Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1930)
- Date
- 1930-01-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 60 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. ft, 31.1 1930 Eine liberale Kundgebung?11 welcher der Liberale Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde ins ehemalige Preußische Herrenhaus eingeladen hatte, fand am 27. Januar statt bei Gelegenheit einer Vnrstandssitzung des ״Weltverbandes für religiös-liberales Judentum“. Die Berliner Judenheit brachte dieser Veranstaltung eine starke Teilnahme entgegen. Um 60 mehr hätte man wünschen mögen, daß das, was da kundgetan wurde — die Redner waren zumeist englische und deutsche Vorstandsmitglieder des Verbandes sich nicht in einem Dutzend Ansprachen von je wenigen Minuten zersplitterte, sondern daß ein tief und umfassend angelegter Aufriß eine wirkliche Orientlerung über das weltanschauliche Programm und den Sinn des Weltverbandes gab. Es läßt sich wohl in scharf pointierender Form Über konkrete Spezialaufgaben reden, über die Stellung der Frau, die ihr im Gottesdienst zukommen soll, oder über liberale Gemeindepolitik, wie es versucht wurde. Aber das setzt voraus, daß die ideenhafte Grundlage klar erkannt und umschrieben ist, aus der die Richtungen solcher Sonderaufgaben sich dann ergeben. Von dieser Sicherung der Fundamente ist man nun freilieh noch sehr weit entfernt; und so hatte auch ein wohlwollender Zuhörer bei den laut klingenden Wortpaaren wie Geist, Form, Wahrheit und Freiheit und ähnlichem nicht gerade den Eindruck der gleichen Prägnanz und einprägsamen Verständlichkeit, wie ihn etwa die von einem Redner — nur e i n e m — für notwendig befundene Polemik gegen den nationalen Aufbau Palästinas erweckte. — Es ist gewiß eine für jeden ernsten Menschen höchst nachdenkliche Sache, daß die Not von Millionen Arbeitsloser in ihnen jeden Lebensmut und alle Hoffnung erstickt Daß aber der liberale Jude solches Elend tiefer mitempfinden sollte als, wie gesagt, jeder ernste Mensch, ob er sfch überhaupt zu einer Religion bekennt oder nicht, ist schwer einzusehen. Wie man zumal den Geist der biblischen Sozialgesetzgebung preisen kann und zeitgemäß nutzbar machen möchte, ohne zugleich dem Juden ein Stück Land. zu gönnen, auf dem allein solch hohe Ideale für ihn mehr werden können als schöne Erinnerungen, bleibt unerfindlieh. Aber das sind bloß ein paar Schönheitsfehler. Mir scheint eine wirklich fruchtbare Diskussion über diese Dinge sich an folgenden Problemen orientieren zu müssen: 1., Man muß sich entscheiden zwischen Nicht-Religion und Religion, zwischen ethischer Kultur und personalistischer Gotteslehre. Die höchste Sublimierung der jüdischen Ethik kann niemals die Grundeinstellung zur Frage aller Fragen und ihre Bejahung ersparen. Nicht weil 80 vielen die Form des Gottesdienstes nicht behagt, bleiben sie den Gotteshäusern fern, wie ein weitverbreiteter liberaler Aberglaube meint, sondern weil sie sich in jener Alternative negativ entschieden haben. 2. Man muß einsdien, daß der echte, nicht auszumerzende Religionsbegriff des Judentums derjenige des Religionsgesetzes ist In dieser Hinsicht ist des Paulus’ Charakterisierung riehtig. Jüdische Gläubigkeit entfaltet und realisiert sich in einem bestimmten Lebenssystem. Diese Daseinsordnung will die orthodoxe Auffassung gemäß ihrem Offenbarungsbegriff der Idee nach verabsolutieren, dauernd in starrem Zustand erhalten. Es darf aber umgekehrt nicht die Auflösung der jüdischen Lehensordnung schlechthin bedeuten, wenn dieser orthodoxe Offcribarungsbegriff seine Geltung für den Liberalismus ver* lofeS hat ®eitn dieser muß, unbeschadet aller Anerkennung vom Üniversalismus der jüdischen Gotteslehre und Ethik, die Korrespondenz von jüdischem Volk und jüdischer Religion in genau der gleichen Weise bejahen, wie es faktisch die Orthodoxie getan hat und tun muß. Nie kann das Judentum, ohne sich selbst aufzugeben, auf die konkrete Lebendigkeit seines Stammes verzichten und die von ihm abgelösten Ideen gleichsam in der Luft schweben lassen. Wenigstens kann es das nicht wollen, geschweige als seinen Beruf betrachten. Darum werden auch dem Liberalen Riten, Formen, jüdische Rechtsnormen und dergleichen nicht im engen Sinne als religiöse Ausdrucksgebärden und Symbole erscheinen, wie sie in dieser beschränkten Bedeutung einem Traditionalisten der alten Zeit auch niemals erschienen sind, der vielmehr in ihnen die Gestaltung des jüdischen Lebens schlechthin gesehen hat. Nur daß er, der Liberale, durch keine theokratische Bindung verpflichtet, sich nicht unbedingt an sie gefesselt fühlt. Daß hier der Subjektivismus einsetzt, ist unvermeidlich; und hier läge vielleicht die dringendste Aufgabe einer weltumspannenden jüdischen Organisation, normierend, vereinheitlichend, bindend, immer in» Sinne de® Zeitbewußtseins, zu wirken. Jedenfalls muß der Liberale, gerade unter dem Gesichtspunkte der aus seinem Subjektivismus erwachsenden Gefahren, für große jüdische Gesamtaufgaben mit besonderer Kraftanspannung eintreten, da die gemeinsame Hingabe an sie in jene Lücke der Bindungen eintritt, die der Verzicht auf die absolute Geltung des Religionsgesetzes gerissen hat. ' Erscheinen solche Forderungen nach Klärung und Festigung der Grundlagen dem ersten Blick nicht so ״lebensnah“ und ״praktisch“, wie die meinen und für notwendig halten, denen der Begriff eines religiös-liberalen Judentums eine Selbstverständlichkeit ist, so wird eine ernste Besinnung, unerachtet aller sogenannten Zeichen und Gebote der Stunde, nicht aufhören dürfen, sich um sie zu bemühen. Wo das alles freilich als fertig und aufs beste vollendet dünkt, wo man glaubt, immer nur eifrig praktische Folgerungen ziehen zu können, da sollte man es niemandem verdenken, den sein Gcwissen zwingt zu fragen: Folgerungen woraus? Rabbiner Dr.Max Wiener. * Als Redner in der Kundgebung traten auf R.-A. Heinrieh Stern (Berlin), Miß Lily Montague, Rabbi Israel Mattuck (London), Dir. Kleemann (Berlin), Rabb. Sel i g m a n n (Frankfurt) u. a. Die KoUektivisiernng der indischen Kolonisten Moskau, 23. Januar. (J. T. A.) ln Charkow tagte soeben eine dreitägige Konferenz des ״Kosnzet“ (Regierungs- <ommission für Berufsumschichtung der Juden). Die Konferenz faßte den Beschluß, im Verlaufe des Jahres 1930 die Kollektivierung der jüdischen landwirtschaftlichen Kolonisten hundertprozentig durchzuführen. Der Kollektivisierungsbeschluß sieht die Ueberführung toten und lebenden Inventars der noch licht kollektivierten Kolonisten in den Besitz der Kollektive cor. Es soll ferner mit dem Prinzip des Einzel wohn- 1 a u s e s gebrochen werden. Die in Zukunft von ״Agro-Joint“ Jnd ähnlichen Institutionen zu errichtenden Gebäude sollen so eingerichtet werden, daß mehrere Familien ein Haus bewohnen und die Schuppen und Ställe der ganzen Kollektive gemeinsam sind. Vortrag Blumenfeld ״Unser zionistisches Arbeiisprogramm" Am 26. Januar trat ln einer Berliner Veranstaltung der B. Z.V. der Vorsitzende der Z. V. f. D,, Herr Kurt Blumenfeld, zum erstenmal nach dem Jenaer Delegiertentag vor eine zionistische Oeffcntlichkeit Im überfüllten Gartensaal des Logen- Hauses, Kleiststraße, hielt Herr Blumenfeld einen umfassenden Vorfrag über das zionistische Arbeitsprogramm der nächsten Zeit. Ausgehend von einer Charakteristik des Wesens der zio• nistischen Bewegung, betont der Redner die Grundwerte, die für jede zionistische Betätigung ausschlaggebend sein müssen. Der Zionismus geht aus von der Erkenntnis der Wahrheit; er erfindet nichts, sondern er enthüllt; seine Funktion war es, den unerkannten Selbstbetrug der Juden aufzudecken. Die Kraft des Zionismus entsprang niemals einer bestimmten polltischen Formel, sondern der motorischen Energie, die durch die große Sehnsucht nach einem besseren Leben erzeugt wurde. Eine solche Bewegung hat ihren Sinn darin, daß sie von einer bestimmten Fragestellung ausgeht und die Frage auch dann stellt, wenn sie eine befriedigende Antwort fin Augenblick nicht geben kann. Denn ihr Weg ist ein unendlicher, und dies Erreichbare wird nur empfunden als ein Schritt vorwärts, aufwärts, in eine unbekannte Zukunft. Die erste Aufgabe des Zionismus war, zu zeigen, daß wir nicht Objekt, sondern Subjekt der Geschichte sein wollen. Seit der Entstehung des Zionismus weiß die Welt, daß es eine Judenfrage gibt, und wir ringen um öffentliche Anerkennung. Wir haben die öffentliehe MeinungderWelt gerade dadurch erschüttert, daß wir die Judenfrage zur Diskussion stellten. Oft stoßen wir in der öffentlichen Meinung auf Schranken, die damit zusammenhängen, daß keiner jüdischen Sache es leicht fällt, sich Sympathien zu erobern. In den meisten Fällen ist eine antizioiustisehe Stellungnahme der Außenwelt zugleich eine antijüdische Stellungnahme. Wir werden stets nur solche Kreise für uns gewinnen, die die Judenfrage in ihrer Totalität begreifen; denn wer kolonisiert, in ein neues Land geht, der muß stets damit rechnen, mit anderen Rechten in Konflikt zu geraten, so sehr er auch diese Rechte schonen will; wir können daher Sympathien nur bei solchen Kreisen finden, die die Judenfrage begriffen haben und daher das jüdische Lebensrecht höher stellen als die Nachteile, die seine Verwirklichung etwa auch mit sich bringen mag. Die öffentliche Meinung Ist für uns darum wichtig, weil sie auch die Judenheit beeinflußt. Wir müssen aber damit rechnen, daß die Allgemeinheit einer Sache gegenüber, die nicht ihre eigenen Interessen berührt, mehr oder weniger Indifferent ist, 80 daß es mehr auf die Auseinander- Setzung mit den Besten ankommt Diese gilt es zu überzeugen, daß wir Juden an die Kraft unseres eigenen Schicksals glauben und unserem Volke Zutrauen, daß es unter neuen Lebenibedingungen der Welt ein neues Wort za sagen vermag. Der Zionismus lebt solange als sein Glaube an die Erneuerung jüdischen Lebens und jüdischen Geistes, seine Radikalität untf Echtheit von der Welt gefühlt wird. Der zionisti« sehe Radikalismus zeigt sich innerhalb der jüdischen Welt, nicht dort, wo man Forderungen an andere stellt und nicht an sich. Eine innerlich so gefestigte Bewegung kann wagen, auch den Bedinlungen der Welt Rechnung zu tragen, weil sie weiß, daß sie ihr Ziel erreichen wird, unabhängig von irgendeiner Formel. Dort also kann sie Realpolitik treiben, wenn sie zugleich die jüdische Welt zu überwältigen unternimmt Diese Zusammenhänge haben manche nichtzionistische Kritiker der Jenaer Tagung ulcht ganz verstanden, . In der Auffassung der Judenfrage hat sich auch bei den anderen sehr viel gewandelt. Die N Ic ht - zionisten sprechen heute so, wie wir vor 25 Jahren, damals schalten sie uns Hochverräter. Höchstens manche Termini sind anders. Das Problem des Antisemitismus ist seit 2000 Jahren unlösbar. Bei den Abwehrbewegungen hat man stets versucht, einen Teil der Juden preiszugeben; vielleicht ist es gelungen, auf diese Art einige zu retten, aber die Judenfrage als solche blieb bestehen. Auch die Selbsthilfe der Juden wird wenig nützen, wenn sie mit einer Identitätserklärung nach außen verbunden ist. Die Geburtsstunde einer moderneren Politik gegenüber dem Antisemitismus war die Gründung der Alliance, die verstand, daß nur Welt-Selbsthilfe, gestützt auf die Wahrheit unserer jüdischen Weltexistenz, uns helfen kann. In diesem Sinne können auch wir an der praktisehen Bekämpfung des Antisemitismus mitwirken. Das wichtigste aber Ist, daß die mit dem Antisemitismus verbundene Verachtung und Selbstverachtung der Juden nur durch positive Leistung überwunden werden kann. Unsere Antwort Ist der Auftau des Nationalheims in Palästina. Wenn man in dieser Aufbauarbeit Zionisten und Nichtzionisten zur Kooperation zusammenfaßt, so muß man wissen, daß dies nicht mechanisch geschehen kann, das Bündnis ist dynamisch für beide Partner. Man sieht deutlich, daß die Früchte der Agency-Politik dort am sichtbarsten in Erscheinung treten, wo Zionisten und Nichtzionisten am besten dastehen. Nicht der Zionist soll den Nichtzionisten überwinden, sondern der Zionismus den Nichtzionismus. Auch die Partner treten einem solchen Zionismus mit viel mehr Vertrauen entgegen. Menschen sind bereit, sich vergewaltigen zu lassen von der Größe einer Idee, aber nicht sich etwas abzwingen zu lassen von Menschen, die auf organisatorische Rechte pochen. Uebergehend auf die Fragen der Gemeindearbeit betont der Redner die Notwendigkeit, vor allem Einrichtungen zu schaffen, die einer besseren jüdischen |rziehung dienen. Das wichtigste ist die Förderung der Hebraisierung und die Jüdische Schule. Aber diese objektiven Voraussetzungen jüdischen Lebens reichen im Galuth nicht aus, wenn nicht die Erkenntnis der jüdischen Situation hinzutritt. Die Menschen, die in der Oaluth-Politik sich betätigen, müssen zugleich die besten und palästinaverbundensten Zionisten sein. Die Aufgabe der Jüdischen Gemeinde war frühe!• bestimmt durch den Friedhof, heute durch die Bedürfnisse der Heranwachsenden Jugend. Ich bin überzeugt — sagte Redner —, daß es gelingen wird, auch in der Gemeindearbeit eine völlige Einheitlichkeit der Zionisten im Auftreten nach außen zu erzielen. Redner spricht dann über die Arbeit der zionistischen Ortsgruppen und erwähnt vor allem die Schwierigkeiten in Berlin, wo wir das Großstadt-Problem zu bewältigen haben. Leider glaubt man iii Berlin vielfach, daß die Hauptaufgabe in einem parlamentarischen Gegeneinanderspielen der einzelnen zionistischen Gruppen besteht, statt daß die Außenarbeit von allen gemeinsam getragen wird. Es ist auch falsch, wenn einzelne Personen sich beleidigt zurückziehen, weil man sich nicht genügend um sie kümmert. Es ist nicht Sache der Leitung, jeden Einzelnen zur Arbeit herauzuhoien, sondern jeder muß selbst seine Arbeit machen, wo er kann, muß sich selbst melden, ohne persönliche Empfindlichkeiten. Dens die Zeit ist vorbei, wo der Zionismus mir ein Bund oder Freundeskreis war, wir sind heute eine groß gewordene politische Bewegung, in weicher ein gemeinsames Ziel uns Zusammenhalt, im übrigen aber der Betätigung jeder einzelnen Persönlichkeit freier Kaum gelassen werden muß. Ein neuer vielversprechender Faktor ist die Frauenbewegung, deren Vorzug es •auch ist, daß der innere Parteistreit dort noch keine so große Rolle spielt. Vor uns stehen ferner die großen Aufgaben der Qeldsammlungen, die niemand bagatelllsierendarf. Und schließlich die Jugendarbeit, die engstens zusammenhängt mit der C h a I u z i u t h, denn eine Jugend kann nicht leben ohne das Ideal des Pioniertums als persönliche Aufgabe. Auf allen Gebieten dient unsere Arbeit dem Wachsen unseres Werkes. Ein Gedanke beseelt uns: es darf nicht dabei bleiben, daß nur tropfenweise neue Leute nach Palästina hereinkommen. Die Kraft der zionistischen Bewegung und das Ergehnis der zionistischen Arbeit hängt davon ab, ob zionistische* Vertrauen und Arbeitswille und Glaube sich stärker und großartiger zu offenbaren vermag als bisher. Vom Jfldischeo Natloaalverband In Transsylvanien Vor kurzem wurde in Cluj (Klausenburg) die neunte Landeskonferenz der Zionisten Transsylvaniens abgehalten. An der Jubiläumskonferenz nahmen 156 Delegierte teil, unter ihnen viele Delegierte der ersten Konferenz, ferner Reprisentanten der Behörden u. a. m. Der Eröffnungssitzung im Stadttheater wohnte ein mehrtausendköpfiges Publikum bei. Der Präsident des Nationalverbandes, Abg. Dr. Josef Fischer, schilderte den Werdegang der Bewegung in Transsylvanien und die allgemeine Lage im Zionismus und würdigte die Be- Schlüsse des Züricher Kongresses und die Bildung der neuen Jewish Agency, von der auch in Transsylvanien eine Sektion besteht. Die Festrede hielt der Ehrenpräsident des National• verbandes, Abg. Dr. Theodor Fischer. Der Nationalverband, führte er aus, wurde 1918, in der Zeit der Revolution, ins Leben gerufen, als der Willensausbruch der jüdischen Bcvölkerung in der neugeschaffenen politischen Konstellation als nationaler Minderheit zur Geltung drängte. Bis zum Jahre 1920 wirkte der Nationalverband ausschließlich als politische Organisation, 1920, in der ersten Landeskonferenz in Cluj, wurde der Eintritt des Nationalverbandes in die Zionistische Weltorganisation proklamiert. Seither wirkt der Verband einerseits als Zionistische Organisation, andererseits als die innerpolitische Repräsentanz der nationalgerichteten Judenschaff von Transsylvanien. Die Konferenz wurde von Vertretern der Armee, des Comitates, der Stadt Cluj, sowie durch eine längere Ansprache des Rektors der Universität und Vizepräsidenten der rumänisehen Kammer, Dr. Emil Hatiegan, begrüßt An Präsident Dr. Chaim Weizmann und die Palästina-Exekutive wurden Begrüßungtelegramme gesandt In den darauffolgenden Plenarsitzungen, die von Dr. Alexander Nobel (Timisoara) geleitet wurden, bildeten hauptsächlich organisatorische Fragen den Gegenstand eingehender Diskussionen, als deren Resultat eine von Dr. Jordan Viktor eingebrachte Resolution betreffend Zentralisierung von Adminlstration, Propaganda und Finanzwesen angenommen wurde. Nach dn*r lebhaften Aussprache zwischen Vertretern von Hitachduth und Revisionisten in der Frage des Brith Schalom wurde eine Resolution angenommen, ln der jede Isolierte politische Aktion, wie die von Dr. Magnfts, scharf verurteilt wurde. Beschösse wurden für hebräische Erziehung der Jugend, Verbreitung von zionistischen Werken usw. gewßt : : r. -״••.־בי. Einen wichtigen Punkt der Tagesordnung bildete die Frage der transsylvanlschen Achuza ״Czur Schalom", die mit dem Komplex der Haifa Bay in Zusammenhang steht Andere Beschlüsse betrafen Alijah, Intensivierung der Arbeit für die zionistischen Fonds, Schekel usw. Zum Präsidenten des Nationalverbandes wurde einstimmig Ahg. Josef Fischer wiedergewählt Präsidiumsbeisitzer sind Dr. M. Deutsch (Lugoj), Samuel Nußbaum (Oradea Mare), Dr. Alexander Nobel (Timisoara), Jakob Rothbart (Titnlsoara), Dr. Hillel Kohn (Cluj). Zu Vizepräsidenten wurden gewählt: Dr. Josef Hamburg und Dr. Ernst Marion (Cluj). Vorsitzende des großen Aktions-Comitds sind Dr. Julius Haiberg (Bistritza) und Dr. Alexander Novel (Timisoara). Der ausgeschiedene Generalsekretär der Organisation, Herr Ferdinand Weinberger, wurde zum ehrenamtlichen General- Sekretär des Nationalverbandes gewählt. Dr. Hantke in Transsylvanien Aus Cluj wird uns berichtet: Dr. Arthur Hantke, der geschfiftsführende Direktor des Keren Hajessod, traf am 15. Januar in Transsylvanien ein und besuchte während seines hiesigen Aufenthaltes die Städte Timisoara, Oradea und Cluj. Der Zweck seiner Reise war einerseits die Fühlungnahme mit den führenden Persönlichkeiten der Jewish Agency und Vor• bereitung der nächstjährigen Aktion. Dr. Hantke hielt in allen drei Städten Vorträge über die jetzige Lage in Palästina und über die Aufgaben in der nächsten Zukunft der Jewish Agency. Die aufkllrenden Mitteilungen des Herrn Dr. Arthur Hantke hatten zur Hebung der Stimmung viel beigetragen und werden sich in der Arbeit für die Fonds gewiß vorteilhaft auswirken. Besonders wichtig war es, daß Dr. Hantke die Bn6 Brith- Logen für unsere Sache beeinflussen konnte und mit den Komitees der einzelnen Städte einen persönlichen Kontakt bekam. Palästinensische Bevölkerungsstatistik Jerusalem, 27. Januar. H.T. A.) Eine Statjstikerkonferenz, die, von der Zionistischen Palästina-Exekutive einberufen, gegenwärtig in Jerusalem tagt, hat den Beschluß gefaßt, der Regierung die Vornahme einer neuerlichen Volkszählung vorzuschlagen. Diesen Beschluß faßte die Konferenz, weil nach ihrer Meinung die Volkszählung von 1922 in ihren Ergebnissen gegenwärtig unbrauchbar sei. Das Arbeitsdepartement der Zionistischen Exekutive nimmt zunächst eine Zählung der in den jüdischen Kolonien beschäftigten jüdischen Arbeiter vor und trifft Vorbereitungen für die Zählung der jüdischen Handwerker. Die Volkszählung im Jahre 1922 ergab eine Oe- Samtbevölkerung von 757 182 Einwohnern, wovon 590890 Mos- Iems, 83 794 Juden, 73 024 Christen, 7028 Drusen, 162 Samaritaner, 265 Bahais, 156 Metawallis, 1454 Hindus und 408 Sikhs waren (bei den vier letztgenannten Gruppen handelt es sich um Angehörige der britischen Militärbesetzung). Ende 1923 bctrug die Zahl der jüdischen Bevölkerung 93 300 (gegenüber der Zahl von 83 794 bei der Volkszählung von 1922); Ende 1921 waren es schon 110000 Juden, Ende 1925147000 und Ende 1926 158 000. Im Juli 1927 schätzte das Gesundheitsdepartement der palästinensischen Regierung die Zahl der jüdischen Bevölkerung auf 147687. In dieser Zeit war durch die Auswanderung eine Verringerung der jüdischen Bevölkerungszahl entstanden. Die letzte Schätzung ist die vom 31. März 1929 mit folgenden Zahlen: 557 649 Mostems, 149554 Juden, 78 463 Christen und 8850 Angehörige anderer Bekenntnisse.