Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1930-01-24 · Heft 7 (24.1.1930) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 7 (24.1.1930)
Date
1930-01-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653156-2653163--21332-2679415
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 7, 24 1.1030 JUEDJSCHE RUNDSCHAU Seite 40 Brief aus Rumänien Jabotinsky In Rumänien. — Chaluzarbelt. — Die Tarbuth- Bewegung. — Oekonomlsche Krise und nationale Fonds. Von unserem Bukarester Korrespondenten. —h. Bukarest, 19. Januar 1930. Der langerwartete Besuch Jabotinskys in Rumänien ist vorüber. Jabotinsky kam direkt aus Palästina, und Rumänien war das erste Land, in dem er in verschiedenen Städten vor einem großen Forum über die Ereignisse in Palästina sowie über die gegenwärtige Lage im Lande sprechen und dabei seine politischen Forderungen entwickeln konnte. Das Kommen abotinskys weckte ein um so stärkeres Interesc, als napp vor seinem Eintreffen bekannt wurde, daß er in Palästina vor der Untersuchungskommission nicht einvernommen wurde und daß seine Einvernahme für Mitte Januar in London auf geschoben worden war. Jabotinsky sprach außer in Bukarest in fünf Städten des alten Königreiches sowie in Chisinau und Cemauti. Er hob in seiner Rede wohl die bisherigen jüdischen Leistungen in Palästina hervor, nannte aber das bisher Geschaffene nur einen gelungenen, wenn auch teuer bezahlten V ersuch und betonte dabei, daß großzügige Kolonisationsarbeit nur dann geleistet werden kann, wenn England die Rolle der kolonisierenden Instanz übernähme. Der Kern seiner Rede war die Forderung nach einer jüdischen Schutzgruppe, von deren Durchsetzung allein die Zukunft des jüdischen Palästina abhänge. Die gegenwärtige Exekutive sei nicht imstande, diese Forderungen zu vertreten und sie müsse abtreten, weil die Majorität in der zionistischen Bewegung gegen sie sei. Jabotinsky kündigte eine Spaltung in der Zionistischen Organisation an, wenn seine Forderung auf sofortige Einberufung eines außerordentlichen Kongresses nicht erfüllt werden sollte. — Die Reden Jabotinskys haben auf die Zuhörer nicht die Wirkung ausgeübt, die er selbst und sein Anhänger erwartet hatten. Man hatte das Oefühi, daß viele seiner Forderungen rein akademischer Natur sind und mit der realen Wirklichkeit fast gar nicht rechnen. Der Teil des Publikums, der zionistisch informiert war (leider hatte die Reklame auch viele Personen zu den Vortragen herangelockt, die mit der zionistischen Bewegung gar keine Beziehungen besitzen), verstand es trotz der starken Rethorik Jabotinskys, daß die Erfüliung der maximalistischen Forderungen nicht davon abhänge, ob unsere politische Führung aie Forderungen entsprechend zu stellen versteht, sondern daß dieser Erfüllung eine Reihe von äußern Faktoren sich entgegenstellen, die zu überwinden die Zionistische Organisation vorläufig zu schwach ist. Die Reden, die Weizmann beim Delegiertentag in Jena hielt und die noch während der Anwesenheit Jabotinskys in Rumänien bekannt wurden, trugen ebenfalb dazu bei, um die Wirkung der Worte Jabotinskys abzuschwichen, weil jeder, der nur irgendeinen kritischen Sinn hatte, ,klar erkennen mußte, von welch hoher Verantwortung die Arbeit Weizmanns getragen ist. — Von allen andern Provinzen werden die Gleichen Eindrücke gemeldet, so daß es sicher Ist, daß der esuch Jabotinskys in Rumänien die von seinen Anhängern erwartete Revisionierung der Zionistischen Organisation nicht gebracht hat. Zahlenmäßig läßt sich freilich nichts über die Stärke der revisionistischen Bewegung sagen, bis auf Transsyivanien, wo die letzte Landeskonferenz gezeigt hat, daß sie in dieser Provinz über eine ganz verschwindende Minorität verfügt. In den andern Provinzen werten erst die Landeskonferenzen, die in den nächsten Monaten stattfinden sollen, volle Klarheit geben. — * Das letzte Jahr hat der Chaluzarbelt in Rumänien starke Antriebe gegeben. Die neu einseteende Alliah hat nicht nur Rümimen an die' zweite Steile gertckt, sondern auch der Chaiuzorganisation die Verpflichtung auferiegt, umgehend die notwendigen Schritte für eine Ausdehnung der Chaluzarbeit zu unternehmen, in den letzten Monaten wird in dieser Hinsicht systematische Arbeit geleistet. In allen jüdischen Zentren Rumäniens, wo eine für Palästina geeignete Jugend vorhanden ist, werden Organisationen geschaffen, in denen diese Jugend zusammengwaßt und für den späteren Eintritt in den Hechaluz selbst vorbereitet wird. — Heute sind bereits einige hundert Jugendliche in derartigen Organisationen zusammengefaßt und das Ziel ist, auf diese Weise in den nächsten Monaten ein viel verzweigtes Reservoir von mindestens 2000 Chaluz-Kandidaten zu schaffen. In dieser Arbeit wird der Hechaluz nicht nur von den Zionistischen Organisationen unterstützt, sondern auch von speziellen palästinensischen Delegierten, die vor kurzem mit der Aufgabe ins Land gekommen sind, an der Intensivierung der Chaluzarbeit teilzunehmen. Da infolge der stärkeren Alijah die eigentliche Hachscharahzeit für jeden Chaluz von zwei Jahren auf ein Jahr reduziert werden mußte, werden auch geeignete Vorkehrungen getroffen, um die Ausbildung trotz der kürzeren Zeit auf der gleichen Höhe wie bisher zu halten. — * In der Tarbuthbewegung ist besonders die vor kurzem stattgefundene Tarbuthkonferenz in Chisinau hervor-?״heben, an der eine ungewöhnliche starke Beteiligung konstatiert werden konnte. Diese Konferenz hat sich vornehmlich_ mit Fragen der Tarbuthorganisation in Beßarabien beschäftigt, hat aber auch die Beschlüsse der letzten gemeinsam mit dem zionistischen Oberrat abgehaltenen Beratung aller Provinzen diskutiert, in welcher wichtige Richtlinien für eine Zentralisierung der ganzen Arbeit gefaßt wurde. Diese Be- Schlüsse wurden auch der Tarbuthkonferenz in Chisinau bestütigt. Sehr ausführlich wurden bei der Konferenz auch die gesetzlichen Schwierigkeiten diskutiert, unter denen die Tarbutharbeit zu leiden hat, und die von der gegenwärtigen Regierung nicht nur nicht aufgehoben, sondern sogar noch verschärft wurden. Trotz dieser Schwierigkeiten kann das Schulwesen in Beßarabien auf eine schöne Entwicklung zurückbücken. Aus dem Bericht, der bei der Konferenz in Chisinau erstattet wurde, geht nämlich hervor, daß in diesem Schuljahre folgende Tarbuthschulen in Beßarabien existieren: 38 Tarbuth-Voiksschulen mit 138 Lehrern und 4448 Schülern; 17 Kindergärten mit 235 Kindergärtnerinnen und 498 Schü'ern sowie schließlich 11 Gymnasien mit 154 Lehrern und 1263 Schülern. Der beßarablsche Tarbuth kann auf sein Schulwerk stolz sein. Die Arbeit der nationalen Fonds begegnet in diesem Jahre recht bedeutenden Schwierigkeiten. Es herrscht eine überaus schwere ökonomische Krise, wie sie bisher in Rumänlen noch nicht gekannt wurde, und die allem Anscheine nach in den kommenden Monaten sogar noch stärker werden wird. — Obwohl diese Krise in erster Linie die Arbeit für den Keren Hajessod treffen muß, läßt sich doch konstatieren, daß die Intensität der Arbeit auch diese Schwierigkeiten, zum froßen Teile wenigstens, paralysieren kann. Es liegen biser Nachrichten aus Beßarabien und Altrumänien vor, und aus diesen kann man feststellen, daß in Beßarabien die Ergebnisse der Keren Hajessod-Kampagne sogar viel bessere sind als im vergangenen Jahre, während in Altrumänien bisher der Standard des vergangenen Jahres gehalten werden konnte. Was die Arbeit für den Keren Kajemeth anbelangt, hatte diese im vergangenen Jahre in allen Provinzen Ruminien■ bedeutende Rückschritte zu verzeichnen, trotzdem gerade das vergangene Jahr in vielen andern Ländern eine starke Aufwärtsentwicklung des Keren Kajemeth gebracht hat In den letzten Monaten wurde jedoch die Keren Kajemeth- Arbeit in allen Provinzen grundliegend reorganisiert, mit welcher Arbeit sich neben den lokalen Leitungen auch der Delegierte des Keren Kajemeth für Europa, Herr Adolf Pollak, beschäftigt hat. Es sind gute Anzeichen vorhanden, daß die Arbeit für den Keren Kajemeth in diesem Jahre auch in Rumänien eine starke Aufwärtsentwicklung zu verzeichnen haben wird, und daß Rumänien in noch höherem Maße als bisher dazu beitragen wird, dem Keren Kajemeth die entsprechenden Mittel für die beim letzten Kongreß geforderte verstärkte Arbeit in Pajpstina zur Verfügung zu stellen. Jabotinsky and die 9. Ab-Demonstration Im ״Doar Ha jom“ vom 7. Januar nimmt Jabotinsky in einem Leitartikel Stellung zu den Vorwürfen, die im Verlaut der Untersuchung auch von mehreren jüdischen Zeugen gegen den ״Doar Hajoin" und gegen die bekannte von den Revisionisten inspirierte Jugenddemonstration vom 9. Av (15. August) Stellung. Wenn behauptet wurde, daß der ״Doar Hajom“ die jüdische öffentliche Meinung aufgehetzt hat, so müsse gesagt werden, daß der ״Doar Hajom" nur seine Pflicht erfüllt hat, in einer kritischen und erregten Zeit das zum Ausdruck zu bringen, was die Juden wirklich fühlten und dachten, d. h. die Empörung gegen die fortgesetzten Beleidigungen und Rechtsbeugungen an der Klagemauer. Bekanntlich wurde bei der Untersuchung ein Telegramm_vorgelegt, das die damalige provisorische Exekutive an Jabotinsky nach Zürich gesandt hatte, um ihn zu bitten, auf den ״Daor Hajom“ mäßigend einzuwirken. Jetzt erklärt Jabotinsky, daß er auch für die Haltung der Zeitung während seiner Abwesenheit die volle Veräntwortung übernehme. Was die Jugenddemonstration betrifft, so ist zunächst zu sagen, daß diese ״zu meinem großen Schmerz“ schreibt Jabotinsky —• nicht vom Brlth Trumpeldor organisiert war. Es wäre viel besser, wenn Brith Trumpeldor diese Demonstration ausdrücklich an geordnet hätte, denn die Demonstration war zur gegebenen Zeit eine notwendige, eine schöne und eine nützliche Sache. Sie war notwendig, weil eine unerträgliche Atmosphäre entstanden war, in der es schien, daß die Juden sich alles gefallen lassen. Da mußte jemand aufstehen und rufen: Bis hierher und nicht weiter! Der Gesichtspunkt, man dürfe die Araber nicht reizen, sei ein Erbe des Ghetto; in Palästina sind wir nicht geduldete Gäste, und um dies zu zeigen, war die Demonstration notwendig. Sie war aber auch schön, sie machte sogar im Ausland, in den Ländern des Galuth, einen erhebenden Eindruck. Und schließlich war sie nützlich» denn wenn man ihr den Vorwurf macht, sie sei der Anlaß zum Ausbruch der Unruhen Gewesen, so müssen wir sägen, daß sie dann einen nützlichen weck erfüllt hat. Denn es gibt einen wichtigen strätegischen Grundsatz: den Feind zum Angriff zu zwingen, ehe er noch sei ne Vorbereitungen beenden konnte. Zwei Dinge seien ja klar geworden, nämlich daß die Araber seit langer Zeit sich zum Angriff vorbereitet haben, zweitens aber daß sie sich noch nicht ge* nügend vorbereiten konnten. Man kann sich denken, was geschehen wäre, wenn wir ihnen zur vollen Vorbereitung Zeit gelassen hätten. Jabotinsky schließt mit der Feststellung, die fortgesetzte Bezeichnung der Demonstration als einer ״Demonstration des Brith Trumpeldor“ sei zwar faktisch unrichtig, entspreche aber einer geistigen Wahrheit, denn dem Geiste nach könne man diese Tat auf das Konto des Brith Trampeldor setzen. Vollendung des Einstein •Waldes Wie wir aus Jerusalem erfahren, wird die Anpflanzung der ersten 6000 Bäume im Einstein-Wald, welche Ende Dezember begonnen wurde, in den nächsten Tagen beendet. Am 15. Schwath, der bekanntlich in Palästina als ״Neujahrstag der Bäume" festlich begangen wird, soll die Feier, der Namengebung des Einstein-Waides stattfinden, die infolge der Situation im Lande im Dezember noch nicht abgehalten werden konnte. Das Direktorium des Keren Kajemeth und des Keren Hajessod, Vertreter der Universität und des Waad Leumi werden an dieser Veranstaltung teilnehmen, mit der eine der schönsten Aktionen der deutschen Judenheit zum Abschluß gebracht wird. Die Sammlungen für die restlichen 4000 Bäume sind im Gange und werden bis Chamischah Assar Bischwath vollendet sein. Die arabische Delegation Jerusalem, 2t. Januar. (J. T. A.) Am 20. Januar hat in Jerusalem eine neue Sitzung der Palästinensich-Arabischen Exekutive begonnen. Es liegt ihr ein Vorschlag vor, die vollzogene Wahl der Mitglieder in die nach London zu entsendende Delegation zu anuIIieren. Es gilt als wahrscheinlich, daß nunmehr zum Führer der Delegation nicht der Großmufti, sondern Musa Kazim Pascha gewählt werden wird, der unterdessen seinen Verzicht auf die Stelle eines Präsidenten der Palästinensisch-Arabischen Exekutive zurfickgenommen hat. Wie verlautet, beabsichtigt der Emir Abdulfah, seine geplante Reise nach London so einzurichten, daß er die ueberfahrt auf dem gleichen Dampfer wie die Mitglieder der arabisehen Delegation unternimmt und gleichzeitig mit ihnen in London eintrifft. Damit soll seine Absicht, die Intentionen der arabischen Delegation zu unterstützen, demonstriert werden. -%- Aegyptisehe Regierung gegen antizionistische Propaganda Die ägyptische Regierung hat in letzter Zeit wiederholt Agitationsveranstaltungen palästinensischer Araber in Aegypten verboten. In den letzten Tagen versuchte ein Mitglied der Familie Dagani, eine größere Versammlung in Kairo einzuberufen und dazu die führenden ägvptischen Notabein zu laden, aber die Regierung hat die Durchführung der Veransfaltung untersagt. (Ziko.) Me Sehlaehtiiaoflrage 10 Tei-Awiw Der Gouverneur des Süddistrikfes, Camp bei!, empfing eine Deputation aus Tei-Awiw, die ihm namens einer Massen- Versammlung in Tei-Awiw eine Protestresolution gegen das Verbot eines besonderen Schlachthauses in Tei-Awiw überreichte. Campbell erklärte der Delegation, daß die Regierung den Bauplan eines eigenen Schlachthauses bes tä t i g t habe. Vorläufig sollen die jüdischen Schächter in Jaffa unter Polizeischutz arbeiten. In der Anfang Januar ätattgefundenen Jahresversammlung der ״American Academv for Jewish Research" (Amerikanische Akademie für jüdische Forschung) teilte Professor D. A. Blondheim von der John Hopkins Universltv mit, daß Vorbereitungen getroffen werden, aus Anlaß dei 800. Geburtstages des im Jahre 1135 geborenen Moses ben Maimon eine vollständige Ausgabe seiner Werke zu veranstalten. Zum Präsidenten der Akademie wurde Professor Louis Ginsburg von Jewish Theologiert Seminary gewählt Kleine Nachrichten Als Chefsekretär der Palästina-Regierung an Stelle des in Urlaub befindlichen L u k e ist der Gouverneur des SQddistriktes Campbell ausersehen. Ob es sich um die provisorische Uebernahme dieses Postens durch Campbell oder um eine deflnitive Bestallung handelt, ist vorläufig unbekannt. Wie die JTA. erfährt, wird die Sitzung des Administrative Committee der Jewish Agency wahrscheinlich am 18. März in London stattfinden. Am 3. Januar schiffte sich Coi. Wedgwood mit seiner Gattin nacli Kapstadt ein, um die diesjährige Keren Hajessod- Kampagne in Südafrika einzuleiten. (Ziko.) In der vergangenen Woche begab sich Rabbi Melr Ber- 1 in, Mitglied der Zionistischen Exekutive in Jerusalem, nach Europa, um den Kontakt mit den zionistischen Lanaesverbänden in verschiedenen Ländern enger zu gestalten. (Ziko.) Die Eingänge beim Hauptbüro des Keren Hajessod betrugen während des Monats Dezember 1929: 16575 Pfund. Nach einer offiziellen Feststellung sind in den ersten acht Monaten des Jahres 1929 in dem Gebiet der Sowjet-Union 99 Synagogen beschlagnahmt. Im Jahre 1928 wurden insgesamt 59 Synagogen beschlagnahmt. Smolensk und viele andere größere Städte sind ohne eine einzige Synagoge geblieben. Ein Teil des historisch wertvollen jüdischen Friedhofes in Saloniki, und zwar der Teil, der die Begräbnisstätte der berühmten Familie Allatini einschließt, ist in rohester Weise entweiht worden. *67 Grabsteine wurden zertrümmert, die Gräber wurden besudelt. Von dem Distriktgericht in Jaffa sind zwei arabische Polizisten aus Oaza wegen Verletzung ihrer Pflicht während des im August erfolgten Angriffes auf die jüdische Kolonie Beer Tuviah zu je 6 Monaten Gefäng* nis verurteilt worden. Der Experte für Wirtschaftsfragen bei der Carnegie- Stiftung, Professor Elliot Mears, hielt an der Hebräischen Universität in Jerusalem eine Vorlesung über Palästina und die ökonomische Entwicklung des Nahen Ostens. Seidenknltnr ln Palästina Die palästinensische Regierung teilt mit, daß auf Orund eines günstigen Sachverständigenberichtes über die Möglichkeiten der Seidenkultur in Palästina beschlossen wurde, die Seidenindustrie in Palästina amtlich zu unterstützen. Folgende Schritte sind in dieser Richtung bereits unternommen worden: Der Empire Marketing Board hat eine Subvention von 100 Pfund für Seidenkultur-Forschungen in Palästina zur Verfügung gestellt. Ferner ist ein Sachverständiger für Seidenkultur als Instruktor für Seidenraupenzucht dem Department für Landwirtschaft und Forsten beigeordnet worden. Der Beamte wird in allen Fragen der Maulbeerkultur, der Seidenraupenzucht und der Präparierung der Seide bereitwilligst Auskunft erteilen. Anfragen sind an folgende Adresse zu richten: The Sericultural Instructor, Department of Agricjuiture and Forests, Near American Colony, Jerusalem. Das Department für Landwirtschaft und Forsten hat weiter ein Flugblatt über die Kultur des Maulbeerbaums in den drei Landessprachen herausgegeben und wird demnächst ein zweites über die Seidenraupenzucht folgen lassen. Die Baumschulen der Regierung werden bis auf weiteres unentgeltlich Maulbeerpflanzen für die Pflanzung von Maulbeerbäumen zur Seidengewinnung verabfolgen. «000 Setzlinge stehen für die Verteilung während dieser Regenzeit zur Verfügung. ״ , ״ .» .. . . ,, Die Regierung hat sich ferner mit der Sedienprapaneranstait in Zypern in Verbindung gesetzt. Muster von Seidenkokons, die im Jahre 1929 in P e t a c h T i k w a h und in Nablus gezogen worden sind, wurden von der Anstalt in Zypern zu günstigen Preisen gekauft. Der Direktor für Landwirtschaft in der Regierung von Zypern hält es für möglich, alle in Palästina produzierten Kokons abzusetzen, falls sie von guter Qualität und in gutem Zustande wären. , . Die Regierung hat außerdem Vorsorge getroffen, daß in nächster Zeit Vorträge und praktische Vorführungen über Seidenraupenzucht und das Spinnen in verschiedenen Orten veranstaltet werdeh und hat in einigen Regierungsschulen besonderen Unterricht über dieses Oebiet eingeführt Vom Erziehungs-Department wurde für den gleichen Zweck eine Seiden- * Scbächtverbot 1■ Bayern Das Bayerische Ministerium hat am 22. Januar dem Verfassungsausschuß des Bayerischen Landtages einen Oesetzentwurf überreicht, der den Namen ״Gesetz über die Betäubung des Schlachtviehes“ trägt. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß dieses Gesetz einzig und allein den Zweck hat, das rituelle Schächten unmöglich zu machen. Der Verband der Bayerisch-Israelitischen Gemeinden in München hat bereits am 19. Januar, nachdem er von der bevorstehenden Einbringung dieses Gesetzes erfahren hatte, an den Bayerischen Landtag ein ausführliches Memorandum gerichtet, in welchem nach Darlegung des Schach Problems vom jüdischen Standpunkt aus die Bitte gestellt wird, der Bayerische Landtag möge in dem Gesetz über das Schlachten von Tieren eine Ausnahme für das den israelitischen Kultusgemeinden obliegende rituelle Schlachten zulassen. — Es ist bezeichnend, daß seitens einer Staatsregierung in Deutschland ein derartiger Oesetzesvorschlag gemacht wird. Bisher pflegten solche Entwürfe nur von radikal-antisemitischen Gruppen in einzelnen Vertretupgskörperschaften beantragt zu werden. Der Schritt der Bayerischen Regierung ist zweifellos als Entgegenkommen an die antisemitischen Programme einzelner Parteien zu werten. Eine Jean Fischer-Sondernummer. Die ״Hatikwah“, das zionistische Zentralorgan in Belgien, gab 30 Tage nach dem Ableben von Jean Fischer, zu ״Schloscnim“, eine Sondernummer heraus, die ganz dem Andenken des Zionisten und Menschen Jean Fischer gewidmet ist Von den zahlreichen Beiträgen seien hervorgehoben ein Brief von Weizmann, eine Zuschrift von Prof. Basch, Paris, dem Vorsitzenden der Liga für Menschenrechte, ein Artikel von Nehemia de Lfeme, Rabbf Amiel und Beiträge führender belgischer Zionisten. Die Schilderung des Ablebens von Jean Fischer vermittelt Kenntnis von einem heroischen Sterben, wie es nur großen Charakteren gelingt. Jean Fischer gab sich über seinen Krankheitszustand keiner Täuschung hin. Er beschied das Zionistische Zentralkomitee Belgiens zu sich, gab zum letzten Male Weisungen und verabschiedete sich von seinen Mitarbeitern. Dann nahm er von seinen Familienmitgliedern Abschied. Einer seiner Söhne weilt in Brasilien. Jean Fischer bat, daß man ihm ein Beethovensches Musikstück vorspiele, welches der in der Fremde weilende Sohn zu spielen pflegte. Nachdem er von seinen Familienangehörigen Abschied genommen hatte, ersuchte er, allein gelassen zu werden. Das geschah, und Jean Fischer starb. Die Sondernummer schildert in zahlreichen Einzelheiten das Wesen dieses einzigartigen Mannes, dessen Tod für die belgischen Zionisten, unersetzlich ist

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.