Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1930-02-04 · Heft 10 (4.2.1930) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 10 (4.2.1930)
Date
1930-02-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2651273-2653156-2653166--21354-2679440
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 68 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 10, 4. n. 1030 ilige Wirklichkeit geworden. In den letzten Wochen hat die Reorganisation ein beschleunigtes Tempo angenommen. Im wesentlichen sind die vorhandenen Wohlfahrtteinrichtungen weiter entwickelt worden. Im Jahre 1030 geben wir 280 000 M. mehr als im Vorjahre dafür aus. Wir haben die Anstalten in t imen und Lehnitz übernommen. Es wird erwogen, daß die Berliner Gemeinde auch die Anstalten des D. J.O. B. übernimmt, damit durch zentralisierte Arbeit alle unnützen Verwaltungskosten erspart werden. In der Wohlfahrtsarbeit gehört nach Möglichkeit jeder Pfennig dem Zweck der eigentlichen Fürsorge! Wir haben weiterhin eine Reihe von Institutionen unterstützt, z. B. die Kinderhilfe und das Mädchenheim Pankow. Die hervorragende Arbeit der Kinderhilfe muß hier besonders erwähnt werden. Das geplante Asyl wird eine wichtige Lücke in unserer Wohlfahrtsarbeit ausfüllen. Die soeben eröffnete Röntgenanläge im Krankenhaus der Gemeinde ist die modernste Anlage dieser Art in Berlin. Eine Anzahl von Räumen im Krankenhaus, die bisher vom Berliner Magistrat benutzt wurden, werden jetzt frei. Dadurch können wir die Aufnahmekapazität des Krankenhauses um 60 bis 70 Betten steigern. Es ist ferner beabsichtigt, im freien Flügel des Verwaltungsgebäudes eine Filiale des Siechenhauses einzurichten, welche die Aufnahmefähigkeit dieser Anstalt um etwa 40 0/0 vermehrt. Die Benutzung unserer neuen Poliklinik zeigt den ungeheuren Notstand im Berliner Judentum. Die innere Station z. B. hatte im Januar über tausend Besucher. Darunter sind Kranke, die seit vier bis fünf Jahren leidend sind, ohne einen Arzt aufsuchen zu können. Die starke Benutzung wird sehr bald eine Erweiterung der Poliklinik erforderlich machen. Nicht genügend vorwärtsgekommen sind wir auf dem Gebiete der Arbeitsbeschaffung. Es handelt sich darum, die aus ihrer Laufbahn geschleuderten Existenzen wieder in Arbeit zu bringen. Die gutgemeinten landwirtschaftlichen Versuche müssen allerdings auf diesem Gebiete als durchaus utopisch abgekhnt werden. Besonders schwer liegt auf uns die Sorge für die j ü d i - sehen Angestellten, die von der wirtschaftlichen Entw icklung infolge des Zusammenbruches ganzer Branchen zermalmt wurden. Die Zusammenballung in Handel undlndustrie führt zu mehr oder weniger judenreinen Wirtschaftszweigen. Allerdings haben wir die traurige Erfahrung gemacht, daß es auch bei jüdischen Arbeitgebern öfters unmöglich war, jüdische Angestellte unterzubringen. Wir planen daher für die nächsten Wochen eine Kundgebung, um der Oeffentlichkeit in dieser Frage zu sagen, was wir verlangen. Ein b e - sonderer Beamter wird von der Hauptverwaltung der Gemeinde aus die Frage der Arbeitsbeschaffung bearbeiten, da der Arbeitsnachweis wohl doch nicht die volle Autorität der Gemeinde besitzt. Dieser Sachbearbeiter wird auch in unserem eigenen Hause achtzugeben haben und insbesondere dafür sorgen, daß von den Arbeitgebern, die wir beschäftig«, Juden eingestellt werden. Es ist doch unerhört, von der Gemeinde als Zensit Aufträge zu fordern, selbst aber keine Juden zu beschäftigen! Die Berliner Gemeinde hat auch wesentliche Aufgaben nach au&en hin. Sie ist das Rückgrat des Preußischen Landesverba 11־ des. und steht auf dem Standpunkte, daß insbesondere im Interesse der versinkenden Kleingemeinde Solidarität zu verlangen ist. Berlin lehnt es daher ab, jemals mit einem Austrittsgedanken aus dem Landesverband zu spielen, wenn etwas nicht so geschieht, wie es gewünscht wird. Wir haben daneben aber auch so noch finanzielle Hilfe nach außen geleistet, soweit es geht und wollen es in Zukunft tun. Darüber hinaus haben wir eine Reihe von Organisationen unterstützt, die den Juden im Ausland mit Hilfe zur Verfiigung stehen, und haben auch direkte Nothilfe geleistet. Allerdings ist die Zahl der ausländischen Subvention sgesuche beängstigend angestiegen. Wollten wir alles bewilligen, so ginge das über unsere Kräfte. Schließlich kann die Berliner Gemeinde, so gern sie es möchte, nicht eine Art von jüdischer Feuerwehr für die ganze Welt sein, die eingreift, wo ein Brand ausgebrochen ist. Auf dem kulturellen Gebiete im engeren Sinne ist ebenfalls erfolgreich gearbeitet worden. Unsere Bibliothek ist gewachsen und mit Hilfe ihrer acht Zweigstellen populär geworden. Die Kunstsamm- 1 u n g der Gemeinde ist durch die Rührigkeit ihres Leiters vorwärtsgekommen; auch hier bedarf die Raumfrage dringend einer Lösung. Für den Herbst ist eine Ausstellung jüdischer Kunst geplant. Die Einstellung der Beamtenschaft der Gemeinde zu ihren Dienstaufgaben hat sich günstig verändert. Es ist allmählich klar geworden, daß der Dienst letzten Endes im Interesse einer durch ein ideales Band verknüpften Gemeinschaft verrichtet wird. Man hat erkannt, daß unsere Kundschaft besonders pfleglich behandelt werden muß. Insbesondere hat der Verkehr mit dem Publikum bei der Steuer- Verwaltung zu keinen Klagen Anlaß gegeben. Die Eingemeindungen haben das Gebiet der Gemeinde sehr vergrößert. Wir können dabei die erfreuliche Fest- Stellung machen, daß das Interesse für die Gemeinde gewachsen ist. Im vergangenen Jahre hat zum ersten Male Platzmangel zu den hohen Feiertagen geherrscht. Der Kampf um die Seelen der Indifferenten muß trotzdem fortgesetzt werden. Am 23. Februar beginnen eine Reihe von Sonntagsvorträgen über jüdische Themen, für die wir vorerst Rabb. Dr. Seeligmann, Dr. Arnold Zweig, Dr. Kohn-Wiener und Rabb. Dr. B a e c k gewonnen haben. Ferner sollen in allen Bezirken Gemeindeabende veranstaltet werden. Wir beginnen in nächster Woche mit einem derartigen Abend über jüdische Kunstfragen in den Unionfestsälen. Es sollen jüdische Bezirksvorsteher gewählt werden, um die Gemeinde- Mitglieder eng mit der Gemeinde zu verknüpfen. Der Bezirks- Vorsteher soll gleichsam der Statthalter der Gemeinde sein. Zu diesem Zwecke ist auch die Schaffung einer Propag a n d a - und Pressestelle beschlossen worden. Die Gemeinde hat nicht die Absicht, als Moloch die privaten Organisationen zu verschlingen. Sie will die Organisationen der Privatinitiative unterstützen, sie bekämpft aber Zersplitterung und Entstehung unnützer Verwaltungskosten. Das Verhältnis zwischen den verschiedenen Riehtungen in der Gemeinde war eine Zeitlang sehr gespannt. Man hat dann die Gegensätze im Interesse der sachliehen Arbeit auf allen Seiten zurückgestellt. Auch ein neuer Gefahrenmoment in des letzten Monaten ist überwunden worden. Wir können uns den Luxus der Zerfleischung in der heutigen schweren Zeit nicht leisten. Der Gedanke der Etnheitsgemeinde muß gewahrt bleiben. Trotz des notwendigen geistigen Kampfes müssen die einzelnen Richtungen voreinander Respekt haben. Dieser Wunsch ist auch für den kommenden Wahlkampf zutreffend. Keine Seite des Hauses wird durch ihn zur Bedeutungslosigkeit herabsinken. Wir haben ihn daher so zu führen, daß eine spätere gemeinsame Arbeit möglich ist. Nur so können wir unsere Verpflichtung vor der jüdischen Geschichte einlösen. (Lebhafter Beifall auf allen Seiten des Hauses.) Der Vorsitzende der Versammlung, Geheimrat Stern, dankte Dir. Kareski für seine Darlegungen und gab im Namen der Versammlung die Versicherung, daß alle Tele des Hauses treu zur Einheitsgemeindc stehen. Die Aussprache Hierauf ergriff für die liberale Fraktion R.-A. Heinrieh Stern (liberal) das Wort. Er sagte u. a.: Wir alle können auf das Werk derGemeinde stolz sein und danken dem Vorstand wie auch den Männern, die in einer früheren Periode die heutige Ernte vorbereitet haben. Die Jüdische Gemeindearbeit ist nur ein Ausschnitt aus der gesamten jüdischen Arbeit Daher besteht für uns Anlaß zu einigen prinzipiellen Bemerkungen. Wir glauben an die Zukunft des Judentums; wir glauben an die Einheit der jüdischen Gemeinschaft auf der Basis des Judentums. Es ist unsere Aufgabe, das Judentum der nächsten Generation weiterzugeben. Wer diese Verantwortlichkeit empfindet, handelt positiv jüdisch. Voraussetzung ist allerdings ein wirkliches inneres Erlebnis und nicht nur Handein aus Pietät. Wir Liberalen sagen, daß unser altes Volk bestimmte Aufgaben in der Welt hat. Es ist ein heiliger Wille, daß wir uns durch die Jahrtausende erhalten haben. Wir stimmen den Aufgaben der Gemeinde zu: Kultur, Erziehung, soziale Arbeit. Das nennen wir Religion. Ehe jüdisch-außenpolitischen Dinge kann die Gemeinde nicht lösen. Trotzdem blicken auch wir über ihren engen Bezirk hinaus und haben keine Angst vor den Grenzpfählen. Wir wünschen eine Beschleunigung bei der Vorbereitung einer neuen Gemeindeverfassung und stimmen in der Haupt- Sache den vor einem Jahre von Dr. Koilenscher hierzu femachten Ausführungen zu. Wir wünschen eine baldige elbstverwaltung der Kultuskommissionen, um den einzelnen religiösen Richtungen Lebensfreiheit zu verschaffen. Wir haben der jüdischen Volksschule zugestimmt, solange es bei uns die rebgiöse Volksschule gibt Wir bekämpfen aber einmütig eine höhere jüdische Schule, da wir grundsätzlich für eine gemeinsame Erziehung mit den Nichtjuden sind. Wir verlangen, die Abschaffung des Dreiklassen- Systems auf dem Friedhof. Wir wünschen, daß ein Teil derjenigen Institutionen, wie Krankenhäuser, Altersheime, die mehrfach in der Gemeinde vorhanden sind, nicht konservativrituell geführt werden. Wir erhoffen die baldige Schaffung des Reichsverbandes der Deutsch« Juden. In der Gemeinde- Verwaltung selbst glauben wir, daß die Schaffung einiger hauptamtlicher Gemeindevorsteher dringend erforderlich ist Namens der Jüdisch« Volkspartei sprach . Dr. Alfred Klee , Er führte folgendes aus: ״Meine Aufgabe ist hier eine andere als die des Gemeindevorsitzraden. Ich habe die Unzufriedraheit und die heilige Unruhe zum Ausdruck zu bringen, die in 1ms brennt. Das bisher Geleistete betrachten wir als kleine Anfänge auf dem Wege der jüdischen Arbeit Zum großen Teile ist es unsfer Werk, was in der Gemeinde in den letzten Jahren geschaffen wurde. Aber wir stehen noch ganz am Anfang. Während früher der Liberalismus aus Prinzip intolerant war und die konservative Richtung als Stiefkind behandelte, wird jetzt keinerlei Gewaltpolitik gegen irgendeine Richtung geführt Trotzdem wird der Kampf der Geister noch lange fortdauern. Bei den kommenden Wahlen im Dezember werden wir uns auseinandersetzen, und wir werden einen energischen Wahlkampf führen. Mag dann das Ergebnis wie immer sein, die Zeit der Unterdrückung einzelner Richtungen muß endgültig vorbei sein. Was ist der Sinn unserer Arbeit hier? Es ist die Erhaltung des Judenvolkes. Geht das Volk zugrunde, so nützt aller Idealismus nichts. Daher muß die Gemeinde eine echte Voikspolitik treiben. Sie muß das jüdische Volk in seiner Eigenart erhalten. Auch die soziale Arbeit ist noch nicht das letzte Wort dabei. Die Isolierung einer Gruppe jüdischer Menschen ist ein Unglück. Wir stehen mitten im historischen Geschick des jüdischen Volkes unserer Tage; seine Freuden sind unsere Freuen, seine Leiden unsere Leiden. Die jüdische Weltgemeinschaft ist unser Endziel. Was heute in Erez-Israel geschieht, ist das Bedeutendste 1m heutigen jüdischen Leben. Wenn der Geist Esras hier für die deutsche Thoravorlesung zitiert worden ist, so zitieren wir ihn als den Baumeister des Volkes in seiner Heimat, ln der Verknüpfung mit Erez- Israel hat die Gemeinde bestimmt Fortschritte gemacht, z. B. durch ihre Hilfe für die Bibliothek und Universität in Jerusalem. Wir werden aber eines Tages einen Beitrag für den Keren Hajessod fordern und wir hoffen, daß es keine Kampfforderung sein wird. Harte Worte können in der Leidenschaft der Diskussion gesagt werden. Harte Worte aus kalter Uebcrlcgung sind bösartig. Die ewige Verdächtigung unserer Gesinnung und unserer staatsbürgerlichen Zuverlässigkeit geschieht aus kalter Ueberlegung. Wir freuen uns, daß Heinrich Stern in einem Brief diesem Treiben entgegengetret« ist Man spielt leider auf liberaler Seite noch immer mit dem Austrittsedanken, insbesondere für den Fall der Wahlniederlage, as hat einen unangenehmen metallischen Beige sch mack. Wir Zionisten haben nie daran gedacht, wie sehr wir auch unterdrückt wurden, denn wir glauben, daß die Gemeinde eine ״Solidarität der Generationen“ ist, die man nicht durchschneiden darf. Man hat früher gesagt, die Zionisten würden die Finanzen der Gemeinde im Interesse Palästinas zerrütten. Wir haben zwar Pläne genug, führen aber stets eine sachliche Wirtschaft. Wir fordern nur nach Maßgabe des Möglichen, und sind betrübt, daß es nicht so geht, wie wir es gern möchten. Zur Schulfrage: wir wünschen, daß das Schulnetz der Gemeinde schneller ausgebaut wird, natürlich unter Einhaltung der unter uns getroffenen Vereinbarungen. Auch der liberale Direktor der Mittelschule aus der Hamburger Straße wünscht ihren Ausbau zur höheren Schule. Wir brauchen für unsere Jugend die Volksschule und die höhere Schule. Auf dem Gebiete der Fürsorge für die ecindin aller Kürte Bel dem am 2. Februar bi Kapstadt veranstalteten Bankett zu Ehr« von Lord Melchett wurden Innerhalb einer halben Stunde 10466 Pfund für den Ker« Hajessod aufgebracht. Wie die JTA. erfährt, soll die Amtstätigkeit aller palästinenrischen Munizipalitäten §0 verlängert werden, daß innerhalb der nächsten drei Jahre in Palästina keine Wahlen stattfinden. Am 30. Januar ist in London Lady Reading, die Gattin des früheren Vizekönigs von Indien Lord Reading (früher Sir Rufus Isaacs), gestorben. Lady Reading war auch im jüdischen sozialen Leben Englands tätig. Vor einigen Tagen verschied die Gattin des britischen Reichsrabbiners Mrs. Hertz. Die Verstorbene erfreute sich großer Verehrung und war in zionistischen und anderen jüdisehen Frauenorganisationen führend tätig. Wie eine gut informierte arabische Zeitung mitteilt, soll der griechische Gesandte in Paris, der berühmte Völkerrechtler und ehemalige Außenminister Prof. Po litis, zu einem der drei Mitglieder der vom Völkerbundrat beschlossenen Kommission zur Entscheidung der Rechtsstreitigkeiten an der Klagemauer ausersehen sein. Nach dem Bericht der — freilich nicht zuverlässigen — arabischen Zeitung ״Annafir“ bl Haifa beabsichtigt der palästinensische Regierungsbeamte George Antonius, ein christlicher Araber, nach London zu fahren, um in Regierungskreisen den Boden für die arabische Delegation vorzubereiten. Auch andere britische Beamte, so behauptet das Blatt, hätten der Delegation versieh§1, sie günstig beim Kolonialamt einzuführen. Der vom Colonial Office mit dem Auftrag, die palästinensische Polizei zu organisieren, nach Palästina gekommene Generalinspektor der Polizei in Ceylon, Dowbiggin, inspizierte alle Polizeistationen des Landes und prüft eingehend die Personalverhältnisse in der Polizei. Das Komitee des Palästina-Hilfsfonds hat, wie verlautet, 50000 Pfund Sterling für die Errichtung jüdischer Wohnviertel in Jerusalem und Haifa bestimmt Die palästinensisch-arabische Exekutive macht den Vorschlag, allen arabischen Städten und Dörfern eine Beitragsquote aufzuerlegen, um so eine Summe von 20000 Pfund für die Kost« der verschiedenen geplanten arabisch« Delegationen aufzubring«. Jerusalem, 31. Januar. (J.T.A.) Ueber Akko ist für die nächsten drei Monate der Ausnahmezustand verhängt worden, um in radikaler Weise mit dem in Nord- Palästina in der Zelt nach den Unruh« sich breit machenden Bandenunwesen aufzuräum«. In der Konferenz des Jüdisch« Frauenverbandes der Vereinigten Staaten, die in Los Angelos abgehalten wurde, erstattete die Sekretärin, Miß Sternberger, einen Bericht, in welchem sie angab, daß in New York 10000 und in Chicago 8000 jüdische Frauen keine Beschafftgung nur aus dem Grunde finden, weil sie Jüdinnen sind und der wirtschaftliche Antisemitismus sie aus ihren früheren Stellungen verdrängt hat. Jabotinsky wird am 7. oder 14. Februar eine Reise nach Südafrika antreten. In einer Reihe internationaler Reisebüros der Großstädte Europas und Amerikas werden in diesem Jahre zum erstenmal ausgesuchte Serien schöner Photogra- .nhjen von Landschaften und Typen aus Palästina in Großformat zur Aufstellung kommen. Die Photögraphi« wurden In Palästina auf Veranlassung der Hauptbüros des Keren Hajessod, des Keren Kajemeth und des Palestine Lloyd aufgcnommen. (Ziko.) Die Regierung hat den Bau eines Schutzgebäudes über der antiken Synagoge, die in B e t h - AI p h a ausgegraben wurde, ausgeschrieben. Bekanntlich wurden seinerzeit 8000 Pfd. für diesen Zweck bewilligt. (Ziko.) Ministerpräsident Prof. Bartel forderte den Justizminister Dudkiewicz mit einem Schreiben auf, ungesäumt Vorbereltungen zur Abschaffung der noch aus der Zarenzeit stammenden gesetzlichen Beschränkung« der Juden in Polen zu treffen. Die medizinische Fakultät der deutschen Universität in Prag hat beschlossen, im Jahre 1930 ausländische Studenten nicht neu zuzulassen. Diese Maßnahme trifft besonders jüdische Studenten aus d« Ostländem. entlassene Jugend ist manches geschehra, aber es muß noch mehr getan werden. Für uns ist die Eingliederung des Ostjudentums in die Gemeinde wesentlich. Es gibt für uns nur Juden, und wir wollen eine brüderliche Gemeinschaft schaffen. Auch auf diesem Gebiete ist noch viel zu tun übrig. Wir bitten um Aufmerksamkeit für die kleinen Synagogenvereine, die Zentren jüdisch« Lebens und Empfindens sind. Wir wünsch« die Schaffung jüdischer Zentren, nachdem die Zeit der großen Synagogenbauten wohl endgültig vorbei ist. Wir woli« die absterbenden Zweige des Judentums allenthalben belehen. Das beschlossene Propagandadezernat ist hierfür wichtig. Man muß mit allen Mitteln der Propaganda jeden Juden fragen: was ist dir die Gemeinde? Die junge Generation muß mit einer viel stärkeren jüdisehen Intensität erfüllt werden. Ohne die Beziehung zu Palästina ist das unmöglich. Wir hoffen, daß in Zukunft alle Richtungen der Gemeinde in dieser Frage einig sein werden. Es gibt von uns aus zu einem Teil der Liberalen Beziehungen hinüber und herüber, ein Baeck, ein Seeligmann und ein Ellbogen erkennen die Solidarität der Generationen an, sind für Palästina und die Agency. Mit den Sonntags- Liberalen, die das Hebräische bekämpfen, gibt es aber keine Beziehungen. Diese Differenzen sind Schicksalsfragen für die Liberalen. Oder sind das etwa nur Nuancen, wie Prediger Lehmann von der Reformgemeinde in der liberalen Kundgebung am 26. Januar ausgeführt hat? Wie soll sich die Gemeinde zur Abwehrarbeit stellen? Die Frage könnte man vernein«, wenn dafür eine Überparteiliehe Organisation vorhanden wäre. Leider ist es der C.-V. durch seinen innerjüdisch« Kampf nicht Wir verlangen absolute Fernhaltung der Gemeinde vom C.-V. wie bisher. Friede mit ihm ist gewiß möglich, aber unter der Voraussetzung seiner absoluten Ueberpartellichkeit. Das Ziel unserer hiesigen Gemeindearbeit ist die Verlebendigung des Berliner Judentums und seine Verknüpfung mit Palästina. Wir haben auf diesem Wege erst einen Schritt zurückgelegt. Durch die Erfolge der Verwaltung ist jetzt die Bahn frei für umfassende Volksarbeit. Das Berliner Judentum von morgen darf nicht das im besten Falle gut verwaltete Judentum von vorgestern sein!“ Die Fortsetzung der Generaldebatte wurde auf die nächste Sitzung vertagt, L.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.