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Jüdische Rundschau · 1930-02-07 · Heft 11 (7.2.1930) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 11 (7.2.1930)
Date
1930-02-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 11, ד. n. 1930 JUED1SCRE RUNDSCHAU Seite 75 Innerzionistische Aussprache Misrachistische Politik Von Dr. S. Schereschewsky, Berlin. Die Misrachi-Fraktion auf dem Delegiertentag in Jena hat — im wesentlichen unter dem Druck der Zeire Misrachl-Delegierten — beschlossen, in den Oeschäftsführenden Ausschuß ohne die anderen Oppositionsparteien hineinzugehen. Da die Tagung hauptsächlich die politischen Grundlagen der Bewegung behandelte und die neue Leitung auf Grund der Beschlüsse (Resolution Blumenfeld und Ablehnung des Mißtrauens gegen die ״Jüdische Rundschau“) gewählt wurde? bewies der Misrächt durch seinen Eintritt seine Bereitwilligkeit, fortan in diesem politischen Rahmen mitzuarbeiten. Durch diesen Schritt setzte sich die Misrachi-Fraktion in einen gewissen Gegensatz zum größten Teil des Weltmisrachi, wo diese ״deutsehe“ Politik als verderblich, ja verräterisch bezeichnet wurde. Der deutsche Misrachi hat den Fehler einiger Führer des Welt- Misrachi wieder gutgemacht, die durch ihre, dem Revisionismus In seiner Richtung ähnliche, unraisracnistische Politik dem Misrachi großen Schaden zugefügt haben, zumal sie als die Politik des Misrachi deklariert wurde. Das konstituierende Moment des Misrachi ist seine r e I i iöse Grundlage, nicht eine politische oder wirtschaftliche uffassung. Darum gibt es Innerhalb der Partei Anhänger verschiedener Wirtschaftsformen oder politischer Systeme. Ein Fraktionszwang in solchen Fragen wäre nur dann erlaubt, wenn die Entscheidung durch die religiöse Grundauffassung bedingt wäre. So geht z. B. die Auseinandersetzung über den Sozialismus, die besonders in der Misrachi-Arbeiterschaft und •Jugend betrieben wird, von der Frage aus, welche Wirtschaftsform den Intentionen des Judentums am meisten entspricht, so daß sie evtl, für den Misrachi allein maßgebend sein könnte. Genau so müßte es mit den Problemen der Politik geschehen. Nur diejenige politische Auffassung, die den Forderungen des Judentums entspricht, dürfte und müßte für den Gesamtmisrachi verpflichtend sein. Betrachten wir von diesem Gesichtspunkt aus die Fragen, die heute in der zionistischen Welt diskutiert werden, so müssen wir zu dem Schluß kommen: Diejenigen, die den ״Judenstaat“ in Palästina fordern, die Erlangung einer Majorität als p o I i - t i s c h e s Ziel aufstellen, verlassen damit den Boden jüdischer Weltanschauung und übernehmen nichtjüdische Auffassungen von Menschen und Völkern. Das Judentum verlangt als Grundlage der menschlichen Gesellschaftsordnung Rech t und Gerechtigkeit. Diese Forderung setzt es in einen Gegensatz zu der Auffassung, daß die M a c h t das Recht bestimme. Audi die Rückkehr nach Zion ist mit der Sehnsucht nach einer gerechten Weltordnung eng verknüpft, wie die Gleichsetzung der Erlösung Israels mit dem Kommen des Maschiach beweist. Wegen der von den Propheten bekämpften Ungerechtigkeit in seinem inneren Leben ist schon einmal ein jüdischer Nationalstaat ln Palästina zugrundegegangen. Und auch die neue Heimstätte des jüdischen Volkes in Palästina wird nur dann der Bezeichnung ״jüdisch“ würdig sein, wenn sie in allen ihren Beziehungen die jüdischen Forderungen nach Recht und Gerechtigkeit durchzuführen bestrebt ist. Dies gilt ebenso für Juden untereinander wie für das Verhältnis von Juden zu Nichtjuden, zu Einzelnen und Völkern. Wir als Juden, als Träger der Thora, haben uns in erster Linie vor jedem Unrecht oder dem Scheine eines solchen zu hüten. Welche Form müssen wir also für das in Erez-Israel neu entstehende Gemeinwesen von uns aus fordern, da dort Angehörige verschiedener Völker, in der Hauptsache jedoch Juden und Araber, wohnen und wohnen werden? Nur eine solche' Staatsform, in der deutlich zum Ausdruck gebracht ist, daß weder Araber die Juden beherrschen sollen noch umgekehrt, d. 11., es darf nicht so sein, daß das eine Volk das Staatsvolk ist, das in seinen Lebensbedingungen rechtlich keinen Beschränkungen unterworfen ist, während das andere in vielen Beziehtingen von dem Willen eben dieses Staatsvalkes abhängig ist. Mit anderen Worten, nur ein binationaier Staat ohne ein herrsehendes Staatsvolk, in dem beide Völker ihr Recht etwa direkt vom Völkerbunde ableiten, nicht voneinander, wäre vom jüdischen Standpunkt zu rechtfertigen. Weder darf die gegenwärtige Mehrheit auf Grund dieser Tatsache die Herrschaft erhalten, noch die künftige auf Grund der neuen Konstellation. Damit entfällt die Forderung nach einem Judenstaat, welche die Ausdehnung der jüdischen Staatsmacht auf alle Bewohner bedeutet; ebenso die politische Forderung einer Majorität, w elche nur besagen kann, daß wir evtl., falls wir es wollten, unsere Forderungen auch gegen die Wünsche der übrigen Bevölkerung durchsetzen könnten, ohne Rücksicht auf ihre Berechtigung, während sie es gegen unseren Majoritätswiilen nicht könnte. Wir müssen im Gegensatz dazu eine solche Ver* fassurig des Landes Palästina fordern und vorbereiten, in der von vornherein der Begriff der Majorität als Machtf a k t o r ausgeschaltet ist. Dies zu wahren wäre Aufgabe der Mandatarmacht, denn nur so ist eine freie nationale Entwicklung beider in Palästina lebender Völker möglich. Die Frage des Rechtes auf die Errichtung der Nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes.in Palästina steht dabei für uns ganz außer Diskussion. Denn wir leiten sie aus unserer ununterbrochenen Verbundenheit mit dem Lande unserer Väter und den darauf basierten Bestimmungen des Mandats mit mindestens demselben Rechte her wie die Araber, die jetzt in dem Lande wohnen, darum aber nicht die unumschränkten Herrscher des Landes sind. So ergibt sich, daß die Forderung nach einem binationalen Staate eine im Gegensatz zu den anderen Forderungen jüdisch begründete und damit misrachistische ist und die auf Erfüllung dieser Forderung gerichtete Politik eine misrachistische genannt werden muß. Gibt man dies zu und anerkennt man weiterhin den Satz von Hille!, dem Andern nichts zuzufügen, was man für sich selbst ablehnt, so wird man einsehe», daß diese Politik mir möglich ist mit Hilfe von Verträgen und Verhandlungen mit den Arabern und der Mandatarnjacnt, nicht aber von Prokjatnationen und Deklarationen. Wir müssen zuerst uns klar machen, was wir erstreben, was wir vor uns selbst rechtfertigen können, welche unsere elementaren Forderungen sind, von denen wir nie abgehen können und weiche akzidenteller Natur sind, an denen eine Verständigung mit den Arabern nicht scheitern dürfte (m.E. z.B, Transjordanien). Wir müßten gleichsam für uns einen Verfassungsentwurf für Palästina vorbereite», der auf der jüdischen Auffassung von Recht und Gerechtigkeit begründet ist und vor aller weit klar und offen zeigt: S 0 stellt sich das jüdische Volk das Leben zweier Völker in einem gemelnsamen Lande vor. Dabei nutzt es nicht, sich nur darauf zu berufen, daß wir als Volk der Bibel keine Chauvinisten sind und andere nicht bedrücken werden — wir haben oft genug die Bibel vergessen —, sondern da heißt es Stellung nehmen zu der Frage und der Form der Regierung, des Parlaments, der Verteilung und Festsetzung der Rechte, usw. Erst dann, wenn wir dies für uns und vor den anderen geklärt haben, werden wir der Heimstätte des jüdischen Volkes wirklich einen jüdischen Charakter geben. Dieser soll sich nicht nur darin zeigen, daß dort in der Oeffentlichkeit der Sabbat gehalten und die Speisegesetze beobachtet werden, auch nicht darin, daß nur wir aas Leben der Juden miteinander jüdisch formen, sondern darin, daß dort auch das Völkerleben, soweit w t r dazu helfe» können, durchdrungen Ist vom jüdischem Geist dm- Gerechtigkeit und des Rechts. Dazu wird uns Gott helfen, der ein gerechter Gott Ist, und dazu werden uns alle gerechten Menschen helfen, auf deren Sympathie und Hilfe wir angewiesen sind. Das heißt wirkliche, wohlverstandene misrachistisehe Politik in Erez-Israel, die — wohl nur wenig verschieden sein dürfte von der politischen Richtung des vielgeschmähten Brith-Schalom. Und darum ist es doppelt unrecht, einem Mann wie Ernst Simon, der sich mit seiner ganzen Kraft für diese Politik einsetzt, seine Lehrtätigkeit am Misrachi-Lehrerseminar zu nehmen und ihn dadurch vielleicht zu zwingen, Erez- Israel zu verlassen, obwohl man seine menschlichen Fähigkeiten und pädagogischen Qualitäten jederzeit anerkannt hat. Gerade unter den Lehrern, die ja die kommende Generation erziehen sollen, von deren Verhalten im wesentlichen der Bestand des jüdischen Palästina abhängt, brauchen wir nötig Menschen, die ankämpfen gegen eine unjüdische Auffassung und Einstellung egenüber der arabischen Bevölkerung Palästinas. Eine Jugena eider Völker, die aufwächst im Geiste der Verständigung und der Versöhnung, ist der einzige und sicherste Schutz für das neu entstehende Erez-Israel. Es wäre unbegreiflich, wenn der deutsche Misrachi zu der Handlungsweise der Misrachileihing gegenüber Dr. Simon stillschwiege. Aus den Gemeinden Hinzuziehung von Jugendvertretern. In mehreren jüdischen Großgemeinden Deutschlands sind ln den letzten Jahren Bemühungen im Gange, eine Form für die aktive Beteiligung der Jugend an der Gemeindearbeit zu finden. Besonders bemühen sich die Jugendbünde und -Organisationen selbst, die sich — bis auf die z. T. selbständig gebliebenen Sportverbände — für die gemeinsamen jüdischen Aufgaben vor mehreren Jahren überparteilich in dem Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände Deutschlands und in mehreren Landesausschüssen zusammengeschlossen haben, darum, in die Verantwortung für die Jugendarbeit der Gemeinden mit hineingezogen zu werden. Diese Entwicklung ist in den verschiedenen Gemeinden verschieden weit fortgeschritten. In Hamburg, wo vom Jugendamt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde un ״Gemeindehaus“ ein Jugendheim mit 12 Klubräumen und einem Vortragssaal der Jugend zur Verfügung estellt worden ist, gehören dem Jugendamt mehrere Vertreter es Landesausschusses der jüdischen Jugendverbände Hamburgs mit Sitz und Stimme an. In B r e s I a u steht man davor, eine gleiche Regelung zu treffen, ln Köln, wo seit einiger Zeit ebenfalls ein reich ausgestattetes Haus von der Jüdischen Gemeinde den Jugendbünden zur Verfügung gestellt worden ist, sind die Bünde gleichfalls im Vorstande des Jugendamtes der Jüdischen Gemeinde vertreten. In mehr oder weniger ausgeprägter Form sind ähnliche Erscheinungen oder Entwicfe Fungstendenzen in den meisten größeren jüdischen Gemeind# Deutschlands zu verzeichnen. Diese Entwicklung hat ihren Antrieb in einer verstärkten Aktivität der organisierten jüdischen Jugend, die insbesondere auf den in den Arbeitsbereich der jüdischen Gemeinden gehörenden Gebieten der jüdischen Sozialarbeit, Jugendwohlfahrtspflege und Bildungsarbeit zum Ausdruck kommt. Während die überparteiliche Zusammenarbeit der Jugend in der Sozialarbeit und Jugendwohlfahrtspflege schon seit Jahren besteht, macht sich die Tendenz zur überparteilichen Zusammenarbeit auf dem Gebiete der Bildungsarbeit erst in den letzten Jahren geltend, mit dem Erfolge, daß an mehreren Orten nach dem Vorbild der jetzt länger als ein Jahr mit finanzieller Unterstützung der Jüdischen Gemeinde bestehenden Berliner Schule der jüdischen J u - gend , öder doch in ähnlicher weise, überparteiliche, aufTreiwilliger Teilnahme aufgebaute Stätten jüdischer Jugendbildung entstanden sind oder geplant werden; so in Frankfurt a. M., Stuttgart, Leipzig, Kassel, Königsberg usw. Die Frage der Hinzuziehung von Jugendvertretern in die offiziellen Gemeindegremien ist jetzt auch' zum erstenmal für die Jüdische Gemeinde Berlin akut geworden. Die Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin hat in einer ihrer letzten Sitzungen ein neues Statut des Jugendpflegeausschusses angenommen, das ihr vom Qemeindevorstand vorgelegt worden war. Diesem neuen Statut zufolge müssen dem ugendpflegeausschuß, der aus etwa 26 Mitgliedern estehen soll, jeweils mindestens 13 Jugendvertreter mit Sitz und Stimme angehören. Der Jugendpflegeausschuß der Jüdischen Gemeinde Berlin hat nach Abtrennung aller in das Gebiet der Wohlfahrtspflege gehörenden Arbeitsgebiete und ihrer Abtretung an das Wohlfahrtsamt drei Dezernafe zu verwalten, für die ihm je ein Dezernent verantwortlieh ist: Das Dezernat Sport, das Dezernat Jugendbewegung, kulturel'e und geistige Jugendarbeit, und das Dezernat Jugendpflege für schulentlassene Jugendliche. In dem Etatvoranschlag der Jüdischen Gemeinde Berlin für das Jahr 1930 ist für die Bedürfnisse dieser drei Dezernate ein Budgetposten von zirka 75 000 Mark eingesetzt. Wegen der Bestellung der drei Dezementen ist es zu einer Auseinandersetzung in der Presse gekommen. Der liberale Gemeinderepräsentant Dr. Fleischer sah darin, daß alle drei bestellten Dezernenten Zio• nisten sind, eine parteiliche Maßnahme und einen Neutralitäts- •bruch seitens des Gemeindevorstandes. In seiner Antwort legte nun der Leiter des Wohlfahrts-, und Jugendamtes der Jüdischen Gemeinde, Eugen Caspary, der zugleich Mitglied des Gemeiridevorstandes ist, dar, daß die Bestellung der drei Dezernenfen nur von dem Gesichtspunkt erfolgt sei, daß sie das Vertrauen der Jugend genießen. Als dritter griff der Vorsitzende des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände Deutschlands, Dr. Ludwig Tietz, welcher der liberalen Fraktion in der Gemeinde nahesteht, in die Debatte ein. Er verlangte, daß der Jugend selbst in allen Fragen, die mit der Jugendarbeit der Jüdischen Gemeinde Zusammenhängen, ein Mitbestimmungsrecht gegeben werde. Er weist dann darauf hin, daß die Jugend es nicht wünsche, daß in ihren Angelegenheiten der Parteischlüssel zur Anwendung gebracht werde, und schließt: Die Jugend selbst, das darf noch einmal versichert werden, hat gezeigt, daß sie über alle Parteigrenzen hinweg eine gemeinsame Basis gefunden hat. Sie wünscht, daß die Grenzen, soweit sie durch den Unterschied in den Grundanschauungen ״׳egeben sind, erhalten bleiben. Sie wünscht aber, daß darüber hinaus das gemeinsame Ziel: die Heranziehung der jungen jüdischen Generation für jüdische Arbeit und zur Erhaltung des Judentums, die vorhandenen Kräfte vereint. Ministerialrat Dr. Hirsch. Aus Stuttgart wird uns gescbrleben: Bei der am 26. Januar abgehaltenen Tagung derlsraeljtisehen Landesversammlung wurde (wie bereits gemeldet) Ministerialrat Dr. Otto Hirsch, Vorstand und Mitbegründer des jüdischen Lehrhauses und stellvertretendes Mitglied des Rats der Agency, mit überwiegender Mehrheit zum Präsidenten des Württembergischen Israelitischen Oberrats gewählt. Was dieser Wahl besondere Bedeutung verleiht, ist der Umstand, daß sie auf Dr. Hirsch fiel, obwohl seine Betätigung im Interesse des Palästina-Aufbaus in den letzten Monaten lebhaften Widerstand weiter Kreise hervorgerufen hatte. Der bisherige Präsident, Regierungsrat Dr. Nördlinger, dessen vornehme, zwischen mannigfachen Gegensätzen klug und gerecht vermittelnde Amtsführung allerseits gewürdigt wird, und der auch für den Keren Hajessod stets warmes Interesse bekundete, sah sich leider aus Gesundheitsrücksichten genötigt, sein Amt niederzulegen. Ortsgroppe■ , Bielefeld. Am 30. Januar fand eine Versammlung statt, in der die Reorganisation der Ortsgruppe beschlossen und vollzogen wurde. Der bisherige Vorsitzende, Herr R.-A. Müller, wurde einstimmig wiedcrgewihlt Dem starken Wunsche der hiesigen Zionisten folgend, wurde beschlossen, wieder regelmäßige Ortsgrunpenabende zu veranstalten. Es trat eine Arbeitsgemeinschaft zusammen, die wöchentlich Hebräisch arbeiten wird. — Im Anschluß an einen Bericht von Herrn Erich Weinberg-Herford über die Jenaer Delegiertentagung entwickelte sich eine Aussprache über politisch-zionistische Probleme. — Am 9. Februar wird hier eine Tagung der Zionisten Ostwestfalens stattfinden, an der Herr Dr. Werner Bloch-Berlin teilnehmen wird. Es ist zu hoffen, daß diese Tagung den Gesinnungsgenossen neue Anregungen und Ansporn geben wird. — Am 10. Februar spricht Herr Dr. Werner Bloch in öffentlicher Versammlung über das Thema ״Palästina und die jüdische Welt“. Chemnitz. Am 23. Januar 1930 sprach Herr Dr. Mechner über das aktuelle Thema des Bodenkaufes in Palästina und berichtete über seine Palästinareise, die er als Nationalfondmann gemacht hat Sein Vortrag war außerordentlich gut besucht und fand reichen Beifall, da er durch neue und gute Bilder besonders aus den Kolonien des Etnek illustriert wurde. Am Spätnachmittag lud die Nationalfondkommission die ganze nationaljüdische Jugend zu einer Besprechung über die praktische Arbeit für den Nationalfond ein. Zahlreiche Besucher spendeten den Worten Dr. Mechners reichen Beifall. Die rege Diskussion zeigte die Notwendigkeit solcher Nationalfondbesprechungen für die zionistische Jugend. Königsberg. Am 28. Januar konstituierte sich in einer gutbesuchten Gründungsversammlung die hiesige Ortsgruppe der deutschen Poale Zion. Chawer B. Eisenstadt erstattete über die letzte deutsche Landeskonferenz der Poale Zion Bericht. In eingehender Aussprache wurden verschiedene aktuelle Fragen erörtert. Es kam auch der einmütige Wunsch der Chawerim zum Ausdruck, in die Z. V. f. D. einzutreten und Innerhalb der Z. O. G. Königsberg aktiv mitzuarbeiten. Das Komitee der neuen Poale Zion-Ortsgruppe bilden: Chawerah R. Klewanski und die Chawerim B. Eisenstadt, H. Nemenoff, Dr. Nissel und M. Teltelbaum. Jubiläum der Brünner Veritas. Aus Anlaß des 70. Semesters der Jüd. Akad. Verbindung ״V erltas" fand in Brünn eine Massenkundgebung statt, in der Abgeordneter Dr. Julius Reisz über jüdische Politik in der Tschechoslowakei sprach, wobei er sich auch für eine radikale Palästina-Politik einsetzte. Gespannte Aufmerksamkeit fanden die Ausführungen von Direktor Georg Karesk i, Berlin, der über die Entwicklung des jüdischen Gemeindelebens in Berlin und Deutschland sprach. Robert Stricker, Wien, behandelte in seiner Rede die Rolle der jubilierenden Verbindung in der Entwicklung der mährisehen Assimilation und ln ihrem Schwanken zwischen den nationalen Lagern des Deutschtums und Tschechentums, sowie in der zionistischen Bewegung. בית מדרש לעברית של קהלת היהודים בברלין- Hebräische Lehranstalt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Wir weisen darauf hin, daß die Hebräische Lehranstalt Gelegenheit bietet, Erwachsenen und Schülern nach Maßgabe ihrer Vorkenntnisse Förderung und Vertiefung im Hebräischen zu gewähren. Es bestehen augenblicklich 7 aufsteigende Klassen, dazu zu mehreren von ihtfeö Parallelklassen, im ganzen 38 Kurse, die zu verschiedenen Tageszeiten, auch in den späten Abendstunden, abgehalten werden, damit auch Berufstätigen Gelegenheit gegeben wird, dem Studium des Hebräischen obzuliegen. Für Schüler und Schülerinnen im Alter von 13—15 Jahren bestehen besondere Kurse, die zweimal wöchentlich nachmittags abgehalten werden. Für einige Jugendbünde sind Sonderkurse eingerichtet worden. Anträgen auf weitere Einrichtungen dieser Art wird bei genügender Teilnehmerzahl nach Möglichkeit stattgegeben werden. Der Unterricht findet 1. im Zentrum der Stadt, in der Schule Große Hamburger Straße 27, 2. in Charlottenburg, Grolmanstr. 36 (Beth-Am), statt. Wir bitten Interessenten, ihre Wünsche unter genauer Darlegung ihrer Vorkenntnisse im Hebräischen schriftlich an die Adresse des Leiters der Hebräischen Lehranstalt, Herrn N. Berggrün, Qrunewald, Trabener Str. 2, zu äußern. Persönliche Auskunft erteilt dieser nach vorheriger telephonischer Anmeldung (H 5, Brabant 501, nachmittags 2—3 Uhr), in seiner Sprechstunde: Dienstag, 7—8 Uhr abends, im Bcth- Am, Grolmanstr. 36. — In der Schule, Große Hamburger Straße 27: Mittwoch, 730—8.30 Uhr abends, und Donnerstag, 6—6.45 Uhr abends. Schule der Jüdischen Jugend. In dem von der Schule der Jüdischen Jugend neueingerichteten Kursus ״JudenderOegenwart“, der wöchentlich Dienstag stattfindet, sind bisher drei Abende abgehalten worden; am 21. Januar sprach Dr. Werner Senator über den wirtschaftlichen und sozialen Um- Wandlungsprozeß im Ostjudentum außerhalb Rußlands, eine Woche später Dr. N. Oergel über die sozialökonomischen Vorgänge unter den Juden Sowjetrußlands und am 4. Februar Dr. Saadjah Mase über die kulturellen Zustände innerhalb der sowjetrussi־chen Judenheit. Es ist das Bedürfnis _ entstanden, an einem eigenen Abend durch eine Aussprache nicht nur die Situation mit Hilfe der drei Referenten weiter zu klären, sondem auch den Versuch zu wagen, Schlüsse aus dem zu ziehen, was vorliegt. So ist der nächste Abend des Zyklus ״Juden der Gegenwart‘‘ am 11. Februar der Aussprache über die Situation der luden im europäischen Osten gewidmet. Gäste zu diesem Abend sind in beschränktem Maße zugelassen. Es können noch Neuanmeldungen zur Teilnahme an dem Kursus, aus dem allmählich eine Arbeitsgemeinschaft entwickelt werden soll, angenommen werden. Der Kursus findet statt in den Räumen der ״Schule der Jüdischen lugend“, Berlin W 35, Lützowatr. 16, jeden Dienstag um 8 Uhr abends, ln den gleichen Räumen findet auch noch einte große Anzahl anderer Kurse und Arbeitsgeraeinschaftfin statt, über die ein gedruckter Arbeitsplan ausführlich unterrichtet, der kostenlos vom Sekretariat der Schule (Berlin W35. Lützowstr. 16) zugeschickt wird. Sprechstunden des Leiters der Schule, Dr. Moritz Spitzer, Montag 8—16 Uhr in der Sthule. Zionistische Jugend (Qlirertagung am 9. März in Berlin. Die Z. V. f. D. hat zup 9. März eine Tagung einberufen, an der die in der zionistischen Jugendarbeit tätigen Jugendführer teilnehmen sollen. Auf der Tagesordnung dieser Tagung steht u. a.: 1. Aussprache über ״Deutsches Judentum“; 2. Ausspräche über ״Wirtschaftliche Perspektiven des Palästinaaufbaus“; ״Chaiuziuth als Erziehungsaufgabe der zionistischen Jugend in Deutschland“; 3. Aussprache über organisatorische Fragen der zionistischen Jugendarbeit Anmeldungen für die Teilnahme sind an die Z. V.f. D., Berlin, Meinekestraße 10, zu richten. Hebräischer Lehrer für eine Stadt in Nordwestdeutschland ohne Universität gesucht Geboten wird freie Wohnung. Verpflegung. ein monatliches Taschengeld von 25 RM. und ferner die Möglichkeit, 6Q-*80 RM. durch Privatstunden zu verdienen. Angebote an die Z. V. f. D.

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