Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1930)
- Date
- 1930-01-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 0, 31.11930 JUEDISCH1 RUNDSCHAU Seite 03 Begegnung mit Camille Drevet Camille Drevet, die Pariserin, stammt aus einem Lande, das, wie sie feststellt, innerhalb seiner Bevölkerung kaum Vs °/0 Juden zählt. Trotzdem hat sie das Judenproblem in seiner ganzen Schwere erfaßt und ist davon tiefer berührt als so mancher französischer Jude. Ihre Liebe für Frieden und Freiheit hat sie zu einer warmen Freundin, |a Verehrerin des jüdischen Volkes gemacht und zu einer mutigen Verfechterin seiner Sache, wo immer sich Ihr Gelegenheit dazu bietet. CamiJJe Drevet ist die Vorsitzende des französischen Zweiges der Internationalen Frauenliga für Frieden und Frei• heit und eines der führenden Mitglieder der Zentralexekutive. Ihre Unerschrockenheit und Freimütigkeit, ihre geschulte Einsicht in die wirklichen politischen Zusammenhänge, ihre vorurteilslose Betrachtungsweise und entschiedene Stellungnahme für Gerechtigkeit und friedlichen Fortschritt haben ihr eine ganz besondere Rolle innerhalb der Liga verschafft. Wo immer es gilt in wirren politischen Situationen, vor Regienmgen des Terrors bedrohte Gesinnungsgenossen zu vertreten, und Versuche zur Milderung ihres Loses zu unternehmen oder wo es der Liga darum zu tun ist, sich in verwickelten politischen Streitfragen ein eigenes und unverfälschte« urteil zu bilden, wird Mrae. Drevet von ihr delegiert. Im Aufträge der Liga bereiste sie so innerhalb der letzten fünf Jahre alle Kleinstaaten, die seit dem Kriege im Baltikum entstanden sind, Polen und den ganzen Balkan, insbesondere Mazedonien, sie kam sogar bis nach Indochina und China. Ueberall konstatierte sie Widersinn und himmelschreiendes Unrecht, das durch die Bestimmungen des Versalller Friedens verschuldet wird, Ungeheuerlichkeiten, die Terror und Militarismus auf dem Gewissen haben, die Not des arbeitenden Volkes, das stets am schmerzlichsten in Mit- Icidenschaft gezogen ist, die verheerenden Auswüchse des Chauvinismus. Ueberall begegnet sie der jüdischen Minorität und entrüstet sich über die Behandlung, die ihr widerfahrt, über die Vorwände, die herhalten müssen, um Juden wegen angeblich politischer Umtriebe vor Gericht zu ziehen. Auf ihren Reisen durch den europäischen Osten hat sie das jüdische Volk nachher kennen und lieben gelernt. In ihrer wirklich bemerkenswerten Broschüre; ״De Kovno ä Vilna“ kommt sie des öfteren darauf zurück. Sie untersuchte damals die Berechtigung der verschiedenen nationalen Ansprüche auf Wilna. Der polnische Bibliothekar zählt ihr die diversen Bevölkerungselemente auf: die Polen, die Litauer und die Kleinrussen. ״Und ,einige‘ Juden“ fügt sie mit freundlicher Ironie berichtigend hinzu. Sie haj sich bereits vorher darüber informiert, daß sie 47 0/0 der Bevö kerong bilden. ״Aber merkwürdigerweise, — wundert sie sich —, und das ist ein wahres Glück für die europäische Politik, sind sie die einzigen im Lande, die es unterlassen, Staatsansprüche anzumelden.“ Dabei erfährt sie mit Erstaunen, wieviel Wilna auch den Juden bedeutet, wie de von ihr verehrungsvoll als von einer hallgen Stadt sprechen. Sie besucht das Ghetto, den Gottesdienst in der großen Synagoge, das jüdische Institut; das ״pietätvoll alles zu• sämmenträgt, was den Juden mit der riesigen Gemeinschaft seines Volkes verknüpft, die über Zeit und Raum reicht". Und sie wird hier sich auch dessen bewußt, wie reich die jüdische Gegenwart ist, wieviel Leben siedet bei den paar Millionen Juden, die über den Erdball verstreut sind. Bewundernd spricht sie von der geistigen Schönheit, die die Gesichter der Juden so häufig meuchlet, von der Tat- Sache, daß in dem dichten Menschengewühl am Vorabend des Sabbat kein grobes Wort fällt, keine brutale Geste zu verzeichnen ist, so daß man sich unter den zerlumpten, bärtigen Gestalten friedlich und geborgen fühlt : Der Sinn, den sich die Juden trotz! altert ,für Witz und Satire erhalten haben, entzückt sie. Die vielen Legenden, die sie um Napoleon gerankt haben, sind ihr besonders interessant Selbstverständlich mußte ein Mann von seiner Tatkraft und seinem Erfolg Beifall bei ihnen finden, meint sie. Aber die häufig respektlosen Pointen dieser Oeschichtchen tun ihr wohl. Wie hätten auch die Juden, die so wenig vom Krieger an sich haben, nicht die Eitelkeit der Träume eines Eroberers durchschaut! ln den Synagogen, im ständigen Studium der heiligen Schriften lernt sie die Quelle der Kraft erkennen, die die Juden in den Verfolgungen bewiesen haben. ״Und trotz aller Jahrhunderte der Pogrome haben sie uie Gewaltanwendung nicht erlernt . . . Nur in philosophischen und sozialen Grübeleien suchen sie Zuflucht für ihre gequälten Seelen." Das Elend, die Armut, die Verwahrlosung des Ghetto empfindet sie als niederdrückend, aber noch viel beweglicher erscheint ihr die jüdische Tragödie, die darin liegt das z. B. ein junger polnischer Pfadfinder, der dem Ideal der menschliehen Verbrüderung zu dienen glaubt, ihr anvertraut daß die luden keine Pfadfinder sein könnten, weil ihnen das Gefühl für Humanität abgehe. ״Oh, durchbohrend ist die Tragödie jener Schichten des jüdischen Volkes, die sich bereits vom Ghetto emanzipiert haben und nun entweder auf gewalttätige Weise oder höflieh von den Völkern zurückgestoßen werden“, ruft sie aus, und wie eine Oase in einer großartigen, aber Verzweiflung«- vollen Wildnis begrüßt sie die neue Jugend Israels, die begeistert für die jüdische Befreiung aus dieser unwürdigen Lage eintritt. Nur zum geringen Teil wurden diese Gedanken Camille Drevets, die in ihrer Broschüre zu finden sind, in dem Vortrag laut, den sie im Rahmen der Berliner Ortsgruppe der Liga am vergangenen Sonntag im Hause von Frau Hamburger, einer Schwester von Emil Ludwig, über ihre Balkanreisen gehalten hat und ln der sie den Vorstoß ankündigt, den die Liga dort auf ihren Vorschlag hin plant, nämltch die Abhaltung ihres diesjährigen Kongresses und ihrer Sommer- 1 urse in Sofia, um für die Annäherung der Völker des Balkans;׳n reden, die eine so eng verwandte Familie bilden und so feindlich voneinander getrennt sind. lieber Palästina befragt, gibt sie ihrer Trauer über ׳las Vorgefallene und die entstandenen Verwicklungen Ausdruck und steht mit aller Hingabe bereit, dem Ruf?u folgen, falls die Liga, wie es bereits mehrfach verlautet, eine Delegation nach Palästina entsenden sollte. n. st. Ein Rnhmeskapitel zionistischer Frauenarbeit Es wird in Europa nur wenige Länder geben, die sfeh ln ihren Leistungen für Erez-IsraeT mit Rumänien messen können. Dieses Land mit seinen etwa 270000 Juden (hier ist die Rede nur von Altrumänien) hat schon in der Vorkriegszeit zur Schaffung großer jüdischer Kolonien beigetragen, wie Sichron-Jacob und Rosch-Plnah. Die traditionelle Pa- Iästinaliebe und Palästinaleistung der rumänischen Juden hat sich in der jüngsten Epoche des Aufbaus unserer nationalen Heimstätten noch stärker bewährt Die neuen Siedlungspunkte Kfar Baruch Im Emek und die Achusah Herbert Samuel auf dem Karmel verdanken ihr Entstehen rumänischen Juden. Noch deutlicher zeigt sich die Leistung in den nationalen Fonds Keren Hajessod und Keren Kajemeth. Dazu kam in den letzten Jahren die Arbeit der Wizo in Rumänien, die ein leuchtendes Ruhnieskapitel der Palästina-Arbeit im allgemeinen und der ziorustiseben Frauenarbeit im besonderen ist Als der Council der Wizo Im Juli 1928 sein großes Projekt der Schaffung einer zweiten landwirtschaftlichen Schule neben Nahalal, in Nes-Zlonah vorlegte, da wnr man sich darüber im klaren, daß dieser große und kühne Plan bedeutende finanzielle Opfer und Anstrengungen erfordern und wahrscheinlich nur unter Aufbietung aller Kräfte der Weltorganisation der Wizo durchzuführen sein wird. Deswegen wirkte es wie eine Sensation, als die Vertreterin der Landesorganisation der Wizo für Rumänien, Frau Margulies, für ihr Land die Verpflichtung übernahm, das große Nes-Zionah-Proiekt zu finanzieren, d. h. die bedeutende Summe von 21 000 Pfund innerhalb einer verhältnismäßig kurzen Frist aufzubringen. Wer Gelegenheit hatte, in den letzten zwei Jahren die Arbeit der Wizo in Rumänien zu verfolgen, wird keinen Augenblick daran zweifeln, daß die rumänischen Zionlstinnen ihre Verpflichtung einhalteil werden. Was dort organisatorisch, finanziell und kulturell von den Frauen geleistet wird, ist wahrscheinlich ohne Beispiel wenigstens in Europa. Ich weiß mich frei von Uebertreibungen und g'aube als Mann die Dinge objektiv zu sehen. Ich kann aber nur meiner tiefen Bewunderung über diese vorbildliche zionistische Palästina- und Kulturarbeit Ausdruck geben. Die Wizo in Rumänien bat das Glück, eine Gesinnüngsgenossin an ihrer Spitze zu haben, die von Kindheit auf in der zionistischen Tradition aufgewachsen ist. Frau Bernhardt, die Mutter von Frau Margulies, die auch heute noch den lebhaftesten Anteil an der Arbeit der Frauen nimmt und deren kluger Rat oft in Anspruch genommen wird, war die erste Frau, die auf dem zweiten Zionistenkongreß in Basel die Pflicht der jüdischen Frauen für die Verwirklichung des Baseler Programms proklamierte. Neben der organisatorischen Arbeit und der hervorragenden finanziellen Leistung, ist auch das kulturelle Leben ein sehr reichhaltiges. Allwöchentliche Vorträge erfreuen sich eines zahlreichen Besuchs und stehen meist auf einem hohen Niveau. In letzter Zeit wurden Geschichtskurse eingeführt, zu denen sich Damen aus allen Gesetlsehaftskreien gemeldet haben. Der große Bazar, der seit Jahren veranstaltet wird und die Haupteinnahme für die Finanzierung von Nes-Zlonah bringt, hat viele hundert jüdischer Frauen zu intensivster Arbeit für Erez-Israel bewogen und dadurch ein immer stärkeres Band zwischen diesen Frauen und unserem Werk im Lande geschaffen. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß auch die nationalen Fonds ihre wertvollsten Mitarbeiterinnen aus den Kreisen der Frauen-Organisatlon in Rumänien bekommen. Ich glaube, daß alle Schwester-Organisationen der Wizo in der ganzen Welt mit dankbarer Bewunderung die Arbeit der rumänischen Wizo verfolgen und bin überzeugt, daß diese vorbildliche Arbeit nicht ohne Rückwirkung auf die Tätigkeit in andern •Ländern sein wird. A. P.k. Unpolitisches aus Palästina Der ״Tai“ (Teatron arez!Israeli) ist ein Miniatur-Theater in Tel-Awiw, vor ein paar Jahren erbaut für kleine intime Aufführungen und für Kammerkonzerte. Dieses winzige Gebäude, das nur wenige hundert Plätze umfaßt, war ein Bruch mit der palästinensischen Tradition. Man war hier gewohnt, alles aufs Riesige einzustellen, große Säle mit einfachen Mitteln herzustellen, um Einlaß für die Tausende zu schaffen, die sich zu jetjer Veranstaltung drängen, sei es Konzert, Theater, Vortrag, Versammlung oder politische Satire. Spielt doch auch die palästinensische Kleinkunstbühne — der ״Mataiöh“ —- im Beth-Am in Tel-Awiw, wo oft 3000 Menschen zu einer Vorstellung kommen. Im Tal entstand rum erstenmal ein engerer Rahmen, mit nicht üblem Geschmack und mit äußerster Einfachheit hergerichtet und die Entwicklung hat bewiesen, daß er wichtige Funktionen zu erfüllen hatte. Das kleine Theater wurde vor allem eine angenehme Gaststatte für Musik, tmd hat nicht wenig dazu beigetragen, die monatlichen Abende der ״Musikgesellsehaft“ angenehm zu gestaiten. In dieser Gesellschaft hat sich im Laufe von wenigen Jahren ein Kern von Musikern gebildet, der für gute Programme sorgt. Und das feste Publikum, das sich um diese Abende gruppiert hat, zeigt Verständnis und Interesse. Es ist nicht zu leugnen, daß die Ausführung nicht immer so erstklassig ist wae die Programme, kber man genießt in diesen meist von einheimischen Künstlern veranstalteten Abenden oft genug eine Kammermusik, die so sauber und musikalisch ausgeführt ist wie die irgendeines Quartetts in einer europäischen Mittelstadt. Das ist keine kleine Errungenschaft, wenn man bedenkt, daß alle diese Unternehmungen hier mit ganz geringen Mitteln, von privater Seite und auf die einfachste Art gemacht werden. Und es ist erstaunlich, was für eine feste und gute Form diese Konzerte im Laufe weniger Jahre angenommen haben. Es wird manch einen im Lande geben, der sich besinnt, wie schwer einen ״Europäer“ noch vor wenigen Jahren ein Konzertbesuch hier anmutete. Pünktliches Beginnen war unbekannt. Wagte man dennoch einmal zur rechten Zeit anzufangen, so wurden sicher von den Verspäteten die Saaltüren während des ersten Stückes gestürmt. Ordnung war schwei zu schaffen und oft konnte man beim besten Willen sich nicht zum Hören konzentrieren. Wer heute in Palästina ein Konzert oder ein Theater besucht, wird diese ganze Erzählung für erfimden oder zum mindesten übertrieben halten. Es geht ruhig und ohne Reibungen zu und eine Verspätung oder Unordnung wird vom Publikum bereits durchaus übelgenommen. Ein riesiger Fortschritt in kurzer Zeit Das kleine Theater am Boulevard Rothschild hat diesen Winter eine weitere Uebcrraschung gebracht: die Aufführung von Molnars ״Spiel im Schloß“. Die Darsteller sind eine Anzahl Schauspieler aus der Gruppe des Teatron Arez- Jisraeli, nach der der Bau genannt ist Diese Gruppe hat noch vor Jahren in Palästina schauspielerisch gearbeitet, dann Spaltungen durchgemacht und wurde von neuen Ensembles, vor allem der Habimah und dem Ohel überschattet. Nun erscheinen eine Anzahl ihrer Mitglieder mit einem Molnar. Allein die Wahl des Stückes ist für Palästina eine gewisse Uebcrraschung. Das Land zeigt in künstlerischen Dingen mehr Neigung zum Gewichtigen, Ernsten. Und wenn sich der Wunsch nach Komödie regt, so wird er mit politischer Satire befriedigt, wie man es am Erfolg des ״Matatön“ sehen kanj. Ein Molnar ist somit eine Neuerung. Und eine Neuerung oder wenn man will, eine Art Rückkehr war auch die Art der Aufführung. Eine ganz einfache anspruchslose Darstellung, simpel und angenehm. Kein Ereignis, aber ein angenehm verbrachter Abend, überraschend wirkte in dieser für Palästina neuen Art des Stückes die Sprache, das Hebräische. Sein Gebrauch für die verschiedensten Gebiete, für Schule und Haus, Markt und Geschiftsverkehr, Politik, Literatur und Wissenschaft ist heute im Lande eine Selbstverständlichkeit. Aber ein Molnar im Hebräischen wirkt überraschend! Und auch noch unorganisch. Ein solches amüsantes Komplott, das in der vollen Frivolität und Skrupellosigkeit einer Dekadenzperiode schillert, ist vermutlich noch nie 1m Hebräischen gedacht, geschrieben oder gesprochen worden. Wir empfinden die Sprache dafür als zu gewichtigj zu Zündhölzer zu" kaufen und’ eine Chokolade zu bestellen und hält das für selbstverständlich, ebenso wie man neugeformte wissenschaftliche Ausdrücke mit Leichtigkeit absorbiert. Aber hier in diesem Winkel der Literatur fühlte man sich nach langer Zeit wieder einmal versucht, ganze Sätze im Stillen zu übersetzen, um sich den Klang im Original zurückzurufen. Eine weitere interessante Erfahrung der letzten Wochen war die Ausstellung von zehn palästinensischen Malern in Tel-Awiw. Es sind zum größeren Teile im Lande bekannte Namen, wie Gutman, Melmkoff, Rubin, Gliksberg und andere. Eine bescheidene Ausstellung von einigen Dutzend Bildern, die zum Teil sehr schöne Stücke aufwies und für viele, die die Entwicklung der Malerei in den letzten Jahren nicht genau verfolgt haben, eine Ueberrasdnmg war. Wenn man im einzelnen auf jeden Maler und seine Arbeiten eingehen wollte, würde das viel Raum erfordern und einen klaren Begriff der Individualitäten doch nicht gewähren. Wichtig ist dagegen die Hebung des Niveaus der Arbeiten gegenüber früheren Jahren festzustellen und den starken Einfluß der palästlnensischen Umgebung auf die Bilder zu bewerten. Dieser Einfluß manifestiert sich in doppelter Welse, einmal durch die Wahl der Sujets und zweitens durch die Art der Ausführung. Fast alle Aussteller kämofen sichtbar um die Erfassung der palästinensischen Landschaft und werden deutlich ange» zogen durch den spezifischen Charakter seiner Menschen- Hier Hegt gegenüber früheren Jahren ein Sujetwechsel vor. Man wird rieh noch auf die vielen Bilder besinnen, die sich mit dem Arbeitertypus, dem Chaluz beschäftigten. Heute steht der orientalische Typus, vor allem der Jemenite mehr Im Vordergrund. Mehrere Porträts versuchen orientalische Figuren und Gesichter zu erfassen und oft mit Glück, sowohl was Ausdruck wie was Farben betrifft Ein weiterer neuer Zug sind die Tierbilder. Esel, Hegen, Schafe, oft ausgezeichnet erfaßt, lebendig und gut gesehen. Dieser Zug, das Interesse an den einheimfsehen Tieren macht besondere Freude. Schon seit langem sind uns hier die Esel mit den überlangen Ohren von Rubin bekannt, die fast auf keinem seiner Bilder fehlen. Jetzt sind ein paar neue schöne Tierstudien dazugekommen, unter denen ein junges Eselspaar von Gutmann besonders erfreulich ist. Nur wer diese Tiere Jahre lang beobachtet hat, ihre Bewegungen, ihr langes Fell, ihre Klugheit, die im genauen Gegensatz zu ihrem Rufe steht, wird diese tüchtige Arbeit richtig würdigen. Die Ausstellung gibt einen Begriff davon, wie die Land- Schaft nier die Farbengebung völlig gewandelt hat. Vieles, was hier selbstverständlich und notwendig wird, die starke Sattheit der Himmelszeichnung, das sanfte Graugrün der Oliven würde ein Europäer unwahrscheinlich finden und es als ״exatisch“ ansprechen. Hier im Lande ist es richtig und selbstverständlich, man fühlt sich unter diesen Bildern zu Hause. Rubin^ der unterdes auch im Ausland sich einen Namen zu machen beginnt, hat auch dieses Mal ein paar prächtige Sachen ausgestellt, die für ihn sowohl als Landschaftsmaler wie als Porträtzelchner sprechen. So ist man im Lande, vor allem in Tel-Awiw, das in dieser Beziehung immer die Hauptrolle spielt, unvermerkt aus der Zeit der Unruhen und der politischen Hochkonjunktur in die ״Season“ hineingeglitten. Es ist fraglich, ob sie so glänzend wird nie die vorjährige, wo die kleine Stadt mit Musikern von Weltruf in größerer Zahl Bekanntschaft machte. Aber dieser Winter, der trotz aller Sorgen und Schwierigkeiten eine anze Reihe von künstlerischen Versuchen und Veranstaltungen ringt, von denen wir nur einige ganz wenige willkürlich herausgegriffen haben, zeigt gerade In dieser seiner Normalität, wie rasch Tel-Awiw wieder ins frühere Gleis zurückgekehrt ist und beweist außerdem, daß unter den vielen Versuchen, die hier gemacht werden, so mancher ist, der einen Erfolg und ein Versprechen für die Zukunft darstellt. Gerda Arlosoroff. ..... Agudah and ztonlsMe Politik Die letzte Nummer des Agudah-Organes ״Israeli t“ (Frankfurt a. M.) nimmt in Besprechung eines Interviews des Agudah-Präsidenten Dr. Pinchas Kohn zu den politischen Grundfragen Palästinas Stellung. Dr. Kohn erklärt es für wünschenswert, in einem neuen White paper eine Interpretation der Balfour-Dekiaration ״etwa im Sinne Achad Haams“ zu geben. Darin sollte eine unzweideutige Ablehnung eines Judenstaates enthalten sein. Diese Feststellung, die ja nur die tatsächliche Entwicklung konstatiert, habe den Zweck, die Atmosphäre der Zweideutigkeiten zu zerstören, die den arabischen Hetzern immgr wieder gestattet, aufreizende Vorstellungen von einer drohenden Beherrschung durch die Juden zu verbreiten. Dfr ״Israelit“ ist der Meinung, daß sich die Haltung Dr. Kohns nur in der Form, nicht aber In der Sache von der Politik Weizmanns unterscheide Weizmann habe in Jena ein ״kulturelles Heim, das nur ein Krankenhaus oder Museum sei“, abgelehnt, aber In Wirklichkeit wisse er sehr gut, daß auch für ein solches Heim natürlich die freie Einwanderung im Rahmen der wirtschaftlichen Möglichkeiten und die feste ökonomische Fundierung der jüdischen Siedlungen die erste Vorbedingung sei, ebenso die unbedingte Sicherheit von Leben und Eigentum und die Gewährung einer unbegrenzten inneren Autonomie, Der ״Israelit“ schließt seinen Artikel mit folgenden Bemerkungen: \ ״Man könnte darüber iraZw eifelsein, ob gerade, weil die programmatischen Forderungen der Agudas Jisrocl sich von den gemäßigten Postulaten und noch viel gemäßigteren Erwartungen Weizmanns, des maßgebenden Kopfes der zionistischen Politik, kaum unterscheide!!, ein Hervor treten in die•• gern Augenblick erforderlich war. Die Veranlassung dazu liegt, wie wir annehmen, in der Tat nicht in sachlichen Differenzen zwischen der agudistischen und der offiziellen zionistischen Politik, sondern in der Tatsache, daß die weitere Zurückha!- tung der Agudah sehr leicht zu einer Schädigung der jüdischen Gesamtposition führen könnte, weil sie bei den Arabern die Vor- Stellung erweckt, als sei die gesamte Orthodoxie (gleich dem Misrachi) in das zionistische Lager eingerückt und stehe gar der Desperado-Politik der Jabotinsky und Genossen duldsam gegenüber.“ Der ״Iriaelit“ weiß sicherlich, daß die Anschauung, Palästina könne angesichts der Tatsachen nur als ״binationaler“ Staat die jüdischen Forderungen befriedigen, seit langer Zeit von einem erheblichen Teil der Zionisten vertreten wird. Wenn die Agudah diese Politik unterstützt, können wir damit zufrieden sein, aber die Apostrophierung von Weizmann und die Hereintragung parteipolitischer Momente kann die Durchsetzung dieser Erkenntnis nur stören, das sollte auch der ״Israelit“ verstehen. Der gegenwärtig in Budapest weilend® Delegierte der Jewish Agency und des Keren Hajessod, Dr. Jehudah W i I e 11 s k y, empfing die Vertreter der Budapester Tagesblätter und der Auslandspresse zum Tee im ״Hotel Britania“ und gab ihnen eingehende Informationen über das jüdische Aufbauwerk in Palästina. In einer Sitzung in New York wurde beschlossen, von den in Amerika aufgebrachten Hilfsgeldern für Palästina 1900 000 Dollar nach Palästina zu überweisen. ו