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Jüdische Rundschau · 1930-01-17 · Heft 5 (17.1.1930) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 5 (17.1.1930)
Date
1930-01-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 36 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 5, 17.1. 1030 Umgehung der Balfour-Deklaration? Die einflußreiche englische Zeitung ״Fortnightly Review״ veröffentlicht in ihrer Dezenibernunimer an leiten* der Stelle einen höchst bemerkenswerten auf eigenen Informationen beruhenden Aufsatz von Kirfav Page über den Palästina-Konflikt. Page hatte in Palästina sowohl mit maßgebenden jüdischen und arabischen Persönlichkeiten wie mit englischen und amerikanischen Staatsangehörigen längere Besprechungen; auf jüdischer Seite mit dem Generalanwalt Bcntwich, dem Mitglied der Exekutive Harry Sacher und dem Leiter des Immigrationswesens ilramscm, auf arabischer u. a. mit dem Großmufti von Jerusalem und dem Präsidenten der Arabischen Exekutive Mou;a Ka/.im Pascha. Ferner hatte Page eine längere Audienz bei König F e i s a 1 vom Irak und Besprechungen Page meinte, die Juden \vi Argumente für ihre Sache in beinahe unlösbar ersc!, nicht einmal ohne Sympathie, die Judenheit dar und zitiert Palestine Survev Commission, Juden mehr bedeute als ein der Wiedergeburt und der mit c![C die dessen Ministern. Araber könnten so starke d führen, daß die Frage Er legt ganz gut, und Bedeutung Palästinas für beifällig die Worte der Joint daß Palästina heute für die bloßes Land, nämlich ein Symbol Rückkehr zu geistiger und leiblieber Gesundheit und Jugend. Die Engländer hätten seit der Balfour-Deklaration den Juden ko viele Versprechungen gegeben, wie diese sich überhaupt nur wünschen könnten. Aber die Araber fühlten sich als ״Opfer schlimmster Ungerechtigkeit“ und wehrten sich auf das äußerste gegen den Plan, ihr Land zu einer Heimstätte für ein fremdes europäischamerikanisches Volk zu machen. Der Großmufti habe erklärt, wenn die Juden auf Grund längst vergangener Ereignisse Palästina für sich beanspruchen könnten, so hätten die Araber ebensogut ein Anrecht auf Spanien, das sie ja auch einmal besessen hätten. Vor allem aber führten die Araber heftige Beschwerde über den Bruch der Unabhängigkeits- Versprechungen, mit denen sie die Alliierten zum Eintritt in den Krieg bewogen hätten. Nun seien Kriegsversprechun- Page, überhaupt meistens unklar, auch die gen, meint Page, uoernaupt meistens umuar, aucu u!c alfour-Deklaration könne man verschieden interpretieren, und so werde auch die Echtheit bestimmter Versprechungen, auf die die arabischen Führer pochten, von maßgeblicher engliseber Seite bestritten. Aber jedenfalls glaubten die meisten Araber, man habe ihnen für den Fall eines Sieges der Alliierten die Möglichkeit, ein unabhängiges großarabisches Reich zu bilden, versprochen. Diese Ansicht habe auch König Feisal in dem Interview vertreten, und ebenso hätten die hohen arabischen Beamten, mit denen er in Bagdad konferiert habe, einstimmig daran festgehalten, daß man der ganzen arabischen Welt Unabhängigkeit versprochen habe. Zur Bekräftigung dieser Ansicht nabe man Page gewisse Dokumente aus Feisals Privatbibliothek zur Verfügung gestellt; und eines dieser Dokumente, eine von Feisal selbst verfaßte ״Note über die arabische Frage an die englische Regierung״ enthalte folgende Ausführungen: ״Die Araber ergriffen die Waffen gegen die Türken auf die Versprechungen hin, die mein Vater (König Hussein) ihnen gemacht hatte; diese beruhten wiederum auf englischen Versprechungen. Diese Verpflichtungen, die die britische Regierung meinem Vater gegenüber einging, sind klar und unzweideutig.... In einem Brief vom 14. Juli!915 bat mein Vater darum, England solle die Unabhängigkeit der arabischen Gebiete anerkennen, die folgendermaßen begrenzt würden: im Norden durch Marsin'a Und Adana bis zum 37. Breitengrad, mit Berejk, Urfa und Mardin, im Osten durch die persische Grenze bis zum persischen Golf, im Süden durch den Indischen Ozean mit Ausnahme von Aden, und im Westen durch das Rote und das Mittelländische Meer bis nach Marsina.“ Am 24. Oktober 1915 antwortete Sir Henry Mac Mahon bezüglich derjenigen Territorien, über die England verfügen konnte, ohne seinen Verbündeten Frankreich zu benachteiligen (Syrien!) folgendermaßen: ״Ich bin im Namen der Regierung Groß* britanniens zu erklären bevollmächtigt: Großbritannien ist bereit, die Unabhängigkeit der Araber in den Gebieten anzuerkennen, die durch die vom Scherif (Hussein) vorgeschlagenen Grenzen umfaßt werden.“ (Es folgen sodann nur gewisse Vorbehalte bezüglich der Vilajets Bagdad und Basra.) Die englische Regierung wiederholte dieses Versprechen in einem Brief von Lord Curzon an mich vom 9. 10. 1919. Und Lloyd George erklärte in Downing, Street in einer Konferenz, bei der ich anwesend war: ״Die arabischen Streitkräfte haben ihre Verpflichtungen gegen Großbritannien innegehalten, wir sollten auch unsere Versprechungen an sie erfüllen.‘“ Soweit dieses Dokument Feisals. Page geht dann auf die hauptsächlichsten Vorwürfe der Araber gegen das jüdische Siedlungswesen ein, ohne dazu wesentlich Neues mitzuteilen. Die überlegene jüdische Gesdiäftstiichtigkcit der Juden und die Geldspenden der Wcltjudonheit an die zionistischen Siedler flößten den Arabern Furcht vor der jüdischen Wirtschaftsmacht ein. Vor allem .aber erbittere sie der unverlüiltnismäßig große Einfluß der jüdischen Minorität auf die palästi* iicnsische Gesetzgebung und Verwaltung. Ohnehin befänden sich die Araber in einer tiefen Erbitterung gegen die großen Kolonialmächte, die sich in den Kämpfen um Damaskus und dem Krieg der Rifkabylen entladen habe. Unter diesen Llmständen erstrecke sich der Einfluß der_ palästinensi-eben Ereignisse natürlich auf die ganze arabische Welt. ״So ist die Sackgasse vollkommen; die ganze Lage ist höchst gefährlich“, meint Page. Die Juden selbst hätten durch eine Verlängerung der gegenwärtigen Krisis am meisten zu verlieren, nicht mir wegen der Gefahr für ihr Leben und Eigentum, sondern schon wegen des Boykotfs. England und der Völkerbund seien zu stark engagiert, um jetzt noch zurückzukönnen. Aber glücklicherweise (!) sei die Balfour-Deklaration außerordentlich vage im Ausdruck. Man habe bisher den Nachdruck aut den ersten Teil, nämlich auf die Errichtung einer jüdischen Nationalen Heimstätte gelegt; man könne jedoch den Nachdruck auch auf den zweiten Teil legen, nämlich auf die Wahrung der Rechte und Interessen der Nichtjuden! Auf welche Weise sich die Engländer nach Pages Ansicht, am vorteilhaftesten aus der Affäre zu ziehen hoffen können, geht noch deutlicher aus folgenden Sätzen hervor: ״Ohne die Balfour-Deklaration zu verletzen, W'äre es möglich, ein Heim für Juden (sic!) zu errichten, und ihnen die gleichen Rechte wie den anderen Rasrcn zu geben nicht aber einen bevorrcditlgHm Status, wie es jetzt der Fall ist.“ Die Juden würden daun so viel politische Macht erhalten, wie ihrem Anteil an der Bevölkerung entspräche, und die britische Mandafarmacht würde die Regierungsgewalt neutral gegen Juden, Christen und Moslems anwenden. Die wirkliche Schwierigkeit liege also gar nicht so sehr in der Balfour-Deklaration als solcher als in ihrer jetzigen Auslegung. Die Zionisten hätten — wie Page von einem Zionisten seihst gehört haben will . einen verhängnisvollen Fehler begangen, indem sic zuviel Nachdruck auf die Gewinnung politischen Einflusses legten, statt nur auf den kultureUea, geistigen und wirtschaftlichen Erfolg des Siedlung«- Werkes hinzuarbeiten. Sie sollten jetzt die Mäßigkeit ihrer Ansprüche unmißverständlich kundtun. Jedes andere Vorgehen müßte vor allem für die Juden selbst verhängnisvolle Folgen heraufbeschwörcii. Dieser Aufsatz eines zweifellos nicht antisemitischen, und gefühlsmäßig wohl auch nicht antizionistischen, Engländers zeigt überaus klar, wie sehr manche Kreise in England versucht sind, aus weltpolitischen Gründen die Balfour-Deklaration jeder tieferen Bedeutung, ja ihres ganzen Sinnes zu berauben. (Page schrieb in ähnlichem Sinne auch in amerikanischen Zeitschriften.) * * fn der konservativen und scharf nationalistischen ״Eng- *ish Review“ vertritt Captain C. D. Brunton in einem Aufsatz ״British Policy and the Palestine Mand a t e“ einen durchaus antizionistischen Standpunkt in etwas cachierter Form. Der Verfasser geht davon aus, daß die Araber trotz der langen Ruhe zwischen 1921 und 1929 nie aufgehört hätten, den Zionismus zu hassen und der englischen Politik zu mißtrauen, worüber sich aber die englische Regierung wie die zionistische Leitung Illusionen hingegeben hätten. In dem englischen White Papier von 1921 habe die damalige Untersuchungskommission die Ansicht geäußert, daß die Jaffaer Unruhen im Mai jenes Jahres ihren tiefsten Grund in der Feind- Seligkeit der Araber gegen die jüdische Einwanderung und den Zionismus gehabt hätten. Genau das gleiche, meint Brunton, gelte für die letzten blutigen Ereignisse, und wenn die jetzige Untersuchungskommission nach dem Willen der Regierung die Fragen der hohen Politik außer acht lassen und sich auf die unmittelbaren Ursachen der Unruhen beschränken solle, so sei ihre Arbeit von vornherein ziemlich unnütz. ״Die fundamentalen Ursachen des Unfriedens in Palästina liegen im Zionismus, in der britischen Politik und im Mandat.“ Wie voreingenommen Brunton tatsächlich ist, geht schon daraus hervor, daß er zur Erklärung der zionistischen Ziele nur solche Aeußerungcn von Weizinann, Rosenblatt und Dr. Eder zitiert, die besagen, Palästina solle so jüdisch werden, wie England englisch sei; die wesentlich anders lautenden späteren Erklärungen erwähnt Brunton überhaupt nicht, sondern nennt die ersteren ״durchaus ehrliche und endgültige (!) Erklärungen der zionistischen Ziele“, die eben von den Arabern ganz richtig als Bedrohung ihrer wirtschaftlichen, politisehen und rassischen Stellung m Palästina aufgefaßt wurden. Und die Araber, — nicht etwa die Juden! — sind in Bruntons Augen ״mehr oder weniger die Nachkommen der ursprüngliehen Landesbewohner“! Die Balfour-Deklaration habe zwar vorgesehen, daß die bürgerlichen und religiösen Rechte der Nichtjuden in Palästina nicht beeinträchtigt werden dürften, habe aber ihre politisehen Rechte nicht einmal erwähnt, obwohl sie sich andererseits gegen eine Verminderuftg der jüdischen Rechte in den anderen Ländern ausgesprochen hätte. Den später zur Beruhigung der Araber abgegebenen amtlichen Erklärungen von Sir Herbert Samuel 1921, und den damaligen Kolonialsekretären Churchill 1922 und Amery 1925 hätten die Araber aus zwei Oründen keinen Olauben schenken können: einmal, weil man nicht glaubte, daß die englische Politik sich tatsächlich nach diesen mehr araberfreundlichen Erklärungen richten würde, vor allem aber, weil es überhaupt nicht auf diese oder jene Inter» pretation der Balfour-Deklaration ankäme, sondern auf die Be- Stimmungen des Mandates. Zu dem ersten Punkt bemerkt Brunton, man habe den palästinensischen Arabern, die unter türkischer Herrschaft eine parlamentarische Vertretung besessen hätten, unter England keinerlei Mitbestiramungsrecht an der Regierung iJ1res Landes eingerlumt, während ihre Stammesbrüder 1m Irak und in Trans- Jordanien weitgehende Autonomie erhalten hätten. Infolgedessen seien mehrfach für das ganze Land wichtige Entscheidüngen, wie die Erteilung der Ruthenberg-Konzession, von den Engländern im einseitigen Einverständnis mit den Zionisten getroffen worden. Vor allein aber lasse man die Araber bei er Regelung der Einwanderung nicht mitreden. Der Verfasser wiederholt dann die bekannten arabischen Vorwürfe wegen angeblicher Verdrängung arabischer Pächter von ihrem Boden. Nun sei die britische Regierung selbst an die Bes timnungen des Mandates gebunden, das noch erheblich weiter gehe als die Balfour-Deklaration; denn während diese England nur zu den ״besten Bemühungen“ zur Errichtung einer nationalen englischen Heimstätte verpflichte, müsse es sie nach dem Mandat ״sicherstellen“ (secure). Brunton setzte an Hand der einzelnen Artikel die Begünstigung des Zionismus durch das Mandat auseinander. Das Self-Government, welches das Mandat Palästina späterhin geben wolle, könne durchaus nicht das Self-Government einer, wie jetzt, vorwiegend arabischen Bevolkerung bedeuten, sondern solle offenbar erst eintreten, wenn die Majorität jüdisch sei. Tatsächlich habe auch bisher die englische Regierung geglaubt, zur Erfüllung des Mandates den ganzen nichtjüdischen Teil — also mehr als drei Viertel — der Bevölkerung von der Mitwirkung an der Regierung ausschüe- Ben zu müssen. England müsse sich nun darüber klar werden, daß es in Palästina diametral entgegengesetzten Interessen gegenüberstände, und daß es wirklich nicht genüge, die Heiligkeit des Mandates und der Balfour-Deklaration zu betonen. Die britische Politik sei verfehlt. Man müsse eine unparteiische Kommission, wie die Simon-Kommission für Indien, einsetzen, die den ganzen Fragenkomplex studieren, eine endgültige Auslegung des Palästinamandates treffen und vor allem Maßnahmen ausarbeltcn solle, mit denen man die vernünftigen Forderungen der nicht-jüdischen Bevölkerung erfüllen und ihre politischen und bürgerlichen Rechte sichern könne, ohne das In der Balfour-Deklaration verpfändete Ehrenwort, nach besten Kräften für die Errichtung einer jüdischen Nationalen Heimstätte zu wirken, zu brechen. Nur auf diese Weise, durch Gewährung einer liberalen Konstitution für Palästina, könne man die arabische Gegnerschaft gegen die englische Politik und gegen einen gemäßigten Zionismus entkräften. Jede weniger liberale Maßnähme könne bei den Arabern das Gefühl der Kränkung und des Hasses nur noch steigern. Der Aufsatz Bruntons wurde auszugsweise in mehreren englischen Tageszeitungen wiedergegeben. Wir haben es hier mit einer antizionistischen Kampagne zu tun, die offenbar auch die Untersuchungskommission beeinflussen will. Wir nehmen an, daß die Zionistische Exekutive dieser Attacke entgegenwirkt, indem sie die wahren Ziele des Zionismus den maßgebenden Stellen entsprechend darlegt. A. P. Die Palestine Land Development Company Ltd. hat in den letzten Tagen die Grundbuchtitel über 760 Dunatn an die Kolonie Herzliah angrenzenden Bodens für die ״Achusa Aleph“, New York, erhalten. (5300 Dunam in derselben Gegend wurden kürzlich für den Keren Hajessod zur Befriedigung einer Gruppe amerikanischer Käufer der ״American Zion Commonwealth“ schon übertragen.) Die ״Aehusa Aleph“ hatte vor etwa sieben Jahren durch die P. L. D. C. schon ca. 6000 Dunam erworben und darauf die Kolonie Raananah gegründet. Sie hat noch verschiedene Flächen bei der P. L. D. C. bestellt, um anschließend an das am Meer gelegene Herzliah und Rn.in.-'rah ne!׳c Siedlungspunkte zu gründen und auf diese Weise einen geschlossenen jüdischen Bodenbesitz in dieser Gegend zu schaffen. Sb'esemuui, Lodendorff ond Palästina In den, Organ der amerikanischen Zionisten ״New Palestine“ veröffentlicht der bekannte Journalist Pierre van Paassen, dessen Tätigkeit in Palästina in der Zeit nach den Unruhen große Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, eine Reihe von Erinnerungen an seine Besprechungen mit europäischen Staatemännern in den letzten drei Jahren. Er hat als alter Freund des Zionismus in diesen Unterredungen stets Gelegenheit genommen, das Palästina-Problem aufzuwerfen. U. a. hat er mit Mussolini, Lord Robert Cecil, mit holländischen und französischen Staatsmännern (darunter Marschall Lyautey) gesprochen. Wir finden in dem Aufsatz auch zwei Begegnungen mit deutschen Persönlich- Leiten, die für unsere Leser von besonderem Interesse sein dürften, und zwar Stresemann und Ludendorff. Ueber seine Begegnung mit Stresemann schreibt van Paassen: ״Joden Donnerstag Nachmittag empfängt der Außenminister in Berlin die Iwvollmäclitiglnn ausländischen Journalisten. Einmal als ich dort war, erschien Dr. Gustav Stresemann persönlich, um an dem formlosen Geplauder teilzuneliiuen, wobei er seinen Geist mehr sprühen ließ als in den langen parlamentarischen Diskussionen. Die Liköre waren ausgezeichnet, das Gebäck unvergleichlich, aber die Unterhaltung ziemlich banal. Al* ein fremder Gast wurde ich von dem Ministcrialdirekter des Pressebüros ringeführt. Da der Zweck, meines Besuches war, etwas über das neue Deutschland zu schreiben, kam Dr. Slresemann auf dio Entwicklung der nationalen Wiederbelebung in der Welt zu sprechen. ״Der bemerkenswerteste Umstand ist, sagte er, daß eine Tendenz besteht, Nationalismus auf der Weltbürgerschaft zu begründen. Darin unterscheidet sich der neue Nationalismus von der alten chauvinistischen Einstellung. Ich glaube, das ist deutlich erkennbar in Deutschland und in Frankreich und in gewissem Ausmaß auch in den anglo-sächsischen Ländern." ,,Und in Palästina“; wagte ich hiniuzufügen. ״R ic h ti g", erwiderte der verstorbene Außenminister. ״Was mir über das neue Palästina bekannt ist, zeigt, daß es eines der wertvollsten Experimente unserer Zeit ist. Und der größt« Prüfstein fiir die jüdisrho schöpferische Energie. .. Ganz anders lautet der Bericht über die Aeußerung Ludendorffs: ״Ich fürchte mich nur vor einer Sache in diesem wiedererwachten Palästina", dröhnte die metallische Stimme voa Erich Ludendorff, als ich nach München kam, um ihn zu sehen, ״und das ist: die Juden könnten neue Gift-Lehren ersinnen, wie die der Nächstenliebe und Gerechtigkeit, welche sie der Welt unterschoben haben. Wir Deutsche sind nicht so arm an Geist, daß wir von diesen orientalischen Phantasten borgen müssen. Wir haben Thor und Wotan, Freia und Walhalla, das ist genug!" .... Steigerung des Eisenbahnverkehrs Jerusalem, 10. Januar. 0• T. A.) Die jetzt veröffentlichten Verkehrszahlen der palästinensischen Eisenbahnen weisen im Jahre 1929 1 200000 Reisende auf, während die Zahl der Reisenden auf Eisenbahnen im Jahre 1928 bloß 770 000 betrug. Diese Steigerung des Verkehrs auf den Eisenbahnen um 430000 Reisende, also fast 60״/*, ist zweifellos auf die stärkere Benutzung der Eisenbahn durch das reisende Publikum in der zweiten Hälfte des Jahres zurückzuführen, die bedingt ist durch die Unsicherheit der Straßen und den damit zusammenhängenden sehr erheblichen Rückgang des Autoverkehrs. Abs den Regferungsbttros Mr. E. Mills, stellvertretender Chief Secrctary der palästinensischen Regierung, wurde für die Zeit der Abwesenheit von Mr. Luke, der bis zum 9. Mai 1930 Urlaub erhalten hat, mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Chief Secrctary betraut. Mr. S. Moody wurde für die gleiche Zeit mit der Wahrnehmung der Funktionen von Mr. E. Mills betraut. Mr. E. H. Samuel wurde zum Sekretär der Zentralen Stadtbaukommission ernannt. Der stellvertretende Direktor des Schatzamtes der Regierung, Mr. W. J. Johnson, wurde zum Mitglied der Hafenkommission der Regierung ernannt. (Ziko.) Der Hafenbau in Haila Nach der letzten Mitteilung der Regierung über die Ent• Wicklung des Hafenbaus in Haifa sind in den letzten Wochen weitere gute Fortschritte sowohl an der Baustelle in Haifa a!s in den Steinbrüchen bei Atlith gemacht worden. Der Wellenbrecher erstreckt sich nunmehr bereits 85 in in die See; mehr als 5000 cbm Steine sind verlegt worden. Infolge des stürmischen Wetters Ende 1929 wird vermutlich eine Verzögerung der Arbeiten während der Wintermonate eintreten. (Ziko.) Beginn der Tourisleasaison Ende des Jahres 1929 gelangte die erste große Touristengruppe der Saison nach Palästina. Der Touristendampfer landete in Haifa, von wo ein Teil der Passagiere den Norden des Landes besuchte, während die Mehrheit nach Jerusalem reiste. Die Touristen wurden in Jerusalem in dem neuerrichteten Palace Hotel, das von dem Besitzer des Allenbv-Hotels, Mr. Barsky, gepachtet wurde, untergebracht. Die Zahl der Touristen betrug 350. (Ziko.) Letzte Nachrichten Einigung Im arabischen Lager Nach Schluß des Blattes erhalten wir nachstehendes Telegramtn der J.T. A. aus Jerusalem vom 16. Januar: Nach einer Aussprache zwischen den arabischen Führern, an der auch Musa Kazim Pascha teilgenommen hat, sollen, — wie von arabischer Seite mitgeteilt wird — die Mißhelligkeiten zwischen den beiden Flügeln der Arabischen Exekutive beigeiegt worden sein. Musa Kazim Pascha, Jfakub Furadschi und Mogbanan Effendi haben ihre RQcktrittserklärungen zurückgezogen. Auch die Verzichterklärungen von Auni Bey Abdul Ha di und Ragheb Bey Naschascblbi auf die Mitgliedschaft in der nach London sich begebenden arabischen Delegation sollen zurückgenommen worden sein. Der Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Bey Naschascblbi, ist fetzt, wie verlautet, bereit, mit der Delegation nach London zu fahren. Diese Lösung scheint aber die Anhänger Musa Kazim Paschas nicht voll zu befriedigen. So verlangt ״F e I e s t i n“ eine V o 11 s i t z u n g der Palästinensisch-Arabischen Exekutive und die Abhaltung neuer Wahlen. ״El Akdam“ schlägt die Einberufung eines allpalästinensisch-arabischen Kongresses zur Neuwahl der Mitglieder der Londoner Delegation vor. Das Blatt bedauert, daß In der letzten Sitzung der Exekutive bei der Wahl der Delegationsmitglieder persönliche Interessen in unliebsamer Weise ln Ersehetnung traten.

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