Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1930)
- Date
- 1930-02-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 11, 7. n. 1930 JU EDI SC HE RUNDSCHAU Seite 73 Der jüdische Liberalismus von heute Zur Breslauer Hauptversammlung der ״Vereinigung für das liberale Judentum“ Von unserem Berichterstatter. R. S. Breslau, den 3. Februar 1930. Hauptversammlung der ״Vereinigung für das Liberale Judentum“: ein kleiner Saal mit 200 bis 250 Plätzen, ein blumengeschmücktes Rednerpult, ein unlebendiges Publikum. Unter den Zuhörern und besonders unter den Delegierten sieht man wenig Jugend. Auch der typische jüdische Iniellcktueilc ist nur spärlich vertreten. Wenn man hereinkommt, so drängt sich einem fast physisch der Eindruck auf, daß es sicii hier um eine Angelegenheit des jüdischen Bürgeriums handeln müsse, und zwar im besonderen, um eine des deutsch-jüdischen Bürgers. Alle die Töne fehlen, die das starke Vorherrschen der Jugend, die das ostjüdische Element und die scharfen Auseinandersetzungen vorwiegend intellcktueller Kreise in andere jüdische Versammlungen ähnlichen Stils hereinzutragen pflegen. Starr und steif sitzen die Zuhörer auf ihren Plätzen, die Redner befleißigen sich durchweg eines etwas pathetischen Tonfalles, das Ganze macht am Sonntag vormittag den Eindruck einer Erbauungsstunde für bessere Stände. Die Einleitung zu dem — übrigens äußerst kärglich bemessenen — Teil der Tagung, der auch der Ocifentlichkeit zugänglich war, bildete eine Ansprache von Heinrich Stern (Berlin). Erwähnenswert ist, daß er die Verwirküchung des jüdischen Ideals und die Erhaltung des Judentums und der jüdischen Gemeinschaft als das Ziel der überalen Bewegung proklamierte; als das Ziel, in dem das gesamte liberale Judentum, trotz eventueller kleiner Differenzen im Inneren, einig sei. Zu diesem Zweck müßte die Eigenart der Juden auf geistig-seelischem Gebiet gewahrt werden. In den großen Menschheitsfragen aber fühle sich der deutschliberale Jude als Vertreter der großen Kulturgemeinschaft. Dann hielt Rabbiner Dr. Caesar Sceligmann (Frankfurt a. M.) den Festvortrag über ״das Judentum als Weltreligion“. Es sei fatsch, so führte er etwa aus, das Judentum zu den ״nicht bekehrenden Religionen“ zu rechnen. Die Eigenart des Judentums sei nicht erschöpft durch Begriffe wie ״Volk" oder ״Religion“, ״Rasse“ oder ״Konfcssion“. Am nächsten trete seinem Wesen vielleicht immer noch der Begriff des ״Religionsvolks“. Die jüdische Rehgion aber beanspruche Weltgeltung und müsse ihrem inneren Wesen nach fordern, Weltreligion zu werden. Daran ändere der Zwiespalt nichts, der schon in alter Zeit zwischen nationaler Enge und religiösem Universalismus ständig bestanden habe. Als Beispiel für den einen Wesenszug führte er Esra an, dessen ängstlichen Bemühungen es zu verdanken sei, daß das Judentum damals nicht spurlos in der Völkerwellc untergetaucht sei. Die universalistische Tendenz der jüdisehen Religion suchte er durch zahlreiche Zitate aus den Schriften zu belegen. Der große Versuch des Judentums, die abendländische Welt zu bekehren, sei gegen seinen Willen durch das paulinische Christentum unterbrochen und durch die äußeren Machtmittel, die diesen bald darauf zur Verfügung standen, ׳ gewaltsam ■ unterdrückt worden. < Seitdem, habe das Judentum sich immer mehr in sich zurückgezogen, die Formen, die es dann in den Jahrhunderten angenommen habe, seien einmal durch eine bewußte Tendenz zur Selbsterhaltung und andererseits als eine Reaktion auf das im Christentum mit jüdischen Elementen vermischte Heidentum aufzufassen. Heute — und damit wandte der Redner sich der Gegenwart zu — sei der ethische Monotheismus, wenigstens in der Theorie, Allgemeingut der ganzen Welt. In diesem Augenblick sei die Frage gestellt worden, welchen Sinn dann noch die Erhaltung des Judentums besäße? Unsere Väter ,hätten etwa bis zur Emanzipationszeit diese Frage überhaupt nicht verstanden. Schon sie zu stellen sei ein Symptom der Entartung. Solange difi natürlichen Lebensinstinkte nicht verbogen sind, drängen sie auf A r t e r b a 11 u n g. Wir müssen uns darüber klar sein, daß es, wenn wir uns sogar selbst aufgehen wollten, nicht eine Assimilation an etwas «in Menschliches, sondern immer nur ein Aufgehen in einer der konkreten Erscheinungsformen der Menschheit gibt. Die Aufgabe des Judentums bleibt auch in dieser Zeit bestehen. Judentum war immer ein Protest gegen Macht und Zahl. In dieser idealloscn Zeit bedürfen wir eines Gedankens um ausharren zu können, und das ist der jüdische Gedanke der Gerechiigkeii. Gegenüber Völker- und Menschenhaß haben wir den Menschheitsgedanken des Friedens in der Weit zu vertreten. * Der große Einwand, den man von jedem Standpunkt aus gegen den Liberalismus mit Recht erheben konnte, bestand darin, daß die im Zusammenhang mit der Emanzipation vollrogene Reform "ein unhistorischcr Eingriff in die Entwicklung des deutschen Judentums darstclite und zu immer stärkerer Auflösung führte. Erst die jüdische Renaissancebewegung der letzten Jahrzehnte hat den Sinn für unsere historische Verbundenheit mit Sitte und Sprache, Geist und Geschichte, Wirken und Wollen früherer Zeiten wieder geweckt Man muß feststellen, und Dr. Seeligmann würde es gewiß zugehen, daß sein Vortrag von der Ideenwelt der jüdischen Renaissancebewegung stark beeinflußt war. Noch vor wenigen Jahren hätte man vergeblich auf solche Ausführungen an dieser Stelle gelauscht Klang nicht der ganze Schlußabschnitt über Arterhaltung und Selbsterhaltungstrieb, als wäre er aus einer zionistischen Rede entnommen? Das sind neue Strömungen im Liberalismus. Noch handelt es sich um vorsichtige Formulierungen, noch mag es ein unklares Wollen sein, noch fehlt es an Reife und Zielklarheit, aber zweifellos ist hier eine geistige Entwicklung vorhanden, in deren Verlauf sich uns gerade die besten Köpfe nähern. Allerdings nicht ohne Widerspruch. Was z. B. die Herren Gail in er und Leb- "י a n n in der Diskussion ausführten, zeigte bei aller Höflichkeit doch, daß sie diese Entwicklung nicht mitmachen wollen. Aber auch die neuen Gedanken finde# auch im liberalen Judentum eine neue Generation vor, und man wird abwarten müssen, ob sich dort die Vertreter eines ancien regime oder die Repräsentanten heutiger Geistigkeit durchsetzen werden. Weltgeltung, Weltreligion, Weltmission des Judentums, das waren die Schlagworte, unter deren Zeichen die Tagung stand. Wir wollen unterstellen, daß mit dieser Ideologie historisch und intellektuell alles in Ordnung kt Sind das aber •— nicht im Reich der Rethorik, der Zitate und der Auslegungen, sondern ln dem der Wirklichkeit —- eigentlich Gegen- Sätze zu unserer Auffassung vom Judentum? Was ist denn nun die Weltmission des Judentums? Wohin führte denn Herrn Dr. Seeligmann seine gedankliche Konzeption? Frieden, Gerechtigkeit, Menschlichkeit, also uraltes jüdisches Geisteserbe, das waren die Ideen, in denen sein Vortrag gipfelte und die Worte, mit denen er schloß. Wir würden vielleicht auf anderem Wege zu dem gleichen Resultat kommen. Wir würden vielleicht sagen, daß die Juden heute das älteste unter den Völkern des europäisch-amerikanischen Kulturkreises sind. Sie haben den Vorsprung einer jahrhundertelangen kulturellen Entwicklung. Sie haben ferner lange Zeit hindurch als Parias und Geknechtete gelebt In dieser Zeit haben sich die primitiven Instinkte, die jedem Volke innewohnen, geläutert und die Juden vielleicht mehr als andere, jüngere Völker etwas menschlicher, etwas w׳ei5er gemacht Wenn dem so wäre, so ist das sicher kein Grund zur Selbst- Überhebung. Es ist historisches Schicksal das neben vielem Grausamen auch etwas Gutes bringt Der jüdische Mensch wäre also in besonderem Maße dazu disponiert, der Träger und Wegbahner einer Zivilisation der Zukunft zu sein. Wir kommen zu diesem Schluß, gerade weil wir den jüdischen Menschen in den Mittelpunkt der Betrachtung stellen, jenen jüdischen Menschen, den die aus der wilhelminischen Zeit überkommenen Vertreter des Liberalismus nicht wahr haben wollen. Dieser jüdische Mensch ist aber da. Er ist sogar auf der Hauptversammlung der deutschen Liberalen vorhanden. Wir wissen nicht, was einzelne liberale Wortführer unter der ״jüdischen Seele“ verstehen, die, wie der Geist von Hamlets Vater, gewöhnlich im Unrechten Augenblick heraufzitiert wird, aber wir wissen, daß jüdische Ideen den jüdischen Menschen als Träger brauchen. Dieser jüdische Mensch lebt heute als Minorität unter nichtjüdischen Völkern. Die Geschichte und die moderne Forschung zeigen uns, daß er im Begriff ist, unterzugehen. Heute leben wir nicht mehr im Mittelalter, in dem auf Grund einer ganz anderen, geschichteten und gebundenen Wirtschaftsordnung Minoritäten sich leicht erhalten konnten. Die Wirtschaftsweise der heutigen Zeit verflicht die Interessen jedes einzelnen mit denen von Tausenden von anderen einzelnen. Sie bewirkt eine Angleichung der Menschen und den Untergang der Minoritäten, die nicht eigene Wirtschaftskörper zu bilden vermögen. So ist es kein Wunder, daß die Nachrichten, nicht nur aus Deutschland und Westeuropa, sondern ebenso aus Amerika, aus Rußland und Polen immer stärker einen Auflösungsprozeß des Judentums anzukündigen scheinen. Hier liegt die brennende Frage der jüdischen Gegenwart Wir glauben, daß für einen Teil der jüdischen Menschen und außerdem für das Judentum Palästina eine Antwort auf diese Frage ist Nicht durch wirklichkeitsfernes Reden über die jüdische Seele und über die Weltmission des Judentums kann ein Beitrag zu den Problemen der Gegenwart geliefert werden. Ein Sonntagvormittag ist bald vorbei, aber unaufhörlich zermürbt der Alltag jüdische Existenzen und jüdisches Gemeinschaftsleben. Altruismus und Ethik, Rhetorik und Begeisterung sind im Kampf gegen soziale Ent- _ Wicklungen, sdiledite *ßnji; sie 'י ntefit dttixh gedankliche Forschung und reale Taten unterstützt werden, die in der Wirklichkeit wurzeln und das Leben meistern. Was nützt es, von der Idee des Judentums zu sprechen, wenn der Träger dieser Idee, das jüdische Volk, krank und siech ist? Unsere Antwort auf die Lebensfragen der heutigen Zeit mag noch nicht ausreichend sein, eine Antwort des Liberalismus ist überhaupt nicht zu hören. Aus ihm wird kein neuer Esra hervorgehen. Aus den Geschäftssitzungen. Ueber die Vorgänge in der internen Sitzung erfährt Ihr Berichterstatter folgende Einzelheiten: In dieser Sitzung wurde die radikalanlizionslische und antipalästinensische Tendenz der ״J üdisch-liberalen Zeitung“ heftig angegriffen, u. a. auch von dein Vorsitzenden Heinrich Stern. Eine Rolle spielten in dieser Diskussion auch gewisse Auseinandersetzungen, die vor kurzem in dem Blatte stattgefunden hatten. Dort hatte Heinrich Stern die Frage aufgerollt, ob für die Zugehörigkeit zum Deutschtum nicht die Staatsgesinnung völlig ausreiche und ob man wirklich noch eine besondere Volksgesinnung verlangen müsse, ihm war ein Herr Rudi Meyer entgegengetreten (dessen Stil dem des Herrn Woyda verblüffend ähnlich war) und diese Diskussion hatte hier in Breslau noch ein kleines Nachspiel. Vielfach bemerkt wurde auch, daß die ausländischen Gäste, Herr Dr. Mattuck und Frau Montague aus London, keineswegs auf dem radikalpolitischen Standpunkt der deutschen Liberalen standen, nicht über Staatsgesinnung und gegen den Palästinaaufbau und die Jewish Agency sprachen, sondern sich tatsächlieh auf das Gebiet der religiösen Reform beschränkten. Hinzuzufügen wäre noch, daß von den wirklichen Führern des ״L i b e r a 1 e n R a b b i n e r v e r b a n de s“ wie Baeck, Dienemann, Norden u. a. außer Herrn Dr. Seeligmann niemand anwesend war. Nach dem Geschäftsbericht soll die Mitgliederzahl der Liberalen Vereinigung von 8000 auf 6000 zurückgegangen sein. Die Jugendorganisation, der ,,Hi“, umfaßt ca. 706 Mitglieder in Deutschland. Fragen der Staatsbfirgersehall London, 30. Januar. (J. T. A.) Im Unterhaus fragte Colonel Howard Bury den Unterstaatssekretär für die Kolonien, ob ihm bekannt sei, daß zahlreichen aus Palästina stammenden Arabern, die nach dem Kriege mit türkischen Pässen nach den Vereinigten Staaten ausgewandert sind, die Erlaubnis zur Rückkehr nach Palästina oder die Erteilung der palästinensischen Staatsbürgerschaft verweigert worden ist, und ob er darauf achten wolle, daß diesen Arabern gegenüber in Zukunft in gleicher Weise verfahren werde, wie gegenüber den J u d e 11, die in das Land zurückzukehren und die palästinensische Staatsbürgerschaft zu erwerben wünschen. Der Unterstaatssekretär Dr. S h i e 1 s sagte in seiner Antwort, daß viele Gesuche um Zuerkennung der palästinensischen Staatsbürgerschaft von gebürtigen Palästinensern, die im Auslande wohnen und türkische Staatsbürgerschaft besitzen, eingegangen sind. In den Fällen, wo die Bewerbungen abgewiesen worden sind, kann durch die Gesuchsteller aie Naturalisation in der Weise bewirkt werden, daß sie nach Palästina zurückkehren und dort zwei Jahre lang wohnen. Visen zur Reise nach Palästina werden an gebürtige Palästinenser, die noch die fürkische Staatsbürgerschalt besitzen und in das Land zurückzukehren wünschen, kostenlos erteilt, wenn die Bewerber den Nachweis führen können, daß sie in Palästina geboren und noch im Besitz der türkischen Staatsbürgerschaft sind. Der Freispruch im Hakleü-ProzeB Nach über achtwöchentlichen Verhandlungen wurde, wie bereits gemeldet, am 23. Januar in Jerusalem das Urteil im Makleff-Prozeß gefällt, bei dem 12 Araber aus Kolonia des Mordes an vier Mitgliedern der jüdischen Kolonistenfamilie Makieft und ihren zwei Gästen in Moza angeklagt waren. Das Gericht sprach sämtliche Angeklagte mangels ausreichender Beweise frei. In der Urteilsbegründung heißt es u. a.: ״Die Hauptbelastungszeugen sind Schmuei, Benzion und Schoschana Brose, Schmuei Horowitz und Chaim Makleff. Einige Angehörige der Familie Brose sagten aus, daß bei ihnen junge Leute waren, die durch die Fenster ihres Hauses geschossen hatten. Ihre Namen und ihre Zahl wurde von den Zeugen nicht angegeben. Die Tatsache, daß die Zeugen vor dem Gericht die Anwesenheit dieser jungen Leute zu verbergen suchten, veranlaßt die Riehter, ihren Aussagen keinen Glauben zu schenken. Benzion Brose sagte vor dem Untersuchungsrichter aus, daß Muchmad Said Hadar auf dem Wege nach Jerusalem auf ihn geschossen habe; bei seiner Aussage vor dem Gericht erwähnte er diesen Namen nicht und nannte statt dessen Djemal Djuma. Schoschana Brose erklärte vor der Polizei, daß sie Said Muchmad Äset unter den Angreifern auf ihr Haus gesehen habe, bei der Gegenüberstellung habe sie ihn nicht erkannt und auch den Angeschuldigten Muchmad Matar nicht erwähnt. Die Aussage von Schmuei Horowitz konnte nicht viel helfen, da er erst sieben Jahre in Moza w׳ohnt und die arabischen Einwohner des Ortes nicht kennt Er erkannte nur Salach Sair. In der Aussage von Chaim Makleff sind viele Punkte enthalten, die uns nicht als glaubwürdig erscheinen. Durch die genannten Zeugen konnte daher die Schuld der Angeklagten nicht Zweifelsfrei bewiesen werden. Was die Verteidigung angeht, so ist es eine erdichtete Behauptung zu sagen, daß der Ueberfall und die Mordtaten durch Beduinen verübt wurden, ebenso sind die Worte der Angeklagten, daß sie an jenem Tag nicht in Moza waren, nicht glaubwürdig. Von allen außer einem wurde dies erst hier im Gericht behauptet, dagegen nicht bei der ersten Vernehmung. Es ist klar, daß die Behauptung von Salach Sir, daß Brose auf Naaman und ihn geschossen habe, unrichtig ist.“ Der Freispruch der Angeklagten hat in der jüdischen Bevölkefung Palästinas großes Aufsehen und Beunruhigung hervorgerufen. Die Kritik der hebräischen Presse richtet sich jedoch nicht gegen die Richter, sondern gegen das Untersuchungsverfahren. Sie gibt ihrer Entrüstung Ausdruck, daß der grauenvolle Mord in Moza ohne Sühne bleiben soll und verlangt eine schleunige Ermittlung der Schuldigen. (Ziko.) Prozeß flinkls vertagt Jerusalem, 2. Februar. (J,T.A.) Der vor dem Jaffaer Gericht begonnene Prozeß gegen den Tel-Awiwer jüdischen Polizisten H i n k i s, der beschuldigt wird, eine fünfköpfige arabische Familie ermordet zu haben, wurde wegen Erkrankung des Angeklagten auf unbestimmte Zeit vertagt. Prozesse gegen Piflnderer Jerusalem, 2. Februar. (J. T. A.) Verhältnismäßig milde Strafen wurden über die erste Araber-Gruppe verhängt, die wegen Plünderung in Hebron während der Ausschreitungen in dieser Stadt im August vor Gericht gestellt wurden. Ein Araber wurde zu 18, ein zweiter zu sechs Monaten, ein dritter zu einem Monat Gefängnis verurteilt, während drei weitere Angeklagte freigesprochen wurden» Def AbfsJiM Untersuchung wegen der im Mause von Käbbi Slonim in Mehre® begangenen Morde ist verschoben worden. Das Haifaer Distriktsgericht erwägt die Kollektivbestrafung der Stadt Safed vregen der dort Ende August stattgefundenen Unruhen, die mit antijüdischen Masseker und Niederbrennung eines Teils des jüdischen Viertels verbunden waren. Es heißt, daß der Stadt eine Kollektivstrafe auferlegt werden wird, daß aber das von Juden bewohnte Viertel von der Beitragsleistung zu dieser Kollektivstrafe befreit sein wird. Eine Belohnung von 100 Pfund wird ausgesetzt für Information, die zur Verhaftung jener Personen führt, die am frühen Morgen des 31. Januar durch das Fenster des Schlafzimmers des Herrn Steward, britischen Leiters der Athlit-Steinbruch-Werke, drei Schüsse abgaben. — Polizeiinspektor Lamont hat bei Durchsuchung eines Dorfes in der Nähe von Hebron 13 Gewehre beschlagnahmt Der arabische Postbeamte, der seinerzeit unter dem Verdacht, den Ueberfall auf den berühmten Jerusalemer Augenarzt Dr. Ticho gemacht zu haben, verhaftet wurde, ist, nach Erbringuno׳ eines Alibis, aus der Haft entlassen worden. Der Fall bleibt also vollkommen ungeklärt. Dr. Ticho hat sich inzwischen so weit erholt, daß er eine Reise nach Europa antreteil konnte. In Palästina immer noch nicht vollständige Rohe In der Nacht zum 29. Januar wurden von unbekannten Tätern Schüsse in die Richtung der jüdischen Kolonie Rose» P i n a h in der Nähe von Safed in Nordgaliläa abgegeben. Ein arabischer Wächter der Kolonie wurde verletzt, drei der Kolonie gehörende Maultiere wunden fortgeführt. Eine Polizeistreife hat die Verfolgung der mutmaßlichen Täter aufgenommen. Die Kolonie Menahamia südlich von Tiberias ist wiederholt zu nächtlicher Zeit von Räubern heimgesucht worden. Bisher ist es den Wächtern der Kolonie immer gelungen, die Räuber durch Schüsse zu vertreiben. Zwei jüdische Chauffeure, die Orangen nach Nablus, dem biblischen Schechem, brachten, wurden von arabischem Pöbel angegriffen und mit Steinen beworfen. Arabische Polizisten sahen diesem Treiben untätig zu. Als schließlich der Mob auf mehrere hundert Personen angewachsen war, kamen mehrere britische Polizisten heran und retteten die beiden Juden aus ihrer bedrohlichen Lage. Drei von den zwölf Arabern des Dorfes K o i o n i a h bei Moza in der Umgebung von Jerusalem, die in der vorigen Woche vom Jerusalemer Gericht von der Anklage, sieben Mitglieder der jüdischen Familie Mak’eff in Moza ermordet zu naben, freigesprochen wurden, sprachen Todesdrohungen gegen einen jemenitischen Juden in Moza aus, weil er vor Gericht gegen sie ausgesagt hat. Später griffen sie den jemenitischen Juden an, dem es nur mit Hilfe von Arabern aus einem anderen Dorfe zu entkommen gelang. Der Einstein-Wald. Für das Fest Chamischa assar bischwat (15. Februar) wird die Einweihung des bei der jüdischen Kolonie Diib (Kirjat Anawim) in der Nähe von Jerusalem zu pflanzenden Einstein-Waldes zur Erinnerung an den 50. Geburtstag Albert Einsteins geplant. Der deutsche Generalkonsul in Palästina. Dr. Nord, wird unter denjenigen sein, die die ersten Bäume pflanzen. 10 000 Bäume werden der erste Grundbestand des Waldes sein.