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Jüdische Rundschau · 1930-02-14 · Heft 13 (14.2.1930) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 13 (14.2.1930)
Date
1930-02-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13, 14. II. 1030 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 85 Ldsung der Judenfragc als Nebenprodukt Perpctuicrung eines Irrtums In späteren Zeiten werden jüdische Historiker Bilanz über eine merkwürdige Verirrung im Denken mehrerer jüdischer Generationen ziehen können: die Meinung, daß eine Lösung der von allen Juden und auch von der nichtjüdischen Umwelt gefühlten und anerkannten Judenfrage sich sozusagen als Nebenprodukt bei der Regelung allgemeiner politischer oder sozialer Fragen ergeben werde. Das Staunen jener kam- ״!enden Historiker wird um so größer sein, als sie feststellen werden, daß im Verlaufe von über 100 Jahren jede neue jüdisrhe Generation aus den Enttäuschungen der vorangegangenen nichts gelernt hat und immer wieder versuchte, entweder durch Vernachlässigung ihres Judenprobtems oder durch vorständige, bedingungslose Verquickung dieses Problems mit einem allgemein-politischen oder sozialen eine Lösung herbeizuiührcit. Die Historiker werden verwundert feststeJen, wie mangelhaft die analytische Gabe jüdischer Politiker und jüdischer Intdiektueller im 19. und 20. Jahrhundert gewesen ist; so mangclhaft, daß sie nicht zu unterscheiden vermochten, wie dtfferent das Spezifische des Judenprob'ems von den al’gcmclncn Problemen war, die die Juden als Menschen betrafen und bew egten. In der Periode der bürgerlichen Revolutionen war es naheliegend, daß die Juden sich mit größSer Intensität den Besirebungen zur volTgcn Gleichstellung der bürgerlichen Klasse mit den herrschenden Gewalten des Adels und der Kirche anschlossen. Die Juden glaubten nämlich, daß mit der Stipulicrung der Gleichberechtigung für ai c Staatsbürger naturnctwendig auch die Gleichberechtigung der Juden kommen würde. Tatsächlich ist es auch in den meisten Ländern so gewesw, daß generell die Ausnahmegesetze gegenüber irgendwelche! Gruppen im Staate aufgehoben wurden. Damit fielen auch, wenn auch nicht sofort und in manchen Ländern erst lange nach der Gewährung der Konstitutionen, die Beschränkungen gegenüber den Bckennern der jüdischen Religion fort. Allerdings nur auf dem Papiere. Die Juden mußten allmählich in allen Ländern, in denen ihnen das Geschenk der bürgerlichen Gleichheit und dann der bürgerlichen Freiheit gemacht worden war, feststellen, daß formale papierene Gleichberechtigung noch lange keine tatsächlich gleichberechtigte Stellung und miterschicdlose Bewertung im gesellschaft'iehen und Staatliehen Leben bedeutet. Nicht nur, daß in allen Ländern trotz der formalen Gleichberechtigung und trotz des garantierten Schutzes aller Bekenntnisse starke politische Parteien und umfassende geistige Bewegungen ausgesprochen antisemitisch blieben oder sich neu bildeten, die Staatsregierungen und Staatsverwaltungen als solche genierten sich, ungeachtet der verbrieften Gleichberechtigung der Juden, nicht, in der Praxis die Juden zurückzusetzen und im Wege der Verwaltung ihnen das vorzuenthalten, was ihnen durch die Konstitution fängst gewährt worden war: das gleiche Recht Trotzdem diese Erscheinung in allen Ländern, in denen das Prinzip der gesetzliehen Gleichberechtigung promulgiert wurde, festzustc’ien war, wollten (und wollen bis heute nicht) sehr viele Juden diese offenkundige Tatsache wahr haben. Sie trösten sich damit, daß Jede Entwicklung eine gewisse EeM-'lieaaspnitbe und •daß .es einer angemessenen Aufklärung und Erziehung der Völker bedarf, damit sie lernen, entsprechend den geltenden Gesetzen ihre Gefühle und ihre Handlungen einzustelkn. Diese Juden erblicken theoretisch in der bürgerlichen und individuellen Gleich- Stellung der Juden vor dem Gesetz die endgültige Lösung der Judenfrage. Wenigstens in der Theorie. Und wenn die Praxis eine andere Sprache spricht, so g'eiten die Juden über diese ״Kinderkrankheiten“ der Gleichberechtigung hinweg und hoffen auf bessere Zeiten. Sie lehnen es ab, als Juden und als jüdisehe Gemeinschaft emanzipiert zu werden, sie hängen dem Glauben an, daß das generelle Prinzip der Menschenrechte und , der Gleichstellung aller Bürger im Staate genügt, um auch das Judenproblem, d. h. das Problem, wie man völlig ungchemmt als Jude und voll gleichberechtigt als Bürger lebt, einer endgültigen restlosen Lösung entgegenzuführen. Und sie lassen von diesem Glauben nicht, obwohl mittlerweile Jahrzehnte verstrichen sind., seitdem der Grundsatz gleichen Rechts für alle Bürger eines Staates ausgesprochen wurde und die Situation der Juden in der Gesellschaft sich im Prinzipe kaum geäudert hat gegenüber der Zeit der jüdischen Rechtlosigkeit Allerdings muß man zugestehen, daß, um ein Beispiel anzuführen, auch bei Juden, die das Um und Auf der Judenfrage in der restlosen bürgerlich-individuellen Gleichberechtigung mit den andern Staatsbürgern erblicken, Zweifel an der Richtigkeit dieser Anschauungen aufgetaucht sind. Doch versuchten sie sich, um nicht alte liebgewordene Anschauungen preisgeben zu müssen, damit zu trösten, daß gewisse althergebrachte Formen, die noch in die Gegenwart hineinragen, wie das monarchische Prinzip, das Hindernis zur restlosen Verwirklichung der Gleichberechtigung darstellen. Nun fügte es die Geschichte, daß in den meisten Staaten der Weit bereits republikanische Regierungsformen bestehen. Trotzdem hat sich das Wesen der Judenfrage nicht geändert Es gibt wohl einen Niveau-Unterschied gegenüber der Ordnung vor der Einführung der republikanischen Staatsform, aber keine Spannungsverminderung zwischen den Juden und der nichtjüdisehen Gesellschaft auf der neuen Grundlage. Nun muß man zugestehen, daß nicht alle Juden so gedacht und sich mit der Stellung des Juden in der Gesellschaft abgefunden haben. Es gab eine Schicht, besonders jüngerer intellektueller Juden, die die Entdeckung machten, daß rein politische Revolutionen kaum Imstande sein können, die wahren Probleme der Menschheit und der Juden zu lösen. Es kommt, meinten diese Juden, nicht darauf an, welche Regierungsform in einem Lande herrscht, sondern alles hänge von der Struktur der Gesellschaft ab. Politische Revolutionen, die im besten Falle die Herrschaft einer Klasse begründen, aber das System der Gesellschaftsklassen unangetastet lassen, vermögen nicht die menschheitlichen Fragen restlos zu lösen und sind darum auch nicht imstande, das judenproblein aus der Welt zu schaffen. Erst die klassenlose Gesellschaft, verwirklicht in der sozialistisehen Wirtschaftsordnung, werde das große Heilungselixir sein, das neben den vielen sozialen, Rassen- und Kulturkrankhelten auch das Gebrechen des noch immer fortwuchernden Judenproblems aus der Welt schaffen wird. Darum ist, meinen jene jüdischen Anhänger des Sozialismus, keine spezifische Behandlung der Judenkrankheit nötig. Wenn man in einer großen Anstrengung das Produkt da kiasscaidsen Cie- Seilschaft schaffen wird, so wird sich sozusagen als Neben- Produkt die Lösung des Judenproblems ergeben. Psychologisch betrachtet, kommt eine derartige Betrachtungsweise folgendermaßen zustande: Als Jude fühlt man sich beunruhigt, unbefriedigt, in seiner menschlichen Ehre verletzt, als Outsider der Gesellschaft. Man versucht nun, freilich erfolglos, dieses Unbehagen ins Un'.erbewußtsein zu verbannen oder aber man zieht is ins Oberbewußtsein und behandelt sein Judentum, wenn nicht als Primat, so doch als gleichwertiges Problem neben anderen. Im ersten Falle reagiert man folgerichtig so, daß man die bestehende Ordnung und die existierende Gesellschaft negiert und sich gedanklich und mit seinen Wünschen in eine neue Ordnung und in eine neue Ge- Seilschaft flüchtet, von der man unbestimmt hofft, daß in ihr das Judenproblem keine Rolle spic'cn und die Tatsache, daß man Jude ist, irrelevant sein werde. Im zweiten Falle ist ein Doppeltes möglich: Man glaubt analog den Anhängern der Theorie von der schließiicben Gleichstellung der Juden durch gesetzliche Gleichberechtigung, daß eine soziale Revolution und die darauffolgende Klassenlosigkeit der Gesellschaft die Zionlsflfdie JaäendMhrerfaganä am 9. März in Berlin in den RSumen de• K. J. V., Chsriottcnburg, Bieibtreaitr. 50 Programm: Sonnabend, den 8. März, abends 9 Uhr, In» K. J. V. Vorkonferenz för «Ho Berliner BttmJesicittmyeo und die bereits anwesenden Delegiertet^ Sonntag, den 9. März, Beginn der Tagung: 9H Uhr. 1. Referat: Das deutsche Judentum. Referenten uDr. Georg Lobinalci, Dr.J. Leibowitz-Köln. Aussprach״. 2. Referat: Die wirtschaftliche Lage in Palästina, Referent: Dr. Georg Landauer. 3. Referat: Chaluziuth als Erziehungsaufgabe der zionistischen Jugend in Deutschland. Referenten: Dr. Hans Kaufmann, Wolfgang Orbsch, Helmuth Bers. Aussprache zu 2. und 3. 4. Aussprache über organisatorische Fragen. Sonntagabend: Zusammensein im Banse von Herrn Blaratnfcld. Anmeldungen für die Tagung sind an die Z. V.f.D., Berlin W15, Meinekestr. 10, zu richten Lösung der Judenfrage bringen werde, oder man sagt, daß die Rangordnung in der Behandlung des jüdisch-menschlichen Probiems so beschaffen Ist, daß mau zuerst das Menschliche zu lösen hat, wodurch erst die Bedingungen gegeben sein werden, an die Behandlung der noch verbleibenden ungelösten Reste des Judenproblems zu schreiten. Die erste Haltung ist ׳eine Vernachlässigung des Judenproblems durch Verdrängung, di« zweite, praktisch genommen, eine Beruhigung des jüdischen Gewissens durch die Einführung der dialektischen Formel der Deduktion in Lebensvorgänge. Die berührten Betrachtungsarten, die Judenfrage durch allgemeine Gesetz#. oder durch eine grundlegende soziale Neu- Ordnung zu lösen, begehen den Irrtum, das Spezifikum der Judenfrage zu übersehen. Dieses aber besteht darin, daß die Juden eine Volksgemeinschaft ohne natfonales Zentrum sind und daß sie überall als Minderheiten im Exil leben. Aus diesem Grundirrtum folgen alle anderen. (Wie es zu diesem Grundirrtum kam, gehört auf ein anderes Blatt. Er Ist nicht eine Folge tmlogischeu Denkens, sondern das Ergebnis gewollter oder ungewollter Entjudung und da Auflösung des in Westeuropa bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wirksam gewesenen jüdischen Gemeinschaftsgefühls.) Hätte mau in diesem Punkte nicht geirrt, so wäre man nie auf den falschen Weg geraten, für die Behaudiung einer spezifischen Anomalie eine allgemeine Kur zu vaschreiben. Die Verkennung des Charakters der Judeufragc brachte es mit sich, daß sonst außerordentlich scharfsichtige und sowohl politisch wie auch soziologisch gründlichst geschulte Juden in jüdischen Dingen blind und verständnislos and, oder die Zuflucht zu schlimmstem Kurpfuschertum nehmen. Viele bürgerliche und sozialistische Juden, die genau wissen, daß nationale Fragen weder formal-juristisch noch nur-sorial sind, ordnen das Juden- Problem, das kulturell, sozial, wirtschaftlich und das einer Minderheit allerorten ist, d. h. einen Sonderfall der nationalen Problematik darstellt, rcst'os und bedenkenlos in eine formaljuristische oder soziale Kategorie. Aber auch die Erkenntnis des nationalen Charakters der Judenfrage genügt noch nicht, wenn man sich nicht zur gleichen Zeit bewußt wird, daß die Juden ein Volk im Golus ohne ein nationales Zentrum sind. Das muß betont werden gegenüber jenen Ansichten, die sich mit der Formel ״Juden sind auch eine Nation“ beruhigen und daraus keine Konsequenzen ziehen oder die das nationale jüdische Problem entweder einem andern Problem unterordnen oder mit ihm derart verquicken, daß aus dieser unheilvollen Verkettung praktisch eine unzulängliche Behandlung der Judenfrage folgt. Der Fehler einer solchen Richtung besteht in der Fiktion, daß das jüdische Volk im Golus prinzipiell national so geartet ist wie die anderen Völker, obwohl auch diese Richtung oft nicht verkennt, daß wesentliche Unterschiede nicht nur ethnologischer und kultureller Art vorhanden sind. Diese Haltung, um wieviel sie auch einsichtiger als die der Leugner eines jüdischen Volkstums sein mag, bleibt in der Erkenntnis und in der Behändlung der Judenfrage auf halbem Wege stecken. in Deutschland und In den Ländern des Westens kommt die letzterwähnte Spielart nicht vor. Sie lebt in dem jüdischsozialistischen ״B u n d“ oder in da ״J e w s e k z i a“ in einigen Ländern Osteuropas bzw. in der Sowjet-Union. In Westeuropa hingegen findet man nur die Spielart jener sozlalistischen und kommunistischen Juden, die den nationalen Charakter der Judenfrage leugnen, ln der Sozialdemokratie ist erfreulichaweise in den letzten Jahren eine Wandlung zu verzeichnen. Immer mehr erkennen, was nicht verwunderlich ist, die führenden nichtjüdischen und, was leider als betnerkenswert bezeichnet werden muß, auch manche jüdis.hcn Sozialisten den nationalen Charakter der Judenfrage an und sind Befürworta einer spezifischen, da zionistischen, Lösung dieses Problems. In der kommunistischen Partei Deutschlands aba sicht es in dieser Hinsicht noch sehr schlimm aus. Dort herrscht noch die Vorstellung, daß das Erkennen des jüdischen .Volkstums und das Bekenntnis zu ihm (was allen anderen Völkern zugestanden wird) Chauvinlsmus sind, und dieser wird natürlich als ״bürgerliche ReaJction“ verschrien. In der kommunistischen Partei wird momentan noch starr-orthodox am Grundsatz festgehalten, daß alle Probleme, ausgenommen das soziale, unwichtig sind, daß alle Fragen letzten Endes Derivate des Klassenstaates und darum der Bekämpfung dieses unterzuordnen sind. Judentum und Zionismus liegen auf einer anderen Ebene als Sozialismus und Kommu* nismus, der ja nur eine Methode zur Verwirklichung des Sozialismus ist. Es ist zwar nicht zu leugnen, daß in der jüdischen Lehre und in der Ethik des Judentums und dementsprechend in den zionistischen Anschauungen viele Eiemente vorhanden sind, mit denen die wichtigsten Grundsätze des Sozialismus eine große Verwandtschaft, und zwar eine solche der Deszendenz aufweisen — aber im Grunde sind Judentum, Judenfragc und Zionismus Phänomene, die Sozlalls* mus und Kommunismus weder in sich schließen noch sic ausschließen. Es ist darum unbegreiflich, wie manche Soziaiisten und Kommunisten behaupten können, aus ihrem Soziaiismus oder Kommunismus heraus Judentum und Zionismus ablehnen ru müssen. Wenn sie es tun, so geschieht das nicht, wiewohl cs von kommunistischen Juden so oft gesagt wird, aus sozialistischen oder kommunistischen Gründen, sondern zumeist darum, weit sie sich auf der Fluch t vor dem Judentum befinden, weil sie dieses als ein Unbehagen verdrängen oder weil sie nicht gewillt sind, auch wenn sic es mit den Lippen bejahen, aus dieser Bejahung die Konsequenzen zu ziehen. Die Gleichgültigkeit gegenüber jüdischen Dingen und der Antizionismus so manche« jüdischen Sozialisten, Kommunisten und Pazifisten, ist nicht eine Sache der Ueberzcugung, sondern ein betrüblieber Mangel an Charakterstärke. Viele diesa jüdischen Typen übersehen die grauenhafte jüdische Unordnung in ihrer Seele und laufen mit dem Reformbesen fort- «christlichster Ueberzeugungea auf den öffentlichen Markt, um die Unordnung in der Welt zurechtzufegen. Wahre Ord* nung aber beginnt zu Hause. Am liebsten möchte man in diesen ״linken“ Kreisen von Judenfragen und Zionismus gar nicht sprechen. Das aber geht nicht gut, weil man es als Feigheit deuten würde. Also spricht man davon so nebenher, und tut diese Dinge mit den Worten reaktionär, mittelalterlich, chauvinistisch, imperia'istisch u. dgl. ab. Aber auch das genügt nicht Allzu sehr dringt sich die Tatsache der ewig wirksamen, alle Gebiete des Lebens, besonders in Deutschland, berührenden Judenfrage auf. Da hilft man sich mit dem alten Rezept: man untaordnet das Judenproblem dem allgemeinen des Kommunismus und vergißt nur dabei, daß man den fatalen Irrtum frührerer jüdischer Generationen übernimmt, die in einem ähnlichen Verhalten Schiffbruch erlitten haben. Man darf und kann als Jude nicht verlangen und erwarte«, daß die Lösung einer üba den einzelnen Völkern stehenden allgemeinen Frage auch die des Judenproblems mit sdch bringen soll oda wird. Wenn ein Deutsdia, Franzose oder Russe Sozialist oda Kommunist wird, so will a nur die Lösung des Gesellschaftsproblems; cs fällt ihm gar nicht ein, seine nationalen kulturellen und seelischen Probleme mit seinem kommunistischen Bekenntnis restlos zu verquicken. Nur d« jüd in eben: Kommunisten -in •<, Westeuropa hteibt es Vorbehalten, im allgemeinen Kladderadatsch da erstrebten sozial-proletarischen Revolution den Sonderprofit einer Lösung ihres Judenproblems einheimsen zu wollen, wie es früher die jüdischen Vorkämpfer da bürgalicben Revolutionen getan haben. Jene sind betrogene Betrüger geworden. Nichts spricht dagegen, daß es den Kommunisten jüdischer Abstammung ebenso agehen wird, gesetzt den Fall, es kommt zu einer siegreichen proletarischsozialen Revolution. Die Lösung der Judenfrage als Nebenprodukt bei der großen Fabrikation des allgemeinen Menschenglücks ernten zu wollen, ist nichts als die Perpetuierang eines alten unglückseligen jüdischen Irrtums. Ais Zionisten sind wir weder für noch gegen den Kommunismus. Wenn leider in der Praxis ein Gegensatz zwischen beiden Organisationen nicht nur in der Sowjet-Union, sondern auch in vielen anderen Ländern besteht, so ist das eine Folge der jüdisch-unsicheren Haltung der jüdischen Führer im Kommunismus. Diese haben ihren nichtjüdischen Gesinnung«- genossen die Fabel von der ״zionistischen Reaktion“ eingeblasen; diese sind es, die da jüdischen Jugend, welche menschlich und jüdisch leidet, einreden, daß ihr der Kommunismus auch das jüdische Himmelreich bringen wade. Diese entjudeten jüdischen Führer des Kommunismus treiben, um sich selbst zu bestätigen, Scelenfang unter der jüdischen Jugend. Jugend folgt stets den radikalsten Forderungen, and da die jüdische zumeist jüdischer Erlebnisse bar und seelisch entwurzelt ist, flüchtet sie sich in die kommunistischen Reihen. Sie mag es tun oder lassen: aber sie darf nicht glauben, daß sie damit ihr jüdisches Problem lösen wird. Verdrängung ist keine Lösung, Unterordnung, d. h. praktisch restlose Vernachlässigung, ist auch keine. Das Judcnproblem läßt seiner nicht spotten. Wer es unbewußt verschleiert, halbbewußt verdrängt, oder bewußt durch Unterordnung unter andere Fragen entwertet, züchtet eine Neurose, die früher oder später zum Ausbruch gelangen muß. Nur ehrliche unverschleierte Auseinandersetzung und aktive Stellungnahme durch Bejahung der Existenz dieser Frage kann Lösung und Erlösung bringen. Mühelos als Geschenk kann keinem zerstreuten Volke die Normalisierung in den Schoß fallen. Diese muß in harter Arbeit errungen werden. Das sollte sich vor allem die jüdischc Jugend vor Augen halten. Sie mag dann mit da• artigem Tun das Wirken für alles, was ihr sonst gefällt, verbinden. Sie darf nur nicht den historischen Irrtum der Assimilalionsjuden vom Jahre 1848 fortsetzen. Moses Waldmann, Urteile gegen Araber in Haifa Jerusalem, 10. Februar. (J.T.A.) Das Distriktsgericht in Haifa verurteilte neun Araber, die beschuldigt waren, während der Unruhen im August in das Haus des Juden Zvvi Hakeibaum eingedrungen zu sein, zu je fünf Jahren Gefängnis. — Das Jerusalemer Revisionsgerieht hat das auf je drei Monate Oefängnis lautende Urteil gegen zwei Araber aus Haifa, die am Z November, dem Jahrestag der Balfour-Deklaration, an einer Demonstration teilgenommen haben und ״Nieder mit der Balfour-Deklaration und der Regierung*‘ riefen, aufgehoben.

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