro e 11 f dj t L Eintritt frei, @üfie tuiUfommen. ®ienSlag, ben 18. gebruar, abenbS 8'/a Uhr, pünttlich: JübifdK fojlalbemofratifcbc SJIr&citcr« organifaiioR poate 3»«"׳ Ortsgruppe Serlin, im ®emnnbebauS, Rofenftr. 2/4. (Öjaroer Dr. Gl!. SorobianSFtj: ״Die Cfntoidtung be« mo« Semen Jubcnhmw" (Religion. SUnttonnliSmiiS, SojiailSmuS). ©äfte rolQfommen. Mtttrood). ben 19. ftebruar, abenbS 81/» Uhr, Berliner 3ionifHfdje Bereinigung im fiogenßauS, goaditmSlhaler Str. 18. Dr. © 0 l f g a n g 0 מ n ffietSl, URttglteb beS ©aabßeuml: ״paMfHna feit Sfugur. Montan, ben 24. gebruar, abenbS 8 «/s Uhr, Berliner 3iontjHf$e Bereinigung, im ®artentaal OetCogellleiftftr.!0: RejttationSabenbgetiubaf! ®brenfranj, efjemaliaeS ®Htglleb ber ffiilnaer Truppe. frogramm: 9Efd), Berforotlfd), ®djneiur, SUmann, Sebolem SlEedfjem, Rofenfelb, neucS frogromm. Starten ML l.— bis Mt 8.— im ßro bet 8.3•®•, Metnefeftr. 10, Tel. 8iSm 7165. fioniftifdfcr Jugenbbunb Tlorbau. ®e|d)&ftSfieQe: .©etnj ©nglänber, 9t 64, ©djönfjaufer ®Eee 186. Sonntag; ben 19. unb 28• Öeoruat, 1/:H Uhr OormiitagS. ffr&ettSgeineinfdiaft im Stjnagogen« gebäube, ftoti&ufer Ufer: ,SioniSmuS unb @0• }ialtSmuS“, geleitet oon ®ufiao Siebling. — Sonntag, ben 16. gebruar, 3 Uhr nadjmttfngS, SErbetiSgemelnfdiaft im gugenbheim, Monbijou־ plag 10: ,®runblagen beS SioniSmuS", geleitet oon ®fjaroer 3&ler. — TtenSlag, ben 18. gebruar, 8 Uhr abenbS: »öetmabenb“, Mefeet Sir. 1. — Sonntag, ben 23. gebruar. 3 Uhr nadjm.. 5fr* beitSgemeinichaft im guaenbheim, Monbijou• plab 10: ״afiuelle TageSftagen", geleitet non Theo Sngei. — TienStaa, ben 25. gebruar, 8 Uhr abenbS: ״ßetmabeno*, Mefeer Str. 1, — geben Montag unoTonnerStagbebrälfcber Unter« riebt tn ber ®pracbfdjule ber gübifdien ®emeinbe, ®rofte Hamburger ®trage 10. Ä»6rfiif(ße £ebranfla(t Ser gübifdjen ®emeinbe gn Berlin. ®predige(! beS ßciterS ber Slnfialt *• Berggrün: 3m Wett) Mm, ®rolmanfir. 86. TienStag 6—8 Uhr abenbS. 3״ ber Sd)11Ie ffiro&e Hamburger ©trafee 27: Mittrood), 7’/a bis 8l/2 Uhr abenbS unb TonnerStag non 6 bis 6«/4 Uhr abenbS. Telrphonifcbe SuSfunft: €> 5 Brabant 501 (2-3 Ußr) Wlzo-Werbe-Kampagne ln Berlin Die WIZO, d rWeltbundZionistischerFrauen, hat für alle ihr angeschlossenen Gruppen den Februar und März als Werbemonate bestimmt. Mit der Parole: ״Jedes Mitglied werbe der WIZO ein neues Mitglied“ werden die WIZO-Frauen afier Länder in diesen Wochen die größten Anstrengungen machen, um den Mitgliederbestand ihrer Gruppen zu erhöhen. Auch die Berliner Ortsgruppe der WIZO, die Frauen- Arbeitsgemeinschaft für Palästina, hat selbstverständlich die Parole aufgenommen und verpflichtet alle ihre Mitglieder zu energischer Werbearbeit. Der Mitgliederstand der F. A. P. beläuft sich derzeit auf etwa 600 Frauen, muß aber wenigstens aut 1000 steigen, wenn die F. A.P. alle ihre palästinensischen und organisatorischen Verpflichtungen erfüllen können soll. Die Werbewochen der F. A. P. setzen am 20. Februar ein mit einem Vortrag von Kurt Blumenfeld: ״Das Erbe Im Blut“ (Demokratischer Klub. W10, Viktoriastr. 24, Donnerstag, 20. Februar, abends 81/3 Uhr) und werden mit einer großen Veranstaltung im März abschließen. In der Zwischenzeit veranstalten Mitglieder der F.Ä.P. eine Reihe von kleinen Zusammenkünften in ihren Hausern, um Frauen, die noch nicht vom Palästinagedanken erfaßt sind, über die Arbeit und Ziele der WIZO unterrichten und für ihren Anschluß an die F. A. P. und ihre Mitarbeit an dem Imposanten Kulturwerk der WIZO in Palästina zu gewinnen. Die F.A.P. begrüßt jede Anregung, die ihr zur Intensivierung ihrer Werbearbeit zugehen wird und ruft ihre Mitglleder auf, alle Möglichkeiten, die ihnen offenstehen, auszunutzen, um die Werbemonate zu einem Erfolg zu führen. Pani Lev! 111 den zahlreichen Würdig1!n״en, die in der Oeffentlichkcit anläßlich von Paul Levis tragischem Tod laut wurden, fehlte merkwürdigerweise auch die leiseste Andeutung, daß Paul Levis Wirken und Art zum großen Teile aus seinem Judentum zu erklären waren, ähnlich wie das Wirken eines Ferdinand Lassalle oder eines Ludwig Franck. Paul Lev! entstammte einer Familie, in der jüdische Lebensform hochgehalten wurde. Sein Vater spielt im jüdischen Gemeindeleben Württembergs eine hervorragende Rolle. Er selbst war sich wohl seines Judentums bewußt und in seinem öffentliehen Wirken nahm er oft Gelegenheit, gegen die Auswüchse des Judenhasses aufzutreten. Besondere jüdische Interessen aber bekundete er, wenigstens in den letzten Jahren, nicht. Man muß leider feststeHen, daß sein Judentum ihm auch innerhalb seiner Partei Ungelegenhriten bereitete Anläßlich seiner Kandidatur in Chemnitz wurden in lokalen sozialistischen Parteiblättern, wenn auch verbl. ״!, Stimmen laut, daß es den Chancen des sozialistischen VC ahierfolges Abbruch tun würde, wenn man einen Spitzenkandidaten mit einem prononciert jüdischen Namen auf stellt. Lcvi w.if eine Kämpfernatur. Hauptkennzeichen seines Charakters waren unbedingte Gerechtigkeitsliebe und Sinn für die Wirklichkeit. Man hat ihm gelegentlich Vorwurfe wegen seines 1 artei- Wechsels gemacht, indem man ihm die Wanderung vom ^Par־ takusbund über die Unabhängigen Sozialisten zu den Mehrheitssozialisten verübelte. Dieser Partriwande entsprach ab« keineswegs einem Gesinnungswandel. Sein Streben war st s auf konstruktive Arbeit und nicht nur auf Opposition um der Opposition willen gerichtet. Es ist für die Juaenheit bedauerlieh, daß ein so hoch begabter Mensch, reiner Charakter und unentwegter Kämpfer in Zeiten, da das Judentum am allerwenigsten auf seine begabtesten Söhne verzichten kann, jüdischpositiver Arbeit, wenn auch nicht uninteressiert, so doch untätig gegenüberstand. Paul Levis Andenken wird auch inner• halb der Judcnhcit unvergessen bleiben. ־״ m. w. BBcherschau Margarete Susmann, Frauen der Romantik. (Eugen Diedriehs Verlag, Jena, br. M. 6,—, in Leinen M. 8,50.) In unserer, der Herrschaft der neuen Sachlichkeit verfallcnen Zeit ein Buch über ״Frauen der Romantik“ erscheinen zu lassen, bedarf eines gewissen Mutes. Eines Mutes, der sich an die Ueberzeugung knüpft, daß keine Zeitepoche in sich selber ruht, daß ihre Wurzeln zuruckreichen in die Vergangenheit, so wie in ihr bereits die Keime für die Zukunft liegen, daß so von Ewigkeit zu Ewigkeit die Zeiten und Geschlechter einander die Hand reichen zum Aufbau aller Menschheitekultur. Margarete Susraan bringt uns dieses schöne Buch, das in erweiterter Form aus einer Reihe von Vorträgen hervorgegangen ist, die sie in Berlin gehalten hat Den Zauber des gesprochenen Wortes noch in der Erinnerung und die Klangfülle ihrer dunkeln Stimme noch im Ohr, verfällt man beim Lesen des Buches aufs neue dem Bilderreichtum ihrer Sprache und ihrer Gestaltungskraft. Denn Margarete Susman ist es in hohem Maße gegeben, in allen Erscheinungen des geistigen Lebens und der menschlichen Persönlichkeit den tiefsten Wesenskern aufzuspüren und von diesem zentralen Punkt aus Wesen und Bedeutung zu erhellen. Aber nicht literarhistorische Wertung allein wird hier versucht, sondern über alle Forschung hinaus, werden hier aus den tiefsten Quellen der eigenen Seele die Menschen erfaßt, ihr Schicksal mit ihnen erlebt und erlitten. Vielleicht gibt aiese Zugehörigkeit zum Geist der Romantik dem Buch die besondere warme. Das Wesensbild und die Lebensschicksale von fünf für die Romantik repräsentativen Frauen wird hier neben- und auch gegeneinandergestellt. Caroline Schlegel, diese strahlendste Erscheinung der Frühromantik, die voll Vertrauen auf den Gott und den Dämon in der eigenen Brust ein Leben aus sich selbst zu leben wagte, unbekümmert um alle Tradition und Konvention; die von Liebe zu Liebe, von Leidenschaft zu Leidenschaft eilte, so das Gesetz ihres Lebens erfüllend; die trotz starker geistiger Begabung nur Mittlerin in ihrem Freundeskreis bleiben wollte und jede eigene Produktion verschmähte, um nicht für unweibiieh gehalten zu werden. ... Bettina von Arnim, Carolinen geistesverwandt in der Unmittelbarkeit des Erlebens aus dem eigenen Innern. Geist und Phantasie sind die großen Gestalter ihres subjektiven Erlebens. , . . Fern aller Wirklichkeit, ganz in sich versenkt und nur der Idee zugewandt, gleichsam in einer Traumatmosphärc lebend und dichtend, erscheint uns als die wahrhafteste Verkörperung des Lebensbildes der Spätromantik Bettinens Freundin, Karoline von Günderode, die einzige unter den Frauen der Romantik, die, einem inneren Müssen gehorchend, zu dichterischem Schaffen getrieben wird. Unser besonderes Interesse wendet sich den beiden j ü d i - sehen Frauen zu: Rahei Lewin und Dorothea Veit, der Tochter Moses Mendelssohns. Rahei, die alle Frauen der Romantik sowohl an geistiger Begabung, wie an menschlicher Weite und Wirkung überragt, hat trotz Ihres männlich schöpferischen Geistes keine objektive Leistung hervorgebracht. Der persönliche Austausch von Mensch zu Mensch, im Gespräch wie irn Brief, war die besondere Form ihrer Geistigkeit, und das bewundernde Urteil ihrer Freunde und Zeitgenossen sowie ihre!unterlassenen Briefe bezeugen die außerordentliche Macht, die sie ungewollt übte durch die Kraft ihres Geistes, den Reichtum ihrer Seele, ihre Liebes- und Leidenskraft. Dem Judentum stand sie fremd und ablehnend gegenüber, wenn sie auch in sich die Gnindzüge des jüdischen Geistes trug und ihr schweres Schicksal als Kind ihres Volkes lebte. Einem Hause entstammend, in dein nichts von lebendiger, jüdischer Tradition spü bar ward, bedeutete ihr das Judentum nur Hemmung und soziale Ausgeschlossenheit. Erst auf dem Totenbett ist sich Rahei des tiefen Zusammenhanges mit dem Urquell ihres Seins, dem Judentum, voll Stolz bewußt geworden. Aber trotz, dieser späten Heimkehr berührt es doch schmerzvoll als ein letztes menschliches Versagen, daß diese Frau so reich an Gaben des Geistes, wie des Gemütes, so reich auch an Macht und Einfluß bei den Besten ihrer Zeit niemals laut ihre Stimme erhob zugunsten ihres eigenen Volkes, das damals wie je schlimmsten Anfeindungen ausgesetzt war. Aus anderen Seelenschichten erfolgte der Abfall vom Judentum bei Dorothea, die ihrer Anlage nach eine reli- E*' Umwege der Vernunftreügicm der Aufklärung, zuerst zum Protestantismus und später zum Katholizismus führte. Ihr fehlte bei aller hohen Begabung die Selbständigkeit des Denkens und die unbestechliche eigene Urteilskraft, die Rahei auszeichneten. Darum war seit ihrer Begegnung mit Schlegel, dessen Gattin sie später wurde, all ihre weitere Entwicklung nur mehr ein Wandeln in Friedrichs Spuren. Eine Reihe interessanter Porträts von Zeitgenossen ist dem wertvollen, nicht nur Frauen zu empfehlenden Buche beigegeben. loa Britschgi-Schimmer. Anläßlich der Feier der Silbernen Hochzeit Dr. ismar Freunds am 12. d. M. wurde auf Anregung der Herren Gerepn Simon und Dir. Kareski eine Eintragung in das Goldene Buch des Keren Kajemeth auf den Namen Dr. Freund• vorgeoommca, Die Verhandlungen zwischen der Berliner Gemeinde und jadlowktr wegen Uebernahnu einer OberkentorsteUe durch den Kammersänger führten zu keinem Ziele, ladlowkcni finanzieü»( Forderungen waren zu hoch,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.