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Jüdische Rundschau · 1930-02-11 · Heft 12 (11.2.1930) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 12 (11.2.1930)
Date
1930-02-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr 12, 11. IL 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 81 »Stoff und Idee in der jüdischen Geschichtsschreibung" Ein Vortrag Dr. Rabbis. Wir haben bereits in der vorigen Nummer kurz über die diesjährige Entlassungsfeier des Jüdisch-Theologisehen Seminars in Breslau berichtet, bei welcher eine Gedenkfeier für den Stifter der Anstalt, Jonas Frankel, stattfand und fünf Absolventen das Rabbinerdiplom über* reicht wurde. Für das nächste Jahr wurde Dr. R a bi n zum Vorsitzenden des Dozcnten-Koilegiums gewählt. Ucber den Festvortrag Dr. Rabins ״Stoff und Idee in der jüdischen Geschichtsschreibung" sendet uns unser L. Rd.*Berichterstatter noch nachstehenden Bericht: Der Referent geht aus vom Unterschied zwischen dem Künstler, der von Schauen und Ahnen geleitet wird, und dem Historiographen, für den Erkenntnis und Ahnung die tragenden Kräfte ausmachen. Oeschichie besteht nicht nur in der lückenlosen Wiedergabe der Talsachen, sondern in der Aufdeckung der Ursachen, um zu den einheitlich wirkenden höheren geistigen Gesetzen des Geschehens vorzudringen. Daher resultiert die Zielrichtung auf die Erhellung der Idee, die den Stoff des Wirklichen zur Höhe des Wahren erhebt. Wir müssen drei Arien der Cieschichts- Schreibung unterscheiden: die referierende, die pragmatische und die genetische. Bei der ersten steht das rein Stoffliehe im Vordergrund, erst die zweite und dritte Methode ordnet den Stoff nach Prinzipien und Ideen, wobei die Einfühlungsfähigkeit des Historikers dem Stofflichen ordnend entgegentritt. Die Lust am Wissen darf die Wissenschaft nicht tibersteigen, daher lehnen wfr die referierende Methode ab. Die jüdische Geschichisbetrachtung zeigt schon in den bib'isehen Erzähliingsbüchern den genetischen Charakter, der ihr anhaftet, da die Idee als konstitutives Element auftritt. Eigentliehe Idee ist hier die Wirkung Gottes in der Weit, die, um offenbar zu werden, des Stofflichen bedarf. Die religiöse Idee ist die innerste Kraft, die den alt jüdischen Nationalismus erfQJlt und Israel zum verantwortungsvollen Gottesvolk werden läßt. Josephus ahmt die griechischen Historiographen nach, verfehlt dabei aber Zweck und Idee der jüdischen Ge- Schichtsschreibung, da die Idee bei ihm lehrhaften Charakter annimmt. Talmud und Midrasch lassen uns wenig Historisches entnehmen, von Geschichtsschreibung kann jadenfalls nicht die Rede sein; das Mitteialter gibt hauptsächlich chronikartige Aufzeichnungen pragmatischen Charakters. Jüdische Geschichtsschreibung beginnt von neuem mit dem Eintritt der Juden in die europäische Geisteswelt Zunächst fällt eine Anhäufung des Stofflichen auf, da dies als Wissenschaft gilt. Krochmal fühlt die Notwendigkeit einer leitenden Idee, bleibt aber bei geschichtsphilosophischen Betrachtungen stehen. Erst Graetz sucht den Weg zu Stoff und Idee, da man nicht Geschichte schreiben kann, ohne die Idee des Geschehens zu erfassen. In der spiritualistisch-efhischen Idee erkennt er die Tendenz, den Willen zum Göttlichen im Irdisehen zu gestalten, das Gottesgesetz im Staat zu verlebendigen, die Thora auf dem heiligen Boden durch das jüdische Volk zu verwirklichen: daher sieht er die treibenden Kräfte in einer Verbindung des Religiösen mit dem Politischen. Für Frankel bedeutet es eine Minderung der eigentlichen Macht der jüdischen Gottesidee, in ihr in erster Linie eine Staatsidee zu erkennen. Auf vielen Gebieten fehlt bei Graetz die leitende fdee des Judentums, da er die lebendige Kraft der religiösen Idee oft verkennt, die in der jüdischen Geschichte wirkt Doch auch bei Dubnovv ist die Idee nicht tragend genug, um das Stoffliche zu überwinden. Auch er will die Seele der jüdischen Geschicke seinem Volk vor Augen führen lad «ffieltet bewußt für däs *Ziel einer nilonalen Selbsterkenntnis. Die jüdische Geschichte ist mehr als eine vergeistigte Geschichte, sie ist nicht nur Kampf um Erhaltung der geistigen Selbständigkeit, sie ist auch die Anstrengung zur Behauptung des Volkes als einer autonomen Nation. Graetz schuf eine Geschichte des Judentums, Dubnow eine Geschichte der Juden, die aber das jüdische Leben nicht vollständig erfaßt, da der Wille zu Gott das Geschehen nicht als Zentralidee durchzieht. Für den weiteren Ausbau der jüdischen Geschichte muß den politischen und wirtschaftspolitischen Momenten, wie schon bei Dubnow, mehr Beachtung geschenkt werden. Geleitet muß die Geschichte sein von der religiösen Idee der ältesten jüdischen Ge- Schichtsschreibung in ihrer nationalen und universellen Bedeutung. L. Rd. Die Verwendung des Palästina-Nottonds Eine offizielle Mitteilung des Londoner Komitees des Palestine Emergency Fund (Palästina-Notfonds) besagt: In den letzten Monaten haben sich die Mitglieder des Londoner Komitees des Palestine Emergency Fund eingehend mit Vorschlägen über die Verwendung der Gelder des Fonds befaßt: Die Vorschläge wurden von dem aus den Herren Ruthenberg, Hexter lind Kisch bestellenden Sonderkomitee in Palästina unterbreitet, das zur Verwaltung des Fonds eingesetzt wurde. Es ist derzeit noch nicht möglich, den vollständigen Plan für Zuwendungen aus dem Notfonds bekanntzugeben, vorläufig hat das Londoner Komitee in Uebereinstimmung mit dem Komitee in New York die folgenden Zuwendungen definitiv guVeheißcn: 1. Konstruktive und Nothilfe 130 000 Pfund; 2. Wiederaufbau der Kolonien Kfar Uriah, Hulda, Artuff, Beer Tuwiah, Moza, Kalandiah 65 000 Pfund. 3. Safed 25 000 Pfund. 4. Konsolidierung der wirtschaftlichen Lage in Haifa und in Jerusalem, insbes. in Verbindung mit Wohnbauprojekten 50000 Pfund. 5. Streßen, Telephon. Einfriedungen, Zentralbauten, Bodenkauf usw., Kredite für Handel und Industrie (um Kaufleuten und HäicFern, die durch die!üagsten Unruhen und den nachfolgenden Boykott geschädigt wurden, durch Darleben zu verhelfen, daß sie ihre frühere Position wiedererlangen) 109 500 Pfund. Erörtert wurde die Frage der Entschädigung und individuellen Wiederaufrichtung als Ergänzung der von der Regierung geleisteten Entschädigung; es wurde aber von einer Beschlußfassung bis zum Zeitpunkt des Abschlusses der Verhandlungen mit der Regierung abgesehen. Das Komitee wartet noch immer auf definitive Vorschläge bezüglich Hebrons; es hofft, bald einen diesbezüglichen Beschluß mitteilen zu können. Die Herren Hoofien, Mohl und Ooldwater, die die jüdischen Finanzinstitutionen reprlsentieren, beraten das Komitee des Emergency Fund in Palästina bei der Gewährung von Darlehen. Es besteht der Plan, den Wiederaufbau von Safed nach doppelter Richtung zu vollziehen: In der Altstadt wird ein jüdisches Hand eis v i e rte I erbaut, auf freiem Gelände außerhalb der überfüllten Stadt wird ein neues Wohnviertel errichtet werden. Man erwartet, daß Ende Februar alle Hilfsstellen in Palästina werden schließen können; vielleicht mit Ausnahme der Hilfeleistung an die Hebron-Juden. Kommerzialrat Albert Moos Die Palästina-Bewegung in Deutschland hat einen schweren Verlust zu verzeichnen. 79jährig verstarb in Stuttgart Kommerzienrat Albert Moos, seit 1926 Mitglied des Präsidiums des Deutschen Keren Hajessod, ferner Mitglied des Deutschen Komitees Pro Pa’ästina sowie des Initiativkomitees für die Jewish Agency und trotz seines hohen Alters und seiner ausgedehnten Berufspflichten unermüdlich für unsere Sache tätig. Als ich vor nun fast fünf Jahren in Stuttgart mit einem nichtzionistischen Kreis über Anschluß an den Keren Hajessod verhandelte, war er es, der sich als erster von den führenden jüdischen Persönlichkeiten Württembergs den Arbeiten des Palästinawerkes zur Verfügung stellte und sich, wie es seiner Natur entsprach, vom ersten Tage seiner Zugehörigkeit zum Keren Hajessod an mit wahrh|ft jugendlichem Feuer und zäher Tatkraft für sie einsetzte. Schnell hatte er mit der ihm eigenen Klarheit des Denkens erkannt, daß gegenüber der großen Sache des Aulbaus der jüdischen Heimstätte durch das Gesamtjudentum alle Vorurteile und Bedenken einer ver* gangenen Zeit zurückgestellt werden müßten. Weil es Jüngeren ein Beispiel zu geben galt, ging er voran. Aber er empfand das fast als selbstverständlich, so wenig hatte das Alter Macht über ihn. Mit seiner engeren Heimat — er stammte aus einer alteingesessenen Familie Württembergs — gefühlsmäßig stark verbunden, von ganzem Herzen ein deutscher Jude, hatte er nicht das Empfinden für das Schicksal der Judenheit verloren und selbst stolz auf ihre große Tradition, wol'te er eine bessere Zukunft verwirklichen helfen. Vornehm, gütig, großzügig wirkte er, erfüllte die großen und die kleinsten Aufgaben der Arbeit mit dem gewinnenden Charme seiner seltenen Persönlichkeit Als ihn die tückische Krankheit, der er nun nach über einjährigem Kampf erlag, packte, besuchte ich ihn das letzte Mal gemeinsam mit Martin Buber. Wir fanden ihn ungebrochen, aber schon ringend mit dem Todesbewußtsein. Ehe wir schieden, erörterte er leidenschaftlich den Plan einer Paiäsfinareise. Dieser Wunsch ist ihm nicht erfüllt worden. Aber das jüdische Volk lebt, das den Einzelnen vor Vergessenheit und Untergang schützt. Ernst Marcus. Zorn Jüdisch •arabischen Problem Ein scfardischer Jude in Jerusalem, Eliahu Sasson, ver- Öffentiicht einen Artikel im arabischen ,,Fc'.estin“, worin er beklagt, daß die Zionistische Exekutive nichts getan habe, um mit den Arabern zu verhandeln, bevor diese eine Delegation nach London schickten. Den Arabern wäre es ganz gleichgültig, ob sie die Sicherung ihrer Rechte durch Verhandlungen mit England oder durch Verständigung mit den Zionisten erreichten. Die Zionistische Exekutive müsse verstehen, daß die Araber zu respektierende Rechte in diesem Lande besäßen. Der Artikel schließt mit der nochmaligen Aufforderung an die Zionistische Exekutive, Verhandlungen mit den Arabern einzuleiten, um das Land vor neuen Streitigkeiten zu retten. Die Affäre Dreyfus und Fürst Btilow. in einem Vortrag, den Dr. Bruno Weil am 5. Februar in der Berliner Singakademle hielt, wurden interessante Details aus den deutsehen Akten zum Tall Dreyfus enthüllt Die Akten betreffen Berichte des damaligen deutschen Botschafters in Paris, Grafen Münster, des deutschen Militärattaches, Oberst Schwarzkoppen. Randbemerkungen Wilhelm 11. zu den Berichten, schriftliche Aeußerungen des Reichskanzlers Fürsten Bülow, die Niederschrift einer Unterredung zwischen Münster und Schwarzkoppen 11. v. a. Aus allen diesen Aufzeichnungen geht klar hervor, daß Major Estherhazy, der damals von der französischen Militärpartei gedeckt und gegen die Anklagen eines Zola, Clemenceau u. a. m. beschützt wurde, dem Oberst Schwarzkoppen französische militärische Akten ausiieferte und an ihn jenes mysteriöse ״bordereau“ schrieb, das später in die Hände des französischen Generalstabs gespielt wurde und dessen Autorschaft durch ein falsches Urteil von Schriftverständigen Dreyfus zugeschrieben wurde. Bevor der zweite Dreyfus-Prozeß vor dem Militärgericht in Rennes stattfinden sollte, wandten sich der damalige französische Ministerpräsident, der französische Außenminister und der französische Kriegsminisfer!«liiert und geheim, ohne daß einer von der Tat des anderen wußte, an Kaiser Wilhelm und an den Reichskanzler Fürsten Bülow mit der Bitte, wenn Dreyfus unschuldig ist, das mitzuteilen, was ihn entlasten kann. Der Appell der französischen Regierungsleiter ist daraus zu erklären, daß sich Frankreich damals infolge der Dreyfus- Affäre fast an der Schwelle eines Bürgerkrieges befand, der durch die Klärung des Falles vermieden weiden sollte. Aus den deutschen Akten nun geht hervor, daß Kaiser Wilhelm seinerseits nicht abgeneigt war,, das zu tun, was zur Liquidierung der Affäre geführt hätte, Fürst Bülow, der Reichskanzler, aber vertrat einen anderen Standpunkt. Es sei nicht zu wünschen, so führte er aus, ״daß Frankreich durch eine rasche und eklatante Reparation von Dreyfus sich sofort wieder die liberale und jüdische Sympathie erwirbt. Am besten ist es, wenn die Affäre weiter schwärt, die Armee zersetzt und Europa skandaliert." So wurde die Rehabilitierung Dreyfus auf Jahre hinaus verzögert. Das Rechtsprinzin und die Ehre eines untadeligen Ehrenmannes wurden der Staatsraison geopfert. In der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums sprach im Rahmen der Montagsvorlesungen der evangelische Theologe Prof. Alfred B e r t h 01 e t über den .,Opfergedanken in der Religion“. Der Vortragende gab eine religionsgeschichtliehe Darstellung über die Ursprünge des Opfers, die er durch zahlreiche Beispiele aus den verschiedensten Religionen in fesselnder Weise illustrierte. Der ur'—üngliche Sinn des Opfers war die magische Kraftwirkung, dur-h die der Opfernde in das Spiel der Kräfte, als welches die Welt erschien, eingreifen wollte. Dieser dynamistischen Auffassung gemäß wollten die Primi* tiven durch entsprechende Opfer nützliche Kräfte stärken, verderbliche beseitigen. Aus dem dynamistischen Charakter des Opfers ergaben sich auch die verschiedenen Riten, die mit der ״Kraftgeladenheit“ (Heiligkeit) des Opfers Zusammenhängen. Auf einer späteren Stufe der Entwicklung wird das OpfertnaW als Symbol der Communio, der Vereinigung mit der Gottheit (Robertson Smith) die Hauptsache, hinzu tritt Jedoch auch der uaben-Gesichtspunkt, <L h. der Wunsch, durch Geschenke an die Gottheit deren Gunst zu gewinnen oder ihren Zorn abzuwenden. Erst allmählich vollzieht sich der Fortschritt zu einer höheren Stufe, vom Sinnlichen zum Geistigen. Aus dem Widerspiel der konservativen und der fortschrittlichen Mächte setzt sich die Geschiehte des Opfers zusammen. Dieser Prozeß, den wir auch im Alten Testament beobachten können, erhält seine Krönung durch die allmähliche Entwicklung des Ethos, wodurch der Oprergedanke völlig umgestaltet wird. — Der Vortrag, der, von Einzelbeispielen ausgehend, natürlich nur die Hauptfinien der Entwicklung charakterisieren konnte, gibt ein lebendiges Bild von der Vielgestaltigkeit der Vorstellungsweisen der Völker und gewährt tiefe Einblicke in die Ur-Funktion des menschliehen Geistes. _ Konzert Sawel Kwartfn Was uns heute an dem Oberkantor Kwartin aus New York in erster Linie interessiert, ist nicht der immer noch metallische Glanz seiner Stimme noch seine ״Improvisationen“, die den Hauptteil seines Konzertes bildeten. Diese Improvisationen sind mehr volksliedartig als synagogal, mehr rhythmisch als rezitativisch und ohne tiefere Beziehung zu den verschiedenen In* halten des jeweilig Auszudrückenden. (Ein Ekstatiker ist Kwartin überhaupt nicht.) Sie unterliegen alle dem gleichen melodisch-dynamischen Steigerungsgesetz, dessen Wirkung uns fast zu erprobt scheint. Viel wertvoller als dies waren die sogenannten ״Zugaben“, etwa der traditionelle (ungarische) Nussach eines ״Jaale“ oder eines ״Ei boruch n'imaus“. Hier spürte man —- besonders bei den Anfängen — den Chasan großen Stils und echter Ueberliefemng, wenn auch bisweilen die fast zu bewußte und überlegene Gestaltung und auf den Effekt berechnete Koloratur den Zuhörer erkalten ließ. Eine Katastrophe war die Klavierbegleitung. Sie bestand gleichfalls aus einer Art ״Improvisation7": Ein Wechselspiel zwischen unaufhörlichen Oktavtremolos und plumper wörtlicher Imitation der gesungenen Motive. Dies alles mit der routinier* ten Geste eines Kinoklavierspielers, Es gehört schon ein erhebliches Abstraktionsvermögen dazu, an diesem Accompagnement vorbeizuhören und sich auf den Gesang zu konzentrieren! Aus dem Zuhörerkreis wurden neben größten Beifailsktmdgebungen ebenso undisziplinierte wie berechtigte Einwände gegen die Programmzusammenstellung laut. So erstaunlich immer wieder die Unverfrorenheit Ist, mit der Konzertiiörer dem Vortragenden während des Konzertes Vorschriften zu machen wagen, so lag dem in diesem Falle doch ein gesunder Instinkt zugrunde: es ist natürlich absolut stilwidrig, zwischen synagogalen Gesängen Gassenhauer (wie die Lieder von Braslawsky oder Zilberts) oder Schubertlieder zu singen, selbst wenn letzteres mit Hilfe eines so bezaubernden Koloratursoprans geschieht, wie ihn Klara Kwartin, Mitglied der Berliner Staatsoper, besitzt. Alice Jacob-Loewenson. Kleine Nachrichten Nathan Strauß sandte dem High Commistioner von Palsfina Sir John Chancellor ein Glückwunsehtelegramm mm neuen Jahr, auf das der High Commissioner folgendes antwortete: ״Nehmen Sie meinen wärmsten Dank für Ihre guten Neujahrswünsche entgegen, die ich herzlich erwidere. Ich hoffe, daß das Jahr 1930 ein Jahr des Friedens und des Aufblühens werde. Ich werde keine Anstrengungen scheuen, dieses Ziel zu erreichen.“ (Ziko.) In den letzten Tagen wurde in Warschau fine Konferenz der jüdischen religiösen Führer aus ganz Polen abgehalten, der die Chassidim-Rabbis ״Gerer Rebbe“, ״Alexander Rebbe“, ״Beizer Rebbe“, sowie zahlreiche beamtete Rabbiner der großen jüdischen Gemeinden Polens beiwohnten. Einstimmig wurde beschlossen, einen religiösen Oberrat für ganz Polen zu gründen, in dem alle Richtungen vertreten sein sollen. Im Verfolg des zwischen der Theologischen Fakultät Gießen und der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums eingeleiteten Vorlesungsaustausches hat Herr Rabbiner Dr. L. Baeck in der vergangenen Woche einige Vorlesungen in Gießen gehalten, die sich außerordentlichen Zuspruchs erfreuten. In derselben Woche hat Dr. Baeck auf Einladung der theologischen Fakultät Marburg auch dort mit großem Erfolg VPflesiagen gehalten. Briete an die Redaktion Berlin N24, den 22. Januar 1939. Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ Berlin. Sehr geehrte Redaktion! Laut Bericht der ״Jüdischen Rundschau vom 10. Januar 1930 hat der Vorsitzende der Z.V.f. D., Herr Blumenfeld, in seinertf Referat über ״Zionistische Arbeit in Deutschfand“ unter anderem folgendes ausgeführt: ״Die Wirkungsmöglichkeiten der Poale-Zion in Deutschland z. B. beruhen ganz gewiß nicht darin, daß sie zu ihren Tagungen zwar Antizionisten jeder Schattierung, aber keine sogenannten ״Bürgerlichen“ Zionisten einiädt.“ Das Zentralkomitee der Jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poalc-Zion erklärt hierzu, daß noch nie Antizionisten irgendwelcher Schattierung zu den Tagungen der Partei eingeladen wurden. Bei dieser Gelegenheit gestatten wir uns, auch auf die Unrichtigkeit Ihrer Briefkastennotiz in der Nummer vom 17. Januar hinzuweisen. Es ist unrichtig, daß die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau" um eine Einladung zu unserer diesjährigen Landeskonferenz ersucht hat. Mit vorzüglicher Hochachtung und Zionsgruß Zentralkomitee der jüd, sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion in Deutschland i. A,: (Name) * * Dazu ist zu bemerken: In dem Artikel von Herrn Blumenfeld war gemeint, daß die Poale-Zion Sozialisten eihladen, die den Zionismus ablehnen. Fest steht, daß die Z. V. f. D. von ihnen vorsätzlich nicht eingeladen wurde. Dasse'be ist der Fall bezüglich der Redaktion der ״J. R “, die sowohl im Vorjahr als auch in diesem Jahr zu der Landeskonferenz nicht eingeladen wurde, obowhi man sie als Pubükafionsorgan in Anspruch nahm. Ein Herr der Redaktion hat in diesem Jahr mündlich urn Einladung ersucht, was abgeschlagen wurde. Vielleicht war die angegangene Person nicht kompetent; jedenfalls glauben wir, daß es nach allen Gepflogenheiten Sache eines zionistischen Verbandes wäre, die Redaktion auch ohne besondere Aufforderung einzuladen, falls er auf Berichterstattung reflektiere. Wenn sich das in Zukunft ändert, werden wir dies gewiß gern anerkennen. Red. Ortsgruppen Chemnitz. Unsere Ortsgruppe begann die Wiiiterarbeit am 16. November mit einer Aussprache über die gegenwärtige Lage im deutschen Zionismus. Dr. Alfred Fleiß und Michael Bermann, die an der Landesvorstandssitzung in Berlin teilgenommen hatten, gaben den einleitenden Bericht, an den sich eine Diskussion anschloß. Am 24. November veranstaltete die Jewish Agency eine Kundgebung, zu der Dr. Brodnitz und Dr. Georg Landauer als Redner vorgesehen waren. Leider war Dr. Brodnitz durch Krankheit verhindert zu erscheinen. Am 28. Novetnber sprach Dr. Kanowitz über die Bedeutung des Aufbaus Palästinas für die Stellung der Juden in der Welt. Der Redner gab eine eingehende Schilderung der innen- und außenpolitischen Lage im Zionismus. Seine Ausführungen riefen eine lebhafte Diskussion hervor, in der hauptsächlich die von der Leitung der Z. V. f. D. abweichenden Ansichten zum Ausdruck kamen. Dr. Kanowitz widerlegte seine Gegner in einem ausgezeichneten Schlußwort. Ueber das Ergebnis der am 19. Dezember vorge-

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