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Jüdische Rundschau · 1930-01-21 · Heft 6 (21.1.1930) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 6 (21.1.1930)
Date
1930-01-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 6, 21.L 1930 JOED1SCHE RUNDSCHAU Seite 43 Der Hechaluz in Deutschland Von Mosche Brachmann. Nachstehend geben wir den Inhalt des Referates wieder, das der Verfasser auf dem Jenaer Deiegiertentag der Z. V. f. D. gehalten hat. Seit dem letzten Delegiertentag hat sich die Lage des Deutsehen Hechaluz wesentlich geändert. Im Mai 1028 gehörten dem Hechaltiz meistens alte Chaluzim an, die auf ihre Alijah warteten, aber keine Zertifikate erhalten konnten. Ihre Zahl verringerte sich andauernd, denn die Krise in Palästina und die Alijahsperre wirkten natürlich niederdrückend auf die Chaluzbcwegung. Der Zustrom neuer Menschen hörte fast ganz auf. Zu Beginn der neuen Alijah im Oktober 1928 erreichte die Bewegting in Deutschland ihren Tiefstand. Seit einem Jahre gibt es wieder eine Alijah. Seit Dezember 1928 bis Dezember 1929 sind 190 Chawerim und 50 Chawerotli des Deutschen Hechaluz nach Palästina gegangen, die sich, soweit man es bis heute beurteilen kann, Im Lande gut eingeordnet haben. Der Zustrom neuer Menschen setzte wieder ein. Seit jener Zeit dringt der Oedanke der Chaluziuth in immer weitere Kreise der jüdischen Jugend. Es befinden sich augenblicklich 180 Chawerim und 120 Chaweroth in Hachscharah. Da der Prozentsatz der Landwirte bei der Alijah wesentlich größer war, als der der Handwerker, sind die in Deutschland verbliebenen Chawerim zum größten Teil Handwerker, und so kommt es, daß sich die meisten unserer Chawerim heute in den Städten befinden. Geschlossene Oruppen hat der Hechaluz heute in Pankow (Chaiuzheim), Leipzig (Chaluzheim), Berlin, Hamburg, Köln, Danzig; an geschlossenen landwirtschaftlichen Oruppen nur: Bärenklau, Rodges und Hameln. In diesem Frühjahr werden noch ca. 50—60 Mensehen nach Palästina gehen. Der neue wirtschaftliche Aufschwung In Palästina fand die Chaluzbewegung unvorbereitet vor. Auch die Bewegung in Deutschland konnte den verstärkten Alijahforderungen nicht genügen. Die Arbeit des Hechaluz muß erweitert werden, wir haben den Versuch unternommen, den Chaluzgedanken in bis jetzt noch nicht erfaßte Kreise der zionistischen und nlchtzionistischen Jugend hereinzutragen. Während bis jetzt der J.J. W. B. der einzige Bund war, der seine Menschen zur Chaluzfufli erzogen hat, und aus dessen Kreisen auch bis jetzt Menschen zur Hachscharah gekommen sind, dringt der Gedanke der Chaluziuth immer mehr in die anderen Jugendbünde. Es werden dieses Frühjahr von den Zophim eine Anzahl Menschen zur Hachscharah kommen. Vom Zeire Misrachl hat sich eine große Zahl Menschen gemeldet, mehr als kn vorigen Jahr. Auch ünde wie Kaditnah, Bar Kochba beschäftigten sich schon immer mehr mit Chaluziuth. Der Hechaluz hat Beziehungen zu den ehemaligen Ahlemem geknüpft, von denen sich schon jetzt einige dem Hechaluz angeschlossen haben. Die Arbeit, die Mosche Brachmann in Breslau und Frankfurt a. M. mit Unterstützung der Z. V.f. D. begonnen hat, zeigt uns, daß große Möglichkeiten für Chaluziuth in Deutschland vorhanden sind. Solche Propagandabesudle sollten in allen größeren Städten Deutschlands durchgeführt werden. Es ist allerdings notwendig, in all diesen Orten Menschen unterzubringen, am besten Palästinenser, die die begonnene Arbeit fortsetzen sollen. Die Arbeit von Chawer Ben-Ascher (Rechoboth) in Köln und im Rheinland war von großem Erfolg und beweist uns, daß der von uns eingeschlagene Weg zweckmäßig ist. Im Frühjahr werden ca. 130 jüngere Menschen zur Hach* scharah kommen. (Im vorigen Janr 50) Wir müssen die neuen Hachscharah-MögUchkeiten für diese Menschen schaffen. Da es dieses Mal sich um jüngere Menschen handelt und wir über eine Bellte Anzahl älterer Chaluzim verfügen, die Ws jetzt unsere Arbeitsstellen gehalten haben, muß man für Arbeits* stellen sorgen, die weniger gut bezahlt werden. Der Merkas Hechaluz hat einen Hacnscharah-Plan für das Frühjahr ausgearbeitet, und zwar wie folgt: I. 1. Hameln, Bauernzentrum, Landwirtschaft 2. Dölme/Weser, Bauemzentrum, Landwirtschaft 3. Wolfenbüttel, Gärtnerzentrum, Gärtnerei 4. Rodges, Siedlung, Landwirtschaft u, Gärtnerei 5. Bärenklau, Gutsgruppe, Landwirtschaft und Gärtnerei 6. Wolzig, Gutsgruppe, Landwirtschaft und Gärtnerei 7. Magdeburg, Outsgruppc, Obstplantage und Baumschule 8. Luxemburg, Bauernzentrum, Landwirtschaft und Gärtnerei 9. Geplantes Bauemzentrum des Brith Chaluzim Datiim in der landwirtschaftlichen Hachscharah Kibbuzith 10. Spezialausbildung in der Landwirtschaft insgesamt 40 Leute ״ 20 ״ 20 15 ״ 15 ״ 12 ״ 8 ״ 15 ״ 15 160 Leute J0_״_ 170Leute II. Handwerk: 1. Beth Chaluz Berlin 15 Leute 2. Beth Chaluz Leipzig 10 ״ Handwerk!. Hachscharah Kibbuzith 25 Leute III. Einzclhachseharah in verschiedenen Städten Deutschlands 155 Leute (Im vorigen Jahre befanden sich in landwirtschaftlicher Hachscharah 80 Leute.) Für die handwerkliche Hachscharah ist es heute unsere wichtigste Aufgabe, Chaluzheime in verschiedenen Städten zu schaffen. Die bereits bestehenden Chaluzheime in Leipzig und Pankow reichen nicht aus, um alle jüngeren, handwerklichen Chaluzim aufzunehmen. Da die Chawerim, die heute kommen, jünger sind als dies früher der Fall war, sind die Chaluzheime von noch größerer Bedeutung. Tarbutharbeit. Wir versuchten mit unserer Tarbutharbeit nicht nur die Chawerim unserer Organisation, sondern auch die der zionistisehen Jugendbünde Deutschlands zu erfassen. Ihre Tätigkeit erstreckte sich unter anderem auf: 1. Seminare. Der Hechaluz veranstaltete im Dezember 1928 und Dezember 1929 Seminare, an welchen sich 35 bis 40 Chawerim des Hechaluz und der verschiedenen Jugendbünde beteiligten. Ferner wurden vom Hechaluz die Seminare der Rodgesser Oruppe und des Gau Rheinland des J. J. W. B. unterstützt. 2. Zeitschriften. Im Frühjahr 1929 begann der Hechaluz mit der Herausgabe einer hebräischen Zeitschrift ״Igereth“, von der bis heute vier Hefte erschienen sind. Der Leserkreis der ״Igereth“ setzte sich aus den Mitgliedern des Hechaluz und der Jugendbünde zusammen. Für die Zukunft besteht die dringende Notwendigkeit, diese Zeitschrift gedruckt und punktiert erscheinen zu lassen. ״Der junge Jude“ ist unter Beteiligung des Hechaluz als Zeitschrift der chaluzischen Jugendverbände des Westens aufgebaut worden. ״Palastinakorrespondeoz‘die Berichte von den t Chawerim aus Palästina brachte, wurde nicht regelmäßig herausgegeben. 3. Hebräische Arbeit Eine der wesentlichsten Aufgaben des Hechaluz ist, den Chawerim die Möglichkeit des He- Briischlernens zu geben und in den Juge&dbünden für die hebritische Sprache Interesse zu wecken. In der letzten Zeit war es uns leider nur in Hameln möglich, einen Palästinenser Mosche Braslawsky aus Beth-AIpha zu halten, während in anderen Orten die Chawerim selber diese Arbeit machen mußten, was natürlich kein idealer Zustand ist. Ben Ascher ist es durch seine Arbeit im Rheinland gelungen, in weiten Kreisen der jüdischen Jugend Interesse für das Hebräischlernen zu schaffen und hebräischsprechende Kreise zu begründen. Reisen. Um den Kontakt mit dem Chawerim und der jüdischen Jugend aufrechtzuerhalten., wurden von den Chawerim des Merkas folgende Städte besucht: Köln, Düsseldorf, Duisbürg, Essen, Dortmund, Kassel, Fulda, Frankfurt, Mannheim, Hameln, Wolfenbüttel, Hannover, Magdeburg, Hamburg, Leipzig, Chemnitz, Bresiau, Danzig, Zwickau, Jena und Rodges. In Zukunft wird man sich dem Osten und Süden Deutschlands widmen müssen, um auch dort eine Chaluzbewegung vorbereiten zu können. Bibliothek. Durch die Bücheraktion, die gemeinsam mit der Z. V. f. D. durch geführt wurde, galang es uns, unsere Bibliothek auf 1500 Bände zu erweitern. Die Bücher werden von den Chawerim des Hechaluz und der Jugendbünde in ganz Deutschland benutzt. Faßt man die Arbeit des Hechaluz in den letzten zwei Jahren zusammen, so sieht man, daß sie in zwei Teile zerfällt: 1. in die letzte Zeit der Alijahsperre und 2. seit dem Beginn der neuen Alijah. Die Erhaltung der chaluzischen Bewegung während der Alijahsperre ist lediglich der Hadischarah-Kibbuzith in Stadt und Land zu verdanken. Seit dem Beginn der Alijah ist die wichtigste Aufgabe des Hechaluz, die Erweiterung auf noch nicht erfaßte Kreise. Von unermeßlicher Bedeutung war die Arbeit der Chawerim der Histadruth in einzelnen Gruppen und im Merkas gewesen. Die Erfahrung lehrt uns, daß eine Chaluz- und zionistische Jugendbewegung nur von Chawerim aus Erez- Israel geführt werden kann. Nur sie sind imstande, jüdische junge Menschen in der Oolah mit Palästina eng zu verbinden. Beschlösse dec Poale Zion in Deutschland Die 7. Landeskonferenz der Poale Zion in Deutschland, die vor kurzem in Berlin stattgefunden hat, nahm, wie die J. T. A. meldet, die folgenden Entschließungen an: Palästina-Resolution. 1. Die Konferenz drückt ihre Solidarität mit der Stellungnahme und Tätigkeit der Histadruth vor, während und nach aen Ereignissen aus. Die Konferenz dankt dem Selbstschutz, der die Existenz des Jischuw und seine Würde gerettet hat Die Konferenz sieht in derjidlsdien Einwanderung und Kolonisation die Grundlagen des Fortschrittes Und des Friedens im Lande und im jüdischen organisierten Arbeiter den Vorkämpfer für die Verständigung der beiden Völker und für ihren gemeinsamen Aufstieg. 2. Die Konferenz stellt mit großer Befriedigung fest, daß der Jischuw trotz der schweren Leiden sich nicht durch Stimmungen des Hasses und der Rachsucht hat beherrschen lassen und daß die Histadruth, der Gemeinsamkeit der Lebensinteressen der arabischen Massen in Palästina und derjüdischen Arbeiterklasse Rechnung tragend, mit verdoppelter Energie ihre Bemühungen fortsetzt, die gemeinsame Balis für das Leben beider Völker zu schaffen. 3. Dt« Konferenz stellt fest, daß die reaktionäre Gefahr der revisionistisehen Bewegung sich in ihrem Verhalten vor den Ereignissen ge*etgihifc Wege chaluzischen Schaffens *b, erzieht sie zum Hai gegen die Arbeiterbewegung und im Geiste chauvinistischer Phraseologie, die bei den Lebensbedingungen im Lande geeignet ist, die Be- Ziehungen zwischen den Völkern zuzuspitzen und den Weg zur Verwirklichung des Zionismus zu erschweren. 4. Im Gegensatz zu Tendenzen, die in gewissen zionistischen und antizionistischen Kreisen aufgekommen sind und die zum Ziel haben, den Zionismus auf die Schaffung eines geistigen Zentrums in Palästina zu reduzieren — Tendenzen, die im Widerspruch zu den Bedürfnissen der jüdischen Massen in der Galuth stehen — betont die Konferenz, daß die Poale Zion stets den Hauptinhalt der zionistischen Bewegung in der Schaffung eines Zentrums der Arbeit und des Eigenlebens für die jüdischen arbeitenden Massen in Palästina gesehen haben. Resolution zur Chaluzbewegung. Die Konferenz betrachtet die Alijah als die wichtigste Aufgabe bei der gegenwärtigen Lage im Zionismus und in Erez-Israe! und beauftragt das Zentralkomitee, die Gedanken der Chaluziuth zu propagieren, sowie die Arbeit des Hechaluz für Hachscharah und Alijah auf jegliche Weise zu unterstützen. Resolution betreffend Gemeindeprogramm. Die Konferenz beauftragt das Zentralkomitee, baldigst einen Entwurf eines poalezionistischen Gemeindeprogramms auszuarbeiten. Organisatorische Resolution. Die Konferenz erklärt die Mitgliedschaft zur jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion in Deutschland mit der Mitgliedschaft zur Zionistischen Vereinigung für Deutschland für vereinbar. Lazarus Barth ti Wien Lazarus Barth, Mitglied der Zionistischen Exekutive in London, ist in Wien eingetroffen und will versuchen, den Frieden innerhalb der österreichischen Zionistischen Orjranisation herzustellen; der unter Führung von Robert Stricker stehende Verband demokratischer (radikaler) Zionisten unterhält seit nahezu zwei Jahren keinerlei Verbindung mit der offiziellen Zionistischen Organisation Oesterreichs, beide Gruppen bekämpfen einander auch in der Öffentlichkeit. Barth wird ferner seine Anstrengungen darauf richten, den österreichischen nichtzionistischen Teil der Jewish Agency, bei dem die Verhältnisse infolge des Rücktrittes von Dr. Paul Hammersehlag als nichtzionistischem Vertreter Oesterreichs in der Jewish Agency ungeklärt sind, zu reaktivieren. — In den letzten Wochen besuchte Barth mehrere jüdische Zentren Osteuropas. Ein neuer Kolonialminister? Der Parlamcntsberichterstatter des ״Daily Express“ erfährt, daß der Staatssekretär für die Dominien und Kolonien, Lord Passfield, voraussichtlich Im Februar nach Beendigung der Tätigkeit der zum Studium der Indischen Frage eingesetzten Simon-Kommission von seinem Amt zurücktreten werde. Als sein Nachfolger soll Vernon Hartshorn, der in der ersten Labour-Rcgierung Postmaster-General gewesen ist, ausersehen sein. Schon als Lord Passfield im Juni des vergangenen Jahres das Staatssekretariat übernahm, hieß es, daß er das Amt nur als Platzhalter bekleide, bis die Simon-Kommission ihre Tätigkeit beendet haben und Vernon Hartshorn für den Posten des Kolonienministers frei sein wird. Im Laufe des letzten Halbjahres sind 2087 jüdische Ein- Wanderer nach Kanada eingewandert Keren Hajessod-Aklton ln Holland Der Direktor des Keren Hajessod, Herr Dr. Arthur Hantke, besuchte anfangs Januar Holland. Er sprach am 4. Januar zunächst in öffentlicher Versamm- Jung in Rotterdam und schilderte die Zustände in Palästina, wie sie sich nach den Unruhen vom August entwickelt haben. Dr. Hantke hob hervor, daß eine Auswanderung nach den Unruhen überhaupt nicht stattgefunden hat, während z. B. nach den Pogroms in Rußiand eine Massenflucht einsetzte, daß weiter der ganze Jischuw׳ fest entschlossen sei, die Arbeit fortzuführen und versicherte unter großem Beifall, daß der Aufbau mit allen Kräften fortgesetzt wird, insoweit die Mittel der Bewegung es zuließen. Der Redner richtete einen warmen Appell an die sehr zahlreiche Zuhörerschaft, die jüdische Bewohnerschaft Palästinas durch eine große Einwanderung stärken zu helfen. Nach Dr. Hantke richtete das Mitglied der zweiten Kammer, Dr. I. H. J. Vos, einen warmen Appell an die Versammlung, sich der Bewegung anzuschließen, welche die heilige Aufgäbe des jüdischen volles durchzuführen bestimmt sei. ־ Am folgenden Tage sprach Dr. Hantke in geschlossener Sitzung für die Vertrauensleute des K. H. aus dem ganzen Lande. Nach ihm setzte Dr. Van R a a 11 e die Bedeutung der J. A. für die Zukunft des Aufbaus auseinander, und die Mitglieder des Kuratoriums, Herr Hertzberger aus Rotterdam und Dr. M. L. Kan, Amsterdam, sprachen über die organisatorische Notwendigkeit vom Standpunkt der Nichtzionisten und vom Standpunkt der Zionisten. Dr. Hantke sprach dann noch am 7. Januar in Enschede vor einem ein geladenen Kreis. Das Geschäftsjahr des Keren Hajessod hat am!.Januar mit einem recht befriedigenden Resultat abgeschlossen. Ein Be» trag von mehr als 120 000 FL, also 10 000 Pfund, ist bar ein- ׳־ ־■ ' '־ *■ -- ... יי* , .. Drei Honeier Pogromtttrer verurteilt Moskau, 17. Januar. (J. T. A.) Mehrere Anstifter des Homeler Judenpogroms vom 13. Januar 19(» wurden jetzt in Hornel erkannt, verhaftet und vor Gericht gestellt. In der GeriehtsVerhandlung, die sechs Tage dauerte, wurde festgestellt, daß die Angeschuldigten Mitglieder der Exekutive der zaristisehen Pogrom-Organisation ,30jus Ruskago Naroda“ gewesen waren. Etwa 50 Zeugen wurden verhört, unter Ihnen *echt lnden, die Leidtragende des nunmehr 24 Jahre zurückliegenden Pogroms waren. Es wurden harte Strafen gefällt Ivan Davidow wurde zum Tode, Sergdj Makosewski zu acht Jahren unti Jefflm Katschanow zu fünf Jahren Kerkers verurteilt flae Delegation des Waad letnnl? Jerusalem, 17. Januar. (J.T.A.) Im Waad Leoml wurde die Frage einer nach London zu entsendenden Delegation eingehend erörtert, die Entscheidung aber bis zum Eintreffen genauerer Informationen seitens des in London weilenden Präsidenten des Waad Leumi, Pinchas Ruthenberg, vertagt Der Waad Leumi-Delegation soll insbesondere die Auf- '־ - ‘ ' ’ **. treten. Eine zweite Aufgabe der Delegation soll darin bestehen, die Judenheit der Welt zu gesteigerten Leistungen für Miste zu veranlassen. ־. ' Kleine Nachrichten Das lateinische Patriarchat von Jerusalem hat laut J. T. A. von Auni Abdul Hadi, einem Mitglied des Obersten Moslemischen Rates, den gesamten Boden des nordöstlich von Nablus gelegenen arabischen Dorfes Rameh käuflich erworben. Schwere Wolkenbrüche gingen in Palästina nieder und überfluteten an vielen Stellen die Bahnkörper, 80 daß ernste Verkehrsstörungen eingetreten sind. Der Personenzug aus Kantara, der die Reisenden aus Aegypten nach Palästina bringt, konnte wegen der Ueberflutung nicht über Gaza hinauskommen. Die britische Akademie der Wissenschaften hat den Archäologen der Hebräischen Universität In Jerusalem Dr. Sukemk eingeiaden, im Jahre 1930 Vorlesungen über die antiken Synagogen Palästinas und Griechenlands zu halten. Am 1. Februar wird in Prag eine von der Landesorgant» sation der jüdischen Frauen Böhmens veranstaltete Ausstellung internationaler jüdischer Künstler eröffnet werden. Konzert des Oberkantors Hersehmann Dies ist das groteske Endergebnis: ein ,,Heldentenor“, der weder Held, noch Tenor ist, hält sich für den Mittelpunkt der Welt, und ein ahnungsloses Publikum findet sich bereit, dem billigem Ruhm nicht typisch für die Mehrzahl der sogenannte# jüdischen Konzerte, so Könnte man über diesen Abend des Miß- Vergnügens im Bach-Saal schweigend zur Tagesordnung über* gehen. Aber es gilt, zur Warnung derer, die schlechtes Beispiel immer wieder zur Nachahmung verlockt, die ganze Lächerlichkeit solchen Konzertsports zu beleuchten. Dieser Oberkantor versteht es nicht, seine Stimme zu be* handeln, aber in seinem heldenhaften Leichtsinn macht er sich nichts daraus. Er trägt, da die Gesangakunst versagt, dick Gefühl auf. Alle# Natürliche wird unter einer Schicht fetter Schminke begraben, Wehe, wenn die Melodie in die Höhenläge steigt. Die Mittellage Ist noch erträglich. Da oben aber ists fürchterlich. Eine Trompete beginnt zu dröhnen. Wie gurgelt sie herrlich. Als wenn sie sich von Halsschmerzen befreien wollte. Mir ist, als wäre an meinem Trommelfell die Schnarrsaite gelockert . , Das , Owinu Malkenu“, von K wart in bearbeitet, mag noch hingehen. Obwohl auch hier schon die Stimme sich auf Glatteis bewegt. Bei dem kleinsten Schritt gerät sie ins Rutsehen. Aber bei dem nun folgenden ״Ow Hurachmin“ beginnt der Ziergesang. Ich liebe Koloraturen nicht. Sie haben, auch keten mit mächtigem Elan los, blinkern und trillern eine Zeitlang in den höchsten Höhen und kehren dann ausgepowert zum alten Rezitativ zurück. Ein jiddisches Volkslied, ״Samd in Stern“ von Berenstein, entspricht etwa der ״Rasenbank am Elterngrab‘ mit einigen opernhaften Verschärfungen. Dann folgt ein Volkslied ״In Cheider“ von M u 8 8 0 r g s k y. Ich war erstaunt, daß dieser ausgesprochene Antisemit jüdische Volkslieder geschrieben haben soll. Das Programm behauptete denn auch, die Musik wäre von Milner. Aber ich mööhte schwören, sie war von Mussorgsky. Noch ein letztes Wort zu den Begleitungen der Gesänge. Sie spielen entweder mit einem Finger die Melodie auf dem Klavier mit, oder erschüttern die Saiten mit heftigem Tremolo. Solche Bearbeitungen sind die Höhe der Stupidität, denn eben, wo Gedanken fehlen, da stellt ein Tremolo zur rechten Zeit sich ein. Erich Walter Sternberg.

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