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Jüdische Rundschau · 1930-01-24 · Heft 7 (24.1.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 7 (24.1.1930)
Date
1930-01-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 46 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. */, 24.1. 1930 Zeichnung liegt ja das Zugeständnis, daß die Konjunktur in Deutschland dein Wachlhnn der Nationalsozialisten günstig war und, wie uns scheint, auch noch heute günstig i s t. Im Programm der Nationalsozialisten ist für uns Juden besonders der 'Teil interessant, der dem ״Sozialismus“ gewidmet ist. Der Nationalismus dieser Partei ist eine Reaktion auf den verlorengegangenen Krieg, eine Reminiszenz an die Weltgeltung Deutschlands vor dem Kriege und der Ausdruck eines gesteigerten Oeltungs- Bedürfnisses gegenüber dem übermächtigen Aufstieg der ehemaligen Kriegsfeinde Deutschlands. Unserer Meinung nach haben die nur nationalistischen Bewegungen in der ganzen Welt ihren Höhepunkt überschritten. Wenn Irgendwo Chauvinismus, einerlei bei welchem Volke, versucht, alle andern Lebensprobleme zu verschleiern, so ist er nur als ein hoffnungsloser Nachzügler einer überwun* denen Periode der historischen Enhv'cklung zu betrachfen. Das gilt für jede Art Nation־!., anus, mag er sich Faschismus nennen oder soeben zu nationalem Leben erwachende Völker betreffen. Die nationalistische Phraseo* logie der Nationalsozialisten, ihr Wotankult usw., so rückschriftlich, aggressiv, primitiv und unsinnig sie auch sein mag, stellt nicht das wesentliche Gefahrenmoment dar, das die Juden in Deutschland ernstlich bedroht. Viel wesentlicher ist in dieser Beziehung die Verbindung dieses Nationalismus mit einem sogenannten Sozialismus. Dieser ist darum so gefährlich, weil er unklar ist und eine Verfälschung einer Gesellschaftstheorie darstellt, die in ihrer!!!gemeinen Fassung viele Juden, sofern sie Nutznießer und Träger der kapitalistischen Ordnung sind, in stärkster Weise tangiert, aber nicht das Verletzende und Ausschließliche hat sich gerade und hauptsächlich gegen die Juden als Juden zu richten. Anders beim ״Sozialismus“ der Nationalsozialisten. Dieser ist tatsächlich nichts Anderes als ein ״Sozialismus des Antisemitismus“. Er wendet sich in erster Linie gegen das Handelskapital und im gewissen Maße auch gegen das Finanzkapital, läßt aber das mächtigste Kapital, nämlich das der Schwerindustrie und der Latifundien, praktisch und auch theoretisch außer Betracht Nun liegen die Verhältnisse in Deutschland, und nicht nur in Deutschland, tatsächlich so, daß gerade Handelskapital und in gewissem Maße auch Finanzkapital im gegenwärtigen Stadium ihrer Entwicklung die Legung kleiner selbständiger Existenzen von Gewerbetreibenden und Kfeinkaufleuten bewirken, während die Schwerjndustrie diesen Prozeß der Verdrängung kleinerer Betriebe schon vor Jahrzehnten restlos gewonnen hat In der Konzentration des Handelskapitals wie bei Warenhäusern, Kettenläden (Konfektion, Schuhwaren, Lebensmittel), Versandgeschäften, Abzahlungsmagazinen (Möbel, Trikotagen, Wäsche usw.) spielen In Deutschland die Juden tatsächlich eine bedeutende Rolle. Nach dem Kriege haben Ä|0tt?־vers.ihteiafteh:"Fiha«tinltfHttlbBefr־׳Älhe׳’#ötlJ beherrschende Stellungen wieder erlangt, nachdem vor dem Kriege 1n den deutschen Großbanken die Juden systematisch durch eine zunehmende Bürokratisierung verdrängt worden waren. Diese neue Einflußsteigerung ist auf das Konto der Inflation zu setzen, durch welche die rein bürokratische Organisation der meisten Großbanken aufgelockert wurde. Für den Wiederaufbau der Bankorganisationen waren genau wie bei ihrer Gründung jüdische Kräfte wegen ihrer größeren Erfahrung und ihrer internationalen Beziehungen sehr gut zu brauchen. Jüdische Finanziers und Organisatoren hatten im übrigen bei der Wahl ihrer Betätigung in der deutschen Wirtschaft nicht viel Möglichkeiten. Von der Schwer- und chemischen Industrie werden sie seit langem ferngehalten und die Nachkriegs-Beispiele von jüdischer Betätigung auf diesen Oebieten sind Ausnahmen gewesen, die bald zum Verschwinden gebracht wurden. Der jüdische Unternehmergeist wurde durch die Verhältnisse auf das Finanzgeschäft und den Handel gedrängt. Aber auch aus vielen Zweigen des Handels werden die Juden systematisch vertrieben. Ein Beispiel für viele ist der Getreidehandel Der Wirtschaft- Uc!.e Antisemitismus der Schwer-, chemischen Industrie und in gewissem Maße auch der Elektro-Industrie, trotz AEO, sowie der Landwirtschaft verweisen die Juden auf das reine Fertigwaren-Qeschäft. Besonders sind es hun die Warenhäuser und die Einheitspreismagazine, die in die Au^cn springen, schon deswegen, weil diese Oeschäfte zwecks Werbung der Massenkundschaft die lauteste und ausgedehnteste Reklame machen müssen. Die Bevölkerung erfährt kaum etwas von der J. O. Farbenindustrie, von Merck, von Schering und vom Stahlverband, Wohl aber aus tausenden Interaten von den ״jüdischen“ Warenhäusern. Diese machen den Zwergläden das Leben tatsächlich schwer. Was ist natürlicher als daß der kleine Händler die Ursache seiner Not im ״jüdischen“ Warenhaus erblickt, das ihn niederkonkurriert und daß er der Agitation der Nationalsozialisten hemmungslos zugänglieh wird? Das Tragische ist jedoch, daß die großen Warenhäuser und Kettenladen, perzentuell genommen, mehr jüdische Kaufleute und Kleinhändler schädigen als nichtjüdische. Diese kleinen jüdischen Existenzen haben also doppelt zu leiden: einerseits werden sie von dem konzentrierten Handelskapital bedrängt, andererseits sind sie die ersten Opfer der wirtschaftlich-antisemitischen Agitation, die den großkapitalistischen Warenhäusern nur in geringem Maße schadet, den kleinen jüdischen Kaufmann aber an den Bettelstab bringt. Ein Teil der niederkonkurrierten selbständigen kleinen Kaufleute und ein großer Teil des kaufmännischen Nachwuchses wird freilich von den großen Warenhäusern absorbiert, aber zunächst hat es eine große Anzahl besonders älterer selbständiger Kleinkaufleute sehr schwer. Der Orund dieser Entwicklung liegt natürlich in der fortschreitenden, übrigens unaufhaltsamen Konzentrierung des rationell arbeitenden Handelskapitals, das in Wirklichkeit weder einer Konfession noch einer Nationalität angehört. Aber an sichtbarer Stelle stehen auch jüdische Namen, wie es zu den bekannten Erscheinungen gehört, daß die auf die Suche nach neuen Betätigungsmöglichkeiten gedrängten Juden Schrittmacher neuer Handelszweige sind. Wie leicht ist es da, den Haß der Massen gegen die Juden zu lenken, um so mehr wenn schon eine Disposition zum Judenhaß als Erbgut vorhanden ist und durch fortgesetzte Agitation genährt wird, die die finanzielle Unterstützungen aller Reaktionäre genießt. Ein weiteres Kapitel, das von den Nationalsozialisten als Agitationsstoff benutzt wird, ist die Betätigung der Juden in freien Berufen, bei Unken Parteien, in der Filmindustrie, im Theaterbetrieb, in der literarischen Kritik usw. Die Juden sind auf diese Form der Betätigung angewiesen, weil sie nur sehr schwer als Beamte oder Angestellte in Firmen, die nicht ausschließlich jüdisch sind, Aufnahme finden. So wichtig oder unwichtig für das Oesamtleben nun diese Betätigung in den genannten Berufen sein mag, eines hat sie an sich: sie ist weithin sichtbar. Von Theater- und Filmdirektoren spricht man überall. Es ist leicht, die a'lgemeine Unzufriedenheit — und Gründe für eine solche sind stets vorhanden — gegen die Juden zu lenken. Was sollen nun die Juden tun? Ihre Geschichte, ihre Entwicklung als bürgerliche Stadtmenschen, ihre Jahrhunderte lange Zusammenpferchung auf wenige Berufe, die Verdrängung aus vielen Wirtschaftsgebieten, haben zur Folge, daß sie sich so betätigen, wie sie es |un. Diese Betätigung, zumeist in den Großstädten ausgeübt, ist jedoch auffallend. Gegen das Auffallende und Unterscheidbare richtet sich leicht Spannung und Feindschaft. Diese zwängt die Juden noch mehr zusammen und macht sie noch auffallender. Es ist ein circulus vitiosus. Es kann nicht die Aufgabe eines Zeitungsaufsatzes sein, in aller Ausführlichkeit die Details dieses Prozesses auszumalen. Aber so viel kann gesagt werden, daß es sich hier um zwangläufige Entwicklungen handelt, die durch die Macht der herrschenden Verhältnisse eine jüdische Note erhalten. So gibt es auch in Deutschland, wo die Juden kaum 1«/0 der Bevölkerung ausmachen, eine Wirtschaftliehe Judenfrage neben der geistigen und moralischen. An dieser Judenfrage kochen die Nationalsozialisten ihre Parteisuppe. Die Existenz dieser wirtschaftlichen Judenfrage ist natürlich nicht der einzige Orund für das Entstehen und Wachsen des National- Sozialismus. Es gibt viele Momente, die mit Juden und Judentum nichts zu tun haben, und den Nationalsozialismus begünstigen. Uns interessiert hauptsächlich der wirtschaftliche Antisemitismus und dieser ist eines der unfehlbar siegreichen 'At<|g^.#e, jlfM׳' M,Öpn^i0|ia^^ ausspillt and mit dem er Gewinne emstreichi. Mail tröstet sich damit, daß ähnlich wie manche vorangegangenen antisemitischen Parteien auch der Nationalsozialismus im Laufe seiner Entwicklung seinen Antisemitismus abbauen und zahmer werden wird. Ob eine derartige Entwicklung wahrscheinlich ist, kann niemand Voraussagen. Unwahrscheinlich ist jedoch, daß trotz der bestehenden Struktur der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland in Zukunft die wirtschaftliche Betätigung der Juden perzentuell so auf alle Wirtschaftsgebiete verteilt sein wird, daß die Juden wirtschaftlich nicht mehr auffallen. Die Juden mögen in höherem oder geringerem Maße assimiliert sein, immer bewahren sie jedoch gewisse charakteristische Eigenschaften und Merkmale, durch die sie sich von ihrer Umgebung unterscheiden und die um die jüdische Gemeinschaft einer Art unsichtbarer Ghettomauer ziehen. Dadurch sind die Juden leicht zu eruieren und da nun jede Art von Unzufriedenheit das Bedürfnis hat, nach der nächstbesten und mit besonderer Vorliebe nach der Ursache zu suchen, die sich am wenigsten zur Wehr za setzen vermag, so wird stets die Möglichkeit zu neuen antijüdischen Bewegungen gegeben sein. Das aber ist die ewige Begleiterscheinung des Diaspora- Daseins. Es nutzt nichts, Ideologien zu schaffen, die mit der Fiktion arbeiten, daß es keine jüdische Diaspora gibt. Man wird stets vergeblich mit noch so geschielten Maßnahmen den Versuch wiederholen, die Quadratur des Galuth-Zirkels bewerkstelligen zu wollen. Sicherlich ist richtig, daß von jüdischer Seite nichts unterlassen werden soll, um sich gegen derartige Oefahren zu schützen. Man darf sich aber nicht der Täuschung hingeben, man werde durch noch so intelligente Aufklärungsarbeit die Nationalsozialisten überzeugen. Leider wird man ebenso wenig imstande sein, diejenigen Kreise der Bevölkerung, welche durch die allgemeine politische und wirtschaftliche Lage ein geeignetes Objekt für die nationalsozialistische Agitation darstellen, durch Belehrang gegen den Nationalsozialismus immun zu machen. Ablehnung des Antisemitismus ist im heutigen Deutschland für keine einzige politische Partei eine Empfehlung, die Ihr bei den großen Massen der Bevölkerung Sympathien wirbt Aber einerlei, ob man bei der Aufklärungs- und Abwehrarbeit mit einem vollen Erfolg zu rechnen vermag - es ist eine natürliche Reaktion, wenn man alles unternimmt, um sich zu wehren. Hierbei soll man sich jedoch den Grundsatz vor Augen halten, daß man bei dieser Arbeit alles aufs Spiel setzen darf, nur nicht die menschliche und jüdische Würde. Voraussetzung für eine derartige Arbeit ist Kenntnis der Lage, genaues Studium der Verhältnisse, gründliche Erforschung der Struktur der jüdischen Gemeinschaft, Untersuchung der Gefahr und schließlich — Selbsthilfe. Denn nur diese allein ist imstande, ein stabiler Faktor in unseren Berechnungen zu sein. Eine zureichende Lösung der Judenfrage in allen ihren Erscheinungsformen ist aber nur möglich durch Normalisierung des jüdischen Lebens als eines Volkslebens. Das erstrebt mit restloser Konscquenz von allen jüdischen Bewegungen nur der Zionismus und darum ist er die Lösung — wenn auch ä la longue. Normale Schichtung ohne Einbuße an jüdischer Substanz können Juden nur in der Verwirklichung des zionistischen Zieles erlangen. Diejenigen Juden aber, die in der Diaspora Und Juden bleiben wollen, müssen sich damit abfinden, daß sie bei allen ihren Ueberlegungen und Bemühungen als konstanten Faktor den Begriff Golus einzusetzen haben. M. W. Die Kollektivierang der rassisch-indischen Kolonien In demselben Maße, in welchem die Entwicklung der russisehen Revolution noch in stetem Fluß ist, stellt sich die Situation der in der Sowjet-Union lebenden Juden äußerst labil dar. Wir haben in der letzten Zeit oft Mitteilungen über Verfolgungen veröffentlicht, denen in Rußland Zionismus und hebriische Sprache ausgesetzt'sind. Ferner berichteten wir über die zunehmenden Schwierigkeiten in der landwirtschaftlichen Siedlungsaktion von Juden in der Krim und in Biro-Bidschan. Die schwierige Situation der Sowjet-Regierung bei der Aufbringung der Getreideabgaben zwingt die Regierenden in Moskau zu energischen Maßnahmen gegenüber der Landwirtschaft. Diese Maßnahmen treffen die junge jüdische Kolonisation in Südrußland besonders schwer. Es ist bekannt, daß die Sowjet-Regierung sich bemüht, große landwirtschaftliche Kollektive ins Leben zu rufen. Das geschieht aus zwei Gründen: erstens liegt es in der ganzen Wirtschaftsauffassung der Bolschewisten, die Sozialisierung auch auf dem flachen Lande durchzuführen, ferner ermöglichen umfangreiche Kollektivwirtschaften eine schärfere Kontrolle der Ernteergebnisse und damit einen stärkeren Eingang der Getreideabgaben. Die Zusammenlegung der Privatwirtschaften zu Kollektiven vollzieht sich unter dem Schlagworte des Kampfes gegen die Großbauern, die sogenannten Kulaken. Es wäre nun vom jüdischen Standpunkte wenig dagegen einzuwenden, daß auch die jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien von der allgemeinen Kollektivierungsaktion betroffen werden. Es geschieht aber etwas, das den ganzen Sinn der jüdischen Kolonisation verfälscht und in sein Gegenteil verkehrt Die j ü - dischenSiedlungen werden nämlich in sehr vielen Fällen mit nicht jüdischen, ukrainischen oder tatarischen Siedlungen in Kollektive zusammengefaßt. Dadurch werden die Juden wieder zu abhängigen Minoritäten in Wirtschaftskörpern, deren Charakter ukrainisch oder tatarisch ist Während bisher in den jüdischen Kolonien die jiddische Sprache in der Verwaltung der Kolonie selbstverständlich war, und die Juden kulturell selbständig sein konnten, muß dieser Zustand» in den ״Internationalisierten" Kollektiven ein Ende finden. Wenn man bedenkt, wie groß der kulturelle Unterschied zwischen den aus den Städten gekommenen jüdischen Kolonisten und den ukrainisehen oder tatarischen Genossen in den neuen Kollektiven ist, so wird man verstehen, daß es zu Reibungen kommen kann. Diese Entwicklung sollte allen jüdischen Gesellschaften, welche die jüdische Kolonisation in der Ukraine und in der Krim fördern, Veranlassung sein, aUes zu unternehmen, um die jüdischen Kolonisten vor den bedrohlichen Möglichkeiten, die in der ״internationalisierten Kollektivierung“ liegen, zu bewahren. Kein Jude In der ganzen Welt kann an dem Kolonisationswerk der Juden MSttdrußltni iüdnterewdert fiegf jedem Juden am Helzen. Die jüdische Oeffentiichkeft außerhalb der Sowjet-Union hat für dieses Werk große Opfer ebracht. Sie tat es, um die wirtschaftliche Lage eines Teiles er russischen Juden zu bessern und um der Erhaltung'des Judentums in Rußland zu dienen. Durch die neue Entwicklung wird das zweite Ziel arg gefährdet. Man muß mit allen Mitteln dafür Sorge tragen, daß, wenn schon die Kollektivierung der jüdischen Kolonien durchgeführt wird, diese so erfolgt, daß rein-jüdische Kollektiven ins Leben gerufen werden. Die Verhaltungen von Zionisten in Rußland Am 10. Januar wurden in Moskau 13 angesehene Mitglieder vom Hechaluz und Haschomer Hazair verhaftet, während 65 andere Angehörige dieser Gruppen sich schriftlich verpflichten mußten, Moskau nicht zu verlassen. Anlaß zu diesen Maßnahmen soll die Verbreitung von Zeitungsberichten über die vor einiger Zeit in New York stattgefunaene Sitzung des American Jewish Congress, bei welcher Dr. Stephen S. Wisc in scharfen Worten gegen die Zionistenverfolgung in Rußland protestiert hat, gegeben haben. Das Zentralkomitee der Hitachduth in Rußland hat eine Kundgebung in das Ausland gesandt, in welcher die Juden außerhalb Rußlands auf gefordert werden, gegen diese Verfolgungen zu protestieren. Nationalsozialistischer Mord an einen Jaden In dem Städtchen Alzey (Rheinland) erschoß der Nationalsozialist Rebh ahn aus Darmstadt, ein Beamter der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft, der sich zufällig in Alzey aufhielt, den 25jährigen Richard Kahn, den er aut der Straße angerempelt hatte. Wie die Untersuchung der Kriminalpolizei ergab, war der tödliche Schuß nicht aus unmittelbarer Nähe abgegeben worden, womit die Darstellung erledigt ist, als ob es sich um Notwehr in einem Raufhandel gehandelt nätte. Rebhahn hatte schon früher Juden mit Revolver und Totschießen bedroht und soll sich kurz vorher geäußert haben, daß ״ein Jude daran werde glauben müssen“. Auffallend ist, daß die ,,Alzeyer Zeitung“ zunächst die Sache so darstellte, daß Kahn den Rebhahn angegriffen hätte. Die republikanischen Korporationen der Stadt erließen einen Aufruf, in dem sie gegen den Terror der Nationalsozialisten protestieren. Am Begräbnis des ermordeten Kahn beteiligte sich eine große Menschenmenge. Der nationalsozialistische Mord an dem unschuldigen Richard Kahn hat in der ganzen Gegend begreifliches Aufsehen erregt. Darüber hinaus sollte diese Gewalttat alle Behörden und die Gerichte veranlassen, wirksame Schutz* und Abschreckungsmaßnahmen gegen die nationalsozialistische Verwilderung zu ergreifen. Shaw-Bericht nicht vor Ende Febrnar Die Pallstina-Untersuchungskommission unter dem Vorsitz von Sir Walter Shaw hat, wie die ITA. erfährt, in einem der Räume des Colonial Office ihre zweite Sitzung nach der Rückkehr aus Palästina abgehalten. Der erste Teil des Berichtes, der sich mit der Untersuchung der Ursachen der palästinensischen Unruhen beschäftigt, ist im Entwurf nahezu vollendet. Der zweite Teil, in dem Maßnahmen vorgeschlagen werden sollen, durch die eine Wiederholung ähnlicher Vorkommnisse in der Zukunft vermieden werden soll, ist noch Gegenstand von Besprechungen Innerhalb der Kommission. Die Kommission wird von nun ab allwöchentlich Sitzungen abhalten und in diesen Sitzungen auch noch weitere Zeugen einvernehmen. Der Bericht wird nicht vor Ende Februar fertiggestellt und dem Parlament vorgelegt werden können.

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