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Jüdische Rundschau · 1930-01-28 · Heft 8 (28.1.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 8 (28.1.1930)
Date
1930-01-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 54 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 8, 28. t 1930 schwersten Opfern es sich ermöglichen konnten, in Erez- Israel zu studieren. Um ihrer Arbeit för das Volk willen wäre es ein Segen, wenn cs gelinge, immer wieder Menschen aus ihrer Mitte — ausgewählt nach ihrer Tüchtigkeit — an europäische Bildungsstätten für ein oder zwei Semester zu senden. Freilich, wir hoffen alle, daß die Universität drüben einmal in sich selbst eine wissenschaftliche Abrundung erhalte — aber jetzt müssen wir die Wirklichkeit sehen. Und auch wenn das Ideal einer Universitas litterarum wirklieh erreicht wäre, bliebe nicht immer auch auf diesem Oebiete für Palästina die Gefahr der Abgeschlossenheit und der — wie man es drüben nennt — ״Provinzialiuth“, die es gebieterisch verlangt, Menschenbande zu flechten von hüben und drüben?? Cs müßte gelingen, in jedem Studienjahre einigen Studenten aus Jerusalem in den in Frage kommenden Universitätsstiidten Europas die Möglichkeit zu geben, den indirekten Kontakt mit der Geistigkeit Europas zu einem direkten zu gestaltcn. Ueber diese Frage ließe sich vieles reden; hier sei auf sie nur hingewiesen. Und noch eines: Je lebendiger und intensiver der Kontakt der Studenten von drüben mit Europa sein wird — desto intensiver und markanter wird einmal die geistige Auseinandersetzung, auf die wir für das Land alle hoffen, sein. Vergessen wir auch nicht, daß es für die einzelnen Kreise jüdischer Studenten in der Diaspora ein überaus belebendes Moment sein kann, wenn in ihrer Mitte immer wieder Mensehen aus Erez-Israel wären, die für ErezTsrael zu ihnen gekommen sind und dorthin wieder zurückkehren — Sendboten jüdischer Arbeit. Zugleich müßte an einen zweiten — ebenso wichtigen Schritt gedacht werden, der sicher wie der erste auf Unter- Stützung von außen rechnen kann: die Entsendung von europäischen Sendbotenstudenten nach Jerusalem; sicher wird nach Möglichkeit die Leitung der Universität diesen Austauschstudcnten behilflich sein. Aber es kommt zunächst einmal darauf an, daß die jü* disch-akademische Jugend ihre wirkliche Be- Ziehung zur Universität Jerusalem erweist Erst wenn sie aus ihren eigenen Reihen heraus das beweist, kann sie damit rechnen, daß man von außen ihr in entscheidendem Maße zu dem Werke der wechselseitigen Sendbotenschaft — etwas Neues und doch an Altes Anknüpfendes in Israel! — hilft. Wir müssen beginnen, mit dem ״Zentrum“ des Geistes ernst zu machen, nicht indem wir auf sein Ausströmen warten, sondern indem wir zu geben uns bemühen. Wenn jährlich aus jedem Lande Europas nur einige Studenten regelmäßig nach Jerusalem gehen, ist das — unter den gegebenen Umständen, mit denen wir rechnen müssen — nicht wenig. Wenn jährlich Deutschland, Oesterreich, Tschechoslowakei, Frankreich, England, Belgien und andere Linder je zwei bis drei Studenten zu sich rufen, ist das für die Universität Jerusalem und ihren inneren Wert viel. Heute hier noch kein Programm — noch nicht einmal ein Programm des nächsten Weges, über den noch ausführlieh zu sprechen sein wird. Nur das Ersuchen an die in Frage kommenden Kreise, darüber nachzudenken und Jhr Interesse an Beratungen und eventuelle Vorschläge kundzugehen. (Unter dem Kennwort dieser Artikelüberschrift an die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau".) Die Sicherheit der jüdischen Kolonien Der neue Polizeichef eingetroffen In der Sitzung des englischen Unterhauses am 22. Januar fragte das (liberale) Parlamentsmitglied Major Sir Archibald Sinclair den Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drummond Shiels, ob er Informationen habe über die 16 oder 17 Kolonien in Palästina, die während der Unruhen gemäß dem amtlichen Verteidigungsplan mit Waffen versehen worden sind, ob diese Kolonien ihre Verteidigungsmittel noch besitzen und ob der Unterstaatssekretär in der Lage sei, bekanntzugeben, weiche Mittel zur Verteidigung der Kolonien in der Zukunft und für die Sicherung von Recht und Ordnung in Palästina überhaupt ergriffen werden würden. In seiner Antwort erklärte Unterstaatssekretär Dr. Shiels, daß gegenwärtig detaillierte Vorschlägefürdie Verteidigung der jüdischen Kolonien in Palästina geprüft werden. Bis zu einer endgültigen Regelung werden vorübergehende Notmaßnahmen getroffen. So soll jetzt der Bau von Straßen in Angriff genommen wurden, um die Verbindung mit fernab liegenden Kolonien herzustellen. Nach Mitteilungen des High Commissioner, fügte Dr. Shiels hinzu, haben die in Frage stehenden jüdischen Kolonien bis auf fünf ihre Waffen behalten und verwahren sie in versiegelten Depots. Was die fünf Kolonien betrifft, die ihre ursprüngliche Bewaffnung nicht mehr haben, so ist in einer (Ekron) die Zahl der Waffen von 10 auf 6 herabgesetzt worden. Drei Kolonien — Hulda, Artuff und Kastiniah — sind evakuiert worden. Aus einer dieser drei Kolonien sind die Waffen in eine benachbarte Kolonie (Katra) überführt worden, aus den beiden anderen Kolonien sind die Waffen in das Polizeihauptquartier wieder eingeliefert worden. In der fünften Kolonie (uezer) ist eine Bewaffnung überflüssig geworden, weil sich dort gegenwärtig eine Truppenstation befindet. Am 27. Januar trifft der Generalinspektor der Polizei in Ceylon, H. L. D a 1 b i g g i n, in Palästina ein, um im Auftrage des Staatssekretärs für die Kolonien bei der Organisation der Polizei mitzuwirken. Arabische Arbeiter gegen den Boykott Das Organ der Arabischen Exekutive ,,Felestin“ veröffentlicht eine Zuschrift der in der Zündholzfabrik ״Nur“ zu Akko beschäftigten arabischen Arbeiter, in der sich diese gegen den arabischen Boykott der in dieser Fabrik hergestellten Zündhölzer wenden, der nicht nur den jüdischen Besitzern, sondern auch den arabischen Arbeitern Schaden bringt. ״Felestin“ fügt der Zuschrift ein Kommentar bei, in dem versucht wird, die Arbeiter damit zu beruhigen, daß bald eine arabische Zündholzfabrik eröffnet werden wird, in denen die Arbeiter von ״Nur“ Beschäftigung finden würden. Inzwischen hat, wie uns aus Palästina geschrieben wird, der Import von Zündhölzern aus Rußland stark zugenommen. Die russischen Fabrikate tragen Anschrift in arabischer und englischer Sprache (also nicht hebräisch, aber auch nicht russisch), sie scheinen also für den ganzen arabischen Orient berechnet zu sein und sind zweifei• tos eine starke Konkurrenz gegen die junge jüdische Zündholz-Industrie, zumal wenn diese aus nationalen Gründen auf dem arabischen Markt zurückgedrängt wird. JsbottBiky vor der llntersochongskommlsslon Jabotinsky!wurde vergangenen Freitag in geheimer Sitzung von der Untersuchungskommissfon in London vernommen. Die Vernehmung dauerte mehrere Stunden. Vor seiner Abreise aus Palästina hat jabotinsky am 20. Dezember einen Brief an die Untersuchungskommission geschrieben, der in der revisionistischen Presse veröffentlicht wird und in dem er die Gründe anführt, warum er verhört werden will. Er wolle beweisen, daß die Idee des Judenstaates stets das Ziel des Zionismus war, von Pinsker über Herzi und auch Achad Haam bis zu vielen der gegenwärtigen Führer des Zionismus, daß diese Idee der Balfour-Deklaration ebenso zugründe lag wie der jüdischen Legion, und daß weder im Mandat noch im Weißbuch von 1922 etwas enthalten sei, was der Idee eines sich selbst verwaltenden Palästina mit jüdischer Mehrheit widerspricht. Er wolle ferner beweisen, daß dieses Ziel die nicht jüdische Bevölkerung Palästinas nicht schädige, da alle zionistischen Richtungen einschließlich der Revisionisten in Palästina Bedingungen schaffen wollen, die der ganzen Bevölkerung ohne Unterschied der Religion und Nation den Frieden sichern. Weiter wolle er den ״Brith Trumpeldor“ und den ״Doar Hajom“ verteidigen, und schließlich nachweisen, daß die Ursache der Augustunruhen ln der Politik der Palästinaregierung seit Beginn der Okkupation des Landes zu suchen ist. Wie der Londoner ״Jewish Chronicle“ mitteilt, ist Jabotinsky gegenwärtig mit aer Vorbereitung eines Piebiszites (Volksentscheides) über die Ziele des Zionismus in Palästina beschäftigt. Das Resultat soll dem Völkerbund und der Britischen Regierung vorgelegt werden. (Kleine Anfrage an viele bei anderen Anlässen entrüstete Zionisten: Fällt dies eigentlich unter den Begriff einer ״politischen Sonderaktion“ oder nicht?) Der Prozeß Makleff Freispruch der Angeklagten in dem ProzeB um die Morde von Mozah Jerusalem, 23. Januar. (J.T. A.) In dem ProzeB ge״en eine Anzahl von Bewohnern des arabischen Dorfes Kolonleh, die beschuldigt waren, zur Zeit der Unruhen die Kolonleh benachbarte kleine jüdische Kolonie Mozah überfallen und das• furchtbare Gemetzel unter der Familie Makleff und Ihren Gästen veranstaltet zu haben, sind nach langwieriger Verhandlung. In denen die beiden überlebenden Kinder der Famille Makleff als Belastungszeugen auftraten, fetzt sämtliche Angeklagten we״en Mangels an Beweisen freige* sprochen worden. Eine der furchtbarsten und bestialischsten Enisoden aus den Unruhen des letzten August wird ungesühnt bleiben: das Gerieht hat unter Vorsitz des obersten Richters MacDonell die des Mordes an der Familie Makleff angeklagten Araber nach 44tä״I• ger Verhandlung freigesprochen. Das hat wohl juristische Gründe: aber wenn die Angeklagten nicht die Mörder sind, wer ist es? Die Regierung hat wohl die Pflicht, in einem so grausigen Mordfall nicht zu ruhen, ehe die wahren Schuldigen ermittelt sind. * In der englischen Ausgabe des ״Davar“ vom 7. Januar wird die. Meldung kommentiert, daß der besondere Unter» «achtlngsriebter in , Jerusalem, der zur Untersuchung der Augustunruhen eingesetzt worden Ist, seine Arbeit■ beendet habe. Das Resultat sei höchst unbefriedigend. Es seien in Jerusalem während der Unruhen (ohne Mozan) 27 Juden etötet worden. Von diesen 27 Fällen seien überhaupt mir von der Polizei vor den Untersuchungrichter gebracht worden und von denen seien nur 2 dem Sprirhgericht übergeben worden, auch diese beiden nur aus Zufall. Der eine Araber, Mittäter bei der Ermordung der Brüder Rothenberg, habe aus Versehen einen britischen Offizier und dessen Christliehen Chauffeur angegriffen, die er für Juden gehalten habe und wurde deshalb vor Gericht gestellt. Der andere habe an den Morden und Plünderungen im Gurdjienviertel teilgenommen, sei später dorthin zurückgekehrt, um seinen dort vergessenen Tarbusch zu suchen und bei dieser Gelegenheit von einem britischen Polizisten verhaftet worden. Auf der anderen Seite seien 15 Araber in Jerusalem getötet worden, größtenteils durch die jüdische Abwehr beim Angriff auf jüdische Viertel. Im Zusammenhang dabei habe die Polizei nicht weniger als 30 Juden dem Untersuchungsrichter vorgeführt, von denen 12 dem Spruchgericht übergeben wurden. Diese Juden seien größtenteils Bewohner der überfallenen Viertel, so 7 Juden aus Bajit Wegan, wo einer der angreifenden Araber getötet worden sei und 5 Einwohner von Mekor Chaim, die das weitere Plündern ihrer Häuser nicht mitansehen wollten. Die Ankläger seien Araber aus den Dörfern, die die Ueberfälle ausgeführt haben. Beschlüsse der hoBandlschen Zionisten Das Büro des niederländischen Zionistenbundes übersendet uns die Beschlüsse des 30. Delegiertentages der hollindischen Zionisten nebst einem Memorandum, das die Leitung der holländischen Zionisten der Londoner Exekutive vorgelegt hat. Die Resolution I besagt: Der 30. Delegiertentag des holländischen Zionisfen^undes erklärt, daß seiner Meinung nach eine Erklärung der höchsten zionistischen Instanzen über dasjenige, was als das unentbehrliche Minimum zur Lösung der Judenfrage zu betrachten ist, eine absolute Notwendigkeit bildet, während eine autoritative Erklärung hierüber bisher nie gegeben wurde, und beauftragt den Bundesvorstand, diese Meinung des Delegiertentages zur Kenntnis der fixekutive der Zionistischen Weltorganisation und aller sonst in Betracht kommenden I-sfan en zu bringen und die Exekutive und das Aktions-Comitd dringend zu ersuchen, es dahin zu leiten, daß rechtzeitig die nötigen Vorbereitungen getroffen werden, welche den nächsten Kongreß instand setzen, eine für die gesamte Zionistische Weltorganisation und ihre Organe maßgebende Erklärung darüber abzugeben. Reolution II lautet: In Anbetracht dessen, daß im Laufe der Jahre von verschiedenen zionistischen Gruppen und fübrenden Persönlichkeiten Formulierungen zionistischer Ziel- Setzung publiziert und propagiert worden sind, welche einen Verzicht auf dasjenige bedeuten, was ursprünglich immer als das unerläßliche Minimum für die Lösung der Judenfrage betrachtet worden war, spricht sich der 30. Delegiertentag des Niederländischen Zionistenbundes dahin aus, daß die Erwerbung einer jüdischen Majorität in Palästina unerläßliche Vorbedingung für die Lösung der Judenfrage ist und daß die Publikation und Hervorhebung dieser Ueberzeugung keinesfalls unterdrückt werden darf, und beauftragt den Bundesvorstand, diese Meinung des Delegiertentages der Zionistischen Organisation und allen weiter in Betracht kommenden Instanzen zur Kenntnis zu bringen. Resolution III beklagt die Zurücksetzung der ״kleinen Landsmannschaften“ in den Organen der Weltorganisation und fordert Erfüllung der Vertretungsansprüche der holländischen Landesorganisatton. Debatte mit Dsdiemal Husseini Aussprache über Palästina In der Londoner Neer and Middle East Association London, 24. Januar. (J.T. A.) Unter dem Vorsitz von Dr. t. H. Q ri f f i n fand am Abend des 22. Januar im Hause von Mrs. Arthur MeOrath (Rosita Forbes) eine Zusammenkunft der Near and Middle East Association statt, in der das Mitglied der Arabischen Exekutive und der arabischen London- Delegation Dschemal Hussein! über die Lage in Palastina eine Rede hielt, an die sich eine Aussprache anschloß. Dschemal Hussein! machte für die palästinensischen Unruhen die Politik der britischen Regierung verantwortlich, die ihr im Krieg den Arabern gegebenes Unabhängigkeits-Versprechen nicht eingehalten habe. Er schilderte dann die Geschichte der Ereignisse von der Zeit, wo die britische Verwaltung in Palastina eingesetzt wurde und bezeichnete als Resultat der in dieser. Zeit gehandhabten prozionistischen Politik der Regierung eine Erhöhung der Steuerlast und eine Verarmung der arabischen Wirtschaft. Die Juden seien der einzige Bevölkerungsteil gewesen, der von der Politik der Verwaltung Nutzen gehabt habe. Die Einwanderung jüdischer Siedler habe beträchtlich die Zahl überstiegen, die vom Lande wirtschaftlich absorbiert werden könne. Während der jüdische Bevölkerungsanteil bei Ausgang des Krieges 7 ®/o betragen habe, sei er jetzt 18 »/o stark. Die Verwaltung verfahre autok ratisch. Die Araber seien in ihr nicht vertreten und hätten auf ihre Maßnahmen keinen richtunggebenden Einfluß. Als Lösung der gegenwärtigen Schwierigkeiten forderte Dschemal Husseme die Einrichtung einer Selbstverwaltung, in der Juden und Araber entsprechend ihrem Anteil an der Bevölkerungszahl vertreten sein sollen. Als erster Diskussionsredner führte der Sekretär der Zionistischen Weltorganisation Israel Cohen aus, die Anwesenheit Dschemal Husseinis in London in diesem Zeitpunkt hänge mit dem Wunsch der arabischen Führer zusammen, die Aufmerksamkeit von den grauenhaften Untaten, die im letzten August geschehen sind, abzulenken. Cohen bestritt, daß den palästinensischen Arabern im Laufe des Krieges ein Unabhängigkeits-Versprechen gegeben worden sei, und sagte, das einzige auf sie bezügliche Versprechen sei das in der Balfour- Deklaration enthaltene, das Versprechen nämlich, daß bei der Errichtung des Nationalheims für das jüdische Volk nichts geschehen soll, was die bürgerlichen oder religiösen Rechte der nichtjüdischen Gemeinschaften in Palästina beeinträchtigen würde. Dieses Versprechen ist ehrlich erfüllt worden. Wenn behauptet worden ist־ daß die Steuerlast unter der britischen Verwaltung gesteigert worden sei, so ist genau das Gegenteil wahr. Die Juden bilden nur knapp 20 0־״ der Bevölkerung und kommen trotzdem annähernd für die Hälfte der Steuereiitgänge auf. Eine genaue Prüfung der von Dschemal Husseini vorgebrachten Anklagen würde zeigen, daß sie entweder die Tatbestände unmäßig übertreiben oder überhaupt in der Wirklichkeit keine Grundlage haben. In Palästina sribt es weiten Spielraum für die Entwicklung des jüdischen Volkes ohne Schaden für die arabischen Interessen; denn das Land kann bei intensiver Kultivierung eine Bevölkerung von mindestens drei bis vier Millionen ernähren. Mrs. MeOrath erzählte, daß sie über diese Fragen mit Lord Passfield, dem Staatssekretär für die Kolonien, gesprochen und daß dieser gesagt habe, wenn die Araber in Palästina mit den Bedingungen dort nicht zufrieden seien, hätten sie ja die Möglichkeit, nach lraq zu gehen. (?) Sie verlas eine Erklärung, die Professor Einstein vor einigen Wochen einem Pressevertreter gegeben hat, und die besagt, daß das Jüdische Paläsfinawerk ״nur dann möglich und;wünschenswert sei, wenn es von dem guten Willen sowohl der Juden als auch der Araber getragen sei“. Sie verstehe die Balfour-Deklaration in dem Sinne, daß die Schaffung einer geistigen Heim- Stätte versprochen worden sei, und sie sehe neue Unruhen voraus, wenn nicht eine konstitutionelle Verwaltung, wie sie die Araber fordern, gewährt werden würde. Major E. W. Po Iso n Newman bedauerte es, daß die Balfour-Deklaration so ungenau gefaßt sei, und daß die Methoden ihrer Erfüllung nicht genau bestimmt worden seien. Nichts stehe in der Deklaration darüber, daß die Juden eine Majorität in Palästina bilden sollten; seiner Meinung nach könnte der Bildung einer solchen Majorität auch nicht zugestimmt werden. Aber das britische Prestige müsse gewahrt und die Baifour-Deklaration geachtet werden. Er schlage daher vor, Juden und Araber mögen ihre Gemeinschaften in den Landesteilen, in denen sie bereits in einem gewissen Maße konzentriert sind, in der Weise entwickeln, daß beide Völkerschäften lokale Autonomie genießen. Lord Lemigton erinnerte daran, daß er einen Monat nach Veröffentlichung der Balfour-Deklaration Präsident eines zionistischen Riesenmeetings in der Kingsway Hall war. Damals habe er die Balfour-Deklaration begrüßt; nachdem er einige Jahre später Palästina besucht hatte, habe er seine Melnung in diesem Punkte etwas geändert. ־ Der Zusammenkunft wohnten auch der Gesandte des lraq in London, ferner Lord Danesfort, Lord Leigh, das Pariamentsmitglied Sir Robert Hamilton, Mrs. Steuart Erskinc, Mrs. John Philby u. v. a bei. Vor dem Bericht der Uolersnchimpkommlssion Der Londoner ״Jewish Chronicle“ berichtet über einen Vortrag, den das Mitglied der Untersuchungskommissfon Harry Snell in einem Londoner Verein über Palästina gehalten hat. Der Vortrag hielt sich — nach dem Bericht zu schließen — im Rahmen einer Reisebeschreibung und stellt nur zum Schluß fest daß angesichts des Zusammenstoßes der zwei so verschiedenartigen Kulturen in Palästina Schwierigkeiten unverineidlich seien. Interessanter ist jedoch, daß ״Jewsih Chronicle“ in einem Leitartikel gegen Snell Stellung nimmt und ihm vorwirft, daß er vor Erscheinen des Berichtes der Kommission einen solchen Vortrag hält. Das Blatt erklärt, zu dem Vortrag nicht Stellung nehmen zu wollen, sondern lieber den Bericht abzuwarten. ״Wenn aber,“ so fährt J, Chr.' fort, ״die anderen Mitglieder der Kommission mit Snell übereinstimmen, dann scheinen sie ihr Urteil mit sehr parteiischer Voreingenommenheit gebildet zu haben.“ Eiie aütirioulstiselie Flugschrift (Von unserem Genfer Korrespondenten.) K-y., Genf, 25. Januar 1930. Die Delegierten des svro-palästihensischen Komitees, Emir Schekib Arslan und Ishan ei Dschabri, die in Genf letztens eine rege antizionistische Tätigkeit entfalten, haben soeben eine Flugschrift unter dem Titel ״Palästina und der Zionismus“ veröffentlicht. Sie polemisieren hierin mit dem von Emil Vandervelde in Genf am 28. Dezember 1929 abgehaltenen Vortrag und greifen in heftigster und verleumderischer Weise die Zionistische Organisation und ihr Werk in Palästina an. Es ist zu bemerken, daß der Tätigkeit der zwei ״Delegierten des syro-pälästinensischen Komitees“ — die sich hier durch ihre seit Jahren fortgesetzten, lärmenden, verleumderischen und steriien Protestschreiben einen recht zweifelhaften Ruf verschafft haben — bei den maßgebenden Völkerbundskreisen nur sehr weaie Beachtung geschenkt wird.

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