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Jüdische Rundschau · 1930-02-11 · Heft 12 (11.2.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 12 (11.2.1930)
Date
1930-02-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite׳ so JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 12, 11.E 1930 stark infolge der Krise. Der Jude leidet aber doppelt und mehrfach und deswegen ist die jüdische Not am stärksten und die Lage der Juden die traurigste. Objektive und spezifische Ursachen gestalten die Situation der polnischen Juden hart und grausam. Die oben angeführte!1 ökonomischen Tatsachen treffen in erster Linie Handel und Industrie. Nun sind aber in diesen Wirtschaftszweigen, hauptsächlich im Handel, die Juden stark vertreten. Die Steuerlast hat in erster Linie die Stadtbevölkerung schwer zu tragen, und bekanntlich sind die Juden fast ausnahmslos ein städtisches Element. Der Staatsetatismus und die mit Hilfe des Staates sich immer mehr entwickelnde kooperative Bewegung bedeuten ebenfalls eine kolossale Schädigung des freien Handels, kehren sich also wiederum größtenteils gegen die Juden als Handelselement par excellence. Bis hierher reichen die objektiven Umstände, die wir nicht auf Konto des Antisemitismus setzen können. Diese Umstände aliein bewirken aber noch nicht vollständig die katastrophale Lage der polnischen Judenhelt. Der Prozeß der Reorganisierung und Anpassung des polnischen Wirtschaftslebens vollzieht sich auf Kosten der jüdischen Bevölkerung und gibt dieser, wie der Finanzratgeber Amerikas in Polen soeben in New York erklärte — gar keine Möglichkeit, ״sich in das neue ökonomische System einzugliedern“. Und ist es richtig, daß die neuen Wirt- Schaftsmethoden in Polen nicht aus Antisemitismus eingeführt werden, so ist es ebenso wahr, daß die unausbleibliche Folge dieses neuen Systems, die Verdrängung und Vernichtung jüdischer Existenzen, mit Befriedigung von fast allen Teilen der polnischen Gesellschaft aufgenommen wird. Und muß man zugeben, d«ß auch der polnische Kaufmann und Industrielle, der polnische Handwerker arg bedrängt werden, kann man doch nicht leugnen, daß der jüdische Mittelstand verhältnismäßig mehr Steuern zahlt und keinen Kredit dort genießt, wo ihn der polnische Kaufmann doch findet. Die Tragik beginnt aber für den polnischen Juden in derft Moment, wo er sich vergegenwärtigt, daß er nicht nur seine Habe verliert, sondern keine Möglichkeit bekommt, sich irgendwie anders einzurichten. Kein anderer Beruf steht ihm offen, weder ihm noch seinen Kindern. Die Staats- und kommunale Verwaltung nimmt keine Juden auf. Sie können in der Administration weder höhere noch die niedrigsten Aemter bekleiden. Also die einzige Schicht, welche gegenwärtig vom Staate (aus den Steuern der Juden in unverhältnismäßig höherem Maße) ausgehalten wird4 diese Schicht ist fast judenrein. Der Jude kann sich auch nicht proletarfsleren. Er findet nämlich keinen Zutritt zu den Fabriken, auch wenn deren Eigentümer Juden sind. Und die kleine Zahl der vor- *länderten jüdischen Industriearbeiter ist jetzt größtenteils arbeitsjpe. Es wäre schon sehr gut, wenn diese Beschäftigung finden sollten. Der jüdische Handwerker ist in seiner Existenz bedroht, da die neuen Zunftgesetze ihn in erster Linie gefährden. Ein neues jüdisches Handwerkergeschlecht wird jetzt nur auf dem Wege durch eine Fachschule ausgebildet werden können. Die allgemeinen Fachschulen nehmen aber keine Juden auf, jüdische Fachschulen - gibt es jedoch sehr wenig und die vorhandenen werden von den Behörden auf unerhörte Weise schikaniert. Die diplomierten freien Berufe sind auf Jahre mit Juden vollgestopft und überhaupt überfüllt; der Uebergang zur Landwirtschaft in Polen ist kaum durchführbar. Von einer namhaften Emigration kann aus bekannten Gründen jetzt und auch in den nächsten Jahren kaum die Rede sein. Was bleibt also zu tun? Es muß gesagt werden, daß die jüdische Gesellschaft in Polen als solche und auch ihre offiziellen Vertreter, die zionistischen mit eingeschossen, sich von dieser Situation bisher keine gehörige Rechnung abgegeben haben. Unser gesellschaftlicher Kampf nach außen war Vor allem ein politischer Kampf, unsere Arbeit im Innern vernachlässigte das Gebiet der Wirtschaft und der wirtschaftlichen Organisierung. Das rächt sich jetzt bitter. Genug darauf hinzuweisen, daß wir bis nun kein entsprechendes statistisches Material besitzen, auf das sich doch alle unsere Schritte stützen müßten. Erst in den letzten Tagen ging man an diese Arbeit heran. Diese jüdische Pariamentsvertretung hat keinen unmittelbaren Kontakt mit den jüdischen wirtschaftlichen Sphären und verfügt über keine genau ausgearbeiteten Vorschläge bezüglich der Wirtschaftliehen Lage. Auch erst in den letzten Tagen wandte man sich hiewegen an sämtliche jüdischen wirtschaftlichen Verbände. Und diese letzten sind zersplittert, schwach organisiert, von keinem leitenden Gedanken getragen, immer nur auf lokale und egoistische Gruppeninteressen bedacht. Durch und durch opportunistisch gestimmt, standen sie unserer Pariamentsvertretung fern, um ja nicht ״Wirtschaft mit Politik zu verbinden“, damit man es ihnen nicht an den hohen Stellen verübelt Es half aber gar nichts. So beginnt man jetzt allerseits, die Fehler einzusehen und schreitet an die ersten Aufgaben heran: Zusammenfassung aller Organisationen, Klarstellung der Lage, Ausarbeitung eines Rettungprogramms. In Lemberg fand vor einigen Tagen zu diesem Behufe eine von der Zionistischen Organisation einberufene Wirtschaftskonferenz unter Vorsitz Dr. Rotten- Streichs statt, ihr wird nächstens eine ähnliche für Westgalizien folgen, und hoffentlich gelingt eine ebensolche in Kongreßpolen und dann ein gemeinsames Auftreten im ganzen Reiche. Was ist nämlich zu fordern? Nach Innen Organisierung einer großangelegten, produktiven Selbsthilfe, Ausbau des Vorhandenen (Kooperative, Fachschulen, Hachscharah, Erfassung der vorhandenen Emigrationsmöglichkeiten, unmittelbare gesellschaftliche Hilfe), nach Außen der Regierung und der öffentlichen Meinung gegenüber unaufhörlicher Hinweis auf unsere Lage und Forderung nach staatlicher Hilfe auf aßen Gebieten: Reform des Steuer Wesens, K re - ditgewährung, Abschaffung der Schikane seitens der Administration, Aufnahme jüdischer Bewerber in den öffentlichen Aemtern, Er - möglichung des Ueberganges zu anderen Berufen, Förderung der jüdischen Fachschulen, Subventionierung des jüdischen Schulwesens und jüdischer gesellschaftlicher Institut i o n e n. All diesen Forderungen gaben bereits beredten Ausdruck in den letzten Tagen von der Parlamentstribüne die Vertreter des jüdischen Klubs, die Abgeordneten Orünbaum und Heller. Beide schilderten in großangelegten Reden während der Budgetdebatte im Plenum die trostlose Lage der Juden, und während Orünbaum als Redner ln der Generaldebatte die Diagnose stellte und die negativen Erscheinungen bloßlegte, gab Heller unsere positiven Forderungen bekannt und nahm Gelegenheit, auch auf die Selbsthilfe der jüdischen Gesellschaft hinzuweisen, die von der Regierung unterstützt werden muß. ln diesem Zusammenhänge erwähnte Abg. Heller das zionistische Werk und die Bedeutung des ״Hccha- I u z“ für die Linderung der jüdischen Not in Polen. Das ausländische Judentum hat jetzt die Pflicht, seinen Brüdern in Polen zu helfen. Der ״Joint“, die ״!ca“ und andere Hilfsorganisationen müssen sich jetzt der Lage in Polen zuwenden. Materielle und moralische Stütze ist äußerst notwendig. Die Verbände der polnischen Juden in Amerika und England haben schon bei dgn dortigen Vertretern der polnischen Regierung vorgesprochen. Dies beweist, daß der Ernst der Lage richtig aufgefaßt wird. Mittel für neue Kolonisationsarbeit Die zionistische und palästinafreundliche Oeffentlichkelt stand einige Monate hindurch vollständig unter dem Eindruck der Ereignisse in Palästina. Dementsprerhend konzentrierte sich die gesamte Arbeit in sehr vielen Ländern hauptsächlich auf die Stärkung des Hilfsfonds, mit dessen Erträgen man die entstandenen Schäden in raschester Zeit gutmachen wollte. Nunmehr ist die Arbeit für diesen Fonds seit einigen Wochen abgeschlossen und die Jewish Agency, der gegenwärtig der Keren Hajessod untersteht, bemüht sich, dieses wichtigste Finanzinstrument zu stärken. In EUropa haben denn auch in den meisten Ländern die Aktionen dieses Jahres für den Keren Hajessod eingesetzt In Deutschland, dessen Ergebnisse in den letzten Monaten in der Liste der beitragenden Länder an erster Stelle steht, hat die Arbeit überhaupt keine Unterbrechung erfahren und wird systematisch fortgeführt. In Kongreffpoien setzte die Kampagne mit dem Besuche des Präsidenten Sokolow ein und wird von Dr. Alexander Goidstei n und dem ehemaligen Bürgermeister von Tei-Awiw, Bloch-Blumenf e I d , weitergeführt ln Westgalizien und Polnisch- Schlesien hatte die Aktion bisher gute Ergebnisse zu verzeichnen. In Ostgalizien hat Leib Jatfe die Kampagne in Lernberg eröffnet und wird sie in den größeren Provinzstädten fortsetzen. In Rumänien hat Beßarabien in diesem Jahre die besten Ergebnisse im ganzen Lande aufzuweisen. Die Bukowina und Transsylvanien stehen hinsichtlieh ihrer Ertrage hinter den vorangegangenen Jahren nicht zurück und in Altrumänien wurde die Arbeit mit Energie aufgenommen. Ungarn führt in diesem Jahre zum ersten ,Maie eine regelrechte Aktion für den Aufbau'onds durch. Der Delegierte des Keren Hajessod, Dr. Wilensky, wurde vom stellvertretenden Ministerpräsidenten und vom Unterrichtsminister empfangen und veranstaltete einen Presseabend, auf dem alle führenden Zeitungen der ungarischen Hauptstadt vertreten waren. In Jugosiavien wird die Arbeit in den nächsten Wochen aufgenommen. In der Tschecho-Siov a k e i wird sie ähnlich wie in Deutschland, systematisch und regelmäßig fortgeführt und zeitigt gute Ergebnisse. In L e 11 ־ fand und fa der Freistadt Danzig hat Kurt Blumenfeld, der Vorsitzende der Z. V.f. D., die Einleitung der Keren Hajessod-Kampagne durch kürzere Aufenthalte In beiden Ländern übernommen. In Litauen bewertete die Anwesenheit Prof. Brodetskys auch eine Be'ebung der Keren Hajessod-Arbeit. Italien hat für den Hilfsfonds größere Summen beigetragen und führt gegenwärtig Samm’ungen für den Keren Hajessod durch. Auch in Frankreich geht die Arbeit vorwärts und wird in ihren Ergebnissen hoffentlich die Erträge der früheren Jahre übersteigen. In England hat das neue Keren Haiessod-Komi'ee aus Zionisten und Nichtzionisten sich das Ziel gesetzt, in diesem fahre für den Keren Hajessod ungefähr 50000 Pfund aufzubringen. Die Mitglieder des Komitees hahen die Verantwortung für die Erreichung dieses Zieles, das ihnen von Harry Sacher gewiesen wurde, übernommen. So sind denn alle euronäischen Länder nach den Erschütterungen durch die Ereignisse in Paläs'ina zu der regulären Tätigkeit für den Keren Haiessod zurück״,e'rehrt. Man kann annehmen, daß die Juden der europäischen Länder ihre Verpflichtungen gegenüber dem Paiästinaaufbau in dem vorgesehenen Maße erfüllen werden. Es wäre nur zu wünschen, daß auch in den außereuropäischen Ländern nach der ArbePsoause für den Keren Hajessod, hervorgerufen durch die Ak'ion für den Hilfsfonds, die Juden alles tun werden, um den,Betrag für die Kolonisation in Erez-Israel aufzubri igen, mit dem sie bei der Aufstellung des Tahres-Pudgcts des Keren Haiessod eingeschätzt wurden. Es ist festzustellen, daß in den meisten Ländern in diesem Jahre die nichtzionistischen Mitglieder und Freunde der Jewish Agency sich bereitwilligst für die Arbeit im Dienste des Keren Hajessod zur Verfügung gestellt haben. Min kann erwarten, daß di״se Zusammenarbeit sich immer inniger gestalten und als Ergebnis einen Aufschwung der Erträgnisse für den Aüfbaufonds haben wird. h. a. Baubewegunrf in Jerusalem. Man schreibt uns: Die Bewegung der bei Arabern zur Miete wohnenden Juden in den palästinensischen Städten, besonders in Jerusalem, zur Ueber- Siedlung in rein jüdische Viertel hält unverändert an. Die Palestine Land Development Company Ltd. hat von ihren am Merkas-Mischari gelegenen Grundstücken, auf den’en bekanntlieh eine große Anzahl Läden schon ausgebaut sind, auch im Januar wieder einige wertvolle Parzellen verkauft. Verbandlungen wegen weiterer Verkäufe schweben. Die Mehrzahl der Käufer schreitet unverzüglich zum Bau. Aber nicht nur in den jüdischen Zentren der Stadt (Merkas-Mischari und Antimosgarten) wird gebaut, auch in den Vorstädten ist eine Verstärkung der Baubewe׳nmg in den letzten Wochen unverkennbar. So werden unter anderem in der sehr schönen Jerusalemer Vor- Stadt Rechawiah, deren Boden die Palestine Land Development Company Ltd. vor einigen Jahren erwarb, wieder eine Anzahl Neubauten in Angriff genommen. Das Achad Haam-Stipendfum der Hebrä'schen Universität. Am 28. Januar, dem dritten Jahrestage des Todes Achad Haams, gelang'e zum ersten Male das von Freunden und Verehrern Achad Haams auf seinen Namen gestiftete Stipendium zur Fürderung philosophischer Forschungsarbeit zur Verteilung. Der Empfänger des Stipendiums ist Achad Haams Sohn Scioma 0insberg. Das Stipendium wurde ihm für einen Aufenthalt an der Londoner Universität, wo er Ethik studieren will, zuerkannt. Das Statut der Stiftung sieht vor, daß die Emnfänger des Stipendiums an die Universität Jerusalem zurückkehren, um ihr die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten zugute kommen zu lassen. Eine bindende Regel in dieser Hinsicht besteht jedoch nicht. (J.T. A.) Die fOdlsche Nationalität ln der Tschechoslowakei Ein verfassungswidriger Anschlag Oer "Statistische Staatsrat der Tschechoslowakei hat der Regierung einen Beschluß zur Genehmigung un crbre'fct־ wonach die Volkszählung in der Tschechoslowakei am 1. Dezember 1930 stattfinden soll. In dem Beschlüsse heißt es: ״Die Nationalität wird bei jedem gezählten Einwohner nach der Sprache eingetragen, die er am vollkommensten erlernt hat und am geläufigsten spricht; es ist dies gewöhniieh seine Muttersprache. Als jüdische Sprache wird neben dem Hebräischen auch die jiddische (Jargon) angesehen. Es ist nicht zulässig, mehr als eine Nationalität (Muttersprache) einattragen." Durch diesen Vorschlag des Statistischen Staatsrates werden die verfassungsmäßigen Rechte der tschechoslowakisehen Staatsbürger jüdischer Nationalität in e k 1 a t a n t'e r Weise verletzt. Im Motivenbericht zur Verfassungsurkunde der C. S. R. heißt es ausdrücklich: ״Die Verfassungsurkunde zlhlt nicht die nationalen Minderheiten auf, da sie hierbei auch wissenschaftlich unentschiedene Fragen zu lösen gehabt hätte. Ist doch selbst der Begriff Nation bisher nicht genau definiert. Problematisch ist z. B. die Frage, ob die Juden eine Nation sind. Da die Verfassungsurkunde die Wendung ,ohne Rücksicht auf Rasse, Sprache oder Religion* annimmt, überläßt sie jedem die Entscheldung, worin er das Kennzeichen seiner Nationalität erblickt und wonach er sieh auch frei entscheiden kann. Wenn jemand also die Juden als eigene Nation erachtet, ist er berechtigt, sich zur jüdischen Nation zu bekennen, wenn er auch z. B. seinem religiösen Bekenntnis nach konfessionslos wäre und Tschechisch, Deutsch usvv. als Muttersprache hätte. Die Juden sind also nicht gezwungen, sich bei der Volkszählung, Wahlen usw. zu eher anderen ethnischen Nationalität zu bekennen als zur jüdischen." Es ist nicht glaubhaft, dab ein auf seine demokratische Verfassung so stolzer Staat und ein so demokratisch empfindendes Volk wie das tschechische es auf sich nehmen wird, die einmal verbürgten Grundrechte der jüdischen Staatsbürger anzutasten und diese in ein schwieriges Dilemma des Ge- Wissens zu bringen. Damit würde die Tschechoslowakei die unselige Tradition der alten österreichischen Monarchie wieder aufnehmen, die gleichfalls die Exis'enz der jüdischen NatlonaMtät nicht anerkannte. Es ist zu hoffen, daß die Regierung diesen offenbar von Interessanter Seite ausgehenden Anträgen die Bestätigung versagen und den früheren Zustand, wonach jeder Jude das Recht zum Bekenntnis zur jüdischen Nationalität hat, wieder hersteilen wird. Es wäre eine Ironie, wenn gerade in dem Moment, wo zwei jüdischna'ionale Abgeordnete ins Prager Parlament eingetreten sind, die Rechtsstellung der jüdischen Nationalität in der Tschechoslowakei erschüttert würde. Ungarn und der Palästina -Aufbau Von unserem Berichterstatter. In Ungarn wird zurzeit durch den Delegierten des Hauptbüros des Keren Hajessod in Jerusalem, Herrn Dr. Jehuda Wilensky, eine groß angelegte Aktion nicht nur für den Keren Hajessod, sondern auch zur Gewinnung der allgemeinen und jüdischen öffentlichen Meinung für den Gedanken des Aufbäus des jüdischen Palästina durchgeführt. Dank der Tätigkeit Dr. Wiienskys ist dieser Aktion bereits ein ungewöhnlich großer politisch er Erfolg beschieden worden. Zum ersten Maie, seitdem der Gedanke des jüdischen Palästina- Werkes propagiert wird, hat nicht nur die öffentliche Meinung in Ungarn, sondern auch die offiziellen Regierungsstellen ihre . Audienz, die Herrn Dr. Wilensky als dem Delegierten des Keren Hajessod am 21. Januar von dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Monsignore Dr. V a ß gewährt Wurde. Dieser erklärte Dr. Wilensky nicht nur seine Sympathien für den Palästinaaufbau, sondern betonte auch, daß das Eintreten der Juden für diesen mit dem ungarischen Patriotismus völlig vereinbar sei, und wünschte Dr. Wilensky für seine Arbeit im Dienste des Palästinawerkes Gottes Segen. Diese offizielle Sympathieerklärung des Stellvertreters der ungarischen Re- . ״ Der Audienz beim• stellvertretenden Ministerpräsidenten folgte ein Empfang Dr. Wiienskys durch den ungarischen Kultusminister Grafen von Klebelsberg, der Dr. Wilensky davon Mitteilung machte, daß die ungarische Regierung beschlossen habe, der Universitätsbibliothek in Jerusalem eine Sammlung von Werken in ungarischer Sprache als Geschenk zu übermitteln. Am 24. Januar empfing Herr Dr. Wilensky in Budapest die Vertreter der ungariscTien Presse. Zu diesem Empfang erschienen Vertreter der ungarischen Zeitungen aller Riehtungen, die in den folgenden Tagen in ihren Blättern ausführiieh berichteten und ihrerseits ihrer Sympathie mit dem Palästinawerk Ausdruck verliehen. Die Einleitung der Keren Hajessod-Aktion Dr. Wiienskys schloß mit einem großen Bankett, an dem mehrere hundert Personen teilnahiaen, und bei dem das ungarische Judentum durch den Vizepräsidenten der Landeskanzlei, Hofrat Eulenbejg, vertreten war, der selbst zu einer Ansprache das Wort ergriff. Die Reden, die auf diesem Bankett von Dr. Wilensky und von den beiden anderen Vertretern des Keren Hajessod, dem Dichter Awigdor Ha mein und Frau Dr. Barsinfi-Freiuid, gehalten wurden, wurden mit ungeheurer Bcgeisterung aufgenommen. Das Interesse der allgemeinen lind jüdischen ()Öffentlichkeit Ungarns für den Gedanken des Palästinaaufbaus scheint nunmehr in vollem Umfang geweckt zu sein. Die Monatsschrift ״Mult es Jövö“ läßt ihr Februarheft als Spezialnummer erscheinen, die fast ausschließlich den Fragen des Palästinaaufbaus gewidmet ist und unter anderen Begrüßungsschreiben an Dr. Wilensky eines des berühmten ungarischen Dichters Franz Molnar bringt. Die Pester Tageszeitung ״Pester Lloyd“ veröffentlicht am 4. Februar einen Artikel von Dr. Wilensky ״Das Palästina-Problem“, dem sie einige empfehlende Worte der Sympathie voransetzt. Wenn man bedenkt, daß von der einen Mijlion ungarisch sprechender Juden nur etwa die Hälfte in Ungarn selbst wohnt, kann man ermessen, von welcher Bedeutung die Gewinnung des ungarischen Judentums für den Palästinagedanken ist. Wenn ein Englinder ttberlallen wird . . . Ueber hundert Araber, meistens aus dem Dorfe T i r e 11, wurden in Verbindung fhit dem mißlungenen Attentat auf den britischen Leiter der Athlit-Steinbruchwerke Steward, in der Nähe von Haifa, verhaftet. Alle Polizisten des Norddistrikfs wurden mobil gemacht, um nach dem Täter zu suchen, der die Schüsse in das Schlafzimmer Stewards abgegeben hat. Die hebräische Presse weist darauf hin, wie anders die Polizei arbeitet, wenn es sich utn Aufklärung eines Anschlags gegen einen Eng- Iänder handelt und wie nachlässig die Fälle behandelt werden, in denen Juden das Objekt von Anschlägen sind. I

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