Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1930)
- Date
- 1930-01-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5, 17,1.193K» JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 35 Die Vereinigung der Arbeiterparteien (Von unserem palästinensischen Korrespondenten.) AO l«l*Awiw, 8. Januar 1030. Am 5. Januar IrrsaX in Tel-Awtw die Konferenz zur Vereinigung der groß«: Aiticilerparieien, des Hapoel-Hazair und der Achdtith Awo*ith, zusammen. Einen Tag vorher fanden gesondert die Versara.wlungea der beiden Körperschaften statt, die den offiziellen Bksdiluß über die Fusion faßten. Die Konferenzen litten « niclit mehr nötig, die Frage der Vereinigung zu «üsUui.err*, Han stand bereits vor einem f a i t accompli. Ein ÜeFerciwIum, das noch vor dem Kongreß stattfand, hatte in bd<d e ■ Parteien eine überwältigende Majoritat für die Fusion «:!;feteeii. Und im Laufe des Sommers und in der erregten Zeit, die len Unruhen folgte, war der schwache Widerstand» der stell noch hier und da regte, völlig dahingeschmolzen. Die Qt:s<lifte beider Parteien wurden seit einem halben Jahr!*treib gemeinsam geregelt und die Konferenz sollte nur im Schlußstein auf das Gebäude setzen und die Vereinigung proklamier eit. Seit m*n fast si«!k« Jahren kämpft man in Palästina um die VersclmieIzung: ii e4־er leiden größten Parteien des Landes. Auf der Konferenz :inn Jahre 1922, auf der die Allgemeine Arbeiterorgimisaii«□ g«duIfen wurde, war der Plan einer gemeinsamen großen Aridterpartet bereits heiß umstritten. Damals gelang ■es )««i-otli nur einen allgemeinen umfassenden Rahmen in der Arbeite« iganisation zu schaffen, der alle jüdisehen Arbeiter Palästinas ohne Unterschied ihrer Parteirichtung um faßte. in a.erltdfc dieses. Rahmens blieben die alten Gruppen bestehen, timpften um ihre spezifische Auffassung der zionisfis dien Kolonisation und hüteten ängstlich ihre Sonderexistenz. Olt: genug haben die Achduth Awodah und der Hapcel Hazaär nn diesen Jahren bittere Kämpfe miteinander ausgelwclit«, sowohl um ideologische Fragen wie auch um praktische Zick and Methoden. Es bestanden aber auch während dieser langr■ Jahre viele gemeinsame Aufgaben, eine Menge von BerShiumspunkten, und man spürte es sehr deutlich, dal steh «Be Parteigrenzen zwischen den beiden Lagern mehr und me kr verwischten. Es gab viele Momente, in denen MeLt1ungs־v e-raciiedenheiten über die Kolonisation und die Politik der Zionistischen Organisation eine Kluft i n den Parteien uni nicht!:*rischen den Parteien schufen. Mit dem zahlenmäßigen Anwachsen beider Parteien lockerte sich der innere Zusammenschluß» der die Lager stärker als alle Programme 2v$a1rmn!es1gekalten hatte. Und so war der feicrliehe Fusionsbesd1ln.il der Konferenz nicht mehr als die Unterschrift eines Dakuimemtg, das bereits seit Monaten fertig und von beiden Seiten anerkannt war. Die Schaffung der ״Partei der jüdischem Afixeriter Palästinas“ (Hebräisch: Miphlegeth i’oale Ercz־israel)i ils t ■dis letzte Glied einer Entwicklung von Jahren. Die neue Partei scheint, nach der Beschickung der Konferenz zu urteilen, den allergrößten Teil der Mitglieder des Hapoel Hazair und der Axhduth Awodah zu umfassen. Nur wenige Einzelne srcrlen sich zurückziehen und ihre Zahl wird vermutlich durch 41« Heranziehung bisher Parteiloser wettgemacht werden. Fuhr Palästina kann die Durchbrechung der alten Schranken Tom großer Bedeutung sein. Hier ist jetzt eitU-groBer, aWunemrsenciaaffeii wordene־,— d$r •grt'ßte,'*1Jäj Palästina heute'BesHat — und eine Partei entstanden, die allein an Zahl eine Macht darstellt, die nicht unterschätzt werden darf. Di« alten Kiiniff«, die bisher zwischen den Parteien ausgetragen wurden, w«ad«s fraglos auch jetzt nicht ausgelöscht sein. Aber man darf hoffen» daß sie sehr nach sachlichen als nach parieichen Qiesic! tspnnkten geführt werden. Viel wird für das Leben der ■«wen Partei und damit das öffentliche Leben des Landes davon abhingen, ob sich hier ein wahrer Meinungskampf und -Aus lausch entwickelt. Es muß bei solch großen Gebilden, *wie es die ״Vereinigte Partei" darstellt, immer die Gefahr teesteleit, daß sie nach der Schablone regiert werden und de! StHi.lagTraft nach außen zuliebe interne Differenzen nicht ausgc Inageit, sondern unterdrückt werden. Gerade heute ist es jeed-oeb die Aufgabe der größten Partei des Landes, das F «ff 10 an zu bilden, vor dem eine gründliche u ■»dl klare Diskussion der aktueilen F f *g־e ■ צ La t tf i nde n kann. Wie staik das!Bedürfnis nach einer solchen Klärung ist, hat die Kos ieienz teilst gezeigt Diese Zusammenkunft war das erste große E r>e ignus un öffentlichen jüdischen Leben, das nach den Unruhen au verzeichnen war. Der Andrang zu der Eröffnung und au eh 2u den Sitzungen war ungeheuer. Man sah die Arbeiter a1־t*s allen Ecken und Enden des Landes versammelt» man sah Gesichter» die man seit Jahren nicht mehr in Versami nnlumjgcu getroffen hatte. Die ganzen drei Tage hin durch wa:r der Saal überfüllt und man spürte ein Warten des Audito'räuims auf eine Klärung. Uebcr diesem Warten drohte die lalsache der Fusion fast zu verschwinden; das war eben eine erledigte Sache, die man begrüßte, aber über die hinaus m.1 weiter drängte. Die Konferenz konnte der ganzen Situation gemäß nur den ersten Anfang einer Klärung geben. Dia Ding« sind zu sehr im Fluß, zu kompliziert und zu unllar, Von besonderem Interesse war in diesem Zusamt« c «hang «las große Referat von Ben- Gtirion» das .sich mit der palästinensischen Politik und speziell mit der Ftragc des politischen Regimes befaßte. Es war ein ernster and origineller Versuch, ein System des politischen Regimes., •das den Forderungen der Araber entgegenkoimnt und die Rechte der Juden dabei sicherstellt, zu konzipieren. B««1-Ourio!»s Vorschläge trafen in der Konferenz auf starke«. W'\ Jerspruch. Auf der einen Seite deshalb, weil diese Konzeption den Arabern eine gewisse Mit-Kontrolle über die ]xslifcisch« G-estalhmg des Landes einräumt, auf der anderen Seite deshalb, weil sie nicht genügend mit den Realitäten» vor allem mit den außerjüdischen Faktoren, rechne. Dieser zweite Gesichtspunkt gab Anlaß zu wichtigen kritischen Bemerkungen verschiedener Redner, vor allem Ariosoraff, Tscherioris und Abrr'׳am Katznelson, die den Versuch machten, die politische Lage der Juden mit vollem Realismus d arzus ielüe* und zu einem richtigen Abwägen aller Faktoren mahnten. Das Referat Anlosoroffs über die Lage in der zionistischen OrgaiLisatifaa war ein Versuch, einen Aklionsplan für die nächsten Jahre au skizzieren. Es wurde neben dem Aufbau der Agency besonders die Notwendigkeit einer planmäßigen K01-01■ I sa tion betont im Gegensatz zu den sporadischen irül-er׳e:n Aktionen. Als Umfang der Siedlungsarbeit liegt «in Han der Zionistischen Exekutive an die Survey Commissi!«»■ zugrunde, der eine Verdoppelung der landwirtschaftliche:« Siedl nagen des Keren Hajes sod im Laufe von zwei bis drei Jahren, daß heißt die Anlage von 2300 Siedlungseinhelten in dieser Zeitspanne vorsieht. Um diesen Plan auszuführen sind rund gerechnet ly) Million Pfund notwendig und es ergibt sich klar die Dringlichkeit, Mittel über das vom Kongreß bewilligte Budget hinaus zu beschaffen. Die Diskussion über die wichtigsten Referate, die von Arlosoroff und von Bcn-Gurion, wurde nicht zu Ende geführt, man könnte fast sagen, bereits nach den ersten Anfangen abgebrochen. Es wurde fühlbar, daß es schwer angeht, solche großen und wichtigen Auseinandersetzungen vor einem Auditorium von Hunderten und Tausenden zu führen, solange alle Fragen noch in den ersten Anfängen der Bearbeitnng stecken. Es war ein gutes Zeichen für den eommonsense der Leitung der Tagung, daß sie den Mut hatte, die Diskussion in der Mitte abzuhrechen. Dennoch hat die Konferenz gerade durch die Tatsache, daß zum ersten Male in Palästina vor einem großen Forum die Frage unserer kolonisatorischen und arabischen Politik in ihrem ganzen Umfang angeschnitten wurde, eine besondere Bedeutung erhalten. Und es ist dringend nötig, daß diese begonnene Auseinandersetzimg unverzüglich — vor einem kleineren Forum — fortgesetzt wird. De neue Partei hat gerade in diesem Punkte große Verpflichtungen. Es gibt heute wenig Möglichkeiten für eine politische Diskussion im Lande und der Mangel einer politischen Führung ist stark fühlbar. Die neue Partei kann, wenn sie richtig geleitet und zusammen gefaßt wird, zu einem wichtigen Zentrum der Klärung und Aufklärung werden. Sie wird über eine große Anzahl von Mitgliedern, über eine wichtige Presse — eine Tageszeitung, eine Wochen- und eine Monatsschrift — verfügen. Hier liegt eine neue große Kraftquelle, von deren richtiger Ausnutzung viel abhängt. * In der Eröffnungssitzung der Konferenz sprach namens der Zionistischen Exekutive Dr. Ruppin zu der Vereinigung der Parteien Glückwünsche aus. Die letzten Ereignisse hätten gezeigt, wie stark das Gefühl der Einheit und Zusammengehörigkejt unter allen Schichten des Jischuw sei und hätten eine einheitliche Front geschaffen. Dr. Ruppin fügte für sich persönlich noch hinzu, daß er, obwohl er sich bereits über zwei Jahrzehnte im Lande befände, niemals die Trennung der Arbeiterschaft nach Parteien anerkennen wollte. Der Aufbau des Landes durch die eigenen Kräfte der Arbeiterschaft, die Pioniermission, die ihre allen gemeinsame Arbeit darstelle, sei ihm immer als das wichtigste erschienen. Sein Verhältnis zur Arbeiterschaft sei, seitdem er ins Land gekommen sei, stets positiv gewesen. Mm habe ihn oftmals beschuldigt, daß er zu stark unter ihrem Einfluß stände. Er rühme sich mit Stolz dessen, daß er die Möglichkeit gehabt habe, während dieser ganzen Zeit In von Verständnis und Sympathie erfüllten Beziehungen mit der Arbeiterschaft zu wirken. Dieses Verhältnis sei nicht das Ergebnis irgendeiner parteimäßigen Neigung gewesen, sondern seiner Würdigung der Aufgaben und der Leistungen der Arbeiter beim Aufbau des Landes entsprungen. Wenn in Zukunft einmal die Frage erhoben werde, wer das Jüdische Nationalheim erbaut habe und wem dafür ein Denkstein gesetzt werden müsse, so sage er, daß man dies unserem ״unbekannten Soldaten", dem einfachen Arbeiter, errichten müsse, der seine schwere mühselige Aufgabe still und geduldig ausgeführt habe, der seine Befriedigung nicht im Ruhm, sondern in dem Gedanken gesucht habe, daß er durch seine Mitarbeit an der Errichtung des Judithen Nationalheims für künftige «Ges*bleeMe1׳׳*׳teifhabe. •: Eine arabische Arbeiterorganisation gegründet Jerusalem, 14. Januar. (J. T. A.) In Haifa wurde eine Konferenz arabischer Arbeiter eröffnet, die von der neuerd i n g s geschaffenen arabischen Arbeiterorgan i s a t i o n einberufen war. Obwohl der jüdische Arbeiterrat von Haifa unter den Delegierten Broschüren mit Aufsätzen über Fragen der Arbeiterbewegung und ihrer Organisation verteilte, um diesen ersten Versuch, die arabische Arbeiterschaft zu organisieren, seine Unterstützung zu leihen, wurden Vertreter der jüdischen Presse zu der Konferenz nicht zugelassen. Die Organisation, von der die Initiative zu dieser Konferenz ausging, ist neuerdings mit der Absicht gebildet worden, zunächst die arabischen Arbeiter in den Steinbrüchen von Athlit und in der Streichholzfabrik ״Nur“ in Akko zusammenzufassen. Die jetzt auf der Konferenz neugebildcte Arbeiterpartei hat in ihr Präsidium ausschließlich Mmiammedaner gewählt. Die Konferenz hat beschlossen, die Organ isation der arabischen Arbeiter nicht nur in Palästina, sondern auch in Syrien, Irak, Hedschas und Transjordanien in die Hand zu nehmen. Das Exekutivkomitee, dem die Erfüllung dieser Aufgaben zufällt, besteht aus 21 Mitgliedern. Der Hauptsitz der Organisation ist Haifa, Zweigstellen werden in allen wichtigen Städten errichtet. An der Konferenz nahmen 59 Delegierte, darunter acht Christen, teil. Aus Gaza, Nablus, Bethlehem, Tiberias, Safed und Tulkerem fehlten Delegierte, ebenso aus den arabischen Dörfern, von denen einzig das bei Jerusalem gelegene Dorf Liftah, dessen Bewohner bekanntlich mit zu den Hauptträgem der Unruhen in Jerusalem gehörten, durch drei Delegierte vertreten war. Arabische Steinbrucharbeiter aus Liftah haben damals ihren jüdischen Arbeitskollegen Schutz gewährt. Die Konferenz vermied es, sich mit politischen Fragen zu beschäftigen. Ein Arbeiterfunktionär aus Jaffa, namens Georg Nassar, von dem es heißt, daß er einer illegalen Arbeitergruppc angehört, wurde mit den Rufen ״Verrätcr!“, ״Zionist!“ aus der Konferenz verjagt. Die Bebroner Juden an den H. C. Die nach den Massacres in Hebron nach Jerusalem geflüchteten Hebron-Juden sandten dem High Commhsioner Sir John Chancellor ein Memorandum, in welchem sie sich über das Aufhören der Regierungshilfe an die Flüchtlinge heschweren und die Not schildern, der zahlreiche Waisen, Witwen, Verwundete und Greise ausgesetzt sind. Es wird dagegen protestiert, daß die Mörder, Aufwiegler und Plünderer straffrei sind. Von der Regierung wird der Aufbau der zerstörten Stadt gefordert. Zum ersten Male der Geschichte, heißt es zum Schluß, ist die Stadt der Patriarchen ohne Juden. Das Memorandum ist von den Rabbinern Frankel, Slonim, Dworitz. u. a. m. unterzeichnet. Für die verhafteten Boykottlährer Jerusalem. 12. Januar. (J. T. A.) Der Distriktskommissar für Südpalästina, Campbell, erklärte einer arabisehen Delegation gegenüber, daß Scheich Musafar und andere Araber, die sich wegen ihrer antijüdischen Boykott- Propaganda in Haft befinden, gegen Stellung zureichender Sicherheiten aus der Haft entlassen werden würden. Auf die Beschuh*'jung hin, daß Campbell sich zu den Juden milde, zu den Arabern hingegen unnachsichtig zeige, verwies Campbell die Delegation auf den Weg der Beschwerde beim High Commissioner Sir John Chancellor. Brodeiski in Litauen (Von unserem Berichterstatter.) Kowno, den 9. Januar 1930. Gewöhnlich ist der Besuch eines berühmten zionistischen Gastes mit der Veranstaltung einer großen Kundgebung verknüpft, in der der Gast zwecks Erzielung eines finanziellen Ergebnisses ausgenutzt wird. Bei Prof. S. Brodetski aus London, der vorige Woche in Litauen weilte, nahm man von der gewöhnlichen Schablone Abstand. Ziel und Aufgabe dieses Besuches waren tnformation der hiesigen Zionisten über die politische Lage im Zionismus und über die Tätigkeit der Exekutive. In einer geschlossenen Sitzung von Zionisten behandelte Dr. Brodetski die sich jetzt aufdrängenden Probleme, die mit der Liquidierung der Augustgeschehnisse und mit der Sicherung unseres Aufbauwerkes in Palästina verbunden sind und beantwortete die an ihn gerichteten Fragen. Prof. Rro detskis Worte machten tiefen Eindruck, — auch auf die Revisionisten, die ja nicht vorurteilsfrei die Ausführungen des offiziellen Vertreters der Exekutive auf nahmen. Man kam zur Ucbcrzeugung, daß die Exekutive eine zielbewußte und reale Politik verloigt und diese Politik viel Verständnis bei den maßgebenden Kreisen der Londoner Regierung und der Arbeiterpartei findet. Diese Berichterstattung klärte manche Mißverständnisse auf und das Vertrauen zu der Exekutive wurde gestärkt, ln einer zweiten vertraulichen Sitzung, mit den Führern der Allgemeinen Zionisten, zu der auch Chawerim aus der Provinz kamen, besprach Brodetski eine Reihe von praktischen Maßnahmen: Schaffung von Mitteln für die Alijah, Sorge um den zionistischen Nachwuchs, Beitragsleistung für den politischen Fonds, der jetzt infolge der verstärkten politischen Tätigkeit der Exekutive eine besondere Bedeutung gewinnt, und Pflege der territorialen Arbeitsgemeinsenaft. (Es sei hier nebenbei bemerkt, daß Litauen das erste Land in der gesamten zionistischen Weltbewegung ist, wo der wiederholte Beschluß des Kongresses bezüglich der Schaffung der territorialen Arbeitsgemeinschaft praktisch durchgeführt ist.) Prof. Brodeiski wurde vorn Präsidenten der Republik. Smetona, und vom Premier T u b i a 1 i s in freundlicher Audienz empfangen und referierte in einer Pressekonferenz über die Dynamik der zionistischen Bewegung und über unsere Beziehungen zu den Arabern. Die gesamte Presse (in jiddischer, hebräischer, litauischer und russischer Sprache) widmete der Palästinasache längere Artikel und würdigte die Persönlichkeit des Gastes in überaus warmen Worten. lüer Andrang des Publikums zu den öffentlichen Vorträgen Brodetskis war sehr groß und es mußten darum zwei Volks- Versammlungen in den größten Lokalen der Stadt arrangiert werden. Die litauische Judenheit, die sehr viel Opfer der Palästinaergebnisse, insbesondere in Hebron (Slobodkaei Jeschiwah) und in der Haganah, zu beklagen hat und die ihren Beitrag für den Hilfsfonds in spontaner und großzügiger Weise geleistet hat, wird nicht durch Deklamation und rhetorisches Feuerwerk in ihrem zionistischen Glauben gestärkt, sie wünscht logische Beweisführung und offenherzige Erörterung der Sachlage. Deshalb imponierte die objektive, sensationslose und wahrhafte Darlegung von Prof. Brodetski sowie seine unverschleierte Auseinandersetzung mit den Revisio• nisten und mit dem Britb-Schalom. Prof. Brodetski hielt ferner eine Ansprache auf de* Landeskonferenz des Keren Hajessod, die an Bedeutung dadurch gewann, daß auf ihr die Umwandlung des Keren Haiessoa zum Finanzinstrument der Jewish Agency in Litauen Vollzogen wurde. Man erwartet nun» daß die neuen Leut« die Keren Hajessod-Arbeit in günstiger Weise beeinflussen werden. Besondere Aufmerksamkeit widmete Prof. Brodetski den Tarbut-Angelegenheiten in Litauen, das bekanntlich in der Galutli in bezug auf jüdische Erziehung und Verbreitung der hebräischen Sprache an erster Stelle steht. 200 Tarbutanstalten, 400 Lehrer, 11 000 Schüler, was 75".'* aller jüdisehen Kinder im Schulalter ausmacht, — das ist der Aktivposten, den die Judenheit Litauens trotz aller Hindernisse in aufopfernder Hingabe geschaffen hat. Die Blütezeit des Tarbutwerkes scheint jedoch vorüber zu sein; die Schulen machen jetzt eine schwere Krisis durch. Dazu haben die Verarmung der jüdischen Massen und der neue Kurs des Ministeriums für Volksbildung wesentlich beigetragen. Es ist jetzt eiinc Konferenz der Eitern und der Tarbut-Filialen in der Provinz cinberufen, die sich mit den aktuellen Fragen der hebräischen Schulen zu beschäftigen haben wird. Prof. Brodetski wurde ein Memorandum über den Status der Tarbutorganisation in Litauen überreicht, das zur Behänd* lung in den entsprechenden Instanzen der Exekutive bestimmt ist Einen schönen Abschluß der Brodetski-Tage in Kowno bildete ein Abschiedsbankett, an dem der Gast einen Vortrag über die hebräische Universität in Jerusalem hielt und sich von den litauischen Zionisten verabschiedete. Dr. M. N. Kleine Nachrichten Am 11. d. M. wurde Sokolow vom Präsidenten der Republik Polen, Professor Moscicki, in cinstündiger Audienz empfangen. Aus Anlaß der Anwesenheit Sokolows in Warschau veransialtete die Jüdische Gemeinde eine Festsitzung, der auch die Mitglieder des Rabbinats unter Führung des greisen Rabbi Perlmutter teilnahmen. Der Oberste Moslemische Rat hat für den Kaufpreis von 6000 Pfund ein arabisches Besitztum im Ausmaß von 3000 Dunam erworben. Das Besitztum ist neben der jüdischen Kolonie Dilb gelegen und kam durch die Anglo-Palcstine Company zur öffentlichen Versteigerung. Nach Meldungen aus Colombo (Ceylon) ist der General Inspektor der Ceyloner Polizei nach P a - I ä s t i n a abgereist, um dort die Organisation der Polizeiverwaltung durchzuführen. Seinerzeit hat der Ceyloner Polizei- Inspektor auch die Reorganisation der Polizei in Cypern durchgeführt. Der Warschauer ״Moment“ meldet, daß im Scharon-Gebiet (Küsfenebene nördlich Jaffa) Vorbereitungen für eine gemeinsame jüdisch-arabische Versammlung getroffen werden, fn der Versammlung sollen jüdische und arabische Vertreter Deklarationen betreffend die Verständigung zwischen Juden und Arabern abgeben. Nach einer Mitteilung der in Haifa erscheinenden arabisehen Zeitung ,,El Karmel“ hat das britische Rote Kreuz die von ihrer Aussage vor der Untersuchungskommission her bekannte, in Palästina ansässige Engländerin Miß Newton beauftragt, an die durch die Sateder Unruhen geschädigten Araber (?!) Unterstützungshiifen zu verteilen. (Die Nachricht darf wohl angczweifelt werden. — Red.) Die Zahl der neuen Studenten, die sich für das Wintersemester am Hebräischen Technikum in Haifa eingescnriebcn haben, beträgt 45: weitere 10 Studenten sollen demnächst aus dem Auslande eintreffen. Die Zahl der immatriku- Herten Studenten beträgt 100, jedoch konnten infolge der Raumbeschränkungen nicht alle Studenten angenommen werden.